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Freitag, 23. Oktober 2026

Halloween-Vogel

Ein Zitat

Weibchen oder Jungvogel einer Rohrweihe einmal in luftiger Höhe, und nicht wie üblich in taumelndem Flug knapp über dem Schilf.
Foto: © Jörg Niederer

"Durch die Besenderung
[von Rohrweihen durch BirdLife Österreich] konnten Tageszugleistungen von bis zu 800 km sowie Flüge in Höhen von 6.000 m über dem Meeresspiegel (etwa 3.000 m über Grund) dokumentiert werden." BirdLife Österreich

Entdeckt

Der dunkle Greifvogel mit seinem an einen bleichen Totenschädel erinnernden Kopf passt gut in die Zeit von Halloween. Es ist eine Rohrweihe, ein Weibchen oder dann ein Jungvogel, genau kann ich das nicht sagen. Rohrweihen überwintern regelmässig bei uns in der Schweiz. Auch auf dem Durchzug ist er zu beobachten. Bei uns ist er nicht sehr häufig. Die Vogelwarte Sempach spricht für die Jahre 2021-2023 von drei Brutpaaren. Dieser Greifvogel, er macht Jagd auf Kleinsäuger, Vögel und Amphibien, die er geschickt unter Ausnutzung des Geländes erbeutet, ist leicht kleiner als der bei uns häufige Rotmilan. Am Klingnauer Stausee konnte ich ihn vor einer Woche beobachten und fotografieren. Da es ein trüber, nebliger Tag war, hebt er sich auf dem Bild gut von dem weisslichen Hintergrund ab.

Jörg Niederer

Montag, 19. Oktober 2026

Heute gibt es Schilfschwein

Ein Zitat

Eine Wasserralle sucht entlang des Binnenkanals beim Klingnauer Stausee nach Nahrung.
Foto: © Jörg Niederer
"Darum versenkt, wer im ungeschlichteten Zwist der Völker nach geistiger Ruhe strebt, gern den Blick in das stille Leben der Pflanzen und in der heiligen Naturkraft inneres Wirkens..." Alexander von Humboldt (1769-1859)

Entdeckt

Heute und an einigen der folgenden Tagen gibt es Vogel. Bei einer Exkursion an den Klingnauer Stausee durfte ich mir unter Anleitung wieder einmal eine Fülle an ornithologischem Wissen anhören und aneignen. Zwei Vögel konnte ich zum allerersten Mal fotografieren. Der eine von ihnen ist die Wasserralle. Das ist kein besonders seltener Vogel und gesehen bzw. vor allem gehört habe ich ihn auch schon einige Male, doch heute gelang mir erstmals ein einigermassen gutes Foto von diesem scheuen Wasserrand-Vogel. Meist hält er sich versteckt im Schilfdickicht auf. Da er besonders schmal gebaut ist, kann er sich gut zwischen den Stängeln hindurchschlängeln. Wasserrallen ernähren sich von Insekten, Schnecken und Würmern. In den letzten Jahren stieg der Bruterfolg deutlich an, unterliegt aber von Jahr zu Jahr grossen Schwankungen. Die Vögel mögen es gar nicht, wenn das Schilf jährlich gemäht wird. Erst zwei- bis vierjähriges Schilf wird in höherer Dichte besiedelt. Wasserrallen sind standorttreu. Ziehende Wasserrallen kommen aus anderen Ländern. Mann nennt die Wasserralle im Volksmund auch Schilfschwein, da ihre Rufe stark an die Lautäusserungen von Schweinen erinnern.

Jörg Niederer

Freitag, 9. Oktober 2026

Gewohnheitstiere

Ein Zitat

Eine Reiterin auf Pferd, unterwegs zwischen zwei Bäumen, ist schemenhaft durch den Nebel zu sehen.
Foto: © Jörg Niederer
"'Leben' heißt rückwärts gesprochen 'Nebel'." Redensart

Entdeckt

An vergangenen Sonntag versammelten sich bei Wolfikon einige Enthusiast:innen zur EuroBirdwatch 2026. Es galt, Zugvögel zu beobachten und zu zählen. Ausgerechnet an diesem Morgen nebelte es zum ersten Mal sehr in diesem Jahr. Dadurch verringerte sich die Zahl der Beobachtungen massiv. Denn viele Vögel mögen es nicht, bei Nebel zu reisen.

