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Dienstag, 8. September 2026

Kapellenverwandlung

Ein Zitat

Oben: Die vermutlich ehemalige Kapelle der Methodisten in der Längenei bei Bowil ist heute ein Einstellraum. Unten: Die einstige methodistische Kapelle in Grosshöchstetten ist immer noch mit einem beschrifteten Schaukasten versehen.
Fotos: © Jörg Niederer
"Werden also nicht zu Recht die glücklich genannt, die nichts brauchen?" Platon (428-348 v. Chr.)

Entdeckt

In den Konferenzverhandlungen 2003 der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) ist der Eintrag zur Kapelle in der Längenei verschwunden, was darauf schliessen lässt, dass im Übergang von 2002 auf 2003 dort die Gottesdienste eingestellt wurden.

Anders sieht es mit der einstigen Kapelle in Grosshöchstetten aus. Die Konferenzverhandlungen listen ab 2008 nicht mehr die Predigt- und Sonntagschulplätze auf, sondern nur noch die Liegenschaften im Eigentum der EMK. Damit kann ich mit meinen aktuell zur Verfügung stehenden Mitteln nicht sagen, wann nach 2008 die Aktivitäten der EMK in Grosshöchstetten endeten. Im Verlauf der Konferenzaufzeichnungen wechselten schon früher die Bezeichnungen dieses Versammlungsorts von "Kapelle" zu "Säli". Warum? Vielleicht empfand man das Versammlungshaus nicht mehr als Kapelle. Das unterhalb des Bahnhofs gelegene Gebäude ist ja auch eher ein Wohnhaus denn ein Sakralbau. Vielleich wechselte aber auch das Haus den Besitzer, wobei die Gottesdienste am Ort noch einige Jahre weitergingen. Dass es sich um den einstigen Versammlungsort handelt, steht ausser Zweifel. Noch immer steht der mit dem Kirchennamen versehene Anschlagkasten vor dem Haus.

Weniger sicher bin ich bei der Kapelle in der Längenei. In diesem Weiler am Dürrbach gelegen, südlich von Bowil, hat nur das auf dem Foto oben abgebildete Gebäude entfernt den Charakter einer einfachen Holzkapelle ohne Türmchen. Heute ist es ein Einstellraum oder eine Werkstätte. Das Schiebetor an der Seite scheint nachträglich angebracht worden zu sein. Beim überdachten Eingang weisst ein Schild auf die sich aussen angebaute Toilette hin.

Falls es wirklich die methodistische Kapelle war, was ich annehme, so zeigt sich ein weiteres Merkmal. Solche Kapellen waren oft einfach errichtete Holzgebäude im Stil eines länglichen Schopfs. Das Gebäude musste ja auch nur seinen Zweck erfüllen. Dafür reichte ein Dach über dem Kopf, eine Toilette und vielleicht noch eine einfache Heizmöglichkeit.

Sowohl die EMK-Standorte Grosshöchstetten wie auch Längenei wurden von Signau aus bedient. Von den neun Wirkorten des Arbeitsfeldes waren Grosshöchstetten und Längenei nebst Signau die beiden mit einem kircheneigenen Gebäude. An den sechs anderen Orten versammelte man sich in angemieteten öffentlichen Gebäuden, z.B. Schulhäusern, oder dann bei Privatpersonen zuhause, z.B. auf Bauernhöfen (siehe Beiträge vom 25. August und 26. August 2026!).

