Freitag, 28. August 2026

Der Morgensonne zugewandt

Ein Zitat

Sonnenblumen gehören zu den beliebten Gartenpflanzen und werden vermehrt auch in der Schweiz als Nutzpflanzen angebaut.
Foto: © Jörg Niederer
"Wenn der Mensch mit regsamem Sinne die Natur durchforscht …, so wirkt unter den vielfachen Eindrücken, die er empfängt, keiner so tief und mächtig als der, welcher die allverbreitete Fülle des Lebens erzeugt." Alexander von Humboldt (1769-1859) 

Entdeckt

Die landläufige Meinung besagt, dass die Sonnenblume mit ihrer Blüte dem Stand der Sonne folge. Das stimmt so nicht. Tatsächlich sind nur die Knospen und Blätter heliotrop. So folgt die Knospe in ungeöffnetem Zustand der Sonne von Ost nach West, um sich nachts und in der Morgendämmerung nach Osten auszurichten. Geöffnete Blüten und Fruchtstände tun dies nicht mehr. In der Regel orientieren sich diese nach Osten und verharren aufgrund einer Verhärtung der Stängel in dieser Position. Darum schauen auch alle Blüten und Fruchtstände eines Sonnenblumenfelds in dieselbe Richtung. Sie können also die Himmelsrichtung anzeigen, genauso wie es der Moosbewuchs an Baumstämmen tun kann.

Gestern beobachtete ich aus dem Zug heraus, wie ein Schwarm Ringeltauben sich auf den reifen und braungebrannten Fruchtständen in einem Sonnenblumenfeld niedergelassen hatte. Taube neben Taube auf Sonnenblume neben Sonnenblume. Die Sonnenblumenkerne sind beliebte Futterquellen für die Vögel, die sich für den Zug in den Süden sammeln. Die Ringeltauben gehören zu diesen Zugvögeln. Natürlich naschten auch die Sperlinge von den vielen Kernen.

Sonnenblumen wurden schon 2500 v. Chr. in der Regionen Mississippi und Mexiko-Stadt angebaut. Durch spanische Seefahrer gelangte so um 1590 die Pflanze aus ihrer Ursprungsheimat nach Europa.

Die bedeutendsten Anbauländer für Sonnenblumenkerne sind Russland mit (im Jahr 2024) 17,2 Mio. Tonnen und die Ukraine mit 11 Mio. Tonnen. Dagegen wurden in der Schweiz lediglich 16'000 Tonnen auf ungefähr 4800 Hektaren angebaut. Öl aus Sonnenblumenkernen wird erst etwa seit dem 19. Jahrhundert gewonnen.

Und noch dies: Wenn in Städten an bestimmten Stellen viele Schalen der Sonnenblumenkerne auf dem Boden liegen, hat das etwas mit Migration zu tun. Denn es sind meist Menschen aus der Türkei und dem Balkan, welche gekaufte und geröstete Sonnenblumenkerne einen nach dem andern knacken und verspeisen. Das kann eine sehr meditative Form der Nahrungszunahme sein und dabei helfen, wieder zur Ruhe zu kommen.

Donnerstag, 27. August 2026

Aztekenvogel

Ein Zitat

Portrait von drei weissen Puten.
Foto: © Jörg Niederer
"Kraft der mir als Präsident der Vereinigten Staaten verliehenen Vollmachten begnadige ich hiermit diese beiden Truthähne." Wortlaut der traditionellen Begnadigung zweier Truthähne anlässlich des Erntedankfestes in den USA.

