Ein Zitat
"Ein Grab ist doch immer die beste Befestigung wider die Stürme des Schicksals." Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799)
Foto © Jörg Niederer
Hingesehen
Da, wo ich wohne, gehe ich selten in Museen. Warum eigentlich? Auf der ganzen Welt habe ich Sehenswürdigkeiten besucht, aber da, wo ich lebe, ist es, als gäbe es diese Möglichkeiten nicht.
Auch im aargauischen Reinach, wo ich vor 3 Jahrzehnten wohnte, habe ich die Museen nie besucht. Sonst hätte ich wohl früher von den Hallstattgräbern auf dem Sonnenberg erfahren. Den einen Grabhügel findet man leicht, ist er doch in den Karten verzeichnet und auch entsprechend ausgeschildert. Der zweite Tumulus ist jedoch vom Wald überwuchert und wohl nur für Insider:innen auffindbar.
Die Hallstattzeit markiert den Beginn der Eisenzeit. Sie dauerte von 800 bis 450 vor Christus, und wird von der Latènezeit abgelöst. Bei den Menschen, die in dieser Zeit von Ungarn bis Frankreich siedelten, geht man von Kelten aus. Denn anders als viele vermuten, finden sich die ersten keltischen Funde in Hallstatt, und nicht etwa im heutigen Gebiet Grossbritanniens. Mit 1200 v. Chr. datieren sie aber viel früher als die Hallstattzeit.
In der Hallstattzeit bildeten sich hierarchische Strukturen heraus. Es gibt prunkvolle Hügelgräber, in denen bedeutende Personen mit Wagen, Schwert, Dolch oder Streitaxt beigesetzt wurden. Kleinere Grabhügel wie die vom Sonnenberg oder auch vom grossen Hallstatt-Gräberfeld von Unterlunkhofen enthalten Urnen oder auch Gebeine von einem oder mehreren Verstorbenen, sowie Keramik und weitere Artefakte wie Fibeln, Schmuck und Waffen.
Von Hallstatt aus wurde in jener Zeit mit dem Salzabbau neue Handelswege erschlossen. Das belegen Fundgegenstände aus dem Mittelmeerraum und aus dem östlichen Europa.
Es waren also bewegte Zeiten, damals, als der Grabhügel etwas abseits von der nie gefundenen Siedlung der bestatteten Menschen zuoberst auf den Sonnenberg angelegt wurde. Wer damals am selben Ort lebte, wie ich Jahrhunderte später, weiss man nicht. Namen sind nicht überliefert. Aber wer sich so ein Grab leisten konnte, musste etwa Besseres gewesen sein. Vielleicht der damalige Stumpenkönig vom Hallstatt-Stumpenland im Oberen Wynental.
Jörg Niederer





