Mittwoch, 22. Juli 2026

Die Predigten im Heimet Zimmerhus

Ein Zitat

Oben. Das Zimmerhus ist ein schönes Emmentaler Heimet ob Griesbach. Unten. Das Harmonium steht immer noch im einstigen Gottesdienstraum des Zimmerhus'.
Fotos © Jörg Niederer
"sapere aude / incipe. / Wage es, weise zu sein, fange an!" Horaz (65 - 8 v. Chr.)

Entdeckt

Ernst und Heidi wahren ihr Leben lang Kleinbäuerin und Kleinbauer im Heimet Zimmerhus. Das Land reichte nicht, um von der Milchwirtschaft zu leben. So stellten die beiden den Betrieb in den Emmentaler Hügeln ob Griesbach bald schon auf die weniger aufwändige Muttertierhaltung um. Ernst arbeitete nebenher als Fahrer für verschiedene Unternehmen. Heidi, eine gebürtige Berner Oberländerin, schaute tagsüber zu Hof und Kindern. An den Abenden und Wochenenden versorgte Ernst die Tiere mit und bestellte das Feld.

Ich lernte die Familie kennen, als ich 1985 meine Pfarrstelle auf dem Bezirk Huttwil antrat. Es war der Vater von Ernst, der in einem Zimmer dieses Bauernhauses mit christlichen Versammlungen begann. Das Harmonium steht noch heute im Andachtsraum, den man über eine steile Treppe erreich. Dort fanden die methodistischen Gottesdienste statt. Die Menschen kamen aus der direkten Umgebung, aus den benachbarten Höfen. Es ging familiär zu und her.

Am letzten Montag besuchten meine Frau und ich die beiden betagten Leute auf unserer Kapellentour-Etappe von Wasen i. E. nach Affoltern i. E. Wir kamen zur ungünstigen Mittagszeit an. Das Essen war fertig, es wurde Besuch erwartet, und da sich dieser Besuch um eine Stunde verspäten würde, mussten wir uns mit Händen und Füssen dagegen wehren, dass uns nicht deren Essen vorgesetzt wurde. Die Stunde mit Heidi und Ernst verging im Flug. Viele Erinnerungen an Menschen und Situationen mussten besprochen werden. Damals kam ich meist mit der Bahn von Huttwil nach Griesbach, um dann mit dem Fahrrad die rund hundert Höhenmeter durch ein Wäldchen hinauf zum Zimmerhus zu bewältigen. Das reichte, um oben schweisstriefend anzukommen. So wechselte ich jeweils vor dem Gottesdienst oder der Bibelstunde die Kleider. Letztere fand jeweils in der Stube der Familie statt. Es kam vor, dass ich nachts im Wäldchen die Hand nicht vor den Augen sah. Da half das Dynamolicht am Fahrrad auch nicht viel weiter. Im Winter war ich mit Spicks an den Fahrradreifen unterwegs auf den eisigen Strassen. Auch schon musste ich mich durch hohe Schneeverwehungen hinauf zum Zimmerhus kämpfen. Dass ich zwei der drei Jahre den Dienst auf dem Bezirk Huttwil ohne Auto versah, führte immer wieder dazu, dass Heidi und Ernst sich für ihr Autofahren entschuldigten. Dass sie an diesem Ort nicht ohne Auto auskommen, konnte ich absolut verstehen, doch es gelang mir nicht, sie davon abzuhalten, ihr motorisiertes Unterwegssein immer wieder zum Thema zu machen. Heidi fährt auch heute noch Auto, Ernst musste es wegen einer Augenerkrankung aufgeben.

Ich weiss nicht mehr genau, ob die Gottesdienste im Zimmerhus während meiner Zeit aufgegeben wurden, oder ob es erst kurz nach meinem Weggang geschehen ist. So nebenbei bemerkte Heidi, dass ihren Kindern die Gottesdienste vor Ort nicht gut getan hätten, ohne dies näher zu erklären. Es war wohl der Erwartungsdruck, Dabeisein zu müssen; aber was weiss ich schon. Längst wird der einstige Gottesdienstraum anderweitig genutzt. Ein Hometrainer steht dort. An der Wand hängen Bilder des einen Sohns, der Kunst studierte und heute Lehrer ist. Auf der Treppe zum ehemaligen Andachtsraum hängen die Fotos der zehn Grosskinder.

