Dienstag, 6. Oktober 2026

Namenlos in Wahlendorf

Ein Zitat

Wahlendorf liegt am Frienisberg im Kanton Bern, zwischen Wohlen bei Bern und Lyss.
"Die Kirche im Haus, die Verkündigenden ohne ein Haus." Grundsatz der "Namenlosen", eine christliche Sondergruppe

Entdeckt

Wahlendorf liegt am Frienisberg zwischen Wohlen bei Bern und Lyss. Gemäss methodistischen Konferenzunterlagen von 1981 soll es hier eine Kapelle gegeben haben. Bedient wurde der Predigtplatz durch die Pfarrpersonen, die in Bern-Bümpliz stationiert waren.

Nur kann sich in Wahlendorf niemand von den älteren Menschen an eine Kapelle erinnern oder an methodistische Versammlungen: "Eine Kapelle habe es hier nie gegeben." Was es dagegen hat: Einen originellen Dorfladen in der einstigen Käserei. Das Restaurant Rössli, das genau an zwei Tagen im Monat geöffnet hat. Sonst habe es nichts, auch keine Kapelle, wie mir ein Alteingesessener versichert. Vielleicht weiss ja jemand von den Leser:innen mehr über die methodistische Kapelle in Wahlendorf. Dann wäre ich froh um entsprechende Nachricht.

Dafür habe ich von einer anderen christlich-frommen Gruppe erfahren, die sich genau einmal im Jahr aus der ganzen Schweiz in Wahlendorf (und übrigens auch in Stilli bei Brugg) zusammenkommt: Sie werden die "Namenlosen" genannt, oder auch "Two-by-Twos". Eine offizielle Eigenbezeichnung haben sie nicht. Gegründent wurde diese Gemeinschaft 1897 vom Schotten William Irvine in Irland. Ihm ging es darum, das ganze kirchliche Leben an den Aussendungsreden in Matthäus 10 auszurichten. Prediger, Boten genannt, hatten keinen Besitz, und lebten bei Angehörigen der Gemeinschaft. Gemeindeglieder waren stets zu Zweit unterwegs. Man versammelte sich in Privathäusern. Fernsehen und Radio hören war verboten. Äusserlich musste man konservativ und sittlich gekleidet sein. Nur Erwachsene werden (wieder-)getauft. Auch versteht man sich als einzige Gemeinschaft, die zum Heil führt. Missioniert wird auch in anderen Kirchen, aber wenn jemand Teil der Namenlosen wird, muss er aus seiner angestammten Kirche austreten. Konsequent nur, dass man nicht mit anderen christlichen Gemeinschaften und Kirchen zusammenarbeitet. Lange war man bei den Namenlosen überzeugt, dass man direkt in der Tradition der von Jesus ausgesandten Jüngern steht. Viele wussten nichts von einer Gründerperson.

Bei den Treffen in Wahlendorf und Stilli handelt es sich wohl um die Hauptversammlungen dieser sonst recht losen Glaubensgemeinschaft. 

Aktuell laufen in den USA gegen Prediger der Two-by-Twos Untersuchungen des FBI wegen sexuellen Missbrauchs an mehreren Personen. Da die Taten weiter zurückliegen, geht man aktuell nicht davon aus, dass sie zu einer Verurteilung führen werden.

Relinfo zählt die Namenlosen zu den fundamentalistischen Sondergruppen, zu denen auch die Amischen oder der Evangelische Brüderverein gezählt werden. In der Schweiz gebe es wohl etwa 500-750 Mitglieder, weltweit sind es gegen eine Million.

So bin ich, auf der Suche nach einer methodistischen Kapelle zwar nicht fündig geworden, jedoch zum ersten Mal in meinem Leben, und ausgerechnet in diesem kleinen Dorf, auf die Namenlosen gestossen.