Entdeckt

Die Azteken waren es, welche die wilden Truthühner einst domestizierten. Ihnen verdanken wir also diese grössten Hühnervögel. Es sind zutrauliche und neugierige Tiere. Da wo ich ihnen am vergangenen Montag begegnete, kamen sie sogleich neugierig bis an den Zaun. In beiden Fällen waren es Tiere der Züchtung "Weisse Pute". Bis 20 Kilogramm schwer können sie werden. Interessant auch, dass sie die Färbung der Haut im Kopfbereich während der Brutzeit intensivieren können. Im Verlauf eines Jahres legen Puten zwischen 20 und 40 Eier. Diese müssen nicht einmal befruchtet sein, um daraus Nachwuchs zu erhalten. Das nennt man Parthenogenese, oder auf deutsch: Jungfrauengeburt. Allerdings führt die Fortpflanzung durch unbefruchtete Eier immer zu männlichen Truthähnen. Die Überlebensrate so entstandener Puter ist mit 0,16% jedoch ausgesprochen gering.

Auf dem Foto ist ein Puter und zwei Puten zu sehen. Der Hautlappen, der über den Schnabel fällt, verrät es. Er ist so etwas wie ein äusseres Merkmal von Potenz und Stärke. Dieser Hautlappen kann fast vollständig vom Vogel eingezogen werden.

Aggressive Truthähne gebe es auch. Das sei fütterungsabhängig. Wenn es bei den Menschen nur auch so einfach wäre. Das richtige Essen servieren, und unsereiner wird sanft und fein. Leider ist das nur ein frommer kulinarischer Wunsch. Aber bei den Truthähnen und Truthühnern soll es funktionieren.

Jörg Niederer

Mittwoch, 26. August 2026

Von Frauen auf der Kanzel und der Glaubensdekonstruktion

Ein Zitat

Oben: Die einstige Kapelle in Signau ist heute ein Wohnhaus. Unten: Der Bauernhof Schlossmatt. Hier fanden sich einst eine methodistische Sonntagschule.
Fotos: © Jörg Niederer
"Heute ist es ganz normal, dass eine Frau Pfarrerin werden kann. […] Und das finde ich sehr schön, und gut." Elsi Altorfer, methodistische Pfarrerin im Ruhestand

Entdeckt

Den methodistischen Kirchenbezirk Signau gibt es nicht mehr. Verschwunden ist die einst blühende Arbeit es gab 9 Standorte, davon drei Kapellen. 2012 wurden die Bezirke Langnau i. E. und Signau zu einem neuen Bezirk Oberemmental zusammengefasst. Das war auch das Jahr, als in der Kapelle Signau die kirchliche Arbeit beendet wurde.

Auf meiner Kapellentour werde ich nicht alle einstigen Standort besuchen. Doch am vergangenen Montag waren es wenigstens drei des ehemaligen Bezirks Signau. Zum Schulhaus Höchi schrieb ich im gestrigen Beitrag. Danach kam ich auch noch auf Mutten bei Signau am damaligen Sonntagschulstandort im Heimet Schossmatt vorbei. Das richtige Haus gefunden hätte ich nicht, wenn es mir nicht von einer älteren Frau gezeigt worden wäre. Die Predigten fanden wohl in einem Nachbarshaus bei einer Familie Lehmann statt, vermutlich parallel zur Sonntagschule.

Drei Kilometer zu Fuss weiter, am Rand von Signau und direkt am Schüpbachkanal, steht nach wie vor die Kapelle von Signau. Noch erzählen die hohen Bogenfenster im Erdgeschoss vom einstigen Versammlungsort. Meine früheste Erinnerung an die Kapelle Signau geht in eine Zeit zurück, als ich mich gerade erst als Christ zu verstehen begann. Damals gab es für Jugendliche Einsätze bei sogenannten Evangelisationen. Meist eine Woche lang versuchte man mit speziellen Verkündiger:innen und einer einladenden Botschaft Menschen für Christus zu gewinnen. An einer dieser Wochen nahm ich also in Signau teil. Gertrud Wehner war damals die Pfarrerin auf dem Bezirk. Eine Frau mit einem Dutt. Sie gehörte zu den ersten Frauen, die in der Evangelisch-methodistischen Kirche Gemeinden leiteten und auf den Kanzel predigten. Vor 70 Jahren öffneten die Methodisten den Frauen den Zugang zum Predigtamt. In der Schweiz begann die erste ordinierte Frau vor 57 Jahren als Pfarrerin zu wirken. Dazu gibt es aktuell auch einige hörenswerte Interviews

Zurück zu Signau. Mit dabei an diesem Missionseinsatz war auch ein Student des Theologischen Seminars, heute die Theologische Hochschule Reutlingen. Er ermutigte mich damals, selbst das Studium der Theologie aufzunehmen.