Jörg Niederer

Donnerstag, 3. September 2026

Methodistische Gastfreundschaft im Emmental

Ein Zitat

Oben: Die über hundertjährige Kapelle der Evangelisch-methodistischen Kirche in Langnau i. Emmental. Unten: Einblick ins Kafi Evergreen in der benachbarten Erweiterung aus dem Jahr 2005.
Fotos: © Jörg Niederer
"Rundum guet für ds Läbä." Der Slogan vom Kafi Evergreen findet sich auch auf dessen Bierdeckeln

Entdeckt

Ich habe diese Etappe der Kapellentour aufgespart, bis mit Ende der Schulferienzeit das Kafi Evergreen, ein Projekt der Evangelisch-methodistischen Kirche Oberemmental im Langnau wieder seine Tore öffnet. Gestern war es soweit. Wir spazierten kurze sieben Kilometer von Neumühle der Emme und dann der Ilfis entlang nach Langnau um rechtzeitig um 12.15 Uhr dort bei der alten, über hundertjährigen Kirche in einem modernen Erweiterungsbau herzlich begrüsst zu werden. In diesem Mehrzweckgebäude, entstanden 2005, spielt sich heute das gesamte Leben und Wirken der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Oberemmental ab. Langnau ist die noch einzige verbliebene EMK-Gemeinde im Emmental. Beim Zusammenschluss der Bezirke Signau und Langnau im Jahr 2012 zählte man in Langnau rund 60 Gottesdienstbesuchende. Heute besuchen noch so 20 Personen die Feiern. Es ist daher einleuchtend, dass etwas geschehen musste mit der Gemeinde, wenn sie weiter bestehen bleiben sollte. So entstand vor einem Jahr das Kafi Evergreeen. Wie liess sich Pfarrerin Claudia Haslebacher in einem Medienbericht doch zitieren: "Das 'Kafi Evergreen' ist ein mutiges Experiment einer kleinen, sich ihrer Endlichkeit bewussten Kirchgemeinde."

Seit 2025 gibt es das Kafi Evergreen. Finanziert durch ein Legat ist für deren Betrieb Seline Schaller zu 40% angestellt. Sie kocht, und weitere Mitarbeiterinnen helfen im Stundenlohn bei der Bewirtung und Betreuung der Gäste. Das Essen ist vorzüglich, das wir an diesem Mittwoch geniessen. Es gibt natürlich auch eine vegetarische Variante, die dem Fleischgericht in nichts nachsteht. Alles ist liebevoll angerichtet und mundet hervorragend. Selten, vielleicht noch gar nie, habe ich zu so einem günstigen Preis so ausgezeichnet gegessen. An diesem Mittwoch ist nicht besonders viel los. Etwa 10 Gäste sind zum Essen da, später kommen noch weitere dazu, die hier ihren Kaffee trinken. Ich komme mit Seline Schaller ins Gespräch: Sie erzählt davon, dass vor allem die Angebote für Eltern mit kleinen Kindern grossen Zulauf gehabt hätten. Anderes werde noch ausprobiert, müsse sich noch weiter entwickeln.

Gerne hätte ich mir auch wieder einmal die alte Kirche angeschaut, deren Türmchen weitherum sichtbar ist. Doch diese ist an die Heilpädagogischen Schule vermietet. So begnüge ich mich damit, um dieses alte Gemäuer herumzugehen, es von allen Seiten zu betrachten.

Wer das Kafi Evergreen besuchen will, beachte am besten die Öffnungszeiten und das Angebot auf der übersichtlichen Webseite. Wie es entstand, darüber gibt auch ein Medienbeitrag der EMK Schweiz Auskunft. Und dann wäre da noch die Webseite der EMK Oberemmental, auf der noch weitere Angebote der Oberemmentaler Kirche zu finden sind.

Jörg Niederer

Freitag, 14. August 2026

Das Vertriebsnetz

Ein Zitat

Einstige Predigtorte der Methodist:innen: Oben: Gehöft Ober Altenei. Unten: Bauernbetrieb Aspi.
Fotos © Jörg Niederer
"Wir vergehen wie Rauch von starken Winden." Andreas Gryphius (1616-1664)

Entdeckt

Der bequeme Weg von Langnau nach Signau folgt den Flussläufen von Ilfis und Emme. Der unbequeme Weg dagegen führt auf direkterem Weg über die Emmentaler Hügel. Dabei kommt man an vielen Gehöften und Heimetli vorbei. Noch in Sichtweite von Langnau, 150 bis 200 Höhenmeter über der Talsohle, trafen sich einst Methodist:innen zu ihren Gottesdiensten in Bauernhöfen. Luftlinie sind diese Orte nur zwei, drei Kilometer von der "Mutterkirche" in Langnau entfernt. Von Langnau aus betreute die Pfarrperson auch die "Aussenstationen".

