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Sonntag, 24. Mai 2026

Fremdenfreundlich

Ein Zitat

Aussichtsreiche Lage beim Rebbaugebiet am Iselisberg.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn dann der Beistand kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch helfen, die ganze Wahrheit zu verstehen." Bibel: Johannes 16,13

Entdeckt

Pfingsten und Wein gehören auf gewisse Weise zusammen. So erzählt der Evangelist Lukas selbst, wie manche Menschen das, was an Pfingsten mit den Jüngern geschehen war, als Trunkenheit interpretierten (Bibel: Apostelgeschichte 2,13).

Besoffen vom Heiligen Geist! Wäre es nicht so gewesen, diese Anspielung auf das Betrunkensein der Jünger hätte den Weg nicht in die kanonischen Schriften gefunden. So aber ist der Mut der Jünger, nach Jesu Hinrichtung sich zu ihm zu bekennen und verständlich in vielen Sprachen eine eigenartige, neue Botschaft weiterzuerzählen, für immer mit übermässigem Weingenuss assoziiert.

Der Volksmund sagt ja, Kinder und Betrunkene würden stets die Wahrheit sagen. Um Wahrheit geht es an Pfingsten durchaus. Diese Wahrheit aber ist nicht weinselig, sondern bedeutet Verständigung über alle Grenzen hinweg. Das Christentum ist noch mehr, als es das römische Reich je war, eine Vielvölkergemeinschaft, in der Herkunft, Sprache, Geschlecht, Alter, Gesundheit oder sexuelle Ausrichtung keine trennenden Rollen mehr spielen. Hier erfüllt sich das Gebet von Jesus: "Sie sollen alle untrennbar eins sein..." (Bibel: Johannes 17,21). Darum kann Kirche und Christentum nie nur national verstanden werden. Darum ist das Christentum eine Gefahr für autokratische Nationalstaaten und in jeder Weise fremdenfreundlich.

Jörg Niederer

Sonntag, 22. Februar 2026

Handlungsfähig

Ein Zitat

Die Propsteikirche Santo Stefano in Tesserete.
Foto © Jörg Niederer
"Als die Leute aus Aschdod am andern Morgen hinkamen, sahen sie: Der Gott Dagon war zu Boden gestürzt! Er lag auf seinem Gesicht vor der Lade des Herrn. Da richteten sie das Standbild des Dagon wieder auf und stellten es an seinen Platz zurück." Bibel, 1. Samuel 5,3

Hingesehen

Glaubst du an den Gott der Auferstehung, oder an den Gott des dauernden Zusammenbruchs? Musst du deinen Gott immer wieder aufrichten, oder ist es dein Gott, der dich aufstellt? Verliert dein Gott immer wieder Kopf und Hände (1. Samuel 5,4), also seine Handlungsfähigkeit, oder gibt dir dein Gott Handlungsmöglichkeiten für ein gutes Leben? Gefragt ist nach deinem Gottesbild. 

Wenn wir meinen, wir müssten Gott beschützen, bewachen und kontrollieren, dann schleichen sich seltsame, unsinnige Glaubenshandlungen ein in unserem Leben. So wie es bei den Menschen von Aschdod war, die nicht mehr auf die Türschwelle zu treten wagten, auf der Dagons Kopf und Hände hingefallen waren (1. Samuel 5,5).

"Min Gott isch so gross, so stark und so mächtig, gar nüüt isch unmöglich mim Gott" heisst es in einem Kinderlied. Mein Gott braucht nicht meine Schutzmassnahmen für ihn, er beschützt mich. Darum traue ich Gott zu, ohne menschliche Hilfe Gott zu bleiben.

Zum Foto: Zu sehen ist die Propsteikirche Santo Stefano in Tesserete, deren Anfänge in das Jahr 1078 zurückreichen.

Jörg Niederer

Sonntag, 15. Februar 2026

Genährte Erwartungen

Ein Zitat

"Was wir essen, hat aber keine Auswirkung auf unser Verhältnis zu Gott. Es bringt uns keinen Nachteil, wenn wir etwas Bestimmtes nicht essen. Und umgekehrt haben wir auch keinen Vorteil, wenn wir es essen." Bibel: 1. Korinther 8,8

Hingesehen

Jemand hat an die hölzerne Umzäunung vom Brügglifeld-Stadion in Aarau "MARANA THA" geschrieben.
Foto © Jörg Niederer
Zum Foto: Brügglifeld, in die Jahre gekommenes Stadion des Challenge-League-Fussballclubs FC Aarau. Jemand hat an die hölzerne Umzäunung mit weisser Farbe auf schwarzen Grund "MARANA THA" geschrieben. "Unser Herr komm!". Ist das nun eine verzweifelte Bitte eines Fussballfans um Hilfe für den Wiederaufstieg. Oder ist es eine Bitte um Christi Wiederkunft, damit die Rangierung eines Fussballclubs zur Nebensache werden kann? Aktuell ist Aarau auf dem zweiten Platz. Das wäre doch eine recht gute Ausgangslage.

