Donnerstag, 2. Juli 2026

Im Felsen stochern

Ein Zitat

Oben: Weibchen des Mauerläufers. Unten: Wahrscheinlich ein Mauerläufer-Männchen im Strassentunnel.
Fotos © Jörg Niederer
"Wenn dir ein Fels vom Herzen fällt, so fällt er auf den Fuß dir prompt! So ist es nun mal auf der Welt: ein Kummer geht, ein Kummer kommt…" Heinz Erhardt (1909–1979)

Entdeckt

Mauerläufer sind beliebt unter Ornitholog:innen. Das gilt zwar für alle Vögel, doch wird der Mauerläufer entdeckt, ist das besonders schön. Der Bergvogel ist ein Vertikalzieher. Im Sommer niestet und lebt er in grossen Höhen. Im Winter, wenn dort alles unter einer hohen Schneedecke verschwindet, kann man ihn auch im Schweizer Mittelland antreffen. Mit seinem an ein Pinzette erinnernden langen Schnabel stochert er in den Spalten der Felsen nach allerlei Getier. Dabei bevorzugen Mauerläufer eher feuchtere Stellen am Fels. Ihre Nester bauen die mit ihren karminrot aufleuchtenden Flügeln an Schmetterlinge erinnernde Vögel in spaltenreichen Felsen oder auch einmal in einem Naturstein-Tunnel.

Am Mattmark-Stausee können Mauersegler in den Felsen direkt beim Restaurant beobachten. Dort ist dann auch das obere Foto entstanden, während das untere den Mauerläufer in einer höhlenartigen Nische zeigt mit Futter im Schnabel für den Nachwuchs.

Jörg Niederer

Mittwoch, 1. Juli 2026

Das Essen ist angerichtet

Ein Zitat

Ein Bartgeier flog mit Beinknochen eines grösseren Tieres entlang des Mattmark-Stausees über uns hinweg.
    Foto © Jörg Niederer
"Jeder sei, in seiner Art, majestätisch. Wenn er auch kein König ist, müssen doch alle seine Handlungen, nach seiner Sphäre, eines Königs würdig sein und sein Tun, in den Grenzen seines Standes und Berufs, königlich." Baltasar Gracián y Morales (1601-1658), spanischer Jesuit

Entdeckt

Fotografisch, das gebe ich zu, ist das Bild kein Highlight. Als Belegfoto für einen ikonischer Alpenvogel aber schon. Zuvor hatten wir ihn zwar täglich gesehen, jedoch weit oben und weit weg. An der Bergvogelexkursion von BirdLife kam er zu guter Letzt dann doch noch in die Nähe: der Bartgeier.

Es geschah am Mattmark-Stausee. Hingefahren waren wir, um den Mauerläufer zu beobachten. Dazu mehr im nächsten Blog. Da sah ihn einer durch das Spektiv. Erst nur ein kleiner, eigenartigerweise T-förmiger Punkt über dem Monte-Moro-Pass flog der Greifvogel entlang der linken Bergkette direkt auf uns zu und über uns hinweg. Er brauchte dazu kaum einen Flügelschlag. In den Fängen trug er einen Beinknochen einer Gämse oder eines anderen grösseren Tieres mit sich. Wie er gekommen war, verschwand er auch wieder hinter dem Grat des Klein Allalin.

Wen kleinere Vögel "Nahrung" mit sich tragen, dann kann man von Nachwuchs oder Paarbildung ausgehen. Denn es gibt keinen anderen Grund für einen Vogel, etwas nicht sofort zu essen, wenn es nicht für Nachwuchs oder Brautwerbung gedacht ist. Ob das auch für die Geier gilt? Ich weiss es nicht? Wollte der Bartgeier sein Futter vor Konkurent:innen in Sicherheit bringen? Hat er einen bestimmten Ort, wo er die Knochen aus grosser Höhe fallen lässt, um sie schnabelgerecht zu zerkleinern? Oder bringt er sie seinen Jungen? Beim erbeuteten Bein kann man immerhin sehen, dass es auch Fleisch am Knochen hat. Während Altvögel vor allem Knochen fressen, bekommen Junggeier auch Fleisch von den Altvögeln geboten.

Nun, das sind Spekulationen. Was aber bleibt: Das Staunen über diesen mächtigen Vogel, der wieder zurück ist in unserem Alpenraum, nachdem er einst rücksichtslos ausgerottet worden war.

