Dienstag, 9. Juni 2026

Wasserfreuden

Ein Zitat

Bei genügend Wind werden selbst auf dem Untersee bei der Sportart Wing Foiling Sprünge in die Luft möglich.
Foto © Jörg Niederer
"Die Zeit wo ist sie denn geblieben / Es wurden viele Bücher geschrieben / Was uns die Zukunft auch bringt / Sie kommt und vergeht wie der Wind" Jo Dantes

Entdeckt

Als ich vor fast 50 Jahren mit Windsurfen begann, war das eine überaus spannende Sportart. Die Boards waren allerdings noch lange nicht ausgereift. Selbst kaufte ich mir ein Rennboard, das TC39 von Ten Cate. Mit seiner V-förmigen Unterseite war es recht kippelig und brauchte ordentlichen Wind, um seine Stärken auszuschöpfen.

Was damals hoch angepriesen wurde, ist heute Schnee von gestern. Nun war es damals ohne Auto kaum möglich, das fast 4 Meter lange und 20 Kilogramm schwere Brett an einen Schweizer See mit ausreichend Wind zu befördern, und so beendete ich diese Sportart dann irgendeinmal vor 40 Jahren. Ein Kollege übernahm das Board, und nutzte es wohl noch einige Zeit als eine Art Stehpaddelbrett.

Was heute dagegen abgeht auf den Schweizer Seen ist gegenüber meiner Zeit als Surfer geradezu atemberaubend. Der Modetrend heisst Wing Foiling. Ein aufblasbarer Flügel sorgt mit dem Wind zusammen für Antrieb. Dieser Flügel wird in den Händen gehalten und so jeweils einem Drachen gleich im Wind ausgerichtet. Dabei steht man auf einem Board, unter dem ein Hydrofoil angebracht ist. Ab einer gewissen Geschwindigkeit funktioniert dieses wie ein Flügel. Das Foil hebt das Board aus dem Wasser, der Wasserwinderstand verringert sich markant, was dazu führt, dass der Surfer erhöht über dem Wasser mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs ist.

Bei etwas mehr Wind sind beim Wing Foiling auch Sprung- und Flugeinlagen möglich.

Es ist ja unglaublich, wie sich der Wassersport auf Brettern in den letzten 50 Jahren verändert hat. Wie wird das wohl erst in 50 Jahren sein. Geht die Entwicklung in gleicher Weise weiter? Verlangsamt sie sich, oder ändert sich alles noch schneller?

Jörg Niederer


Montag, 8. Juni 2026

Was ist nur mit den Pfirsichen los?

Ein Zitat

Apfel mit aufgeschnittenem Pfirsich. Der Steinkern des Pfirsichs ist dabei zerbrochen.
Foto © Jörg Niederer
"Ein Apfel ist eine ausgezeichnete Sache – bis Sie einen Pfirsich probiert haben." George du Maurier (1834-1896)

Entdeckt

Nebst Apfel, Feige, Aprikose und Walnuss ergänzte die letzten vier Tage auch eine Pfirsich mein Frühstück. Dabei ist mir etwas aufgefallen.

Früher konnte man die Pfirsich mit dem Messer rundherum bis auf den Kern einschneiden, und dann die beiden Hälften gegeneinander verdrehen. So löste sich die eine Pfirsichhälfte vom Steinkern sauber ab. Seit einiger Zeit aber geht das nicht mehr. Regelmässig zerbricht der Steinkern in zwei Hälften. Um diesen zerbrochen Kern aus dem Fruchtfleisch zu lösen braucht es ein Messer. Was ist da mit den Pfirsichen los? Sind die so gezüchtet? Will man das so? Oder mache ich etwas falsch?

Mich stört diese Eigenschaft heutiger Pfirsiche sehr. Naturlich könnte ich jetzt andere Sorten nehmen. Bei Plattpfirsichen funktioniert die Herauslösung des ganzen Steinkerns problemlos. Aber ich möchte auch ganz gewöhnliche Pfirsiche ohne grossen Aufwand essen.

Im Internet habe ich folgende Erklärung dazu gefunden: "Kerne von Steinobst können aufgrund von Wachstumsstress der Pflanze brechen, besonders zu Beginn der Saison. Temperaturschwankungen und zu wenig Wasser führen zu dieser Anomalie, erklärt Daniela Krehl, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern." Gespaltene Steinkerne lassen sich offensichtlich nicht vermeiden. Man solle, so heisst es auf der Seite von Radio Bayern 1, Pfirsiche saisonal essen, also in der Zeit von Mitte Juli bis Ende August.

Mal schauen, ob es dann wirklich weniger gespaltene Steinkerne bei Pfirsichen gibt?