Viel ist mir von diesem Einsatz in Signau nicht mehr geblieben an Erinnerungen. Zwischen damals und heute liegen  wie man so sagt  eine oder auch mehrere Phasen von Glaubensdekonstruktionen, gefolgt von jeweiligen Glaubensrekonstruktionen. Mit anderen Worten: Der Inhalt und die Umsetzung des persönlichen Glaubens ist in einem Wandel begriffen. Manches, was mir früher einleuchtete, ist mit meinem heutigen christlichen Verständnis nur noch schräg. Im Rückblick frage ich mich jeweils: Wie konntest du nur?

Es gibt in jeder christlichen Biografie Brüche und Aufbrüche. So wie auch in jeder kirchlichen Entwicklung. Diese Veränderungen, so glaube ich, haben bei mir zu einer reiferen Art des Glaubens geführt. Vielleicht sind die massiven Veränderungen in der Kirchenlandschaft ja auch so etwas wie eine Glaubensdekonstruktion, bei der Altes vergehen muss, damit Neues entstehen kann. Auf die "Rekonstruktion" des christlichen Glaubens heute bin ich sehr gespannt.

Jörg Niederer

Dienstag, 25. August 2026

Methodistisches Alleinstellungsmerkmal

Ein Zitat

Jörg Niederer vor dem einstigen Schulhaus Höchi auf dem Gemeindegebiet von Signau. Hier fanden einst methodistische Gottesdienste statt und es wurde Sonntagschule angeboten.
Fotos: © Jörg Niederer
"Immer mehr kleine Dorfkäsereien müssen schliessen. Der Grund: Die Produktionskosten sind zu hoch - der Ertrag zu klein." SRF vom 25.10.2000

Entdeckt

Gestern beim Weiterwandern auf der Kapellentour von Aeschau nach Bowil kam ich gleich dreimal an methodistischen Wirkplätzen vorbei. Doch zuvor wurde ich von einem mir bis anhin unbekannten Altbauern und seiner Frau zum Kaffee eingeladen. Das kam so. Bei Aufstieg auf den gut 250 Metern über dem Tal der Emme gelegenen Weiler Höchi gelangte ich auf die Fahrstrasse zu Ober Fuhren. Ein kleines Auto näherte sich von hinten. Darin sass der über 80-jährige Samuel Mosimann. Mosimann, so heissen auf Fuhren fast alle. Er habe eben nach seinen fünf Bienenvölkern geschaut, sie gegen die Varroamilbe behandelt und gefüttert, erzählte er. Das Gespräch durch das geöffnete Autofenster war nur kurz. Dann fuhr er weiter. Wenige Minuten später kam ich zu den Bauernhäusern auf Ober Fuhren, wo Samuel Mosimann gerade eben sein Auto geparkt hatte. "So, jetzt können sie gleich mitkommen und mit mir einen Kaffee trinken." sagte er zu mir. Er beabsichtige das sowieso gleich zu tun. Wir stiegen etwas verwinkelt zwischen den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden hoch in eine überdachte Gartenlaube. Dort wurde uns von Frau Mosimann Kaffee serviert. Später setzte sie sich auch noch dazu, nachdem sie die Wäsche aufgehängt hatte. Ich erzählte Samuel Mosimann von meinem Projekt der Weitwanderung von einer methodistischen Liegenschaft zur nächsten, und dass ich bald auf der Höchi das Schulhaus besuchen wolle. Dort habe es wohl einst eine methodistische Sonntagschule und vermutlich aus Predigten gegeben. Samuel Mosimann bestätigte. Er sei selbst dort zur Sonntagschule gegangen. Auch seine Frau, aufgewachsen in Signau, war einst in die dortige methodistische Kapelle zur Sonntagschule gegangen. Zwar hätte sie zur reformierten Kirche gehört, doch Sonntagschule gab es nur von den Leuten aus der Kapelle.

