Donnerstag, 9. Juli 2026

Dekadenz im Tierreich

Ein Zitat

In Saas-Fee lässt sich ein Murmeltier mit einer geschälten Karotte aus der Hand füttern.
Foto © Jörg Niederer
"Der Mensch ist im Grunde ein wildes, entsetzliches Tier. Wir kennen es bloß im Zustand der Bändigung und Zähmung." Arthur Schopenhauer (1788-1860)

Entdeckt

In Arosa sind es die Eichhörnchen und Tannenhäher, die den Passant:innen aus den Händen fressen. In Venedig setzen sich Tauben auf Arm, Schulter und Kopf. In Morges am Genfersee besuchen dich die Spatzen am Frühstückstisch und picken dir die Brosamen aus Hand und Teller. An der Nordsee haben die Möwen die Scheu verloren und reissen dir Frikadellen und Eiscreme aus der Hand. Und in Saas-Fee sind es eben die Murmeltiere, die sich aus der Hand füttern lassen, ja sogar gestreichelt werden können.

Wildtiere, die ihre natürliche Scheu verloren haben, das mag für Kinder und Erwachsene eine Attraktion sein. Ob es für die Tiere gut ist? Jedenfalls verdienen sich die Gemüsehändler in Saas-Fee mit geschälten Karotten, den Bund zu fünf Franken, einen ordentlichen Zusatzbatzen. Für den Tourismus ist es auch gut, spricht sich doch herum, wie nahe man in diesem natürlichen Streichelzoo den Alpennagern kommen kann.

Mir ist diese Vertrautheit von Mensch und Tier dennoch nicht ganz geheuer. Kann das auf Dauer gut gehen? Was, wenn die Fütterung ausbleibt, oder wenn die Munggen ob dem vielen vor die Nase gehaltenen Gemüse keine Wintervorräte mehr sammeln. Ist das nun die Dekadenz der Murmeltiere?

Andererseits, erfüllt sich da nicht ein wenig die biblische Verheissung vom Löwen und Kalb, die in Frieden beieinanderliegen (Jesaja 11,6)? Das vegetarische Alpenmurmeltier und der karnivore Mensch, freudig-friedlich vereint? Vielleicht hat sich gerade noch jemand mit einer Salbe auf Basis von Murmeltierfett den verkrampften Muskel eingerieben, und nun zieht er wieder strammen Schritts zur Wildtierfütterung der vorgezähmten Biberverwandten.

So ein bisschen Frieden auf Erden zwischen Mensch und Tier ist doch immer schön, oder nicht? Da kann man doch nichts dagegen haben? Das ist Action in den Bergen, auch für Influenzer:innen.

Mittwoch, 8. Juli 2026

Der Schmetterling und die Cancel culture

Ein Zitat

Ein Falter der Familie Erebia, vermutlich der Mandeläugige Schwärzling, sitzt ob Saas-Grund mit ausgebreiteten Flügeln auf dem Wanderweg.
Foto © Jörg Niederer
"Der Mensch hat freien Willen – d.h., er kann einwilligen ins Notwendige!" Friedrich Hebbel (1813-1863)

Entdeckt

Für einmal flatterte er nicht die ganze Zeit um uns herum, sondern sass mit ausgebreiteten Flügeln auf dem Boden: ein Schmetterling aus der Familie "Erebia", vermutlich "Erebia alberganus", oder auf deutsch "Mandeläugige Mohrenfalter". Das Wort "Erebia" ist sprachlich verwandt mit dem Wort "Erebos". Damit wird die Unterwelt, auch die Finsternis oder Dunkelheit bezeichnet. Es wäre also naheliegend, wenn die rund 80 Erebia-Arten im Deutschen als "Dunkelfalter" bezeichnet würden. Stattdessen werden sie "Mohrenfalter" genannt. Vielleicht nannten die Bergbauern sie schon so, als der wissenschaftliche Name noch nicht feststand, und das Wort "Mohr" noch nicht den schalen rassistischen Beiklang hatte. Jedenfalls wehren sich viele Lepidopterolog:innen mit Händen und Füssen, eine Umbenennung vorzunehmen für diesen kleinen Schmetterling. Das musste der Ethnologe und Journalist Felix Riedel bitter erfahren, als er im Lepiforum, einem Fachforum der Schmetterlingskundler:innen vorschlug, die Mohrenfalter in Bräunlinge umzubenennen (Siehe GEO-Beitrag!).

Nun haben Schmetterlinge mit dunkelhäutigen Menschen etwas so viel oder so wenig zu tun wie mit hellhäutigen Personen. Auch sind wir heute weit entfernt davon, das Wort "Mohr" neutral zu verwenden, also im Sinn von "Dunkel". Heute schwingt immer auch eine abwertende und rassistische Bedeutung mit. Ganz ähnlich, wie beim Wort "Dirne" heute niemand – wie etwa zur Zeit Martin Luthers – eine achtenswerte Frau meint, sondern automatisch ans Rotlichtmilieu denkt. Einem Afrikaner heutzutage "Mohr" zu sagen ist etwa so verletzend, wie wenn man eine Frau heute als "Dirne" bezeichnet. Es gibt keinen "anständigen" Grund mehr, das Wort "Mohr" weiter zu verwenden, weder beim Gebäck noch bei den Schmetterlingen noch sonst wo. Warum das so schwer zu verstehen ist, entzieht sich meiner Intelligenz. Zumal im deutschsprachigen Raum diese Schmetterlinge auch etwas unbefangener "Schwärzlinge" genannt werden können und die Bezeichnung "Dunkelfalter" nebst dem von Felix Riedel vorgeschlagenen "Bräunling" auch möglich wäre. Ich jedenfalls nennen diesen Falter ab heute "Schwärzling" oder eben "Mandeläugiger Schwärzling". Das kostet mich nichts. Es kostet mich genauso wenig wie die inklusive Schreibweise. Ich bin sicher, irgendeinmal in vielen Jahren werden das auch die Lepidopterolog:innen so sehen und über ihren "erebischen" Schatten springen können.

Jörg Niederer

Dienstag, 7. Juli 2026

Der Vogel und die Wiesen

Ein Zitat

Baumpieper. Singendes Männchen unterhalb des Kreuzbodens bei Saas-Grund.
Foto © Jörg Niederer
"Fliegt der erste Morgenstrahl / Durch das stille Nebeltal, / Rauscht erwachend Wald und Hügel: / Wer da fliegen kann, nimmt Flügel!" Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Entdeckt

Noch ein Vogel, der von den Veränderungen in der Landwirtschaft erzählt. Erstmals bewusst begegnete ich dem Baumpieper im Kanton Schaffhausen auf einer Wanderung durch die dortigen extensiv bewirtschafteten Blumenwiesen. Das ist denn auch genau der Ort, an dem der kleine Vogel am Boden brütet. Im Mittelland und auch immer mehr in den Voralpen werden die Wiesen jedoch oft schon im Mai und Juni geschnitten. Damit gehen auch die Bruten der Baumpieper verloren. Wie die meisten Bodenbrüter hat er daher im schweizerischen Mittelland einen schweren Stand. Zwischen 1988 und 2008 ist der Bestand im Kanton Zürich um 90% zurückgegangen. Am Bodensee sind es 95% zwischen 1980 und 2010. Im Jura ist der Baumpieper seit 1985 fast vollständig verschwunden.