Jörg Niederer

Sonntag, 7. Juni 2026

Fremde und Einheimische

Ein Zitat

Fenster mit Glasmalerei von Max Brunner in der Reformierten Kirche Madiswil. Dargestellt ist die Transformation von der Raupe zum Schmetterling. Ein Auferstehungssymbol.
Foto © Jörg Niederer
"Doch als die Ägypter das Volk immer härter unterdrückten, wurde es noch zahlreicher und breitete sich aus. Da packte sie das Entsetzen vor den Israeliten." Bibel: 2. Mose 1,12

Entdeckt

Die Mechanismen sind seit vielen tausend Jahren gleich. Angst erzeugt Druck, Druck erzeugt eine Gegenreaktion, und diese erzeugt neuen Druck, bis auf einer Seite der Druck zu gross wird und es zu Eskalation und Gewalt kommt.

Ägypten fürchtete vor 3500 Jahren die Überfremdung (Bibel: 2. Mose 1,9), und zugleich den Verlust billiger Arbeitskräfte (Bibel: 2. Mose 1,10+11). Ähnlich ist es doch auch bei uns heute in der Schweiz. Wir brauchen die Fremden, damit unsere Wirtschaft funktioniert. Zugleich wollen viele Schweizerinnen und Schweizer nicht ihre Privilegien mit Menschen aus anderen Ländern teilen. In Ägypten griff man zur Repression. Fronarbeit, Versklavung, Misshandlung, Rechtsungleichheit, Geburtenregelung durch Mord.

In der Schweiz schieben wir die Schuld den Fremden zu. Mit unserem Land sei es so schlimm gekommen bei der Umwelt und dem Wohlbefinden, weil wir zu viele Fremde reingelassen haben. 10 Millionen seien genug. Zuviel sind aber lediglich die anderen, die Fremden. Also sorgen wir dafür, dass es nicht noch mehr Fremde werden. Wir brauchen die Schweiz schliesslich für die Schweizer.

Gott ist in diesen Spannungen parteiisch. So wie er sich in ägyptischen Zeiten seinem unterdrückten Volk zuwandte, so wendet er sich noch heute den Mühseligen und Beladenen zu, den Diskriminierten, den Ungeliebten. Gott ist kein Schweizer, der nur die Schweizer liebt. Gott liebt alle Menschen. 10 Millionen sind ihm nicht genug. Den Gott liebte die Welt (also alles und alle) selbstaufopfernd (Bibel: Johannes 3,16).

Jörg Niederer

Samstag, 6. Juni 2026

Tiergedanken

Ein Zitat

Der in einen Lichtschacht gefallene und von mir dort gefangene Grasfrosch wartet auf seine Freilassung. Was er wohl denkt?
Foto © Jörg Niederer
"Giraffen können statistische Überlegungen anstellen, Kühe trauern, und Elefanten, Mantarochen und Elstern erkennen sich im Spiegel." Theresa Bäuerlein (*1980) auf Krautreporter 

Entdeckt

Zwischenzeitlich konnte ich nach der Erdkröte (siehe Blogbeitrag vom 2. Juni 2026!) auch den Grasfrosch einfangen. Beide waren in einen Lichtschacht gefallen und dort wohl schon längere Zeit gefangen gewesen. Anders als die Erdkröte brauchte es beim Grasfrosch etwas mehr, um ihn seinem Glück, der Befreiung aus dem Verlies, zuzuführen. Mehrfach entzog er sich dem Versuch, ihn in den Transportbehälter zu befördern durch schnelle Flucht an unzugängliche Orte. Wie auf dem Foto zu sehen ist, hat es irgendeinmal dann doch funktioniert, und der Grasfrosch war eingefangen.

Eines der Probleme ist, dass man Tieren nicht ohne weiteres die gute Absicht hinter einer Aktion verständlich machen kann. Gerne würde ich wissen, was der Grasfrosch sich wohl gedacht hat, als ich ihm nachstellte. Wie ein Storch sehe ich nicht gerade aus. Aber ob ich ein Franzose bin, der es auf seine cuisses de grenouilles abgesehen hat, kann er nun auch nicht so ohne weiteres erkennen. Wahrscheinlich hat er sich im Verlauf der etwa 10 Minuten, in der er gefangen durch die Plexiglasscheibe auf das menschliche Treiben schauen musste, in sein Schicksal ergeben. Wie konnte er auch wissen, dass sich seine Lage schon bald dramatisch zum Besseren ändern würde.

Nach einer kurzen Fotosession transportierte ich ihn unweit des Hauses zu einer wild überwachsenen Stelle entlang des Bahndamms, nicht zu nahe an den Geleisen. Dort ging es ganz schnell. Kaum hatte ich den Deckel des Transportgefässes geöffnet, hüpfte er mit eine weiten Satz weg von mir, schaute mich noch einmal an (Ich bildete mir ein, voller Dankbarkeit, aber vermutlich war es auch nur ein kontrollierendes Beobachten, vielleicht auch ein "Ätschibätsch-Blick" im Sinne von: "Du kannst mich mal, wenn du so dumm bist, mich wieder frei zu lassen, dann auf Nie-mehr-Wiedersehen".) und mit einem zweiten Satz war er im Brombeerdickicht verschwunden.

Nun hoffe ich natürlich, dass der Grasfrosch sich in der freien Wildbahn noch geschickter seinen natürlichen Feinden entziehen kann, als das bei mir der Fall gewesen ist. Möge er noch viele gute Jahre erleben.

