Donnerstag, 20. August 2026

Nasse Insel in der Trockenheit

Ein Zitat

Das Feuchtgebiet Gampen in der Gemeinde Berg TG wurde mit tierischem Beistand ökologisch aufgewertet.
Foto © Jörg Niederer
"Alle Projekte sind unweigerlich mit dem Wasser verbunden." Bodo Middelhoff

Entdeckt

Für einmal ist das kein Foto zur Trockenheit in der Schweiz. Obwohl, die Trockenheit ist auch im Feuchtgebiet Gampen, an der Gemeindegrenze von Berg im Kanton Thurgau deutlich zu erkennen.

Es geht bei diesem bewaldeten Landstück um ein Pilotprojekt des Kanton Thurgaus. Dieser will mehrere einstige Feuchtgebiete wieder vernässen, um so der Trockenheit entgegenzuwirken. Diese Feuchtgebiete wirken auch als natürliche Rückhaltebecken bei heftigen Niederschlägen. Zudem sind sie ökologisch sehr wertvoll. Moore speichern etwa zwanzigmal so viel CO2 wie Wälder.

Das Feuchtgebiet Gampen gehört zu den ersten dieser neu vernässten Feuchtgebieten. Dabei wurde der Wasserstand durch eine Regulierung der Abflüsse deutlich angehoben, so dass das einstige Waldgebiet überschwemmt wurde. Zugleich kam der Biber, und hob den Wasserstand um weitere 30 Zentimeter an. Man habe mit dem Biber sozusagen Hand in Hand zusammengearbeitet, meinte ein Verantwortlicher. Herausgekommen ist das, was man auf dem Foto sieht. Bäume sterben ab, das Gebiet ist deutlich feuchter und lichter geworden als die weitere Umgebung. Seltene Tiere kommen zurück, zum Beispiel der Mittelspecht.

Da wo der Biber die Landschaft gestaltet, steigt die Artenvielfalt massiv an. Das konnten die Fachleute des Kantons auch im Feuchtgebiet Gampen feststellen.

Grund genug, den Ort nicht sehr weit entfernt von meinen Wohnort aufzusuchen. Es hat sich gelohnt. Erstmals fotografierte ich die Blutrote Heidelibelle, ein Reh huschte über die Waldstrasse, Vögel konzertierten in den Zweigen und dann trafen wir noch eine Frau im Tarnanzug, die genau hier ihre bevorzugte Fotostrecke findet.

Eine Frage aber bewegt uns nach dem Besuch dieses bemerkenswerten Orts. Wie haben die Biber die Trockenheit überstanden? Ist noch genug Wasser da, um den Unterwasserzugang zum Bau zu gewährleisten? Denn sichtbares Oberflächenwasser war vom Weg aus nur an wenigen Stellen zu erkennen.

Übrigens: Aufmerksam geworden bin ich auf dieses Gebiet durch einen Beitrag im "Echo der Zeit" vom 9. August 2026.

Jörg Niederer

Mittwoch, 19. August 2026

Fake Hupverbot

Ein Zitat

Das Hupverbots-Strassenverkehrsschild ist fake. In der Schweiz ist das Hupen so restriktiv geregelt, dass ein Verkehrsschild dazu keinen Sinn macht.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn du eine Diät machen willst, ersetze das Licht in deinem Kühlschrank durch eine Hupe." nach wordgag.de

Entdeckt

In der Schweiz wird nur ganz selten gehupt. Das hat Gründe. Denn die Verkehrsregelnverordnung (VRV) erlaubt Hupen (und auch Lichthupen) nur bei Gefahr und in sehr unübersichtlichen Kurven ausserorts. Hupen aus Freude über ein gewonnenes Fussballspiel kann teuer werden. Erst recht nachts. Ein Kollege von mir verlor wegen Hupens in der Nacht seinen Führerschein für einige Monate.

