Posts mit dem Label Glaube werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Glaube werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 18. Februar 2026

Wieviel Nächstenliebe wollen wir uns leisten?

Ein Zitat

Konfettischlacht an einem Fasnachtssamstag im Bahnhof Aarau.
Foto © Jörg Niederer
"In der Nächstenliebe gibt es kein Übermass." Francis Bacon (1561–1626)

Hingesehen

Mit dem Aschermittwoch endet die Fasnacht. Die letzten Konfettischlachten sind geschlagen, die Masken werden wieder an die Wand gehängt und Aschenkreuze auf Stirn und Hände gezeichnet.

Das ist ein untrügliches Zeichen dass ein Traditionsanlass in St. Gallen für den Tag nach Aschermittwoch vor der Tür steht. Der "Ethik-Talk in der Stadt"; in diesem Jahr zum Thema: "Wieviel Nächstenliebe wollen wir uns leisten?".

Gut, ich gebe zu, das ist noch eher ein Geheimtipp, doch in den vergangenen Jahren setzte sich das Publikum doch jeweils aus 70-100 Personen zusammen.

Als Referenten eingeladen wurden Kevin Loosli, Präsident der Jungen SVP Kanton St.Gallen und Dr. Rolf Bossart (SP), Präsident des katholischen Kirchgemeindeparlaments der Stadt St. Gallen. Moderatorin Verena Birchler musste aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen, so dass nun Maria Bienentreu und Jörg Niederer ihre Aufgabe übernehmen.

Flyer zum Ethik-Talk in der Stadt St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
In einem Land, das sich traditionell als christlich versteht, muss sich auch Politik und Gesellschaft die Frage gefallen lassen, wie sehr man sich den christlichen Werten und der Nächstenliebe noch verpflichtet fühlt. Darüber werden sich die beiden Referenten in je einem 10-minütigen Vortrag positionieren. Danach gibt es eine Diskussionsrunde, bei der auch das Publikum mit einbezogen wird.

Organisiert wird der Anlass von der Christliche Sozialbewegung KAB SG und der Ökumenische Kommission GFS der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen SG/AR/AI.

Der Anlass findet am Donnerstag, dem 19. Februar 2026 um 19.30 Uhr im Festsaal St. Katharinen statt an der Katharinengasse 11 in St.Gallen. Abgerundet wird der Abend mit einem kleinen Apéro.

Hier kann man sich den Flyer dazu herunterladen.

Jörg Niederer

Freitag, 9. Januar 2026

Der Philosoph von Bümpliz

Ein Zitat

Eine Wandergruppe im Schneetreiben in der Nähe von Sumiswald beim Aufstieg auf den Stiereberg.
Foto © Jörg Niederer
"Der Wunder grösstes ist die Liebe. Nur wer liebt, ist gläubig; allein wer liebt, hat Gott." Carl Albert Loosli (1877-1959)

Hingesehen

Vorweg: Zum heutigen nationalen Trauertag empfehle ich die berührenden Worte auf SRF1 von meinem Kollegen Stefan Moll.

Nun zu einem anderen, der etwas zu sagen hat: Ich glaube, von ihm muss ich noch mehr lesen. Einst foppte er die ganze philologische und literarische Universitätselite, als er behauptete, Jeremias Gotthelf sei nur der Ghostwriter des Bauern Johann Ulrich Geissbühler gewesen. Das nahmen sie ihm sehr übel. Carl Albert Loosli starb im Jahr 1959, vier Monate, bevor ich das Licht der Welt erblickte. Er war eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Mit bissigen Beiträgen in vielen Berner Zeitungen fiel er auf. Geschöpft hatte er wohl aus seinen Erfahrungen in Waisenhäusern, im Paris der Dreyfuss-Ära, und auf Drogenentzug in der Waldau. Er war mit dem Schweizer Maler Hodler befreundet. Er setzte er sich für Verdingkinder und gegen Antisemitismus ein. Sein Anliegen war eine demokratischere, gerechtere Schweiz. Als man 1933 den jüdischen Philologen Jonas Fränkel von dessen Arbeit an den Gottfried-Keller- und Spitteler-Editionen ausschloss, war er einer der wenigen, die sich gegen diese antisemitischen Machenschaften wehrte.

Zu seinen Lebzeiten schon wurde er "Philosoph von Bümpliz" genannt.