Doch Nebel hat auch seinen Reiz. Er verwirrt die Sinne, die Landschaft wirkt geheimnisvoll und überraschend. Eine Reiterin auf dem Pferd, erst hörte man nur den Klang der Hufen, dann zeigten sich die ersten verschleierten Umrisse. Minuten später dann scheute das Pferd vor den Werbetafeln zur EuroBirdwatch am Wegrand. Das Pferd, das den Weg wohl schon hunderte Male gegangen war, traute diesem seltsamen Gebilde am Strassenrand, das aus seiner Sicht hier nicht sein sollte, so gar nicht, tänzelte nervös herum, schnaubte und liess sich von der Reiterin nur widerwillig beruhigen.

Pferde sind eben auch Gewohnheitstiere. Sie mögen keine Überraschungen.

Das galt wohl auch für den Rotmilan, den es auf dem Foto ebenfalls zu entdecken gilt. Er liess sich nicht von den Menschen mit ihren Ferngläsern davon abhalten, auf seinem Baum zu verbleiben. Oft sind Gewohnheiten sowohl Menschen und Tieren heilig. Auf Nebulöses wird entsprechend reagiert.

Jörg Niederer

Donnerstag, 27. August 2026

Aztekenvogel

Ein Zitat

Portrait von drei weissen Puten.
Foto: © Jörg Niederer
"Kraft der mir als Präsident der Vereinigten Staaten verliehenen Vollmachten begnadige ich hiermit diese beiden Truthähne." Wortlaut der traditionellen Begnadigung zweier Truthähne anlässlich des Erntedankfestes in den USA.

Entdeckt

Die Azteken waren es, welche die wilden Truthühner einst domestizierten. Ihnen verdanken wir also diese grössten Hühnervögel. Es sind zutrauliche und neugierige Tiere. Da wo ich ihnen am vergangenen Montag begegnete, kamen sie sogleich neugierig bis an den Zaun. In beiden Fällen waren es Tiere der Züchtung "Weisse Pute". Bis 20 Kilogramm schwer können sie werden. Interessant auch, dass sie die Färbung der Haut im Kopfbereich während der Brutzeit intensivieren können. Im Verlauf eines Jahres legen Puten zwischen 20 und 40 Eier. Diese müssen nicht einmal befruchtet sein, um daraus Nachwuchs zu erhalten. Das nennt man Parthenogenese, oder auf deutsch: Jungfrauengeburt. Allerdings führt die Fortpflanzung durch unbefruchtete Eier immer zu männlichen Truthähnen. Die Überlebensrate so entstandener Puter ist mit 0,16% jedoch ausgesprochen gering.

Auf dem Foto ist ein Puter und zwei Puten zu sehen. Der Hautlappen, der über den Schnabel fällt, verrät es. Er ist so etwas wie ein äusseres Merkmal von Potenz und Stärke. Dieser Hautlappen kann fast vollständig vom Vogel eingezogen werden.

Aggressive Truthähne gebe es auch. Das sei fütterungsabhängig. Wenn es bei den Menschen nur auch so einfach wäre. Das richtige Essen servieren, und unsereiner wird sanft und fein. Leider ist das nur ein frommer kulinarischer Wunsch. Aber bei den Truthähnen und Truthühnern soll es funktionieren.

Jörg Niederer

Montag, 17. August 2026

Farbenfroh

Ein Zitat

Ein Rothaubenturako im Tierpark Dählhölzli in Bern.
Foto © Jörg Niederer
"Bescheidenheit ist mein vorzüglichster Fehler, den ich mir mit der Zeit noch ganz abgewöhnen muss." Ludwig Tieck (1773-1853)

Entdeckt

Im Tierpark Dählhölzli in Bern werden viele europäische Tiere gehalten, zum Teil in sehr grossen Aussengehegen. Das hat mir schon gefallen, als ich noch als kleiner Junge mit meinen Eltern in Bern wohnte und immer einmal wieder einen Besuch im Zoo machen durfte. Aber auch exotische Tiere finden sich hier, so etwa dieser Rothaubenturako, ein Vogel aus Angola. Der Tierpark hält mehrere dieser farbenfrohen Vögel im Rahmen eines europäischen Erhaltungszuchtprogramms. Auch ein Jungvogel turnt aktuell in den Volieren des Tierparks herum. Er weisst noch nicht die Farbenpracht seiner Eltern auf. Die rote und grüne Färbung entsteht übrigens bei diesem Vogel nicht durch die Oberflächenstruktur der Federn, sondern durch kupferhaltige Pigmente.

Rothaubenturakos ernähren sich fast ausschliesslich von Früchten. Früher zählte man sie zur Ordnung der Kuckucksvögel. Heute sind sie eine eigene Ordnung. Als Turakos zählen sie zu den Lärmvögeln! Das sagt einiges aus über ihre Stimmgewalt, mit der sie rufend, kreischend und schreiend ihr Revier abgrenzen. Wie das klingt, kann man sich hier anhören.

