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Samstag, 3. Oktober 2026

Ein Lob auf 22 Millimeter

Der Belpberg von Belp aus gesehen.
Foto: © Jörg Niederer

Ein Zitat

"Das Haupt in Sonnenstrahlen, der Fuss in 'schlechtem Wetter.'" Wilhelm Raabe (1831-1910)

Entdeckt

Oben: Aussicht von Hof Simmlern (Belpberg) auf die Berner Alpen. Unten: Der Hof der Familie Schär auf Simmlern. Hier fanden einst methodistische Bibelstunden statt.
Fotos: © Jörg Niederer
"22 Millimeter". Die Altbäuerin hebt die Hände freudenstrahlend. Soviel hat es in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober auf dem Belpberg geregnet. Während ich auf den letzten Wanderungen kaum eine Wasserlache und viele ausgetrocknete Bäche gesehen habe, ist diesmal alles anders. Wassertropfen hängen an Blüten und Samenständen. Bäche begleiten mich gurgelnd entlang der Wanderwege.

Auf meinem Weg von Münsingen nach Belp über den Belpberg, ein markanter, 11 Kilometer langer und 3-4 Kilometer breiter isoliert stehender, glazial gebildeter, knapp 400 Meter hoher Bergrücken, besuche ich wieder einmal eine methodistische Wirkstätte. Knapp unterhalb des Chutzen, mit 893 Metern höchsten Punkt des Belpbergs, liegt der Bauernbetrieb der Familie Schär. "Simmlern" nennt sich die Örtlichkeit südlich von der Ortschaft Belpberg. In den Konferenzverhandlungen der Methodistenkirche steht "Semmlern" und als Tätigkeit an diesem Ort "Predigt". Der Ortsname sei falsch, hat im Vorfeld der Wanderung die mir gut bekannte Cousine der eingangs erwähnten Bäuerin erklärt und mir auf der Karte genau gezeigt, zu welchem Hof ich gehen müsse. Für einmal bin ich mir beim Standort also sicher.

Vor dem Hof lärmt eine grosse Pumpe. Verschiedene Autos stehen herum. Erst suche ich vergeblich. Doch dann, auf mein Klopfen an der Wohnungstür, öffnet eine älter Frau und begutachtet mich fragend und leicht misstrauisch. Ich erkläre, wer ich bin und was ich tue, bringe Frau Schär die Grüsse ihrer Cousine, und nach und nach kommen wir zwischen Tür und Angel ins Gespräch. Es sei schon lange her, als noch Prediger der Methodistenkirche von Münsingen und Worb hier oben Bibelstunden (nicht Predigten!) gehalten hätten. Nun, Bibelstunden waren wohl oft nichts anderes als verkappte Predigten, die an Tischen und nicht von der Kanzel gehalten wurden. Gekommen zu diesen Stubenversammlungen seien aber fast ausschliesslich Menschen aus der Umgebung, und eigentlich alle seien sonst ins EGW (Evangelisches Gemeinschaftswerk) gegangen. Dass es Pfarrer der Methodistenkirche waren, die hier diesen Dienst getan hätten, liege wohl an verwandtschaftlichen Beziehungen.

Und dann bricht die Bäuerin beim Abschied in dieses spontane Dankgebet für den Regen aus. Und wieder einmal wird mir bewusst, wie wetterabhängig der Beruf von Landwirt:innen ist.

Jörg Niederer

Dienstag, 15. September 2026

Atemberaubend

Links: Aussicht vom Chuderhüsi-Turm: V.l.n.r. Wetterhorn, Schreckhorn, Finsteraarhorn Gross Fiescherhorn, Eiger, Mönch, Jungfrau. Davor sieben Hengste und Guggisgrat. Recht: der Chuderhüsi-Turm.
Foto: © Jörg Niederer

Ein Zitat

"Da liegt a junger Schrofndottl, / Er hat a Bergtour gmacht im Mai: / Gar langsam ist er aufikommen, / Aber untn g'wosn glei." Tiroler Marterl für einen abgestürzten Bergsteiger

