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Montag, 23. Februar 2026

Der Hund in der Kirche

Ein Zitat

Statue des Heiligen Rochus mit Hund und Pestwunde in der Chiesa San Lorenzo in Isone.
Foto © Jörg Niederer
"Er sucht das Brot in der Hundehütte." Alte Redensart mit der Bedeutung, etwas Törichtes zu tun.

Hingesehen

Vor einigen Tagen schrieb ich über den Hund, der sich mir auf meiner Wanderung von Tesserete nach Isone für einige Zeit angeschlossen hatte (Siehe Beitrag vom 20. Februar 2026!). Der Zufall wollte es, dass ich zwei Stunden später in der Chiesa San Lorenzo in Isone einem weiteren Hund begegnete, was aussergewöhnlich ist, halten sich Hunde doch meist nicht in Kirchen auf.

Da war nahe beim Eingang diese Statue eines Heiligen. Es musste ein Pilger gewesen sein, war er doch mit Jakobsmuscheln geschmückt. Zu seinen Füssen entdeckte ich diesen kleinen, knuffigen Hund mit einem Brötchen im Mund. Erst dachte ich an den Apostel Jakobus, doch dann brachte mich eine Suche im Internet auf den Heiligen Rochus von Montpellier. Der Überlieferung nach lebte er in den Jahren 1295-1379. Er schloss sich den Franziskanern an. Auf einer Pilgerreise nach Rom pflegte und heilte er unterwegs Menschen, die an Pest erkrankt waren. Auch er selbst steckte sich in Piacenza mit der tödlichen Krankheit an, zog sich darauf in die Einsamkeit zurück, bis er auf wunderbare Weise wieder geheilt wurde. Danach kümmerte er sich weiter um pestkranke Menschen.

Was aber hat es mit dem Hund zu seinen Füssen auf sich? Dieser Hund eines Junkers soll ihm täglich solange Brot vorbeigebracht haben, wie seine selbstgewählte und pestbedingte Isolation gedauert habe.

Besonders in den Zeiten der Pestzüge in Europa war der Heilige Rochus ein beliebter Heiliger. Ein Revival erlebte er erst kürzlich wieder während der Corona-Pandemie.

Abwegig ist es nicht, dass Hunde Kranken dienen. Gut bekannt sind die Blindenführhunde oder Assistenzhunde von körperlich Beeinträchtigen. Seit einiger Zeit werden die Vierbeiner auch als Begleitung von an Epilepsie leidenden Menschen eingesetzt, da sie am Geruch erkennen können, wann ein weiterer Anfall kurz bevorsteht und so den oder die Erkrankte:n rechtzeitig warnen können.

Jörg Niederer

Freitag, 20. Februar 2026

Auf den Mensch gekommen

Ein Zitat

Ein mittelgrosser Mischlingshund begleitete mich zwischen Lelgio und Ranscea auf dem Fernwanderweg ViaGottardo.
Foto © Jörg Niederer
"Gleich wenn der Winter-Schnee auftauet und man den blossen Leib der Erde zum ersten mal wieder sieht, fängt diese Viel-Schönheit an..." Matthias Claudius (1740-1815)

Hingesehen

Plötzlich war er da. Auf der Höhe von Lelgio, da wo sich das Gehöft mit den neugierigen Ziegen befindet, stand er an meiner Seite. Der schwarze, mittelgrosse Hund mit dem einen hellen Bein sah ein bisschen so aus wie diese agilen Hirtenhunde, die geschickt ganze Schafherden dirigieren und treiben können. Ging ich voran, folgte er mir oder eilte neugierig herumschnuppernd voran. Ab und zu hob er das Bein. Blieb ich stehen, schaute er, was ich tat, kam zurück zu mir, wie als wollte er mich abholen. Er war sichtlich besorgt und ein vielfaches flinker als ich auf diesem ansteigenden Pfad. Bald machte ich mir Sorgen. Das Halsband war ein untrügliches Zeichen, dass er irgendwo da hinter mir ein Zuhause haben musste. Oder war er entlaufen und auf der Suche nach einem neuen Rudel. Was, wenn er mir bis Isone folgt, und dann ins Postauto springt? Würde man mir glauben, dass es nicht mein Hund ist, oder von mir verlangen, dass ich für ihn bezahle.

Die Aufmerksamkeit des Tieres tat gut, die stille Verständigung, seine wachsame freundliche Art. Dann war Zeit für einen kleinen Imbiss, da wo in Luera ein:e Anwohner:in in einem Kästchen am Wanderweg, direkt neben einer Gartenbank, den Fussreisenden kostenlosen Grappa offeriert. An diesem Ort überkam den Vierbeiner eine sichtliche Unruhe. Mehrfach setzte er sich hin und schaute hinunter ins Tal, an dessen Ende der Lago di Lugano blau zwischen den Bergen leuchtete. Fast etwas ärgerlich bellte der Hund ein einziges Mal, als wolle er die Seinen herbeirufen. Dann war er wieder weg. So sorgfältig er mich hinaufbegleitet hatte, so zielstrebig eilte er nun den Weg zurück, und verschwand bald schon meinen Blicken. Schade, dachte ich. Doch sogleich überkam mich auch eine gewisse Erleichterung. Der Hund hatte die Verantwortung für sein Leben wieder aus meiner Hand genommen. 

Jörg Niederer

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