Den Baumpieper auf dem Foto habe ich unterhalb des Kreuzbodens bei Saas-Grund gesehen. Dort in den höheren Lagen ab 1400 m. ü. M. ist sein Bestand ungefährdet. Dort kann man seinen markanten Singflug noch beobachten. Dort findet er noch Wiesen, die nicht so schnell gemäht werden. Natürlich sieht man in dieser Berglandschaft auch den häufigsten Pieperverwandten, den Bergpieper. Mit diesem teilt der Baumpieper sich den Lebensraum Gebirge.

Jörg Niederer

Montag, 6. Juli 2026

Heiss-Gas

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Abkühlung an der Limmat in Baden AG.
Foto © Jörg Niederer
"Ach, dass der Mensch so häufig irrt / Und nicht recht weiss, was kommen wird!" Wilhelm Busch (1832-1908)

Entdeckt

Es ist heiss geworden bei uns. 1,5-1,7 Grad wärmer. In Zukunft wird es wohl noch wärmer. Der menschgemachte Klimawandel ist in vollem Gang und wird uns wohl noch viel kosten.

Heute las ich in der Sonntagszeitung, dass der grösste Erdölkonzern Saudi Aramco seit 1988 "unbezahlte Abfallrechnungen" in der Höhe von 3 Billionen US-Dollar angehäuft hat. So hoch ist der "Unrat", den der eine Konzern, es gibt noch viele von ihnen, in die Luft gelassen hat. Die Folgen kennen wir: Durch die Menschheit verursachter Klimawandel. Noch 1990 ging man davon aus, dass die Konsequenzen des Klimawandels für die Weltwirtschaft mit nur -1% nicht sonderlich hoch zu veranschlagen seien. So hat man denn auch lange nichts Konkretes unternommen. Heute zeigen neue Berechnungen: Der globale Anstieg der Erwärmung um 1 Grad Celsius verringert den Wohlstand um 20%.

Weiter hat ein Team ausgerechnet, dass der Umstieg von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energiesysteme bis ins Jahr 2050 zwischen 5 und 12 Billionen US-Dollar günstiger kommt, als wenn wir weiter auf Erdöl und Erdgas setzen. Noch nicht berücksichtigt dabei sind die Klimaschäden durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe. Auch nicht berücksichtig ist das Artensterben. Was das mit uns machen wird, bleibt wohl ein unkalkulierbares Risiko. Wer jetzt nicht auf die erneuerbaren Energieträger setzt und für eine intaktere Natur sorgt, handelt wirtschaftlich kurzsichtig und unvernünftig.

Mir scheint, das ist in vielen Köpfen von Politiker:innen noch nicht angekommen. Aber auch wir Konsument:innen und Wählende habe da noch einige Korrekturen an unserem (Wahl-)Verhalten vorzunehmen.

Den ganzen Artikel aus der Sonntagszeitung gibt es (kostenpflichtig) hier!

Jörg Niederer

Sonntag, 5. Juli 2026

Stacheln

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Das Rotchrüz im Wald ob Siggenthal wurde 1873 erstellt und 2022 renoviert.
Foto © Jörg Niederer
"Gute Sitte, Religion, Takt, alles umsonst; der Mensch bleibt, wie er ist." Theodor Fontane (1819-1898)

Entdeckt

Wenn man von Judenächer Steinenbühl im Mansital dem Wanderweg in Richtung Ifluh und Siggenthal folgt, kommt man mitten im Wald zum Rotchrüz. Es wurde bereits 1873 errichtet. In jenem Jahr crashte von Wien ausgehend die Börse, und der Stacheldraht wurde erfunden. Mir scheint, der Stacheldraht korrespondiert mit der Dornenkrone des Gekreuzigten. Stacheldraht steht für unzählige Grausamkeiten, und für verendete Tiere, die sich nicht mehr aus den schmerzhaften Stahlnadeln befreien konnten. Daher gilt in der Schweiz seit 30. September 2025 ein Stacheldrahtverbot ausserhalb von Sömmerungsgebieten. Vor und nach der Sömmerung muss er auch in diesen Gebieten temporär abgebaut werden. So steht es im neu im Jagdgesetz.

Gut, das der Stacheldraht wegkommt. Nun muss nur noch die menschliche Grausamkeit abgebaut werden, und wir gehen sonntäglich-paradiesischen Zeiten entgegen. Versuche dazu sind schon mehrfach unternommen worden. Bisher haben sie wenig gefruchtet. Leider. Aber Aufgeben ist keine Option.

Jörg Niederer

Samstag, 4. Juli 2026

Sein oder Nichtsein

Ein Zitat

Braunkehlchen. Oben: Männchen. Unten: Weibchen mit Futter für die Jungen.
Fotos © Jörg Niederer

"Die grosse Schuld des Menschen sind nicht die Sünden, die er begeht - die Versuchung ist mächtig und seine Kraft gering. Die große Schuld des Menschen ist, dass er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und nicht tut."
Martin Buber (1878–1965)

Entdeckt

Braunkehlchen sind Bodenbrüter. Das ist ihr grosses Handicap. Denn in der heutigen Landwirtschaft sind viele Wiesen ohne grosse Insektenvielfalt und werden auch viel zu früh gemäht, zu einer Zeit, in der die Jungen der Braunkehlchen noch nicht flügge sind. Das führt dazu, dass sie in der Schweiz in tieferen Lagen nur noch an wenigen Orten vorkommen. Es fehlen die Nahrung und die sicheren Brutstandorte.

In Saas-Fee gibt es sie noch. Dort werden einige Wiesen wohl erst nach dem 15. Juli gemäht. Genug Zeit, dass die Brut der Braunkehlchen ausfliegt.

Auch in der Allmend Frauenfeld wir mit dem Hinweis und Foto des Braunkehlchens darauf hingewiesen, dass die Wiesen nicht betreten werden dürfen. Dabei gibt es schon seit einiger Zeit im ältesten Naturschutzgebiet der Schweiz keine Braunkehlchen mehr. Sie kommen auch nicht mehr zurück. Denn Braunkehlchen sind extrem Standortgebunden. Sie lassen sich nicht an anderen Orte versetzen. Auch nicht, wenn man die Eier an einem solchen neuen Standort künstlich ausbrüten und die Jungen dann von Hand grossziehen würde. Denn der Standort ist genetisch bedingt. Auch die künstlich grossgezogenen Braunkehlchen würden nach ihrer Reise ins Winterquartier in Afrika wieder an den Standort ihrer Eltern zurückkehren.

Braunkehlchen zeigen: Es gibt irreversible Eingriffe in die Natur. Nicht alles kann wieder rückgängig gemacht werden.

In höheren Lagen über 1600 Metern kommt das Braunkehlchen noch häufiger vor. Doch auch hier verändert sich die landwirtschaftliche Nutzung zu Ungunsten des kleinen Vogel. Hoffen wir, dass die kleinen Vögel in der Schweiz noch lange brüten werden.

