Sonntag, 25. Oktober 2026

Weisheit und Bildung

Ein Zitat

Terrakotta von Walter Loosli in der Kirche Maikirch mit dem Titel: Apokalypse.
Foto: © Jörg Niederer
"Denn Weisheit ist besser als Perlen, und alles, was man wünschen mag, kann ihr nicht gleichen." Bibel: Sprüche 8,11

Entdeckt

Der Schreiber des Textes stellt sich die Weisheit personifiziert vor, so wie wir uns zum Beispiel die Gerechtigkeit vorstellen als Person mit verbundenen Augen und einer Waage in der Hand. Diese Frau Weisheit lehrt die Menschen, nach weisen Entscheidungen zu streben. Daher klingt der oben wiedergegebene biblische Spruch wie eine Mahnung an die Menschheit, in jedem Fall eine gründliche Schulbildung anzustreben. Keine Frage, Bildung ist wichtig, darum wird sie auch in der PISA-Studie regelmässig gemessen.

Es geht um die Frage nach dem Wert guter Schulbildung. Bildung zur Zeit der Niederschrift dieses Satzes war nicht einfach nur Schule. Bildung war damals immer verbunden mit Gotteserkenntnis. Ein Mensch konnte alles wissen über Naturwissenschaft und Soziologie, über Industrie und Politik, über Landwirtschaft und Handwerk, wusste er nichts von Gott, dann galt er als unwissender Mensch. Erst wenn der Mensch alles im Licht göttlicher Führung und Leitung einordnen konnte, war er wirklich nach dem damaligen Verständnis gebildet. Bildung könnte man daher auch übersetzten mit "Gott kennen". Gotteserkenntnis oder Reichtum, was ist besser? Worauf soll ich den Sinn meines Lebens begründen: Auf Erfolg und Wohlstand, oder auf der Geborgenheit, die aus dem Wissen göttlicher Liebe erwächst?

Jörg Niederer

Samstag, 24. Oktober 2026

Ein besonderer Augenschein auf die Lukaskapelle

Ein Zitat

Oben: Die einstige Lukaskapelle am Balmweg 5 in Bern wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Unten: In der einstiegen Lukaskapelle kann man heute die eigenen Augen fotografieren lassen.
Fotos: © Jörg Niederer

"Kirchen strahlen ja eine grosse Ruhe aus, und wir geniessen diese Stimmung jetzt in unserem Wohnzimmer. Ich bin stolz, in einer Kirche zu wohnen – es ist schon etwas Besonderes."
Cornelius Morscher, Architekt

Entdeckt

Da ich mich zwischen Täuffelen (Siehe Beitrag vom 20. Oktober 2026!) und Neuchâtel in methodistischem Niemandsland bewege, und die Witterung und die Lebensumstände gerade wenig Wandertage möglich scheinen lassen, werde ich in den nächsten Tagen in unregelmässigen Abständen auf methodistische Standorte zurückschauen, von denen ich noch nicht geschrieben habe. Ich beginne heute mit der einstigen Lukaskapelle in Bern. Dort traf sich die Evangelisch-methodistische Gemeinde von 1925 bis 2006, wobei zuletzt noch ein Hauskreis auf diesem einstigen Bezirk zusammen kam. Das Gebäude steht nach wie vor am Balmweg 5 und hat seinen Charakter auch nach der Umnutzung in ein Wohnhaus weitgehend behalten.

Drei Dinge möchte ich im Zusammenhang mit dieser Liegenschaft erwähnen: Strategie, Umnutzung und eine spezielle heutige Mieterschaft.

Zur Strategie: Hauptsitz der Evangelischen Gemeinschaft, eine Vorgängerkirche der heutigen Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK), war die Zionskapelle an der Nägeligasse (Siehe Beitrag vom 29. September 2026!). Der nächste Ableger dieser Kirche befand sich ab 1919 lediglich 1,9 Kilometer entfernt in einem eher kleinen Haus an der Tscharnerstrasse 22. In jener Zeit schon suchte man eine bessere Lösung, entschied sich aber gegen eine Liegenschaft an der Mattenhofstrasse. Die Distanz vom 1,6 Kilometern zur Zionskapelle wurde aber als zu gering erachtet, um eine dritte Gemeinde nebst einer weiteren im Liebefeld (Siehe Beitrag vom 10. Oktober 2026!) zu etablieren. Als man dann 1924 Grundstück und Chalet eines Lehrers am Balmweg 5 erstehen konnte, schien den Verantwortlichen der Standort perfekt. Das, obwohl auch hier die Distanz zur Zionskapelle lediglich 2 Kilometer betrug. Strategisch erstaunen die geringen Distanzunterschiede, die den Ausschlag gaben. Sie zeigen auch etwas davon, wie es um die Mobilität jener Zeit bestellt war.

