Posts mit dem Label Zoar werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Zoar werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 31. Mai 2026

Nachhaltigkeit und Gastfreundschaft.

Ein Zitat

Fenster mit Glasmalerei von Max Brunner in der Reformierten Kirche Madiswil. Dargestellt ist der Bundschluss mit Noah. Regenbogen, Rabe, Taube.
Foto © Jörg Niederer
"Lot zu Gott: "Aber siehst du die kleine Stadt hier in der Nähe? Dort kann ich mich in Sicherheit bringen. Lass mich doch dorthin fliehen! Es ist nur ein kleiner Ort. Aber da bleibe ich am Leben." Bibel: 1. Mose 19,20

Entdeckt

Eingebettet im biblischen Bericht von der dramatischen Flucht Lots aus Sodom und Gomorra und dem infernalischen Untergang der beiden Städte findet man eine kleine Geschichte von einer kleinen Stadt mit Namen Zoar. Wohl in der näheren Umgebung Sodoms gelegen gehörte sie zum Bereich der Vernichtung. Und doch blieb sie verschont.

Das verdankt Zoar dem Flüchtling Lot. Teils aus Eigeninteresse (Lot konnte nicht mehr rechtzeitig ins sichere Bergland fliehen), teils aus einer unglaublichen Cleverness ("Es ist nur ein kleiner Ort.") gelingt es Lot, Gott einige Menschenleben über seine Familie hinaus abzuringen und vor dem sicheren Tod zu retten.

New Orleans im Jahr 2005. Die Stadt steht zu einem grossen Teil unter Wasser. Menschen sind umgekommen, die meisten wurden evakuiert. Überlebende berichten, wie marodierende Banden bewaffnet und plündernd durch die Strassen ziehen. Man ist sich seines Lebens nicht mehr sicher.

Im Katastrophenfall denkt normalerweise jeder zuerst an sich. Auch Lot dachte an sich. Er wollte mit seiner Familie überleben. Aber er kombinierte seine Rettung mit der Rettung anderer Menschen. Er, der Fremde, der Flüchtling, bewahrte das kleine Zoar vor dem Untergang, indem er es Gott abhandelte. Abraham hatte versucht, durch zehn Gerechte eine ganze Region zu retten. Erst Lot ist es gelungen, wenigstens eine Stadt zu bewahren. Doch die Stadt Zoar überlebte auch, weil sie den Flüchtlingen Unterschlupf gewährte. Und auch später blieb sie ein Zufluchtsort für Menschen (Jesaja 15,5). Sodom und Gomorra sind sprichwörtlich für ihre Bosheit. Zoar sollte sprichwörtlich sein für seine Gastfreundschaft. Seine offenen Stadttore haben es gerettet.

Jörg Niederer

Samstag, 4. April 2026

Karfreitagswanderung

Ein Zitat

Im Zoar, der Evangelisch-methodistischen Kirche in Muhen feierten Menschen aus den reformierten und methodistischen Kirchen gemeinsam den Karfreitagsgottesdienst.
Foto © Jörg Niederer
"Ich bin ein rechtes Rabenaas, / Ein wahrer Sündenkrüppel, / Der seine Sünden in sich frass, / Als wie der Russ' den Zwippel [gemeint ist der Rost]. / Herr Jesu, nimm mich Hund beim Ohr, / Wirf mir den Gnadenknochen vor, / Und schmeiss mich Sündenlümmel, / In deinen Gnadenhimmel." Kernlied aus einem alten schlesischen Kirchengesangbuch

Hingesehen

Nein, das Kernlied aus dem alten schlesischen Kirchengesangbuch haben wir nicht gesungen. Doch andere Lieder wurden angestimmt, im Zoar, dem Jugend- und Gemeindehaus der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Muhen. Dort startete ich gestern mit dem Besuch des Gottesdienstes meine karfreitägliche Etappe der Kapellentour.

Wie auch in der Methodistenkirche in Niederzuwil sitzt man im Zoar an kleinen Vierertischchen. Der gemeinsam mit der Reformierten Kirche gestaltete Gottesdienst war gut besucht; keine der Sitzgruppen blieb leer. Geleitet wurde die Feier gleich von zwei Pfarrpersonen mit methodistischen Wurzeln. Einmal von der methodistischen Pfarrerin Christine Moll, dann vom der EMK "abtrünnig" gewordenen reformierte Pfarrer Stephan Gassler. Der Gottesdienst war bewusst einfach gehalten. Eine Predigt gab es nicht. Stattdessen wurde von verschiedenen Beteiligten die ganze Passionsgeschichte aus der Bibel gelesen. Dazwischen sang die Gemeinde elektronisch begleitet passende Lieder. Das Abendmahl folgte unmittelbar auf den Leseteil, in dem das letzte Passamahl von Jesus mit den Jüngern beschrieben wird. Mit der Schilderung des Todes Jesu am Kreuz wurde die Altarkerze ausgelöscht. Der Gottesdienst endete im Schweigen.

Draussen vor der Tür konnte ich mich mit drei meiner früheren Gemeindegliedern unterhalten. Mit dem Aus der Gemeindearbeit in Schmiedrued (siehe Beitrag vom 25. März 2026!) wechselten sie in die nahe gelegene EMK Muhen. Es war schön, in die bekannten Gesichter zu blicken und einige Worte zu wechseln.

Dann ging es für mich los, direkt auf der als Wanderweg ausgeschilderten und am Zoar vorbeiführenden Strasse. Mein nächstes Ziel galt der ehemaligen Kapelle in Kölliken. Wie so viele sakrale Gebäude in der Region wird sie heute alternativ genutzt, in diesem Fall als Wohnraum. Dann warf ich einen Blick auf das Gelände der unglaublich aufwendig sanierten ehemalige Sondermülldeponie. Hier soll nun eine landwirtschaftliche Nutzfläche entstehen, die beispielhaft biodivers bewirtschaftet wird. Ich bin sehr gespannt. Der weitere Weg führte mich dann hinauf auf den Engelberg und wieder hinunter in meine Geburts- und Heimatstadt Olten. Ein kurzer Besuch bei meiner Mutter im Altersheim rundete die mit 400 Höhenmetern und 16 Kilometern Länge etwas anspruchsvollere Wanderung ab. Doch, so kann man den Karfreitag durchaus verbringen.

Jörg Niederer

Empfohlen

Ein Lob auf 22 Millimeter

Foto: © Jörg Niederer Ein Zitat "Das Haupt in Sonnenstrahlen, der Fuss in 'schlechtem Wetter.'" Wilhelm Raabe (1831-1910)...