Jörg Niederer

Freitag, 3. Juli 2026

Haariger, fliegender Parasit

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Ein Grosser Wollschweber fliegt die Blüten des Alpen-Thymians an.
Foto © Jörg Niederer
"Was ist das, was in uns lügt, mordet, stiehlt? Ich mag dem Gedanken nicht weiter nachgehen." Georg Büchner (1813-1837)

Entdeckt

Wollschweber vermehren sich parasitär. Die Leidtragenden sind in der Regel solitär lebende Wespen- und Bienenarten. Manche Wollschweber schiessen ihre Eier aus dem Flug in die Legeröhren der Wespen und Bienen. Andere, wie dieser Grosse Wollschweber, legen die einzelnen Eier beim Eingang der Legeröhre ab und tarnen diese mit Sandkörnern. Schlüpfen die Larven, besitzen sie kleine Beine, so dass sie in die Legeröhre ihres Wirts eindringen können. Dort ernähren sie sich von den Wirtslarven. Nach der ersten Häutung haben die Larven dann keine Beine mehr und gleichen so stärker den Larven der Wirtstiere. Es gibt Wollschweber, die auf diese Weise 2000-3000 Eier ablegen.

Auf dem Foto ist schön der haarige Pelz zu sehen, der den gesamten Leib des Wollschwebers umgibt. Ebenfalls ist der lange Rüssel gut zu erkennen. Mit ihm saugt der Grosse Wollschweber im Flug an den Blüten, fast wie ein kleiner Kolibri. Auf dem Foto tut sich das Insekt am Nektar des Alpen-Thymians gütlich.

Jörg Niederer

Donnerstag, 2. Juli 2026

Im Felsen stochern

Ein Zitat

Oben: Weibchen des Mauerläufers. Unten: Wahrscheinlich ein Mauerläufer-Männchen im Strassentunnel.
Fotos © Jörg Niederer
"Wenn dir ein Fels vom Herzen fällt, so fällt er auf den Fuß dir prompt! So ist es nun mal auf der Welt: ein Kummer geht, ein Kummer kommt…" Heinz Erhardt (1909–1979)

Entdeckt

Mauerläufer sind beliebt unter Ornitholog:innen. Das gilt zwar für alle Vögel, doch wird der Mauerläufer entdeckt, ist das besonders schön. Der Bergvogel ist ein Vertikalzieher. Im Sommer niestet und lebt er in grossen Höhen. Im Winter, wenn dort alles unter einer hohen Schneedecke verschwindet, kann man ihn auch im Schweizer Mittelland antreffen. Mit seinem an ein Pinzette erinnernden langen Schnabel stochert er in den Spalten der Felsen nach allerlei Getier. Dabei bevorzugen Mauerläufer eher feuchtere Stellen am Fels. Ihre Nester bauen die mit ihren karminrot aufleuchtenden Flügeln an Schmetterlinge erinnernde Vögel in spaltenreichen Felsen oder auch einmal in einem Naturstein-Tunnel.

Am Mattmark-Stausee können Mauersegler in den Felsen direkt beim Restaurant beobachten. Dort ist dann auch das obere Foto entstanden, während das untere den Mauerläufer in einer höhlenartigen Nische zeigt mit Futter im Schnabel für den Nachwuchs.

Jörg Niederer

Mittwoch, 1. Juli 2026

Das Essen ist angerichtet

Ein Zitat

Ein Bartgeier flog mit Beinknochen eines grösseren Tieres entlang des Mattmark-Stausees über uns hinweg.
    Foto © Jörg Niederer
"Jeder sei, in seiner Art, majestätisch. Wenn er auch kein König ist, müssen doch alle seine Handlungen, nach seiner Sphäre, eines Königs würdig sein und sein Tun, in den Grenzen seines Standes und Berufs, königlich." Baltasar Gracián y Morales (1601-1658), spanischer Jesuit

Entdeckt

Fotografisch, das gebe ich zu, ist das Bild kein Highlight. Als Belegfoto für einen ikonischer Alpenvogel aber schon. Zuvor hatten wir ihn zwar täglich gesehen, jedoch weit oben und weit weg. An der Bergvogelexkursion von BirdLife kam er zu guter Letzt dann doch noch in die Nähe: der Bartgeier.

Es geschah am Mattmark-Stausee. Hingefahren waren wir, um den Mauerläufer zu beobachten. Dazu mehr im nächsten Blog. Da sah ihn einer durch das Spektiv. Erst nur ein kleiner, eigenartigerweise T-förmiger Punkt über dem Monte-Moro-Pass flog der Greifvogel entlang der linken Bergkette direkt auf uns zu und über uns hinweg. Er brauchte dazu kaum einen Flügelschlag. In den Fängen trug er einen Beinknochen einer Gämse oder eines anderen grösseren Tieres mit sich. Wie er gekommen war, verschwand er auch wieder hinter dem Grat des Klein Allalin.

Wen kleinere Vögel "Nahrung" mit sich tragen, dann kann man von Nachwuchs oder Paarbildung ausgehen. Denn es gibt keinen anderen Grund für einen Vogel, etwas nicht sofort zu essen, wenn es nicht für Nachwuchs oder Brautwerbung gedacht ist. Ob das auch für die Geier gilt? Ich weiss es nicht? Wollte der Bartgeier sein Futter vor Konkurent:innen in Sicherheit bringen? Hat er einen bestimmten Ort, wo er die Knochen aus grosser Höhe fallen lässt, um sie schnabelgerecht zu zerkleinern? Oder bringt er sie seinen Jungen? Beim erbeuteten Bein kann man immerhin sehen, dass es auch Fleisch am Knochen hat. Während Altvögel vor allem Knochen fressen, bekommen Junggeier auch Fleisch von den Altvögeln geboten.

Nun, das sind Spekulationen. Was aber bleibt: Das Staunen über diesen mächtigen Vogel, der wieder zurück ist in unserem Alpenraum, nachdem er einst rücksichtslos ausgerottet worden war.

Übrigens: An diesem Tag sahen wir auch noch Gänsegeier und eine weitere Rarität: der Mönchsgeier. Diese beiden allerdings waren wieder bloss kleine geflügelte Punkte entlang der Gratkante vom Klein Allalin.

Jörg Niederer

Dienstag, 30. Juni 2026

Familienleben und Emanzipation

Ein Zitat

Steinschmätzer. Oben: Männchen. Unten: Der Nachwuchs.
Fotos © Jörg Niederer

"Nestwärme speichert sich im Herzen und wird zum Nährboden für Vertrauen in das Leben."
  Helga Schäferling (*1957)

Entdeckt

In diesem Jahr sehe ich auf den Bergen um Saas-Fee Steinschmätzer in grösserer Zahl (Siehe auch Beitrag vom 27. Juni 2026). Gestern mussten wir nur wenige Schritte von der Seilbahnstation Kreuzboden bergauf steigen, und schon standen wir mitten in einem fröhlichen Treiben. Herr und Frau Steinschmätzer suchten intensiv nach Futter. Dabei beobachteten sie uns mindestens so aufmerksam, wie wir sie. Das Männchen kam bis auf 5 Meter heran, um die seltsamen Gestalten mit ihren Spektiven zu betrachten. Offensichtlich wurden wir nicht als grosse Gefahr eingeschätzt. So erhörten sie die bettelnden Jungtiere, und brachten dem schon flüggen, aber noch daunenbekränzten Nachwuchs auch während unserer Anwesenheit alle paar Minuten das Essen "frei Mund".

Das Männchen war an diesem Morgen deutlich intensiver bei der Sache. Emanzipiert wie er ist, überliess er die Kinderverköstigung nicht allein seiner Partnerin. Ein Gewinn für die herumwuselnden Jungtiere. Sieht der junge Steinschmätzer auf dem Foto nicht etwas mürrisch aus? Dafür hat er aber wirklich keinen Grund. Er wird bestens vorbereitet auf den Ernst des Lebens, dort oben auf 2400 Metern über Meer.

