Samstag, 10. Oktober 2026

Es war doch keine Kapelle

Ein Zitat

Neben dieser Liegenschaft befand sich einst die methodistische Markuskapelle in Bern-Liebefeld.
Foto: © Jörg Niederer
"Bei solchen Anlässen [wie der Landesausstellung von 1914] kamen sogenannte Evangelisationswagen (oft auch als Bibelwagen oder Kapellenwagen bezeichnet) zum Einsatz." Google KI

Entdeckt

In einem Blog-Beitrag habe ich gewerweisst, ob es sich bei der Liegenschaft an der Könizbergstrasse 5 in Bern-Liebefeld um die einstige methodistische Markuskapelle handelt. Zwischenzeitlich weiss ich, dass das nicht der Fall ist. Die Kapelle gibt es heute nicht mehr. Sie stand südlich angrenzend an das auf dem Foto abgebildeten Haus. Darüber informierte mich die einstige Sigristin Marianne T.

Historische Aufnahmen vom Evangeliumswagen, der vor Errichtung der Markuskapelle im Einsatze war.
Foto: © Marianne T.
Ein Foto der Kapelle konnte sie nicht auffinden. Jedoch erhielt ich von ihr historische Aufnahmen von einem Evangeliumswagen, der 1914 an der Landesausstellung als Kapelle für Gottesdienste eingesetzt wurde. Danach sollte er in Südwestfrankreich als fahrende Kirche genutzt werden. Kriegsbedingt begrub man diesen Plan. So kaufte die Evangelische Gemeinschaft, eine Vorgängerkirche der heutigen Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) den Wagen und verwendete ihn als stehende Kirche in Bern Liebefeld. Gerade auch für die Sonntagschule wurde, wie man auf den historischen Fotos sieht, der Wagen intensiv genutzt.

Später dann konnte ein Grundstück erworben werden am Dianaweg, einer Seitenstrasse zur Könizbergstrasse. 1936 wurde darauf eine Kapelle errichtet und 1938 eingeweiht. Etliche Jahr entwickelte sich die Arbeit in der Kapelle an der Könizbergstrasse 5a gut. Doch mit neuer kirchlicher Konkurrenz und veränderten Umständen stellte sich die Frage, ob diese Arbeit noch einmal wiederbelebt werden könne. Umbaupläne für eine Erweiterung des Hauses scheiterten am Besitzer der Liegenschaft mit den Garagen, selbst ein Mitglied der EMK. Er und noch eine weitere methodistische Familie wohnten damals in dem Haus an der Könizbergstrasse 5.

So entschied man sich, die Kapelle und das Grundstück zu verkaufen, was 1991 auch geschah. Marianne T. schrieb dazu: "Im Nachhinein sind wir alle froh, wurde nichts aus dem Umbau."

Die Kapelle beschrieb Marianne T. wie folgt: "… die Kapelle war an einen Hang gebaut, und hinter dem Haus lag ein ansteigender Garten mit Pflanzplätz, der von verschiedenen Parteien genutzt wurde. Im Parterre befand sich ein Jugendraum mit WC und winzig kleinem Küchenteil. Eine Aussentreppe führte zum oberen Stock, dem Predigtsaal, welcher vielseitig genutzt wurde. Da war ein Parkettboden, den Freiwillige später versiegelten, was eine grosse Erleichterung war. Und wie gesagt: dort wo die Kapelle stand, ist jetzt ein modernes Mehrfamilienhaus."

Der Verkaufserlös kam zwei anderen methodistischen Kapellen zugute: einmal der Methodistenkirche in Belp, und dann der Lukaskapelle im Weissenbühl-Quartier. Erstere gibt es nach wie vor, die Lukaskapelle ist mittlerweile verkauft und zu einem Wohnhaus umgebaut.

Jörg Niederer

Freitag, 9. Oktober 2026

Gewohnheitstiere

Ein Zitat

Eine Reiterin auf Pferd, unterwegs zwischen zwei Bäumen, ist schemenhaft durch den Nebel zu sehen.
Foto: © Jörg Niederer
"'Leben' heißt rückwärts gesprochen 'Nebel'." Redensart

Entdeckt

An vergangenen Sonntag versammelten sich bei Wolfikon einige Enthusiast:innen zur EuroBirdwatch 2026. Es galt, Zugvögel zu beobachten und zu zählen. Ausgerechnet an diesem Morgen nebelte es zum ersten Mal sehr in diesem Jahr. Dadurch verringerte sich die Zahl der Beobachtungen massiv. Denn viele Vögel mögen es nicht, bei Nebel zu reisen.