In einen Leitartikel im Berner Boten schrieb er einst über den Glauben. Als Einstieg diente ihm die folgende Geschichte: "Ein Atheist, der sein Leben lang an der Existenz Gottes gezweifelt und aus seiner Überzeugung nie einen Hehl gemacht hatte, war gestorben und erschien nun vor dem höchsten Richterstuhl. da erkannte er seinen Irrtum und verzweifelte. 'Verdamme mich Herr! Ich sehe, du bist, und ich habe dich immer verleugnet!' Da lächelte der Richter milde und sprach: 'Gehe ein zu der ewigen Freude. Du hast mich immer verleugnet, das ist wahr; aber du tatest es aus ehrlicher Überzeugung. Das ewige Feuer ist nur da für die, welche meinen Namen auf den Lippen führen, ohne meinen Willen zu tun.' Und der Atheist ging zur ewigen Wonne ein."

In der Folge gibt es in dieser Kolumne noch weitere spannende Formulierungen über den Glauben. Etwa diese: "Nur ihr, die ihr glaubt, lästert Gott, indem ihr ihn so beschränkt denkt, wie ihr selber seid... Euer Glaube ist keine lebendige Kraft, die euer Handeln leitet, sonst würdet ihr nicht richten und nicht verdammen."

Oder: "Denn die Liebe, welche von Gott ist, lässt sich ebensowenig wie die Wahrheit, die auch von Gott ist, von Staates wegen ausbeuten."

Und zuletzt: "Der Wunder grösstes ist die Liebe. Nur wer liebt, ist gläubig; allein wer liebt, hat Gott. Uns fehlt weder die Kraft noch der Wille zum Glauben. Aber das Wunder der Liebe fehlt uns: der Liebe, die nicht richtet, die nicht zürnt, sondern duldet, erträgt, begreift."

Jörg Niederer

Mittwoch, 5. November 2025

Glaube und Naturwissenschaft

Ein Zitat

Prof. Dr. Theol. Christina aus der Au Heymann referiert anlässlich der methodistischen Pfarrweiterbildung in Interlaken.
Foto © Jörg Niederer
"Die Fehlerhaftigkeit der Menschen wird auf die KI, also auf eine Maschine, übertragen. Von dieser 'Kopie' glauben wir in unserem Halbwissen, dass sie allwissend und fehlerfrei sei." Jörg Niederer

Hingesehen

Die evangelisch-reformierte Theologin, Kirchenratspräsidentin der Evangelischen Landeskirche Thurgau und Philosophin Prof. Dr. Theol. Christina aus der Au Heymann war die Hauptreferentin an der methodistischen Pfarrweiterbildung vom gestrigen Dienstag. Sie überlegte mit den Anwesenden, wie Glaube und Naturwissenschaft zusammengehen können und wie bzw. warum nicht. Am Nachmittag stiess dann auch noch Dr. theol. Manuel Schmid hinzu, So dass ein Podiumsgespräch mit den beiden und Dr. phys., Drs. h.c. Arnold Benz stattfinden konnte.

Von diesem Tag gebe ich einige Zitate und Aussagen wieder.

  • Die damals 3-jährige Tochter zu Christina aus der Au: "Mami, man muss nicht immer gute Gründe haben!" Mutter: "Doch, muss man."
  • "Von Gott reden ist wie von Einhörnern oder dem Spaghettimonstern reden." Christina aus der Au über den Szientismus
  • "Die Evolutionstheorie und der Schöpfungsglauben haben so viel miteinander zu tun wie Staubsauger und Orgel." Karl Barth
  • "Hiobs Perspektive ist 'Aua', bis er Gott begegnet." Christina aus der Au
  • "Wenn die KI [Künstliche Intelligenz]) das Denken gut nachmacht, ist es dann Denken?" Christina aus der Au
  • "Was mach die KI mit unserer Beziehungsfähigkeit zu einem Gegenüber?" Christina aus der Au
  • "Wenn ich den Freund oder die Freundin in der Hosentasche habe [ChatGPT auf dem Handy], was macht das dann mit uns Menschen?" Christiane aus der Au
  • "Wir müssen vorher Gottgläubige sein, um im Staunen Gott zu finden." Christina aus der Au
  • "Da ist das tiefe Gefühl, dass da noch  etwas ist da unten und da hinten." Arnold Benz
Jörg Niederer

Dienstag, 4. November 2025

Astronomisches

Ein Zitat

Dr. phys., Drs. h.c. Arnold Benz, emeritierter Professor am Institut für Teilchen- und Astrophysik der ETH Zürich anlässlich der Rezitation aus seinem Buch "Unfassbar verschwenderisch" an der methodistischen Pfarrweiterbildung in Interlaken.
Foto © Jörg Niederer
"Das Universum meint es gut mit uns. / Danke ihm, der dahintersteht!" aus: Arnold Benz, "Unfassbar verschwenderisch - Astronomische Psalmen" Zürich 2023, Seite 77

