Ein Zitat
"Die Badewanne prahlte sehr. / Sie hielt sich für das Mittelmeer / Und ihre eine Seitenwand / Für Helgoländer Küstenland." Joachim Ringelnatz (1883-1934)
Foto © Jörg Niederer
Entdeckt
Am vergangenen Samstag besuchte ich, wie so viele, das Schweizertreffen 2026 der Jungscharen der Evangelisch-methodistischen Kirche. Gestern um 17 Uhr zog ein Gewitter über das Camp-Gelände bei Brittnau hinweg. Glücklicherweise konnte bald schon Entwarnung gegeben werden. Alle Personen sind wohlauf. Einige kleinere Sachschäden sind aber an Zelten entstanden.
Doch eigentlich will ich von etwas anderem schreiben. Auf dem Nachhauseweg bin ich über die Fröschegüllenallmend zum Bahnhof Zofingen gewandert und habe mich gewundert über diese wunderliche Ortsbezeichnung: "Fröschegülle". Als würden sich Frösche in Jauche wohlfühlen.
An diesem Wort lässt sich wieder einmal schön der Bedeutungswandel feststellen. Denn früher wurde mit Gülle auch die Wasserlache oder der Tümpel bezeichnet, auch ein Loch, in dem nach Regenfällen das Wasser einige Zeit stehen bleibt. Zugleich konnte mit "Gülle" auch Kotlache, Sumpf und die Jauche bezeichnet werden. Vielleich hängt dies auch damit zusammen, dass stehende Gewässer einst alles andere als sauberes Trinkwasser enthielten.
Spasseshalber konnte dann auch schon einmal der Bodensee als Gülle bezeichnet werden. Belegt ist der Satz: "… d'Gülle, wo d'Schwiz vo Tütschland scheidt". Wenn jemand damals davon sprach, er werde "über die Gülle fahren", war damit das Auswandern nach Amerika gemeint.
Mit diesem Wissen ist nun auch klar, wie die heute seltsam klingende Bezeichnung "Fröschegülle" zustande kam. Wir würden einfach von einem Froschtümpel sprechen. Mit Jauche hat das nur ganz entfernt zu tun.
Jörg Niederer





