Ein Zitat
"Des Menschen Charakter ist sein Schicksal." Heraklit (um 520 - um 480 v. Chr.)
Fotos © Jörg Niederer
Hingesehen
Sonntagmorgen an der Murg, direkt beim Bahnhof Frauenfeld. Schon von weitem sehe ich ihn heranschwimmen, direkt auf den Steg zu, auf dem ich stehe. Auch ganz nahe taucht er nicht ab, schwimmt direkt unter mir hindurch. Erst auf der anderen Seite der Brücke taucht der Biber weg, und verschwindet irgendwo im Uferbereich.
Biber haben zurückgefunden in die Schweiz. Erste Auswilderungen im Jahr 1956 in Genf und an weiteren Orten haben heute zu einer Population von 4900 Tieren geführt. Überall im Schweizer Mittelland und in weiten Alpentälern sind sie heimisch geworden.
Da Biber Landschaften grossflächig umgestalten können und dabei Kulturland auch betroffen sein kann, da sie auch nicht Halt vor Obst- und anderen Bäumen machen, finden sich zunehmend Stimmen, die ihre Bejagung fordern.
Und kaum sind erste Fischotter in die Schweiz zurückgekehrt, heisst es auch von diesen Tieren, sie würden zu viel Fisch fressen, man müsse sie wieder vertreiben.
Dasselbe bei verschiedenen Wasservögeln. Diskutiert wird, ob Gänsesäger und Haubentaucher, ganz zu Schweigen von Kormoranen, wieder bejagt werden sollen, da sie zu zahlreich seien und den Fischern zu viel Fisch wegfressen. In der Konsequenz müsste es bei dieser geforderten Jagdstrategie doch auch den Eisvögeln an den Kragen gehen. Immerhin frisst ein einziger dieser farbenprächtigen Vögel täglich mindestens sechs Jungfische.
Eine diskutierte Bejagung von Kormoranen im Winter bringt aber nicht viel, weil die Vögel, die dann bei uns in der Schweiz sind, nicht die selben sind wie die, welche im Frühjahr und Sommer bei uns brüten.
Kormorane, die in grossen Kolonien brüten und mit ihrem scharfen Kot ganze Baumbestände abtöten können (genauso wie die Biber, indem diese Baumbestände unter Wasser setzen) schaffen so neue Lebensräume für andere Tiere und Pflanzen im Netzwerk der Natur.
Aufgrund von Forschungen weiss man heute, dass sich Prädatoren auf die Artenvielfalt positiv auswirken. Das gilt leider nicht für den masslos gewordenen Menschen, der mit seinem Verhalten genau diese überlebenswichtige Artenvielfalt seinen meist monetären Interessen opfert. Da könnte man nun auch den Wolf anfügen, bei dem die Bejagung schon intensiv in Gang ist, obwohl er einen zu vernachlässigenden Schaden unter Nutztieren anrichtet (es sterben vielfach mehr Schafe durch Krankheiten und durch Abstürze auf ungeschützten Alpen) und er zugleich das Schalwild besser in Schach hält als menschliche Jäger, und damit die Gesundheit des Waldes fördert.
Übrigens ist der Biber natürlich kein Prädator, sondern ein hundertprozentiger Pflanzenfresser. Er würde wohl weniger weite Ausflüge ins Zuckerrübenfeld unternehmen, wenn es da, wo er lebt, auch Wölfe gibt. Denn für diese ist ein fetter Biber ein gefundenes Fressen. (Siehe auch meine früheren Beiträge zum Biber!)
Jörg Niederer
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen