Donnerstag, 23. April 2026

Die gleiche Lebensstrategie

 Ein Zitat

Links: Die Vogel Nestwurz, eine parasitisch lebende Orchidee. Rechts: Die parasitisch lebende Gewöhnliche Schuppenwurz. Sieht ähnlich aus, ist aber keine Orchidee.
Fotos © Jörg Niederer
"Auf, auf, ihr kleinen Bienen / Der Winter ist fürbei: / Schon gaffen jetzt und gienen / Die Blümlein allerlei." Friedrich Spee (1591-1635)

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Zwei verschiedene Pflanzen, eine Lebensstrategie. Links die Vogel-Nestwurz, eine Orchidee. Über diesen Holoparasiten im Pflanzenreich habe ich an anderer Stelle (Siehe Beitrag vom 19.05.2025) schon geschrieben. Rechts die Gewöhnliche Schuppenwurz. Bei genauem Hinsehen besteht keine Verwechslungsgefahr. Schon allein die rosa Farbe der Schuppenwurz-Blüten ist ein deutliches Merkmal. Sie ist keine Orchidee, sondern gehört zu den Schuppenwurzen (Lathraea). Auch die Gewöhnliche Schuppenwurz ist ein Holoparasit, also ein Vollschmarotzer. Sie bezieht ihre gesamte Nahrung von benachbarten Bäumen; vornehmlich von Haseln, Erlen, Pappeln, Weiden und Buchen. Durch eine Spezialisierung kann sie im Frühjahr direkt nach der Schneeschmelze blühen, indem sie die verholzten Baumteile anzapft, die in dieser Jahreszeit durch organische Verbindungen und Pflanzensäfte durchtränkt sind. Wie die Vogel-Nestwurz kann die Gewöhnliche Schuppenwurz sich durch unterirdische Blüten fortpflanzen. Diese werden dort ohne sich zu öffnen bestäubt (Kleistogamie).

Damit der Samen einer Gewöhnlichen Schuppenwurz auskeimen kann, muss er näher als 1 Zentimeter bei der Wirtswurzel liegen. Ihren deutschen Namen hat die Gewöhnliche Schuppenwurz von der schuppigen Struktur ihres bis 2 Meter langen, verzweigten Wurzelwerks. Dieses kann ein Gewicht von 5 Kilogramm erreichen.

Die Pflanze ist nicht essbar, ja sogar leicht giftig. Also Hände weg von dem wundersamen Gewächs!

Jörg Niederer

Mittwoch, 22. April 2026

Kirchenfusion und Neuausrichtung

Ein Zitat

Oben: Die Kapelle an der Sälistrasse 2/Weiherstrasse 7 in Zofingen mit dem ebenfalls zur Kirche gehörenden Haus an der Sälistrasse 4. Unten: Die einstige Kapelle der Bischöflichen Methodistenkirche an der Weststrasse 2 in Zofingen.
Fotos © Jörg Niederer

"Die EMK Zofingen ist ein Ort für Menschen in Bewegung – für Pilger, die merken, dass das Leben mehr sein könnte."
Selbstbeschreibung der Gemeinde

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Wenn zwei Kirchen sich zusammenschliessen, folgt an manchen Orten, an denen beide Traditionen vertreten sind, die Klärung des zukünftigen Standorts. Diese Frage stellte sich 1972 auch in Zofingen, als im Rahmen der Kirchenvereinigung der Bischöflichen Methodistenkirche und der Evangelischen Gemeinschaft die Evangelisch-methodistische Kirche entstand. In Zofingen gab es damals die Methodistenkapelle an der Weststrasse 2 und die Kapelle der Evangelischen Gemeinschaft an der Sälistrasse 2. An beiden Orten wirkten Pfarrpersonen.

In Zofingen entschied man sich für die grössere Kapelle an der Sälistrasse 2. Die Luftlinie gerade einmal 800 Meter entfernte Kapelle an der Weststrasse wurde anfänglich noch für Anlässe der vereinigten Kirche genutzt und später dann an die Pfingstgemeinde Zofingen verkauft.

