Dienstag, 3. Februar 2026

Der Schicksalsort von Rothrist

Ein Zitat

Im aargauischen Niederwil wummert die Fasnacht unüberhörbar weit herum.
Fotos © Jörg Niederer
"Ich weiss nicht was ich bin / Jch bin nicht, was ich weiss: / Ein ding und nit ein ding: / ein stüpffchin und ein kreiss." Angelus Silesius (1624-1677)

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Schon im Dickhölzli beim Eidgenössischen Waffenplatz Hinterweid waren die dumpfen Rhythmen deutlich zu hören. Doch erst als der Fasnachtswagen wummernd durch den Dorfkern von Niederwil fuhr, also etwa 4 Kilometer Distanz davon entfernt, wurde mir klar, woher diese Partyklänge gekommen waren.

Es ist Fasnacht, die närrische Zeit.

Auf meiner Kapellentour befand ich mich am vergangenen Samstag auf einer Überführungsetappe. Die nächste Liegenschaft in methodistischen Besitz erwartet mich erst etwa nach 29 Kilometern in Rupperswil. Vorerst ging es von Rottenschwil via Bremgarten (Siehe Beitrag vom 1. Februar 2026!) nach Niederwil. Auch dort, so las ich in alten Konferenzverhandlungen, gab es einst methodistische Stubenversammlungen. Wo genau, das konnte ich nicht herausfinden.

Diesem Niederwil im Bezirk Bremgarten verdank Rothrist seinen heutigen Namen. Denn bis 1890 wurde Rothrist ebenfalls nach einem dortigen Ortsteil "Niederwil" genannt. Zwei Niederwil im selben Kanton, das erschien den Verantwortlichen zu verwirrlich. Also wurde aus Niederwil bei Zofingen die Gemeinde Rothrist.

Niederwil ist in der Schweiz eine sehr geläufige Ortsbezeichnung. SchweizMobil führt gleich 22 Flur- und Ortsbezeichnungen auf mit diesem Namen. Man könnte also eine weitere Tour de Suisse kreieren, vom einen Niederwil zum nächsten.

Wer weiss, vielleicht ist das mein nächste Projekt.

Jörg Niederer

Montag, 2. Februar 2026

Der Vogel des Jahres 2026

Ein Zitat

Ein männlicher Eisvogel auf seinem Ansitz bei der Hide am Flachsee. Schön zu sehen ist der deformierte Schnabel.
Fotos © Jörg Niederer
"Wer kleinlich ist, erspäht auch im Grossen den Makel." Esther Klepgen (*1965) 

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In diesem Jahr darf natürlich der Eisvogel nicht fehlen. Er wurde nach Aufruf durch BirdLife Schweiz von der Bevölkerung zum "Vogel des Jahres 2026" gewählt, knapp vor der Wasseramsel, die lediglich 53 Stimmen weniger erhielt.

Der Eisvogel profitiert von renaturierten, fischreichen Wasserflächen und wohl auch vom Klimawandel. Wer mehr zu diesem farbenprächtigen Fischjäger erfahren möchte, kann auf die Webseite von BirdLife Schweiz gehen, oder dann meine früheren Beiträge dazu lesen.

Was mir aufgefallen ist. Der Eisvogel, ein Männchen, fotografiert am Flachsee entlang der Reuss, hat einen leicht deformierten Schnabel. Selbst geschlossen weisst er eine Lücke auf. Genauso, wie ein Eisvogel bei den Murgauen in Frauenfeld. Erst spekulierte ich, dass es der selbe Eisvogel sein könnte, der seinen Standort gewechselt hat. Im harten Wintern suchen die auf offenes Wasser angewiesenen Sturztaucher oft weiter entfernt bessere Reviere auf. Doch in Frauenfeld ist es ein Weibchen, das diese Schnabeldeformation aufweist.

Für die Vögel scheint diese Fehlstellung des Schnabels bei der Jagd nach Fischen kein Nachteil zu sein. Man muss halt nicht perfekt sein. Lebenstauglich ist man auch, wenn man keinen Schönheitspreis gewinnen könnte.

Jörg Niederer

Sonntag, 1. Februar 2026

Ein neuer Tag beginnt

Ein Zitat

Heute eine Zahnarztpraxis, war das abgebildete Haus einst der Versammlungsort der Methodist:innen im aargauischen Bremgarten.
Fotos © Jörg Niederer
"Ich hoffe auf den Herrn. Voller Sehnsucht hoffe ich auf ihn und warte auf sein befreiendes Wort." Bibel, Psalm 130,5 

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Einige langjährige Methodist:innen werden wissen, was auf diesem Foto zu sehen ist. Nein, ich meine jetzt nicht mich, sondern das Gebäude im Hintergrund. Heute ist es eine Zahnarztpraxis, doch zuvor war es der Versammlungsort der Methodist:innen in Bremgarten AG. Das Gebäude ist noch nicht alt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es eingeweiht worden ist. Doch wenige Jahre später entschieden sich mehrere Kirchgemeinden, gemeinsam in Hunzenschwil eine Gewerbehaus zu kaufen und in Zukunft dort gemeinsam zu feiern. Dazu gehörten auch die Methodist:innen in Bremgarten. So entstand die 3x3-Gemeinde, heute "3x3 EMK Region Lenzburg" genannt.

Nun aber zu meinem Wort zum Sonntag:

Irgendetwas ist total schief gelaufen im Leben des Menschen, der den Psalm 130 als Gebet geschrieben hat. Nun will er reinen Tisch machen. Er sucht Gott. Er weiss: Wenn dieser hart bleibt, dann hat er schlechte Karten. Und doch setzt er seine ganze Hoffnung auf Gott. Wie wenn man alles auf eine Karte setzt. Dann heisst es warten, dass diese Karte sticht. "Voller Sehnsucht warte ich auf den Herrn, mehr als die Wächter auf den Morgen – ja, mehr als die Wächter auf den Morgen." (Psalm 130,6).

Ich erinnere mich an diese kalte Dunkelheit. Die Füsse in den Militärschuhen fühlten sich taub an. Die Nacht wollte und wollte nicht enden. Und dann, ganz langsam, wurde es heller. Mehr und mehr Konturen zeichneten sich ab. Der Himmel überzog sich mit leuchtenden Farben. Im Osten ging die Sonne auf. Ein neuer Tag. Ein neuer Sonntag. Ein neuer Auferstehungstag. Aufatmen.

So etwas hat wohl auch die Psalmbeterin oder der Psalmbeter erlebt. Ein Leben aus der Vergebung kann beginnen. Zum Schluss sagt sie, sagt er: "Denn beim Herrn ist Gnade zu finden, und er befreit von aller Schuld." (Psalm 130,7).

Jörg Niederer

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