Jörg Niederer

Montag, 20. Juli 2026

Fütterung der Vögel

Ein Zitat

Infoboard und Notiz zum Vogelfüttern in einer Seitengasse von Huttwil.
Foto © Jörg Niederer
"Narren wachsen unbegossen." Deutsches Sprichwort

Entdeckt

Huttwil. Durchgang zwischen Coop-Einkaufszentrum und Restaurant Bahnhof. Das Infoboard ist zugestellt mit parkierten Autos. Ich frage mich, wer es beachtet an diesem düster wirkenden Ort. Mir fällt es auch nur auf wegen des Zettels darüber. "Das Vogelfüttern auf dem Areal des Restaurant Bahnhof ist untersagt", steht da in grammatikalisch nicht ganz korrekter Schreibweise. Genitiv ist schwer. Der Ort des Anschlags am Fensterladen des Hotels in dieser Seitengasse ist so seltsam wie der Inhalt. Gibt es hier eine Vogelplage? Haben sich Autofahrer hier getroffen, um Vögel zu füttern? Ich sehe nichts Geflügeltes an diesem unwirtlichen Ort, nicht einmal die obligaten Spatzen. Gab es sie einst zahlreich an dieser Lokalität? Sind sie nicht mehr da, weil das Füttern verboten und folglich nichts mehr zu holen ist?

Auf dem Touchscreen darunter wir just in dem Moment die Werbung für die Vogel Trockenbaumontage GmbH eingeblendet. Damit hat das Fütterungsverbot wohl nichts zu tun. Lustig ist es trotzdem, die beiden Botschaften zu verbinden. Wie sieht es aus mit den Mitarbeitenden der Vogel Trockenbaumontage GmbH? Dürfen die im Hotel Bahnhof gefüttert werden? Oder müssen sie sich andernorts verpflegen lassen?

Übrigens: nur 50 Meter weiter steht die einstige Kapelle der Methodisten. Dort haben die Vögel gesungen. Dort ist das Füttern auch nicht verboten. Dort ist es auch nicht so abseitig düster. Dort liegt Musik in der Luft.

Jörg Niederer

Montag, 13. Juli 2026

Irritationen

Ein Zitat

Entflogener Nymphensittich in Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
"Ich habe nie geheiratet, weil ich drei Haustiere zu Hause habe, die den gleichen Zweck erfüllen wie ein Ehemann. Ich habe einen Hund, der jeden Morgen knurrt, einen Papagei, der den ganzen Nachmittag flucht und eine Katze, die spät in der Nacht nach Hause kommt." Marie Corelli (1855-1924)

Entdeckt

Erst flogen die Mauersegler nicht wie erwartet um die Nester am Backsteinhochhaus. Dann sang ein Buchfink, als wäre er ein Gartenrotschwanz. Während ich den Irritator fotografierte, strich mir eine schwarze Katze von links um die Beine. Auch hörte ich eine Hohltaube, konnte sie aber nirgends entdecken. Später dann tauchten die Mauersegler doch noch auf, und ich konnte die Einflüge in die Kunstnester beobachten. Damit war mein Beitrag bei der diesjährigen Zählung der Mauerbrüter abgeschlossen.

Doch die grösste Überraschung und Irritation gab es auf dem Heimweg, als ein laut rufender Vogel seine Runden drehte. Im Halbdunkel sah es aus, als würde der Turmfalke wieder den Mauerseglern nachstellen. Doch irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Als er sich gut sichtbar in eine Birke setzte, war das Elsternpaar wenig amused über den seltsamen Vogel, der sich als entflogener Nymphensittich herausstellte. Der vertriebene Kakadu seinerseits flog jeweils eine Runde und landete dann wieder bei den Elstern im Baum, was zu erneuten Annäherungen und Vertreibungen führte. Fremde haben es in der Schweiz nicht leicht.

Dem Aussehen nach handelt es sich um einen weissköpfigen Nymphensittich. Einfangen wird wohl schwierig. Wer gibt schon gern gewonnene Freiheiten wieder auf.

