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Sonntag, 1. März 2026

Rachegedanken

Ein Zitat

Buchmalerei eines Schreibers. Kopie von Carl Stuckert (1867-1932), Pfarrer am Münster Schaffhausen. Original in der Bibliothek des Klosters Allerheiligen, Schaffhausen.
Foto © Jörg Niederer
"Mit allen Gliedern meines Körpers bekenne ich: 'Herr, wer ist wie du?' Du rettest den Armen vor dem, der stärker ist als er. Du schützt den Armen und Wehrlosen vor dem, der ihn berauben will." Bibel, Psalm 35,10

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"Die Bibelsprüche für die Sonntage … sollen möglichst positive Leitworte für die Woche sein." So stand es in einer Anleitung zum Schreiben von Kalenderzetteln. Für diesen Sonntagsgedanken habe ich mich daran gehalten. Aus den 22 Versen von Psalm 35 habe in einen von nur zwei positiven Sätzen genommen. Denn der Psalm ist geprägt von unverhohlenen Vergeltungswünschen und zerfleischendem Selbstmitleid.

Wohl deshalb wird dieser Psalm nur selten bei Feiern verwendet. "Verschämte Selbstzensur" nannte Kurt  Marti das, um dann sogleich das Ärgerliche des Psalms positiv aufzunehmen. Im Psalm 35, aus dem der Bibelvers entnommen ist, würden uns "… Ausbrüche unverstellter Ehrlichkeit …" begegnen.

Das ist die wichtigste und positivste Erkenntnis Vor Gott muss ich mich nicht verstellen. Ich muss nicht so tun, als hätte ich keine Rachegedanken, als litte ich nicht auch unter Selbstmitleid. Vor Gott macht Verstellen keinen Sinn. Gott kennt mich durch und durch. Bei ihm darf ich sein, wie ich bin.

Jörg Niederer

Donnerstag, 26. Februar 2026

Kleinstadtsicht

Ein Zitat

Blick vom Turm der Friedenskirche über das Wilerwegquartier und zum Waldfriedhof Meisenhard in Olten.
Foto © Jörg Niederer
"Einiges spricht tatsächlich dafür, dass der Liebe Gott Schweizer sein könnte - weit weg von allem und nur zuschauen, das ist doch ebenso göttlich wie schweizerisch. … Wenn der Liebe Gott Schweizer gewesen wäre, würde er heute noch auf den richtigen Moment warten, um die Welt zu erschaffen." Hugo Loetscher (Aus: "Der Waschküchenschlüssel und andere Helvetica")

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Zwar die grösste Solothurner Stadt, ist Olten doch nicht mehr als eine Kleinstadt. Zentral gelegen im Mittelland lebt es sich hier gut, einmal abgesehen von den regelmässig überlasteten Strassen. Einen seltenen Ausblick über Teile der Stadt genoss ich am vergangenen Montag vom Turm der Friedenskirche. Geht mein Blick ostwärts, so sehe ich hinein in den Lebensraum meiner Kindheit. Der Zufall will es, dass das farblich auffälligste Haus auf diesem Foto einst meinen Eltern gehörte und uns als Kinderstube diente. Damals war die Farbe unserer Haushälfte noch nicht so auffallend blau gestrichen, sondern in einem dezenten Ocker gehalten. Auf der grünen Wiese am unteren Bildrand haben wir Fussball gespielt und sind auf die Kastanienbäume geklettert. Der Wald links im Bild verbirgt den Friedhof Meisenhard mit dem Krematorium und der Abdankungshalle. Dort auf dem Gottesacker liegen zwei Tanten von mir, mein Vater und meine zwei Brüder. Zu meiner Zeit gab es das grünliche Schulgebäude in Wil noch nicht. Zu sehen ist es rechts vom Kran, direkt am Waldrand gelegen. Auch all die Mehrfamilienhäuser in Richtung Wil gab es damals vor 50 Jahren noch nicht. Dort konnten wir auf Wiesen noch Drachen steigen lassen. Was es aber schon gab, war die Mietskaserne unter dem Friedhof Meisenhard, damals Wohnort für die vielen Migranten aus Italien. Was auf diesem Foto auch fehlt: Die Dampffahne vom Atomkraftwerk Gösgen-Däniken. Zurzeit muss das Werk sicherheitstechnisch aufgerüstet werden. Man hat festgestellt, dass es Mängel gibt bei der Erdbebensicherheit, und das schon, seit das Kraftwerk in Betrieb ist.