Übrigens: An diesem Tag sahen wir auch noch Gänsegeier und eine weitere Rarität: der Mönchsgeier. Diese beiden allerdings waren wieder bloss kleine geflügelte Punkte entlang der Gratkante vom Klein Allalin.

Jörg Niederer

Dienstag, 30. Juni 2026

Familienleben und Emanzipation

Ein Zitat

Steinschmätzer. Oben: Männchen. Unten: Der Nachwuchs.
Fotos © Jörg Niederer

"Nestwärme speichert sich im Herzen und wird zum Nährboden für Vertrauen in das Leben."
  Helga Schäferling (*1957)

Entdeckt

In diesem Jahr sehe ich auf den Bergen um Saas-Fee Steinschmätzer in grösserer Zahl (Siehe auch Beitrag vom 27. Juni 2026). Gestern mussten wir nur wenige Schritte von der Seilbahnstation Kreuzboden bergauf steigen, und schon standen wir mitten in einem fröhlichen Treiben. Herr und Frau Steinschmätzer suchten intensiv nach Futter. Dabei beobachteten sie uns mindestens so aufmerksam, wie wir sie. Das Männchen kam bis auf 5 Meter heran, um die seltsamen Gestalten mit ihren Spektiven zu betrachten. Offensichtlich wurden wir nicht als grosse Gefahr eingeschätzt. So erhörten sie die bettelnden Jungtiere, und brachten dem schon flüggen, aber noch daunenbekränzten Nachwuchs auch während unserer Anwesenheit alle paar Minuten das Essen "frei Mund".

Das Männchen war an diesem Morgen deutlich intensiver bei der Sache. Emanzipiert wie er ist, überliess er die Kinderverköstigung nicht allein seiner Partnerin. Ein Gewinn für die herumwuselnden Jungtiere. Sieht der junge Steinschmätzer auf dem Foto nicht etwas mürrisch aus? Dafür hat er aber wirklich keinen Grund. Er wird bestens vorbereitet auf den Ernst des Lebens, dort oben auf 2400 Metern über Meer.

Jörg Niederer

Montag, 29. Juni 2026

Gesichtsstreifen

Ein Zitat

Eine Zippammer sitzt auf einer Lärche, und beobachtet uns.
Foto © Jörg Niederer
"Gott gibt jedem Vogel Nahrung, aber er wirft es ihm nicht ins Nest." Josiah Gilbert Holland (1819-1881)

Entdeckt

Der gestrige Tag brachte viele Highlights. Etwas die unzähligen Edelweiss-Pflanzen entlang des Bergwegs. Oder dann die Alpen-Apollofalter, die gleich mehrfach vorbeisegelten oder auf der Vegetation sassen. Erstmals fotografieren konnte ich auch eine Klappergrasmücke. Doch hier soll ein anderes Vögelchen kurz vorgestellt werden: Die Zippammer.

Eine Zippammer ruft, wie es ihr Name sagt: Zip!. Sie hat eine nette Gesichtsbemalung und ist schwer zu lokalisieren. Angetroffen werden kann sich bei uns an Alpensüdhängen über 800 Metern. Der Grossteil von ihnen lebt ums Mittelmeer, im Nahen Osten und in Zentralasien. Weiter nördlich findet man sie noch in Deutschland. Wärmelieb wie sie sind, wollen sie sich wohl noch nicht nach Norden weiter ausbreiten. Schön auch, dass man sie in der Schweiz das ganze Jahr beobachten kann. Ich habe sie oberhalb von Saas-Almagell gesehen.

Jörg Niederer

Sonntag, 28. Juni 2026

Farbenpracht in der grauen Schweiz

Ein Zitat

Alpenbirkenzeisige sind farbenprächtige Vögel, die man vor allem im Gebirge antreffen kann.
Foto © Jörg Niederer
"Streue Farben in dein Leben, sie haben keine Kalorien und machen dazu noch glücklich." Herkunft unbekannt

Entdeckt

Am ersten Tag an der Bergvogelexkursion in Saas-Fee habe ich gleich drei neue Flaschenvögel gesehen. Also Vogelarten, die ich das erste Mal in der Schweiz fotografieren konnte. Flaschenvögel werden sie genannt, weil man in Ornitholog:innenkreisen für die Erstsichtung jeweils eine Flasche zu öffnet pflegt. Drei Flaschen sind in meinem Fall deutlich zu viel. Also habe ich es gelassen. Die Freude ist dennoch gross. Da wäre als Neusichtung die Bergschwalbe, der Gänsegeier (sehr weit oben über dem Schwarzmies), und der Birkenzeisig.