Jörg Niederer

Donnerstag, 2. Juli 2026

Im Felsen stochern

Ein Zitat

Oben: Weibchen des Mauerläufers. Unten: Wahrscheinlich ein Mauerläufer-Männchen im Strassentunnel.
Fotos © Jörg Niederer
"Wenn dir ein Fels vom Herzen fällt, so fällt er auf den Fuß dir prompt! So ist es nun mal auf der Welt: ein Kummer geht, ein Kummer kommt…" Heinz Erhardt (1909–1979)

Entdeckt

Mauerläufer sind beliebt unter Ornitholog:innen. Das gilt zwar für alle Vögel, doch wird der Mauerläufer entdeckt, ist das besonders schön. Der Bergvogel ist ein Vertikalzieher. Im Sommer niestet und lebt er in grossen Höhen. Im Winter, wenn dort alles unter einer hohen Schneedecke verschwindet, kann man ihn auch im Schweizer Mittelland antreffen. Mit seinem an ein Pinzette erinnernden langen Schnabel stochert er in den Spalten der Felsen nach allerlei Getier. Dabei bevorzugen Mauerläufer eher feuchtere Stellen am Fels. Ihre Nester bauen die mit ihren karminrot aufleuchtenden Flügeln an Schmetterlinge erinnernde Vögel in spaltenreichen Felsen oder auch einmal in einem Naturstein-Tunnel.

Am Mattmark-Stausee können Mauersegler in den Felsen direkt beim Restaurant beobachten. Dort ist dann auch das obere Foto entstanden, während das untere den Mauerläufer in einer höhlenartigen Nische zeigt mit Futter im Schnabel für den Nachwuchs.

Jörg Niederer

Dienstag, 30. Juni 2026

Familienleben und Emanzipation

Ein Zitat

Steinschmätzer. Oben: Männchen. Unten: Der Nachwuchs.
Fotos © Jörg Niederer

"Nestwärme speichert sich im Herzen und wird zum Nährboden für Vertrauen in das Leben."
  Helga Schäferling (*1957)

Entdeckt

In diesem Jahr sehe ich auf den Bergen um Saas-Fee Steinschmätzer in grösserer Zahl (Siehe auch Beitrag vom 27. Juni 2026). Gestern mussten wir nur wenige Schritte von der Seilbahnstation Kreuzboden bergauf steigen, und schon standen wir mitten in einem fröhlichen Treiben. Herr und Frau Steinschmätzer suchten intensiv nach Futter. Dabei beobachteten sie uns mindestens so aufmerksam, wie wir sie. Das Männchen kam bis auf 5 Meter heran, um die seltsamen Gestalten mit ihren Spektiven zu betrachten. Offensichtlich wurden wir nicht als grosse Gefahr eingeschätzt. So erhörten sie die bettelnden Jungtiere, und brachten dem schon flüggen, aber noch daunenbekränzten Nachwuchs auch während unserer Anwesenheit alle paar Minuten das Essen "frei Mund".

Das Männchen war an diesem Morgen deutlich intensiver bei der Sache. Emanzipiert wie er ist, überliess er die Kinderverköstigung nicht allein seiner Partnerin. Ein Gewinn für die herumwuselnden Jungtiere. Sieht der junge Steinschmätzer auf dem Foto nicht etwas mürrisch aus? Dafür hat er aber wirklich keinen Grund. Er wird bestens vorbereitet auf den Ernst des Lebens, dort oben auf 2400 Metern über Meer.

Jörg Niederer

Montag, 29. Juni 2026

Gesichtsstreifen

Ein Zitat

Eine Zippammer sitzt auf einer Lärche, und beobachtet uns.
Foto © Jörg Niederer
"Gott gibt jedem Vogel Nahrung, aber er wirft es ihm nicht ins Nest." Josiah Gilbert Holland (1819-1881)

Entdeckt

Der gestrige Tag brachte viele Highlights. Etwas die unzähligen Edelweiss-Pflanzen entlang des Bergwegs. Oder dann die Alpen-Apollofalter, die gleich mehrfach vorbeisegelten oder auf der Vegetation sassen. Erstmals fotografieren konnte ich auch eine Klappergrasmücke. Doch hier soll ein anderes Vögelchen kurz vorgestellt werden: Die Zippammer.

Eine Zippammer ruft, wie es ihr Name sagt: Zip!. Sie hat eine nette Gesichtsbemalung und ist schwer zu lokalisieren. Angetroffen werden kann sich bei uns an Alpensüdhängen über 800 Metern. Der Grossteil von ihnen lebt ums Mittelmeer, im Nahen Osten und in Zentralasien. Weiter nördlich findet man sie noch in Deutschland. Wärmelieb wie sie sind, wollen sie sich wohl noch nicht nach Norden weiter ausbreiten. Schön auch, dass man sie in der Schweiz das ganze Jahr beobachten kann. Ich habe sie oberhalb von Saas-Almagell gesehen.

