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Montag, 16. März 2026

Selbstironie vom Feinsten

Ein Zitat

Der fette Frosch auf dem Fröschenbrunnen an der Ecke Eugen-Huber-Strasse/Friedhofstrasse in Zürich-Altstetten erinnert an alte Zeiten.
Foto © Jörg Niederer
"Man muss viele Frösche küssen, bis man einen Prinzen findet." Sprichwort

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Was für ein fetter Poser von einem Frosch! Dieser an eine Karikatur erinnernde Quaker steht für die Einwohner:innen von Zürich-Altstetten. Einst nannte man sie liebevoll (!) "Frösche", weil sie zwischen der Limmat und dem Ried von Albisrieden siedelten. Auf dem Kartenausschnitt von Swisstopo aus dem Jahr 1885 sind die Sumpfgebiete nördlich und südlich von Altstetten gut zu erkennen.

Ausschnitt aus der Swisstopo-Karte von 1885.
© Data: swisstopo
Der Bronzefrosch (hier ein Foto von 1934) wurde vom Zürcher Künstler Salvatore Francesco Romerio erstellt. Pikantes Detail: In Auftrag gegeben wurde die Arbeit 1933 vom letzten Gemeinderat von Altstetten anlässlich der Eingemeindung in die Stadt Zürich. 

Das nenne ich mal Selbstironie vom Feinsten. In Altstetten kann man über sich selbst lachen. Was einst als Spotbezeichnung der Dorfnachbarn gemeint war, wurde für die Altstetter:innen zu einer stolzen Selbstbezeichnung. Solche Umdeutungen im Verlauf eines Emanzipations- und Widerstandsprozesses nennt man neudeutsch "Reclaiming".

2014 wurde diese Bronzefigur doch tatsächlich entwendet. Das empfand man in Altstetten. Die "Frösche" brauchten wieder ihre identitätstiftende Brunnenfigur. Und so wurde 2016 eine originalgetreue Kopie vom Bronzefrosch an Ort und Stelle aufgestellt.

Entdeckt habe ich den Brunnen gestern, als ich in der Methodistenkirche Altstetten predigen durfte.

Auch die Methodist:innen kennen sich aus mit dem sogenannten Reclaiming. Was eins eine Spottbezeichnung der andern war, ist längst zu einer stolzen Selbstbezeichnung einer weltweiten Kirche geworden. Einige Mitglieder dieser Kirche haben sich gleich doppelt ironisch zurechtgefunden. Sie sind Frösche und Methodist:innen zugleich. Gut, dass es solche Menschen gibt.

Jörg Niederer 

Freitag, 16. Januar 2026

Wieder einmal Winterwandern

Ein Zitat

Jörg Niederer im Winterwald beim Aufstieg von Zürich Altstetten nach Uitikon Waldegg.
Foto © Sabine Möckli
"Der Sommer macht mir heisse Plage, / Die Herbstluft ist veränderlich; / Drum stimmt die Liebe mit mir ein: / Der Winter soll mein Frühling sein." Johann Christian Günther (1695-1723)

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Der meteorologische Winter 2025/2026 ist zur Hälfte Geschichte. Seit meine beiden grossen Zehen mit Arthrose gesegnet sind, ist das Gehen auf weichem, stark nachgebendem Untergrund beschwerlicher geworden. Das gilt insbesondere für Schnee. So schaute ich vergangenen Dienstag bei der Weiterwanderung auf der Kapellentour mit etwas Sorge auf die zu erwartende Winterlandschaft zwischen Zürich-Altstetten und Bonstetten. Tatsächlich war ich fast 80% des Weges auf Schnee unterwegs; und o Wunder, es ging sich ausgezeichnet. Mit Stöcken war selbst die Gefahr, auf glattem Untergrund auszugleiten, ein beherrschbares Risiko. Dank Sonnenschein zeigte sich die Winterlandschaft von ihrer besten Seite. All dies Vorteilhafte hob meine Stimmung ins Himmelweite. Auch die gelegentlichen Pflotsch-Stellen an besonders sonnenexponierten Lagen nahe den Bäumen konnten der Dichte und Wärme der Wanderschuhe nichts anhaben. Es war ein weiterer, wunderbarer Tag in meinem Leben. Das tut, wie man so sagt, der Seele gut.

Jörg Niederer

Donnerstag, 15. Januar 2026

Niedergang

Ein Zitat

Die unscheinbare Kapelle, angebaut an das Wohnhaus der Evangelisch-methodistischen Kirche an der Friedhofstrasse in Zürich-Altstetten.
Foto © Jörg Niederer
"Jede Generation ist ein bisschen weiter weg von der Kirche. Das hat mit den Sozialisierungsmechanismen zu tun, die nicht mehr funktionieren wie früher. In den Familien mit kirchlich distanzierten Eltern ist eine religiöse Erziehung nicht mehr automatisch gegeben, und in den Kirchen gibt es Sozialisierungsangebote, die nicht mehr nachgefragt werden." Eva Baumann-Neuhaus, Wissenschaftliche Projektleiterin am Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut (SPI) in St. Gallen.

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Auf meiner Kapellen-Wandertour zu Lokalitäten in der Tradition der Methodistenkirchen war die Evangelisch-methodistische Kirche von Zürich-Altstetten die letzte in den Grenzen der Stadt Zürich. Sie ist eine dieser Bauten, die mit Wohnraum kombiniert ist und wenig Charme aufweisen. Neben dem Wohnhaus wirkt der Kirchenanbau fast schon provinziell. Anders als die methodistischen Vereinshäuser von Zürich 4 oder Zürich Zelthof gibt der Bau in einem Wohnquartier an der Friedhofstrasse wenig her. Lieb gemeint würde man von Understatement sprechen.

Die methodistische Kirchenlandschaft in der Stadt Zürich ist im Umbruch. Verschiedene Kirchengebäude dienen heute primär einem anderen als dem gottesdienstlichen Zweck. Zwar finden christlich-spirituelle Anlässe nach wie vor statt, doch der Gottesdienstbesuch und das Gemeindeleben ist teils stark zurückgegangen. Im Jahr 1980 zählte man in den Stadtzürcher Methodistenkirchen insgesamt noch 1445 Mitglieder und einen Freundeskreis von 503 Personen. Heute sind es noch 256 Mitglieder und der Freundeskreis umfasst lediglich 138 Personen. Wie wird wohl die methodistische Kirche in der Stadt Zürich nach weiteren 50 Jahren aufgestellt sein? Wird es gelingen, wieder relevanter für die Menschen vor Ort zu werden?

Jörg Niederer

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