Entdeckt

186 besteigbare Türme gibt es in der Schweiz. Erstaunlich, bedenkt man, dass viele von ihnen für nichts anderes gut sind, als um die Aussicht zu betrachten. Einer davon ist der Chuderhüsiturm. 195 Treppenstufen führen auf eine Höhe von 37 Metern. Diese Höhe braucht es auch, um über die mächtigen Tannen hinweg die Aussicht zu geniessen. Die ist dann auch bemerkenswert. Besonders der Blick zu den Berner Alpen ist atemberaubend. So sagt man zumindest, denn der Aussicht wegen hat noch niemand aufgehört zu atmen.

Auf dem Foto sind von links nach rechst die folgenden Alpengipfel zu sehen: Wetterhorn (3692 m ü. M.), Schreckhorn (4078 m ü. M.), Finsteraarhorn (4274 m ü. M.), Gross Fiescherhorn (4049 m ü. M. Der etwas niedrigere, schneebedeckte Gipfel rechts hinter dem Finsteraarhorn.), Eiger (3.967 m ü. M.), Mönch (4.110 m ü. M.) und Jungfrau (4.158 m ü. M.). Auf keinem bin ich je gestanden und werde es wohl auch nie. Dafür sieht man bei der Bergkette direkt vor den Alpenriesen die Sieben Hengste und den Guggisgrat. Die Sieben Hengste bestieg ich eins in jugendlichen Jahren von Beatenberg aus. Damals verbrachte ich Zeit in einem Sonntagschullager und durfte einige der Leitenden begleiten in diese atemberaubende (schon wieder!) Karstlandschaft. Es war meine erste grosse Bergtour. Da möchte ich unbedingt noch einmal hin. Vorerst aber bleibt das Schauen aus Distanz.

Jörg Niederer

Montag, 14. September 2026

Suchbewegung

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Oben: Auf der Martinsegg versammelten sich die Methodist:innen einst in diesem Bauernhaus. Unten: Coupe Prune, gegessen auf der Aussichtsterrasse vom Chuderhüsi.
Foto: © Jörg Niederer
"Wer das erste Knopfloch verfehlt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zu Rande." Johann Wolfgang Goethe (1749-1832)

Entdeckt

Kennst du den Blog von Thomas Widmer, auch Wanderpapst genannt? Er verbindet Wanderungen mit dem Kulinarischen. Dabei fotografiert er gerne auch das, was er oder auch seine Begleitung sich einverleiben. Eigentlich ein No-Go, Fotos von Essen zu posten. Bei Widmer hat es aber eine wanderergänzende Bedeutung. So weiss man, wo man unterwegs gut (oder auch nicht) speisen kann. Heute mache ich es auch einmal so. Den Coupe Prune und das alkoholfreie Bier genoss ich im Chuderhüsi. Das ist ein Gasthaus auf 1100 Metern Höhe nördlich von Röthenbach im Emmental. Ein Wanderbus bedient den Ort an Wochenenden jeweils einmal am früheren Morgen und einmal am späteren Nachmittag. Geführt wird das Haus von der christlichen Organisation El Rafa, im Speziellen von Menschen mit Suchtproblemen. Von der Terrasse des Hauses aus hat man einen fantastischen Ausblick auf Schrattenfluh, Hohgant, Brienzer Rothorn, Sieben Hengste und natürlich die Giganten der Berner Alpen mit Eiger, Mönch und Jungfrau im Zentrum. Am vergangenen Samstag wurden wir zusätzlich mit Technoklängen des dreitägigen KuMuKu Festivals auf der Chapfwacht beschallt. Das Bum-Bum war weitherum zu hören.

Nun aber zum eigentlichen Thema. Wie findet man den Ort, an dem Methodist:innen einst in Privathäusern zusammengekommen sind. Auf dieser Wanderung von Bowil hinauf zum Chuderhüsi liegt etwa auf 1000 Höhenmetern der Weiler Martinsegg. In den Konferenzverhandlungen von 1981 steht, dass dort bei Familie Moser Predigten stattgefunden haben. Nun hat es auf der Martinsegg mehr als ein Bauernheimet. Welches es ist, versuche ich jeweils herauszufinden, indem ich im Telefonbuch nachschaue, ob dort immer noch (in diesem Fall) die Familie Moser lebt. Dumm, wenn es dann die falschen Mosers sind, die unweit davon wohnen.

Also frage ich in relativer Nähe zum gesuchten Haus auch ortsansässige Personen. Ein junger Mann, der mit einer Motorsense das Strassenbord schnitt, und zufällig selbst im Nachbarhaus des gesuchten Objekts wohnte, zeigte mir den Platz, an dem sich früher abends Menschen einfanden zur Predigt. Er wusste aber noch von weiteren Orten in näherer Umgebung. Es war halt bei den zahlreichen Freikirchen im Emmental üblich, sich bei Privaten zu versammeln. Unglücklicher Weise entschied ich mich, auf einem etwas anderen Weg hinauf zur Martinsegg zu wandern. Angekommen fragte ich wieder eine ältere Frau, die aber erst zwölf Jahre hier wohnte und keine Ahnung von lokalen christlichen Aktivitäten hatte. Mutig läutete ich im grössten der Bauernhäuser. Dort wusste man auch nichts von Gottesdiensten, aber im Haus weiter unten, man sehe es von hier oben, da habe eine Frau Moser Sonntagschule gegeben. Das sei aber schon 30 oder 40 Jahre her.

Hätte ich den zuhause geplanten Weg genommen, wäre ich an besagten Haus vorbeigekommen. Noch einmal hinuntersteigen um mein obligatorisches Selfie vor dem Anwesen zu machen (Solche Selfies sind ja fast so verpönt wie Bildern von Essen!) wollte ich nicht mehr. Also fotografierte ich das Bauernhaus so gut wie es eben ging von meinem erhöhten Standort aus.

Was folgte war der restliche Aufstieg zum Chuderhüsi, das Besteigen des nahen  Aussichtsturms und den Abstieg zum Wanderausgangspunkt beim Bahnhof Bowil. 540 Höhenmeter bei 13 Wanderkilometern. Eine Etappe mehr auf meiner Kapellentour, vielleicht die Königsetappe im Emmental.

Jörg Niederer

Donnerstag, 30. Juli 2026

Der Weg geht nie aus

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Das Schloss Burgdorf
Foto © Jörg Niederer
"Man muss nur hübsch alt werden: dann gibt sich alles." Arthur Schopenhauer (1788-1860)

Entdeckt

In den letzten viereinhalb Monaten ist meine Weg auf der Kapellentour bis Burgdorf weitergegangen. Seit Projektstart am 28. Oktober sind 541 Kilometer und 13'000 Höhenmeter zusammengekommen. Ich bin dabei an 39 von der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) aktiv genutzten Liegenschaften vorbeigekommen. Weitere 27 aufgegebene Standort habe ich so nebenher auch noch besucht.

Die weitere Planung führt mich nun auf 238 Kilometern via Jegenstorf, Hindelbank, Langnau i. E., Signau, Worb, Belp, Wabern, Bern, Lyss, Aarberg, Täuffelen, Neuchâtel und Saint-Imier nach Biel.

Mit Neuchâtel werde ich mein westlichstes Tourenziel erreichen. Danach geht es wieder mehrheitlich ostwärts, und irgendeinmal werde ich dann erneut in Zürich landen.

Solche Reisen über lange Distanzen und mit gesteckten Zielen führen immer zu einem Problem: Irgendeinmal sind sie abgeschlossen. Was wird dann kommen? Nun, da wären noch einige Kapellen und Standorte der EMK im Berner Oberland. Und danach könnte der süddeutsche Raum folgen, oder auch Österreich, Ungarn, usw.

Der Weg wird mir nie ausgehen. Solange die Beine tragen, geht es in meinem Leben immer auch wieder zu Fuss weiter.

