Ein Zitat
"Kein Werk der Kunst hat jemals einen so mächtigen Eindruck auf mich gemacht als dieser Grabstein, den ich für das erhabenste Denkmal halten muss, das in der Welt irgend der Art besteht. Es ist das Grab, das seine Toten wiedergibt." James Fenimore Cooper (1789-1851)
Foto © Jörg Niederer
Entdeckt
Da stand also der Autor des "Lederstrumpfs" vor dem Grabmal der Maria Magdalena Langhans in der Reformierten Kirche von Hindelbank, und war tief bewegt. Geschaffen wurde es von einer damaligen Berühmtheit, vom Bildhauer Johann August Nahl dem Älteren (1710-1781). Es war im Jahr 1751, als er dabei war, die Grabplatte für den berühmtesten Mann des Orts zu erstellen, für Hieronymus von Erlach. Dieser erbaute das Schloss Hindelbank, wirkte als bernischer Gesandter in Paris, war Schultheis von Bern und auch sonst ein Wohltäter bis zu seinem Tod 1748. In jener Zeit wohnte Nahl beim Pfarrer von Hindelbank in dessen Wohnung, um täglich schnell am Ort seiner Auftragsarbeit zu sein. Dabei lernte er auch die mit dem ersten Kind schwangere Frau des Pfarrers kennen. Maria Magdalena Langhans war eine einnehmende Persönlichkeit. Doch am Vorabend des Osterfests verstarb sie im Alter von erst 28 Jahren bei der Geburt eines Knaben, der seine Geburt ebenfalls nicht lange überlebte.
Nahl, der selbst den Tod von 12 seiner 15 Kindern miterleben musste, war tief betroffen und aufgewühlt. So schuf er auch das Grabmal für Maria Magdalena Langhans und ihren kleinen Sohn. "Eine Grabplatte, von Todessymbolen und den Wappen der Pfarrfamilie eingefasst, trägt die Inschrift: 'Herr, hier bin ich und das Kind, so du mir gegeben hast'!, sowie die Worte aus einem Gedicht des Berner Arztes und Naturforschers Albrecht von Haller: 'Horch! Die Trompete ruft, sie schallet durch das Grab / Wach' auf, mein Schmerzenskind, leg deine Hülle ab / Eil deinem Heiland zu, vor ihm flieht Tod und Zeit / Und in ein ewig Heil verschwindet alles Leid'. Der Stein, aus einem einzigen Block gehauen, scheint von unten herauf geborsten und in drei Stücke zerbrochen. Im entstandenen Riss wird die Pfarrfrau mit dem Kind sichtbar, die, zu ewigem Leben erweckt, ins Licht empor drängt." So wird das Grab auf der Webseite der Reformierten Kirche Hindelbank beschrieben.
Das Grab wurde bald von verschiedensten Menschen besucht und bewundert, darunter auch Johann Wolfgang von Goethe, Arthur Schopenhauer und Albert Anker. Bei "vermögenden Leuten und Kunstkennern des 18. Jahrhunderts" war das Langhans-Grab besonders angesehen. Manche erstanden Kopien aus Gips, Ton oder Porzellan. Kupferstiche davon wurden als Souvenir von Kutschenreisenden mit nach Hause genommen.
Ich muss zugeben, auch mir macht diese Grabplatte Eindruck. Und noch mehr diese tragische Geschichte, die damit verbunden ist.
Jörg Niederer