Ich wechsle ausgehend vom obigen Zitat aus der Bibel zum Thema Essen:

Das ist doch einmal ein Wort für unsere Welt, in der sich immer wieder so viel ums Essen dreht. Locker füllt sich so eine Blogbeitrag mit Begriffen zur Nahrungszuname und Speise. Einige Beispiele: Esstempel, Bulimie, Starkoch, natürliche Küche, Döner-Laden, Snack, Dampfgaren, Fingerfood, Gault-Millau, Magenband, Hunger, "kleiner Hunger", vegetarisch, makrobiotisch, Lebensmittelzusatzstoffe, Masttierfarmen, Lebensmittelimporte, Warenumsatzbörse, Ackerland, Völlerei (eine Todsünde), Diät, Übergewicht, gesunde Ernährung, Blähungen ("Erkenntnis bläht auf…" 1. Kor. 8,1) ...

Endlich einmal sagt einer ein gewichtiges Wort in dieser über- und unteressbelasteten Welt. Speisethemen mögen zwar allgegenwärtig sein. Aber in einer Hinsicht spielen sie keine Rolle: "Was wir essen, hat aber keine Auswirkung auf unser Verhältnis zu Gott". Bei Gott wird kein Body-Mass-Index abgefragt, bevor er dich seiner Liebe versichert. Fettabsaugen ist keine Voraussetzung, dass du bei Gott durch die Tür treten darfst. An seinem Festbankett sind nicht nur Gourmets willkommen, die Zuchtlachs von Wildlachs am Geschmack unterscheiden können. Mit Hungerstreik kannst du bei Gott nichts erzwingen. Das ist auch gar nicht nötig. Ob du beim Essen kleckerst oder perfekte Tischmanieren hast, ändert nichts an der Einstellung von Gott zu dir.

Keine Essgewohnheit bringt dich näher zu Gott oder trägt dir ihre Verachtung ein. Denn bei Gott bist du nicht, was du isst. Bei Gott bist du - ganz ohne dass du etwas schlucken müsstest - bedingungslos angenommen.  Genau daran werde ich beim meinem nächsten Bissen denken.

Jörg Niederer

Montag, 22. Dezember 2025

Transition einer Kirche

Ein Zitat

Das Kirchengebäude der Evangelisch-methodistischen Kirche Küsnacht ZH wird nicht mehr für Gottesdienste genutzt.
Foto © Jörg Niederer
"Es ist doch alles in dieser Welt nur Übergang. Doch wir müssen durch. Sorgen wir nur dafür, dass wir mit jedem Tage reifer und besser werden!" Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776-1810)

Hingesehen

Da, wo das Küsnachter Tobel die ersten Häuser der Gemeinde Küsnacht erreicht, unweit vom Dorfmuseum in der alten Mühle, da steht die Kapelle der Evangelisch-methodistischen Kirche. Am vergangenen Samstag spazierten wir von Itschnach hinunter zu diesem Gebäude. Es war meine erste Begegnung mit diesem kirchlichen Ort. In den beiden Anschlagkästen hinter und vor der Kapelle findet sich eine Einladung zu einer "Schatzsuche auf Pfaden der christliche Spiritualität". Der Anlass muss schon länger zurückliegen. Die Fensterläden im Parterre, da wo der Kirchensaal zu vermuten ist, sind geschlossen. Die Anschrift der Kirche beim Zaun entlang der Oberen Heslibachstrasse ist in einem schon länger nicht mehr in Gebrauch befindlichen Layout gehalten. Das Haus ist aber offensichtlich bewohnt. Der Garten zeigt sich natürlich wild, so wie es heutzutage von den Umweltschutzorganisationen empfohlen wird. Da ist Raum für die Natur ums Haus, aber auch ein Sitzplatz darf nicht fehlen.

Irgendeinmal im Übergang der Jahre 2023 auf 2024 hat die Gemeinde ihre Gottesdienste und ihre Angebote in der Kleinstadt am Zürichsee eingestellt. Die Kirchgemeinde gehörte bis dahin mit Bethanien Itschnach und Zürich Zeltweg zum Evangelisch-methodistischen Bezirk "Zürich Ost".

Die Kirchenlandschaft verändert sich. Immer mehr kleine Gemeinden beenden ihre Arbeit. Das Bedürfnis in der Gesellschaft, etwas zu glauben, ist immer noch gross, doch es vollzieht sich heute in der westlichen Welt immer weniger in Institutionen. Ob sich das wieder einmal ändern wird? Ob dann der Glaubensvollzug mit heute vergleichbar sein wird?

Jörg Niederer

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