Bald schon könnte das Heimet in die Hände von entfernten Verwandten übergehen. Was das dann mit Ernst machen wird, wenn er wegziehen muss, er, der ein Leben lang an diesem Ort wohnte, davon 56 Jahre mit Heidi zusammen? Ich denke daran, wie er gleich kurz nach der Begrüssung lachend meinte, er werde wohl bald sterben. Die Nieren könnten den Dienst versagen. An die Dialyse wolle er nicht, er habe ein langes, gutes Leben gehabt.

Dann kommt, nach unserem unerwarteten, auch der erwarte Besuch und wir verabschieden uns von den beiden mit einem "auf Wiedersehn". Ob es dazu noch einmal auf dieser Erde kommen wird?

Die Weiteren Beiträge zum methodistischen Bezirk Huttwil: Zu Huttwil und Neuligen; zu Rohrbach: zu Wasen i. E.!

Jörg Niederer

Dienstag, 21. Juli 2026

Der falsche und der richtige Ort

Ein Zitat

Im Vereinshaus Gmünden versammelten sich einst die Methodist:innen von Wasen i. Emmental. Heute nennt man das Haus "Kirchenstübli". Es liegt direkt neben der Reformierten Kirche.
Fotos © Jörg Niederer

"Das Fussgehn ist gewiss die angenehmste Art zu reisen. Man geniesst die Schönheiten der Natur; man kann sich unerkannt unter allerlei Leute mischen..."
Adolph Knigge (1752-1796)

Entdeckt

Ich war gestern wieder unterwegs auf meiner Kapellentour.

Das hat man nun davon. Selbst leitete ich in Wasen i. Emmental keine Gottesdienste mehr der Evangelisch-methodistischen Kirche. Diese endeten im Jahr 1982 und ich trat meine Stelle erst 1985 an. So führte mich meine Recherche zuhause vor Ort an eine total falsche Stelle. Da Methodisten ja immer auch in Wohnhäusern zusammenkamen, fotografierte ich voller Freude ein etwas verstecktes Haus beim Gasthof Rössli. Da erkundigte sich der Bewohner besagten Hauses, ob ich das Rössli kaufen wolle, und stellte klar in Abrede, dass ich mich bei seinem Haus an richtiger Stelle befinde.

Eine Nachfrage bei Passanten und in der Apotheke führte mich auf den rechten Pfad. Beim besagten Vereinshaus Gmünden handelt es sich um das heutige Kirchenstübli, direkt hinter der Evangelisch-reformierten Kirche. Das relativ kleine, freistehende Gebäude diente wohl einst der Landeskirchlichen Gemeinschaft als Versammlungsort. Dabei handelt es sich, wie beim Evangelischen Gemeinschaftswerk, um Spezialfälle im Kanton Bern. Innerhalb der Landeskirche versammelten sich die etwas "frömmeren" Christen zu eigenen Versammlungen und Bibelstunden, und stellten zu diesem Dienst auch Prediger ein. Trotzdem verstanden sie sich immer als Teil der grossen Landeskirche.

Vermutlich haben sich die Methodist:innen in diesem Vereinshaus zu den Gottesdiensten eingemietet. Das liegt auch nahe, weil die leitenden Personen auf dem heute aufgelösten Bezirk Huttwil (mit den Stationen Huttwil, Rohrbach, Neuligen, Zimmerhus und bis 1982 Wasen) in Wasen in direkter Nachbarschaft zum Vereinshaus Gmünden wohnten. Auch später arbeiteten die Methodist:innen mit der Landeskirchlichen Gemeinschaft eng zusammen. So unterrichtete ich einige Jahre die Unterrichtskinder der Landeskirchlichen Gemeinschaft, der Heilsarmee und der Evangelisch-methodistischen Kirche in einer Klasse. Das geschah in Griesbach auf dem Hof Unter Baumen, bei einem Mitglied der Landeskirchlichen Gemeinschaft. Auf dem Bezirk Huttwil versammelte man sich also als Methodistenkirche in eigenen Kapellen, in Schulhäusern, in Vereinshäusern der Landeskirche und auch in Privathäusern. Selbst feierte ich die Gottesdienste noch auf dem Heimetli (so nennt man im Emmental die Bauernhöfe) Zimmerhus. Dazu dann im nächsten Blogbeitrag mehr.