Damals wurden auch die Zuständigkeitsbereiche neu definiert. Meist dauerte das einige Zeit. Die Gemeinde in Olten gehörte noch einige Jahre über die Zusammenlegung hinaus zu Zofingen, um dann mit den Gemeinden in Rothrist und Aarburg einen neuen Bezirks zu bilden. So kam es, dass ich auch Erinnerungen habe an die Kapelle an der Weststrasse. Dort erlebte ich als Kind einer dieser legendären Kinder-Grossanlässe. Etwa 200 Kinder trafen sich zur Sonntagschule im Gottesdienstraum. Wenn ich mich recht erinnere, herrschten chaotische Zustände. Gleichzeitig wurden uns Kinder von verschiedenen Sonntagschullehrer:innen Geschichten erzählt. Gewohnt an deutlich übersichtlichere Sonntagschullektionen fühlte ich mich an diesem Ort absolut unwohl und besuchte ihn danach auch nicht mehr.

In der Kapelle an der Sälistrasse wurde ich einige Jahre später konfirmiert, inklusive dem obligaten anschliessenden Familienausflug auf den Heiteren. Das war die Zeit der Samtanzüge. Jahre später, durfte ich hier in Zofingen als zweiter Pfarrer auf dem Bezirk wirken. Die Pfingstgemeinde hatte ihren Sitz noch in der Kapelle an der Weststrasse. In jener Zeit brodelte es zwischen den charismatisch ausgerichteten Methodist:innen und den anderen. Das führte dazu, dass eine grössere Zahl von Gläubigen die Evangelisch-methodistische Kirche Zofingen verliessen und mehrheitlich bei den Pfingstlern eine neue Heimat fanden. Kein Wunder, war das Verhältnis der beiden Denominationen damals angespannt. Schon in jener Zeit wurde die Kapelle an der Weststrasse zu klein für die Pfingstgemeinde. Eine Veränderung für das Haus war absehbar. Heute befindet sich im einstigen Gebäude der Bischöflichen Methodistenkirche das Kulturhaus West. Auf der Webseite gibt es verschiedene Fotos, wie die Räume jetzt aussehen. Das selbe gilt auch für die Räume der Evangelisch-methodistischen Kirche an der Sälistrasse 2, die man auch auf der Webseite unter Vermietung betrachten kann.

Jörg Niederer

Dienstag, 21. April 2026

Vertrautheit

Ein Zitat

Die Schnauze des Langhaardackels ruht im Zug auf dem einen Schuh seines Herrchen.
Foto © Jörg Niederer
"Dackel reden mit den Augen oft vernünftiger, als Menschen mit dem Mund!" nach Ludovic Halévy (1934-1908)

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Der treue Dackel, er ist sprichwörtlich. Der Schnappschuss aus dem Bahnwagon zeigt eine grosse Vertrautheit zwischen Herrchen und Hund. Wie selbstverständlich hat der Vierbeiner seinen Kopf auf den Schuh seines Vertrauens gelegt. So liegt er nun da, die ganze Stunde, weiss sich inmitten der fremden Gerüche, Töne und Leiber geborgen und sicher. Sein Besitzer seinerseits regt sich nicht, lässt den Fuss die ganze Zeit an Ort und Stelle. Vermutlich sind beide von Endorphinen geflutet, glücklich am Glück des andern.

Jörg Niederer

Montag, 20. April 2026

Kuhversammlung

Ein Zitat

Kühe vergnügen sich auf der Weide mit dem Durchwühlen von Erdhaufen.
Foto © Jörg Niederer
"Einer schwanzlosen Kuh treibt Gott selbst die Fliegen weg." Sprichwort

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Auf der Weide, entlang des Elektrozauns haben sich Kühe um Erdhaufen versammelt. Vielleicht hat der Bauer sie ganz bewusst dort aufgehäuft, vielleicht ist es auch Abraum, der hier vorübergehend deponiert wurde. Die Kühe jedenfalls interessieren sie sehr für das Erdreich. Sie drängeln sich um die Haufen, wühlen mit dem Kopf in der Erde, schnuppern und schnaufen dabei genüsslich und laut. Spielen sie? Suchen sie nach fressbaren Wurzeln oder nach Mineralien? Wollen sie sich an diesem warmen Frühlingstag etwas abkühlen auf der sonst schattenlosen weiten Weide? Hätte man ihnen die Hörner nicht entfernt, sie würden wohl noch viel mehr Staub aufwirbeln.