Das sind so meine auch sentimentalen Einblicke in eine typische Schweizer Kleinstadt. Wie geht es dir, wenn du auf den Ort deiner Kindheit schaust?

Jörg Niederer


Sonntag, 22. Februar 2026

Handlungsfähig

Ein Zitat

Die Propsteikirche Santo Stefano in Tesserete.
Foto © Jörg Niederer
"Als die Leute aus Aschdod am andern Morgen hinkamen, sahen sie: Der Gott Dagon war zu Boden gestürzt! Er lag auf seinem Gesicht vor der Lade des Herrn. Da richteten sie das Standbild des Dagon wieder auf und stellten es an seinen Platz zurück." Bibel, 1. Samuel 5,3

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Glaubst du an den Gott der Auferstehung, oder an den Gott des dauernden Zusammenbruchs? Musst du deinen Gott immer wieder aufrichten, oder ist es dein Gott, der dich aufstellt? Verliert dein Gott immer wieder Kopf und Hände (1. Samuel 5,4), also seine Handlungsfähigkeit, oder gibt dir dein Gott Handlungsmöglichkeiten für ein gutes Leben? Gefragt ist nach deinem Gottesbild. 

Wenn wir meinen, wir müssten Gott beschützen, bewachen und kontrollieren, dann schleichen sich seltsame, unsinnige Glaubenshandlungen ein in unserem Leben. So wie es bei den Menschen von Aschdod war, die nicht mehr auf die Türschwelle zu treten wagten, auf der Dagons Kopf und Hände hingefallen waren (1. Samuel 5,5).

"Min Gott isch so gross, so stark und so mächtig, gar nüüt isch unmöglich mim Gott" heisst es in einem Kinderlied. Mein Gott braucht nicht meine Schutzmassnahmen für ihn, er beschützt mich. Darum traue ich Gott zu, ohne menschliche Hilfe Gott zu bleiben.

Zum Foto: Zu sehen ist die Propsteikirche Santo Stefano in Tesserete, deren Anfänge in das Jahr 1078 zurückreichen.

Jörg Niederer

Freitag, 9. Januar 2026

Der Philosoph von Bümpliz

Ein Zitat

Eine Wandergruppe im Schneetreiben in der Nähe von Sumiswald beim Aufstieg auf den Stiereberg.
Foto © Jörg Niederer
"Der Wunder grösstes ist die Liebe. Nur wer liebt, ist gläubig; allein wer liebt, hat Gott." Carl Albert Loosli (1877-1959)

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Vorweg: Zum heutigen nationalen Trauertag empfehle ich die berührenden Worte auf SRF1 von meinem Kollegen Stefan Moll.

Nun zu einem anderen, der etwas zu sagen hat: Ich glaube, von ihm muss ich noch mehr lesen. Einst foppte er die ganze philologische und literarische Universitätselite, als er behauptete, Jeremias Gotthelf sei nur der Ghostwriter des Bauern Johann Ulrich Geissbühler gewesen. Das nahmen sie ihm sehr übel. Carl Albert Loosli starb im Jahr 1959, vier Monate, bevor ich das Licht der Welt erblickte. Er war eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Mit bissigen Beiträgen in vielen Berner Zeitungen fiel er auf. Geschöpft hatte er wohl aus seinen Erfahrungen in Waisenhäusern, im Paris der Dreyfuss-Ära, und auf Drogenentzug in der Waldau. Er war mit dem Schweizer Maler Hodler befreundet. Er setzte er sich für Verdingkinder und gegen Antisemitismus ein. Sein Anliegen war eine demokratischere, gerechtere Schweiz. Als man 1933 den jüdischen Philologen Jonas Fränkel von dessen Arbeit an den Gottfried-Keller- und Spitteler-Editionen ausschloss, war er einer der wenigen, die sich gegen diese antisemitischen Machenschaften wehrte.