Hingesehen

Die Pfarrweiterbildung der Evangelisch-methodistischen Kirche begann mit einer Rezitation aus dem Buch "Unfassbar verschwenderisch - Astronomische Psalmen" des emeritierten Professors für Teilchen- und Astrophysik Dr. phys., Drs. h.c. Arnold Benz (*1945). Entstanden während der Pandemie, ist das Büchlein ein Versuch, die wissenschaftlichen Erkenntnisse von heute in Worte zu fassen, die Staunen und Ehrfurcht auslösen. Rezitiert wurden die Psalmen von der Schweizer Schauspielerin, Sängerin und Sprecherin Dorothée Reize (*1954). Dazu erklangen Impressionen von Peter Künzler an der Klarinette. Fotografien aus und vom Weltraum illustrierten Worte und Klänge. So entstand an diesem Abend ein stimmiger Auftakt zur Weiterbildung über Fragen zu Glaube und Naturwissenschaft.

Hier ein Ausschnitt aus dem Psalm "Sternentstehung" (Arnold Benz, "Unfassbar verschwenderisch - Astronomische Psalmen" Zürich 2023, Seite 86f).

"Sterne entstehen aus Gas / in interstellaren Wolken.

Im Universum entstehen / über dreitausend neue Sterne pro Sekunde. / Eine unglaubliche Menge! / Das Universum quillt über vor Kreativität. / Sie übersteigt alle meine Vorstellungen, / neue Sterne, neue Planeten, neue Möglichkeiten. / Ich bin überwältigt.
Wozu, Gott, diese vielen Himmelskörper, / dieses riesige Universum? / Warum so unbegreiflich, / so unfassbar verschwenderisch?"

Jörg Niederer

Montag, 3. November 2025

Verschwenderisches Nichts

Ein Zitat

Im Nebel verschwindet der Zürichsee am Horizont im Nichts.
Foto © Jörg Niederer
"Werden wir eines Tages an eine Grenze kommen, / wo das Forschen aufhört, / weil es keine kleineren Teile zu entdecken gibt? /Stossen wir auf Fingerabdrücke des Schöpfers? / Wartet Gott auf dem Grund / des leergetrunkenen Bechers / der atheistischen Naturwissenschaft, / wie das einer [Werner Heisenberg] mal behauptete?" Arnold Benz (*1945) im Buch "Unfassbar verschwenderisch", Zürich 2023, S.53

Hingesehen

Zugegeben, das Foto ist ziemlich aussagearm. Auch könnte es überall an einem Gewässer aufgenommen worden sei. Entstanden ist es am Samstag bei nebligem Wetter am Zürichsee. Da ist etwas zu sehen. Eine feine Linie teilt Wasser und Nebel. Ganz nahe im seichten Bereich sind auch einige Steine auszumachen. Aber sonst ist da fast nichts.

Genau darum wird es auch gehen an der Pfarrweiterbildung der Evangelisch-methodistischen Kirche. Es geht um Glaube und Naturwissenschaft. Den Auftakt macht heute Abend Arnold Benz, seines Zeichens emeritierter Professor am Institut für Teilchen- und Astrophysik der ETH Zürich. Er entführt die Teilnehmenden in poetischer Weise ins beinahe Nichts des Weltalls. Da gibt es schon einiges zu sehen. Aber noch mehr ist da das, was ein Mensch nicht sehen kann. Arnold Benz liest Astronomische Psalmen aus seinem Büchlein "Unfassbar verschwenderisch"

Gespannt darauf bin ich auch, wenn wir mit der Evangelisch-reformierten Theologin Prof. Dr. theol. Christina Aus der Au Heymann in den Kopf der Menschen blicken und dabei erkenntnistheoretische Fragen mit eben diesem Kopf bedenken. 

Dann ist da auch noch Dr. theol. Manuel Schmid, Co-Leiter im RefLab. Mit ihm geht es dem offenen Theismus auf den Grund. Ob es da dann heiter wird und der Nebel sich lichtet? Wir werden sehen.

Jörg Niederer

Empfohlen

Zürich HB

Ein Zitat Foto © Jörg Niederer "Der richtige Spaziergänger ist wie ein Leser, der ein Buch wirklich nur zu seinem Zeitvertreib und verg...