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Donnerstag, 8. Oktober 2026

Und es gab sie doch

Ein Zitat

Oben: Einstige methodistische Kapelle in Wahlendorf. Unten. Standort der einstigen Kapelle (roter Pfeil) in Wahlendorf.
Foto oben: © Fritz Z. / Foto unten: © Jörg Niederer
"Dobe, gäge Houzegge, uf dr Schnäggehöchi, isch es Tätschhüttli gsi, d’Bhusig vo dr Familie Schnägg Fritz. Wie mängs Ching, dass dert gsi isch ha ni nie gwüsst, sicher so es haubs Dotze…" (Oben, gegen die Holzegg, auf der Schneckenhöhe, stand ein kleines Häuschen, die Behausung der Familie Fritz Schnägg. Wie viele Kindern es dort hatte, wusste ich nie genau, sicher ein halbes Dutzend mussten es gewesen sein...) Geschichten aus Wahlendorf, niedergeschrieben von Ernst Hegg

Entdeckt

Und es gab sie doch, die methodistische Kapelle in Wahlendorf (Siehe Blog vom 6. Oktober 2026). Eine Blog-Leserin gab mir den richtigen Tipp. Eine zu einer gemütlichen Kapelle umgestaltete Holzbaracke in einem privaten Garten (hinter dem Haus, auf das der Pfeil im unteren Bild zeigt) diente ab dem 7. September 1975 bis zum letzten Gottesdienst 2005 als Ort der Verkündigung und Sonntagschule. Von Fritz Z. erhielt ich umfangreiche Informationen. Die Familie Z. war denn auch gemeinsam mit dem damaligen Pfarrer Heinz Stirnemann Initiant der Kapelle. Im Beitrag anlässlich des letzten Gottesdienstes steht: "Dieser Standort ist in Wahlendorf vor allem bekannt, weil hier die Sonntagschule, mit zum Teil grosser Teilnehmerzahl stattfinden konnte. Das jährliche Erntedankfest sowie das Weihnachtfest zog jeweils eine grosse Anzahl von Gästen an, das Lokal konnte diese grosse Schar kaum aufnehmen." Die Sonntagschule musste dann aber 2003 geschlossen werden, weil die Anzahl Kinder stark zurückgegangen sei.

Fritz Z. zeigt sich in einem Kommentar denn auch etwas endtäuscht darüber, dass man sich nicht mehr an die Kapelle erinnere, welche 2008 wieder zurückgebaut wurde. Doch vielleicht habe ich einfach falsch gefragt. Es wäre wohl klüger gewesen, nach einem früheren Sonntagschul-Standort zu fragen, statt nach einer Kapelle. Diese, so Fritz Z., sei von Teilen der Wahlendorfer Bevölkerung auch etwas spöttisch als "Bätt-Schopf" bezeichnet worden. Ein Schopf ist halt in den Augen vieler keine Kapelle, auch wenn sie genau so genutzt wurde.

Mich freut, dass ich dank einer Leserin und Fritz Z. nun doch etwas erfahren konnte über die Präsenz der Methodist:innen in Wahlendorf. Diese geht aufs Jahr 1920 zurück. Bis 1940 traf man sich in einem Lokal der Evangelischen Gemeinschaft (eine Vorläuferkirche der Evangelisch-methodistischen Kirche) zu Gottesdienst und Sonntagschule. Danach diente der Vereinstreffpunkt des Blauen Kreuzes den kirchlichen Anliegen bis eben 1975 die nun wieder "aufgetauchte" Kapelle eingeweiht werden konnte.

Jörg Niederer

Samstag, 4. April 2026

Karfreitagswanderung

Ein Zitat

Im Zoar, der Evangelisch-methodistischen Kirche in Muhen feierten Menschen aus den reformierten und methodistischen Kirchen gemeinsam den Karfreitagsgottesdienst.
Foto © Jörg Niederer
"Ich bin ein rechtes Rabenaas, / Ein wahrer Sündenkrüppel, / Der seine Sünden in sich frass, / Als wie der Russ' den Zwippel [gemeint ist der Rost]. / Herr Jesu, nimm mich Hund beim Ohr, / Wirf mir den Gnadenknochen vor, / Und schmeiss mich Sündenlümmel, / In deinen Gnadenhimmel." Kernlied aus einem alten schlesischen Kirchengesangbuch

Hingesehen

Nein, das Kernlied aus dem alten schlesischen Kirchengesangbuch haben wir nicht gesungen. Doch andere Lieder wurden angestimmt, im Zoar, dem Jugend- und Gemeindehaus der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Muhen. Dort startete ich gestern mit dem Besuch des Gottesdienstes meine karfreitägliche Etappe der Kapellentour.