Jörg Niederer

Montag, 5. Oktober 2026

Morgentau-Bad

Ein Zitat

Eine späte Raupe des Schwalbenschwanz-Schmetterlings sitzt zuoberst auf einem Fenchelzweig, bekleidet mit vielen kleinen, herbstlichen Tautropfen.
Foto: © Jörg Niederer
"Wer klein genug ist, kann im Tautropfen baden." Sprichwort

Entdeckt

In einem wunderschönen Mischkulturen-Garten eines Bauern aus dem Thurgauer Ort Wolfikon sitzt am frühen Morgen, ganz von winzigen Tautropfen überzogen, eine späte Raupe des Schwalbenschwanz-Schmetterlings. Die letzte Raupengeneration eines Kalenderjahrs von diesem Schmetterling überwintert in der Regel als Puppe. Doch nun ist es schon Oktober, und die Raupe ist gerade erst knapp zwei Zentimeter lang. Bis spätestens im November muss sie noch auf 4,5 bis 5 Zentimeter Länge heranwachsen, um sich dann als Puppe durch den Winter zu bringen.

Ob diese Raupe dazu noch in der Lage sein wird? Ich würde es ihr wünschen. Auf dass aus ihr dann einer der ersten Schwalbenschwanz-Schmetterlinge wird, der im Frühjahr unser Herz mit seinen Flugkünsten erfreut.

Jörg Niederer

Sonntag, 4. Oktober 2026

Noch einmal: Abschied vom Schlagerpfarrer

Ein Zitat

Der Jodelklub Hirzel singt in Wädenswil im Erntedank-Gottesdienst, in dem der Schlagerpfarrer Stefan Moll verabschiedet und der Schlagerpfarrer Simon Züricher begrüsst wird.
Foto: © Jörg Niederer
"Ein frohes Stündlein, / ist's nicht ein Fündlein? / jetzt haben wir's, jetzt sind wir froh." Johann Peter Hebel (1760-1826)

Entdeckt

Am vergangenen Sonntag wurden der Schlagerpfarrer Stefan Moll in einem Erntedankgottesdienst in der Evangelisch-methodistischen Kirche Wädenswil feierlich in den Ruhestand verabschiedet und zugleich der neue Schlagerpfarrer Simon Zürcher in diese Aufgabe eingesetzt (Siehe Beitrag vom 28.09.2026!). Wer bei diesem volkstümlichen Gottesdienst nicht vor Ort dabei sein konnte, hat heute eine zweite Chance. Dieser Gottesdienst wurde vom Sender musig24.tv aufgezeichnet. Der Festgottesdienst wird heute um 10.00 Uhr auf musig24.tv erstausgestrahlt. Es folgen Wiederholungen am Montag, 5. Oktober 2026 um 14.10 Uhr sowie in der Dienstagsnacht (6. Oktober 2026) um 00.15 Uhr. Der Sender kann auch über das Festnetz blue TV von Swisscom empfangen werden.

Jörg Niederer

Samstag, 3. Oktober 2026

Ein Lob auf 22 Millimeter

Der Belpberg von Belp aus gesehen.
Foto: © Jörg Niederer

Ein Zitat

"Das Haupt in Sonnenstrahlen, der Fuss in 'schlechtem Wetter.'" Wilhelm Raabe (1831-1910)

Entdeckt

Oben: Aussicht von Hof Simmlern (Belpberg) auf die Berner Alpen. Unten: Der Hof der Familie Schär auf Simmlern. Hier fanden einst methodistische Bibelstunden statt.
Fotos: © Jörg Niederer
"22 Millimeter". Die Altbäuerin hebt die Hände freudenstrahlend. Soviel hat es in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober auf dem Belpberg geregnet. Während ich auf den letzten Wanderungen kaum eine Wasserlache und viele ausgetrocknete Bäche gesehen habe, ist diesmal alles anders. Wassertropfen hängen an Blüten und Samenständen. Bäche begleiten mich gurgelnd entlang der Wanderwege.