Jörg Niederer

Montag, 29. Juni 2026

Gesichtsstreifen

Ein Zitat

Eine Zippammer sitzt auf einer Lärche, und beobachtet uns.
Foto © Jörg Niederer
"Gott gibt jedem Vogel Nahrung, aber er wirft es ihm nicht ins Nest." Josiah Gilbert Holland (1819-1881)

Entdeckt

Der gestrige Tag brachte viele Highlights. Etwas die unzähligen Edelweiss-Pflanzen entlang des Bergwegs. Oder dann die Alpen-Apollofalter, die gleich mehrfach vorbeisegelten oder auf der Vegetation sassen. Erstmals fotografieren konnte ich auch eine Klappergrasmücke. Doch hier soll ein anderes Vögelchen kurz vorgestellt werden: Die Zippammer.

Eine Zippammer ruft, wie es ihr Name sagt: Zip!. Sie hat eine nette Gesichtsbemalung und ist schwer zu lokalisieren. Angetroffen werden kann sich bei uns an Alpensüdhängen über 800 Metern. Der Grossteil von ihnen lebt ums Mittelmeer, im Nahen Osten und in Zentralasien. Weiter nördlich findet man sie noch in Deutschland. Wärmelieb wie sie sind, wollen sie sich wohl noch nicht nach Norden weiter ausbreiten. Schön auch, dass man sie in der Schweiz das ganze Jahr beobachten kann. Ich habe sie oberhalb von Saas-Almagell gesehen.

Jörg Niederer

Sonntag, 28. Juni 2026

Farbenpracht in der grauen Schweiz

Ein Zitat

Alpenbirkenzeisige sind farbenprächtige Vögel, die man vor allem im Gebirge antreffen kann.
Foto © Jörg Niederer
"Streue Farben in dein Leben, sie haben keine Kalorien und machen dazu noch glücklich." Herkunft unbekannt

Entdeckt

Am ersten Tag an der Bergvogelexkursion in Saas-Fee habe ich gleich drei neue Flaschenvögel gesehen. Also Vogelarten, die ich das erste Mal in der Schweiz fotografieren konnte. Flaschenvögel werden sie genannt, weil man in Ornitholog:innenkreisen für die Erstsichtung jeweils eine Flasche zu öffnet pflegt. Drei Flaschen sind in meinem Fall deutlich zu viel. Also habe ich es gelassen. Die Freude ist dennoch gross. Da wäre als Neusichtung die Bergschwalbe, der Gänsegeier (sehr weit oben über dem Schwarzmies), und der Birkenzeisig.

Hier bei uns sind es die Alpenbirkenzeisige, die in den Ästen der Kiefern herumturnen, gelegentlich auffliegen um eine Rund singen zurückzulegen, und dann wieder im Geäst der flechtenbehangenen Bäumen einzufallen. Sie sind leicht an den roten Stellen an Kopf und Brust zu erkennen. Für die Schweiz ganz schön farbenprächtige Vögel.

Im Winter hat es übrigens bei uns noch mehr von ihnen, weil dann auch einige aus dem Norden zu uns kommen, während viele, die bei uns den Sommer verbrachten und da die Jungen grossgezogen haben, auch im Winter hier bleiben.

Jörg Niederer

Samstag, 27. Juni 2026

Steinschmätzer lieben Murmeltiere

Ein Zitat

Ein Steinschmätzer, wohl ein Weibchen oder dann ein Jungtier, in ihrem typischen Brutgebiet auf der Gemmipasshöhe.
Foto © Jörg Niederer
"Haltet an Euren Träumen fest / Denn wenn die Träume sterben / Ist das Leben ein Vogel mit gebrochen Flügeln / Der nicht fliegen kann." Langston Hughes (1902–1967)

Entdeckt

Heute reise ich nach Saas Fee. Dort werde ich an einer Bergvogelexkursion teilnehmen. Bestimmt werden wir den Steinschmätzern begegnen, die gerne in unseren Bergen brüten und ihre Jungen grossziehen. Sie müssen die Murmeltiere lieben. Deren Nähe suchen sie, weil die Nager bei ihren Bauten das Gras niedrig halten.

Steinschmätzer leben auch in Alaska und Kanada. Die Vogelwarte Sempach schreibt dazu und zum unglaublichen Zugsverhalten der kleinen Vögel: "Die Steinschmätzer Alaskas legen dabei einen der längsten Zugwege überhaupt zurück: Sie fliegen über ganz Asien nach Afrika und bewältigen dabei eine Strecke von unglaublichen 15 000 Kilometern! Die Leistung der ostkanadischen Vögel ist aber nicht minder spektakulär, fliegen sie doch 3000 Kilometer ohne Unterbruch über den Atlantik, um via Strasse von Gibraltar nach Afrika zu gelangen."

Unsere Steinschmätzer müssen nicht ganz so weit fliegen. Aber auch sie zieht es im Sommer und Winter an Orte, an denen wir Menschen zu Überlebenskünstler:innen werden müssten, wollten wir uns dort dauerhaft niederlassen.

Jörg Niederer

Freitag, 26. Juni 2026

Igel und Zitrone

Ein Zitat

Ein Zitronenfalter saugt an einem Schmalblättrigen Scheinsonnenhut.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Zitronensorbet daraus." Herkunft unbekannt

Entdeckt

Der lateinische Name "Echinacea" gehört zu jenen, die viele Menschen mit Erkältungsmedikamenten in Verbindung bringen. Abgeleitet ist er vom griechischen Wort für Igel, denn so sieht die stachelig strukturierte Blüte der Blume, die ursprünglich aus Nordamerika stammt, auch aus. Der deutsche Namen "Sonnenhut" dagegen ist selbsterklärend. Mir kommen diese Elfen in den Sinn, die in manchen Filmen mit blumigen Hüten in idyllischer Landschaft umherschwirren.

An der fotografierten Blüte saugt gerade ein Zitronenfalter. Der ist sich eisige Kälte gewohnt, enthält sein Blut doch ein natürliches Frostschutzmittel. Dank dem kann er zwischen Blättern bei uns im Freien überwintern. Ob ihm der Frostschutz auch in der aktuellen Hitzeperiode hilft?

Jedenfalls finden im Zusammentreffen von Schmetterling und Blume die Assoziationen von Hitze und Kälte zueinander, wie Glacegenuss im Schatten der Sonnenschirme.

Jörg Niederer

Donnerstag, 25. Juni 2026

Dem Schatten nach

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Über der Strasse aufgehängte Schirme zeichnen in Olten ein Schattenmuster auf den Asphalt.
Foto © Jörg Niederer
"Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele. Der Himmel war weiss gefleckt; wenn man von der Sonne recht schön angebraten war, kam eine Wolke, ein leichter Wind lief daher…" Kurt Tucholsky (1890-1935)

Entdeckt

Die einen legen sich kaum bekleidet bewusst an die pralle Sonne, die andere suchen den Schatten der Bäume. Die einen arbeiten in der Hitze des Sommertags, die andern geniessen in der Mittagszeit eine Siesta im klimatisierten Hotelzimmer. Die einen leben jenseits der 30 Grad Celsius auf, die andern kühlen sich so oft es geht in den Brunnen der Stadt ab.