Zu seinen Lebzeiten schon wurde er "Philosoph von Bümpliz" genannt.

In einen Leitartikel im Berner Boten schrieb er einst über den Glauben. Als Einstieg diente ihm die folgende Geschichte: "Ein Atheist, der sein Leben lang an der Existenz Gottes gezweifelt und aus seiner Überzeugung nie einen Hehl gemacht hatte, war gestorben und erschien nun vor dem höchsten Richterstuhl. da erkannte er seinen Irrtum und verzweifelte. 'Verdamme mich Herr! Ich sehe, du bist, und ich habe dich immer verleugnet!' Da lächelte der Richter milde und sprach: 'Gehe ein zu der ewigen Freude. Du hast mich immer verleugnet, das ist wahr; aber du tatest es aus ehrlicher Überzeugung. Das ewige Feuer ist nur da für die, welche meinen Namen auf den Lippen führen, ohne meinen Willen zu tun.' Und der Atheist ging zur ewigen Wonne ein."

In der Folge gibt es in dieser Kolumne noch weitere spannende Formulierungen über den Glauben. Etwa diese: "Nur ihr, die ihr glaubt, lästert Gott, indem ihr ihn so beschränkt denkt, wie ihr selber seid... Euer Glaube ist keine lebendige Kraft, die euer Handeln leitet, sonst würdet ihr nicht richten und nicht verdammen."

Oder: "Denn die Liebe, welche von Gott ist, lässt sich ebensowenig wie die Wahrheit, die auch von Gott ist, von Staates wegen ausbeuten."

Und zuletzt: "Der Wunder grösstes ist die Liebe. Nur wer liebt, ist gläubig; allein wer liebt, hat Gott. Uns fehlt weder die Kraft noch der Wille zum Glauben. Aber das Wunder der Liebe fehlt uns: der Liebe, die nicht richtet, die nicht zürnt, sondern duldet, erträgt, begreift."

Jörg Niederer

Samstag, 27. Dezember 2025

Glück

Ein Zitat

Der Weihnachtsbaum beim Migrolino am Bahnhof Olten steht direkt neben dem Swisslos-Automaten.
Foto © Jörg Niederer
"Bevor man etwas brennend begehrt, sollte man das Glück dessen prüfen, der es bereits besitzt." François de La Rochefoucauld (1613–1680)

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Zweimal Glück. Einmal das Zufallsglück, die Lotterie, die Hoffnung auf Devisen in Millionenhöhe. Das andere Mal das Glück einer intakten Familie, der friedlichen Gemeinschaft von Menschen, der leuchtenden Kinderaugen.

So nebeneinander könnte es doppeltes Glück bedeuten. Wie viele Menschen haben bei diesem Bahnhofs-Christbaum auf das besondere Losglück gehofft? Die Hoffnung auf das grosse Geld hat ja mit Glauben so einiges zu tun. Da wurde wohl auch das eine oder andere Mal gebetet: "Du Gott gibst mit Losglück, und ich dir einen friedlichen Heiligen Abend."

So hat "mein" Kirchenvater John Wesley es nicht gemeint, wenn er "Holiness and Happiness" (Heiligkeit und Glück) in einem Atemzug nannte.

Baum und Automat stehen an einer etwas trostlos wirkenden Stelle. Kein doppeltes Glück, sondern doppelte Frustration ist wohl gar nicht so selten an diesem Ort, an dem viele vorübereilen.