Als ich später dann noch den letzten Anstieg hinauf zum Schulhaus Höchi nahm, wurde mir wieder einmal bewusst, wie wichtig die Sonntagschule in den Anfängen des Methodismus in der Schweiz war. Mann müsste wohl dabei von einem Alleinstellungsmerkmal sprechen. Es war die Innovation in der Kirchenlandschaft. Familien mit vielen Kindern schienen nur darauf gewartet zu haben, dass die Kinder am Sonntag etwas erleben konnten. Sonntagschulen mit 50 oder gar 100 Kindern waren keine Seltenheit. Mit den Jahren begannen dann auch die Landeskirchen mit eigenen Sonntagschulen. Zugleich veränderte sich die Demografie. Die Familien wurden kleiner. Dann zollte der christliche Glaube der Säkularisierung ihren Tribut. Eine dieser abgelegenen Landsonntagschulen nach der andern schloss ihre Pforten. Das war insofern auch für die methodistischen Gemeinden verhängnisvoll, fiel doch mit den Sonntagschulen ein wichtiger Anknüpfungspunk in die Gesellschaft hinein weg. Vermutlich ist die Tatsache, dass es zum Beispiel im Emmental und den angrenzenden Hügellandschaften heute genau noch zwei von früher zahlreichen methodistischen Gemeinden gibt, auf diese Veränderung bei den Sonntagschulen zurückzuführen.

Ein neues Alleinstellungsmerkmal mit Breitenwirkung wie einst die Sonntagschulen hat die Evangelisch-methodistische Kirche noch nicht gefunden. Doch auch die anderen Kirchen und Gemeinschaften verlieren Einfluss und suchen schon seit Jahren nach neuer Relevanz. Wie die Geschichte weitergehen wird? Ich weiss es nicht, aber es bleibt spannend.

Übrigens: Nicht nur Kirchen und Predigtplätze verschwinden. Auch Landschulhäuser werden stillgelegt, die Kinder in den Zentren zusammengezogen. Das Schulhaus Höchi ist heute ein Wohnhaus, in dem man sich eine Auszeit abseits des Trubels gönnen kann, direkt neben einer der wenigen noch aktiven und ausgezeichneten Emmentaler-Käsereien. Auch dort hatte der junge Samuel Mosimann einst Ferienvertretungen gemacht und für die 120 Kilogramm schweren Käseleibern geschaut.

Jörg Niederer

Montag, 24. August 2026

50 Jahre Diakonie an älteren Menschen

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Oben: Südostansicht des Alters- und Pflegeheims Weyergut Bethanien. Unten: Einweihungsfeier 1976 mit Bundespräsident Rudolf Gnägi (rechts), Ehefrau Verena Gnägi-Von Allmen und Bischof Franz Schäfer von der Evangelisch-methodistischen Kirche.
Foto oben: © Jörg Niederer Foto unten: unbekannt
"Ich wünsche dem Weyergut Bethanien, dass der Mut zur täglichen, kreativen Herzlichkeit weiterlebt - denn genau das ist hier das Wesentliche!" Andreas von Gunten, Fotograf