Zur Umnutzung: Die Liegenschaft Balmweg 5 erlebte im Kontext der methodistischen Arbeit und danach zwei wesentliche Umnutzungen. Zuerst wurde durch den Anbau an das Chale, (ein Ersatzneubau kam nicht in Frage, weil man sonst das Näherbaurecht verloren hätte,) aus dem Haus eine äusserlich gut erkennbares kirchliches Gebäude erstellt mit Kreuz auf dem Turmanbau und Inschrift. Ebenfalls wurde eine Pfarrerwohnung integriert. Teile des Chalets wurden in den Gottesdienstraum integriert. Es waren wohl vor allem Familien aus der Nachbarschaft, welche in der Folge die Lukaskapelle besuchten. 1979 wurde die Kapelle erneut umgebaut, um für die Jugend mehr Raum zu schaffen.

Als dann die Gemeindearbeit an diesem Standort wohl um 2006 definitiv eingestellt wurde, stand die Liegenschaft lange zum Verkauf ausgeschrieben. Erworben hat sie dann der Berner Architekt Cornelius Morscher. Wieder kam eine Abriss der Liegenschaft nicht in Frage. Die aktuelle Bausubstanz überschritt die aktuelle Ausnützungziffer bei weitem. Morscher bezeichnete den Umbau von 1979 als "Verschandelung". Er wollte erst eine Loftwohnung aus dem Kirchenraum erstellen. Das wäre finanziell nicht aufgegangen. So erstellte er ein zusätzliches Zwischengeschoss, das als "Betonkiste" in den Kirchenraum gehängt wurde. Damit konnte der ursprüngliche Raum in seiner Höhe weiter erfahrbar bleiben. Der kirchliche Charakter ist heute immer noch von Aussen erkennbar. Da sind die hohen Kirchenfenster, das Kreuz auf dem Dach und die Inschrift "Jesus Christus gestern, heute und in Ewigkeit."

Die heutige Mieterschaft: Es ist immer wieder interessant, wie einstige Kapellen genutzt werden. in der Lukaskapelle findet sich aktuell auch ein Geschäft für Fotografie. Dies ist insofern aussergewöhnlich, weil es sich dabei um "Iris-Fotografie" handelt. Wer möchte kann sich seine Iris abfotografieren lassen und daraus ein digitales Kunstwerke erstellen lassen. Da werde ich schon auch an biblische Zitate erinnert. Etwa an das Wort Jesus: "Aber selig sind eure Augen, dass sie sehen, und eure Ohren, dass sie hören" (Matthäus 13,16). Oder das sehr bekannte "Auge um Auge, Zahn um Zahn" (2. Mose 21,24). In diesem Fotogeschäft verliert man nicht das Augenlicht, sondern bekommt eine neue Sichtweise auf das Wunder des Augenblicks.

Jörg Niederer

Freitag, 23. Oktober 2026

Halloween-Vogel

Ein Zitat

Weibchen oder Jungvogel einer Rohrweihe einmal in luftiger Höhe, und nicht wie üblich in taumelndem Flug knapp über dem Schilf.
Foto: © Jörg Niederer

"Durch die Besenderung
[von Rohrweihen durch BirdLife Österreich] konnten Tageszugleistungen von bis zu 800 km sowie Flüge in Höhen von 6.000 m über dem Meeresspiegel (etwa 3.000 m über Grund) dokumentiert werden." BirdLife Österreich

Entdeckt

Der dunkle Greifvogel mit seinem an einen bleichen Totenschädel erinnernden Kopf passt gut in die Zeit von Halloween. Es ist eine Rohrweihe, ein Weibchen oder dann ein Jungvogel, genau kann ich das nicht sagen. Rohrweihen überwintern regelmässig bei uns in der Schweiz. Auch auf dem Durchzug ist er zu beobachten. Bei uns ist er nicht sehr häufig. Die Vogelwarte Sempach spricht für die Jahre 2021-2023 von drei Brutpaaren. Dieser Greifvogel, er macht Jagd auf Kleinsäuger, Vögel und Amphibien, die er geschickt unter Ausnutzung des Geländes erbeutet, ist leicht kleiner als der bei uns häufige Rotmilan. Am Klingnauer Stausee konnte ich ihn vor einer Woche beobachten und fotografieren. Da es ein trüber, nebliger Tag war, hebt er sich auf dem Bild gut von dem weisslichen Hintergrund ab.

