Samstag, 13. Juni 2026

Auf Mission

Ein Zitat

Ein männlicher Turmfalke sonnt sich auf einem Baum beim Naturzentrum Thurauen.
Foto © Jörg Niederer
"Wer sucht, findet nicht, wer nicht sucht, wird gefunden." Franz Kafka (1883-1924) 

Entdeckt

Auch in diesem Jahr wirke ich mit bei der Zählung der Gebäudebrüter. Im Vergleich zum Vorjahr hatte ich schon ein kleines Erfolgserlebnis. Zwei Mehlschwalbennester sind in diesem Jahr in meinem Gebiet besetzt. Im vergangenen Jahr gab es im selben Bereich nur ein Alpensegler- und ein Mauerseglerstandort.

Heute Morgen kontrollierte ich die Seglerstandorte. Der eine mit etwa zehn Nestern befindet sich an den Gebäuden und Silos der Zuckerfabrik. Während ich zu den möglichen Neststandorten der Alpensegler hochschaute, landete dort ein Turmfalke. Sogleich versuchten die Alpensegler ihn mit nahen Vorbeiflügen zu vertreiben. Doch der Turmfalke liess sich nicht aus der Ruhe bringen, ja im Gegenteil. Ein zweiter gesellte sich zu ihm, und später entdeckte ich noch zwei weitere, die um die Zuckersilos herumflogen und offensichtlich auf Beute aus wahren.

Auch beim Mauerseglerstandort fand sich bald einmal ein Turmfalke ein, setzte sich unweit der Kunstnester auf einen Sims und wartete. Anders als die grossen Alpensegler getrauten sich die Mauersegler keine Angriffsflüge. Doch für einen Moment gab es ein Einflug eines Mauersegler in ein dort angebrachtes Kunstnest. Der Turmfalke war sofort zur Stelle und versuchte den kleinen Vogel vom Kasten weg zu pflücken, was nicht gelang. Später folg er alle Kunstnester ab, um zu schauen, ob ein unvorsichtiger Jungvogel sich vielleicht erhaschen lässt.

Ja, die Segler tun gut daran, vorsichtig zu sein und ihre natürlichen Feinde im Auge zu behalten. Das Leben ist auch für sie kein Ponyhof.

Jörg Niederer

Freitag, 12. Juni 2026

Mitsommerfest, nicht Mittsommerfest!

Ein Zitat

Ab heute bis Sonntag findet das Mitsommerfest in Frauenfeld statt. Es setzt sich in diesem Jahr speziell für Chancengerechtigkeit ein.
Foto © Jörg Niederer
"Singen ist die schönste Kunst und Übung. Wer singt, hat nicht zu tun mit der Welt." Martin Luther (1483-1546) 

Entdeckt

Seit einigen Tagen steht der Oktopus aus Dachlatten an der Promenadenstrasse in Frauenfeld und wirft die Schatten voraus auf ein besonderes Fest. Mittsommerfest schreibt man mit dreimal T. Die Bezeichnung nimmt Bezug auf die Mitte des Sommers. In Frauenfeld ist es aber anders. Das heute um 17 Uhr startenden Fest wird nur mit zweimal T geschrieben, also: "Mitsommerfest". Das macht Sinn, sind doch möglichst alle eingeladen, mitzufeiern. Nachdem beim letzten Mitsommerfest vor vier Jahren die ökologische Verantwortung im Zentrum stand, ist es in diesem Jahr die Chancengleichheit. So wirken verschiedenste Sozialinstitutionen und Vereine mit. Entsprechende Anpassungen wurden vorgenommen: Da gibt es einen barrierearmen Weg durch das Festgelände, die Signalisation wurde angepasst, Ruhezonen und Rückzugsorte sind ausgeschieden, es gibt eine Familienzone und eine Tribüne für Menschen mit Mobilitätseinschränkung. Ich finde, das ist eine gute Sache.

Der Anlass für alle dauert bis Sonntag. Es gibt Programmpunkte, da will man einfach dabei sein. Wie wäre es mit dem Frauenfelder Stuhlkarussell, oder dem Auftritt des COMEDYexpress?

Seit einiger Zeit bin ich Mitglied des NVV (Natur und Vogelschutzverein Frauenfeld). Auch dieser ist am Mitsommerfest dabei und mit seinem Angebot im Botanischen Garten stationiert.

Über das gesamte Programm kann man sich auf der Webseite zum Mitsommerfest (mit zwei T) informieren. Ich werde bestimmt vorbeischauen!

Jörg Niederer

Donnerstag, 11. Juni 2026

Getarntes Misstrauen

Ein Zitat

Ein gut getarnter grüner Grashüpfer ist mir nur deshalb aufgefallen, weil er sich bewegte.
Foto © Jörg Niederer
"Das Gras hat so Geringes zu tun – / Ein Reich von schlichtem Grün – / Nur Bienen sind zu unterhalten – / Schmetterlinge aufzuziehn –" Emily Dickinson (1830-1886) 

Entdeckt

Einen Moment halte ich inne auf meinem Weg, da fliegt ein Vogel auf, den ich bisher gar nicht beachtet hatte. Beim Austreten im Wald fällt mir eine Maus auf, die durch das Unterholz wuselt. Hätte ich nicht "gemusst", ich hätte sie nicht gesehen. In der Wiese spickt etwas davon. Erst jetzt sehe ich den Grünen Grashüpfer, der sich gut getarnt zwischen den Stängeln verbirgt.

