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Montag, 19. Januar 2026

Gulasch und ein Knoten aus Stahl

Ein Zitat

Der "Knoten gegen das Vergessen" vom Kunstschlosser Wilfried Kofler im Geländer der Hafenpromenade von Bregenz.
Foto © Jörg Niederer
"Wegen Gottes Gnade will ich noch gnädiger werden." Frank Moritz (*1967), Methodistenpfarrer

Hingesehen

Die aktuell bestehenden Bregenzer Bahnhofsgebäude mit ihren lichtgrünen Elementen wurden erst 1989 errichtet. Damals wurde auch ein neuer Übergang über die Geleise erstellt, und die bestehende Gulaschbrücke, ein Fussgängersteg, abgerissen. Zwischenzeitlich ist schon der nächste Bahnhofsneubau im Gange.

Um den Weiterbestand der Gulaschbrücke wurde einst heftig gestritten. Daran erinnert ein Knoten in einer der Geländerstangen an der Seepromenade von Bregenz. Eingeschmiedet wurde der Knoten vom Bregenzer Kunstschlosser Wilfried Kofler (1949-2017) in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Einem "Knopf im Nastuch" gleich soll er an ein gebrochenes Versprechen erinnern. Das Versprechen nämlich, die Gulaschbrücke nach Vollendung des Bahnhofneubaus wieder aufzurichten. Anfänglich lagerte man die zerlegte Brücke an der Stelle des heutigen Parkplatzes Seestadtareal ein. Doch der Stadtrat lehnte die 3,5 Millionen Schilling teure Wiedererrichtung am 15. Januar 1991 ab, und die Gulaschbrücke wurde verschrottet. Damit verschwand nach fast 100 Jahren das letzte Zeugnis des alten und ersten Bahnhofs.

An der Bezeichnung "Gulaschbrücke" war der aus Italien stammende Wirt des Gasthauses Helvetica schuld, und der Arlbergtunnel. Via Arlbergtunnel reisten ab 1884 unzählige Arbeitsmigrant:innen aus Italien und Südtirol in die Schweiz und nach Süddeutschland. Über die Gulaschbrücke gelangten diese Reisenden zu den Bodenseeschiffen, um ihre Weiterfahrt auf dem Wasserweg fortzusetzten. Zuvor aber verköstigte der Helvetica-Wirt sie unter der Brücke mit Brot und Gulasch.

Das alles erfuhr ich gestern nach dem Gottesdienst in der Methodistenkirche Bregenz auf einem kurzen Spaziergang dem Bodensee entlang von meine Berufskollegen Frank Moritz.

Übrigens: Die Gulaschbrücke ist auf einem Foto im Wikipedia-Artikel zum Bahnhof Bregenz abgebildet.

Jörg Niederer

Freitag, 10. Oktober 2025

Versprechen

Ein Zitat

Bei dieser Raupe handelt es sich um die der Gemüseeule auf dem Weg ins Winterschlafquartier.
Foto © Jörg Niederer
"Niemand verachtet die Raupe mehr als der Schmetterling." Klaus D. Koch (*1948)

Hingesehen

Ist sie nicht schön, diese Raupe. Es soll sich um die Raupe einer Gemüseeule handeln, was gut zum Zeitpunkt und zur Lokalität passt. Rund herum waren Felder im Oktober. Diese Gemüseeule-Raupe war nicht allein unerwegs. Gleich noch drei weiteren halfen wir über die Strasse in die sichere Wiese. Beim Aufnehmen zappelte sie ein bisschen, doch dann krochen sie über die Hand und entlang der Fingern in Sicherheit.

Vermutlich hätte es der Bauer lieber gesehen, wenn sie das Grün nicht erreicht hätten. In der Landwirtschaft gelten sie als Schädlinge.

Für mich sind Raupen Versprechen. Aus ihnen werden einmal fliegende Wesen. Eine Verwandlung später wird das sein. Auch wir Menschen warten auf Erfüllungen von Verheissungen. Auch dazu braucht es Zeit. Wie weit ist meine Verwandlung schon fortgeschritten? Oder krieche ich noch an den Ort, an dem das geschehen soll?

Jörg Niederer

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