Ein Zitat
"Da taten sich alle Ältesten Israels zusammen und gingen zu Samuel nach Rama. Sie sagten zu ihm: 'Du bist nun alt! Doch deine Söhne verhalten sich nicht wie du. Deshalb setze einen König bei uns ein, wie es bei allen Völkern üblich ist. Der soll unsere Angelegenheiten entscheiden.'" (Bibel: 1. Samuel 8,4-5)
Foto: © Jörg Niederer
Entdeckt
Samuel hatte schlechte Karten, um den Stammesältesten den Wunsch nach einem König auszureden. Schliesslich waren er und seine Familie Teil des Problems. Es kommt ja nicht darauf an, ob es Priester sind, die wie Könige regieren und ihre Macht an die manchmal unfähigen oder korrupten Nachkommen vererben, oder ob das Könige sind. In den Ohren der Stammesführer mussten die Argumente von Samuel (Siehe Bibel: 1. Samuel 8,1-22!) gegen eine Monarchie wenig überzeugend geklungen haben. Ihre Antwort auf Samuels Einwand war: Das gegenwärtige System hat versagt. Versuchen wir es mit dem, was an anderen Orten zu Wohlstand und Prosperität geführt hat.
Das entscheidende Argument in Samuels Überlegungen waren nicht die aufgezählten negativen Begleitumstände der Monarchie, sondern dass Israel damit seine Geschicke selbst regeln wollte, indem es den himmlischen König mit einem menschlichen König ersetzte. Menschen traten an die Stelle Gottes und wurden als Könige wie Götter verehrt. Man könnte meinen, diese Form der Verehrung gehöre in einer aufgeklärten Welt der Vergangenheit an. Doch dann denke ich an verklärende Messiasdarstellungen des aktuellen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Wohlgemerkt: So etwas geschieht nicht in einem feudalistischen oder diktatorischen Staatswesen, sondern in einer bedeutenden Demokratie westlicher Prägung. Ich vermute, Samuel würde auch heute darüber nur den Kopf schütteln können.
Jörg Niederer