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Bundesräte werden jeweils für ein Jahr zum Bundespräsidenten gewählt. Manche schaffen es in ihrer Karriere sogar zweimal in dieses Ehrenamt. So auch Bundesrat Rudolf Gnägi (1917-1985), der von 1966-1979 einer von sieben Schweizer Bundesräten war. Als Bundespräsident hatte er nebst den Geschäften im jeweiligen Departement allerlei wichtige Repräsentationsaufgaben. Anfangs 1976 war es wieder soweit. Er besuchte die Einweihungsfeier des Altersheims Weyergut in Wabern bei Bern. Warum der damalige Bundespräsident der Eidgenossenschaft das tat, wusste nicht einmal Matthias Volkers, der aktuelle Leiter des Alters- und Pflegeheims, das einst durch methodistische Diakonissen getragen wurde und seit 2013 Teil der Diakonie Bethanien ist. Gestern wurde das 50-jährige Bestehen dieses innovativen Hauses gefeiert. Das zeigte sich gleich von Beginn weg etwas dadurch, dass es von 1976-1995 ein hauseigenes Hallenbad gab. 1976 wurde im Weyergut auch der ersten Schweizer "Gericours"-Vitaparcours für Senior:innen eingerichtet. Auf historischen Fotos, die anlässlich der Jubiläumsfeier gezeigt werden, sieht man ältere Menschen sich sportlich abmühen.

Das Weyergut Bethanien hat auch nach seiner Sanierung in den Jahren 2017-2019 den typischen Baustil des Brutalismus bewahrt. Mir gefällt es. Auch erinnere ich mich an ein 6-wöchiges Praktikum im Jahr 1983, als ich dem Pfarrer Ernst Gisler über die Schulter schauen durfte, der damals im Alfa-Zentrum (eine Kombination von Hotel und Methodistenkirche), nahe beim Hauptbahnhof Bern, wirkte. Damals predigte ich auch im Weyergutsaal, dem Raum mit den farbigen Glasfenstern des Künstlers Emil Reich. Das Alfa-Zentrum gibt es zwischenzeitlich nicht mehr. Die Glasfenster im Weyergutsaal aber schon (und übrigens auch Pfarrer Ernst Gisler). Der Weyergutsaal blieb während der heissen Tagen der vergangenen Wochen für Bewohner:innen und Passant:innen zugänglich. Dort war es schön kühl, und man konnte sich wunderbar erholen.

Extra wegen des Jubiläums habe ich auf meiner Kapellentour zwei Etappen vorgezogen, um diesen Anlass zu würdigen. Es hat sich gelohnt, wenn ich auch einen Tag vor den grossen Festivitäten hier vorbei gekommen bin. Allein schon das Glace mit Namen "Kalte Lust", hergestellt in meiner Geburtsstadt Olten, in der Geschmacksrichtung "Haskap-Beeren mit Mandeln" war der Besuch wert. An diesem noch ruhigen Samstag ergab es sich auch, dass ich einige Wort mit dem aktuellen Leiter Matthias Volkers wechseln konnte. So erfuhren ich, dass es keine fixen Esszeiten mehr gibt. Die Bewohner:innen können dann essen, wenn sie wollen. Das Restaurant ist nicht zugleich auch Speisesaal, sondern steht der Bevölkerung von Wabern und den Bewohnenden des Weyerguts zur Verfügung. Alle werden dort in gleicher Weise zuvorkommend bedient.

Übrigens: Rudolf Gnägi war nicht der einzige Bundesrat, der das Weyergut Bethanien besuchte. Auch Altbundesrat Adolf Ogi, er amtete als Magistrat von 1987-2000, besuchte 2012 privat den Geburtstag einer 100-jährigen Bewohnerin des Weyerguts und erfüllte ihr damit einen grossen Wunsch.

Weitere Jubiläumsanlässe im Weyergut Bethanien gibt es auch in den folgenden Wochen. Eine Übersicht findet sich auf der Webseite zum Jubiläum.

