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Mittwoch, 15. Juli 2026

Rast und Reise

Ein Zitat

Das Wanderwegzeichen steht für Bewegung, die Hauswurz für Verharren.
Foto © Jörg Niederer
"Nichts bringt uns auf unserem Weg besser voran als eine Pause." Elisabeth Barrett-Browning (1806-1861)

Entdeckt

Die Schweiz ist gepflastert mit Wanderwegzeichen. Dieser Rhombus gehört zum Wegnetz im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Angebracht an einem Gartenzaunpfahl ob der Sitter beim Gehöft Würzen erzählt er von Bewegung, von Fussreisen, von vorübergehenden Momenten. Auf dem selben Holzpfahl wächst die Hauswurz. Eine Dickblattpflanze, welche ein beachtliches Verharrungsvermögen aufweist. Zugleich ist sie weit verbreitet, von Marokko bis Iran, von der Meereshöhe bis in die alpinen Lagen. Bewegung und Verharren. Dazu passt auch das Zitat von Elisabeth Barrett-Browning: "Nichts bringt uns auf unserem Weg besser voran als eine Pause". Gelesen haben wir diesen Spruch einige hundert Meter weiter auf unserer Wanderung, auf einer Gartenbank.

Vorankommen hat wenig zu tun mit Geschwindigkeit, mit Rastlosigkeit. Voran kommt man, wenn man sich Zeit nimmt, einen Schritt vor den andern setzt, aber auch die Zeit an Ort und Stelle erträgt. Wie um das zu lernen, warten wir dann 90 Minuten lang auf das Postauto, das zu dieser Zeit in Haslen nur gerade alle zwei Stunden die Aufwartung macht. Das einzige Restaurant ist zu. Zerstreuung ist Mangelware. War es verlorene Zeit? Nein, das war es nicht.

Jörg Niederer 

Mittwoch, 15. Oktober 2025

Pausentage

Ein Zitat

Herbstlicher Altarschmuck in der ab 1532 paritätischen Kirche Thal SG.
Foto © Jörg Niederer
"Sechs Tage sollst du deine Arbeit tun, aber am siebten Tag sollst du ruhen. Auch dein Rind und dein Esel sollen ausruhen. Und der Sohn deiner Sklavin sowie der Fremde sollen sich erholen." Bibel, 2. Mose 23,12

Hingesehen

Christina Ragettli schreibt in ihrem Buch mit dem genialen Titel "Von Wegen" über ihre 2363 Kilometer lange Weitwanderung auf der Via Alpina von Triest nach Monaco auch über ihre Lernerfahrungen. Eine davon könnte auch ein Plädoyer für den sonntäglichen Ruhetag sein.

"Erst wenn man Pausen einlegt, dann freut man sich wieder auf den Wanderalltag. Und wenn man wandert, freut man sich auf den Pausentag. Diese Abwechslung war für mich so wichtig und hat vielleicht über Erfolg und Misserfolg - oder besser: Ankommen und Nicht-Ankommen entschieden. Auch Hermann fragte mich immer wieder: 'Äh was, dort machst du wieder eine Pause?' Aber als ich Hermann traf, war ich schon ganz entspannt und erklärte ihm: 'Ja klar, hey, ich habe keine Eile - muss nur wieder zurück ins Büro, wenn ich fertig bin.'" (Christina Ragettli, Von Wegen, München 2025, S. 246f)

Jörg Niederer

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