Im Artikel 29 der VRV steht: 

"1 Der Fahrzeugführer hat sich so zu verhalten, dass akustische Warnsignale oder Lichtsignale möglichst nicht notwendig sind. Er darf solche Signale nur geben, wo die Sicherheit des Verkehrs es erfordert; dies gilt auch für Gefahrenlichter (...).

2 Der Fahrzeugführer hat akustische Warnsignale zu geben, wenn Kinder im Bereich der Strasse nicht auf den Verkehr achten und vor unübersichtlichen, engen Kurven ausserorts.

3 Nach Eintritt der Dunkelheit dürfen nur Lichtsignale gegeben werden. Akustische Warnsignale sind nur in Notfällen zulässig."

Diese Verordnung bedeutet, dass ein Verkehrsschild für ein Hupverbot unnötig ist. Doch in Bern habe ich es entdeckt, aufgeklebt auf der Rückseite einer weiteren Verkehrstafel. Allein schon diese inoffizielle Anbringungsweise entlarvt das Hupverbotsschild als Fake.

Könnte das Schild etwas anderes bedeuten? Z.B. "Platzkonzerte von Bläsergruppen verboten", oder "Postautos verboten", oder "Kein Jagdrevier"? Andere Vorschläge bitte in die Kommentare.

Jörg Niederer

Dienstag, 18. August 2026

Doppelsichtig

Ein Zitat

Ein Vieraugenfisch im Tierpark Dählhölzli in Bern will wissen, wer ihn da fotografiert.
Foto © Jörg Niederer
"Das Wasser war ganz warm. Es hatte dieses wunderbare, durchsichtige, mit Silber gesprenkelte Blau, aber der Sand am Grund war wie Gold …" Katherine Mansfield (1888-1923)

Entdeckt

Noch einmal Tierpark Dählhölzli in Bern. Der Vieraugenfisch ist nebst einem Frosch das einzige Tier, das gleichzeitig sowohl über- wie unter Wasser scharf sehen kann. Dazu sind seine beiden Augen zweigeteilt und weisen je unterschiedliche Krümmungen und Pupillen auf. Bei diesem Brackwasserfisch handelt es sich um den grössten Zahnkärpfling, den wir kennen. Er lebt in Küstengewässern Südamerikas in Brack- und Süsswasser und bleibt stets an der Wasseroberfläche. Weil er so aussergewöhnlich ist, wird er gerne in Zoos den Besuchenden präsentiert.

Der Fisch sieht also im wahrsten Sinn des Wortes doppelt, und das ganz ohne Alkoholkonsum.

Jörg Niederer

Montag, 17. August 2026

Farbenfroh

Ein Zitat

Ein Rothaubenturako im Tierpark Dählhölzli in Bern.
Foto © Jörg Niederer
"Bescheidenheit ist mein vorzüglichster Fehler, den ich mir mit der Zeit noch ganz abgewöhnen muss." Ludwig Tieck (1773-1853)

Entdeckt

Im Tierpark Dählhölzli in Bern werden viele europäische Tiere gehalten, zum Teil in sehr grossen Aussengehegen. Das hat mir schon gefallen, als ich noch als kleiner Junge mit meinen Eltern in Bern wohnte und immer einmal wieder einen Besuch im Zoo machen durfte. Aber auch exotische Tiere finden sich hier, so etwa dieser Rothaubenturako, ein Vogel aus Angola. Der Tierpark hält mehrere dieser farbenfrohen Vögel im Rahmen eines europäischen Erhaltungszuchtprogramms. Auch ein Jungvogel turnt aktuell in den Volieren des Tierparks herum. Er weisst noch nicht die Farbenpracht seiner Eltern auf. Die rote und grüne Färbung entsteht übrigens bei diesem Vogel nicht durch die Oberflächenstruktur der Federn, sondern durch kupferhaltige Pigmente.