Jörg Niederer

Sonntag, 28. Juni 2026

Farbenpracht in der grauen Schweiz

Ein Zitat

Alpenbirkenzeisige sind farbenprächtige Vögel, die man vor allem im Gebirge antreffen kann.
Foto © Jörg Niederer
"Streue Farben in dein Leben, sie haben keine Kalorien und machen dazu noch glücklich." Herkunft unbekannt

Entdeckt

Am ersten Tag an der Bergvogelexkursion in Saas-Fee habe ich gleich drei neue Flaschenvögel gesehen. Also Vogelarten, die ich das erste Mal in der Schweiz fotografieren konnte. Flaschenvögel werden sie genannt, weil man in Ornitholog:innenkreisen für die Erstsichtung jeweils eine Flasche zu öffnet pflegt. Drei Flaschen sind in meinem Fall deutlich zu viel. Also habe ich es gelassen. Die Freude ist dennoch gross. Da wäre als Neusichtung die Bergschwalbe, der Gänsegeier (sehr weit oben über dem Schwarzmies), und der Birkenzeisig.

Hier bei uns sind es die Alpenbirkenzeisige, die in den Ästen der Kiefern herumturnen, gelegentlich auffliegen um eine Rund singen zurückzulegen, und dann wieder im Geäst der flechtenbehangenen Bäumen einzufallen. Sie sind leicht an den roten Stellen an Kopf und Brust zu erkennen. Für die Schweiz ganz schön farbenprächtige Vögel.

Im Winter hat es übrigens bei uns noch mehr von ihnen, weil dann auch einige aus dem Norden zu uns kommen, während viele, die bei uns den Sommer verbrachten und da die Jungen grossgezogen haben, auch im Winter hier bleiben.

Jörg Niederer

Mittwoch, 27. Mai 2026

Dinkelvogel

Ein Zitat

Eine Goldammer sitzt auf einem Pfosten im biologisch-dynamischen Rebbaugebiet am Iselisberg.
Foto © Jörg Niederer
"Sogar wenn der Vogel geht, fühlt man, dass er Flügel hat." Antoine-Marin Lemierre (1733–1793)

Entdeckt

Siebzehn Ammernarten gibt es in Europa. Gesehen habe ich schon die Rohrammer (den sprichwörtlichen Rohrspatz - siehe Beitrag vom 26. April 2022) und die Goldammer. Bei uns in der Schweiz kommen auch die Grauammer und der Ortolan vor. Letzterer gehört ebenfalls zu dieser Vogelgruppe. Alle weisen diesen für das Fressen von Getreidekörnern typischen, kurzen und kräftigen Schnabel auf.

Auf dem Foto zeigt sich die Goldammer in einer etwas atypisch gestreckten Form. Der in der Grösse spatzengrosse Vogel ist mit seinen gelben Federn eine echte Sehenswürdigkeit.

Die Goldammer ist die Ammer schlechthin. Denn das altdeutsche Wort Amero leitet sich von der Getreideart Emmer (altdeutsch: Amar) bzw. vom Dinkel ab. Die Goldammer ist der Dinkelvogel, der sich im Getreide aufhält, um sich dort von Körnern zu ernähren. Wie viele Vögel, die von Samen und Pflanzen leben, findet die Goldammer auch im Winter genug Nahrung. Sie kann also das ganze Jahr hindurch bei uns beobachtet werden.

In den Jahren 1870-1880 wurden verschiedene europäische Vogelarten in Neuseeland eingeführt, um dort Pflanzenschädlinge zu bekämpfen. In diesem Zusammenhang kam auch die Goldammer auf die Inseln. Wie wir bereits wissen ist das ein Vogel, der sich vorwiegend von Körnern ernährt. Er entwickelte sich in Neuseeland zu einem invasiven Neozoen, der sich trotz der Versuche, sie wieder auszurotten, bestens entwickelt hat und heute dort heimisch ist.

Jörg Niederer

Mittwoch, 20. Mai 2026

Flügge

Ein Zitat

Eine gerade flügge gewordene Blaumeise sitzt auf meinem Finger, nachdem ich sie im Zimmer einfangen konnte, wohin sie sich verirrt hatte.
Foto © Jörg Niederer
"Der Adler frisst nicht aus dem eigenen Nest." Sprichwort

Entdeckt

Es geschah am vergangenen Freitagmorgen. Wie immer lüfteten wir die Wohnung, indem wir die Fenster etwa fünf Minuten lang offen stehen liessen. Das Fenster mit dem Blaueisennest darüber blieb natürlich zu. Wir hörten die Jungvögel bereits wie richtige Blaumeisen "schwätzen". Das hatten sie also schon gut gelernt. Bald würden sie ausfliegen.

