Montag, 29. Juni 2026

Gesichtsstreifen

Ein Zitat

Eine Zippammer sitzt auf einer Lärche, und beobachtet uns.
Foto © Jörg Niederer
"Gott gibt jedem Vogel Nahrung, aber er wirft es ihm nicht ins Nest." Josiah Gilbert Holland (1819-1881)

Entdeckt

Der gestrige Tag brachte viele Highlights. Etwas die unzähligen Edelweiss-Pflanzen entlang des Bergwegs. Oder dann die Alpen-Apollofalter, die gleich mehrfach vorbeisegelten oder auf der Vegetation sassen. Erstmals fotografieren konnte ich auch eine Klappergrasmücke. Doch hier soll ein anderes Vögelchen kurz vorgestellt werden: Die Zippammer.

Eine Zippammer ruft, wie es ihr Name sagt: Zip!. Sie hat eine nette Gesichtsbemalung und ist schwer zu lokalisieren. Angetroffen werden kann sich bei uns an Alpensüdhängen über 800 Metern. Der Grossteil von ihnen lebt ums Mittelmeer, im Nahen Osten und in Zentralasien. Weiter nördlich findet man sie noch in Deutschland. Wärmelieb wie sie sind, wollen sie sich wohl noch nicht nach Norden weiter ausbreiten. Schön auch, dass man sie in der Schweiz das ganze Jahr beobachten kann. Ich habe sie oberhalb von Saas-Almagell gesehen.

Jörg Niederer

Sonntag, 28. Juni 2026

Farbenpracht in der grauen Schweiz

Ein Zitat

Alpenbirkenzeisige sind farbenprächtige Vögel, die man vor allem im Gebirge antreffen kann.
Foto © Jörg Niederer
"Streue Farben in dein Leben, sie haben keine Kalorien und machen dazu noch glücklich." Herkunft unbekannt

Entdeckt

Am ersten Tag an der Bergvogelexkursion in Saas-Fee habe ich gleich drei neue Flaschenvögel gesehen. Also Vogelarten, die ich das erste Mal in der Schweiz fotografieren konnte. Flaschenvögel werden sie genannt, weil man in Ornitholog:innenkreisen für die Erstsichtung jeweils eine Flasche zu öffnet pflegt. Drei Flaschen sind in meinem Fall deutlich zu viel. Also habe ich es gelassen. Die Freude ist dennoch gross. Da wäre als Neusichtung die Bergschwalbe, der Gänsegeier (sehr weit oben über dem Schwarzmies), und der Birkenzeisig.

Hier bei uns sind es die Alpenbirkenzeisige, die in den Ästen der Kiefern herumturnen, gelegentlich auffliegen um eine Rund singen zurückzulegen, und dann wieder im Geäst der flechtenbehangenen Bäumen einzufallen. Sie sind leicht an den roten Stellen an Kopf und Brust zu erkennen. Für die Schweiz ganz schön farbenprächtige Vögel.

Im Winter hat es übrigens bei uns noch mehr von ihnen, weil dann auch einige aus dem Norden zu uns kommen, während viele, die bei uns den Sommer verbrachten und da die Jungen grossgezogen haben, auch im Winter hier bleiben.

Jörg Niederer

Samstag, 27. Juni 2026

Steinschmätzer lieben Murmeltiere

Ein Zitat

Ein Steinschmätzer, wohl ein Weibchen oder dann ein Jungtier, in ihrem typischen Brutgebiet auf der Gemmipasshöhe.
Foto © Jörg Niederer
"Haltet an Euren Träumen fest / Denn wenn die Träume sterben / Ist das Leben ein Vogel mit gebrochen Flügeln / Der nicht fliegen kann." Langston Hughes (1902–1967)

Entdeckt

Heute reise ich nach Saas Fee. Dort werde ich an einer Bergvogelexkursion teilnehmen. Bestimmt werden wir den Steinschmätzern begegnen, die gerne in unseren Bergen brüten und ihre Jungen grossziehen. Sie müssen die Murmeltiere lieben. Deren Nähe suchen sie, weil die Nager bei ihren Bauten das Gras niedrig halten.

Steinschmätzer leben auch in Alaska und Kanada. Die Vogelwarte Sempach schreibt dazu und zum unglaublichen Zugsverhalten der kleinen Vögel: "Die Steinschmätzer Alaskas legen dabei einen der längsten Zugwege überhaupt zurück: Sie fliegen über ganz Asien nach Afrika und bewältigen dabei eine Strecke von unglaublichen 15 000 Kilometern! Die Leistung der ostkanadischen Vögel ist aber nicht minder spektakulär, fliegen sie doch 3000 Kilometer ohne Unterbruch über den Atlantik, um via Strasse von Gibraltar nach Afrika zu gelangen."

Unsere Steinschmätzer müssen nicht ganz so weit fliegen. Aber auch sie zieht es im Sommer und Winter an Orte, an denen wir Menschen zu Überlebenskünstler:innen werden müssten, wollten wir uns dort dauerhaft niederlassen.

Jörg Niederer

Freitag, 26. Juni 2026

Igel und Zitrone

Ein Zitat

Ein Zitronenfalter saugt an einem Schmalblättrigen Scheinsonnenhut.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Zitronensorbet daraus." Herkunft unbekannt

Entdeckt

Der lateinische Name "Echinacea" gehört zu jenen, die viele Menschen mit Erkältungsmedikamenten in Verbindung bringen. Abgeleitet ist er vom griechischen Wort für Igel, denn so sieht die stachelig strukturierte Blüte der Blume, die ursprünglich aus Nordamerika stammt, auch aus. Der deutsche Namen "Sonnenhut" dagegen ist selbsterklärend. Mir kommen diese Elfen in den Sinn, die in manchen Filmen mit blumigen Hüten in idyllischer Landschaft umherschwirren.