Neugierig sind die Tiere, auch auf uns. Sie bestaunen uns, wie wir Menschen Zootiere bewundern, riechen an den Händen, die ihnen hingestreckt werden, glotzen uns mit ihren schönen Augen an. Und wir staunen zurück.

Jörg Niederer

Sonntag, 19. April 2026

Eigenruhm stinkt

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Die Klosterkirche und Teile des Klosters St. Urban. Heute befindet sich hier eine Psychiatrische Klinik.
Foto © Jörg Niederer
"Der Gerechte darf sich freuen über den Herrn – bei ihm wird er seine Zuflucht suchen. Jeder darf sich rühmen, der ein ehrliches Herz hat." Bibel, Psalm 64,11

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Ich musste diesen Vers zweimal lesen. So unglaublich ist das, was hier geschrieben steht. Da heisst es nicht: "Jeder darf Gott rühmen, der ein ehrliches Herz hat." Da heisst es, "Jeder darf sich rühmen...""Eigenruhm stinkt" haben wir als Kinder gesagt. Irgendwie ist der ganze Psalm in einer verqueren Logik geschrieben.

David, dem dieser Psalm zugeschrieben wird, war ja nicht gerade ein Engel. Dass er seinen Feinden die göttliche Rache an den Hals wünschte, mag aus menschlicher Sicht verständlich sein. Aber müsste er sich da nicht auch ein bisschen an der eigenen Nase nehmen? Dass es ihm letztlich – es sind ja die letzten Worte des Psalms – um seinen eigenen Ruhm geht, ist nun aber wirklich der Gipfel der Unverschämtheit. Der Psalm offenbart überdeutlich die Abgründe im Herzen des Beters. So wird Gott nicht geehrt. Er wird darin aufgefordert, Handlanger der eigenen Wünsche zu werden.

Das Beste, was dieses Gebet zeigt, ist: So total eigensüchtig und falsch dürfen wir mit Gott reden. Er hört uns ab, wie eine Mutter ihre frustrierten Kinder.

Jörg Niederer

Samstag, 18. April 2026

Die Trauer-Rosenkäfer und die Pollen

Ein Zitat

Drei Trauer-Rosenkäfer auf einer Löwenzahnblüte sind ganz vertieft ins Fressen von Blütenpollen.
Foto © Jörg Niederer
"Möge die ganze Welt glücklich sein." Aus einem Hindugebet

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Sie sind vom Blütenstaub gelb überzuckert und in einem wahren Fressrausch, die drei Trauer-Rosenkäfer auf der Löwenzahnblüte. Es ist das zweite Mal, dass ich diesen potentiell gefährdeten Käfer fotografieren konnte. Das erste Mal fand ich ihn Mitte Mai 2024 auf einer Wildblumenwiese der Propstei Wislikofen (AG) (siehe Foto unter dem Beitrag vom 14.05.2024).

Fast einen Monat früher nun entdeckte ich etwa 20 Oxythyrea funesta auf einer lichten und stark sonnenbeschienenen Waldrandstelle direkt am Wanderweg bei Burgstelle nahe Pfaffnau (LU). Diese Käfer werden in den letzten 15 Jahren vermehrt bei uns und in Süddeutschland aufgefunden. Ihre eigentliche Heimat ist der Mittelmeerraum. Der Klimawandel begünstig offensichtlich ihre Ausbreitung auf die Alpennordseite. Die hübschen Trauer-Rosenkäfer sind ausgewachsen unverwechselbar. Mit ihren weissen Punkten auf schwarzem Grund sehen sie recht hübsch aus. In der Form gleichen sie dem häufigeren Goldglänzenden Rosenkäfer. Das Larvenstadium verbringen sie als bis zu 3 cm lange Engerlinge im Boden. In diesem Stadium kann man sie mit anderen Engerlingen verwechseln. Dann fressen sie Wurzelwerk. Als Käfer lieben sie Blütenpollen. Auf dem Foto sieht man beim Trauer-Rosenkäfer ganz rechts im Bild auch die starke Behaarung. Diese wird im Verlauf der weiteren Nahrungssuche und beim Kriechen durch enge Spalten abgeschabt und geht verloren. Bei den anderen beiden Käfer hat die "Rasur" bereits lichte Stellen hinterlassen.