Man sagt, am wenigsten gewinnt man, wenn man nicht mitspielt. Wo überall spiele ich mit? Wie spiele ich mit? Spiele ich andern übel mit, nehme ihnen das Glück? Spiele ich mir oder andern in die Tasche? Spiele ich Weihnachten, der Familie zuliebe. Werden mir in diesem Jahr all die Festtage glücken?

Bald sind wieder die Symbole des Glücks auf den Neujahrstorten zu finden. Marienkäfer und Kleeblätter und Fliegenpilze und Hufeisen und Glücksschweinchen und Kaminfeger. Wovon wir Menschen uns nicht immer wieder Glück erhoffen!

"Holiness an Happiness"; ob John Wesley recht hat, wenn er überzeugt ist, dass wahres Glück, wahre Freude nur in Christus zu finden sind?

Jörg Niederer

Sonntag, 7. Dezember 2025

Gerechtigkeit und Frieden

Ein Zitat

Adventsschmuck hängt goldig glitzernd über den langen Rolltreppen am Flughafen Zürich.
Foto © Jörg Niederer
"Güte und Treue finden zueinander. Gerechtigkeit und Frieden küssen sich. Treue wächst aus der Erde empor. Gerechtigkeit scheint vom Himmel herab." Bibel, Psalm 85,11+12

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Hass und Neid spucken sich an, aber "Gerechtigkeit und Frieden küssen sich".

Auf dem dunklen Hintergrund von Hass und Neid wird die Zärtlichkeit im Bild von Gerechtigkeit und Frieden, die sich küssen, speziell deutlich. Da geht es nicht um den Buchstaben des Gesetzes, auch nicht um die Abwesenheit von Krieg. da geht es um das verliebte Zusammensein, um die Potenzierung der Geborgenheit. Es sind Hoffnungsbilder, welche die Psalmschreibenden mitten in eine erfüllt unerfüllte Verheissung hineingesprochen haben. Israel war nach dem Exil ins Land der Väter und Mütter zurückgekehrt und fand sich dort wieder einmal mehr in einem Land, das seinen Ertrag nur im Angesicht des Schweisses und der ständigen Bedrohung durch böse Nachbarn brachte. Dahinein ist die Verheissung Gottes wie die Hand der Mutter, die dem traurigen Kind über die Wange fährt, wie der Kuss zweier Verliebter, der alle Liebesbeteuerungen und Worte übersteigt und hinter sich zurücklässt. Drei Worte treffen den Sachverhalt: "Gott ist Liebe". Das gilt auch für diese Adventszeit.

Jörg Niederer

Sonntag, 9. November 2025

Warum Gott mich nicht um Rat fragt…

Ein Zitat

Die Rosenbergkapelle der Evangelisch-methodistischen Kirche in Wädenswil liegt an einer stark von Passant:innen frequentierten Nebenstrasse.
Foto © Jörg Niederer
"Als sie auf Sodom hinuntersahen, dachte der Herr: 'Soll ich wirklich vor Abraham geheim halten, was ich vorhabe?'" Bibel, 1. Mose 18,16+17

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Abraham musste ein bemerkenswerter Mensch gewesen sein, dass Gott mit ihm seine Pläne besprach. (Siehe Bibel, 1. Mose 18,16-33!). Als Eingeweihter kam Abraham jedoch in Teufels Küche. Denn in Sodom lebte Lot, der Sohn seines Bruders mit dessen Familie. Gott aber wollte Sodom mit Mann und Maus vernichten.

Abraham begann zu feilschen. Wie wenn es um den Preis von Blumenkohl ginge, versuchte er das Leben seines Neffen und dessen Familie und der ganzen Stadt Sodom zu retten. Und Gott liess sich von 50 Gerechten auf 10 herunterhandeln, bei deren Vorfinden in Sodom er die Stadt verschonen würde. Abraham gelang es, Gott sehr gnädig zu stimmen. Es gelang ihm, weil Gott gnädig ist.

Gott!