Doch Nebel hat auch seinen Reiz. Er verwirrt die Sinne, die Landschaft wirkt geheimnisvoll und überraschend. Eine Reiterin auf dem Pferd, erst hörte man nur den Klang der Hufen, dann zeigten sich die ersten verschleierten Umrisse. Minuten später dann scheute das Pferd vor den Werbetafeln zur EuroBirdwatch am Wegrand. Das Pferd, das den Weg wohl schon hunderte Male gegangen war, traute diesem seltsamen Gebilde am Strassenrand, das aus seiner Sicht hier nicht sein sollte, so gar nicht, tänzelte nervös herum, schnaubte und liess sich von der Reiterin nur widerwillig beruhigen.

Pferde sind eben auch Gewohnheitstiere. Sie mögen keine Überraschungen.

Das galt wohl auch für den Rotmilan, den es auf dem Foto ebenfalls zu entdecken gilt. Er liess sich nicht von den Menschen mit ihren Ferngläsern davon abhalten, auf seinem Baum zu verbleiben. Oft sind Gewohnheiten sowohl Menschen und Tieren heilig. Auf Nebulöses wird entsprechend reagiert.

Jörg Niederer

Donnerstag, 8. Oktober 2026

Und es gab sie doch

Ein Zitat

Oben: Einstige methodistische Kapelle in Wahlendorf. Unten. Standort der einstigen Kapelle (roter Pfeil) in Wahlendorf.
Foto oben: © Fritz Z. / Foto unten: © Jörg Niederer
"Dobe, gäge Houzegge, uf dr Schnäggehöchi, isch es Tätschhüttli gsi, d’Bhusig vo dr Familie Schnägg Fritz. Wie mängs Ching, dass dert gsi isch ha ni nie gwüsst, sicher so es haubs Dotze…" (Oben, gegen die Holzegg, auf der Schneckenhöhe, stand ein kleines Häuschen, die Behausung der Familie Fritz Schnägg. Wie viele Kindern es dort hatte, wusste ich nie genau, sicher ein halbes Dutzend mussten es gewesen sein...) Geschichten aus Wahlendorf, niedergeschrieben von Ernst Hegg

Entdeckt

Und es gab sie doch, die methodistische Kapelle in Wahlendorf (Siehe Blog vom 6. Oktober 2026). Eine Blog-Leserin gab mir den richtigen Tipp. Eine zu einer gemütlichen Kapelle umgestaltete Holzbaracke in einem privaten Garten (hinter dem Haus, auf das der Pfeil im unteren Bild zeigt) diente ab dem 7. September 1975 bis zum letzten Gottesdienst 2005 als Ort der Verkündigung und Sonntagschule. Von Fritz Z. erhielt ich umfangreiche Informationen. Die Familie Z. war denn auch gemeinsam mit dem damaligen Pfarrer Heinz Stirnemann Initiant der Kapelle. Im Beitrag anlässlich des letzten Gottesdienstes steht: "Dieser Standort ist in Wahlendorf vor allem bekannt, weil hier die Sonntagschule, mit zum Teil grosser Teilnehmerzahl stattfinden konnte. Das jährliche Erntedankfest sowie das Weihnachtfest zog jeweils eine grosse Anzahl von Gästen an, das Lokal konnte diese grosse Schar kaum aufnehmen." Die Sonntagschule musste dann aber 2003 geschlossen werden, weil die Anzahl Kinder stark zurückgegangen sei.

Fritz Z. zeigt sich in einem Kommentar denn auch etwas endtäuscht darüber, dass man sich nicht mehr an die Kapelle erinnere, welche 2008 wieder zurückgebaut wurde. Doch vielleicht habe ich einfach falsch gefragt. Es wäre wohl klüger gewesen, nach einem früheren Sonntagschul-Standort zu fragen, statt nach einer Kapelle. Diese, so Fritz Z., sei von Teilen der Wahlendorfer Bevölkerung auch etwas spöttisch als "Bätt-Schopf" bezeichnet worden. Ein Schopf ist halt in den Augen vieler keine Kapelle, auch wenn sie genau so genutzt wurde.