Wie auch in der Methodistenkirche in Niederzuwil sitzt man im Zoar an kleinen Vierertischchen. Der gemeinsam mit der Reformierten Kirche gestaltete Gottesdienst war gut besucht; keine der Sitzgruppen blieb leer. Geleitet wurde die Feier gleich von zwei Pfarrpersonen mit methodistischen Wurzeln. Einmal von der methodistischen Pfarrerin Christine Moll, dann vom der EMK "abtrünnig" gewordenen reformierte Pfarrer Stephan Gassler. Der Gottesdienst war bewusst einfach gehalten. Eine Predigt gab es nicht. Stattdessen wurde von verschiedenen Beteiligten die ganze Passionsgeschichte aus der Bibel gelesen. Dazwischen sang die Gemeinde elektronisch begleitet passende Lieder. Das Abendmahl folgte unmittelbar auf den Leseteil, in dem das letzte Passamahl von Jesus mit den Jüngern beschrieben wird. Mit der Schilderung des Todes Jesu am Kreuz wurde die Altarkerze ausgelöscht. Der Gottesdienst endete im Schweigen.

Draussen vor der Tür konnte ich mich mit drei meiner früheren Gemeindegliedern unterhalten. Mit dem Aus der Gemeindearbeit in Schmiedrued (siehe Beitrag vom 25. März 2026!) wechselten sie in die nahe gelegene EMK Muhen. Es war schön, in die bekannten Gesichter zu blicken und einige Worte zu wechseln.

Dann ging es für mich los, direkt auf der als Wanderweg ausgeschilderten und am Zoar vorbeiführenden Strasse. Mein nächstes Ziel galt der ehemaligen Kapelle in Kölliken. Wie so viele sakrale Gebäude in der Region wird sie heute alternativ genutzt, in diesem Fall als Wohnraum. Dann warf ich einen Blick auf das Gelände der unglaublich aufwendig sanierten ehemalige Sondermülldeponie. Hier soll nun eine landwirtschaftliche Nutzfläche entstehen, die beispielhaft biodivers bewirtschaftet wird. Ich bin sehr gespannt. Der weitere Weg führte mich dann hinauf auf den Engelberg und wieder hinunter in meine Geburts- und Heimatstadt Olten. Ein kurzer Besuch bei meiner Mutter im Altersheim rundete die mit 400 Höhenmetern und 16 Kilometern Länge etwas anspruchsvollere Wanderung ab. Doch, so kann man den Karfreitag durchaus verbringen.

Jörg Niederer

Sonntag, 11. Januar 2026

Glaubensfreiheit

Ein Zitat

Ausschnitt aus einem Glasfenster in der Herz-Jesu-Kirche in Oerlikon. Die Speisung der 5000. Jesus teilt Brot und Fisch aus.
Foto © Jörg Niederer
"Joschija war acht Jahre alt, als er König wurde. 31 Jahre regierte er in Jerusalem. Er tat, was dem Herrn gefiel, und folgte ganz dem Vorbild seines Vorfahren David." Bibel, 2. Chronik 34,1+2

Hingesehen

Zuerst in eigener Sache. Heute Abend bin ich Gastredner im Abendgottesdienst von EMK Young Züri Oberland. Um 19.00 Uhr gibt es Worship in der Evangelisch-methodistischen Kirche an der Bahnstrasse 31 in Uster. Ich werde über die Sozialen Grundsätze aus autobiografischer Perspektive reden. Nach 27 Jahren Mitwirkung an diesem bedeutenden ethisch-kirchlichen Grundlagentext traue ich mir zu, dazu Wesentliches sagen zu können.

