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Sonntag, 26. April 2026

Fantasievolles Sehen

Ein Zitat

Das Chorgestühl in der Klosterkirche St. Urban (Luzern) ist besonders prächtig; eine Augenweide.
Foto © Jörg Niederer
"[Gott] ... sagte zu mir: 'Du Mensch, sieh hin und hör gut zu! Pass genau auf, was ich dir zeigen will! Denn du bist an diesen Ort gebracht worden, damit ich dir etwas zeigen kann. Berichte den Israeliten alles, was du siehst!'" Bibel: Ezechiel 40,4

Hingesehen

Der Prophet Ezechiel sah in einer Vision den neuen Tempel, der ein untrügliches Zeichen einer neuen Gnadenzeit für Israel war. Indem er seinen Landsleuten im Exil von diesen Bildern erzählte, machte er ihnen Hoffnung und Mut.

Wie kann man ein klassisches Musikstück mit Worten beschreiben, dass jemand, der es absolut nicht kennt, wirklich auch hört? Wie kann man ein Bild so beschreiben, dass ein Leser es nicht nur in seiner Fantasie zu sehen glaubt, sondern es wirklich auch sieht?

Wie kann jemand ein Bauwerk so beschreiben, dass ein anderer, der seinen Worten lauscht, dieses Bauwerk auch wirklich sieht? 

Es müssen grosse Künstler sein, die so beschreiben können. Und es müssen sehr aufmerksame Leserinnen und Hörer sein, welche das Beschriebene in ihrer Vorstellung richtig rekonstruieren können. Meine Vorstellungskraft reicht dafür nicht aus. Mir sagt ein Bild mehr als tausend Worte.

Ezechiel beschreibt nicht nur den Tempel. Er zeichnet ihn wie ein Architekt. Der Tempel wird vermasst. Das macht es relativ einfach, dieses Gebäude in seiner Form zu rekonstruieren. Und doch sehen verschiedene Menschen Unterschiedliches. Da gibt es Ufo-Gläubige, die den Tempel als Weltraumhafen sehen für das "Raumschiff", das in Ezechiel 1 beschrieben werde.

Und wir: Interpretieren wir die Verheissungen und Zukunftsbilder der Bibel richtig? Spielt unsere Fantasie mit uns, oder sehen wir in den Visionen der Bibel wirklich Gottes zukünftige Welt?

Jörg Niederer

Sonntag, 18. Januar 2026

Musik im Heiligtum

Ein Zitat

Der Steinkreis im Bislikerhau bei Affoltern am Albis wurde erst vor einigen Jahren wieder entdeckt.
Foto © Jörg Niederer
"Die Bauleute arbeiteten sehr gewissenhaft. Die Aufsicht über sie führten die Leviten Jahat und Obadja ... Andere Leviten, die mit Musikinstrumenten umgehen konnten, gaben damit den Takt für die Arbeit der Lastenträger und aller übrigen Arbeiter." Bibel, 2. Chronik 34,12-13

Hingesehen

Die Region um Affoltern am Albis nennt man auch Stonehenge im Säuliamt. Der fotografierte Steinkreis ist gerade einmal 2 Kilometer von dieser Schweizer Gemeinde entfernt. Ist es ein prähistorisches Observatorium? Ist es ein Kultplatz? Vielleicht ist es auch beides. Heute Sonntag soll der Steinkreis dafür stehen, dass Menschen schon seit Jahrtausenden versuchen, dem Ursprung des Lebens auf die Spur zu kommen. Vielleicht geschah es genau dort im Wald bei Affoltern auch mit Musik und Tanz.

Dazu die folgenden Gedanken zum oben zitierten Bibelvers.

Mitten im Bericht über die Tempelrennovation zurzeit von König Joschija und dem damit verbundenen Fund der Schriftrollen mit dem göttlichen Gesetzes findet man diesen etwas überraschenden Hinweis zu den Arbeitsbedingungen beim Tempelbau. Damals hat man etwas getan für die Moral der Arbeiterinnen und Arbeit, indem man sie musikalisch motivierte. Da wurden Lasten von hübschen Klängen zusätzlich beschwingt von A nach B transportiert, die Maurer mauerten im Takt, die Schreiner schreinerten im Takt, die Künstler künstelten im Takt, die Architekten planten und kontrollierten im Takt. Der Tempel wurde im Takt intakt.

Wie viel Musik steckt in einem Leben? Wir jammern ja gelegentlich über die Dauerberieselung durch Musik. Verteilt von unzähligen Radios, erlauscht aus unzähligen Mobiltelefonen. Es gibt Menschen, die selbst in der Nacht die Musik nicht abstellen. Musik ist überall. Mit Musik scheint alles besser zu gehen. An manchen Arbeitsplätzen ist sie nicht wegzudenken. Und selbst Kühe sollen mehr Milch geben mit Musik im Stall. Hat dich Musik schon zu besonderen Entdeckungen geführt? Offensichtlich haben die levitischen Musiker selbst das Wiederfinden von Gottes Gesetz rhythmisch untermalt und vielleicht sogar provoziert. Die Methodist:innen haben seit je mit Musik den Glauben verkündigt. Musik transportiert die christliche Hoffnung oft besser als Worte. Kein Wunder also, wurde der Tempel zur Zeit Joschijas musikalisch untermalt erneuert.

Gemäss Neuem Testament sind wir Menschen Tempel Gottes. Hole dir doch passende Musik, und beginnen im Rhythmus dieser Musik den eigenen "Tempel" aufzurichten und zu erneuern!

Jörg Niederer


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