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Sonntag, 1. November 2026

Aus den Augen…

Ein Zitat

Glasfenster in der Kirche von Vinelz mit Kreuzigungsszene und Taufe Jesu.
Foto: © Jörg Niederer
"Haltet vor allem mit Ausdauer an der Liebe zueinander fest! Denn die Liebe deckt viele Sünden zu." Bibel: 1- Petrus 4,8

Entdeckt

"Das Ende aller Dinge ist nahe." Das war die Überzeugung des Schreibers des 1. Petrusbriefs. Es geht nicht mehr lange. Bald wird diese Zeit enden. Das Ende aller Dinge war erwünscht. Denn die damaligen Christen litten unter den ersten systematischen Verfolgungen.

Heute liegt zwar viel im Argen, aber das Ende aller Dinge scheint fern. Doch auch heute wird zugedeckt. Nicht durch die Liebe. Viel vordergründiger. Wir Menschen produzieren Abfallberge wie noch nie. Damit diese Abfallberge nicht zum Himmel stinken und nicht das Landschaftsbild stören, deckt man sie mit einer Humusschicht zu, pflanz Bäume an und manchmal richtet man darauf Park- und Spielanlagen für die Kinder ein. Oder dann kippt man den Müll einfach ins Meer. Auf Nimmerwiedersehen, so hofft man. Und täuscht sich. Gemäss Bundesamt für Umwelt gibt es in der Schweiz ungefähr 38'000 belastete Standorte. Bei ca. 4000 handelt es sich um Altlasten, die vermutlich Mensch oder Umwelt gefährden und sanierungsbedürftig sind. Die Umweltsünden der Vergangenheit melden sich zurück.

Und die Liebe? Kann sie Sünden besser zudecken als etwa Erde den Müll? Oder ist sie nur brauchbar für eine kurze Zeit, weil das Ende aller Dinge ja sowieso nahe ist?

Ich glaube, es gibt nichts, was besser mit Sünde zurecht kommt, als die Liebe. Sünde, so wie die Bibel sie versteht, ist die Aufkündigung einer Beziehung. Sünde ist Abkehr von Gott. Sünde bedeutet, auf Kosten anderer zu leben.

Die Liebe ist die grosse Gegenbewegung. Sie verbindet Menschen. Sie ermöglicht eine neue Beziehung untereinander und mit Gott. Die Liebe ist die Gegenkraft zu den allzumenschlichen Altlasten.

Jörg Niederer

Sonntag, 25. Oktober 2026

Weisheit und Bildung

Ein Zitat

Terrakotta von Walter Loosli in der Kirche Maikirch mit dem Titel: Apokalypse.
Foto: © Jörg Niederer
"Denn Weisheit ist besser als Perlen, und alles, was man wünschen mag, kann ihr nicht gleichen." Bibel: Sprüche 8,11

Entdeckt

Der Schreiber des Textes stellt sich die Weisheit personifiziert vor, so wie wir uns zum Beispiel die Gerechtigkeit vorstellen als Person mit verbundenen Augen und einer Waage in der Hand. Diese Frau Weisheit lehrt die Menschen, nach weisen Entscheidungen zu streben. Daher klingt der oben wiedergegebene biblische Spruch wie eine Mahnung an die Menschheit, in jedem Fall eine gründliche Schulbildung anzustreben. Keine Frage, Bildung ist wichtig, darum wird sie auch in der PISA-Studie regelmässig gemessen.

Es geht um die Frage nach dem Wert guter Schulbildung. Bildung zur Zeit der Niederschrift dieses Satzes war nicht einfach nur Schule. Bildung war damals immer verbunden mit Gotteserkenntnis. Ein Mensch konnte alles wissen über Naturwissenschaft und Soziologie, über Industrie und Politik, über Landwirtschaft und Handwerk, wusste er nichts von Gott, dann galt er als unwissender Mensch. Erst wenn der Mensch alles im Licht göttlicher Führung und Leitung einordnen konnte, war er wirklich nach dem damaligen Verständnis gebildet. Bildung könnte man daher auch übersetzten mit "Gott kennen". Gotteserkenntnis oder Reichtum, was ist besser? Worauf soll ich den Sinn meines Lebens begründen: Auf Erfolg und Wohlstand, oder auf der Geborgenheit, die aus dem Wissen göttlicher Liebe erwächst?

