Ein Zitat
"Unsere Idee war es, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit anhand dieser machtvollen und hochwertigen Botschaft zu erreichen, die von den Genfer Behörden nicht ignoriert werden konnte." Paul Vermeulen, Mitbegründer von Handicap International Schweiz und Initiator des "Broken Chairs".
Foto: © Jörg Niederer
Entdeckt
Auf der Place des Nations steht der Broken Chair auf drei Beinen. Das 12 Meter hohe Kunstwerk des Künstlers Daniel Berset erinnert seit 1997 als Mahnmal an die Opfer von Explosivwaffen, insbesondere von Antipersonenminen, Streubomben und gegen Zivilisten gerichtete Explosivwaffen.
Ich erinnere mich gut, wie wir uns im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche für dieses Verbot eingesetzt haben, und wie ich zuvor im Militärdienst noch gelernt habe, wie man solche Minen einsetzt und Minenpläne zeichnet.
Im Jahr 1997 wurde die Ottawa-Konvention eingeführt. Dieser Vertrag verbietet den Handel, die Produktion, die Lagerung und den Einsatz von Antipersonenminen. Weiter schreibt sie die Vernichtung von Lagerbeständen innerhalb von vier Jahren, die Räumung minenverseuchter Gebiete innerhalb von zehn Jahren sowie die Bereitstellung finanzieller Mittel für die Minenopferhilfe vor. Nach der Unterzeichnung am 3. Dezember 1997 hat die Schweiz dieses Abkommen am 11. Juli 2000 ratifiziert. Bis heute sind 166 Staaten dem Abkommen beigetreten.
Die Zivilbevölkerung ist mit 85% Hauptleidtragende von Personenminen. Die Sprengkraft solcher Minen ist so dosiert, dass die Opfern oft mit abgerissenen Gliedmassen überleben. Das wird beim Kunstwerk "Broken Chair" mit dem einen abgerissenen Stuhlbein symbolisiert.
Das Verbot der Antipersonenminen zeigt einen beachtlichen Erfolg: Seit deren Umsetzung vor über 25 Jahren konnte die Zahl der Minenopfer von rund 25’000 im Jahr 1999 auf weniger als 5000 im Jahr 2023 gesenkt werden. Doch nun gibt es wieder einen Trend in die andere Richtung. So haben im vergangenen Jahr Finnland, Estland, Lettland, Litauen und Polen ihren Ausstieg aus dem Vertrag über das Verbot von Antipersonenminen angekündigt. Russland setzt im Angriffskrieg gegen die Ukraine Antipersonenminen ein und bombardiert die Zivilbevölkerung. Auch die Ukraine hat in kleinerem Rahmen Antipersonenminen eingesetzt. Im Jahr 2023 zählte man in Myanmar 1003 Minenopfer, in Syrien 933, in Afghanistan 651, in der Ukraine 580 und im Jemen 499. Noch immer sind in 55 Ländern Landstriche mit Minen verseucht. Es gibt diesbezüglich also noch viel zu tun.
Jörg Niederer