Jörg Niederer

Freitag, 24. Juli 2026

Als Bergtouristen unterwegs

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Das Berggasthaus Seebenalp zwischen Gross- und Schwarzsee. Im Hintergrund von link nach rechts die Gipfel Schären, Wart und der Churfirstenberg Frümsel.
Foto © Jörg Niederer
"Wie die alten Berge von Abendrot triefen / Wie die Tannen brennen / wie das dichte Gebüsch mit Glut behängt ist / Verzaubert von Sonnen..." Emily Dickinson (1830-1886)

Entdeckt

Für unser ziviles Hochzeitstag-Jubiläum wagten wir uns ins Getümmel der Flumserberge. Begleitet wurden wir auf der kurzen Wanderung von Maschgenkamm hinunter zur Tannenbodenalp von unserem jüngsten Sohn. An diesem Tag gab es kaum einmal einen Moment, beim dem sich nicht in Hördistanz andere Bergtouristen bemerkbar machten. An der teils atemberaubenden Aussicht tat dies jedoch keinen Abbruch. Immer wieder ging der Blick hinüber auf die andere Seite des Walensees zu den Churfirsten. Oder dann bewunderten wir den amerikanisch anmutenden Westerngipfel Spitzmeilen und natürlich auch den markanten Sächsmoor. So viele Touristen sich tummelten, so wenig Vögel fanden sich über der Waldgrenze. Die intensive Berglandwirtschaft an diesem Ort ist nicht gerade förderlich für Wiesenbrüter.

Was dagegen wirklich empfehlenswert ist: das Essen im Restaurant Molseralp. Ich hatte ein Cordon bleu mit Bergkäse und Steinpilzen, dazu einen gemischten Salat. Selten ass ich ein so gutes Cordon bleu. Auch die Bedienung war flink und kompetent, trotz der vielen Gästen.

Alles in allem: Ein niederschwelliger Bergausflug mit schönen Ausblicken, vielen Mitreisenden, feinem Essen und der besten Begleitung meines Lebens.

Jörg Niederer

Mittwoch, 15. Juli 2026

Rast und Reise

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Das Wanderwegzeichen steht für Bewegung, die Hauswurz für Verharren.
Foto © Jörg Niederer
"Nichts bringt uns auf unserem Weg besser voran als eine Pause." Elisabeth Barrett-Browning (1806-1861)

Entdeckt

Die Schweiz ist gepflastert mit Wanderwegzeichen. Dieser Rhombus gehört zum Wegnetz im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Angebracht an einem Gartenzaunpfahl ob der Sitter beim Gehöft Würzen erzählt er von Bewegung, von Fussreisen, von vorübergehenden Momenten. Auf dem selben Holzpfahl wächst die Hauswurz. Eine Dickblattpflanze, welche ein beachtliches Verharrungsvermögen aufweist. Zugleich ist sie weit verbreitet, von Marokko bis Iran, von der Meereshöhe bis in die alpinen Lagen. Bewegung und Verharren. Dazu passt auch das Zitat von Elisabeth Barrett-Browning: "Nichts bringt uns auf unserem Weg besser voran als eine Pause". Gelesen haben wir diesen Spruch einige hundert Meter weiter auf unserer Wanderung, auf einer Gartenbank.

Vorankommen hat wenig zu tun mit Geschwindigkeit, mit Rastlosigkeit. Voran kommt man, wenn man sich Zeit nimmt, einen Schritt vor den andern setzt, aber auch die Zeit an Ort und Stelle erträgt. Wie um das zu lernen, warten wir dann 90 Minuten lang auf das Postauto, das zu dieser Zeit in Haslen nur gerade alle zwei Stunden die Aufwartung macht. Das einzige Restaurant ist zu. Zerstreuung ist Mangelware. War es verlorene Zeit? Nein, das war es nicht.

