Ein Zitat
"Bei allem, was Ihr denkt, sagt und macht – seid Euch immer bewusst, dass Ihr privilegiert seid und auf der Sonnenseite des Lebens steht. Bleibt darum dankbar und bescheiden, behaltet Anstand und Respekt." Vater von Rolf Dörig anlässlich der Vermählung seines Sohns mit Frau Cornelia. 
Foto © Jörg Niederer
Hingesehen
Wo wird dir selbst auf dem Gang aufs Klo die Tür von einer netten Dame aufgehalten?
Ich war an diesem 7. Mai sowieso gerade in Zürich. So besuchte ich das erste Mal in meinem Leben eine Aktionärsversammlung. Viele Jahre zuvor hatten meine Frau und ich als Kunden der Rentenanstalt, heute Swiss Life, 4 Aktien erhalten. Im Verlauf der Jahre waren sie da, brachten jeweils mehr oder weniger Dividende, variierten in ihrem Marktwert, ohne dass ich davon gross Kenntnis nahm. An den ordentlichen Generalversammlungen der Aktionär:innen konnte ich nicht teilnehmen, war ich doch berufstätig und an diesen Tagen jeweils anderweitig gefragt. Doch nun, im Ruhestand, machte ich mich auf in die Swiss Life Arena in Zürich-Altstetten.
Was soll ich sagen? Es war interessant aber letztlich ziemlich bedeutungslos, was da abging. Grund waren die durch den Stimmrechtsvertreter gehaltenen Stimmen. Diese machten wohl so um die 97% aller Aktionärsstimmen aus. Schon vor dem Anlass stand fest, was entschieden werden wird. Business-Folklore also? Viel spricht dafür. So gibt es an Aktionärsversammlungen drei Kategorien von Anwesenden. Einmal die Aktionär:innen. Die meisten von ihnen in fortgeschrittenem Alter. Dann die Fachleute und die anwesende Chefetage inklusive der Kontrollorgane. Und drittens viele Helferinnen und Helfer von Swiss Life. Sie waren überall, sorgten dafür dass sich die in die Jahre gekommenen Gäste auch entsprechend benahmen und ihren Platz im Eisstadion fanden.
Zur Folklore passen auch die Wortmeldungen aus dem Plenum. Es gibt da immer ein, zwei Personen, die sich Jahr für Jahr an allen von ihnen besuchten Aktionärsversammlungen mit mehr oder weniger originellen Wortmeldungen Aufmerksamkeit verschaffen. Sie nutzen den Moment, an dem ihnen mehr als 1000 Anwesende zuhören müssen, und selbst der Präsident des Verwaltungsrats dem kleinen Mann von der Aktionärsstrasse antwortet.
Nachdem man zweieinhalb Stunden zugehört und elektronisch abgestimmt hat, ohne am bereits vorliegenden Ergebnis irgend etwas zu ändern, kommt der Höhepunkt: Der Apéro und die Giveaways. Davon sprachen die Leute schon vor der Versammlung auf dem Weg vom Bahnhof zur Swiss Life Arena. Fast ohne Stocken wurden da all die alten Leute – zu denen ich nun eben auch zähle, – zu den Tischen geleitet und dann mit Köstlichkeiten überhäuft. Dort konnte man sich buchstäblich den Bauch vollschlagen.
In diesem Jahr gab es noch ein Buch geschenkt, ganz in Rot gehalten. Sozusagen das kapitalistische Manifest der Swiss Life für die Jahre 1997 bis 2025.
Mein Fazit: Das nächste Mal werde ich dann wieder einen solchen Anlass besuchen, wenn der Hunger mich plagt und ich sonst gerade nichts zu tun habe. Vielleicht werde ich dann meinen Senf auch laut vom Rednerpult kundtun. Damit habe ich ja gewisse Erfahrungen, wenn auch meist vor weniger Leuten.
Jörg Niederer