Seltsamerweise rief einer der Jungvögel vom Bürofenster her, also von einem Ort, an dem wir die Blaumeise nicht erwarteten. Der Piepmatz war auch noch laut zu hören, als wir die Fenster schon längst wieder verschlossen hatten. Ich setzte mich im Büro an den Schreibtisch, da hörte ich Flattergeräusche. Ein Jungvogel hatte sich in die Wohnung verirrt. Erst setzte er sich auf den Drucker, dann verschwand er in einem Spalt hinter dem Kasten, auf dem der Drucker stand. Ich öffnete alle Fenster des Büro und schloss die Zimmertür. Irgendwann setzte sich das kleine Tier auf den Fensterrahmen, von oben bis unten mit Staub bedeckt, der an ihm hängen geblieben war von seinem Ausflug hinter den Kasten. Vorsichtig trat ich hinzu, und befreite ihn von dem lästigen Staubknäuel. Die junge Blaumeise dankte es mir, indem sie auf meinem Finger sitzen blieb. Keck schaute sie mich an und war offenbar ganz zufrieden mit der neuen Situation. Zwischenzeitlich hatten wir mit dem Tierchen das Fenster gewechselt, so dass es wieder nahe beim Nest war. Dort flog es dann auf, und landete in einem Baum, von wo es nach seinen Eltern rief, die sich auch sofort kümmerten.

Später am Abend beobachteten wir eine andere flügge gewordene Blaumeise, wie sie kopfunter am Rollladen beim Nest herumturnte.

Nun zwitschert es nicht mehr aus dem Nest heraus. Die Vögel sind ausgeflogen in eine Welt voller Gefahren für unerfahrene Jungvögel.

Dienstag, 19. Mai 2026

Entdeckt

Ein Zitat

Eine Blaumeise hat mich entdeckt. Nun beobachten wir uns gegenseitig.
Foto © Jörg Niederer
"Mohnköpfen bohrt sie mit Verstand / ein Löchlein in den Unterrand, / weil dann die Sämerei gelind / von selbst in ihren Schnabel rinnt." Wilhelm Busch (1832-1908), Gedicht "Die Meise"

Entdeckt

Eines Morgens bin ich mit der Kamera etwas näher zum Fenster gerückt, über und hinter dem die Blaumeisen ihre Jungen grossziehen. Der Sonnenstand war auch anders, und so kam es, dass mich die Altvögel entdeckten. Sie reagierten mit Warnrufen und flogen immer wieder weg, ohne zum Nest über dem Rollladenkasten hochzusteigen.

Natürlich zog ich mich sofort zurück, und die Situation beruhigte sich wieder.

Blaumeisen darf man nicht unterschätzen. So erzählt Wilhelm Busch in einem seiner Gedichte davon, dass sie die Mohnkapseln von unten anpickten, so dass die winzigen Samen ihnen direkt in den Schnabel rieselten. Und in Grossbritannien wurde beobachtet, wie sie die Folie über der Öffnung der Milchflaschen, welche der Milchmann vor die Haustür stellte, geschickt öffneten und so vom Rahm auf der Milch naschen konnten. Über wenige Generationen hinweg wurde die neue Technik an die ganze Population der Blaumeisen weitergegeben.

Jörg Niederer

Montag, 18. Mai 2026

Müllabfuhr

Ein Zitat

Eine Blaumeise mit Fäkalsack im Schnabel fliegt vom Nest über dem Storenkasten weg.
Foto © Jörg Niederer
"Ein Fäkalsack ist quasi die Windel der Vögel. Fäkalsack, auch Kotsack oder Kotballen, manchmal auch Kotbeutel genannt, ist genau das, wonach es klingt: Es ist die mit einer Membran überzogene Ausscheidung eines Jungvogels, der noch im Nest sitzt." Silke Hartmann 

Hingesehen

Durchschnittlich sechs bis acht Jungtiere ziehen Blaumeisen  pro Brut gross. Im Nest über dem Rollladenkasten eines unserer Stubenfenster (Siehe Beitrag von Gestern!) kann ich von mindestens zwei Jungtieren sprechen. Denn zu sehen sind sie nicht, und ihre Rufe sind nicht leicht auseinanderzuhalten. In dem Mass die Altvögel Futter anschaffen, müssen sie auch wieder Kotrückstände wegbringen. Es gibt nun Vögel, die kacken einfach aus dem Nest. Am Boden darunter sind die weissen und grauen Spuren deutlich zu erkennen und verraten den Standort des Nests. Bei den Blaumeisen funktioniert dies anders. Der Kot wird als kleines Paket, genannt Fäkalsack, im Schnabel davon getragen, und irgendwo dann fallen gelassen. So bleibt das Nest sauber und dessen Standort verborgen.

Auf dem Foto sieht man wie sich ein Altvogel mit Fäkalsack im Schnabel im Sturzflug aus dem Nest fallen lässt.