Jörg Niederer

Sonntag, 27. September 2026

Mit und ohne Fleiss, kein Preis

Ein Zitat

Rote Waldameisen bei der Arbeit.
Foto: © Jörg Niederer
"Geh und beobachte die Ameise, du Faulenzer! Nimm dir ein Beispiel an ihr, damit du klug wirst!" (Bibel: Sprüche 6,6)

Entdeckt

Auf die Gefahr hin, dass du dich durch den Bibelvers gar nicht betroffen fühlst (du gehörst ja sicher nicht zu den Faulenzer:innen), möchte ich trotzdem zwei Geschichten über den Fleiss der Ameisen erzählen.

Als ein Vater seinem Sohn, der oft tagelang herumlungerte, den Fleiss der Ameisen als vorbildliches Verhalten vor Augen malte, führte dieser ihn auf den Spielplatz, und zeigte ihm Kinder, die kleine, fleissige Ameisen in einem wahren Jagdrausch einzeln zerquetschten. der Sohn fragte den Vater: "Was nützt den zerdrückten Ameisen nun all ihr Fleiss?"

Die andere Geschichte geht so. Sie ist wahr und geschieht jeden Tag auf der ganzen Welt. Ich selbst habe sie oft erlebt, wenn ich mit der Sense die Wiese mähte. Dabei schnitt ich nicht nur Gras entzwei, sondern so manchen Ameisenhaufen. Und wirklich, die Ameisen zeigten sich auch in dieser Katastrophe als vorbildliche, fleissige Tierchen. Aber was nützten ihnen ihre Rettungseinsätze? In zwei drei Monaten, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist, wird der Sensenmann wieder kommen und den erwirtschafteten Reichtum mit einem Schnitt wegrasieren.

Bei aller Wertschätzung des Fleisses, wir dürfen nie vergessen, dass es noch Wichtigeres gibt als der sprichwörtlich schweizerische Arbeitseifer, als das "schaffe, schaffe, Häusle baue". In der Bibel findet sich dazu eine interessante Geschichte in Lukas 12,16-21.

Jörg Niederer

Sonntag, 30. August 2026

Königslust

Ein Zitat

Die 1912 erstellten Chorfenster von Alois Balmer in der Reformierten Kirche Münsingen zeigen die Bergpredigt.
Foto: © Jörg Niederer
"Da taten sich alle Ältesten Israels zusammen und gingen zu Samuel nach Rama. Sie sagten zu ihm: 'Du bist nun alt! Doch deine Söhne verhalten sich nicht wie du. Deshalb setze einen König bei uns ein, wie es bei allen Völkern üblich ist. Der soll unsere Angelegenheiten entscheiden.'" (Bibel: 1. Samuel 8,4-5)

Entdeckt

Samuel hatte schlechte Karten, um den Stammesältesten den Wunsch nach einem König auszureden. Schliesslich waren er und seine Familie Teil des Problems. Es kommt ja nicht darauf an, ob es Priester sind, die wie Könige regieren und ihre Macht an die manchmal unfähigen oder korrupten Nachkommen vererben, oder ob das Könige sind. In den Ohren der Stammesführer mussten die Argumente von Samuel (Siehe Bibel: 1. Samuel 8,1-22!) gegen eine Monarchie wenig überzeugend geklungen haben. Ihre Antwort auf Samuels Einwand war: Das gegenwärtige System hat versagt. Versuchen wir es mit dem, was an anderen Orten zu Wohlstand und Prosperität geführt hat.

Das entscheidende Argument in Samuels Überlegungen waren nicht die aufgezählten negativen Begleitumstände der Monarchie, sondern dass Israel damit seine Geschicke selbst regeln wollte, indem es den himmlischen König mit einem menschlichen König ersetzte. Menschen traten an die Stelle Gottes und wurden als Könige wie Götter verehrt. Man könnte meinen, diese Form der Verehrung gehöre in einer aufgeklärten Welt der Vergangenheit an. Doch dann denke ich an verklärende Messiasdarstellungen des aktuellen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Wohlgemerkt: So etwas geschieht nicht in einem feudalistischen oder diktatorischen Staatswesen, sondern in einer bedeutenden Demokratie westlicher Prägung. Ich vermute, Samuel würde auch heute darüber nur den Kopf schütteln können.

