Donnerstag, 28. Mai 2026

Wo der Teufel sein Unwesen treibt

Ein Zitat

Der Tüüfelsofe (Teufelsofen) am Haselberg zwischen Guntershausen und Bichelsee.
Foto © Jörg Niederer
"Ein leerer Kopf ist das Büro des Teufels." Sprichwort aus Brasilien

Entdeckt

Es gibt bekanntere Orte, an denen der Teufel in der Schweizer Landschaft sein Unwesen treibt. Etwa den berühmten Teufelsstein in der Schöllenenschlucht, oder den Teufelskeller bei Baden, oder die Tüfels Chilén (Teufelskirche) am Bäntalbach bei Kollbrunn. Nun kenne ich auch noch den Tüüfelsofe (Teufelsofen), Den Ort also, an dem die Menschen einst das Höllenfeuer vermuteten. Ortsnamen.ch erklärt den Namen so: "Appellativ tüüfel + Appellativ ofe: 'die abgelegene Runse, worin der Teufel nach dem Volksglauben ein Feuer unterhält'".

Der abgelegene Ort zwischen Guntershausen und Bichelsee am Haselberg liegt in einem Tobel, durch das ein kleines Bächlein fliesst. Das geologische Phänomen ist an vielen Orten zu beobachten: Riesige Nagelfluhbänke auf weichen Mergelschichten wurden vom Wasser eines Baches unterhöhlt. Es entstanden Hohlräume wie etwa die Täuferhöhle bei Bäretswil, über deren Eingang nicht selten der Bach als Wasserfall über den wulstigen hervorragenden Nagelfluhfelsen hinabstürzt.

Die beiden Bächlein, die sich beim Tüüfelsofe vereinen und das Tobel durchfliessen, tragen keine Namen. Von Norden kann man ein stückweit dem Bach folgend auf einem Pfad hinaufsteigen zum Höhleneingang. Aber ganz hin kommt man ohne nasse Füsse wohl nicht. Selbst haben wir das finstere Loch nur von der sonnigen Anhöhe bei Kienberg aus gesehen. Ein Sehnsuchtsort ist der Tüüfelsofe gerade nicht, aber reizvoll wäre es schon, auch diese teuflische Stelle aus der Nähe zu erkunden.

Jörg Niederer

Mittwoch, 27. Mai 2026

Dinkelvogel

Ein Zitat

Eine Goldammer sitzt auf einem Pfosten im biologisch-dynamischen Rebbaugebiet am Iselisberg.
Foto © Jörg Niederer
"Sogar wenn der Vogel geht, fühlt man, dass er Flügel hat." Antoine-Marin Lemierre (1733–1793)

Entdeckt

Siebzehn Ammernarten gibt es in Europa. Gesehen habe ich schon die Rohrammer (den sprichwörtlichen Rohrspatz - siehe Beitrag vom 26. April 2022) und die Goldammer. Bei uns in der Schweiz kommen auch die Grauammer und der Ortolan vor. Letzterer gehört ebenfalls zu dieser Vogelgruppe. Alle weisen diesen für das Fressen von Getreidekörnern typischen, kurzen und kräftigen Schnabel auf.

Auf dem Foto zeigt sich die Goldammer in einer etwas atypisch gestreckten Form. Der in der Grösse spatzengrosse Vogel ist mit seinen gelben Federn eine echte Sehenswürdigkeit.

Die Goldammer ist die Ammer schlechthin. Denn das altdeutsche Wort Amero leitet sich von der Getreideart Emmer (altdeutsch: Amar) bzw. vom Dinkel ab. Die Goldammer ist der Dinkelvogel, der sich im Getreide aufhält, um sich dort von Körnern zu ernähren. Wie viele Vögel, die von Samen und Pflanzen leben, findet die Goldammer auch im Winter genug Nahrung. Sie kann also das ganze Jahr hindurch bei uns beobachtet werden.

In den Jahren 1870-1880 wurden verschiedene europäische Vogelarten in Neuseeland eingeführt, um dort Pflanzenschädlinge zu bekämpfen. In diesem Zusammenhang kam auch die Goldammer auf die Inseln. Wie wir bereits wissen ist das ein Vogel, der sich vorwiegend von Körnern ernährt. Er entwickelte sich in Neuseeland zu einem invasiven Neozoen, der sich trotz der Versuche, sie wieder auszurotten, bestens entwickelt hat und heute dort heimisch ist.

Jörg Niederer

Dienstag, 26. Mai 2026

Waldlicht und Waldschatten

Ein Zitat

Ahornblätter werden von der Sonne spotartig durchs Blätterdach des Waldes beleuchtet.
Foto © Jörg Niederer
"Was ist das Schwerste von allem? Was dir das Leichteste dünkt, / Mit den Augen zu sehn, was vor den Augen dir liegt." Johann Wolfgang Goethe (1749-1832)

Entdeckt

Nur an wenigen anderen Orten ist der Kontrast zwischen Licht und Schatten so umfangreich wie im Wald. Das zeigte sich auch wieder auf meiner Wanderung in der vergangenen Woche der Thur entlang. So meinte mein Wanderkollege René Moor, dass aktuell noch kaum eine Kamera mit diesem grossen Kontrastumfang im Wald zurecht komme. Zwar lassen sich verschieden belichtete Fotos zu einer HDR-Aufnahme zusammenfügen. Oder dann kann man die RAW-Fotodaten punktuell entsprechend den Lichtverhältnissen bis zu eine gewissen Grad anpassen. Doch wirklich zufriedenstellend sind diese Korrekturen nur selten. Ein Beispiel mag das Bild des Wanderwagens sein, das ich im Blogbeitrag vom 22. Mai 2026 gepostet haben. Man beachte die Lichtspitzen am Treppenende, die absolut keine Zeichnung mehr aufweisen.