Jörg Niederer

Montag, 11. Mai 2026

Schwarzkehlchen

Ein Zitat

Oben: Männchen des Schwarzkehlchens. Unten: Weibchen des Schwarzkehlchen.
Foto © Jörg Niederer
"Der beste Wein entsteht im Einklang mit der Natur. In den Reben sollen sich Schmetterlinge, Insekten, Vögel, Mäusewiesel, Fledermäuse und vieles mehr tummeln." aus der Broschüre des Weinguts Lenz

Hingesehen

Es kommt knapp viermal häufiger bei uns vor als der Eisvogel: das Schwarzkehlchen. Und doch habe ich den Eisvogel in der Schweiz schon viel öfter gesehen als diesen kleinen hübschen Vogel. Das liegt wohl am unauffälligen Äusseren, an seiner von weitem betrachtet grossen Ähnlichkeit mit vielen anderen kleinen Vögeln. Das Schwarzkehlchen liebt die Buntbrachflächen und auch Ödland. Gesehen habe ich das Vogelpaar im biologisch bewirtschafteten Weinberg des Weinguts Lenz in Iselisberg. Hier haben Vögel und Fledermäuse ausgezeichnete Lebensbedingungen. So kann man bei den beiden gesichteten und vom mir zum ersten Mal fotografierten Insektenfänger:innen von einem Brutpaar ausgehen. Denn ich konnte das Männchen auch mit Futter im Schnabel beobachten, welches es dann später zum versteckt in einem Busch befindlichen Nest transportierte.

Auch gesehen auf diesen ökologisch wertvollen Flächen am Iselisberg habe ich Goldammern und Neuntöter. Selbst ein Fuchs lief mir in den Weinbergen am helllichten Tag über den Weg. Vielleicht gibt es dazu bald noch mehr hier zu sehen.

Jörg Niederer

Samstag, 11. April 2026

Von bunten Spechten

Ein Zitat

Buntspecht am Stamm und beim Abflug.
Foto © Jörg Niederer
"Der Specht ist bunt im Walde, das Menschenleben noch bunter."
Finnische Redensart

Hingesehen

Gleich noch einmal etwas über Vögel. Diesmal geht es um Spechte. Wann immer ich bis vor einigen Jahren einen bunten, schwarz-weiss-roten Specht sah, bin ich davon ausgegangen, dass es sich um einen Buntspecht handeln müsse. Bunter Specht, also Buntspecht. Irgendwie logisch, oder? Bis ich mich etwas näher mit den Spechten beschäftigte, und feststellen musste, dass es noch andere fast gleich gefärbte Spechte gibt. Ich meine den Kleinspecht und den Mittelspecht.

Beim Kleinspecht fällt es nicht schwer, zu erkennen, dass es kein Buntspecht ist. Er ist knapp etwas mehr als halb so gross wie der Buntspecht. Zu sehen bekommt man ihn eher selten.

Mittelspecht auf einem morschen Baumstamm.
Foto © Jörg Niederer
Das gilt auch für den Mittelspecht, der – und das ist nun wirklich logisch – in seiner Grösse zwischen Buntspecht und Kleinspecht angesiedelt ist. So auf Distanz ist es knifflig, Mittelspecht und Buntspecht auseinanderzuhalten. Am auffälligsten ist der schwarze Wangenstreifen, der beim Buntspecht bis zum Schnabel reicht, nicht aber beim Mittelspecht. 
Der Mittelspecht hat auch einen filigraneren Schnabel und ist daher auf morsches Holz angewiesen, anders als der Buntspecht. Letzterer ist weit verbreitet und anspruchsloser als der Mittelspecht, der wärmeliebend ist und sich gern in Wäldern mit Altholz und alten Baumbeständen aufhält. Er ist auch deshalb weniger leicht zu entdecken, weil er nur sehr selten klopft.

Bei den Fotos zu diesem Blog ist der Buntspecht gleich zweimal abgebildet. Erst sitzt er in arttypischer Haltung am Stamm, dann fliegt er davon. Der Mittelspecht hingegen sonnt sich auf dem dritten Foto zuoberst auf dem abgestorbenen Baumstumpf.

Jörg Niederer

Donnerstag, 9. April 2026

Jagdglück

Ein Zitat

In den Murgauen von Frauenfeld hat der dort lebende Graureiher eine Mauereidechse erbeutet.
Foto © Jörg Niederer
"Reden wir etwa sonderbares Zeug, wenn wir behaupten, dass der Schaden eines jeden Wesens in dem besteht, was wider seine Natur geht?" Epiktet (um 50-138 n. Chr.)

Hingesehen

Nach so viel Kultur der letzten Tage hier mal wieder Natur. In den Murgauen von Frauenfeld konnte ich den dort residierenden Graureiher beobachten, wie er eine Eidechse erbeutete. So ist die Natur. Das Überleben des einen hängt vom Tod des andern ab.