Jörg Niederer 

Donnerstag, 21. Mai 2026

Zu Fuss unterwegs

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Ein Feuersalamander zeigt sich auf dem Wanderweg kurz nach der Ortschaft Buchberg.
Foto © Jörg Niederer
"Der Pflug im Acker die Saat und Frucht und des Weinbergs Reben mögen dem Bauernstand den Frieden geben". Hausanschrift in Rüdlingen am Buchberg, Schaffhausen

Entdeckt

Die letzten vier Tage war ich mit meinem Wanderfreund René Moor zu Fuss unterwegs. Nach einem Unfall wollte er sein Gehvermögen auf einer Wanderwagen-Tour austesten. Wanderwagen sind so eine Art Einkaufswagen für Wandernde. Also Transporthilfen, welche den Rucksack ersetzen und die Last in einen von Hand gezogenen oder gestossenen Anhänger verschiebt. Das hat auf der Tour von Weinfelden bis Kaiserstuhl im Aargau bestens funktioniert. Ich selbst trug meine Last am Rücken, inklusive Zelt und mehr. In einem unbedachten Moment auf dem ersten Abschnitt stürzte ich und quetschte mir wohl eine Rippe, was sich auf meine Nachtruhe im Zelt schmerzhaft negativ auswirkte und auch dem Gehen etwas von seiner Leichtigkeit nahm. Doch auch ich habe die 72 Kilometer lange Strecke auf meinen eigenen Füssen bewältigt. Dabei bewegten wir uns durch vier Kantone: Thurgau, Zürich, Schaffhausen und Aargau. Unterwegs waren wir in zwei Ländern: Der Schweiz und Deutschland.

Den kleinen Fussgänger in Warnanzug (Foto) trafen wir unweit der Ortschaft Buchberg auf dem Weg hinunter nach Eglisau. Der Feuersalamander machte sich bei unserem Anblick erstaunlich schnell aus dem Staub, wodurch er gar nicht so leicht zu fotografieren war. Sympathisch, dieser gelbschwarze, ungefährliche Lurch. Noch ausschliesslicher als wir Wanderer ist er zu Fuss unterwegs. Ein Beispiel für die Artenvielfalt in der schaffhauserischen Exklave am Rhein.

Jörg Niederer

Samstag, 4. April 2026

Karfreitagswanderung

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Im Zoar, der Evangelisch-methodistischen Kirche in Muhen feierten Menschen aus den reformierten und methodistischen Kirchen gemeinsam den Karfreitagsgottesdienst.
Foto © Jörg Niederer
"Ich bin ein rechtes Rabenaas, / Ein wahrer Sündenkrüppel, / Der seine Sünden in sich frass, / Als wie der Russ' den Zwippel [gemeint ist der Rost]. / Herr Jesu, nimm mich Hund beim Ohr, / Wirf mir den Gnadenknochen vor, / Und schmeiss mich Sündenlümmel, / In deinen Gnadenhimmel." Kernlied aus einem alten schlesischen Kirchengesangbuch

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Nein, das Kernlied aus dem alten schlesischen Kirchengesangbuch haben wir nicht gesungen. Doch andere Lieder wurden angestimmt, im Zoar, dem Jugend- und Gemeindehaus der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Muhen. Dort startete ich gestern mit dem Besuch des Gottesdienstes meine karfreitägliche Etappe der Kapellentour.

Wie auch in der Methodistenkirche in Niederzuwil sitzt man im Zoar an kleinen Vierertischchen. Der gemeinsam mit der Reformierten Kirche gestaltete Gottesdienst war gut besucht; keine der Sitzgruppen blieb leer. Geleitet wurde die Feier gleich von zwei Pfarrpersonen mit methodistischen Wurzeln. Einmal von der methodistischen Pfarrerin Christine Moll, dann vom der EMK "abtrünnig" gewordenen reformierte Pfarrer Stephan Gassler. Der Gottesdienst war bewusst einfach gehalten. Eine Predigt gab es nicht. Stattdessen wurde von verschiedenen Beteiligten die ganze Passionsgeschichte aus der Bibel gelesen. Dazwischen sang die Gemeinde elektronisch begleitet passende Lieder. Das Abendmahl folgte unmittelbar auf den Leseteil, in dem das letzte Passamahl von Jesus mit den Jüngern beschrieben wird. Mit der Schilderung des Todes Jesu am Kreuz wurde die Altarkerze ausgelöscht. Der Gottesdienst endete im Schweigen.

