Ein Zitat
"Mit gerade einmal der Hälfte des Budgets liesse sich noch eine rudimentäre, aber einigermassen vernünftige Information für alle vier Landesteile aufrechterhalten. Mehr nicht." Jacqueline Badran zur Halbierungsinitiative in der Sonntagszeitung vom 15. Februar 2026
Foto © Jörg Niederer
Hingesehen
Ist das wirklich der Eingang ins Ristorante Storni in Tesserete. Während ich noch zweifle, kommt eine Lieferantin mit Kisten und blinzelt mir aufmunternd zu, die Tür für sie und mich zu öffnen. Weiter geht es durch einen dunklen, lichtlosen Flur dahin, wo die Geräusche herkommen. Die Gaststube ist schmal und gut besucht. An diesem Morgen, noch vor 9.00 Uhr, sind nicht viele Lokale geöffnet. Im Storni sitzen jüngere Menschen neben Pensionären. Ein Lebenskünstler mit lockigem Haar lächelt versonnen in die Welt.
Ich bestelle bei der flinken Bedienung einen Espresso, und gehe dann auf die sauberen, etwas in die Jahre gekommenen Toiletten. Zurück am Tisch setzt sich ein älterer Herr mir gegenüber hin und beginnt sofort die Todesanzeigen in der lokalen Zeitung zu studieren. Seinen Kecks zum Kaffee überlässt er mir, fragt, ob ich in den Ferien sei.
Lange bleibe ich nicht. "Due franchi" sagt die Bedienung, als ich zahlen will. Nur zwei Franken, denke ich, wo gibt es denn sowas sonst noch. Sogar bei den Selbstbedienungsautomaten an den Bahnhöfen kommt man nicht unter CHF 3,80 weg, und in Restaurants kosten der Espresso schnell einmal fünf bis sechs Franken.
Ich gebe reichlich Trinkgeld. Als die Bedienung es merkt, vermutet sie einen Irrtum, will mir den geschenkten Franken zurückgeben. Ehrlich sind sie hier auch noch.
Auch wenn es nicht so aussieht, dieses Ristorante. Ich gebe ihm fünf Sterne.
Später lese ich, dass wir bei Annahme der Halbierungsintitative gerade einmal 35 Rappen sparen würden pro Tag. 6000 Arbeitsplätze stehen dabei auf dem Spiel und die SRG würde zu einem unbedeutenden Medium verkommen. Vernünftiger wäre es, wenn die Initianten für einen Maximalpreis von CHF 2.- pro Espresso Unterschriften gesammelt hätten. Da liegt mehr Sparpotential drin und es stehen offensichtlich weniger Arbeitsplätze auf dem Spiel, wie das Ristorante Storni in Tesserete mir vordemonstriert hat.
Jörg Niederer