Rothaubenturakos ernähren sich fast ausschliesslich von Früchten. Früher zählte man sie zur Ordnung der Kuckucksvögel. Heute sind sie eine eigene Ordnung. Als Turakos zählen sie zu den Lärmvögeln! Das sagt einiges aus über ihre Stimmgewalt, mit der sie rufend, kreischend und schreiend ihr Revier abgrenzen. Wie das klingt, kann man sich hier anhören.

Jörg Niederer

Sonntag, 16. August 2026

Heilige Kühe

Ein Zitat

Kuh beim Wiederkäuen auf einer Alpweide.
Foto © Jörg Niederer
"Genauso machten es die Philister: Sie schafften zwei Kühe mit ihren Kälbern herbei. Die Muttertiere spannten sie vor den Wagen, während sie die Kälber in den Stall sperrten. Dann stellten sie die Lade des Herrn auf den Wagen, ..." Bibel: 1. Samuel 6,10-11a

Entdeckt

Die Bundeslade war lange Zeit das Allerheiligste in Israel. So war es besonders schlimm, als die Philister diese in einem Feldzug den Israeliten rauben konnten. Gott selbst sorgte in der Folge dafür, dass die Bundeslade den Philister kein Glück brachte und sie diese wieder los werden wollten (siehe dazu Bibel, 1. Samuel 5+6). 

Seit die Muttertierhaltung Einzug gehalten hat in der Viehwirtschaft, wissen wir wieder, wovon dieser Bibeltext redet. Versuche einmal, eine Mutterkuh auf der Weide von ihrem Kalb zu trennen! Das kann ins Auge gehen. Mütter neigen dazu, ihren Nachwuchs mit absoluter Konsequenz zu verteidigen. Untrainierte Kühe kann man auch nicht für das Ziehen eines Ochsenwagens gebrauchen. Das heisst: Die Philister haben es Gott besonders schwer gemacht, die Bundeslade wieder nach Israel zurück zu bringen. Sie wollten ihre Kriegsbeute gar nicht hergeben. 

Irgendwie ist das eine Jonageschichte. Eine Geschichte, die zeigt, dass Gott sein Ziel gegen jeden Widerstand erreichen kann. Bei Jona war es der Prophet selbst, der versuchte, Gott von seinem Ziel abzubringen. In der Bundesladengeschichte sind es die Philister, die es Gott so schwer wie möglich machten, seinen äusserst machtvollen Zauberkasten wieder ihrem Machtbereich zu entziehen. Doch die Kühe liessen lieber ihre Kälber stehen, statt sich Gott zu widersetzen. Es sind die Kühe, welche die Nachfolge höher gewichteten als die eigenen familiären Bande (siehe Matthäus 10,37!) und den eigenen Tod (siehe Matthäus 10,38-39!). Sie gaben Ihr Leben als Opfer für Gott. (Schade, dass die Kühe, obwohl sie alles richtig gemacht hatten, nicht weiter leben durften.)

Jörg Niederer

Samstag, 15. August 2026

Wasserfreude

Ein Zitat

Oben: Seehund im Tierpark Dählhölzli in Bern. Unten: Gewitterregen am Bahnhof Spiez.
Fotos © Jörg Niederer

"Es war einmal ein Mann der gung / In eines Flusser Niederung / Der Tanz der grünlich krausen Wellen / Tat seines Geistes Licht erhellen."
Kurt Schwitters (1887-1948)

Entdeckt

Eben noch war ich ein wenig neidisch auf die Seehunde im Tierpark Dählhölzli in Bern, die sich auf dem Grund des Beckens vor der Hitze und Sonne in Sicherheit bringen konnten, und nur gelegentlich mal kurz auftauchten und aus dem Wasser nach uns schweissgebadeten Zoobesuchenden schauten. Natürlich galt der Neid auch all den Menschen, die die Aare hinunter durch die Stadt Bern schwammen. Mangels Badehosen und bedingt durch ein anderes Ziel konnten wir uns nicht in gleicher Weise erfrischend treiben lassen.