So oft entdecke ich Tiere erst dadurch, dass sie sich selbst verraten. Man sollte ihnen sagen, dass sie bei Menschen durchaus mehr auf ihre Tarnung vertrauen könnten. Vermutlich aber ist es wirklich klüger, wenn Tiere sich schnell vor Menschen in Sicherheit bringen. Uns ist da wirklich nicht ganz zu trauen. Oder?

Jörg Niederer

Mittwoch, 10. Juni 2026

Schilderwald

Ein Zitat

Fahrverbotstafel beim Durchgang Altes Rathaus zum Hafen von Steckborn.
Foto © Jörg Niederer
"Man kann wirklich nicht wissen, ob man nicht jetzt im Tollhaus sitzt."
Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799)

Entdeckt

Genau in dem Moment, in dem ich dieses Foto von der Fahrverbotstafel im Durchgang des Alten Rathauses von Steckborn aufgenommen habe, kam mir ein Biker fahrender Weise entgegen.

Der besagte Durchgang führt von der Altstadt zum Hafen, dorthin, wo die Linienschiffe anlegen. Es ist ein vielbegangener, etwas unübersichtlicher Durchgang, eine Art Nadelöhr in der Stadtmauer. Daher ist das allgemeine Fahrverbot durchaus berechtigt.

Das sehen allerdings nicht alle so. Darum wohl der Hinweis auf den Schilderwald, der leider keinen Sauerstoff produziere. Erst zuhause ist mir auch der skurrile Hinweis über der Verbotstafel aufgefallen: Entsprechend der eigentlich unnötigen Zusatzinformation "Gilt auch für Fahrräder" steht da auf einem kleinen Aufkleber: "Gilt auch für Giraffen". Dieser Hinweis ist jedoch zweifellos berechtig, ist doch die lichte Höhe des Durchgangs zu gering, als dass eine Giraffe so einfach hindurchpassen würde. Wieweit schon einmal eine Giraffe eine Dampferfahrt vom Untersee nach Schaffhausen erleben wollte, kann ich allerdings nicht sagen. Spätestens bei der Brücke in Diessenhofen wäre ihre Höhe wohl ein noch grösseres Problem geworden als beim Durchgang in Steckborn.

Noch eines zeigt dieser Schilderwald: Die Verantwortlichen in Steckborn sind mit Humor gesegnet und können mit diesen Zusatzinformationen offensichtlich gut leben.

Jörg Niederer

Dienstag, 9. Juni 2026

Wasserfreuden

Ein Zitat

Bei genügend Wind werden selbst auf dem Untersee bei der Sportart Wing Foiling Sprünge in die Luft möglich.
Foto © Jörg Niederer
"Die Zeit wo ist sie denn geblieben / Es wurden viele Bücher geschrieben / Was uns die Zukunft auch bringt / Sie kommt und vergeht wie der Wind" Jo Dantes

Entdeckt

Als ich vor fast 50 Jahren mit Windsurfen begann, war das eine überaus spannende Sportart. Die Boards waren allerdings noch lange nicht ausgereift. Selbst kaufte ich mir ein Rennboard, das TC39 von Ten Cate. Mit seiner V-förmigen Unterseite war es recht kippelig und brauchte ordentlichen Wind, um seine Stärken auszuschöpfen.

Was damals hoch angepriesen wurde, ist heute Schnee von gestern. Nun war es damals ohne Auto kaum möglich, das fast 4 Meter lange und 20 Kilogramm schwere Brett an einen Schweizer See mit ausreichend Wind zu befördern, und so beendete ich diese Sportart dann irgendeinmal vor 40 Jahren. Ein Kollege übernahm das Board, und nutzte es wohl noch einige Zeit als eine Art Stehpaddelbrett.

Was heute dagegen abgeht auf den Schweizer Seen ist gegenüber meiner Zeit als Surfer geradezu atemberaubend. Der Modetrend heisst Wing Foiling. Ein aufblasbarer Flügel sorgt mit dem Wind zusammen für Antrieb. Dieser Flügel wird in den Händen gehalten und so jeweils einem Drachen gleich im Wind ausgerichtet. Dabei steht man auf einem Board, unter dem ein Hydrofoil angebracht ist. Ab einer gewissen Geschwindigkeit funktioniert dieses wie ein Flügel. Das Foil hebt das Board aus dem Wasser, der Wasserwinderstand verringert sich markant, was dazu führt, dass der Surfer erhöht über dem Wasser mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs ist.

Bei etwas mehr Wind sind beim Wing Foiling auch Sprung- und Flugeinlagen möglich.