Jörg Niederer

Montag, 20. Juli 2026

Fütterung der Vögel

Ein Zitat

Infoboard und Notiz zum Vogelfüttern in einer Seitengasse von Huttwil.
Foto © Jörg Niederer
"Narren wachsen unbegossen." Deutsches Sprichwort

Entdeckt

Huttwil. Durchgang zwischen Coop-Einkaufszentrum und Restaurant Bahnhof. Das Infoboard ist zugestellt mit parkierten Autos. Ich frage mich, wer es beachtet an diesem düster wirkenden Ort. Mir fällt es auch nur auf wegen des Zettels darüber. "Das Vogelfüttern auf dem Areal des Restaurant Bahnhof ist untersagt", steht da in grammatikalisch nicht ganz korrekter Schreibweise. Genitiv ist schwer. Der Ort des Anschlags am Fensterladen des Hotels in dieser Seitengasse ist so seltsam wie der Inhalt. Gibt es hier eine Vogelplage? Haben sich Autofahrer hier getroffen, um Vögel zu füttern? Ich sehe nichts Geflügeltes an diesem unwirtlichen Ort, nicht einmal die obligaten Spatzen. Gab es sie einst zahlreich an dieser Lokalität? Sind sie nicht mehr da, weil das Füttern verboten und folglich nichts mehr zu holen ist?

Auf dem Touchscreen darunter wir just in dem Moment die Werbung für die Vogel Trockenbaumontage GmbH eingeblendet. Damit hat das Fütterungsverbot wohl nichts zu tun. Lustig ist es trotzdem, die beiden Botschaften zu verbinden. Wie sieht es aus mit den Mitarbeitenden der Vogel Trockenbaumontage GmbH? Dürfen die im Hotel Bahnhof gefüttert werden? Oder müssen sie sich andernorts verpflegen lassen?

Übrigens: nur 50 Meter weiter steht die einstige Kapelle der Methodisten. Dort haben die Vögel gesungen. Dort ist das Füttern auch nicht verboten. Dort ist es auch nicht so abseitig düster. Dort liegt Musik in der Luft.

Jörg Niederer

Sonntag, 19. Juli 2026

Ort der (Un-)Sicherheit

Ein Zitat

Nein, das ist keine orthodoxe Kirche, sondern das Innere der fast vollständig ausgemalten Wallfahrtskirche Maria Hilf in Haslen, AI.
Foto © Jörg Niederer
"Sie brachte einen Sohn zur Welt. Den nannte Mose Gerschom, das heißt: Fremder-dort. Denn er sagte: 'Ich bin ein Fremder im fremden Land.'" (Bibel: 2. Mose 2,22)

Entdeckt

Mose war ein Flüchtling. Fluchtgrund: Entzug vor einer gerechten Bestrafung als Mörder. Nach heutigem Asylrecht hätte Mose keine Chance. Er wäre sogleich ins Herkunftsland zurückgeschafft worden, es sei denn, ihm hätte dort die Todesstrafe oder Folter gedroht.

Der entlaufene Mörder Mose fand ein neues Zuhause. In der Fremde half er den sieben Töchtern des Reguël. Es kam zu einer Art Solidargemeinschaft. Die Frauen und der entlaufene Mörder und Flüchtling. Mose schenkte den Frauen Achtung und Würde, und dafür erhielt er Würde, Familie und Gastfreundschaft in einem fremden Land. (Siehe Bibel: 2. Mose 2,15-22!)

Beim Spielen mit Pfeil und Bogen schoss das neunjährige Mädchen aus Benin City, Nigeria der Freundin das Auge aus. So wurde ihre Familie weit über die Möglichkeiten hinaus schadenersatzpflichtig. Das Mädchen war an allem Schuld. Es wurde von den Brüdern der Freundin verprügelt, es wurde vom Vater verprügelt, "immer auf die Augen", und dann kam es zum Onkel. Auch der verprügelte sie, wollte mit ihr schlafen, zerschnitt ihr die Kleider. "In Afrika dürfen Männer tun, was sie wollen, fremdgehen, prügeln, Männer dürfen alles." Irgendeinmal kam Onko, ein junger Mann und schenkte ihr Schuhe. Er lud sie ein nach Deutschland, und sie ging mit. Dort gab Onko ihr die Arbeitskleidung, Unterwäsche und BHs. Dann kamen die Männer, einer nach dem anderen. Heute lebt die Frau untergetaucht in Deutschland. Aus dem Milieu herausgeholfen hat ihr Schwester Lea Ackermann und die Leute von Solwodi, einer Organisation, die Zwangsprostituierten hilft. Aufgeschrieben hat die Geschichte Klaus Brinkbäumer im Buch: "Der Traum vom Leben".

