Ein Zitat
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| Fotos: © Jörg Niederer |
"Kirchen strahlen ja eine grosse Ruhe aus, und wir geniessen diese Stimmung jetzt in unserem Wohnzimmer. Ich bin stolz, in einer Kirche zu wohnen – es ist schon etwas Besonderes." Cornelius Morscher, Architekt
Entdeckt
Da ich mich zwischen Täuffelen (Siehe Beitrag vom 20. Oktober 2026!) und Neuchâtel in methodistischem Niemandsland bewege, und die Witterung und die Lebensumstände gerade wenig Wandertage möglich scheinen lassen, werde ich in den nächsten Tagen in unregelmässigen Abständen auf methodistische Standorte zurückschauen, von denen ich noch nicht geschrieben habe. Ich beginne heute mit der einstigen Lukaskapelle in Bern. Dort traf sich die Evangelisch-methodistische Gemeinde von 1925 bis 2006, wobei zuletzt noch ein Hauskreis auf diesem einstigen Bezirk zusammen kam. Das Gebäude steht nach wie vor am Balmweg 5 und hat seinen Charakter auch nach der Umnutzung in ein Wohnhaus weitgehend behalten.
Drei Dinge möchte ich im Zusammenhang mit dieser Liegenschaft erwähnen: Strategie, Umnutzung und eine spezielle heutige Mieterschaft.
Zur Strategie: Hauptsitz der Evangelischen Gemeinschaft, eine Vorgängerkirche der heutigen Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK), war die Zionskapelle an der Nägeligasse (Siehe Beitrag vom 29. September 2026!). Der nächste Ableger dieser Kirche befand sich ab 1919 lediglich 1,9 Kilometer entfernt in einem eher kleinen Haus an der Tscharnerstrasse 22. In jener Zeit schon suchte man eine bessere Lösung, entschied sich aber gegen eine Liegenschaft an der Mattenhofstrasse. Die Distanz vom 1,6 Kilometern zur Zionskapelle wurde aber als zu gering erachtet, um eine dritte Gemeinde nebst einer weiteren im Liebefeld (Siehe Beitrag vom 10. Oktober 2026!) zu etablieren. Als man dann 1924 Grundstück und Chalet eines Lehrers am Balmweg 5 erstehen konnte, schien den Verantwortlichen der Standort perfekt. Das, obwohl auch hier die Distanz zur Zionskapelle lediglich 2 Kilometer betrug. Strategisch erstaunen die geringen Distanzunterschiede, die den Ausschlag gaben. Sie zeigen auch etwas davon, wie es um die Mobilität jener Zeit bestellt war.
Zur Umnutzung: Die Liegenschaft Balmweg 5 erlebte im Kontext der methodistischen Arbeit und danach zwei wesentliche Umnutzungen. Zuerst wurde durch den Anbau an das Chale, (ein Ersatzneubau kam nicht in Frage, weil man sonst das Näherbaurecht verloren hätte,) aus dem Haus eine äusserlich gut erkennbares kirchliches Gebäude erstellt mit Kreuz auf dem Turmanbau und Inschrift. Ebenfalls wurde eine Pfarrerwohnung integriert. Teile des Chalets wurden in den Gottesdienstraum integriert. Es waren wohl vor allem Familien aus der Nachbarschaft, welche in der Folge die Lukaskapelle besuchten. 1979 wurde die Kapelle erneut umgebaut, um für die Jugend mehr Raum zu schaffen.
Als dann die Gemeindearbeit an diesem Standort wohl um 2006 definitiv eingestellt wurde, stand die Liegenschaft lange zum Verkauf ausgeschrieben. Erworben hat sie dann der Berner Architekt Cornelius Morscher. Wieder kam eine Abriss der Liegenschaft nicht in Frage. Die aktuelle Bausubstanz überschritt die aktuelle Ausnützungziffer bei weitem. Morscher bezeichnete den Umbau von 1979 als "Verschandelung". Er wollte erst eine Loftwohnung aus dem Kirchenraum erstellen. Das wäre finanziell nicht aufgegangen. So erstellte er ein zusätzliches Zwischengeschoss, das als "Betonkiste" in den Kirchenraum gehängt wurde. Damit konnte der ursprüngliche Raum in seiner Höhe weiter erfahrbar bleiben. Der kirchliche Charakter ist heute immer noch von Aussen erkennbar. Da sind die hohen Kirchenfenster, das Kreuz auf dem Dach und die Inschrift "Jesus Christus gestern, heute und in Ewigkeit."
Die heutige Mieterschaft: Es ist immer wieder interessant, wie einstige Kapellen genutzt werden. in der Lukaskapelle findet sich aktuell auch ein Geschäft für Fotografie. Dies ist insofern aussergewöhnlich, weil es sich dabei um "Iris-Fotografie" handelt. Wer möchte kann sich seine Iris abfotografieren lassen und daraus ein digitales Kunstwerke erstellen lassen. Da werde ich schon auch an biblische Zitate erinnert. Etwa an das Wort Jesus: "Aber selig sind eure Augen, dass sie sehen, und eure Ohren, dass sie hören" (Matthäus 13,16). Oder das sehr bekannte "Auge um Auge, Zahn um Zahn" (2. Mose 21,24). In diesem Fotogeschäft verliert man nicht das Augenlicht, sondern bekommt eine neue Sichtweise auf das Wunder des Augenblicks.
Jörg Niederer