Es ist ja unglaublich, wie sich der Wassersport auf Brettern in den letzten 50 Jahren verändert hat. Wie wird das wohl erst in 50 Jahren sein. Geht die Entwicklung in gleicher Weise weiter? Verlangsamt sie sich, oder ändert sich alles noch schneller?

Jörg Niederer


Montag, 8. Juni 2026

Was ist nur mit den Pfirsichen los?

Ein Zitat

Apfel mit aufgeschnittenem Pfirsich. Der Steinkern des Pfirsichs ist dabei zerbrochen.
Foto © Jörg Niederer
"Ein Apfel ist eine ausgezeichnete Sache – bis Sie einen Pfirsich probiert haben." George du Maurier (1834-1896)

Entdeckt

Nebst Apfel, Feige, Aprikose und Walnuss ergänzte die letzten vier Tage auch eine Pfirsich mein Frühstück. Dabei ist mir etwas aufgefallen.

Früher konnte man die Pfirsich mit dem Messer rundherum bis auf den Kern einschneiden, und dann die beiden Hälften gegeneinander verdrehen. So löste sich die eine Pfirsichhälfte vom Steinkern sauber ab. Seit einiger Zeit aber geht das nicht mehr. Regelmässig zerbricht der Steinkern in zwei Hälften. Um diesen zerbrochen Kern aus dem Fruchtfleisch zu lösen braucht es ein Messer. Was ist da mit den Pfirsichen los? Sind die so gezüchtet? Will man das so? Oder mache ich etwas falsch?

Mich stört diese Eigenschaft heutiger Pfirsiche sehr. Naturlich könnte ich jetzt andere Sorten nehmen. Bei Plattpfirsichen funktioniert die Herauslösung des ganzen Steinkerns problemlos. Aber ich möchte auch ganz gewöhnliche Pfirsiche ohne grossen Aufwand essen.

Im Internet habe ich folgende Erklärung dazu gefunden: "Kerne von Steinobst können aufgrund von Wachstumsstress der Pflanze brechen, besonders zu Beginn der Saison. Temperaturschwankungen und zu wenig Wasser führen zu dieser Anomalie, erklärt Daniela Krehl, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern." Gespaltene Steinkerne lassen sich offensichtlich nicht vermeiden. Man solle, so heisst es auf der Seite von Radio Bayern 1, Pfirsiche saisonal essen, also in der Zeit von Mitte Juli bis Ende August.

Mal schauen, ob es dann wirklich weniger gespaltene Steinkerne bei Pfirsichen gibt?

Jörg Niederer

Sonntag, 7. Juni 2026

Fremde und Einheimische

Ein Zitat

Fenster mit Glasmalerei von Max Brunner in der Reformierten Kirche Madiswil. Dargestellt ist die Transformation von der Raupe zum Schmetterling. Ein Auferstehungssymbol.
Foto © Jörg Niederer
"Doch als die Ägypter das Volk immer härter unterdrückten, wurde es noch zahlreicher und breitete sich aus. Da packte sie das Entsetzen vor den Israeliten." Bibel: 2. Mose 1,12

Entdeckt

Die Mechanismen sind seit vielen tausend Jahren gleich. Angst erzeugt Druck, Druck erzeugt eine Gegenreaktion, und diese erzeugt neuen Druck, bis auf einer Seite der Druck zu gross wird und es zu Eskalation und Gewalt kommt.

Ägypten fürchtete vor 3500 Jahren die Überfremdung (Bibel: 2. Mose 1,9), und zugleich den Verlust billiger Arbeitskräfte (Bibel: 2. Mose 1,10+11). Ähnlich ist es doch auch bei uns heute in der Schweiz. Wir brauchen die Fremden, damit unsere Wirtschaft funktioniert. Zugleich wollen viele Schweizerinnen und Schweizer nicht ihre Privilegien mit Menschen aus anderen Ländern teilen. In Ägypten griff man zur Repression. Fronarbeit, Versklavung, Misshandlung, Rechtsungleichheit, Geburtenregelung durch Mord.

In der Schweiz schieben wir die Schuld den Fremden zu. Mit unserem Land sei es so schlimm gekommen bei der Umwelt und dem Wohlbefinden, weil wir zu viele Fremde reingelassen haben. 10 Millionen seien genug. Zuviel sind aber lediglich die anderen, die Fremden. Also sorgen wir dafür, dass es nicht noch mehr Fremde werden. Wir brauchen die Schweiz schliesslich für die Schweizer.

Gott ist in diesen Spannungen parteiisch. So wie er sich in ägyptischen Zeiten seinem unterdrückten Volk zuwandte, so wendet er sich noch heute den Mühseligen und Beladenen zu, den Diskriminierten, den Ungeliebten. Gott ist kein Schweizer, der nur die Schweizer liebt. Gott liebt alle Menschen. 10 Millionen sind ihm nicht genug. Den Gott liebte die Welt (also alles und alle) selbstaufopfernd (Bibel: Johannes 3,16).

Jörg Niederer

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