Nun wieder die üblichen sonntäglichen Gedanken zum obigen Bibelvers.

Ein Achtjähriger auf dem Königsthron. Wenn da nicht auch noch andere im Hintergrund die Fäden gezogen haben. In der damaligen Zeit waren etwa die Königsmütter bedeutende Persönlichkeiten und hatten viel zu sagen.

Wie auch immer: Joschija war sehr jung, als er zu regieren begann. Ein Kind, das Massstäbe setzte. Das Urteil des Chronikschreibers über ihn war: "Er tat, was dem Herrn gefiel". Im Folgenden wird präzisiert, wann Joschija den Glauben seiner Väter bewusst angenommen hatte: "Im achten Jahr seiner Königsherrschaft... fing er an, nach dem Gott seines Vorfahren David zu fragen." (2. Chronik 34,3). Von da an soll er alles getan haben, um diesem einen Glauben zum Durchbruch zu verhelfen.

Was Joschija tat bei der religiösen Säuberung seines und der angrenzenden Länder widerspricht den heutigen Vorstellungen von Religionsfreiheit. Die Sprengung der Buddhastatuen im Bamiyantal (Afghanistan) durch die Taliban oder die Zerstörung der Marabu-Mausoleen durch die Ansar al Islam in Mali sind Beispiele aus jüngerer Zeit. 

Wären die Babylonier bei der Eroberung von Joschijas Königreich Juda später ebenso radikal gegen den ihnen fremden Glauben der Israeliten vorgegangen, gäbe es heute kein Israel und hätte es nie ein Christentum gegeben.

Das sollte uns nachdenklich machen. Mein persönlicher Glaube mag so sein, wie das Land nach der Säuberung des Joschija. Da hat kein fremder Gott Raum in meinem Denken und Glauben. Christus allein soll mein Leben prägen.

Aber in der Gesellschaft darf es keine Vertreibung von Andersgläubigen geben. Vielmehr sollen wir ihnen Zeugnis sein für Gottes Liebe. Das kann man nicht tun, indem man die Ausdrucksformen ihres Glaubens verbietet oder zerstört. Oder würden Sie den Menschen vertrauen, die Sie in der Ausübung Ihres Glaubens behindern?

Jörg Niederer

Sonntag, 21. September 2025

Wil SG ist bemerkenswert

Ein Zitat

Einige Kunstwerke der StreetArt Swiss vom 5.-10 August 2025 sind in der Innenstadt von Wil noch zu sehen.
Foto © Jörg Niederer
"Freut euch immerzu! Betet unablässig! Dankt Gott für alles! Denn das ist Gottes Wille, und das hat er durch Christus Jesus für euch möglich gemacht."
1. Thessalonicher 5,16-18 (Bibel)

Hingesehen

Wil ist eine bemerkenswerte St. Galler Stadt. Kürzlich war die Streetart Swiss 2025 in der Innenstadt zu Gast. Das da entstandene, fotografierte und schon etwas verblasste 3D-Strassenbild finde ich immer noch erstaunlich. Als würden sich die beiden Kinder wirklich in einer Wasserlache mitten auf der Einkaufsmeile vergnügen.

In Wil wohnen aber auch die beiden Pfarrpersonen, welche mich als Pfarrer in der Stadt St. Gallen und in Weinfelden beerbt habe. Das ist auch der Grund - und nicht etwas das in Wil ausgetragene gestrige Fussballcup-Spiel - dass ich ein Foto aus dieser schönen Stadt hier präsentiere. Denn heute um 10.00 Uhr beginnt der Antrittsgottesdienst von Pfarrer Richard Böck in der Evangelisch-methodistischen Kirche an der Hermannstrasse 10 in Weinfelden. Dabei werde ich auch einen Beitrag leisten dürfen. An diesem Tag werden Richard und seine Frau Esther ihr Taufbekenntnis ablegen und offiziell Mitglieder der Evangelisch-methodistischen Kirche werden. Meine Aufgabe wird es sein, sie auf diesem besonderen Weg zu begleiten.

Alle sind ganz herzlich zu diesem Gottesdienst eingeladen, der bei Kaffee und mehr ausklingen wird.

Jörg Niederer

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