Auch das Blattwerk des Ahorns auf der hier abgebildeten Fotografie musste ich in einer Partie durch Teile eines zweiten Fotos überschreiben, um den ganzen Lichtzauber einzufangen. Geschickt angewendet können Licht und Schatten aber wunderbare Gestaltungsmittel sein, um einem gewöhnlichen Objekt Zauber zu verleihen.

Wie heisst es doch: Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Es gibt immer Bereiche des Lebens, welche im Dunkel bleiben. Denn der Schatten selbst bedarf des Lichts. Im Wald wäre es nicht halb so schön, gäbe es da kein Licht-Schatten-Spiel.

Jörg Niederer

Montag, 25. Mai 2026

Pfingstrosig

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Zweimal Pfingstrose, einmal verfremdet. Ein Strauss an rosafarbenen Tönen.
Foto © Jörg Niederer
"Die meisten Menschen bringen so das ganze Leben hin, dass sie sich von Pfingsten nach Weihnachten und von Weihnachten nach Pfingsten sehnen." Theodor Fontane (1819-1898)

Entdeckt

Zur Pfingstzeit blühen die Pfingstrosen. Logisch, dass dies nicht die Jahreszeit für Weihnachtssterne ist und auch nicht die für Osterglocken oder Herbstzeitlosen. Blumen sind benannt nach den Tagen, an denen sie blühen. Anders herum wäre es doch sehr eigenartig, hätte man die Tage nach den Namen der Blumen bezeichnet. "Schau mal, die Pfingstrose blüht. Von jetzt an soll diese Zeit Pfingsten heissen."

Nein, so ist es nicht. Das eingedeutschte Wort Pfingsten ist abgeleitet vom altgriechischen Zahlenwort "pentēkostē" und bedeutet "50 Tage". Damit ist die Zeitspanne zwischen dem Ostersonntag und dem Pfingstsonntag gemeint.

Wie beim Versteckenspielen haben die Menschen auf fünfzig gezählt, und dann die Augen geöffnet. Und siehe da, es war Pfingsten, die Zeit der Pfingstrosen.

Jörg Niederer

Sonntag, 24. Mai 2026

Fremdenfreundlich

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Aussichtsreiche Lage beim Rebbaugebiet am Iselisberg.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn dann der Beistand kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch helfen, die ganze Wahrheit zu verstehen." Bibel: Johannes 16,13

Entdeckt

Pfingsten und Wein gehören auf gewisse Weise zusammen. So erzählt der Evangelist Lukas selbst, wie manche Menschen das, was an Pfingsten mit den Jüngern geschehen war, als Trunkenheit interpretierten (Bibel: Apostelgeschichte 2,13).

Besoffen vom Heiligen Geist! Wäre es nicht so gewesen, diese Anspielung auf das Betrunkensein der Jünger hätte den Weg nicht in die kanonischen Schriften gefunden. So aber ist der Mut der Jünger, nach Jesu Hinrichtung sich zu ihm zu bekennen und verständlich in vielen Sprachen eine eigenartige, neue Botschaft weiterzuerzählen, für immer mit übermässigem Weingenuss assoziiert.

Der Volksmund sagt ja, Kinder und Betrunkene würden stets die Wahrheit sagen. Um Wahrheit geht es an Pfingsten durchaus. Diese Wahrheit aber ist nicht weinselig, sondern bedeutet Verständigung über alle Grenzen hinweg. Das Christentum ist noch mehr, als es das römische Reich je war, eine Vielvölkergemeinschaft, in der Herkunft, Sprache, Geschlecht, Alter, Gesundheit oder sexuelle Ausrichtung keine trennenden Rollen mehr spielen. Hier erfüllt sich das Gebet von Jesus: "Sie sollen alle untrennbar eins sein..." (Bibel: Johannes 17,21). Darum kann Kirche und Christentum nie nur national verstanden werden. Darum ist das Christentum eine Gefahr für autokratische Nationalstaaten und in jeder Weise fremdenfreundlich.