Trauer-Rosenkäfer fliegen von Mai bis Juli und können folglich noch einige Zeit beobachtet werden. Dass sie bereits Mitte April anzutreffen sind, deutet darauf hin, dass sie sich den wärmeren Umständen im Schweizer Mittelland angepasst haben. Nahrung ist mit der Löwenzahn- und Rapsblüte jedenfalls im Überfluss vorhanden.

Leider ist der Käfer in der Schweiz nicht geschützt und gilt des Pollenfrasses wegen als Schädling in Obstbau. Besonders aber die Larven gelten als sehr schädlich für die Landwirtschaft. Für viele Vögel sind sie aber lebenswichtige Grundlage bei der Aufzucht der Jungen.

Jörg Niederer

Freitag, 17. April 2026

Die Waldgrille

Ein Zitat

Die etwa 4 mm lange Larve einer Waldgrille in ihrem Biotop im abgestorbenen Laub bei Langnau bei Reiden (LU) auf etwa 500 m.ü.M. am Nordabhang des Heuberibergs.
Foto © Jörg Niederer
"er hat vil hummeln, mucken, tauben, meusz oder grillen im kopff" Zitat aus Sebastian Frank (1654-1731), "Sprichwörter"

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Da bin ich nun schon beinahe 67 Jahre auf dieser Welt, doch dieses bei uns in der Schweiz häufige Insekt habe ich gestern zum ersten Mal bewusst wahrgenommen. Und das kam so: Beim Austreten im Wald, in den dabei vergehenden Sekunden hat man die Zeit und Musse, dem Detail mehr Beachtung zu schenken. Und so fielen mir am Boden im Laub nebst Ameisen auch Tierchen auf, die kurz still dasassen, um dann blitzschnell zu verschwinden. Erst dachte ich an Mücken – ich sehe je nach Distanz auch mit Gleitschichtbrille nicht immer klar, – doch dann, hinuntergebeugt, merkte ich, dass es sich um winzig kleine Grillen handeln musste. Immer, wenn ich versuchte, mit der Kamera und dem Makroobjektiv sie abzulichten, geschah das Gleiche. Ich fotografierte wunderbar zerfallendes Laub aus dem Vorjahr, aber von den Grillen war darauf nichts zu sehen. So hüpften sie mir bestimmt zwanzigmal aus dem Foto, und ich kann von Glück sagen, dass ich wenigstens eine dieser 4 mm kleinen Larven hier zeigen kann. In welchem Larvenstadium sich die Waldgrillen befinden, weiss ich nicht. Da es an dieser Stelle unzählige dieser Tierchen hatte, könnten es erst kürzlich geschlüpfte Nemobius Sylvestris, so der wissenschaftliche Namen, sein. Sie kommen im Laubwäldern an warmen Stellen vor und verstecken sich im abgestorbenen Laub. Dort überwintern auch die Eier, genauso wie im darauffolgenden Winter die Larven im 6. Entwicklungsstadium. Sie brauchen konstante Temperaturen nicht unter -1 °C und nicht über 25 °C. Feucht sollte es sein, und gute Versteckmöglichkeiten aufweisen.

Ausgewachsene Waldgrille werden max. 1,3 cm lang und sind daran zu erkennen, dass sie ein Längslinie über den Hinterleib aufweisen und am Kopf eine w-förmige weisse Zeichnung, die durch zwei weitere Linien ergänzt nach einem Fünfeck aussieht. Die Flügel bleiben unvollständig. Die Waldgrille kann nicht fliegen aber nutzt die Flügel um zu zirpen.

Wer noch mehr wissen möchte über dieses heimliche Insekt kann hier weiterlesen.

Ich jedenfalls hatte gestern, schon allein dieser Entdeckung wegen einen ausgesprochen interessanten, guten Tag.

Jörg Niederer

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 Ein Zitat Fotos © Jörg Niederer "Auf, auf, ihr kleinen Bienen / Der Winter ist fürbei: / Schon gaffen jetzt und gienen / Die Blümlein ...