Jörg Niederer

Sonntag, 16. August 2026

Heilige Kühe

Ein Zitat

Kuh beim Wiederkäuen auf einer Alpweide.
Foto © Jörg Niederer
"Genauso machten es die Philister: Sie schafften zwei Kühe mit ihren Kälbern herbei. Die Muttertiere spannten sie vor den Wagen, während sie die Kälber in den Stall sperrten. Dann stellten sie die Lade des Herrn auf den Wagen, ..." Bibel: 1. Samuel 6,10-11a

Entdeckt

Die Bundeslade war lange Zeit das Allerheiligste in Israel. So war es besonders schlimm, als die Philister diese in einem Feldzug den Israeliten rauben konnten. Gott selbst sorgte in der Folge dafür, dass die Bundeslade den Philister kein Glück brachte und sie diese wieder los werden wollten (siehe dazu Bibel, 1. Samuel 5+6). 

Seit die Muttertierhaltung Einzug gehalten hat in der Viehwirtschaft, wissen wir wieder, wovon dieser Bibeltext redet. Versuche einmal, eine Mutterkuh auf der Weide von ihrem Kalb zu trennen! Das kann ins Auge gehen. Mütter neigen dazu, ihren Nachwuchs mit absoluter Konsequenz zu verteidigen. Untrainierte Kühe kann man auch nicht für das Ziehen eines Ochsenwagens gebrauchen. Das heisst: Die Philister haben es Gott besonders schwer gemacht, die Bundeslade wieder nach Israel zurück zu bringen. Sie wollten ihre Kriegsbeute gar nicht hergeben. 

Irgendwie ist das eine Jonageschichte. Eine Geschichte, die zeigt, dass Gott sein Ziel gegen jeden Widerstand erreichen kann. Bei Jona war es der Prophet selbst, der versuchte, Gott von seinem Ziel abzubringen. In der Bundesladengeschichte sind es die Philister, die es Gott so schwer wie möglich machten, seinen äusserst machtvollen Zauberkasten wieder ihrem Machtbereich zu entziehen. Doch die Kühe liessen lieber ihre Kälber stehen, statt sich Gott zu widersetzen. Es sind die Kühe, welche die Nachfolge höher gewichteten als die eigenen familiären Bande (siehe Matthäus 10,37!) und den eigenen Tod (siehe Matthäus 10,38-39!). Sie gaben Ihr Leben als Opfer für Gott. (Schade, dass die Kühe, obwohl sie alles richtig gemacht hatten, nicht weiter leben durften.)

Jörg Niederer

Sonntag, 2. August 2026

Das Üben ist entscheidend

Ein Zitat

Glasfenster in der Kirche Wasen i. E. aus dem Jahr 1881: Jesus segnet die Kinder.
Foto © Jörg Niederer
"Behandelt andere Menschen genauso, wie ihr selbst behandelt werden wollt." (Bibel: Lukas 6,31)

Entdeckt

Zwei Journalistinnen haben nach 5 bzw. 10 Jahren Schulabstinenz an einer Prüfung der 3. Sekundarschule über geometrische Dreiecksformen teilgenommen. Das Fazit der Lehrkraft: Eine Ahnung vom Lösungsweg sei ersichtlich, aber nicht mehr aktiv präsent. So bekam die Journalistin mit 5 Jahren Schulabwesenheit die Note 4,0 (Note 6,0 ist das Beste), die andere die Note 3,3. Mit anderen Worten: Weil Dreiecksberechnungen im Alltag der beiden Journalistinnen kaum eine Rolle spielten, haben sie vieles darüber wieder vergessen. Ohne ständiges Anwenden und Üben verlernt man einfachste Dinge.

Nun habe ich mich gefragt, wie das mit den Lebensregeln von Jesus ist. Wende ich sie täglich an, oder habe ich vieles wieder vergessen? Ist mein Christsein praktiziert, oder ist es nur graue Theorie, die im Alltag nicht mehr vorkommt?

