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Montag, 24. August 2026

50 Jahre Diakonie an älteren Menschen

Ein Zitat

Oben: Südostansicht des Alters- und Pflegeheims Weyergut Bethanien. Unten: Einweihungsfeier 1976 mit Bundespräsident Rudolf Gnägi (rechts), Ehefrau Verena Gnägi-Von Allmen und Bischof Franz Schäfer von der Evangelisch-methodistischen Kirche.
Foto oben: © Jörg Niederer Foto unten: unbekannt
"Ich wünsche dem Weyergut Bethanien, dass der Mut zur täglichen, kreativen Herzlichkeit weiterlebt - denn genau das ist hier das Wesentliche!" Andreas von Gunten, Fotograf

Entdeckt

Bundesräte werden jeweils für ein Jahr zum Bundespräsidenten gewählt. Manche schaffen es in ihrer Karriere sogar zweimal in dieses Ehrenamt. So auch Bundesrat Rudolf Gnägi (1917-1985), der von 1966-1979 einer von sieben Schweizer Bundesräten war. Als Bundespräsident hatte er nebst den Geschäften im jeweiligen Departement allerlei wichtige Repräsentationsaufgaben. Anfangs 1976 war es wieder soweit. Er besuchte die Einweihungsfeier des Altersheims Weyergut in Wabern bei Bern. Warum der damalige Bundespräsident der Eidgenossenschaft das tat, wusste nicht einmal Matthias Volkers, der aktuelle Leiter des Alters- und Pflegeheims, das einst durch methodistische Diakonissen getragen wurde und seit 2013 Teil der Diakonie Bethanien ist. Gestern wurde das 50-jährige Bestehen dieses innovativen Hauses gefeiert. Das zeigte sich gleich von Beginn weg etwas dadurch, dass es von 1976-1995 ein hauseigenes Hallenbad gab. 1976 wurde im Weyergut auch der ersten Schweizer "Gericours"-Vitaparcours für Senior:innen eingerichtet. Auf historischen Fotos, die anlässlich der Jubiläumsfeier gezeigt werden, sieht man ältere Menschen sich sportlich abmühen.

Das Weyergut Bethanien hat auch nach seiner Sanierung in den Jahren 2017-2019 den typischen Baustil des Brutalismus bewahrt. Mir gefällt es. Auch erinnere ich mich an ein 6-wöchiges Praktikum im Jahr 1983, als ich dem Pfarrer Ernst Gisler über die Schulter schauen durfte, der damals im Alfa-Zentrum (eine Kombination von Hotel und Methodistenkirche), nahe beim Hauptbahnhof Bern, wirkte. Damals predigte ich auch im Weyergutsaal, dem Raum mit den farbigen Glasfenstern des Künstlers Emil Reich. Das Alfa-Zentrum gibt es zwischenzeitlich nicht mehr. Die Glasfenster im Weyergutsaal aber schon (und übrigens auch Pfarrer Ernst Gisler). Der Weyergutsaal blieb während der heissen Tagen der vergangenen Wochen für Bewohner:innen und Passant:innen zugänglich. Dort war es schön kühl, und man konnte sich wunderbar erholen.

Extra wegen des Jubiläums habe ich auf meiner Kapellentour zwei Etappen vorgezogen, um diesen Anlass zu würdigen. Es hat sich gelohnt, wenn ich auch einen Tag vor den grossen Festivitäten hier vorbei gekommen bin. Allein schon das Glace mit Namen "Kalte Lust", hergestellt in meiner Geburtsstadt Olten, in der Geschmacksrichtung "Haskap-Beeren mit Mandeln" war der Besuch wert. An diesem noch ruhigen Samstag ergab es sich auch, dass ich einige Wort mit dem aktuellen Leiter Matthias Volkers wechseln konnte. So erfuhren ich, dass es keine fixen Esszeiten mehr gibt. Die Bewohner:innen können dann essen, wenn sie wollen. Das Restaurant ist nicht zugleich auch Speisesaal, sondern steht der Bevölkerung von Wabern und den Bewohnenden des Weyerguts zur Verfügung. Alle werden dort in gleicher Weise zuvorkommend bedient.

Übrigens: Rudolf Gnägi war nicht der einzige Bundesrat, der das Weyergut Bethanien besuchte. Auch Altbundesrat Adolf Ogi, er amtete als Magistrat von 1987-2000, besuchte 2012 privat den Geburtstag einer 100-jährigen Bewohnerin des Weyerguts und erfüllte ihr damit einen grossen Wunsch.

Weitere Jubiläumsanlässe im Weyergut Bethanien gibt es auch in den folgenden Wochen. Eine Übersicht findet sich auf der Webseite zum Jubiläum.

Jörg Niederer

Sonntag, 23. August 2026

Religionsfrieden

Ein Zitat

Zentrales Wandgemälde aus dem Kapellenanbau des Alters- und Pflegeheims Bethanien in Wabern bei Bern.
Foto © Jörg Niederer
"Und zwischen Israel und den Amoritern herrschte Frieden." Bibel, 1. Samuel 7,14c

Entdeckt

Es gibt da eine überraschende Notiz in der Bibel: Es wird berichtet, dass Israel mit den Amoritern in Frieden zusammen lebte. Damit sind Kanaanäer gemeint. Diese Aussage weicht von anderen Bibelstellen ab, nach denen Gott von Israel verlangte, die Bevölkerung Kanaans auszurotten (zum Beispiel Bibel: 5. Mose 7,1-4). Wie ist dieser Wiederspruch zu verstehen? Im Zusammenhang mit dem Bussgottesdienst in Mizpa, wie er in der Bibel in 1. Samuel 7 beschrieben wird, entledigte sich Israel zwar der kanaanäischen Götterbilder in den eigenen Reihen, aber vertrieb nicht die Kanaanäer und deren Glaubensausübung aus ihrem Gebiet. Vermutlich waren sie dazu gar nicht in der Lage gewesen. Es gab wohl so etwas wie eine Pattsituation. Oder beide Stammesverbände hatten in den Philistern einen gemeinsamen Feind. 

Ich verstehe diese Situation so: Es geht nicht darum, Menschen anderer Religionen zu vertreiben, sondern darum, am eigenen Glauben in einem multireligiösen Umfeld festzuhalten. Auf heute übertragen würde das heissen, in Frieden mit den Muslimen bei uns zusammenzuleben und zugleich allein an Christus als Begründer unseres Glaubens festzuhalten. Wenn wir sicher in unserem Glauben an Christus sind, müssen die Mitmenschen mit anderer Religionszugehörigkeit von uns Christinnen und Christen nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen werden. In Israel gab es jedenfalls eine Zeit, in der zwei unterschiedliche Religionen miteinander in Frieden zusammenleben konnten, und es scheint, dass der Gott Israels nichts dagegen gehabt hatte.

Zum Foto: Heute Sonntag feiert das Alters- und Pflegeheim Weyergut Bethanien in Wabern mit einem Fest sein 50-jähriges Bestehen. Das Weyergut wurde anfänglich von den methodistischen Bethanien-Diakonissen geführt. Bei der Einweihung war mit Bundesrat Gnägi einer der höchsten Schweizer Magistraten zugegen. Heute ist das Weyergut ein Werk der Diakonie Bethanien, nachdem es viele Jahre als selbständiges Werk geführt wurde. Auf Grund dieses besonderen Tages gibt es hier ein Foto vom zentralen Wandgemälde im Kapellenanbau des Alters- und Pflegeheims Weyergut Bethanien.

Jörg Niederer

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