Draussen vor der Tür konnte ich mich mit drei meiner früheren Gemeindegliedern unterhalten. Mit dem Aus der Gemeindearbeit in Schmiedrued (siehe Beitrag vom 25. März 2026!) wechselten sie in die nahe gelegene EMK Muhen. Es war schön, in die bekannten Gesichter zu blicken und einige Worte zu wechseln.

Dann ging es für mich los, direkt auf der als Wanderweg ausgeschilderten und am Zoar vorbeiführenden Strasse. Mein nächstes Ziel galt der ehemaligen Kapelle in Kölliken. Wie so viele sakrale Gebäude in der Region wird sie heute alternativ genutzt, in diesem Fall als Wohnraum. Dann warf ich einen Blick auf das Gelände der unglaublich aufwendig sanierten ehemalige Sondermülldeponie. Hier soll nun eine landwirtschaftliche Nutzfläche entstehen, die beispielhaft biodivers bewirtschaftet wird. Ich bin sehr gespannt. Der weitere Weg führte mich dann hinauf auf den Engelberg und wieder hinunter in meine Geburts- und Heimatstadt Olten. Ein kurzer Besuch bei meiner Mutter im Altersheim rundete die mit 400 Höhenmetern und 16 Kilometern Länge etwas anspruchsvollere Wanderung ab. Doch, so kann man den Karfreitag durchaus verbringen.

Jörg Niederer

Montag, 30. März 2026

Zuhause verirrt

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Jörg Niederer vor den Gebäuden der Vorstatt Chele Bottenwil, die sich zwischen Friedhof und Uerke finden.
Foto © Jörg Niederer
"Die EMK Vorstatt Chele Bottenwil ist eine aufgestellte, lebensnahe, christliche Gemeinde mit einem Altersspektrum von jungen Familien bis zu aktiven Senioren." Selbstbeschreibung der Evangelisch-methodistischen Kirche Bottenwil

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Bottenwil. Eines nachts war ich auf dem Hügelzug zwischen Wiggertal und Uerkental mit dem Mountainbike unterwegs. Damals wohnte ich in Strengelbach und meinte, die Gegend zu kennen wie meine Hosentasche. Es war die Zeit, als noch keine Federung die geländegängigen Zweiräder praxistauglicher erscheinen liessen. Auch war es stockdunkel und der Wald sah so ganz anders aus als bei Tag. Nun ist es aus wildbiologischer Sicht und auch sonst nicht besonders klug, in der Nacht herumzubiken, aber damals wusste ich das noch nicht besser. Irgendeinmal entschied ich mich, wieder heimzufahren. Ich fuhr den Berg hinunter, so rasant, wie das möglich war – und landete in Bottenwil. Das war nun definitiv die total falsche Richtung. In solchen Momenten ist man jeweils müder als wenn alles richtig gelaufen wäre, und so kämpfte ich mich frustriert die steile Strasse 150 zusätzliche Höhenmeter hinauf, um dann auf der richtigen Seite wieder hinunter zu fahren.

Bottenwil. Das war das Ziel der Etappe auf dem Kapellenweg, welche meine Frau und ich am vergangenen Samstag von Moosleerau her unter die Füsse genommen hatten. In Bottenwil gibt es zur Abwechslung mal wieder eine aktive Gemeinde der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK). Noch vor 20 Jahren gehörten zu diesem Kirchenbezirk auch die Kapellen in Staffelbach und Uerkheim. Diese sind zwischenzeitlich verkauft und werden anders genutzt. Dazu dann in späteren Beiträgen mehr. Denn die Umnutzung der beiden kirchlichen Gebäude ist originell. Soviel sei verraten: Es geht dabei um Holz und Stoff.

