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Montag, 4. Mai 2026

Gastbeitrag in Mazedonien

Ein Zitat

Gruppenfoto zum Abschluss des Laienprediger:innen-Seminars der Evangelisch-methodistischen Kirche Nord-Mazedonien.
Foto © Jörg Niederer
"Ich habe keine Angst vor einem Heer von Löwen, das von einem Schaf angeführt wird. Ich habe aber Angst vor einem Heer von Schafen, das von einem Löwen angeführt wird." Alexander der Grosse (356–323 v. Chr.), Mazedonischer König und Welteroberer

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Das Laienprediger:innen-Seminar in Mazedonien ist Geschichte. Ich durfte als Referent gastweise daran teilnehmen und so viele interessante Persönlichkeiten kennenlernen. Geleitet wurde das Treffen von Superintendenten Marjan Dimov und einem Team von weiteren Helfer:innen. Am Seminar nahmen nicht nur die 4 Personen teil, welche dieses Laienprediger-Seminar absolvieren, sondern auch Jugendmitarbeitende und andere Interessierte. 

In diesem abschliessenden Kurs ging es um Liturgie und Gottesdienst (unterrichtet von Erika Stalcup) sowie um die Kirchenordnung (Jörg Niederer). Auch wenn die Materie nicht besonders spannend klingt, entstanden angeregte Gespräche und teils intensive Diskussionen. Besonders hilfreich war, dass die frisch ins Mazedonisch übersetzte Kirchenordnung hinzugezogen werden konnte.

Zum Abschluss ihrer Ausbildung wurde den Studierenden eine Urkunde überreicht, die bestätigt, dass sie nun Laienprediger:innen der Evangelisch-methodistischen Kirche sind. Als solche dürfen sie in allen methodistischen Gemeinden zu Predigtdiensten hinzugezogen werden. Weiter kann der Bischof sie bei Bedarf als Pfarrpersonen anstellen, was mindestens in einem Fall nun auch geschieht.

Die Laienmitarbeit ist in allen Kirchen wichtiger den je. Die Methodistenkirche ihrerseits ist ohne sie nicht vorstellbar. In Mazedonien etwa gibt es aktuell nur gerade zwei ordinierte Pfarrpersonen in 11 Gemeinden. Die weiteren pastoralen Mitglieder kommen aus der Laienschaft oder sind mit ihrer Ausbildung noch nicht fertig.

Ich habe mich in diesen Tagen vor allem wieder an den Begegnungen mit den Menschen dieses reizvollen aber vor grossen Herausforderungen stehenden Landes gefreut. Mal schauen, ob ich wieder einmal diese Herzlichkeit der mazedonischen Menschen erleben darf.

Jörg Niederer

Freitag, 5. Dezember 2025

Untersuchungsverfahren

Ein Zitat

Die Höhere Fachschule in Ziegelbrücke.
Foto © Jörg Niederer
"Der Untersuchungsausschuss gestaltet sein Verfahren nach freiem Ermessen, hat jedoch dem Beschuldigten, dem Anzeigeerstatter und dem zuständigen Pastoralen Mitglied mit Aufsichtsfunktion Gelegenheit zu persönlicher Anhörung zu geben." Kirchenordnung der Evangelisch-methodistischen Kirche, Art. 7,3 

Hingesehen

Wieder einmal wandere ich an der Höheren Fachschule in Ziegelbrücke vorbei. Vor Jahren als ich Distriktsvorsteher (eine Art Regionalverantwortlicher mit Aufsichtsfunktion) war, fand hier die einzige, je gegen mich erfolgte kircheninterne Untersuchung gegen mich statt. Eine Pfarrperson fühlte sich von mir ungerecht behandelt. Geleitet wurde das Verfahren, das zu meinen Gunsten ausging, durch eine Laienperson aus der Kirche. Genau dieser Frau bin ich drei Stunden bevor das Foto von der Fachschule entstand, zufällig auf dem Bahnhof Ziegelbrücke begegnet. Zuvor habe ich sie gut zehn Jahre nicht mehr gesehen.

Ich stand also auf dem Bahnhof und wartete auf den Zug nach Glarus, da glaube ich einige Perrons entfernt eben diese Frau zu sehen, zusammen mit ihrem Ehepartner. Ich mache mich bemerkbar, winke. Zaghaft winken die beiden zurück, doch ich kann gut erkennen, dass sie sich unsicher sind. Fragend schauen sie zu mir herüber. Ich hole meinen Schlauchschal hervor, zeige auf das Logo der Evangelisch-methodistischen Kirche, zu der wir beide gehören. Doch sie kann es wohl aus der Distanz nicht erkennen. Dann steige ich in den zwischenzeitlich eingefahrenen Zug ein.

Zuhause schreibe ich der Frau, will wissen, ob ich da eine wildfremde Person verunsichert habe, oder ob sie es wirklich gewesen ist. So sicher bin ich mir nicht mehr; in meinem Alter meint man ja manchmal Dinge oder Personen zu sehen, die es gar nicht gibt.

Nach einigen Tagen kommt die Antwort. Ja, sie war es. Meine Aktion mit dem Schlauchtuch habe sie jedoch vollends verunsichert. "Als du dann noch eine Schal geschwenkt hast, war ich mir nicht mehr sicher", schreibt sie.

So kann es gehen. Was helfen soll, irritiert erst recht. Fast ein wenig so, wie damals bei der Untersuchung gegen mich.

Jörg Niederer

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