Manchmal möchte ich, dass du mich um Rat fragst, bevor auf dieser Welt wieder irgendeine Katastrophe dir angelastet wird.

Manchmal möchte ich, dass du dich mit mir besprichst, bevor wieder einer unschuldig stirbt.

Manchmal möchte ich, dass du dich erst bei mir darüber erkundigst, was ich davon halte, bevor du mich irgendwo an irgendwelcher Menschen Seite stellst.

Manchmal möchte ich, dass du nicht alles allein bestimmst, und ich die Suppe auslöffeln muss, die du mir einbrockst.

Manchmal möchte ich, dass du mich zuerst fragst… 

Und dann höre ich Gott sagen: "Mensch, manchmal möchte ich, dass du dich bei mir erkundigst, und nicht einfach vor dich hin lebst, als müsse sich alles um dich drehen."

Und ich verstehe, warum Gott mich so selten zu Rat zieht; – aus lauter Güte zu mir und dieser Welt.

Amen

Jörg Niederer 

Montag, 3. November 2025

Verschwenderisches Nichts

Ein Zitat

Im Nebel verschwindet der Zürichsee am Horizont im Nichts.
Foto © Jörg Niederer
"Werden wir eines Tages an eine Grenze kommen, / wo das Forschen aufhört, / weil es keine kleineren Teile zu entdecken gibt? /Stossen wir auf Fingerabdrücke des Schöpfers? / Wartet Gott auf dem Grund / des leergetrunkenen Bechers / der atheistischen Naturwissenschaft, / wie das einer [Werner Heisenberg] mal behauptete?" Arnold Benz (*1945) im Buch "Unfassbar verschwenderisch", Zürich 2023, S.53

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Zugegeben, das Foto ist ziemlich aussagearm. Auch könnte es überall an einem Gewässer aufgenommen worden sei. Entstanden ist es am Samstag bei nebligem Wetter am Zürichsee. Da ist etwas zu sehen. Eine feine Linie teilt Wasser und Nebel. Ganz nahe im seichten Bereich sind auch einige Steine auszumachen. Aber sonst ist da fast nichts.

Genau darum wird es auch gehen an der Pfarrweiterbildung der Evangelisch-methodistischen Kirche. Es geht um Glaube und Naturwissenschaft. Den Auftakt macht heute Abend Arnold Benz, seines Zeichens emeritierter Professor am Institut für Teilchen- und Astrophysik der ETH Zürich. Er entführt die Teilnehmenden in poetischer Weise ins beinahe Nichts des Weltalls. Da gibt es schon einiges zu sehen. Aber noch mehr ist da das, was ein Mensch nicht sehen kann. Arnold Benz liest Astronomische Psalmen aus seinem Büchlein "Unfassbar verschwenderisch". 

Gespannt darauf bin ich auch, wenn wir mit der Evangelisch-reformierten Theologin Prof. Dr. theol. Christina Aus der Au Heymann in den Kopf der Menschen blicken und dabei erkenntnistheoretische Fragen mit eben diesem Kopf bedenken. 

Dann ist da auch noch Dr. theol. Manuel Schmid, Co-Leiter im RefLab. Mit ihm geht es dem offenen Theismus auf den Grund. Ob es da dann heiter wird und der Nebel sich lichtet? Wir werden sehen.

Jörg Niederer

Sonntag, 2. November 2025

Von Gott kommt Hilfe!

Ein Zitat

Die methodistische Kapelle in Horgen ist heute fest mit dem Alterszentrum Haus Tabea verbunden und wirkt recht unscheinbar inmitten der Überbauung.
Foto © Jörg Niederer
"Bei Gott schweigt meine Seele still. Von ihm kommt die Hilfe, die ich nötig habe!" Bibel, Psalm 62,6

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Auf Gott vertrauen erhöht die Unabhängigkeit. Auf Gott vertrauen macht resilient gegen Irritationen des Lebens.

