Posts mit dem Label Holz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Holz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 26. Dezember 2025

Zwiespalt

Ein Zitat

Skulptur eines Engels mit gespaltenem Kopf in einem Vorgarten in Ennenda.
Foto © Jörg Niederer
"Das ist die Kirche, dass man nie allein sein muss, nicht allein in den Träumen, nicht allein in den Niederlagen." Zitat von Fulbert Steffensky am Anschlagbrett der Evangelisch-methodistischen Kirche Flawil 

Hingesehen

In diesen Tagen wird viel über gespaltene Gesellschaften lamentiert. Besonders die Vereinigten Staaten besteht aktuell aus zwei unvereinbar scheinenden Lagern. Zugleich sprechen bedeutende, mächtige Menschen mit gespaltener Zunge, in einer Weise, wie das zu meiner Lebzeit noch nie dagewesen ist. Einmal wird dies behauptet, dann wieder das total Entgegengesetzte. Lügen bestimmen einen Geschichtsverlauf, der Millionen von Menschen und die ganze Schöpfung gefährden.

Unlängst wanderten wir in Ennenda an dieser Skulptur vorbei. Vielleicht wurde sie von Jacky Orler geschnitzt, jene Bildhauerin, die auch den Kreisel-Fridolin gestaltet hat (Siehe Beitrag vom 4. Dezember!). Ob dabei der Spalt mitten durchs Gesicht ursprünglich ist oder erst durch Witterungseinflüsse entstand, weiss ich nicht. Diese Skulptur könnte einen Engel darstellen. Gibt es in sich gespaltene Engel? Ist das nicht eine durch und durch menschliche Eigenschaft und Unart?

Ich wünsche mir, dass so manch Zerrissenes wieder heil und ganz werden darf. Besonders in diesen Tagen kurz vor einem weiteren Jahreswechsel hoffe ich trotz aller zwiespältigen Gefühle.

Jörg Niederer

Dienstag, 23. Dezember 2025

Vollpfosten

Ein Zitat

Ein Pfosten am Weiderand in der Linthebene bei Bilten weist allerlei Flechten und Wetterspuren auf.
Foto © Jörg Niederer
"Der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam zu sagen 'Dies gehört mir' und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wieviel Elend und Schrecken wäre dem Menschengeschlecht erspart geblieben, wenn jemand die Pfähle ausgerissen und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: 'Hütet euch, dem Betrüger Glauben zu schenken; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass zwar die Früchte allen, aber die Erde niemandem gehört'." Jean Jacques Rousseau (1712–1778)

Hingesehen

Auch ein Vollpfosten kann ein vielfältiges Biotop für allerlei Lebensformen sein. Aber bekannt ist der Ausdruck vor allem als Beleidigung, und zwar offiziell geadelt vom Duden seit 2013. Wir haben es also mit einer relativ neuen Redewendung zu tun, wenn der Satz fällt: "Du bist so ein Vollpfosten". Gemeint ist, dass jemand richtig dumm ist. Normaler Weise kostet ein Pfosten so ab 6 bis 100 Franken, je nach Durchmesser und Holzart. Für Arjen Robben kostete der Vollpfosten, gesagt zu einem Schiedsrichter in einem Fussballspiel im Jahr 2011, 15'000 Euro Strafe. Vielleicht war das der teuerste Vollpfosten aller Zeiten.

Nach einigen Jahren sieht man dem Pfosten das Alter an. Dann ist er aus ökologischer Sicht besonders wertvoll, selbst wenn er eigentlich für seine Aufgabe zu morsch geworden sei sollte. So ein in die Jahre gekommener Vollpfosten kann zum Lebensraum werden von Moosen, Flechten, Käfern und Pilzen.

Als Luz Röhrich das Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten schrieb, gab es den Ausdruck Vollpfosten im übertragenen Sinn noch nicht. Unter seinem Eintrag zu "Pfosten" aber finden sich zwei andere Redewendungen aus dem niederdeutschen Kulturraum. "Dat Hus steiht up papierne Pöste" sagt man, wenn ein Anwesen verschuldet ist. "Dat sitt dao in de Pöste" wiederum drückt typisch familiäre Merkmale oder Verhaltensweisen aus. Sehr bekannt ist wohl auch der "Wink mit dem Zaunpfahl". Damit ist ein auch für einfache Gemüte unübersehbarer Hinweis auf einen Sachverhalt gemeint. So unübersehbar wie ein Zaunpfahl, den einer an den Kopf bekommt.

Gut möglich, dass nach den Feiertagen im ländlichen Umfeld der eine oder andere Weihnachtsbaum zu einem Pfosten weiterverarbeitet oder im Schrebergarten zur Bohnenstange wird. Wie auch immer: Ohne  Voll- oder Hohlpfosten kommt die Menschheit schon lange nicht mehr aus. Diese müssen ja nicht immer an der Spitze eines Staatswesen zu stehen kommen.