Jörg Niederer

Donnerstag, 22. Oktober 2026

Der lustige Vogel im Schilf

Ein Zitat

Rohrammer-Weibchen im Schlichtkleid beim Samenpicken.
Fotos: © Jörg Niederer
"Der Name Rohrspatz wird bald auf ihn, bald auf den Teichrohrsänger angewandt, da bei diesem die Stimme lärmend, beim Rohrammer aber das Gefieder sehr sperlingsähnlich ist." Die Singvögel der Heimat

Entdeckt

Über die Rohrammer habe ich schon einmal geschrieben. Im Beitrag vom 26. April 2022 konnte ich ein Männchen im Prachtkleid präsentieren. Nun sind es vor allem Weibchen im Schlichtkleid, die sich an den Schilfsamen gütlich tun. Mir gefallen die lustig gezeichneten Gesichter der Weibchen. Rohrammern sind sprichwörtlich geworden als schimpfende Rohrspatzen. Leider nehmen diese Vögel in der Schweiz zahlenmässig ab. Grund ist wohl, dass sie vor allem in Altschilfbeständen zahlreich vorkommen. Werden diese gemäht, fehlt den Rohrammern Deckung und Lebensraum.

Jörg Niederer

Mittwoch, 21. Oktober 2026

Schwarzkopf

Ein Zitat

Einjähriges Weibchen der Schwarzkopfmöwe beim Dösen auf dem Klingnauer Stausee.
Foto: © Jörg Niederer
"Misstraue deinem Urteil, sobald du darin den Schatten eines persönlichen Motivs entdecken kannst." Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)

Entdeckt

Im Prachtkleid ist die Schwarzkopfmöwe von der Lachmöwe einfach zu unterscheiden. Roter Schnabel, bis zum Hals, schwarz gefärbter Kopf und sonst weitgehend weiss. Doch im Jugendkleid oder im ersten und zweiten Lebensjahr sieht die in drei Jahren erwachsene kleine Möwe der bei uns häufigen Lachmöwe ziemlich ähnlich. Zudem hält sie sich gerne in Lachmöwentrupps auf und brütet in der Schweiz auch in deren Nähe.

Schwarzkopfmöwen sind in der Schwarzmeerregion stark vertreten, bei uns sind sie das ganze Jahr selten anzutreffen. Noch seltener brüten sie bei uns. Am Samstag konnte ich eine von ihnen erstmals bewusst fotografieren. Es war ein einjähriges Weibchen, das im Klingnauer Stausee vor sich hin döste, während sich das Wasser der Aare kleinwirblig unter ihr hinweg bewegte.

Nicht jeder Vogel sieht so spektakulär aus wie der Eisvogel. Die Schwarzkopfmöwe ist eher ein Vogel für Liebhaber:innen. Man muss ihn kennen, um ihn zu sehen und zu lieben.

Jörg Niederer

Dienstag, 20. Oktober 2026

Weitsicht im Wohnguet

Ein Zitat

Oben: Drei der Gebäude vom Wohnguet Alterszentrum Bethesda in Täuffelen, gesehen von der Hauptstrasse aus. Unten: Der wohnliche Eingangsbereich im Hauptgebäude des Wohnguets.
Fotos: © Jörg Niederer
"Im Mittelpunkt unseres Handelns steht der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Interessen." Von der Webseite vom Wohnguet Täuffelen

Entdeckt

Vier Gebäude gehören zum Wohnguet Bethesda Alterszentrum in Täuffelen. Das Hauptgebäude mit 26 Alterswohnungen, ein damit verbundenes Nebengebäude mit 12 Alterswohnungen, Ein freistehendes Wohngebäude mit 22 Wohnungen direkt an der Hauptstrasse, sowie dem ebenfalls freistehenden Ziegelhaus daneben, einem 2024 fertig erstellten Mehrzweckgebäude. Im Hauptgebäude befindet sich zudem das Restaurant Ambience. Weiter finden sich auf diesem Areal auch die Gemeindebibliothek und die Musikschule, ein MediZentrum, die Pflegeabteilung, die Physiotherapie, die Kinesiologie, die Fusspflege und der Coiffeur Haarguet.