Auf meinem Weg von Münsingen nach Belp über den Belpberg, ein markanter, 11 Kilometer langer und 3-4 Kilometer breiter isoliert stehender, glazial gebildeter, knapp 400 Meter hoher Bergrücken, besuche ich wieder einmal eine methodistische Wirkstätte. Knapp unterhalb des Chutzen, mit 893 Metern höchsten Punkt des Belpbergs, liegt der Bauernbetrieb der Familie Schär. "Simmlern" nennt sich die Örtlichkeit südlich von der Ortschaft Belpberg. In den Konferenzverhandlungen der Methodistenkirche steht "Semmlern" und als Tätigkeit an diesem Ort "Predigt". Der Ortsname sei falsch, hat im Vorfeld der Wanderung die mir gut bekannte Cousine der eingangs erwähnten Bäuerin erklärt und mir auf der Karte genau gezeigt, zu welchem Hof ich gehen müsse. Für einmal bin ich mir beim Standort also sicher.

Vor dem Hof lärmt eine grosse Pumpe. Verschiedene Autos stehen herum. Erst suche ich vergeblich. Doch dann, auf mein Klopfen an der Wohnungstür, öffnet eine älter Frau und begutachtet mich fragend und leicht misstrauisch. Ich erkläre, wer ich bin und was ich tue, bringe Frau Schär die Grüsse ihrer Cousine, und nach und nach kommen wir zwischen Tür und Angel ins Gespräch. Es sei schon lange her, als noch Prediger der Methodistenkirche von Münsingen und Worb hier oben Bibelstunden (nicht Predigten!) gehalten hätten. Nun, Bibelstunden waren wohl oft nichts anderes als verkappte Predigten, die an Tischen und nicht von der Kanzel gehalten wurden. Gekommen zu diesen Stubenversammlungen seien aber fast ausschliesslich Menschen aus der Umgebung, und eigentlich alle seien sonst ins EGW (Evangelisches Gemeinschaftswerk) gegangen. Dass es Pfarrer der Methodistenkirche waren, die hier diesen Dienst getan hätten, liege wohl an verwandtschaftlichen Beziehungen.

Und dann bricht die Bäuerin beim Abschied in dieses spontane Dankgebet für den Regen aus. Und wieder einmal wird mir bewusst, wie wetterabhängig der Beruf von Landwirt:innen ist.

Jörg Niederer

Freitag, 2. Oktober 2026

Platz mit Chirurgiegeschichte

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Ansicht eines Teils des Kocherparks in Bern.
Foto: © Jörg Niederer
"Es ist eine Pflicht der Menschlichkeit, Waffen zu schaffen, die den Gegner kampfunfähig machen, ohne ihm irreparable, grausame Zerstörungen zuzufügen." Emil Theodor Kocher, Chirurg und Nobelpreisträger (1841-1917)

Entdeckt

Westlich neben der Überbauung, von der ich gestern schrieb, und in der sich einst das methodistische Alfa-Zentrum befand, versteckt sich der Kocherpark hinter Mauern und Hausfassaden. Ich finde ihn etwas steril mit seinen weiten Rasenflächen. Und doch ist er mitten in der Stadt ein erholsamer Ort. Das war nicht immer so. In den Jahren 1991-1992 war hier die offene Drogenszene von Bern zu finden. Ähnlich dem Platzspitz von Zürich erhielt der Kocherpark dadurch schweizweit eine wenig schmeichelhafte Berühmtheit. Paradox, ist der Park doch nach dem Arzt, Chirurgie-Professor und Nobelpreisträger Emil Theodor Kocher benannt. Eine Büste von ihm, geschaffen von Max Fueter, findet sich denn auch im Park und nennt die Lebensdaten des berühmten Mediziners: 1841-1917.

Den Nobelpreis erhielt Kocher 1909 für seine experimentellen Forschungen zur Schilddrüsenchirurgie und ‑physiologie. Er war der erste Chirurg, der den Nobelpreis erhielt.

Im Kocherpark gibt es keine Drogenszene mehr. Was auch besser zu dieser grünen Oase zwischen den Blocks passt. Auch gut passt der Blick zu den Hochbauten des Insel-Universitätsspitals.

