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Dienstag, 7. Juli 2026

Der Vogel und die Wiesen

Ein Zitat

Baumpieper. Singendes Männchen unterhalb des Kreuzbodens bei Saas-Grund.
Foto © Jörg Niederer
"Fliegt der erste Morgenstrahl / Durch das stille Nebeltal, / Rauscht erwachend Wald und Hügel: / Wer da fliegen kann, nimmt Flügel!" Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Entdeckt

Noch ein Vogel, der von den Veränderungen in der Landwirtschaft erzählt. Erstmals bewusst begegnete ich dem Baumpieper im Kanton Schaffhausen auf einer Wanderung durch die dortigen extensiv bewirtschafteten Blumenwiesen. Das ist denn auch genau der Ort, an dem der kleine Vogel am Boden brütet. Im Mittelland und auch immer mehr in den Voralpen werden die Wiesen jedoch oft schon im Mai und Juni geschnitten. Damit gehen auch die Bruten der Baumpieper verloren. Wie die meisten Bodenbrüter hat er daher im schweizerischen Mittelland einen schweren Stand. Zwischen 1988 und 2008 ist der Bestand im Kanton Zürich um 90% zurückgegangen. Am Bodensee sind es 95% zwischen 1980 und 2010. Im Jura ist der Baumpieper seit 1985 fast vollständig verschwunden.

Den Baumpieper auf dem Foto habe ich unterhalb des Kreuzbodens bei Saas-Grund gesehen. Dort in den höheren Lagen ab 1400 m. ü. M. ist sein Bestand ungefährdet. Dort kann man seinen markanten Singflug noch beobachten. Dort findet er noch Wiesen, die nicht so schnell gemäht werden. Natürlich sieht man in dieser Berglandschaft auch den häufigsten Pieperverwandten, den Bergpieper. Mit diesem teilt der Baumpieper sich den Lebensraum Gebirge.

Jörg Niederer

Samstag, 25. April 2026

An der Bisse de Langenthal

Ein Zitat

Wässermatte an der Langete, kurz von Lotzwil.
Foto © Jörg Niederer
"Das Beste aber ist das Wasser." Pindar (um 517–437 v.Chr.)

Hingesehen

Wer sagt denn, dass nur die Walliser etwas verstehen von Bewässerung. Suonen gibt es auch im Mittelland, nur heissen sie da anders. Man nennt sie hier "Gräben". Der Bisse bzw. Suone entspricht der Hauptgraben, der das Wasser sammelt. Mittels Holzschieber, den Brütschen, wird das Wasser je nach Bedarf durch das weitverzweigte Gräbensystem auf die Wiesen geleitet.

Zwischen Langenthal und Lotzwil durchstreiften wir entlang solcher Gräben die Wässermatten. Dabei handelt es sich um Wiesen, die jährlich dreimal gewässert werden. Jede Wässerung dauert je nach Wassermenge zwei bis drei Tage. Indem die Wiese so buchstäblich unter Wasser gesetzt wird, wird sie durch die im Wasser befindlichen Schwebeteile natürlich gedüngt. Es entsteht eine feuchte Wiese, die besonders Artenreich und fruchtbar ist. Dieses Verfahren wurde im Oberaargau durch die Zisterziensermönche vom Kloster St. Urban im 9. Jahrhundert eingeführt. Auch heute noch ist Langenthal ein Hotspot der Wässermatten. Um die 110 Hektaren umfasst das so bewässerte Grasland entlang der Fliessgewässer Langete, Önz und Rot. Eine Wässermattenstiftung kümmert sich um die Bewirtschaftung und den Erhalt dieses Naturdenkmals von nationaler Bedeutung. Zugleich wurde diese traditionelle Bewässerung in Europa 2023 von der UNESCO auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit gesetzt. Wen wundert es, dass auch die Suonen im Wallis dazugehören.

Aktuell blüht es in den Wässermatten. Es lohnt sich also, die "Bisser de Langenthal" zu besuchen.

Jörg Niederer

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