Wie ist das mit der goldenen Regel? Behandelst du Menschen so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest? Wer diesen Grundsatz nicht ständig übt, wird im Ergebnis immer einmal wieder falsch liegen. Dann wird Gleiches mit Gleichem vergolten. Wie ist es mit der Feindesliebe (Lukas 6,27)? Gutes den Menschen tun, die mich hassen, ist eine echte Herausforderung. Aber wenn ich diesen christlichen Lebensgrundsatz nicht anwende, werde ich auch nicht die Kraft entdecken, die dabei frei werden kann in meinem Leben und im Leben anderer.

Wer nicht einfach im christlichen Mittelmass versinken will, ist herausgefordert, zu tun, zu üben, zu praktizieren, was Jesus Christus uns zu tun empfiehlt. Dann, beim ständigen Üben und Anwenden wird Christsein alltäglich – ansteckend alltäglich. Darum segne gerade heute die Menschen, die dich verfluchen und bete für die, die dich beschimpfen...! (Lukas 6,28)

Jörg Niederer

Sonntag, 26. April 2026

Fantasievolles Sehen

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Das Chorgestühl in der Klosterkirche St. Urban (Luzern) ist besonders prächtig; eine Augenweide.
Foto © Jörg Niederer
"[Gott] ... sagte zu mir: 'Du Mensch, sieh hin und hör gut zu! Pass genau auf, was ich dir zeigen will! Denn du bist an diesen Ort gebracht worden, damit ich dir etwas zeigen kann. Berichte den Israeliten alles, was du siehst!'" Bibel: Ezechiel 40,4

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Der Prophet Ezechiel sah in einer Vision den neuen Tempel, der ein untrügliches Zeichen einer neuen Gnadenzeit für Israel war. Indem er seinen Landsleuten im Exil von diesen Bildern erzählte, machte er ihnen Hoffnung und Mut.

Wie kann man ein klassisches Musikstück mit Worten beschreiben, dass jemand, der es absolut nicht kennt, wirklich auch hört? Wie kann man ein Bild so beschreiben, dass ein Leser es nicht nur in seiner Fantasie zu sehen glaubt, sondern es wirklich auch sieht?

Wie kann jemand ein Bauwerk so beschreiben, dass ein anderer, der seinen Worten lauscht, dieses Bauwerk auch wirklich sieht? 

Es müssen grosse Künstler sein, die so beschreiben können. Und es müssen sehr aufmerksame Leserinnen und Hörer sein, welche das Beschriebene in ihrer Vorstellung richtig rekonstruieren können. Meine Vorstellungskraft reicht dafür nicht aus. Mir sagt ein Bild mehr als tausend Worte.

Ezechiel beschreibt nicht nur den Tempel. Er zeichnet ihn wie ein Architekt. Der Tempel wird vermasst. Das macht es relativ einfach, dieses Gebäude in seiner Form zu rekonstruieren. Und doch sehen verschiedene Menschen Unterschiedliches. Da gibt es Ufo-Gläubige, die den Tempel als Weltraumhafen sehen für das "Raumschiff", das in Ezechiel 1 beschrieben werde.

Und wir: Interpretieren wir die Verheissungen und Zukunftsbilder der Bibel richtig? Spielt unsere Fantasie mit uns, oder sehen wir in den Visionen der Bibel wirklich Gottes zukünftige Welt?

Jörg Niederer

Sonntag, 1. März 2026

Rachegedanken

Ein Zitat

Buchmalerei eines Schreibers. Kopie von Carl Stuckert (1867-1932), Pfarrer am Münster Schaffhausen. Original in der Bibliothek des Klosters Allerheiligen, Schaffhausen.
Foto © Jörg Niederer
"Mit allen Gliedern meines Körpers bekenne ich: 'Herr, wer ist wie du?' Du rettest den Armen vor dem, der stärker ist als er. Du schützt den Armen und Wehrlosen vor dem, der ihn berauben will." Bibel, Psalm 35,10

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"Die Bibelsprüche für die Sonntage … sollen möglichst positive Leitworte für die Woche sein." So stand es in einer Anleitung zum Schreiben von Kalenderzetteln. Für diesen Sonntagsgedanken habe ich mich daran gehalten. Aus den 22 Versen von Psalm 35 habe in einen von nur zwei positiven Sätzen genommen. Denn der Psalm ist geprägt von unverhohlenen Vergeltungswünschen und zerfleischendem Selbstmitleid.