Jörg Niederer

Sonntag, 23. August 2026

Religionsfrieden

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Zentrales Wandgemälde aus dem Kapellenanbau des Alters- und Pflegeheims Bethanien in Wabern bei Bern.
Foto © Jörg Niederer
"Und zwischen Israel und den Amoritern herrschte Frieden." Bibel, 1. Samuel 7,14c

Entdeckt

Es gibt da eine überraschende Notiz in der Bibel: Es wird berichtet, dass Israel mit den Amoritern in Frieden zusammen lebte. Damit sind Kanaanäer gemeint. Diese Aussage weicht von anderen Bibelstellen ab, nach denen Gott von Israel verlangte, die Bevölkerung Kanaans auszurotten (zum Beispiel Bibel: 5. Mose 7,1-4). Wie ist dieser Wiederspruch zu verstehen? Im Zusammenhang mit dem Bussgottesdienst in Mizpa, wie er in der Bibel in 1. Samuel 7 beschrieben wird, entledigte sich Israel zwar der kanaanäischen Götterbilder in den eigenen Reihen, aber vertrieb nicht die Kanaanäer und deren Glaubensausübung aus ihrem Gebiet. Vermutlich waren sie dazu gar nicht in der Lage gewesen. Es gab wohl so etwas wie eine Pattsituation. Oder beide Stammesverbände hatten in den Philistern einen gemeinsamen Feind. 

Ich verstehe diese Situation so: Es geht nicht darum, Menschen anderer Religionen zu vertreiben, sondern darum, am eigenen Glauben in einem multireligiösen Umfeld festzuhalten. Auf heute übertragen würde das heissen, in Frieden mit den Muslimen bei uns zusammenzuleben und zugleich allein an Christus als Begründer unseres Glaubens festzuhalten. Wenn wir sicher in unserem Glauben an Christus sind, müssen die Mitmenschen mit anderer Religionszugehörigkeit von uns Christinnen und Christen nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen werden. In Israel gab es jedenfalls eine Zeit, in der zwei unterschiedliche Religionen miteinander in Frieden zusammenleben konnten, und es scheint, dass der Gott Israels nichts dagegen gehabt hatte.

Zum Foto: Heute Sonntag feiert das Alters- und Pflegeheim Weyergut Bethanien in Wabern mit einem Fest sein 50-jähriges Bestehen. Das Weyergut wurde anfänglich von den methodistischen Bethanien-Diakonissen geführt. Bei der Einweihung war mit Bundesrat Gnägi einer der höchsten Schweizer Magistraten zugegen. Heute ist das Weyergut ein Werk der Diakonie Bethanien, nachdem es viele Jahre als selbständiges Werk geführt wurde. Auf Grund dieses besonderen Tages gibt es hier ein Foto vom zentralen Wandgemälde im Kapellenanbau des Alters- und Pflegeheims Weyergut Bethanien.

Jörg Niederer

Samstag, 22. August 2026

Endstation?

Ein Zitat

Bei der Reformierten Kirche Jegenstorf findet sich bei einem Grabkreuz ein zugemauertes Tor.
Foto © Jörg Niederer
"Der Mensch kann nicht leben ohne ein dauerndes Vertrauen zu etwas Unzerstörbarem in sich …" Franz Kafka (1883-1924)

Entdeckt

Es könnte ein Symbolbild sein. Beim Grab ist Endstation. Das Portal ist zugemauert. Da geht es gleich zweimal nicht mehr weiter. Aber ist der Tod wirklich das Ende? Könnte es nicht auch Übergang sein in eine andere Wirklichkeit?

Nichts Genaues weiss man nicht. Die Religionen geben zwar allesamt Antworten. Doch sie sind sich nicht einig, ja widersprechen sich. Heute fällt es mir schwerer, bestimmt zu sagen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Ich zucke jedes Mal zusammen, wenn Menschen mit Überzeugung von einem Wiedersehen im Himmel sprechen. Ich wünschte es mir. Ich glaube auch daran. Doch sicher kann kein Mensch sein. Nun, wir werden es erfahren. Bis dahin gebe ich mich der Hoffnung hin. Denn ich wünsche mir Gerechtigkeit für die Opfer und Zukurzgekommenen. Dazu brauchen wir den Himmel als Ort der Wiedergutmachung. Auch den Ungerechten wünsche ich ein Augen und Verstand öffnendes Erwachen. Mögen dieses Erwachen den Umständen entsprechend böse oder gut sein.

Jörg Niederer

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