Jörg Niederer

Samstag, 23. Mai 2026

Die zwielichtige Halblichtblume

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Der Wiesen-Bocksbart ist eine ganz und gar essbare Wildpflanze mit speziellen Blütezeiten.
Foto © Jörg Niederer
"Ist der Bocksbart erst verblüht, so ragen die trockenen Blüten wie ein Ziegenbart aus den grünen Hüllblättern – und daher stammt auch der deutsche Name." Botanischer Garten Bern

Entdeckt

Man muss nicht in die Metadaten der Fotografie schauen, um sicher zu sagen, dass das Bild an einem sonnigen Tag vor 14.00 Uhr aufgenommen worden ist. Denn dann begibt sich (wenn man das so sagen will bei einer Pflanze, die sich nicht vom Fleck bewegt,) denn dann begibt sich der Wiesen-Bocksbart bereits in den Feierabend und schliesst seine wunderschöne Blütenpracht. Die Pusteblume, sie entwickelt eine Samenkugel wie der Löwenzahn, ist in allen Teilen essbar. Also daran denken, sollte es einmal zu einem Mangel an Spargeln oder auch Schwarzwurzeln kommen. Dann grabe man die Wurzel des Wiesenbocksbarts aus, oder pflücke die jungen Triebe des Stängels und bereite sie entsprechend zu. Als Dip kann man Letztere auch verwenden, oder die Blätter als Salat oder gekocht als Spinatersatz. Zudem ist der Wiesen-Bocksbart nicht selten.

Er sei, so heisst es, eine Halblichtpflanze, was wiederum irgendwie zwielichtig klingt. Da frage ich mich, wie lange es wohl dauert, bis diese schöne Blume nicht nur auf dem Teller landet, sondern auch Eingang in einen Kriminalroman findet.

Jörg Niederer

Freitag, 22. Mai 2026

Der Wanderwagen

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René Moor unterwegs in schwierigerem Gelände mit dem Wanderwagen.
Foto © Jörg Niederer
"Gestern bin ich von meiner 6-wöchigen Wanderung von Sigmaringen/Donau nach London zurückgekehrt und bin voller Begeisterung von meinem cart4go 4all. Mit Rucksack hätte ich (70-Jähriger Rentner) die 1200 km niemals geschafft, ging es doch u.a. über 3 Mittelgebirge: Schwäbische Alb, Schwarzwald und Vogesen." Kommentar von Dr.M.S. auf der Webseite von cart4go

Entdeckt

Nun bin ich also 72 Kilometer mehr oder weniger hinter meinem Wanderkollegen René Moor und seinem Wanderwagen hergetrottet. Auf meinem Rücken lasteten wohl so 15 Kilogramm Rucksackgewicht mit Inhalt. Die Folge: Verspannte Schulter am 3. und 4. Tag. Mein Vorauswanderer hatte diesbezüglich keine Schwierigkeiten. Seine Wanderausrüstung rollte auf dem von ihm meist wie ein Karette gestossenen Wanderwagen. Ging es steil bergauf, dann wurde er auch schon einmal gezogen. Hinunter, etwa über eine Treppe, liess sich der Wagen leichter steuern, wenn er dem Wanderer vorausrollte.

Der Wanderwagen ist schon seit 2017 in Besitz von René Moor. Seither ist viel gegangen beim Produzenten. Der Wanderwagen cart4go wurde weiterentwickelt. Es gibt schon vier Modelle. Auch kann man ihn sich nun auch in die Schweiz liefern lassen. Zugriemen gab es schon beim Modell von 2017, doch René Moor verzichtet darauf. Mit einer Breite von 52 Zentimeter kommt es auch mit Singletrails zurecht. Den Bianco- oder auch Lägerngrat sollten es dann aber doch nicht sein. So will der Schrittler, wie sich Moor auch nennt, mit dem Wanderwagen vor allem die flacheren Passagen begehen. Begonnen am Bodensee durfte ich ihn also bei seiner zweiten Serie von Weinfelden entlang von Thur und Rhein bis nach Kaiserstuhl begleiten. Weiter soll es bis an den Genfersee gehen. Die vier zurückgelegten Etappen boten viele flache Wegabschnitte, aber auch den einen oder andern steilen Auf- und Abstieg auf typischem Wanderterrain. Der Wagen erfüllte klaglos seinen Dienst. Was man von mir nicht sagen konnte. Gelegentlich habe ich schon geklagt, meist leise und heimlich. Denn zweifellos bietet so ein Wanderwagen neue Möglichkeiten, sich auf zwei Beinen unbelasteter fortzubewegen.

Noch einige Details zum Gefährt. Es wird ohne Packtasche geliefert. Alle Teile sind mit einem einzigen Inbusschlüssel montier- und zerlegbar. Die Reifen sind PU-pannengesichert. Je nach Grösse kann zwischen 17 und 25 Kilogramm zugeladen werden bei einem Eigengewicht von unter 3 bis 6 Kilogramm. Die Kosten sind überschaubar, spart man sich doch so früher oder später teure Rückenoperationen. Von 270 Euro geht es je nach Modell hoch bis 400 Euro.

Also mich hat der Wanderwagen überzeugt. Vielleicht werde ich bald auch so unterwegs sein. Das selbst dann, wenn ich gelegentlich etwas dumm angeglotzt werden sollte. Gerade auch mit Blick auf die teure Kameraausrüstung, die schnell einmal ins Gewicht gehen kann, ist ein Wanderwagen Balsam für den lastengeplagten fotografierenden Fernwanderer.

Jörg Niederer


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