Alles sieht neu und modern aus. Auf dem Nebenhaus sind Profile ausgesteckt. Das Gebäude soll wohl um ein Stockwerk erhöht werden. Während ich draussen fotografiere, werde ich von einer Mitarbeiterin, die sich gerade auf dem Weg zur Arbeit befinde, angesprochen. Ich erkläre, dass ich methodistischer Pfarrer bin, und Bethesda ein ebenfalls methodistisches Diakoniewerk sei. Sie bestätigt und lobt den Betrieb und die wunderbaren Alterswohnungen. Architektonisch sind vor allem die beiden Gebäude an der Hauptstrasse zu erwähnen. Sie strahlen einen modernen Scharm aus.

Dann begebe ich mich ins Restaurant. Da es gerade mal halb Eins am Mittag ist, herrscht Hochbetrieb. Viele der älteren Bewohner:innen sind beim Mittagessen oder eben gerade fertig geworden damit. Doch ich darf gerne an einem noch leeren Tisch Platz nehmen. Ich bestelle mir Vermicelles und ein Bier. Am Nachbartisch sitzt eine Männerrunde, wohl Gemeindeangestellte aus der Nachbarschaft. Das Servicepersonal wirkt etwas gestresst, aber ich werde schnell und kompetent bedient. Immer wieder blicke ich aus dem Fenster. Von der etwas erhöhten Lage des Hauses hat man einen ausgezeichneten Blick über das Grosse Moos. Am Nachbartisch erzählt eine ältere Person, sie habe einen ganzen Tag lang vergebens eine Person anzurufen versucht, es sei aber niemand ans Telefon gegangen. "Das ist doch seltsam!" ist ihr Kommentar. Doch dann meint sie, vielleicht sei es ja die falsche Nummer gewesen. Wie sie es sagt, wirkt sie etwas zerknirscht, wird aber gleich von ihren Tischnachbarinnen getröstet.

Da der Bahnhof Täuffelen nicht weit vom Wohnguet entfernt ist, muss ich mich nicht sonderlich beeilen. Die Wege sind kurz, die Stadt Biel und der See sind nicht weit. Dieses Haus ist eine Entdeckung. Würde ich in diesem Teil der Schweiz wohnen, vielleicht würde ich mich um einen Altersplatz an diesem Ort bemühen. Faszinierend, wie bisher alle Bethesda Alterszentren, die ich mir auf meinem Kapellenweg anschauen konnte, einen vorzüglichen ersten Eindruck machten. Gerade auch das Wohnguet in Täuffelen scheint mir ein weiteres Aushängeschild der Stiftung Diakonat Bethesda zu sein.

Jörg Niederer

Montag, 19. Oktober 2026

Heute gibt es Schilfschwein

Ein Zitat

Eine Wasserralle sucht entlang des Binnenkanals beim Klingnauer Stausee nach Nahrung.
Foto: © Jörg Niederer
"Darum versenkt, wer im ungeschlichteten Zwist der Völker nach geistiger Ruhe strebt, gern den Blick in das stille Leben der Pflanzen und in der heiligen Naturkraft inneres Wirkens..." Alexander von Humboldt (1769-1859)

Entdeckt

Heute und an einigen der folgenden Tagen gibt es Vogel. Bei einer Exkursion an den Klingnauer Stausee durfte ich mir unter Anleitung wieder einmal eine Fülle an ornithologischem Wissen anhören und aneignen. Zwei Vögel konnte ich zum allerersten Mal fotografieren. Der eine von ihnen ist die Wasserralle. Das ist kein besonders seltener Vogel und gesehen bzw. vor allem gehört habe ich ihn auch schon einige Male, doch heute gelang mir erstmals ein einigermassen gutes Foto von diesem scheuen Wasserrand-Vogel. Meist hält er sich versteckt im Schilfdickicht auf. Da er besonders schmal gebaut ist, kann er sich gut zwischen den Stängeln hindurchschlängeln. Wasserrallen ernähren sich von Insekten, Schnecken und Würmern. In den letzten Jahren stieg der Bruterfolg deutlich an, unterliegt aber von Jahr zu Jahr grossen Schwankungen. Die Vögel mögen es gar nicht, wenn das Schilf jährlich gemäht wird. Erst zwei- bis vierjähriges Schilf wird in höherer Dichte besiedelt. Wasserrallen sind standorttreu. Ziehende Wasserrallen kommen aus anderen Ländern. Mann nennt die Wasserralle im Volksmund auch Schilfschwein, da ihre Rufe stark an die Lautäusserungen von Schweinen erinnern.

Jörg Niederer

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Ein Zitat Foto: © Jörg Niederer "Denn Weisheit ist besser als Perlen, und alles, was man wünschen mag, kann ihr nicht gleichen." ...