Es ist Sommer. Die Anzeige des Thermometers erreicht fiebrige Höhen. Da suche ich die Schattenseite, schleiche entlang der Häuser, weiche der Einstrahlung der Sonne wo immer möglich aus. In Olten und auch in anderen Städten hängen Schirme über der Strasse. Sie zeichnen ein Muster aus Schatten und Licht. Wer darüber geht, wechselt in schneller Folge vom Licht in den Schatten, vom Licht in den Schatten, vom Licht in den Schatten. Licht und Schatten, immer ist beides da. Scheint die Sonne nun unbarmherzig auf die Erde herab? Sie, die Leben erst möglich macht auf diesem Planeten. Ist es unbarmherzig, dass die Sonne Leben schafft, aber auch nimmt. In diesen heissen Tagen nimmt die Sterblichkeit zu.

Solche Gedanken gehen mir durch den Kopf, während ich die Schattenspuren suche auf meinem Weg, während ich die Schatteninseln geniesse, um mir dazwischen im heissen grellen Licht den Schweiss aus den brennenden Augen und von der nässenden Stirn zu wischen.

Wie geht es dir an diesen Sommertagen?

Jörg Niederer

Mittwoch, 24. Juni 2026

Kein Glück gehabt

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Am Connexio-Abend konnte man Lose ziehen. Nicht alle hatten Glück.
Foto © Jörg Niederer
"Was mich betrifft, so bin ich bescheiden und bewahre mir wenigstens eine heitere Gelassenheit, die jeden andern gewähren lässt in seiner Art." Wilhelm Busch (1832-1908)

Entdeckt

Am Connexio-Abend anlässlich der Tagung der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika konnte man Lose ziehen und je nach dem Dinge gewinnen, die in den Ländern hergestellt wurden, in denen Connexio als Hilfswerk die einheimische Kirche oder Bevölkerung unterstützt. Ich hatte mit allen drei Losen kein Glück. Wobei, hätte ich gewonnen, hätte ich das dann Gewonnene auch wirklich brauchen können oder gar nötig gehabt? Wohl eher nicht. Es wären Dinge gewesen, die statt auf der Connexio-Fachstelle bei mir rumgelegen oder rumgestanden hätten.

Ich hatte also doch irgendwie Glück, dass ich nicht gewonnen habe.

Connexio übrigens hilft in vielen Ländern, dass Menschen ihre Rechte bekommen. Wer mehr erfahren und mit einer Spende zum Glück Anderer beitragen möchte, kann sich auf der Webseite informieren.

Jörg Niederer

Dienstag, 23. Juni 2026

Untertitelsyndrom

Ein Zitat

Printscreen aus dem Film "Das Kloster für die Hosentasche". Teilnehmerin Annika Walser erzählt, warum sie das Angebot des Netzklosters in Anspruch nimmt. Das Netzkloster ist ein Projekt der Evangelisch-methodistische Kirche und wird von der Evangelisch-reformierten Kirche Zürich unterstützt.
Foto: Printscreen 

"Von der Grösse und Macht seines Geistes kann der Mensch nicht gross genug denken."
Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831)

Entdeckt

Ich habe ein Untertitelsyndrom. Ich kann nicht aufhören, diese Texte zu lesen, selbst wenn ich die gesprochene Sprache gut verstehe. Das lenkt ungemein vom Bild ab. Immer wieder versuche ich, bewusst vom Untertitel-Text wegzuschauen. Doch nach wenigen Augenblicken lande ich erneut bei den Buchstaben unten oder oben am Rand des Films. Das nervt. Das spricht gegen die Untertitelung. Der Text kann noch so klein und ganz am Rand des Bildes eingeblendet werden, wie etwa im Beispielbild, das einen Moment zeigt aus dem Film zum Netzkloster, einem Angebot der Evangelisch-methodistischen Kirche und der Evangelisch-reformierten Kirche Zürich.

Nun frage ich mich, ob das nur mir so geht. Lässt du dich auch vom Bild und Ton durch die Untertitel ablenken?

Jörg Niederer

Montag, 22. Juni 2026

Sitzungstrychler

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Die Mitglieder wurden an der Tagung der Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika mit einer "Trychel" aus der Pause zu Situngszeit gerufen.
Foto © zur Verfügung
"Das sucht Gott bei uns, dass wir umsichtig und entschlossen seinen Spuren der Liebe und des Guten folgen." Bischof Stefan Zürcher in der Konferenzpredigt zu Micha 6,1-8

Entdeckt

Es hat ausgeläutet an der jährlich stattfindenden Tagung der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika. Gestern Sonntag ging sie mit einem für diesen Anlass recht kurzen und kurzweiligen Ordinationsgottesdienst zu Ende. Da der Anlass in eigenen methodistischen Räumen stattfand, musste man sich für den Besuch ein kostenloses Ticket besorgen, was rund 350 Personen dann auch taten. Anschliessend nutzten die Besuchenden das sonnig-heisse Wetter für Gespräche und das gemeinsame Essen. Einige kühlten sich ab, in dem sie ihre Füsse in einem eigens aufgestellten Kinderplanschbecken badeten.

In den vergangenen drei Tagen lösten sich Sitzungszeiten, Feiern und Pausen immer wieder ab. Es war gar nicht so einfach, die rund 240 Delegierten aus den Pausen an die Konferenztischen in der wohltemperierten 3x3-Halle zurückzurufen. So bin ich dann selbst unter der Trychler gegangen. Das hat schon etwas, so eine grosse Kuhglocke rhythmisch zu läuten. Den Freiheitstrychlern werde ich mich dennoch nicht anschliessen, weder inhaltlich noch brauchtumsmässig.

Jedenfalls konnte die Sitzungszeit ohne nennenswerten Umfall abgeschlossen werden. Zu guter Letzt ist dann noch eine Gefriertruhe ausgestiegen. In diesen heissen Tagen ist das kein zu unterschätzendes Ereignis. Das Eis schmilzt, das Leben taut. Aber wie hiess doch das Konferenzmotto: "No Risk  no love".

Weitere Fotos von dieser internationalen Tagung kann man sich auf der Seite der Jährlichen Konferenz anschauen.

Jörg Niederer

Sonntag, 21. Juni 2026

Der Fächer und die Feier

Ein Zitat

An heissen Tagen sind sie wieder zu sehen: Fächer, um sich etwas Kühlung zu verschaffen.
Foto © Jörg Niederer
"Alles, was wir mit Wärme und Enthusiasmus ergreifen, ist eine Art der Liebe." Wilhelm Von Humboldt (1767–1835)

Entdeckt

Der Fächer. Es gibt ihn schon mindestens seit dem 16. Jahrhundert. In diesen heissen Tagen ist er wieder vermehrt zu sehen. So auch an der gerade stattfindenden internationalen Tagung der Evangelisch-methodistischen Kirche in Hunzenschwil. Es ist gerade eine richtig heisse Sache. Da dient der Fächer nicht nur als modisches Accessoire. Mit ihm lässt sich die Luft in Bewegung versetzten, die dann etwas kühlt.

Heute Sonntag wäre es keine schlechte Idee, einen Fächer mit in den Ordinationsgottesdienst mitzubringen. Es könnte wieder ordentlich warm werden. Dieser Gottesdienst mit Predigt von Bischof Stefan Zürcher findet ab 09.30 Uhr am Stationsweg 6 in den Räumen der 3x3 EMK Region Lenzburg statt. Es hat noch reichlich freie Plätze. Man kann sich also immer noch ein kostenloses Ticket besorgen, oder auch einfach auf gut Glück vorbeikommen. Das Ticket kann über die Webseite der Jährlichen Konferenz abgerufen werden oder auch direkt bei Eventfrog.