Mich freut, dass ich dank einer Leserin und Fritz Z. nun doch etwas erfahren konnte über die Präsenz der Methodist:innen in Wahlendorf. Diese geht aufs Jahr 1920 zurück. Bis 1940 traf man sich in einem Lokal der Evangelischen Gemeinschaft (eine Vorläuferkirche der Evangelisch-methodistischen Kirche) zu Gottesdienst und Sonntagschule. Danach diente der Vereinstreffpunkt des Blauen Kreuzes den kirchlichen Anliegen bis eben 1975 die nun wieder "aufgetauchte" Kapelle eingeweiht werden konnte.

Jörg Niederer

Mittwoch, 7. Oktober 2026

Herbst

Ein Zitat

Wolken ziehen über die abgeernteten und neu angesäten Felder bei Grissenberg.
Foto: © Jörg Niederer
"Es ist nun der Herbst gekommen, / Hat das schöne Sommerkleid / Von den Feldern weggenommen..." Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Entdeckt

Der Herbst ist nicht nur die Zeit der Ernte und Überfülle. Der Herbst ist auch eine Zeit, in der sich alles konzentriert, seine Kompliziertheit verliert und einfach wird. Die Felder bestellt für den Winter grenzen sich kontrastreich voneinander ab. Gerade Linien dominieren, darüber Wolken unter einem endlosen Himmel. Die Landschaft beruhigt. Nichts muss mehr aufregen. Alles fügt sich. Alles ist.

Jörg Niederer

Dienstag, 6. Oktober 2026

Namenlos in Wahlendorf

Ein Zitat

Wahlendorf liegt am Frienisberg im Kanton Bern, zwischen Wohlen bei Bern und Lyss.
Foto: © Jörg Niederer
"Die Kirche im Haus, die Verkündigenden ohne ein Haus."
Grundsatz der "Namenlosen", eine christliche Sondergruppe

Entdeckt

Wahlendorf liegt am Frienisberg zwischen Wohlen bei Bern und Lyss. Gemäss methodistischen Konferenzunterlagen von 1981 soll es hier eine Kapelle gegeben haben. Bedient wurde der Predigtplatz durch die Pfarrpersonen, die in Bern-Bümpliz stationiert waren.

Nur kann sich in Wahlendorf niemand von den älteren Menschen an eine Kapelle erinnern oder an methodistische Versammlungen: "Eine Kapelle habe es hier nie gegeben." Was es dagegen hat: Einen originellen Dorfladen in der einstigen Käserei. Das Restaurant Rössli, das genau an zwei Tagen im Monat geöffnet hat. Sonst habe es nichts, auch keine Kapelle, wie mir ein Alteingesessener versichert. Vielleicht weiss ja jemand von den Leser:innen mehr über die methodistische Kapelle in Wahlendorf. Dann wäre ich froh um entsprechende Nachricht.

Nachtrag: Zwischenzeitlich weiss ich, dass es eine Kapelle in Wahlendorf gab. Hier kann man mehr erfahren!

Dafür habe ich von einer anderen christlich-frommen Gruppe erfahren, die sich genau einmal im Jahr aus der ganzen Schweiz in Wahlendorf (und übrigens auch in Stilli bei Brugg) zusammenkommt: Sie werden die "Namenlosen" genannt, oder auch "Two-by-Twos". Eine offizielle Eigenbezeichnung haben sie nicht. Gegründent wurde diese Gemeinschaft 1897 vom Schotten William Irvine in Irland. Ihm ging es darum, das ganze kirchliche Leben an den Aussendungsreden in Matthäus 10 auszurichten. Prediger, Boten genannt, hatten keinen Besitz, und lebten bei Angehörigen der Gemeinschaft. Gemeindeglieder waren stets zu Zweit unterwegs. Man versammelte sich in Privathäusern. Fernsehen und Radio hören war verboten. Äusserlich musste man konservativ und sittlich gekleidet sein. Nur Erwachsene werden (wieder-)getauft. Auch versteht man sich als einzige Gemeinschaft, die zum Heil führt. Missioniert wird auch in anderen Kirchen, aber wenn jemand Teil der Namenlosen wird, muss er aus seiner angestammten Kirche austreten. Konsequent nur, dass man nicht mit anderen christlichen Gemeinschaften und Kirchen zusammenarbeitet. Lange war man bei den Namenlosen überzeugt, dass man direkt in der Tradition der von Jesus ausgesandten Jüngern steht. Viele wussten nichts von einer Gründerperson.