An der fotografierten Blüte saugt gerade ein Zitronenfalter. Der ist sich eisige Kälte gewohnt, enthält sein Blut doch ein natürliches Frostschutzmittel. Dank dem kann er zwischen Blättern bei uns im Freien überwintern. Ob ihm der Frostschutz auch in der aktuellen Hitzeperiode hilft?

Jedenfalls finden im Zusammentreffen von Schmetterling und Blume die Assoziationen von Hitze und Kälte zueinander, wie Glacegenuss im Schatten der Sonnenschirme.

Jörg Niederer

Donnerstag, 25. Juni 2026

Dem Schatten nach

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Über der Strasse aufgehängte Schirme zeichnen in Olten ein Schattenmuster auf den Asphalt.
Foto © Jörg Niederer
"Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele. Der Himmel war weiss gefleckt; wenn man von der Sonne recht schön angebraten war, kam eine Wolke, ein leichter Wind lief daher…" Kurt Tucholsky (1890-1935)

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Die einen legen sich kaum bekleidet bewusst an die pralle Sonne, die andere suchen den Schatten der Bäume. Die einen arbeiten in der Hitze des Sommertags, die andern geniessen in der Mittagszeit eine Siesta im klimatisierten Hotelzimmer. Die einen leben jenseits der 30 Grad Celsius auf, die andern kühlen sich so oft es geht in den Brunnen der Stadt ab.

Es ist Sommer. Die Anzeige des Thermometers erreicht fiebrige Höhen. Da suche ich die Schattenseite, schleiche entlang der Häuser, weiche der Einstrahlung der Sonne wo immer möglich aus. In Olten und auch in anderen Städten hängen Schirme über der Strasse. Sie zeichnen ein Muster aus Schatten und Licht. Wer darüber geht, wechselt in schneller Folge vom Licht in den Schatten, vom Licht in den Schatten, vom Licht in den Schatten. Licht und Schatten, immer ist beides da. Scheint die Sonne nun unbarmherzig auf die Erde herab? Sie, die Leben erst möglich macht auf diesem Planeten. Ist es unbarmherzig, dass die Sonne Leben schafft, aber auch nimmt. In diesen heissen Tagen nimmt die Sterblichkeit zu.

Solche Gedanken gehen mir durch den Kopf, während ich die Schattenspuren suche auf meinem Weg, während ich die Schatteninseln geniesse, um mir dazwischen im heissen grellen Licht den Schweiss aus den brennenden Augen und von der nässenden Stirn zu wischen.

Wie geht es dir an diesen Sommertagen?

Jörg Niederer

Mittwoch, 24. Juni 2026

Kein Glück gehabt

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Am Connexio-Abend konnte man Lose ziehen. Nicht alle hatten Glück.
Foto © Jörg Niederer
"Was mich betrifft, so bin ich bescheiden und bewahre mir wenigstens eine heitere Gelassenheit, die jeden andern gewähren lässt in seiner Art." Wilhelm Busch (1832-1908)

Entdeckt

Am Connexio-Abend anlässlich der Tagung der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika konnte man Lose ziehen und je nach dem Dinge gewinnen, die in den Ländern hergestellt wurden, in denen Connexio als Hilfswerk die einheimische Kirche oder Bevölkerung unterstützt. Ich hatte mit allen drei Losen kein Glück. Wobei, hätte ich gewonnen, hätte ich das dann Gewonnene auch wirklich brauchen können oder gar nötig gehabt? Wohl eher nicht. Es wären Dinge gewesen, die statt auf der Connexio-Fachstelle bei mir rumgelegen oder rumgestanden hätten.

Ich hatte also doch irgendwie Glück, dass ich nicht gewonnen habe.

Connexio übrigens hilft in vielen Ländern, dass Menschen ihre Rechte bekommen. Wer mehr erfahren und mit einer Spende zum Glück Anderer beitragen möchte, kann sich auf der Webseite informieren.

Jörg Niederer

Dienstag, 23. Juni 2026

Untertitelsyndrom

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Printscreen aus dem Film "Das Kloster für die Hosentasche". Teilnehmerin Annika Walser erzählt, warum sie das Angebot des Netzklosters in Anspruch nimmt. Das Netzkloster ist ein Projekt der Evangelisch-methodistische Kirche und wird von der Evangelisch-reformierten Kirche Zürich unterstützt.
Foto: Printscreen 

"Von der Grösse und Macht seines Geistes kann der Mensch nicht gross genug denken."
Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831)

Entdeckt

Ich habe ein Untertitelsyndrom. Ich kann nicht aufhören, diese Texte zu lesen, selbst wenn ich die gesprochene Sprache gut verstehe. Das lenkt ungemein vom Bild ab. Immer wieder versuche ich, bewusst vom Untertitel-Text wegzuschauen. Doch nach wenigen Augenblicken lande ich erneut bei den Buchstaben unten oder oben am Rand des Films. Das nervt. Das spricht gegen die Untertitelung. Der Text kann noch so klein und ganz am Rand des Bildes eingeblendet werden, wie etwa im Beispielbild, das einen Moment zeigt aus dem Film zum Netzkloster, einem Angebot der Evangelisch-methodistischen Kirche und der Evangelisch-reformierten Kirche Zürich.

Nun frage ich mich, ob das nur mir so geht. Lässt du dich auch vom Bild und Ton durch die Untertitel ablenken?

Jörg Niederer

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Gesichtsstreifen

Ein Zitat Foto © Jörg Niederer "Gott gibt jedem Vogel Nahrung, aber er wirft es ihm nicht ins Nest." Josiah Gilbert Holland (1819...