Nebst diesem Graureiher konnte ich heute weitere Tiere beobachten. So ein Wanderfalke und zwei Turmfalken bei der Kirche St. Nikolaus in Frauenfeld. Auch Dohlen flogen ein und aus. Wenig weiter dann Storch und Saatkrähen, verschiedentlich auch Tagpfauenaugen und Mauereidechsen. Weiter entdeckte ich Bunt- und Mittelspechte, hörte den Grünspecht und den Schwarzmilan. Hinzu kamen all die anderen häufigen kleinen Sänger: Mönchsgrasmücke, Zaunkönig, Buchfink, Rotkelchen, etc. Doch, das war ein sehr belebter Fauna-Tag in Frauenfeld.

Jörg Niederer

Donnerstag, 2. April 2026

Saatkrähen in der Stadt

Ein Zitat

Eine Saatkrähe nisten mit zwei Duzend weiteren Artgenossen in dem Bäumen beim Rathausplatz Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Wie der Schnabel, so die Lieder, Wie der Flug, so das Gefieder." Johannes Daniel Falk (1768-1826)

Hingesehen

Gerade jetzt fallen sie in den Städten auf. Sie sammeln sich auf Bäumen an hell beleuchteten Kreuzungen. Dort bauen sie ihre Nester aus Astwerk in die Kronen, in der Regel gleich zehn, zwanzig Stück. Es ist ein Kommen und Gehen. Ständig ist ihr Krächzen zu hören. Kleinere Streitereien sind an der Tagesordnung. Wer unter ihren Nistbäumen durchgeht, ist vor biologischem Beschuss nie ganz sicher. Davon zeugen die vielen weisen Einschläge auf dem Asphalt.

Ich spreche von den Saatkrähen. Sie ziehen es vor, in Kolonien zu brüten. Das gibt einen grösseren Schutz vor Greifvögeln. In der Nacht kann sich der Uhu, des Lichts der Strassenlampen wegen, weniger unbemerkt einen der grossen schwarzen Vögel holen.

Faszinierend finde ich den fast nackten, grauen, leicht nach unten gebogenen und kräftigen Schnabel, mit dem sie in den Feldern nach allerlei Getier und Samen suchen. 

Saatkrähen sind intelligent. Das macht es schwierig, sie von einem Ort zu vertreiben. Es macht es aber auch sehr interessant, ihrem Treiben zuzuschauen.

Jörg Niederer

Freitag, 13. März 2026

Der Storch und die Kinder

Ein Zitat

Ein Storch sitzt während der grossen Pause beim Schulhaus Gerbematt in Rothenburg auf dem Kandelaber und schaut aus etwa 5 Metern auf die lärmenden und spielenden Kinder herunter.
Foto © Jörg Niederer
"Doch wer fasst in jungen Jahren / Die Gelegenheit bei Haaren? / Wann die Locken hingefahren, / Wird's der Kahlkopf erst gewahren." Friedrich Rückert (1788-1866)

Hingesehen

Bringt der Storch die Kinder? Natürlich nicht. Mag der Storch menschliche Kinder? Ich weiss es nicht. Jedenfalls setzte sich ein Storch just in der grossen Pause auf einen Scheinwerfermast direkt über dem Schulhausplatz Gerbematt in Rothenburg und beobachtete das quirlige, lärmende Treiben etwa fünf Metern weiter unten. Wohl gefühlt tausend Primarschüler:innen vergnügten sich bei diesem und dem benachbarten Schulhaus Lindau auf den für die Kinder vorgesehen Plätzen und auch da, wo sie nicht hätten sein sollen. Der Storch blieb davon unbeeindruckt. Interessiert schaute er auf diese Treiben hinunter. Was dachte er sich wohl dabei? Unten nahmen die meisten Kinder von Meister Adebar keine Notiz. Wer schaut auch schon zum Himmel, wenn es auf der Erde so viel zu entdecken und zu spielen gibt.

Auch meine neugierigen Blicke und die Kamera brachten den grossen Vogel nicht aus der Ruhe. Nett lächelte und posierte er einem Fashion Model gleich. Doch dann kam er (oder sie!): der zweiter Storch. Elegant flog er eine Runde über dem Pausenplatz. Als hätte er nur darauf gewartet erhob sich auch der andere in die Luft, und gemeinsam segelten sie von dannen. Zurück blieben die tobenden Kinder. Nur wenige von ihnen schauten wie ich den beiden Vögeln nach, bis sie hinter den nahen Wohnblocks verschwunden waren.

Bringt der Storch die Kinder? Ich würde sagen: Die eigenen schon.

Jörg Niederer

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