Wohl deshalb wird dieser Psalm nur selten bei Feiern verwendet. "Verschämte Selbstzensur" nannte Kurt  Marti das, um dann sogleich das Ärgerliche des Psalms positiv aufzunehmen. Im Psalm 35, aus dem der Bibelvers entnommen ist, würden uns "… Ausbrüche unverstellter Ehrlichkeit …" begegnen.

Das ist die wichtigste und positivste Erkenntnis Vor Gott muss ich mich nicht verstellen. Ich muss nicht so tun, als hätte ich keine Rachegedanken, als litte ich nicht auch unter Selbstmitleid. Vor Gott macht Verstellen keinen Sinn. Gott kennt mich durch und durch. Bei ihm darf ich sein, wie ich bin.

Jörg Niederer

Sonntag, 11. Januar 2026

Glaubensfreiheit

Ein Zitat

Ausschnitt aus einem Glasfenster in der Herz-Jesu-Kirche in Oerlikon. Die Speisung der 5000. Jesus teilt Brot und Fisch aus.
Foto © Jörg Niederer
"Joschija war acht Jahre alt, als er König wurde. 31 Jahre regierte er in Jerusalem. Er tat, was dem Herrn gefiel, und folgte ganz dem Vorbild seines Vorfahren David." Bibel, 2. Chronik 34,1+2

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Zuerst in eigener Sache. Heute Abend bin ich Gastredner im Abendgottesdienst von EMK Young Züri Oberland. Um 19.00 Uhr gibt es Worship in der Evangelisch-methodistischen Kirche an der Bahnstrasse 31 in Uster. Ich werde über die Sozialen Grundsätze aus autobiografischer Perspektive reden. Nach 27 Jahren Mitwirkung an diesem bedeutenden ethisch-kirchlichen Grundlagentext traue ich mir zu, dazu Wesentliches sagen zu können.

Nun wieder die üblichen sonntäglichen Gedanken zum obigen Bibelvers.

Ein Achtjähriger auf dem Königsthron. Wenn da nicht auch noch andere im Hintergrund die Fäden gezogen haben. In der damaligen Zeit waren etwa die Königsmütter bedeutende Persönlichkeiten und hatten viel zu sagen.

Wie auch immer: Joschija war sehr jung, als er zu regieren begann. Ein Kind, das Massstäbe setzte. Das Urteil des Chronikschreibers über ihn war: "Er tat, was dem Herrn gefiel". Im Folgenden wird präzisiert, wann Joschija den Glauben seiner Väter bewusst angenommen hatte: "Im achten Jahr seiner Königsherrschaft... fing er an, nach dem Gott seines Vorfahren David zu fragen." (2. Chronik 34,3). Von da an soll er alles getan haben, um diesem einen Glauben zum Durchbruch zu verhelfen.

Was Joschija tat bei der religiösen Säuberung seines und der angrenzenden Länder widerspricht den heutigen Vorstellungen von Religionsfreiheit. Die Sprengung der Buddhastatuen im Bamiyantal (Afghanistan) durch die Taliban oder die Zerstörung der Marabu-Mausoleen durch die Ansar al Islam in Mali sind Beispiele aus jüngerer Zeit. 

Wären die Babylonier bei der Eroberung von Joschijas Königreich Juda später ebenso radikal gegen den ihnen fremden Glauben der Israeliten vorgegangen, gäbe es heute kein Israel und hätte es nie ein Christentum gegeben.

Das sollte uns nachdenklich machen. Mein persönlicher Glaube mag so sein, wie das Land nach der Säuberung des Joschija. Da hat kein fremder Gott Raum in meinem Denken und Glauben. Christus allein soll mein Leben prägen.

