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Sonntag, 12. Juli 2026

Erschöpft

Ein Zitat

Drei Tauben an der Aare beim Bahnhof Olten liegen erschöpft von der Hitze am Boden.
Foto © Jörg Niederer
"Nach dem zweiten Frühstück soll man sich, ohne viel Zeit verstreichen zu lassen, an einem schattigen oder kühlen, windgeschützten Platz zur Ruhe niederlegen." Diokles von Karistos (4. bis evtl. 3. Jahrhundert v. Chr.)

Entdeckt

Die Tauben liegen einfach so da, zwischen den Stühlen und Tischchen. Die Hitze setzt ihnen zu. Ihr Schnabel ist leicht geöffnet. Nun hecheln sie sich Kühlung zu. Erschöpft ist ihre Energie. Nur widerwillig entfernt sich eine, als ich ihr zu nahe komme. Kaum einen Meter weiter legt sie sich wieder hin.

Vielleicht bist du auch erschöpft von der vergangenen Woche, von den heissen Temperaturen, vom Stress bei der Arbeit, von den Herausforderungen in der Familie. Da kommt der heutige Sonntag wie gerufen. Es ist der Ruhetag, der Tag, an dem man erschöpft sein darf. Es ist der Tag, an dem die Pflicht hinten anstehen soll. Gut, immer funktioniert das nicht. Aber versuche doch, wenigsten eine Stunde für dich selbst zu reservieren, in der dich nichts stören soll. Kein Smartphone-Ton, keine Kinder, kein Ehepartner, kein Chef, kein Staub oder Schmutz, keine Nachrichten, kein Fussballfrust. Eine Stunde, nur für dich allein. Eine Stunde, an dem der Friede Gottes Raum bekommen darf.

Jörg Niederer

Mittwoch, 15. Oktober 2025

Pausentage

Ein Zitat

Herbstlicher Altarschmuck in der ab 1532 paritätischen Kirche Thal SG.
Foto © Jörg Niederer
"Sechs Tage sollst du deine Arbeit tun, aber am siebten Tag sollst du ruhen. Auch dein Rind und dein Esel sollen ausruhen. Und der Sohn deiner Sklavin sowie der Fremde sollen sich erholen." Bibel, 2. Mose 23,12

Hingesehen

Christina Ragettli schreibt in ihrem Buch mit dem genialen Titel "Von Wegen" über ihre 2363 Kilometer lange Weitwanderung auf der Via Alpina von Triest nach Monaco auch über ihre Lernerfahrungen. Eine davon könnte auch ein Plädoyer für den sonntäglichen Ruhetag sein.

"Erst wenn man Pausen einlegt, dann freut man sich wieder auf den Wanderalltag. Und wenn man wandert, freut man sich auf den Pausentag. Diese Abwechslung war für mich so wichtig und hat vielleicht über Erfolg und Misserfolg - oder besser: Ankommen und Nicht-Ankommen entschieden. Auch Hermann fragte mich immer wieder: 'Äh was, dort machst du wieder eine Pause?' Aber als ich Hermann traf, war ich schon ganz entspannt und erklärte ihm: 'Ja klar, hey, ich habe keine Eile - muss nur wieder zurück ins Büro, wenn ich fertig bin.'" (Christina Ragettli, Von Wegen, München 2025, S. 246f)

Jörg Niederer

Donnerstag, 25. September 2025

Regenschleier

Ein Zitat

Im dichten Regen auf dem Zürichsee fährt an dem beim Landesmuseum startenden Schiffstaxi das Linienschiff Wädenswil vorbei.
Foto © Jörg Niederer
"Die endgültige Sabbatruhe steht also für das Volk Gottes noch aus... Wir wollen uns also anstrengen, zu jenem Ruheplatz zu kommen." Bibel: Hebräer 4,9+11

Hingesehen

Zürich im Regen. Eigentlich wollte ich die Arche 2.0 in der Wasserkirche bestaunen. Doch ausgerechnet diese Woche geht dort gar nichts. Während ich wieder zum Bahnhof zurück spaziere, sehe ich beim Storchen das Schiffstaxi anlegen, welches aussieht wie die Touristenboote in Amsterdam, und entscheide mich kurzentschlossen, mitzufahren. Viel zu sehen gibt es im Nebel nicht. Die Regentropfen auf den Scheiben lassen die Welt um mich herum verschwimmen, einem Schleier gleich. Ich denke an das Hochzeitspaar, dem ich auf der Rathausbrücke begegnet bin. Schleier trug die Braut zwar nicht, aber der Regen tat ja das seine.

Auf dem Rückweg auf dem Zürichsee passieren wir das Linienschiff "Wädenswil". Dann sind da auch die Mehlschwalben, die parallel zum Schiff wenige Zentimeter über dem Wasser Mücken jagen. Ein Fahrgast im Heck des Boots ist eingeschlafen. "So ein Regen hat auch sein Gutes", denke ich. "Er lässt dich zur Ruhe kommen." Und das für einmal ganz ohne Anstrengung.

Jörg Niederer

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