Jörg Niederer

Samstag, 18. Juli 2026

Willkommenskultur

Ein Zitat

Ein denkmalgeschützter Schriftzug im FläckeKafi Beromünster heisst Heiden, Christen und Juden allesamt willkommen.
Foto © Jörg Niederer
"Ob Heide, Jud' oder Christ, herein was durstig ist" Schriftzug im FläckeKafi Rosengarten in Beromünster

Entdeckt

Ich bin wieder auf meinem methodistischen Kapellenweg unterwegs. Vorgestern ging es über die Fritzenfluh von Eriswil nach Wasen. Hier möchte ich aber auf eine frühere Etappe zurückblicken. Auf die von Beromünster nach Süsstannen. Beromünster wird als "Flecken" bezeichnet. So nennt man Orte, die als historische Markt- und Verwaltungszentren fungierten. Vor Ort berühmt ist der Auffahrtsumritt, eine jährlich zelebrierte Wallfahrt, die um den Flecken Beromünster herumführt,  mit Priestern, Kreuz- und Fahnenträgern, Kirchenräten, Sängern und Musikanten, alle hoch zu Ross. Im Flecken Beromünster gibt es natürlich auch eine Fleckenzunft und ein FläckeKafi. Das FläckeKafi ist eine moderne Erweiterung des denkmalgeschützten Restaurant Rosengarten. Im Innern wird das schnell deutlich. Da finden sich alte Inschriften an den Deckenbalken. Eine hat es mir besonders angetan: "Ob Heide, Jud' oder Christ, herein was durstig ist", steht da geschrieben.

Der Flecken ist historisch streng katholisch. Noch 2014 gehörten 80% zur römisch-katholischen Konfession. In einem so von einer Konfession bestimmten Ort gab es wohl auch immer wieder Reibereien mit Andersgläubigen. So wie in der Kirche nur die Katholiken zur Eucharistie geladen waren, so hielt man sich die Protestanten und Juden möglichst auf Distanz. Umso erstaunlicher ist dieser Spruch am Deckenbalken des FläckeKafis Rosengarten. Wer Durst habe, egal mit welchem religiösen Hintergrund, hier an diesem Ort war und ist er (und sie) willkommen. Was da an der Decke steht, ist eine weltliche Vorwegnahme des Abendmahls. Alle sind eingeladen, niemand wird weggewiesen. Vielleicht waren Juden und Heiden in der katholischen Kirche nicht willkommen. Hier im Gasthaus durften sie selbstverständlich ihren Durst löschen.

Gut, man könnte nun spekulieren, dass der Wirt, der diese Worte auf den Balken schreiben liess, auch einfach geschäftstüchtig war. So sicherte er sich auch den Umsatz all der verschiedenen Durchreisenden. Doch auch dann ist dieser Balkenspruch Zeugnis einer echt eidgenössischen Willkommenskultur und sollte so manchem Patrioten heute zu denken geben.

Jörg Niederer

Freitag, 17. Juli 2026

Der Coiffeur ist weiblich

Ein Zitat

Alte inklusive Anschrift an einem früheren Friseurgeschäft in Gammenthal bei Summiswald.
Foto © Jörg Niederer
"Interviewer: 'Also Frank, du hast lange Haare. Macht dich das zu einer Frau?' Frank Zappa: 'Du hast ein Holzbein. Macht dich das zu einem Tisch?'" Frank Zappa (1940–1993)