Jörg Niederer

Samstag, 20. Juni 2026

Das Konferenzbüsi

Ein Zitat

An der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche in Hunzenschwil ist auch ein junges Büsi als einzige Katze unter 240 Menschen mit dabei.
Foto © Jörg Niederer
"Katzen erreichen mühelos, was uns Menschen versagt bleibt: durchs Leben zu gehen, ohne Lärm zu machen." Ernest Hemingway (1899-1961)

Entdeckt

Katzenbilder sind ja nicht so der Brüller. Es gibt sie wie Sand am Meer, und ernst genommen werden sie kaum. Doch bei dieser Katze handelt es sich um eine Premiere. Zum ersten Mal ist meines Wissen eine Katze mit dabei and der Tagung der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika. Das Büsi begleitet seine Besitzerin an diesen Ort mit 240 menschlichen Delegierten. Schnurrli lässt sich vor dem Betrieb nicht aus der Ruhe bringen. 

Übrigens: Man muss keine Katze sein, um an diesem Anlass in Hunzenschwil reinzuschauen. Besucherinnen sind herzlich willkommen in der 3x3-Halle. Ganz besonders sind alle zum Konferenzsonntag mit dem Ordinationsgottesdienst eingeladen. Hier ist es wichtig, sich ein kostenloses Ticket zu besorgen. Das gilt für wirklich alle, die dabei sein wollen, also für Pfarrpersonen und Laienmitglieder der JK, genauso wie für alle Mitwirkenden sowie weiteren Besuchenden, vom Baby bis zur Hundertjährigen. Das Ticket kann über die Webseite der Jährlichen Konferenz abgerufen werden oder auch direkt bei Eventfrog.

Jörg Niederer

Freitag, 19. Juni 2026

Konferenz-Anzeichen

Ein Zitat

Wegweiser zu den verschiedene Bereichen finden sich bei grossen Konferenzen mehr als üblich.
Fotos © Jörg Niederer
"Das einzige, was aus einer Konferenz herauskommt, sind die Leute, die hinein gegangen sind." Herkunft unbekannt

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Konferenzen haben ihre Eigenarten und Erkennungsmerkmale. So wird alles exzessiv angeschrieben, damit sich auch ja alle zurecht finden. Es gibt jeweils einen Empfang, und dann gibt es diese Namensaufkleber oder Namensschilder oder der Name findet sich an einer Kordel um den Hals. Meist hat man wenig Platz und muss zum Essen und auf den Toiletten anstehen. Toiletten sind eher unten, da ist auch der Gepäckraum. Oben dagegen ist der Ruheraum, und bei christlichen Anlässen oft auch ein Gebetsraum. Oben, den da ist man näher bei Gott.

Die Sanität ist auch organisiert, man kann sich mit Getränken eindecken und irgendwas Kleines essen. Diskutiert wird auch, mehr oder weniger, je nach Raumtemperatur. Manchmal riecht es nach Schweiss. Manch einer nickt ein während eines längeren Monologs.

Genau so wird es auch heute morgen sein, wenn die Evangelisch-methodistische Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika auf dem Gelände der 3x3 EMK Region Lenzburg in Hunzenschwil tagt. Ich liebe es dabei zu sein. 

Übrigens: Alle können reinschauen. Ganz besonders herzlich sind alle zum Konferenzsonntag mit dem Ordinationsgottesdienst eingeladen. Hier ist es wichtig, sich ein kostenloses Ticket zu besorgen. Das gilt für wirklich alle, die dabei sein wollen, also für Pfarrpersonen und Laienmitglieder der JK, genauso wie für alle Mitwirkenden sowie weiteren Besuchenden, vom Baby bis zur Hundertjährigen. Das Ticket kann über die Webseite der Jährlichen Konferenz abgerufen werden oder auch direkt bei Eventfrog.

Jörg Niederer

Donnerstag, 18. Juni 2026

Starke Männer und die Konferenz

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Impressionen vom Infrastruktur-Aufbau am Tagungsort der Jährlichen Konferenz in Hunzenschwil. Starke Männer helfen dabei und geniessen dann auch verdient den Zvieri.
Fotos © Jörg Niederer
"Die Evangelisch-methodistische Kirche leitet Menschen dazu an, Jesus Christus nachzufolgen. Der Heilige Geist befähigt sie dazu, kühn zu lieben, bereitwillig zu dienen und entschlossen voranzugehen." Vision Statement der Evangelisch-methodistischen Kirche

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In den nächsten Tagen werde ich hier Beiträge zur Tagung der Jährlichen Konferenz posten. Die Evangelisch-methodistische Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika tagt auf dem Gelände der 3x3 EMK Region Lenzburg in Hunzenschwil. In einem Moment der überaus hohen Selbsteinschätzung habe ich die Projektleitung für diesen grösseren Anlass übernommen. Dank der Mithilfe erfahrener Mitarbeitenden ist bis jetzt alles gut gegangen. Gestern war der erste Tag, an dem wir gröbere Infrastruktur-Bauten erstellten. Da wäre das Zelt vor der 3x3-Halle, aber auch die Inneneinrichtung ist in vollem Gang. Heute folgt die Technik. Morgen Freitag um 9.00 Uhr beginnt die Kirchenversammlung. Die Nervosität ist bei den Verantwortlichen schon leicht gestiegen.

Die meisten Sitzungen sind öffentlich. Ganz besonders herzlich sind alle zum Konferenzsonntag mit dem Ordinationsgottesdienst eingeladen. Hier ist es wichtig, sich ein kostenloses Ticket zu besorgen. Das gilt für wirklich alle, die dabei sein wollen, also für Pfarrpersonen und Laienmitglieder der JK, genauso wie für alle Mitwirkenden sowie weitere Besuchende, vom Baby bis zur Hundertjährigen. Das Ticket kann über die Webseite der Jährlichen Konferenz abgerufen werden oder auch direkt bei Eventfrog.

Jörg Niederer

Mittwoch, 17. Juni 2026

Zelten und beraten

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2007 half ich mit beim Aufstellen der Zelte anlässlich der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche. Damals waren es 10 einzelne Zelte für das Fest "begägne" mit Jahrmarkt und mehr.
Foto © Jörg Niederer
"Die Jährliche Konferenz (Kirchenparlament) ist verantwortlich für die Arbeit der Kirchgemeinden in der Schweiz, Frankreich, Belgien und Nordafrika." Webseite der EMK Schweiz

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Es sind fast schon 20 Jahre her, seit ich das letzte Mal beim Aufstellen grosser Zelte geholfen habe. Damals war es das Fest "begägne" anlässlich der Tagung der Jährlichen Konferenz 2007 der Evangelisch-methodistischen Kirche in Zofingen. Ich war verantwortlich für die Logistik bei der Errichtung von gut 10 Grosszelten.

Heute Abend wird es wieder einmal soweit sein. Ich werde beim Aufbau des Essenszelts helfen anlässlich der Tagung der Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika (JK) auf der Liegenschaft der 3x3 EMK Region Lenzburg in Hunzenschwil. In diesem Jahr werden kleinere Brötchen gebacken. Die Tagung wird verkürzt durchgeführt. Sie beginnt erst am Freitag, 19. Juni und dauert bis nach dem Ordinationsgottesdienst am Sonntagmorgen, 21. Juni.  