Man kann sich fragen, ob ein so dichtes Netzt an Predigtplätzen Sinn macht. Es scheint zumindest ein Bedürfnis gewesen zu sein, sonst hätte es diese abgelegenen Predigtplätze nicht gegeben. Vermutlich hätte man ohne sie viele Bauernfamilien an ihren schwer zugänglichen Orten nicht erreicht. Auch ist zu vermuten, dass solche Predigtplätze in Privathäusern auch von anderen Freikirchen im Emmental unterhalten wurden. Zumindest die Täufer trafen sich oft in abgelegenen Weilern.

1987 wurden die beiden methodistischen Predigtstandorte Altenei und Aspi aufgegeben. Das hat wohl vielfältige Ursachen gehabt. Zu vermuten ist, dass es auch im Emmental zu einer verstärkten Entfremdung der Bevölkerung von freikirchlicher Zugehörigkeit gekommen ist. Weiter wurden an vielen Orten die Wege wintersicher ausgebaut und damit die Mobilität erhöht. Auch die Grossfamilien auf den Bauernhöfen verschwanden, was das Transportproblem deutlich verringerte. Vielleicht wollte man die Pfarrpersonen entlasten. Weiter vermutet werden kann, dass das Gemeinschaftserlebnis vermehrt in Gottesdiensten mit höherer Beteiligung gesucht wurde.

Die negativen Folgen dieser Strukturbereinigung: Nähe zu und Einfluss auf die Menschen schwanden dahin. An manchen Orten sosehr, dass innerhalb von 30, 40 Jahren von der einst blühenden und vielfältigen Arbeit nur noch wenige Baudenkmäler übriggeblieben ist. So etwa auf dem kirchlichen Arbeitsfeld um Signau herum. Dazu später mehr in diesem Blog.

Der Niedergang erfolgte schleichend und unaufhaltsam. Das Alte ist vergangen, das Neue zeigt sich aktuell noch nicht.

Jörg Niederer

Freitag, 31. Juli 2026

Schönheit

Ein Zitat

Raupe des Schwalbenschwanzes an einer Fenchelstaude.
Foto © Jörg Niederer
"Die Mittagssonne brütet auf der Heide, / Im Süden droht ein schwarzer Ring. / Verdurstet hängt das magere Getreide, / Behaglich treibt ein Schmetterling." Detlev von Liliencron (1844-1909)

Entdeckt

Der Schwalbenschwanz (Siehe auch Beitrag vom 1. September 2025!) stielt vielen anderen Schmetterlingen sowohl als Raupe wie auch als Tagfalter die Show. Das führt dazu, dass die grossen Schmetterling gern zuhause gezüchtet werden. Aktuell fliegt bereits die zweite Generation des Jahres. Das Raupenstadium dauert 2-3 Wochen, dann folgt die Verwandlung in eine Gürtelpuppe und nach wiederum 2-3 Wochen schlüpft der fertige Schmetterling.

Es gibt eine Phase als Raupe, in der die Schönheit unwichtig ist. Junge Schwalbenschwanzraupen gleichen Vogelkot. So tarnen sie sich vor Fressfeinden. Auch haben sie eine chemische Waffe, mit der sie Schlupfwespen und andere Insekten vertreiben können.

Gesehen haben wir diese Raupe an einer Fenchelpflanze vor einem schönen Berner Bauernhaus. Mal schauen, was der heutige Tag an Schönheit und Überraschung bereit hält.