Auf Gott vertrauen macht unabhängig von dem, was die anderen sagen oder tun. So erkennt man: "Nur ein Hauch sind die Menschenkinder. Ein trügerisches Nichts sind die Sterblichen!" (Psalm 62,10)

Auf Gott vertrauen mach unabhängig von der Meinung, mit Gewalt könne man Ziele erreichen. Das weiss der Psalmdichter und mahnt: "Darum verlasst euch nicht auf erpresstes Gut. Gestohlene Habe wird euch nichts nützen." (Psalm 62,11a)

Auf Gott vertrauen macht unabhängig von den Täuschungen des Wohlstands (Psalm 62,11b). Vielleicht ist Wohlstand das grösste Hindernis auf dem Weg zum Frieden. Wer auf Gott vertraut, erlebt, wie ihn oder sie der Besitz nicht mehr gefangen nimmt. Eigentum wird im Vertrauen auf Gott zu Gottes Eigentum. Gott verfügt darüber. Ob Gott es mir gibt oder nimmt, immer ist es das Beste für mich.

Darum: "Von Gott kommt die Hilfe, die ich nötig habe!" (Psalm 62,1).

Jörg Niederer

Sonntag, 5. Oktober 2025

Vom Schlamm und von Ruinen

Ein Zitat

Die 'Alte Kirche' in Widnau wurde bis auf wenige Mauerabschnitte 1990 abgerissen.
Foto © Jörg Niederer
"Er [Gott] zog mich aus der todbringenden Zisterne, aus dem ganzen Schlamm und Dreck. Er stellte meine Füße auf einen Felsen und gab meinen Tritten festen Halt." Bibel, Psalm 40,3

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Schon vor dem Sturm Lothar war der Weg hinunter ins Tal weitgehend zugewachsen. Nach dem Unwetter waren auch noch die letzten existenten Abschnitte unter umgestürzten Bäumen begraben. Ich versuchte trotzdem den Abstieg und landete prompt in einer wirklich morastigen Grube. Erst 30 Minuten später stand ich erschöpft wieder oben auf sicherem Grund. 30 Minuten, die mich ausser Atem gebracht und meine Kleidung braunmatschig gefärbt haben. Als hätte sich der Himmel gegen mich gewandt, klatschte nur kurze Zeit später eine tote Taube nur wenige Zentimeter neben mir auf den Boden. Fast wäre ich dem Schlammtod entronnen von Federn erschlagen worden.

Wie sieht dein "Schlamm und Dreck" aus? Ist es eine seit Jahren vertrackte Beziehung? Ist es die Arbeit, oder das Fehlen von Arbeit? Sind es Altlasten aus der Kindheit? Wie oft hattest du dich fast freigestrampelt, um dann doch wieder hinunter zu rutschen in die "todbringende Zisterne"?

Gib nicht auf! Nimm dir den obenstehenden Bibelvers als bare Münze: Gott zieht dich herauf! Also auf zum nächsten Versuch!

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Zur Fotografie: Ein Jahr lang fuhr ich auf meinem Weg nach Diepoldsau in Widnau immer wieder an einer Ruine vorbei. Niemand konnte mir sagen, was es mit diesen mit Kreuz versehenen Mauern auf sich hat. Vor zwei Tagen besuchte ich den Ort, und so weiss ich nun, dass es sich um die "Alte Kirche" handelt. Die Römisch-katholische Jakobuskirche wurde 1990 abgerissen, nachdem die 1904 eingeweihte Josefskirche ab dann als Hauptkirche genutzt wurde. Heute sind nur noch Teile des Turms und des Altarraums übrig geblieben. 

Der Abbruch soll zu diskutieren gegeben haben. Der Abschied von diesem Gotteshaus fiel wohl nicht leicht. Wer sehen möchte, wie die Jakobuskirche einst ausgesehen hat, kann ein Modell von Antonio Ciardullo anschauen, das er davon im Massstab 1:40 erstellt hat.

Jörg Niederer

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