Ein Zitat
"Jeglicher Zauber geht verloren, wenn du versuchst, ihn einzufangen." Helga Schäferling (*1957)
Fotos © Jörg Niederer
Hingesehen
Aus dem Zugfenster sehen wir eine sonnige Winterzauberlandschaft. An uns vorbei ziehen mit Raureif behangene weissgefärbte Bäume auf grünen Wiesen. Dann wendet sich die Fahrt dem Ausgangspunkt der Wanderung zu. In Affoltern am Albis ist von der Pracht noch eine Ahnung übriggeblieben. Die Sonne schafft es gerade noch so, einen kaum wahrnehmbaren Schatten zu werfen. Kurz steigen wir im Wald auf eine kleine Anhöhe nahe Ottenbach, dann geht es hinunter zur Reuss in eine Nebelsuppe, die wir nur zu gut von unserem Wohnort her kennen. Von nun an ist es eine Wanderung voller Überraschungen. Was wird wohl als Nächstes schemenhaft auftauchen und wieder verschwinden? Entlang des Flusses sind wir fast allein. Es ist still bei einem der 30 Naturschutzgebiete entlang der Reuss.
Für einmal ist das Weiterwandern auf der Kapellentour kein Aufstieg ins Licht, sondern ein Abstieg in den Nebel. Wer nur hat diese Strecke für diesen Tag ausgesucht?
Ein Vorteil gibt es aber: Wir sind umgeben von Raureif. Die Eiskristalle verzaubern uns und alles, lassen die kleiderdurchdringende Kälte immer einmal wieder vergessen. Ein Storch fliegt in vielleicht 20 Meter Höhe direkt über uns hinweg. Ein Trupp Schwanzmeisen zwitschert mit den Wintergoldhähnchen um die Wette. Enten fliegen, überrascht von den Schritten der einsam Wandernden, auf die gegenüberliegende Flussseite.
Es ist eine Reise vom Kanton Zürich in den Kanton Aargau. Es ist eine Reise nach innen.
Jörg Niederer
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