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Donnerstag, 6. August 2026

Der Kunstschatz in der kantonalbernischen Provinz

Ein Zitat

Das Langhans-Grab in der Reformierten Kirche Hindelbank wurde von Johann August Nahl dem Älteren geschaffen.
Foto © Jörg Niederer
"Kein Werk der Kunst hat jemals einen so mächtigen Eindruck auf mich gemacht als dieser Grabstein, den ich für das erhabenste Denkmal halten muss, das in der Welt irgend der Art besteht. Es ist das Grab, das seine Toten wiedergibt." James Fenimore Cooper (1789-1851)

Entdeckt

Da stand also der Autor des "Lederstrumpfs" vor dem Grabmal der Maria Magdalena Langhans in der Reformierten Kirche von Hindelbank, und war tief bewegt. Geschaffen wurde es von einer damaligen Berühmtheit, vom Bildhauer Johann August Nahl dem Älteren (1710-1781). Es war im Jahr 1751, als er dabei war, die Grabplatte für den berühmtesten Mann des Orts zu erstellen, für Hieronymus von Erlach. Dieser erbaute das Schloss Hindelbank, wirkte als bernischer Gesandter in Paris, war Schultheis von Bern und auch sonst ein Wohltäter bis zu seinem Tod 1748. In jener Zeit wohnte Nahl beim Pfarrer von Hindelbank in dessen Wohnung, um täglich schnell am Ort seiner Auftragsarbeit zu sein. Dabei lernte er auch die mit dem ersten Kind schwangere Frau des Pfarrers kennen. Maria Magdalena Langhans war eine einnehmende Persönlichkeit. Doch am Vorabend des Osterfests verstarb sie im Alter von erst 28 Jahren bei der Geburt eines Knaben, der seine Geburt ebenfalls nicht lange überlebte.

Nahl, der selbst den Tod von 12 seiner 15 Kindern miterleben musste, war tief betroffen und aufgewühlt. So schuf er auch das Grabmal für Maria Magdalena Langhans und ihren kleinen Sohn. "Eine Grabplatte, von Todessymbolen und den Wappen der Pfarrfamilie eingefasst, trägt die Inschrift: 'Herr, hier bin ich und das Kind, so du mir gegeben hast'!, sowie die Worte aus einem Gedicht des Berner Arztes und Naturforschers Albrecht von Haller: 'Horch! Die Trompete ruft, sie schallet durch das Grab / Wach' auf, mein Schmerzenskind, leg deine Hülle ab / Eil deinem Heiland zu, vor ihm flieht Tod und Zeit / Und in ein ewig Heil verschwindet alles Leid'. Der Stein, aus einem einzigen Block gehauen, scheint von unten herauf geborsten und in drei Stücke zerbrochen. Im entstandenen Riss wird die Pfarrfrau mit dem Kind sichtbar, die, zu ewigem Leben erweckt, ins Licht empor drängt." So wird das Grab auf der Webseite der Reformierten Kirche Hindelbank beschrieben.

Das Grab wurde bald von verschiedensten Menschen besucht und bewundert, darunter auch Johann Wolfgang von Goethe, Arthur Schopenhauer und Albert Anker. Bei "vermögenden Leuten und Kunstkennern des 18. Jahrhunderts" war das Langhans-Grab besonders angesehen. Manche erstanden Kopien aus Gips, Ton oder Porzellan. Kupferstiche davon wurden als Souvenir von Kutschenreisenden mit nach Hause genommen.

Ich muss zugeben, auch mir macht diese Grabplatte Eindruck. Und noch mehr diese tragische Geschichte, die damit verbunden ist.

Jörg Niederer

Donnerstag, 25. Dezember 2025

Von der Wiege...

Ein Zitat

Ausschnitt aus dem Altarbild von Alois Schenk (1888-1949), Kirchenmaler aus Schwäbisch Gmünd in der 1935 geweihten Dreikönigskirche von Netstal. Die Geburt Jesu und seine Kreuzigung in einem Bild.
Foto © Jörg Niederer
"Es gibt für einen Starken, für einen Grossen dieser Welt nur zwei Orte, an denen ihn sein Mut verlässt, vor denen er sich in tiefster Seele fürchtet, denen er scheu ausweicht. Das ist die Krippe und das Kreuz Jesu Christi." Dietrich Bonhoeffer (London 1933-1935, DBW Band 13, Seite 342f) 

Hingesehen

Da gibt es diese Redensart, die ein ganzes Leben in sechs Worten zusammenfasst: "Von der Wiege bis zur Bahre". Genau das ist auch dargestellt auf dem Altarbild von Alois Schenk in der 1935 eingeweihten römisch-katholischen Dreikönigskirche von Netstal. Auf den ersten Blick ist da diese idyllische Darstellung der Heiligen Familie, versammelt um das Jesuskind in der Krippe. Doch darüber steht das übergrosse Kreuz, an dem der Gekreuzigte hängt. Auf dem Bildausschnitt sind die angenagelten Füsse zu sehen.

Ein Leben lässt sich nicht denken ohne Geburt und Tod. Die Weihnachts- und die Passionsgeschichte gehören zusammen. Der Geburtsschmerz der Maria und der Schmerzensmann am Kreuz. Die Erlösung, angekündigt von den Engeln, der Tod als gnädige Erlösung von der Folter.

Wer nur Weihnachten feiert, wird der ganzen Tragweite dieses Geschehens nicht gerecht.

Dreht man sich dort beim Altar in der Dreikönigskirche um 180 Grad und schaut zum Glasfenster über der Orgel hoch, ist der König David zu sehen in friedlicher Pose mit der Harfe in der Hand. Eine Anspielung auf den Christus, den König über Himmel und Erde? Die Geschichte ist nicht in Bethlehem zu Ende erzählt, auch nicht auf Golgatha. Die Geschichte geht weiter.

Jörg Niederer

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