Jörg Niederer

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Kirchenliquidation

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Da, wo sich heute das Hotel Ador in Bern befindet, wirkte viele Jahre die methodistische Gemeinde Bern-Villette in den selben Räumen wie das Hotel Alfa.
Foto: © Jörg Niederer
"'Wirf weg, damit du nicht verlierst!' ist die beste Lebensregel." Christian Friedrich Hebbel (1813-1863)

Entdeckt

Es waren schwierige und düstere Jahre für die Evangelisch-methodistische Kirche in der Schweiz. Innert weniger Jahre mussten aufeinander der Betrieb der kircheneigenen Druckerei CVB Buch und Druck eingestellt werden; das Hotel Viktoria Hasliberg, ein anderes Werk der Kirche, musste wegen des drohendem Konkurses verkauft werden, und auch die EMK Bern-Villette und das Hotel- und Konferenzzentrum "alfa" musste aufgegeben und liquidiert werden.

Der Gebäudekomplex an bester Lage in Nähe zum Hauptbahnhof Bern sieht heute nicht viel anders aus als im Jahr 2004, als hier die kirchliche Arbeit beendet werden musste. Nur ist da eben nicht mehr das alfa-Zentrum, sondern das "Ador" von der Hotelgruppe Sorell zu finden ist. 

Dabei begann alles 1973 mit einem innovativen Konzept: Hotel und Kirchgemeinde in den selben Räumen. Die Säle und Sitzungszimmer wurden so gestaltet, dass sie sowohl als kirchliche Räume wie auch für Konferenzen genutzt werden konnten. Übersetzungskabinen waren in den unterirdischen Kirchensaal integriert. Auch eine Orgel wurde eingebaut. Übrigens waren alle kirchlichen Räume ohne natürliches Licht im 1.bis 4. Untergeschoss zu finden, während Restaurant und Hotelzimmer darüber angelegt waren.

Meine ersten Erinnerungen an das alfa-Zentrum gehen auf das Jahr 1978 zurück, als ich an einer grossen Jugendveranstaltung dort teilgenommen habe. Während des Theologiestudiums absolvierte ich das sechswöchige Gemeindepraktikum in der Villetten-Gemeinde und lernte dabei so einiges vom damaligen Pfarrer Ernst Gisler. Er wohnte mit der Familie im obersten Stock in einer Wohnung, die heute wohl Teil des Hotels ist. Später dann besuchte ich als Pfarrer mit Jugendlichen im alfa-Zentrum eine Lesung der Theologin Dorothee Sölle. Auch Kurt Marti, Dichterpfarrer von Bern, war unter den Zuhörenden. Sehr oft fanden später kirchliche Sitzungen in diesem Haus statt, an denen ich aus beruflichen Gründen teilgenommen habe. Gegessen wurde dann jeweils gleich im Hotelrestaurant.

Als 1999 die Methodistenkirche das alfa-Zentrum aus finanziellen Gründen in eine Genossenschaft überführte, zeichnete sich ab, dass die damals 212 Methodist:innen ihre geistliche Heimat verlieren würden. Bis 2003 blieb der Gemeindebetrieb als Mietverhältnis gewährleistet. Ab 2004 ist der Bezirk Bern-Villette nicht mehr separat in der Statistik der Kirche aufgeführt. Das bedeutet wohl, dass ab dann die Gemeindeglieder sich entweder auf die anderen Gemeinden verteilten oder die Kirche verliessen. 2009 jedenfalls befand sich die Genossenschaft Alfa-Zentrum Bern in Liquidation. Die Evangelisch-methodistische Kirche musste dabei 6 Millionen Franken abschreiben. Auch die Berner Kantonalbank verlor bei dieser ordentlichen Liquidation einen Teil der geschuldeten 7,5 Millionen Franken. 

Bleibt noch zu sagen: Im Alter von 4 bis 6 Jahren lebte ich in Bern. Damals besuchten wir die Villette-Gemeinde, beziehungsweise die Kapelle der Methodist:innen, die damals an dieser Stelle stand. Irgendwo gibt es ein Foto, wie unsere Familie vor dem Eingang jener alten Kapelle steht. Vielleicht finde ich das Foto ja wieder einmal. Wer weiss.