Jörg Niederer

Freitag, 5. Juni 2026

Zierpflanze

Ein Zitat

Blüten des Japanischen Spierstrauchs
Foto © Jörg Niederer
"Vom Taue glänzt der Rasen; / beweglicher / Eilt schon die wache Quelle: / Die Buche neigt / Ihr schwankes Haupt und im Geblätter / Rauscht es und schimmert …" Friedrich Hölderlin (1770-1843)

Entdeckt

Das sind die Blumen eines Rosengewächses. Man sieht dies den halbgeschlossenen Blüten gut an, auch wenn der Strauch sonst so gar nicht nach Rosen aussieht mit seinen Dolden. Der Japanische Spierstrauch kommt ursprünglich aus Japan, Korea und China. Die Wildform hat es nie in die Gärten geschafft, wohl aber Züchtungen, die daraus entstanden sind. In Nordamerika gilt der Japanische Spierstrauch als invasiv. Durch Selbstaussaat konkurrenzieren er die in der Natur einheimisch vorkommenden Pflanzen. Bei uns scheinen er da wenig Probleme zu verursachen. Gut so.

Jörg Niederer

Donnerstag, 4. Juni 2026

Seit 500 Jahren Neuling

Ein Zitat

Kleiner Ausschnitt aus der Dolde der Fremden Pimpinelle.
Foto © Jörg Niederer
"… nur, idem man sich über das Bekannte völlig verständigt hat, kann man miteinander zum Unbekannten fortschreiten." Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Entdeckt

Wie lange ist ein Mensch Fremder am Ort seiner Immigration? Ab der 2. Generation sprechen wir von Secondos. Die 3. Generation wird oft immer noch nicht als Einheimisch angesehen, selbst wenn sie durch ihre eingebürgerten Eltern als Schweizer:innen zu Welt gekommen sind.

Bei Pflanzen kann der Zeitraum, in der sie als Neulinge gelten, noch viel länger dauern. So ist die ursprünglich aus Nordamerika stammende Fremde Pimpinelle vor 500 Jahren in Europa eingeschleppt worden, und gilt immer noch als Neophyt. Lateinisch wird sie Pimpinella peregrina genannt. Wurzeln und Blätter haben einen würzigen, leicht brennenden Geschmack. Daher wohl auch der Name Pimpinella, denn Piper ist das lateinische Wort für Pfeffer. Peregrina meint den/die Fremde:n, den/die Pilger:in.

So gesehen bleibt dieses Doldengewächs eine fremde Pflanze, eine ewige Pilgerin in Europa.

Jörg Niederer

Mittwoch, 3. Juni 2026

Einmaliger Sex und Fesselspiele

Ein Zitat

Das Weibchen der Veränderlichen Krabbenspinne bewacht den gut getarnten Eikokon, den es im Blütenbereich einer Rainfarn-Phazelie versteckt hat.
Foto © Jörg Niederer
"Werd ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! Du bist so schön! / Dann magst du mich in Fesseln schlagen, / dann will ich gern zugrunde gehn!" Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Entdeckt

Noch einmal Spinne (siehe Beitrag vom 30. Mai 2026!). Diesmal eine Veränderliche Krabbenspinne. Veränderlich deshalb, weil sie ihre Körperfärbung den Blütenfarben von Wiesenblumen anpassen kann. Es dauert zwar zwei Tage, aber dann ist die kleine Spinne, die ihre vier Vorderbeine wie die Scheren einer Krabbe platziert, farblich nicht mehr von der Blüte zu unterscheiden. Diese etwas 13 mm lange Spinnenart lauert ihren Opfern in den weissen oder auch gelben Wiesenblumen auf. Auf dem Foto hat sie eine unauffällige, gelblich-braune Färbung angenommen. Hell weiss leuchtet jedoch der Kokon, auf dem sie sitzt. Es ist ein Weibchen, das den werdenden Nachwuchs bewacht. Dabei lässt sie sich durch nichts vertreiben. Das wird auch verständlich, wenn man sich bewusst macht, dass dies eine der letzten Aufgaben des hübschen Tierchens ist.

Schon die Paarung ist eine einmalige Sache. In deren Verlauf fesselt ein erfolgreiches Männchen das Weibchen. Das Weibchen könnte sich leicht aus dieser Fesselung befreien, tut es aber nicht. So fixiert wird dieses Weibchen dann vom Männchen begattet. Fesselspiele beim Sex! Wer hat's erfunden?

In der Folge wird die eigene Zukunft auf eine Karte gesetzt. Alles für den eigenen Nachwuchs. Das Spinnenweibchen legt die Eier, um die es einen Kokon webt. Dieser wird so lange bewacht, bis die Jungspinnen die Eier verlassen. Um die neue Generation freizusetzen, beisst die Mutterspinne noch den Kokon auf. Dann stirbt sie. Sie hat alles gegeben für ihren Nachwuchs.

Jörg Niederer

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