Ein Zitat
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| Fotos: © Jörg Niederer |
Entdeckt
Als ich in Aarberg aus dem Zug steige, liegt ein Duft in der Luft, wie ich ihn nun schon seit 18 Jahren gut kenne. Bei der Kirche in der wunderschönen aber etwas autoverseuchten Altstadt von Aarberg ha
be ich dann einen guten Blick auf die Ursache dieses Duftes. Aus dem Nebel ragen die Industriebauten der Zuckerfabrik. Die Produktion ist in vollem Gang. Weisser Wasserdampf steigt auf.
In der Schweiz gibt es nur noch eine einzige weitere Anlage, die Zucker produziert. Sie sehe ich fast jeden Tag, wenn ich auf den Balkon hinaustrete, oder den Gang in die Stadt antrete: die Zuckerfabrik Frauenfeld. Damit könnte man sagen: Im Laufe meines Lebens bin ich buchstäblich und mittels Einsatz meiner Extremitäten von Zuckerfabrik zu Zuckerfabrik gewandert.
Zucker wird in der Schweiz vom Staat mit Beiträgen an den Anbau gefördert. Auf der anderen Seite haben sich Teile der Lebensmittelindustrie, flankiert von bundesrätlichem Beistand, mit der Unterzeichnung der Erklärung von Mailand verpflichtet, den Zuckergehalt in Nahrungsmittel zu verringern, was soweit auch erfolgt ist.
Zwar ist die Schweiz geeignet für die Zuckerrübenproduktion, doch müssen dabei starke Insektizide eingesetzt werden. Zum Einsatz kommen Produkte mit Breitbandwirkung, die für alle Insekten toxisch sind. So ist das derzeit giftigste Pflanzenschutzmittel Deltamethrin, das in der Schweiz verwendet werden darf, für den Zuckerrübenanbau zugelassen. Es ist für Wassertiere wie Fische und Kleinkrebse 10'000-mal schädlicher als beispielsweise das in der Öffentlichkeit bekanntere Glyphosat. Beim Einsatz von solchen Breitbandinsektiziden überlebt praktisch kein Insekt auf der behandelten Fläche.
Bio-Zucker wäre die Lösung, ist jedoch äusserst Arbeitsintensiv in der landwirtschaftlichen Produktion. Eine ökologische Zuckerproduktion und -Verarbeitung ist daher in der Schweiz nur in sehr begrenzten Umfang möglich und deckt bei weitem nicht die Nachfrage.
In gesundheitlicher Hinsicht ist Zucker daher ein problematischer Stoff, sowohl im Anbau wie beim Konsum. Dabei wird unser Lebensraum und die Biodiversität massiv beeinträchtigt. Hinzu kommen Erkrankungen wie Diabetes Typ 2 sowie Übergewicht.
Doch auch in diesem Jahr werden in den beiden Werken Aarberg und Frauenfeld wieder 250'000 bis 300'000 Tonnen Zucker produziert und dann wohl auf die eine andere andere Art konsumiert. Das macht pro Schweizer:in und Jahr so um die 35 Kilogramm Zucker. En Guete!
Jörg Niederer







