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Samstag, 14. Februar 2026

Herumstocherer

Ein Zitat

In der Bucht bei Arbon suchen Bekassinen im seichten Wasser nach allerlei Getier.
Fotos © Jörg Niederer
"Arbeit ist schwer, ist oft genug ein freudloses und mühseliges Stochern; aber nicht arbeiten – das ist die Hölle."
Thomas Mann (1875-1955)

Hingesehen

Noch ein Vogel, der sich bevorzugt im seichten Schlickwasser an Seen und Flüssen aufhält: die Bekassine. In der Bucht von Arbon haben sie ihre Scheu vor den Menschen weitgehend abgelegt und suchen unbefangen nach Nahrung. Es ist ein Trupp von etwa 10-15 Vögel, die da mit ihren langen, geraden Schnäbeln nach allerlei Getier im Schlick und Erdreich suchen. Während der Grosse Brachvogel (Siehe Beitrag vom 13. Februar 2026) seine Beute vor allem mit dem Gehör aufspürt, weisst der Schnabel der Bekassinen einen beweglichen vordersten Teil auf, mit dem sie die Beute im Untergrund erspürt und ergreifen können.

Auch die Bekassine ist eine Limikolenart. Dazu zählt man die Watvögel, sowie Regenpfeifer und ihre Verwandten. Also Vögel, die ihre Nahrung im Schlamm watend suchen und finden.

In der Schweiz sind Bekassinen, bis auf etwa zwei Monate von Mitte Mai bis Mitte Juli ganzjährig zu finden. Allerdings gibt es weniger als 100 Bruten bei uns. Grund ist der Lebensraumverlust durch Landwirtschaft und Siedlungsdruck, sowie der Mangel an ausreichender Nahrung.

Jörg Niederer

Freitag, 13. Februar 2026

Der Tyrannosaurus der Regenwürmer

Ein Zitat

In der Bucht bei Arbon sucht ein Grosser Brachvogel im seichten Wasser nach allerlei Getier.
Foto © Jörg Niederer
"Langeweile ist so etwas wie die notwendige Brache für die Felder. Wir sind dauernd online, das heisst: wir werden überdüngt." Elmar Schenkel (*1953)

Hingesehen

Über den Grossen Brachvogel habe ich andern Orts schon einmal geschrieben. Dabei handelt es sich um einen Vogel in der Grösse einer Rabenkrähe. Rund 1000 dieser stattlichsten Limikolen überwintern rund um den Bodensee. Sie ernähren sich von allerlei Getier im Schlick. Aber ebenso gern suchen sie in den Wiesen nach Würmern. Vogelkenner Stephan Trösch erzählte uns an der Wasservogelführung vom vergangenen Sonntag, er habe einmal wissen wollen, wie viele Würmer all die Grossen Brachvögel innerhalb eines Tages vertilgen. So beobachtete er einen Schwarm, und stellte dabei fest, dass jedes Tier so 4 Regenwürmer pro Minute verspeist. Ein Regenwurm wiegt 1,1 bis 2 Gramm. Geht man davon aus, dass die Brachvögel pro Tag so 4 Stunden auf den Wiesen bei der Nahrungssuche verbringen, dann kann man leicht ausrechnen, was an Regenwurmmasse durch sie vertilgt wird. 4 Regenwürmer mal 60 Min mal 4 Stunden mal 1000 Vögel mal durchschnittlich 1,5 Gramm Regenwurmmasse ergibt pro Tag 1,44 Tonnen.

In Arbon am Bodensee kommt man den Vögeln recht nahe; eben auch diesem Grossen Brachvogel. Mit seinem leicht gebogenen langen Schnabel ist er unverwechselbar. In diesem Jahr habe ich ihn schon auf beiden Seiten des Zürichsees gesehen, und eben auch am Bodensee. Dort in Arbon wird er allerdings, auch wenn er sich nahe am Ufer aufhält, von den meisten Flaneur:innen übersehen. Doch wer Augen hat zum Sehen, der gehe hin und sehe!

Jörg Niederer

Mittwoch, 17. September 2025

Sukzessive Bigamistinnen

Ein Zitat

Ein Zwergstrandläufer sucht beim Neeracherried eine Schlickfläche nach Futter ab.
Foto © Jörg Niederer
"Wer natürlich wirken will, hat die Natürlichkeit damit schon verscherzt." Erhard Blanck (1942 - 2024)

Hingesehen

Zwergstrandläufer gehören zu den weltweit kleinsten Wattvögeln. Sie sind etwa so gross wie Spatzen und sehr leistungsfähige Zugvögel. Bei uns sind sie denn auch nur während des Vogelzugs zu sehen, der im Herbst vom hohen Norden nach Afrika oder Asien führt und im Frühjahr wieder zurück. Aktuell schwankt die Sichtungszahl in der Schweiz zwischen 100 und 300 Tieren.

Der Zwergstandläufer ist ein weiteres Beispiel, dass es mit der Sexualität nicht so einfach ist, wie sich das manche Menschen vorstellen, wenn sie das Adjektiv "unnatürlich" verwenden. Die Zwergstrandläufer sind sogenannte sukzessive Bigamisten. Die Weibchen paaren sich oft mit zwei Männchen und legen parallel zwei Nester an. Das eine Nest wird vom ersten Männchen bebrütet, das zweite vom Weibchen. Die Aufzucht von den schnell das Nest verlassenden Küken erfolgt dann wieder gemeinsam.

Es gibt eben fast nichts, das nicht natürlich ist. Darum ist das Wort "natürlich" wenig hilfreich in Diskussionen über moralische Themen.

Jörg Niederer

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