Ein Tag später dann nach einer Beisetzungsfeier überraschte uns ein Gewitter am Bahnhof Spiez. Zum ersten Mal seit einigen Wochen spürte ich wieder Regentropfen. War das schön und erquickend. Laut den Meteorologen soll es in den kommenden Wochen wieder kühler werden und vermehrt Gewitter geben. Doch das helfe nicht, die Wasserspeicher aufzufüllen. So erzählte einer der Bergler an der Beisetzungsfeier, dass sie ein Schreiben von der Wassergenossenschaft erhalten hätten, in dem sie zum Wassersparen aufgefordert worden seien. Wassersparen wird wohl noch bis zum nächsten tagelangen Dauerregen ein bleibende Aufgabe sein. Bis es soweit ist, wird wenigstens der Schweiss weiter fliessen.

Jörg Niederer

Freitag, 14. August 2026

Das Vertriebsnetz

Ein Zitat

Einstige Predigtorte der Methodist:innen: Oben: Gehöft Ober Altenei. Unten: Bauernbetrieb Aspi.
Fotos © Jörg Niederer
"Wir vergehen wie Rauch von starken Winden." Andreas Gryphius (1616-1664)

Entdeckt

Der bequeme Weg von Langnau nach Signau folgt den Flussläufen von Ilfis und Emme. Der unbequeme Weg dagegen führt auf direkterem Weg über die Emmentaler Hügel. Dabei kommt man an vielen Gehöften und Heimetli vorbei. Noch in Sichtweite von Langnau, 150 bis 200 Höhenmeter über der Talsohle, trafen sich einst Methodist:innen zu ihren Gottesdiensten in Bauernhöfen. Luftlinie sind diese Orte nur zwei, drei Kilometer von der "Mutterkirche" in Langnau entfernt. Von Langnau aus betreute die Pfarrperson auch die "Aussenstationen".

Man kann sich fragen, ob ein so dichtes Netzt an Predigtplätzen Sinn macht. Es scheint zumindest ein Bedürfnis gewesen zu sein, sonst hätte es diese abgelegenen Predigtplätze nicht gegeben. Vermutlich hätte man ohne sie viele Bauernfamilien an ihren schwer zugänglichen Orten nicht erreicht. Auch ist zu vermuten, dass solche Predigtplätze in Privathäusern auch von anderen Freikirchen im Emmental unterhalten wurden. Zumindest die Täufer trafen sich oft in abgelegenen Weilern.

1987 wurden die beiden methodistischen Predigtstandorte Altenei und Aspi aufgegeben. Das hat wohl vielfältige Ursachen gehabt. Zu vermuten ist, dass es auch im Emmental zu einer verstärkten Entfremdung der Bevölkerung von freikirchlicher Zugehörigkeit gekommen ist. Weiter wurden an vielen Orten die Wege wintersicher ausgebaut und damit die Mobilität erhöht. Auch die Grossfamilien auf den Bauernhöfen verschwanden, was das Transportproblem deutlich verringerte. Vielleicht wollte man die Pfarrpersonen entlasten. Weiter vermutet werden kann, dass das Gemeinschaftserlebnis vermehrt in Gottesdiensten mit höherer Beteiligung gesucht wurde.

Die negativen Folgen dieser Strukturbereinigung: Nähe zu und Einfluss auf die Menschen schwanden dahin. An manchen Orten sosehr, dass innerhalb von 30, 40 Jahren von der einst blühenden und vielfältigen Arbeit nur noch wenige Baudenkmäler übriggeblieben ist. So etwa auf dem kirchlichen Arbeitsfeld um Signau herum. Dazu später mehr in diesem Blog.

Der Niedergang erfolgte schleichend und unaufhaltsam. Das Alte ist vergangen, das Neue zeigt sich aktuell noch nicht.

Jörg Niederer

Empfohlen

Nasse Insel in der Trockenheit

Ein Zitat Foto © Jörg Niederer "Alle Projekte sind unweigerlich mit dem Wasser verbunden." Bodo Middelhoff Entdeckt Für einmal is...