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Wer sagt denn, dass die inklusive Sprache etwas Neues ist. Diese Anschrift an einem Haus habe ich aus dem Linienbus heraus in Gammenthal (siehe Google Street View!) bei Sumiswald fotografiert. Das Geschäft gibt es nicht mehr. Die Anschrift ist geblieben. Im als behäbig und traditionell geltenden Emmental erwartet man nicht sprachlich geschlechtergerechte Feinheiten. Und doch steht da nicht nur die männliche Bezeichnung "Coiffeur" sondern explizit auch die weibliche "Coiffeuse". Heute nennt die Berufsberatung beide Formen. Doch damals, als es dieses Friseurgeschäft (auch diese Bezeichnung wird bis heute meist nur in männlicher Schreibweise verwendet) noch gab, war die Ergänzung mit der weiblichen Schreibweise wohl aussergewöhnlich. Das ist sie bist heute. Eine kurze Suche mit dem Stichwort "Coiffeur" bei Google bringt es beispielhaft für Frauenfeld an den Tag. Bei den ersten beiden so bezeichneten Dienstleistern sind es ausschliesslich Frauen, welche dort Haare schneiden und frisieren.

Anders ist es bei den Barber-Shops, die sich überall in leerstehenden Gewerberäumen breitmachen. "Barber" ist englisch. Deutsch würde man vom "Barbier" sprechen, ein explizit von Männern ausgeübtes Gewerbe, bei dem Bärte geschnitten werden. Früher zogen die Barbiere auch Zähne. Aber das ist lange her.

Zurück zu den Hairstylisten, wie sich einige Friseure heute auch nennen. Da gibt es durchaus einige Frauen, die sich selbstbewusst als Hairstylistin bezeichnen. Klever, wer mit diesem Anspruch sein Geschäft mit "Hairdesign" bewirbt und so das Geschlechterdilemma bei der Geschäftsbezeichnung geschickt vermeidet. Beim Begriff "Coiffeur" funktioniert das nicht, wohl aber bei Friseur. Da könnte man auch von "Frisurengestaltung" (das gibt es wirklich!) schreiben, was aber wohl niemand bei der Geschäftsanschrift tut, wenn man dieses doch englisch viel stylischer umsetzen kann, und es mit "Haarsalon" noch eine weitere Option gibt.

Es bleibt. Wollen Coiffeur:innen betonen, dass sich bei ihnen im Salon Frauen und Männer von Frauen und Männern die Kopfhaare machen lassen können, ist die Geschäftsanschrift "Coiffeur und Coiffeuse" durchaus passend und auch avantgardistisch. Ob das im konservativen Emmental dazu geführt hat, dass es dieses so beschriftete lokale Geschäft heute nicht mehr gibt? Oder war es doch eher der etwas abseitige Standort an einer Ausfallstrasse von Sumiswald?

Jörg Niederer 

Donnerstag, 16. Juli 2026

Getarnt und meist stumm

Ein Zitat

Auf dem Foto versteckt sich ein heimliches Lebewesen im Unterholz. Kein Kobold, aber ein … gibt sich die Ehre.
Foto © Jörg Niederer
"Süsse Ruh', süsser Taumel im Gras, / Von des Krautes Arom umhaucht …" Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848)

Entdeckt

Hast du mich gleich gesehen, oder suchst du mich noch? Vielleicht ist dir mein goldiges Augenlied aufgefallen. Vielleicht auch die leichte Farbnuance zum letztjährigen Herbstlaub. Es ist ja auch mein Ziel, dass du mich nicht entdeckst, wenn du auf dem Waldweg an mir vorübergehst. Los geht das Jahr für mich schon sehr früh, noch ehe der letzte Schnee geschmolzen ist. Man könnte sagen, ich bin einer der ersten meiner Tierzunft. Dann besuche ich die Teiche, dann kann man mich auch hören. Sonst bin ich nicht sehr gesprächig und verbringe auch nicht mehr viel Zeit am Wasser. Im Wald dagegen bin ich immer einmal wieder zu entdecken. Da liebe ich die feuchteren Stellen. Weisst du nun, wer ich bin? Oder soll ich noch sagen, dass man mich auch immer wieder mit Königshäusern in Verbindung bringt. Wenigstens in den Märchen. Meine Angst ist übrigens sprichwörtlich. "Sei kein Frosch", heisst es dann. Darf ich mich vorstellen: Ich bin der Grasfrosch.

Jörg Niederer

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Ein Zitat Fotos © Jörg Niederer "sapere aude / incipe. / Wage es, weise zu sein, fange an!" Horaz (65 - 8 v. Chr.) Entdeckt Ernst...