Ein Zitat
"Wenn dann der Beistand kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch helfen, die ganze Wahrheit zu verstehen." Bibel: Johannes 16,13
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Entdeckt
Pfingsten und Wein gehören auf gewisse Weise zusammen. So erzählt der Evangelist Lukas selbst, wie manche Menschen das, was an Pfingsten mit den Jüngern geschehen war, als Trunkenheit interpretierten (Bibel: Apostelgeschichte 2,13).
Besoffen vom Heiligen Geist! Wäre es nicht so gewesen, diese Anspielung auf das Betrunkensein der Jünger hätte den Weg nicht in die kanonischen Schriften gefunden. So aber ist der Mut der Jünger, nach Jesu Hinrichtung sich zu ihm zu bekennen und verständlich in vielen Sprachen eine eigenartige, neue Botschaft weiterzuerzählen, für immer mit übermässigem Weingenuss assoziiert.
Der Volksmund sagt ja, Kinder und Betrunkene würden stets die Wahrheit sagen. Um Wahrheit geht es an Pfingsten durchaus. Diese Wahrheit aber ist nicht weinselig, sondern bedeutet Verständigung über alle Grenzen hinweg. Das Christentum ist noch mehr, als es das römische Reich je war, eine Vielvölkergemeinschaft, in der Herkunft, Sprache, Geschlecht, Alter, Gesundheit oder sexuelle Ausrichtung keine trennenden Rollen mehr spielen. Hier erfüllt sich das Gebet von Jesus: "Sie sollen alle untrennbar eins sein..." (Bibel: Johannes 17,21). Darum kann Kirche und Christentum nie nur national verstanden werden. Darum ist das Christentum eine Gefahr für autokratische Nationalstaaten und in jeder Weise fremdenfreundlich.
Jörg Niederer