Jörg Niederer

Mittwoch, 30. September 2026

Kapellen werden und vergehen

Ein Zitat

Oben: Die einstige Wesley-Kapelle im Breitenrainquartier von Bern ist heute ein Kulturzentrum. Unten. Ob das wirklich die einstige Markuskapelle in Bern-Liebefeld ist? die Wahrscheinlichkeit ist gross.
Fotos: © Jörg Niederer

"Von der Methodistenkapelle zu Berns erster Adresse für Chanson & Kabarett"
Quelle: La Capella, Bern

Entdeckt

Gestern schrieb ich von einstigen 8 Methodistenkirchen in der Stadt Bern. Nun, es waren nur 7. Bei einer Liegenschaft handelte es sich lediglich um ein Wohnhaus.

Schauen wir heute auf zwei sehr verschiedene Kapellen. Beginnen wir mit der Kapelle, die nach den Gründern der methodistischen Bewegung in England benannt und noch heute so angeschrieben ist, der Wesley-Kapelle. Sie steht im Quartier Breitenrain, war einst ein eigenständiger Kirchenbezirk und zählte 1981 noch 102 Mitglieder. 1993 wurde dort die methodistische Arbeit dann eingestellt. Interessanter Weise findet sich auf der aktuellen Webseite zur Liegenschaft (ich komme noch dazu!) der Hinweis, dass in der 1907 erbauten Kapelle der letzte Gottesdient 1998 stattfand. Vermutlich wurde die Kapelle also von einer anderen Gemeinschaft einige Jahre kirchlich weitergenutzt, bis im Jahr 1998 dann dort ein Kulturzentrum eröffnet wurde, das "La Cappella". So wird die Wesely-Kapelle heute genannt. Auf der Webseite spricht man von einem Vierteljahrhundert mit "grossartiger Kleinkunst", von Sternstunden in der "Wohlfühlkapelle", davon, dass in den letzten 27 Jahren über einen halbe Million Besucher:innen gezählt wurden.

Ganz anders die Markuskapelle in Bern-Liebefeld. Sie war Teil des Kirchenbezirks Bern-Lukaskapelle, also eine sogenannte Aussenstation. Als Standort wird Könizbergstrasse 5a angegeben. Dort steht heute die auf dem unteren Bild abgebildete Liegenschaft. Wie man sieht, ist es ein schon älteres Gebäude. Der Zusatz "a" zur Hausnummer gibt es heute nicht mehr. Eine Bewohnerin, welche seit 2006 im Haus wohnt, weiss zwar von einer Kapelle, die etwa 150 Meter entfernt stand, da wo sich heute ein blaugestrichenes grosses Mehrfamilienhaus befindet. Dass es sich bei einem Teil des Hauses an der Könizbergstrasse einst um eine Kapelle handelte, davon weiss sie nichts. 

Die zwei Türen - sie sehen beinahe ein wenig wie die Eingänge der Judenhäuser in Endingen und Lengnau aus (Siehe Beitrag vom 22. November 2023!), könnten ein Indiz sein, dass im einen Hausteil (Haushälften 5a und 5b mit je eigenen Eingängen?) sich tatsächlich einst die Methodist:innen versammelten. Jedenfalls findet sich ab 1991 in den kirchlichen Dokumenten kein Hinweis mehr auf methodistische Versammlungen an diesem Ort. Die Bewohnerin des Hauses, mit der ich sprach, wusste davon, dass hier einmal ein Schuhmacher wirkte und auch ein Blumenladen untergebracht war. Heute ist dort ein Fahrradverlag "VeloKultur" untergebracht und es finden Ausstellungen statt, aktuell gerade passend zum Thema Schuhe. Im verwilderten Garten entdecke ich eine hübsche schwarze Katze. Das Haus wirkt lebendig, Menschen gehen ein und aus. Ebenfalls im Haus zu finden ist eine Gemeinschaftspraxis für Atemtherapie, Psychosoziale Beratung und Craniosacral-Therapie. Auch eine Abschieds- und Ritualbegleiterin gehört zum Praxisteam. Die 3-Zimmer-Wohnung im 2. Obergeschoss ist aktuell ausgeschrieben für CHF 1740.- exkl. Nebenkosten. Gesucht werden nette Nachbarn.

So also kann Leben in der einstigen Kirche auch aussehen.

Jörg Niederer

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