Aber in der Gesellschaft darf es keine Vertreibung von Andersgläubigen geben. Vielmehr sollen wir ihnen Zeugnis sein für Gottes Liebe. Das kann man nicht tun, indem man die Ausdrucksformen ihres Glaubens verbietet oder zerstört. Oder würden Sie den Menschen vertrauen, die Sie in der Ausübung Ihres Glaubens behindern?

Jörg Niederer

Sonntag, 4. Januar 2026

Raus aus dem Schlamassel

Ein Zitat

Natürlich in Farbe der Kirchenfenster getauchter Christbaum in der Herz-Jesu-Kirche Oerlikon.
Foto © Jörg Niederer
"Er [Gott] zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm, und stellte meine Füße auf einen Fels, dass ich sicher treten kann..." Bibel, Psalm 40,3

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Schon vor dem Sturm Lothar war der Weg hinunter ins Tal weitgehend zugewachsen. Nach dem Unwetter waren auch noch die letzten existenten Abschnitte unter umgestürzten Bäumen begraben. Ich versuchte trotzdem den Abstieg und landete prompt in einer wirklich morastigen Grube. Erst 30 Minuten später stand ich erschöpft wieder oben auf sicherem Grund. 30 Minuten, die mich ausser Atem gebracht und meine Kleidung braunmatschig gefärbt hatten. Als hätte sich der Himmel gegen mich verschworen, klatschte nur kurze Zeit später eine tote Taube nur wenige Zentimeter neben mir auf den Boden. Fast wäre ich dem Schlammtod entronnen von Federn erschlagen worden.

Wie sieht deine "grausige Grube" aus? Ist es eine seit Jahren vertrackte Beziehung? Ist es die Arbeit, oder das Fehlen von Arbeit? Sind es Altlasten aus der Kindheit? Wie oft hast du dich schon fast freigestrampelt, um dann doch wieder hinunter zu rutschen in die zähe Brühe?

Gib nicht auf! Nimm dir den obigen Bibelvers als bare Münze: Gott zieht dich herauf! Also auf zum nächsten Versuch!

Zum Foto: Noch ist die Weihnachtszeit für einen Teil der Christenheit nicht vorbei. Da ist ein durch Kirchenglasfenster natürlich erleuchteter Weihnachtsbaum immer noch sehr passend.

Nicht vergessen: Morgen bin ich "Wiborada" [mehr dazu im Blogbeitrag von gestern!] in der Zelle bei der St. Mangenkirche an der Kirchgasse 17 [Wegbeschreibung] in der Stadt St. Gallen. Wer zu Besuch kommt, bekommt von mir einen Stern (er muss ja nicht deinen Namen tragen) oder ein Herz (nicht meines, aber ein feines). Sehen wir uns morgen Montag bei Wiborada in St. Gallen?

Jörg Niederer

Sonntag, 14. Dezember 2025

Geschenke

Ein Zitat

Die Kirche St. Johann in Schaffhausen in einer Adventsnacht im Jahr 2025.
Foto © Jörg Niederer
"Ja, vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang wird mein Name bei den Völkern verehrt... Ja, bei den Völkern wird mein Name verehrt, sagt der Herr Zebaot. Ihr aber entehrt ihn, indem ihr sagt: 'Man darf den Tisch des Herrn unrein machen, und das Speiseopfer für ihn darf man vernachlässigen.'" Bibel: Maleachi 1,11+12

Hingesehen

Der Prophet Maleachi übt heftige Kritik an den Priestern seiner Zeit. Scheinbar nahmen die Männer im Tempel ihren Dienst für Gott nicht mehr so genau. Kranke Tiere kamen auf den Altar. Das Opfer wurde als lästige Arbeit angesehen.

Dieses skandalöse Verhalten offenbart eine Haltung. Gott ist den Menschen nicht mehr so wichtig. Gott hat an Bedeutung verloren. Aber es ist nicht Gott, der an Bedeutung verliert, sondern Menschen verlieren die Bedeutung Gottes aus den Augen. Darum wird Gottesdienst oberflächlich und geschieht ohne wirkliche Freuden.

