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Freitag, 5. Juni 2026

Zierpflanze

Ein Zitat

Blüten des Japanischen Spierstrauchs
Foto © Jörg Niederer
"Vom Taue glänzt der Rasen; / beweglicher / Eilt schon die wache Quelle: / Die Buche neigt / Ihr schwankes Haupt und im Geblätter / Rauscht es und schimmert …" Friedrich Hölderlin (1770-1843)

Entdeckt

Das sind die Blumen eines Rosengewächses. Man sieht dies den halbgeschlossenen Blüten gut an, auch wenn der Strauch sonst so gar nicht nach Rosen aussieht mit seinen Dolden. Der Japanische Spierstrauch kommt ursprünglich aus Japan, Korea und China. Die Wildform hat es nie in die Gärten geschafft, wohl aber Züchtungen, die daraus entstanden sind. In Nordamerika gilt der Japanische Spierstrauch als invasiv. Durch Selbstaussaat konkurrenzieren er die in der Natur einheimisch vorkommenden Pflanzen. Bei uns scheinen er da wenig Probleme zu verursachen. Gut so.

Jörg Niederer

Samstag, 23. Mai 2026

Die zwielichtige Halblichtblume

Ein Zitat

Der Wiesen-Bocksbart ist eine ganz und gar essbare Wildpflanze mit speziellen Blütezeiten.
Foto © Jörg Niederer
"Ist der Bocksbart erst verblüht, so ragen die trockenen Blüten wie ein Ziegenbart aus den grünen Hüllblättern – und daher stammt auch der deutsche Name." Botanischer Garten Bern

Entdeckt

Man muss nicht in die Metadaten der Fotografie schauen, um sicher zu sagen, dass das Bild an einem sonnigen Tag vor 14.00 Uhr aufgenommen worden ist. Denn dann begibt sich (wenn man das so sagen will bei einer Pflanze, die sich nicht vom Fleck bewegt,) denn dann begibt sich der Wiesen-Bocksbart bereits in den Feierabend und schliesst seine wunderschöne Blütenpracht. Die Pusteblume, sie entwickelt eine Samenkugel wie der Löwenzahn, ist in allen Teilen essbar. Also daran denken, sollte es einmal zu einem Mangel an Spargeln oder auch Schwarzwurzeln kommen. Dann grabe man die Wurzel des Wiesenbocksbarts aus, oder pflücke die jungen Triebe des Stängels und bereite sie entsprechend zu. Als Dip kann man Letztere auch verwenden, oder die Blätter als Salat oder gekocht als Spinatersatz. Zudem ist der Wiesen-Bocksbart nicht selten.

Er sei, so heisst es, eine Halblichtpflanze, was wiederum irgendwie zwielichtig klingt. Da frage ich mich, wie lange es wohl dauert, bis diese schöne Blume nicht nur auf dem Teller landet, sondern auch Eingang in einen Kriminalroman findet.

Jörg Niederer

Mittwoch, 13. Mai 2026

Ausdauernder Lein

Ein Zitat

Der Ausdauernde Lein ist in der Schweiz nicht heimisch. Seiner Blüten wegen wird er aber auf Ruderalflächen angepflanzt.
Foto © Jörg Niederer
"Die Erde lacht in Blumen." E. E. Cummings (1894-1962)

Hingesehen

Nicht weit von unserer Wohnung entfernt wurde eine kleine Fussgängerinsel zu einem Trockenstandort umgestaltet. Dort wachsen allerlei typische Blumen und Gräser. Dieser Tage ist mir zwischen Bekanntem eine kleine Blume aufgefallen. Es ist der Ausdauernde Lein. In Mitteleuropa ist dieses Leinenkraut in freier Natur sehr selten geworden, in der Schweiz ist es nicht heimisch, in Österreich und Deutschland vom Aussterben bedroht.

Dass der Ausdauernde Lein an der Strasse, an der ich wohne, auf der kleinen Ruderalfläche zwischen Fahrbahn und Trottoir wächst, hat damit zu tun, dass er auch gerne in Gärten und öffentlichen Anlagen angepflanzt wird. Die kleinen blauen Blüten mit den fünf Kronblättern, deren Struktur entfernt an die von Faltenröcken erinnern, sind auch wirklich hübsch. Früher wurden die Stängelfasern dieser Art auch zur Herstellung eines groben Tuchs verwendet. Grobe Tücher sind nicht mehr in Mode und damit auch diese Pflanze. So schnell kann es gehen, dass Grundlagen einer kulturellen Errungenschaft überholt und vergessen sind.

Jörg Niederer

Dienstag, 13. Januar 2026

Ein Japaner aus China in Zürich

Ein Zitat

Eine Dolde des Japanischen Papierbusches, noch bevor die goldgelben Blüten zu sehen sind, ist aufgrund seiner behaarten Kelchröhrchen schon jetzt wunderschön.
Foto © Jörg Niederer
"Zeichnen ist eine Form des Nachdenkens auf dem Papier." Saul Steinberg (1914-1999), Karikaturist

Hingesehen

Bald schon wird er goldig gelb blühen, als eine der ersten Pflanzen im Jahr. Darauf bezieht sich auch der zweite Teil seiner lateinischen Bezeichnung "Edgeworthia chrysantha". "Chrysantha" stammt nämlich aus dem Griechischen und bedeutet "goldene Blüten". Wer genau hinsieht, erahnt unter den fein behaaren Kelchröhrchen die gelben Blütenblätter. Der "Japanische Papierbusch" wie er auf Deutsch genannt wird, stammt ursprünglich aus China und Myanmar. In Japan wurde er als Zierstrauch eingeführt. Dort wird aus seinen langen Bastfasern in einem aufwändigen Verfahren Japanpapier hergestellt. Dieses Papier ist zäh und leicht transparent und wird unter anderem für Kaligrafien verwendet.

Auch bei uns ist der 1,5 Meter hohe Busch ein Zierstrauch. Meine Frau bemerkte ihn am Rand des Friedhofs Sihlfeld in Zürich und war fasziniert von diesen silbrig schimmernden, warm bepelzten Blütendolden. Mal schauen, ob wir bald einem blühenden Exemplar begegnen. Dann werden wir den von den Blüten ausgehenden süssen Duft riechen können, der auch viele Insekten anlockt.

Jörg Niederer

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