Ein Zitat
"Wir alle teilen ein einziges Schicksal namens Mazedonien." Boris Trajkovski (1956-2004)
Foto © Jörg Niederer
Hingesehen
Nicht vielen Menschen, die als Gast einmal an einem Ort gepredigt haben, an dem ich als Pfarrer wirkte, wurde ein richtiges Denkmal erreichtet. Genauer gesagt: Es ist wohl lediglich einer. Es war in Reinach, als ein mazedonischer Delegierter an die Zentralkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche im Gottesdienst predigte. Vorgängig übersetzte ich mit einer Frau zusammen seinen englischsprachigen Predigttext auf Deutsch. Das musst so in den Jahren 1996/97 herum gewesen sein.
Boris Trajkovski war mir damals unbekannt. Er wurde 1956 in Strumica geboren, wo er auch in der Methodistenkirche wirkte und Kindern in der Sonntagschule biblische Geschichten erzählte.
1999 dann war er der Präsident des Landes, das im Kosovokrieg viele Flüchtlinge aufgenommen hatte. Unterstützt wurde er auch von der muslimischen Minderheit im Land, während viele Orthodoxe ihn wegen seiner evangelischen Konfession nicht wählten.
Auch in der Zeit als Präsident besuchter er die Methodistenkirche und hielt auch weiter Sonntagschule.
Der aufgestellte, fröhliche Mann engagierte sich für einen Religionsfrieden im Land, zu einer Zeit, als die Spannungen auf einen Bürgerkrieg hinsteuerten, und holte die verschiedenen Religionsvertreter an einen Tisch.
Am 26. Februar 2004 auf dem Flug nach Mostar stürzte die mazedonische Präsidentenmaschine aus bis heute nicht geklärten Umständen kurz vor der Landung ab. Boris Trajkovski und weitere acht Menschen kamen dabei ums Leben.
Gestern bin ich in Strumica an seinem Denkmal vorbeigekommen. Das hat mich sehr berührt.
Jörg Niederer