Erwartet zu den Beratungen werden rund 240 Personen, je zur Hälfte Pfarrpersonen und Laienmitglieder aus den verschiedenen Kirchgemeinden.

Am Sonntag findet ab 9.30 Uhr der Ordinationsgottesdienst vor Ort statt. Parallel dazu gibt es Angebote für Kinder von 0-6 und 7-12 Jahren. Danach kann man sich an Ständen mit einem Mittagessen (auf eigene Kosten) eindecken.

Noch etwas ganz Wichtiges: Aus Platzgründen ist es nötig, sich für den Konferenzsonntag anzumelden. Das gilt für wirklich alle, also für Pfarrpersonen und Laienmitglieder der JK, genauso wie für alle Mitwirkenden sowie weitere Besuchende, vom Baby bis zur Hundertjährigen. Das Anmeldeformular ist über die Webseite der Jährlichen Konferenz abrufbar oder auch direkt bei Eventfrog.

Das Ticket ist kostenlos erhältlich. Die Besucherobergrenze liegt bei 600 Personen. (Für alle anderen: Am Ordinationsgottesdienst und allen anderen Feiern kann man auch per Livestream teilnehmen.)

Die Tagung der Jährliche Konferenz wird auch darum verkürzt geführt, weil in diesem Jahr nach längerer Pause wieder einmal das Jungschar-Schweizertreffen STR26 stattfindet. Statt eines zusätzlichen JK-Nachmittagsprogramms am Sonntag sind alle eingeladen zum STR26-Besuchstag vom Samstag, 1. August. Besuchende, die dort am Gottesdienst teilnehmen, reisen um 11:00 Uhr an. Dieser findet im Festzelt statt. Alle anderen reisen um 12:30 Uhr an. Ab dann ist der Lagerplatz für alle zur Besichtigung geöffnet. Mehr Informationen dazu gibt es hier.

Jörg Niederer

Dienstag, 16. Juni 2026

Hoffentlich!

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Tänzerinnen der Albanischen Tanzgruppe bei ihrem Auftritt an der "Stunde voller Hoffnung" vom Sonntagmorgen am Mitsommerfest in Frauenfeld. Im Hintergrund sieht man die Sänger:innen vom Union Gospel Choir.
Foto © Jörg Niederer
"Friede wünsch ich dir / und Friede wünsch ich mir / Friede mit ois allne und für die ganzi Wält." Lied, gesungen bei der "Stunde voller Hoffnung" vom vergangenen Sonntag in Frauenfeld

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Sie nannten es "Eine Stunde voller Hoffnung", doch eigentlich war es ein Gottesdienst. Nun ist es so, dass bei einem interreligiösen Anlass die Beteiligten keine falschen Erwartungen wecken wollen. Sie wollen sich zwar über die Konfessions- und Religionsgrenzen nahe sein, aber dann doch nicht zu nahe. Also darf es nicht Gottesdienst genannt werden, denn Muslime und Christen feiern keine gemeinsamen Gottesdienste. Auch das mit der Stunde voller Hoffnung stimmte nur bedingt, dauerte der Anlass doch beinahe 90 Minuten. Je mehr Prediger – es waren alles Männer – sie vertraten die katholische Pfarrei St. Anna Frauenfeld, die Albanisch islamischen Gemeinschaft Frauenfeld, die Neuapostolischen Kirche Frauenfeld und die Evangelische Kirchgemeinde Frauenfeld, desto mehr Worte, desto länger geht es halt. Doch da war ja auch noch der begeisternde Union Gospel Choir und die Albanische Tanzgruppe, die mit ihren Liedern und Tänzen Farbe und Vielstimmigkeit zelebrierten, an diesem Sonntagmorgen auf der Stadtbühne des Mitsommerfests 2026 in Frauenfeld. Multikulturell und multireligiöse – das passte wunderbar zum Abstimmungssonntag, an dem eine beachtliche Mehrheit der Schweizer Stimmberechtigten dem Vorhaben einer fremdenfeindlichen und isolationistischen Schweiz eine Absage erteilten. Zum Zeitpunkt der Feier stand dieses Ergebnis allerdings noch nicht fest. Noch herrschte das Prinzip Hoffnung.

Diese Hoffnung klang auch an bei einem Poetry Slam-Beitrag. Dies Hoffnung wurde zelebriert, indem ein Hoffnungsbaum mit Hoffnungsworten geschmückt wurde (er wird so auf dem Friedhof Frauenfeld eingepflanzt), indem kleine Anker mit Glitzerfarben verschönert wurden und indem ein Speed-Dating der Hoffnung zu neuen Begegnungen führten.

Also mir hat diese Vielfalt der Hoffnung gefallen und Mut gemacht, weiter für eine offene Gesellschaft in unserem Land einzustehen.

Jörg Niederer

Montag, 15. Juni 2026

Der Gehäuseschneckenschreck

Ein Zitat

Die Larve eines Gelben Schneckenhauskäfers sitz auf dem leeren Gehäuse ihres Opfers, einer Hain-Bänderschnecken.
Foto © Jörg Niederer
"Der Mensch von heute: das dümmste Lebewesen, das die Erde hervorgebracht hat: Er kriecht mit seinem Auto in der Großstadt wie eine Schnecke, nimmt die Umweltgifte in sich auf wie ein Staubsauger und ist obendrein noch stolz auf das, was er zustande gebracht hat." John B. Priestley (1894-1984)

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Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, Gehäuseschnecken von exponierten Stellen auf Trottoirs und Strassen vorsichtig aufzuheben und in Sicherheit zu bringen. Dabei ist es wichtig, die Tiere anzuklopfen, damit sie sich vom Boden lösen, denn anders können sie schwer verletzt werden. Beim fotografierten Schneckenhaus sah ich jedoch sogleich, dass es wohl leer war, lag es doch auf dem Rücken. Indem ich es umdrehte, entdeckte ich zu meiner Überraschung ein raupenartiges Wesen, das sich später als Larve des Gelben Schneckenhauskäfers herausstellte. Nebst diesem Gelben gibt es bei uns nur noch eine weitere Variante des Schneckenhauskäfers. Alle ernähren sich im Larvenstadium von Gehäuseschnecken, die sie mittels Giftbiss töten. Dabei bohren sie ein Loch in das Kalkgehäuse der Schnecke, fressen die Schnecke auf und bleiben bis nach der Häutung geschützt im nun leeren Schneckenhaus. Danach verlassen sie es wieder durch ein weiteres, von ihnen gebohrtes Loch im Gehäuse. Warum sie nicht durch die natürliche Öffnung des Schneckenhauses ein- und ausgehen? Wohl, weil die Schecke diese Öffnung immer einmal wieder fest mit dem Untergrund verankert und verschliesst. Es ist unsicher, wie oft sich die Larve des Schneckenhauskäfers häutet. Beobachten wurden 3-8 Zyklen, wobei jedes Mal eine Schnecke dran glauben muss.

Interessant ist bei dieser Käferart auch der Geschlechterdimorphismus. Während das ausgewachsene Männchen wie ein hübscher kleiner Käfer mit Flügeln ausschaut, gleicht das Weibchen einer unförmigen Made ohne Flügel (Siehe Foto bei Wikipedia!). Da kann man wohl schon sagen: (In diesem Fall äusserliche) Gegensätze ziehen sich an.

