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Donnerstag, 23. Oktober 2025

Die Konfluenz des Lebens

Ein Zitat

Die von Sedimenten des Juragebirges gesättigte Dünnern mündet bei Olten in die Aare ein, ohne sich gleich mit dem klareren Flusswasser zu vermengen.
Foto © Jörg Niederer
Jesus: "...wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird nie wieder Durst haben. Denn das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle werden: Ihr Wasser fliesst und fliesst – bis ins ewige Leben." Bibel, Johannes 4,14

Hingesehen

Es ist nicht gerade die grosse Konfluenz von Rio Negro und Rio Solimões, bei der die unterschiedlichen Färbungen der beiden Ströme noch kilometerweit beobachtet werden können. Doch auch dort, wo die trübe gefärbte Dünnern in die deutlich weniger Schwebeteile führende Aare einmündet, in Olten also, bleiben die beiden Wasser einige Zeit in ihrem Fluss, bevor sie sich zunehmend und schlussendlich ununterscheidbar verqirlen.

So ist es, wenn zwei oder mehr Kulturen aufeinandertreffen. So ist es, wenn eine neue Pfarrperson in den "Gemeindestrom eingeleitet" wird. So ist es, wenn sich zweierlei Formen von Spiritualität treffen und sich im besten Fall gegenseitig befruchten. So ist es, wenn Frau auf Mann trifft oder auch Mann auf Mann und Frau auf Frau.

Es braucht Zeit, bis zur Vermengung, bis zur Symbiose, bis zur Verschmelzung, bis zur Perichorese.

Es braucht auch einen Blick für das Andere. Es braucht einen Blick für den Sinn des Andersartigen. Vielleicht kommt es dann zum Synkretismus, zur Vermischung verschiedener Philosophien oder Lebensstile.

Aktuell diskutiert man, ob man die von Ewigkeitschemikalien belasteten Trinkwasservorräte durch Hinzufügung von unbelastetem Trinkwasser wieder bedenkenlos trinkbar machen kann. Da stellt sich die Frage: Was geschieht, wenn der eine Strom übel und der andere rein ist? Wird beides schlecht oder beides gut? Oder können in dieser Sache diese moralischen Kriterien gar nicht angewendet werden?

Christlich theologisch könnte man nun davon sprechen, dass sich Gott in Jesus Christus als Mensch in den Strom der Menschheit hineingegeben hat. Diese Menschwerdung von Jesus ist zu Vergleichen mit einem Tropfen, der in die Wassermassen des Pazifiks fiel. Seither ist dieser Menschheits-Pazifik nicht mehr der selbe wie zuvor. Für einmal und unerwartet hat die homöopathische Dosis mehr als gewirkt, und alles, was es gibt, wird nach und nach verwandelt werden.

Jörg Niederer

Montag, 6. Oktober 2025

Wertvoll?

Ein Zitat

In Zürichs Fluss Limmat sitzt auf einem Poller ein Froschkönig mit Krone und schaut hinaus auf sein Reich.
Foto © Jörg Niederer
"So legt, ihr Niedern, nieder euch, beglückt; Schwer ruht das Haupt, das eine Krone drückt." William Shakespeare (1564-1616)

Hingesehen

Zürich liegt am Zürichsee. Also hat es dort auch allerlei Gerät für eine Schifffahrt, welche sich auf der Limmat landeinwärts bis zum Landesmuseum hinzieht. Dort auf der Limmat, einige Meter vom befestigten Ufer entfernt, sitzt auf einer Dalbe ein Froschkönig und überblickt sein wässeriges Reich.

Warum diese Figur dort steht, weiss ich nicht. Vielleicht ist sie Bestandteil eines Trails, auf dem es allerlei zu entdecken gibt. Vielleicht gibt es eine Tradition von Froschkönigen in der Zwinglistadt. Vielleicht ist es eine Kunstinstallation. Jedenfalls scheint es kein Zufall zu sein, dass der Froschkönig dort sitzt, ist er doch mit einer Leine am Poller gesichert, so dass er nicht einfach so von schwimmenden Dieben mitgenommen oder von einer Flut weggetragen werden kann. Der Froschkönig scheint also irgendwie wichtig zu sein.

Dass er nicht nur ein Frosch ist, sondern ein Froschkönig, ist leicht an der Krone zu erkennen. Ihrer Form nach und in Zeiten des Gendern könnte es sich aber auch um eine Froschkönigin handeln. Mit Krone wird aus einem Frosch, dem die Franzosen ihrer Froschschenkel wegen nachstellen, ein Wesen, das man besser küsst, statt zu verspeisen.

Wenn das bei den Menschen nur auch so einfach wäre. Wenn alle Wertvollen und Guten der Menschheit Kronen tragen würden. Die ohne Krone verspeist man natürlich trotzdem nicht; wir leben ja nicht unter Barbaren. Die macht man zu Arbeiterinnen und Arbeitern.

Aber so ist es nicht. Bei der Menschheit tragen nur Kinder und Models Krönchen, oder dann noch die Blaublütigen, die es zwar gibt, aber deren Kronen nichts über ihren Anstand und ihre Ethik auszusagen vermögen. Folglich kann gesagt werden: Kronen sollten nicht überbewertet werden. Geboren jedenfalls wurde noch keiner und keine mit einer solchen Macht- und Schönheitsinsignie.

Vermutlich bedeutet dies, dass jeder Mensch in sich seinen Wert trägt, Krone hin oder her. Diese "inneren Kronen" zu entdecken mache ich mich heute wieder auf den Weg.

Jörg Niederer

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