Hier bei uns sind es die Alpenbirkenzeisige, die in den Ästen der Kiefern herumturnen, gelegentlich auffliegen um eine Rund singen zurückzulegen, und dann wieder im Geäst der flechtenbehangenen Bäumen einzufallen. Sie sind leicht an den roten Stellen an Kopf und Brust zu erkennen. Für die Schweiz ganz schön farbenprächtige Vögel.

Im Winter hat es übrigens bei uns noch mehr von ihnen, weil dann auch einige aus dem Norden zu uns kommen, während viele, die bei uns den Sommer verbrachten und da die Jungen grossgezogen haben, auch im Winter hier bleiben.

Jörg Niederer

Samstag, 27. Juni 2026

Steinschmätzer lieben Murmeltiere

Ein Zitat

Ein Steinschmätzer, wohl ein Weibchen oder dann ein Jungtier, in ihrem typischen Brutgebiet auf der Gemmipasshöhe.
Foto © Jörg Niederer
"Haltet an Euren Träumen fest / Denn wenn die Träume sterben / Ist das Leben ein Vogel mit gebrochen Flügeln / Der nicht fliegen kann." Langston Hughes (1902–1967)

Entdeckt

Heute reise ich nach Saas Fee. Dort werde ich an einer Bergvogelexkursion teilnehmen. Bestimmt werden wir den Steinschmätzern begegnen, die gerne in unseren Bergen brüten und ihre Jungen grossziehen. Sie müssen die Murmeltiere lieben. Deren Nähe suchen sie, weil die Nager bei ihren Bauten das Gras niedrig halten.

Steinschmätzer leben auch in Alaska und Kanada. Die Vogelwarte Sempach schreibt dazu und zum unglaublichen Zugsverhalten der kleinen Vögel: "Die Steinschmätzer Alaskas legen dabei einen der längsten Zugwege überhaupt zurück: Sie fliegen über ganz Asien nach Afrika und bewältigen dabei eine Strecke von unglaublichen 15 000 Kilometern! Die Leistung der ostkanadischen Vögel ist aber nicht minder spektakulär, fliegen sie doch 3000 Kilometer ohne Unterbruch über den Atlantik, um via Strasse von Gibraltar nach Afrika zu gelangen."

Unsere Steinschmätzer müssen nicht ganz so weit fliegen. Aber auch sie zieht es im Sommer und Winter an Orte, an denen wir Menschen zu Überlebenskünstler:innen werden müssten, wollten wir uns dort dauerhaft niederlassen.

Jörg Niederer

Freitag, 26. Juni 2026

Igel und Zitrone

Ein Zitat

Ein Zitronenfalter saugt an einem Schmalblättrigen Scheinsonnenhut.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Zitronensorbet daraus." Herkunft unbekannt

Entdeckt

Der lateinische Name "Echinacea" gehört zu jenen, die viele Menschen mit Erkältungsmedikamenten in Verbindung bringen. Abgeleitet ist er vom griechischen Wort für Igel, denn so sieht die stachelig strukturierte Blüte der Blume, die ursprünglich aus Nordamerika stammt, auch aus. Der deutsche Namen "Sonnenhut" dagegen ist selbsterklärend. Mir kommen diese Elfen in den Sinn, die in manchen Filmen mit blumigen Hüten in idyllischer Landschaft umherschwirren.

An der fotografierten Blüte saugt gerade ein Zitronenfalter. Der ist sich eisige Kälte gewohnt, enthält sein Blut doch ein natürliches Frostschutzmittel. Dank dem kann er zwischen Blättern bei uns im Freien überwintern. Ob ihm der Frostschutz auch in der aktuellen Hitzeperiode hilft?

Jedenfalls finden im Zusammentreffen von Schmetterling und Blume die Assoziationen von Hitze und Kälte zueinander, wie Glacegenuss im Schatten der Sonnenschirme.

Jörg Niederer

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Im Felsen stochern

Ein Zitat Fotos © Jörg Niederer "Wenn dir ein Fels vom Herzen fällt, so fällt er auf den Fuß dir prompt! So ist es nun mal auf der Welt...