Jörg Niederer

Sonntag, 14. Juni 2026

In Booten ausgesetzt

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Sehnsuchtsort Europa: Der Kräutergarten zu Allerheiligen in Schaffhausen gehört zu den schönsten Klostergärten der Schweiz. Er könnte für das von vielen gesuchte Paradies stehen.
Foto © Jörg Niederer
"Länger konnte sie ihn (Baby Mose) nicht verborgen halten. Deshalb nahm sie ein Kästchen aus Papyrus und dichtete es mit Asphalt und Pech ab. Dann legte sie das Kind hinein und versteckte es im Schilf am Ufer des Nil." Bibel: 2. Mose 2,3 

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Im Film "Prinz von Ägypten" oder einem anderen Streifen über Mose wird die Geschichte des kleinen Knaben auf dem Nil dramatisch dargestellt. Die wilde Strömung, die das Bastkörbchen umher wirft, Wellen die es zu verschlingen drohen... Ist da nicht auch noch ein Krokodil irgendwo auf der Lauer. Ein Wunder, dass dieses Kind überlebt und dann geradewegs via Pharaonentochter in höchste Kreise aufsteigt. Mutterinstinkt und Weiblichkeit retteten Mose vor dem sicheren Tod. In die falschen Arme getrieben, etwa in die eines ägyptischen Hofberaters, wäre Mose eines der weiteren ermordeten Kinder auf dieser Welt geworden.

Es sind die stärksten jungen Menschen, die von ihren Familien auf die Reise gesandt werden. Junge Afrikaner, sie reisen aus dem Sudan, aus Eritrea, Nigeria und Kamerun via Niger nach Algerien oder Marokko, um dort in hochseeuntauglichen Booten die Strasse von Gibraltar zu überqueren. Andere nehmen die Route über Mauretanien und Westsahara an die Küste, um dort auf die Kanarischen Inseln überzusetzen. Jedes Jahr ertrinken in der Strasse von Gibraltar 1000 und mehr Emigrant:innen. Weitere hunderte Hoffnungslose verschwinden spurlos vor den Kanaren. Die Frontex beobachtet die Flüchtenden mit Infrarotsichtgeräten und schickt sie in der Regel wieder zurück. Und dann kommen einige der Flüchtenden an, und da ist keine ägyptische Pharaonentochter, und niemand kommt auf die Idee, dass diese Menschen gerade dem Tod entronnen sind. Bis auf wenige, z.B. die Mütter mit kleinen Kindern, werden sie einfach wieder zurückverfrachtet, und manchmal werden sie auch irgendwo in der algerischen Wüste ausgesetzt. In Italien beschlagnahmt die Behörde widerrechtlich die Boote der private Rettungskräfte auf Monate hinaus und strengt Gerichtsverfahren gegen die an, welche lediglich das tun, wozu wir alle moralisch verpflichtet sind: Leben zu retten, ohne Ansehen der Person.

Wird Gott uns einmal fragen, was wir für diese aus dem Wasser Geretteten gewesen sind?

Samstag, 13. Juni 2026

Auf Mission

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Ein männlicher Turmfalke sonnt sich auf einem Baum beim Naturzentrum Thurauen.
Foto © Jörg Niederer
"Wer sucht, findet nicht, wer nicht sucht, wird gefunden." Franz Kafka (1883-1924) 

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Auch in diesem Jahr wirke ich mit bei der Zählung der Gebäudebrüter. Im Vergleich zum Vorjahr hatte ich schon ein kleines Erfolgserlebnis. Zwei Mehlschwalbennester sind in diesem Jahr in meinem Gebiet besetzt. Im vergangenen Jahr gab es im selben Bereich nur ein Alpensegler- und ein Mauerseglerstandort.

Heute Morgen kontrollierte ich die Seglerstandorte. Der eine mit etwa zehn Nestern befindet sich an den Gebäuden und Silos der Zuckerfabrik. Während ich zu den möglichen Neststandorten der Alpensegler hochschaute, landete dort ein Turmfalke. Sogleich versuchten die Alpensegler ihn mit nahen Vorbeiflügen zu vertreiben. Doch der Turmfalke liess sich nicht aus der Ruhe bringen, ja im Gegenteil. Ein zweiter gesellte sich zu ihm, und später entdeckte ich noch zwei weitere, die um die Zuckersilos herumflogen und offensichtlich auf Beute aus wahren.

Auch beim Mauerseglerstandort fand sich bald einmal ein Turmfalke ein, setzte sich unweit der Kunstnester auf einen Sims und wartete. Anders als die grossen Alpensegler getrauten sich die Mauersegler keine Angriffsflüge. Doch für einen Moment gab es ein Einflug eines Mauersegler in ein dort angebrachtes Kunstnest. Der Turmfalke war sofort zur Stelle und versuchte den kleinen Vogel vom Kasten weg zu pflücken, was nicht gelang. Später folg er alle Kunstnester ab, um zu schauen, ob ein unvorsichtiger Jungvogel sich vielleicht erhaschen lässt.

Ja, die Segler tun gut daran, vorsichtig zu sein und ihre natürlichen Feinde im Auge zu behalten. Das Leben ist auch für sie kein Ponyhof.

Jörg Niederer

Freitag, 12. Juni 2026

Mitsommerfest, nicht Mittsommerfest!

Ein Zitat

Ab heute bis Sonntag findet das Mitsommerfest in Frauenfeld statt. Es setzt sich in diesem Jahr speziell für Chancengerechtigkeit ein.
Foto © Jörg Niederer
"Singen ist die schönste Kunst und Übung. Wer singt, hat nicht zu tun mit der Welt." Martin Luther (1483-1546) 

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Seit einigen Tagen steht der Oktopus aus Dachlatten an der Promenadenstrasse in Frauenfeld und wirft die Schatten voraus auf ein besonderes Fest. Mittsommerfest schreibt man mit dreimal T. Die Bezeichnung nimmt Bezug auf die Mitte des Sommers. In Frauenfeld ist es aber anders. Das heute um 17 Uhr startenden Fest wird nur mit zweimal T geschrieben, also: "Mitsommerfest". Das macht Sinn, sind doch möglichst alle eingeladen, mitzufeiern. Nachdem beim letzten Mitsommerfest vor vier Jahren die ökologische Verantwortung im Zentrum stand, ist es in diesem Jahr die Chancengleichheit. So wirken verschiedenste Sozialinstitutionen und Vereine mit. Entsprechende Anpassungen wurden vorgenommen: Da gibt es einen barrierearmen Weg durch das Festgelände, die Signalisation wurde angepasst, Ruhezonen und Rückzugsorte sind ausgeschieden, es gibt eine Familienzone und eine Tribüne für Menschen mit Mobilitätseinschränkung. Ich finde, das ist eine gute Sache.

Der Anlass für alle dauert bis Sonntag. Es gibt Programmpunkte, da will man einfach dabei sein. Wie wäre es mit dem Frauenfelder Stuhlkarussell, oder dem Auftritt des COMEDYexpress?

Seit einiger Zeit bin ich Mitglied des NVV (Natur und Vogelschutzverein Frauenfeld). Auch dieser ist am Mitsommerfest dabei und mit seinem Angebot im Botanischen Garten stationiert.

Über das gesamte Programm kann man sich auf der Webseite zum Mitsommerfest (mit zwei T) informieren. Ich werde bestimmt vorbeischauen!

Jörg Niederer

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