Jörg Niederer

Montag, 15. Dezember 2025

Ein Loblied auf das Holz

Ein Zitat

Detailansicht eines Heuschobers, der wohl auch als Stall für Ziegen oder Schafe genutzt wurde.
Foto © Jörg Niederer
"Je näher du der realen Materie kommst, Stein, Luft und Holz, Junge, desto spiritueller ist die Welt." Jack Kerouac (1922–1969)

Hingesehen

Gestern unterhielt ich mich kurz mit einem pensionierten Schreiner. Aktuell katalogisiert er historische Gegenstände, die zur handwerklichen oder bäuerlichen Welt von einst gehören und in einem Museum lagern. Dass er als Schreiner solche Arbeit tut, hat damit zu tun, dass früher sehr viele Gegenstände aus Holz hergestellt wurden, vom ganzen Wohnhaus über den Hobel bis zur Holzschraube, vom Schneidbrett über das Furnier bis zum Gartenmöbel, von den Intarsien über das Ehebett bis zum Cellophan.

Holz war das Plastik von einst. Holz hat aber gegenüber Kunststoffen den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass es sich natürlich zersetzt. Es verwittert. Holz bleibt nicht ewig, wird nicht zu Mikroplastik, das zunehmend unser Leben belasten. Holz altert je nach Konservierung schneller oder langsamer. An Burgruinen lassen sich die Aussparungen für die Holzbalken im Gemäuer oft noch gut erkennen, während es die Balken schon lägst nicht mehr gibt. Wenn man uraltes Holz findet, dann meist in Moorböden oder an ganz trockenen Orten in Wüsten. Unter Luftabschluss geht die Zersetzung sehr langsam voran. In Trockenheit kann Holz versteinern.

Auf dem Foto sieht man eine typische Detailansicht eines Heuschobers im Alpenraum. Vielleicht wurde er auch als Stall für Ziegen oder Schafe genutzt. Ein landwirtschaftlicher Multifunktionsraum, dessen Struktur und Hülle zu einem grossen Teil aus Holz besteht. Luftig gebaut dient ein solcher Schuppen der Zwischenlagerung und weiteren Trocknung des eingebrachten Heus. Er dient aber auch verschiedensten Wildtieren als Unterschupf, allen voran Vögeln Fledermäusen und Insekten. Oft ist leicht zu erkennen, welche Balken im Laufe der Jahrhunderte ersetzt werden mussten. Andere Bretter zeigen deutliche Spuren des Gebrauchs. Letzteres wird oft als malerisch, charaktervoll und idyllisch wahrgenommen. Balken, einst verborgen hinter Wand- und Deckenverkleidungen werden bei Renovationen oft wieder hervorgeholt, sichtbar gemacht, um einen Raum heimelig zu gestalten. Wirtshaustische zeigen stolz Spuren der Gäste vieler Jahrzehnte und Jahrhunderte.

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, sagt man. Aber Holz ist soviel mehr. Darum gehe ich heute ein bisschen Waldbaden. Oder auch ganz prosaisch gesagt: Ich gehe wandern. Einen grossen Teil davon im Wald.

Jörg Niederer

Mittwoch, 3. Dezember 2025

Sprengholz

Ein Zitat

Warnende Anschrift, angebracht an einem Holzlager bei Bilten. Zwischen den Holzscheiten seien Sprengkapseln angebracht.
Foto © Jörg Niederer
"Wer mit dem Feuer spielt, kann sich dabei die Finger verbrennen." Sprichwort

Hingesehen

Irgendwo zwischen Reichenburg und Bilten hat ein Bauer sein Holzlager errichtet. An den Holzscheiten angeheftet ist zu lesen: "!!! ACHTUNG !!! / Holzscheiter sind mit / !! SPRENGKAPSELN !! / bestückt!!!"

Dreizehn Ausrufezeichen enthält diese doch recht ungewöhnliche Warnung an Holzdiebe.

Ich käme ja nie auf den Gedanken, Holz zu klauen. Wozu auch. Wir haben kein Cheminée zu Hause, und hier auf der Wanderung will ich auch nicht gerade eine Wurst bräteln. Doch so eine Warnbeschriftung macht mich neugierig? Was ist da dran, an diesen Sprengkapseln? Sind die wirklich da. Was bewirken sie? Jagen sie einen Schrecken ein, aber sonst sind sie ungefährlich? Oder sprengen sie die Holzscheite in alle Richtungen, so dass ich mich verletzen könnte.

Ich denke, das mit den Sprengkapseln ist ein "leeres Versprechen". Das würde von den Behörden nie akzeptiert. Viel zu gefährlich wäre es, Kinder solch pyrotechnischen Spielereien auszusetzen.

Und was, wenn der Bauer sich selbst überrascht mit seinen Sprengfallen? Also ich hätte grosse Lust, der Sache auf den Grund zu gehen, und bei so einer Holzbeige das Unterste nach ganz oben zu kehren. Es darf spekuliert werden.

Jörg Niederer

Empfohlen

Glockengeschichten

Ein Zitat Fotos © Jörg Niederer "Im taussd sib hundert eilfften Jahr / ich ganz von new gegossen war, / weil d'Kilchen-Gmeind erset...