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Montag, 2. Februar 2026

Der Vogel des Jahres 2026

Ein Zitat

Ein männlicher Eisvogel auf seinem Ansitz bei der Hide am Flachsee. Schön zu sehen ist der deformierte Schnabel.
Fotos © Jörg Niederer
"Wer kleinlich ist, erspäht auch im Grossen den Makel." Esther Klepgen (*1965) 

Hingesehen

In diesem Jahr darf natürlich der Eisvogel nicht fehlen. Er wurde nach Aufruf durch BirdLife Schweiz von der Bevölkerung zum "Vogel des Jahres 2026" gewählt, knapp vor der Wasseramsel, die lediglich 53 Stimmen weniger erhielt.

Der Eisvogel profitiert von renaturierten, fischreichen Wasserflächen und wohl auch vom Klimawandel. Wer mehr zu diesem farbenprächtigen Fischjäger erfahren möchte, kann auf die Webseite von BirdLife Schweiz gehen, oder dann meine früheren Beiträge dazu lesen.

Was mir aufgefallen ist. Der Eisvogel, ein Männchen, fotografiert am Flachsee entlang der Reuss, hat einen leicht deformierten Schnabel. Selbst geschlossen weisst er eine Lücke auf. Genauso, wie ein Eisvogel bei den Murgauen in Frauenfeld. Erst spekulierte ich, dass es der selbe Eisvogel sein könnte, der seinen Standort gewechselt hat. Im harten Wintern suchen die auf offenes Wasser angewiesenen Sturztaucher oft weiter entfernt bessere Reviere auf. Doch in Frauenfeld ist es ein Weibchen, das diese Schnabeldeformation aufweist.

Für die Vögel scheint diese Fehlstellung des Schnabels bei der Jagd nach Fischen kein Nachteil zu sein. Man muss halt nicht perfekt sein. Lebenstauglich ist man auch, wenn man keinen Schönheitspreis gewinnen könnte.

Jörg Niederer

Donnerstag, 22. Januar 2026

Auf in den Nebel

Ein Zitat

Der Fruchtstand einer Waldrebe wurde vom Raureif in ein vergängliches Glitzerwunder verwandelt.
Fotos © Jörg Niederer
"Jeglicher Zauber geht verloren, wenn du versuchst, ihn einzufangen." Helga Schäferling (*1957)

Hingesehen

Aus dem Zugfenster sehen wir eine sonnige Winterzauberlandschaft. An uns vorbei ziehen mit Raureif behangene weissgefärbte Bäume auf grünen Wiesen. Dann wendet sich die Fahrt dem Ausgangspunkt der Wanderung zu. In Affoltern am Albis ist von der Pracht noch eine Ahnung übriggeblieben. Die Sonne schafft es gerade noch so, einen kaum wahrnehmbaren Schatten zu werfen. Kurz steigen wir im Wald auf eine kleine Anhöhe nahe Ottenbach, dann geht es hinunter zur Reuss in eine Nebelsuppe, die wir nur zu gut von unserem Wohnort her kennen. Von nun an ist es eine Wanderung voller Überraschungen. Was wird wohl als Nächstes schemenhaft auftauchen und wieder verschwinden? Entlang des Flusses sind wir fast allein. Es ist still bei einem der 30 Naturschutzgebiete entlang der Reuss.

Für einmal ist das Weiterwandern auf der Kapellentour kein Aufstieg ins Licht, sondern ein Abstieg in den Nebel. Wer nur hat diese Strecke für diesen Tag ausgesucht?

Ein Vorteil gibt es aber: Wir sind umgeben von Raureif. Die Eiskristalle verzaubern uns und alles, lassen die kleiderdurchdringende Kälte immer einmal wieder vergessen. Ein Storch fliegt in vielleicht 20 Meter Höhe direkt über uns hinweg. Ein Trupp Schwanzmeisen zwitschert mit den Wintergoldhähnchen um die Wette. Enten fliegen, überrascht von den Schritten der einsam Wandernden, auf die gegenüberliegende Flussseite.

Es ist eine Reise vom Kanton Zürich in den Kanton Aargau. Es ist eine Reise nach innen.

Jörg Niederer

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