Bei den Treffen in Wahlendorf und Stilli handelt es sich wohl um die Hauptversammlungen dieser sonst recht losen Glaubensgemeinschaft. 

Aktuell laufen in den USA gegen Prediger der Two-by-Twos Untersuchungen des FBI wegen sexuellen Missbrauchs an mehreren Personen. Da die Taten weiter zurückliegen, geht man aktuell nicht davon aus, dass sie zu einer Verurteilung führen werden.

Relinfo zählt die Namenlosen zu den fundamentalistischen Sondergruppen, zu denen auch die Amischen oder der Evangelische Brüderverein gezählt werden. In der Schweiz gebe es wohl etwa 500-750 Mitglieder, weltweit sind es gegen eine Million.

So bin ich, auf der Suche nach einer methodistischen Kapelle zwar nicht fündig geworden, jedoch zum ersten Mal in meinem Leben, und ausgerechnet in diesem kleinen Dorf, auf die Namenlosen gestossen.

Jörg Niederer

Montag, 5. Oktober 2026

Morgentau-Bad

Ein Zitat

Eine späte Raupe des Schwalbenschwanz-Schmetterlings sitzt zuoberst auf einem Fenchelzweig, bekleidet mit vielen kleinen, herbstlichen Tautropfen.
Foto: © Jörg Niederer
"Wer klein genug ist, kann im Tautropfen baden." Sprichwort

Entdeckt

In einem wunderschönen Mischkulturen-Garten eines Bauern aus dem Thurgauer Ort Wolfikon sitzt am frühen Morgen, ganz von winzigen Tautropfen überzogen, eine späte Raupe des Schwalbenschwanz-Schmetterlings. Die letzte Raupengeneration eines Kalenderjahrs von diesem Schmetterling überwintert in der Regel als Puppe. Doch nun ist es schon Oktober, und die Raupe ist gerade erst knapp zwei Zentimeter lang. Bis spätestens im November muss sie noch auf 4,5 bis 5 Zentimeter Länge heranwachsen, um sich dann als Puppe durch den Winter zu bringen.

Ob diese Raupe dazu noch in der Lage sein wird? Ich würde es ihr wünschen. Auf dass aus ihr dann einer der ersten Schwalbenschwanz-Schmetterlinge wird, der im Frühjahr unser Herz mit seinen Flugkünsten erfreut.

Jörg Niederer

Sonntag, 4. Oktober 2026

Noch einmal: Abschied vom Schlagerpfarrer

Ein Zitat

Der Jodelklub Hirzel singt in Wädenswil im Erntedank-Gottesdienst, in dem der Schlagerpfarrer Stefan Moll verabschiedet und der Schlagerpfarrer Simon Züricher begrüsst wird.
Foto: © Jörg Niederer
"Ein frohes Stündlein, / ist's nicht ein Fündlein? / jetzt haben wir's, jetzt sind wir froh." Johann Peter Hebel (1760-1826)

Entdeckt

Am vergangenen Sonntag wurden der Schlagerpfarrer Stefan Moll in einem Erntedankgottesdienst in der Evangelisch-methodistischen Kirche Wädenswil feierlich in den Ruhestand verabschiedet und zugleich der neue Schlagerpfarrer Simon Zürcher in diese Aufgabe eingesetzt (Siehe Beitrag vom 28.09.2026!). Wer bei diesem volkstümlichen Gottesdienst nicht vor Ort dabei sein konnte, hat heute eine zweite Chance. Dieser Gottesdienst wurde vom Sender musig24.tv aufgezeichnet. Der Festgottesdienst wird heute um 10.00 Uhr auf musig24.tv erstausgestrahlt. Es folgen Wiederholungen am Montag, 5. Oktober 2026 um 14.10 Uhr sowie in der Dienstagsnacht (6. Oktober 2026) um 00.15 Uhr. Der Sender kann auch über das Festnetz blue TV von Swisscom empfangen werden.

Jörg Niederer

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Ein Zitat Foto: © Jörg Niederer "Bei solchen Anlässen [wie der Landesausstellung von 1914] kamen sogenannte Evangelisationswagen (oft ...