Jörg Niederer

Montag, 27. Juli 2026

Die Kapelle und der Glungge-Hof

Ein Zitat

Die Kapelle der Evangelisch-methodistische Kirche in Breitenegg gibt es seit 1924.
Fotos © Jörg Niederer

"Auf unseren gemeinsamen Weg als Bezirk Breitenegg freue ich mich und danke Euch herzlich für jegliche Unterstützung."
Thomas Lerch, neuer Gemeindemitarbeiter auf dem Bezirk Breitenegg

Entdeckt

Es gibt Orte, da wundert man sich, dass hier eine Freikirche zu finden ist, während andernorts diese ihre Tore schliessen musste. So geschehen auf dem evangelisch-methodistischen Kirchenbezirk Burgdorf-Breitenegg. In Burgdorf beendeten kürzlich die Methodist:innen ihre kirchliche Präsenz, während sie im kleinen Emmentaler Weiler Breitenegg auch nach 102 Jahren weiter wirken. Gestern war ich zum ersten Mal an diesem abgelegenen Ort im Emmental. Bis zur nächsten Busstation geht es 1,9 Kilometer weit und 125 Höhenmeter hinunter ins Önztal. Wer hier lebt, ist motorisiert. Vor der Kapelle stehen mehrere Autos, einige ohne Nummernschilder. Hinter der Kapelle, direkt in der Verlängerung am Haupteingang vorbei, ist ein Schwimmbassin für Kinder aufgestellt. Sitzgelegenheiten stehen etwas unordentlich beim Eingang herum. Es gibt ein Untergeschoss mit Gemeinderäumen. Die Kapelle war bei meinem Besuch verschlossen. Im ersten Stock standen die Fenster offen. Einen Moment lang sah ich dort eine Frau und grüsste. Das musste sie vertrieben haben. Wunderte sie sich über diesen neugierigen unbekannten Mann, der da Fotos von der Kapelle und sich machte?

Die Kapelle ist, so lese ich in einer Broschüre über das Dorf, auch das Übungslokal des Posaunenchors Rüedisbach, ein Allianzmusikverein. Weiter steht in der Broschüre, dass sich die Gläubigen der Evangelischen Gemeinschaft, einer Vorläuferkirche der heutigen Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK), schon vor dem Kapellenbau in den Bauernhöfen Mutzgraben, auf der Heidenstatt und im Äusseren Grütt getroffen haben.

Zur Methodistenkirche Breitenegg zählen heute 38 Mitglieder. Hinzu kommt ein noch einmal so zahlreicher Freundeskreis, und etwa 25 Kinder.

Die Jungschar dort nennt sich Glungge und zählt aktuell 32 Personen. Mit dem Namen knüpft diese Jugendarbeit an verfilmte Werke von Jeremias Gotthelf an. Die Filme "Ueli der Knecht" und "Ueli der Pächter" wurden denn auch in einem imposante Bauernhaus aus dem Jahr 1681 im nahe gelegenen Weiler Brechershäusern gedreht. Seither wird besagtes Bauernhaus auch namentlich mit der Glungge aus den Büchern Gotthelfs gleichgesetzt.

Auf dieser Etappe der Kapellentour kamen wir nicht nur an der Methodistenkirche Breitenegg, sondern auch am Glungge-Bauernhof vorbei. Noch weitere Sehenswürdigkeiten gibt es in dieser Gegend. Dazu später mehr.

Was mir auffällt. Die mir bekannten und eher abgelegenen Versammlungsorte der Methodist:innen haben gut in der Gesellschaft integrierte Jungscharen. Oft wird von der offiziellen, politischen Gemeinde auf dieses Angebot hingewiesen. Weiter sind eine grössere Zahl der Kirchgemeindeglieder in der Landwirtschaft tätig und stark familiär verbunden. Vermutlich ist das auch so in der EMK Breitenegg.

Von Breitenegg wird mich die geplante Wanderroute nach Burgdorf führen. Dazu später mehr.

Jörg Niederer

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