Ein Zitat
"Friede wünsch ich dir / und Friede wünsch ich mir / Friede mit ois allne und für die ganzi Wält." Lied, gesungen bei der "Stunde voller Hoffnung" vom vergangenen Sonntag in Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
Entdeckt
Sie nannten es "Eine Stunde voller Hoffnung", doch eigentlich war es ein Gottesdienst. Nun ist es so, dass bei einem interreligiösen Anlass die Beteiligten keine falschen Erwartungen wecken wollen. Sie wollen sich zwar über die Konfessions- und Religionsgrenzen nahe sein, aber dann doch nicht zu nahe. Also darf es nicht Gottesdienst genannt werden, denn Muslime und Christen feiern keine gemeinsamen Gottesdienste. Auch das mit der Stunde voller Hoffnung stimmte nur bedingt, dauerte der Anlass doch beinahe 90 Minuten. Je mehr Prediger – es waren alles Männer – sie vertraten die katholische Pfarrei St. Anna Frauenfeld, die Albanisch islamischen Gemeinschaft Frauenfeld, die Neuapostolischen Kirche Frauenfeld und die Evangelische Kirchgemeinde Frauenfeld, desto mehr Worte, desto länger geht es halt. Doch da war ja auch noch der begeisternde Union Gospel Choir und die Albanische Tanzgruppe, die mit ihren Liedern und Tänzen Farbe und Vielstimmigkeit zelebrierten, an diesem Sonntagmorgen auf der Stadtbühne des Mitsommerfests 2026 in Frauenfeld. Multikulturell und multireligiöse – das passte wunderbar zum Abstimmungssonntag, an dem eine beachtliche Mehrheit der Schweizer Stimmberechtigten dem Vorhaben einer fremdenfeindlichen und isolationistischen Schweiz eine Absage erteilten. Zum Zeitpunkt der Feier stand dieses Ergebnis allerdings noch nicht fest. Noch herrschte das Prinzip Hoffnung.
Diese Hoffnung klang auch an bei einem Poetry Slam-Beitrag. Dies Hoffnung wurde zelebriert, indem ein Hoffnungsbaum mit Hoffnungsworten geschmückt wurde (er wird so auf dem Friedhof Frauenfeld eingepflanzt), indem kleine Anker mit Glitzerfarben verschönert wurden und indem ein Speed-Dating der Hoffnung zu neuen Begegnungen führten.
Also mir hat diese Vielfalt der Hoffnung gefallen und Mut gemacht, weiter für eine offene Gesellschaft in unserem Land einzustehen.
Jörg Niederer