Dazu eine Geschichte:  

An Weihnachten beschenken sich die Menschen. Einmal mehr überlegte sich John, was er wem schenken wollte. Es galt klug abzuwägen. Den Schenken war mehr als Wohltätigkeit. er wollte seine Frau, die er liebte, mit etwas Besonderem überraschen. Bei seinem Chef, den er verachtete, dachte er an einen billigen Wein. Bei den Eltern wusste er wie so oft nicht, was sie noch brauchen könnten. Doch nichts zu geben, wäre ein falsches Signal gewesen. So entschloss er sich für eine Weihnachtstorte mit persönlicher Widmung. Die selbe Sorte, die er übrigens auch den Schwiegereltern zustellen lassen wollte.

Während er so überlegte, wurde ihm bewusst, wie berechnend er schenkte. Sympathie und Antipathie spielten eine grosse Rolle. Ebenso, wieviel er an Geschenken erwarten konnte von denen, die er seinerseits beschenken wollte.

Da dämmerte ihm die Frage. Sie liess sich nicht mehr wegdenken: Was ist mir Gott wert? Was will ich für Gott investieren?

Jörg Niederer

Sonntag, 2. November 2025

Von Gott kommt Hilfe!

Ein Zitat

Die methodistische Kapelle in Horgen ist heute fest mit dem Alterszentrum Haus Tabea verbunden und wirkt recht unscheinbar inmitten der Überbauung.
Foto © Jörg Niederer
"Bei Gott schweigt meine Seele still. Von ihm kommt die Hilfe, die ich nötig habe!" Bibel, Psalm 62,6

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Auf Gott vertrauen erhöht die Unabhängigkeit. Auf Gott vertrauen macht resilient gegen Irritationen des Lebens.

Auf Gott vertrauen macht unabhängig von dem, was die anderen sagen oder tun. So erkennt man: "Nur ein Hauch sind die Menschenkinder. Ein trügerisches Nichts sind die Sterblichen!" (Psalm 62,10)

Auf Gott vertrauen mach unabhängig von der Meinung, mit Gewalt könne man Ziele erreichen. Das weiss der Psalmdichter und mahnt: "Darum verlasst euch nicht auf erpresstes Gut. Gestohlene Habe wird euch nichts nützen." (Psalm 62,11a)

Auf Gott vertrauen macht unabhängig von den Täuschungen des Wohlstands (Psalm 62,11b). Vielleicht ist Wohlstand das grösste Hindernis auf dem Weg zum Frieden. Wer auf Gott vertraut, erlebt, wie ihn oder sie der Besitz nicht mehr gefangen nimmt. Eigentum wird im Vertrauen auf Gott zu Gottes Eigentum. Gott verfügt darüber. Ob Gott es mir gibt oder nimmt, immer ist es das Beste für mich.

Darum: "Von Gott kommt die Hilfe, die ich nötig habe!" (Psalm 62,1).

Jörg Niederer

Sonntag, 19. Oktober 2025

Massstäbe

Ein Zitat

Die aus dem 12. Jahrhundert stammende Wiler Madonna in der Marienkapelle der Stadtkirche St. Nikolaus (Wil SG).
Foto © Jörg Niederer
"Ihr sollt andere nicht verurteilen, dann wird Gott auch euch nicht verurteilen. Sitzt über niemanden zu Gericht, dann wird Gott auch über euch nicht zu Gericht sitzen. Vergebt anderen, dann wird Gott auch euch vergeben." Bibel, Lukas 6,37

Hingesehen

Im Buch "Der Friedhof in Prag" erzählt Umberto Eco die Geschichte eines Anwalts, der mit Urkundenfälschung und Falschaussagen Menschen begünstigt und andere ins Gefängnis gebracht hatte. Dieser korrupte Anwalt stellt einen jungen Advokaten ein, den er einst, ohne sich dessen bewusst zu sein, um sein Erbe gebracht hatte. Der junge Advokat lernt die üblen Machenschaften seines Arbeitsgebers. Mit diesen Mitteln bringt er den Anwalt hinter Gitter und die Anwaltskanzlei in seinen Besitz.

Was der Mensch sät, das wird er ernten. Oder wie es in Lukas 6,38 heisst: "Denn der Massstab, den ihr an andere anlegt, wird auch für euch gelten."

Jörg Niederer

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