Zurück zur EMK in Bottenwil. Im Jahr 2018 wurde die Kapelle umgebaut und mit einem freistehenden Wohnhaus erweitert als "Vorstatt Chele Bottenwil" eingeweiht. Der neue Kapellenanbau ist originell mit Holzlatten verkleidet. Das Wohnhaus steht unmittelbar an der Uerke. Erstmals wohnte an diesem Ort auch der Gemeindepfarrer. In der Planungsphase, die sehr lange dauerte, – ich weiss davon, weil ich damals im Bau- und Verwaltungsausschuss der Kirche mitdiskutierte – wurden verschiedene Ausbaumöglichkeiten ins Auge gefasst und teilweise oder auch ganz wieder verworfen. Naheliegend, dass dieser Prozess nicht ganz ohne Spannungen abgelaufen ist. Entstanden sind grosszügige Räumlichkeiten für den Gemeindealltag.

Einige Zeit lang fanden sogar die Beisetzungsfeiern der politischen Gemeinde offiziell in dieser Kapelle statt, liegt doch der Friedhof direkt gegenüber auf der andern Strassenseite.

Heute treffen sich an diesem Ort so 35 Erwachsene und 15 Kinder im sonntäglichen Gottesdienst. Also durchaus eine lebendige Gemeindearbeit. Aktuell ist auch eine 20%-Stelle in der EMK Vorstatt Chele Bottenwil offen für eine Mitarbeiter:in Administration.

Jörg Niederer

Freitag, 20. Februar 2026

Auf den Mensch gekommen

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Ein mittelgrosser Mischlingshund begleitete mich zwischen Lelgio und Ranscea auf dem Fernwanderweg ViaGottardo.
Foto © Jörg Niederer
"Gleich wenn der Winter-Schnee auftauet und man den blossen Leib der Erde zum ersten mal wieder sieht, fängt diese Viel-Schönheit an..." Matthias Claudius (1740-1815)

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Plötzlich war er da. Auf der Höhe von Lelgio, da wo sich das Gehöft mit den neugierigen Ziegen befindet, stand er an meiner Seite. Der schwarze, mittelgrosse Hund mit dem einen hellen Bein sah ein bisschen so aus wie diese agilen Hirtenhunde, die geschickt ganze Schafherden dirigieren und treiben können. Ging ich voran, folgte er mir oder eilte neugierig herumschnuppernd voran. Ab und zu hob er das Bein. Blieb ich stehen, schaute er, was ich tat, kam zurück zu mir, wie als wollte er mich abholen. Er war sichtlich besorgt und ein vielfaches flinker als ich auf diesem ansteigenden Pfad. Bald machte ich mir Sorgen. Das Halsband war ein untrügliches Zeichen, dass er irgendwo da hinter mir ein Zuhause haben musste. Oder war er entlaufen und auf der Suche nach einem neuen Rudel. Was, wenn er mir bis Isone folgt, und dann ins Postauto springt? Würde man mir glauben, dass es nicht mein Hund ist, oder von mir verlangen, dass ich für ihn bezahle.

Die Aufmerksamkeit des Tieres tat gut, die stille Verständigung, seine wachsame freundliche Art. Dann war Zeit für einen kleinen Imbiss, da wo in Luera ein:e Anwohner:in in einem Kästchen am Wanderweg, direkt neben einer Gartenbank, den Fussreisenden kostenlosen Grappa offeriert. An diesem Ort überkam den Vierbeiner eine sichtliche Unruhe. Mehrfach setzte er sich hin und schaute hinunter ins Tal, an dessen Ende der Lago di Lugano blau zwischen den Bergen leuchtete. Fast etwas ärgerlich bellte der Hund ein einziges Mal, als wolle er die Seinen herbeirufen. Dann war er wieder weg. So sorgfältig er mich hinaufbegleitet hatte, so zielstrebig eilte er nun den Weg zurück, und verschwand bald schon meinen Blicken. Schade, dachte ich. Doch sogleich überkam mich auch eine gewisse Erleichterung. Der Hund hatte die Verantwortung für sein Leben wieder aus meiner Hand genommen. 

Jörg Niederer

Freitag, 6. Februar 2026

Schmerzensweg - Erinnerungsweg

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Eine der Kapellen der Evangelisch-methodistischen Kirche liegt in einem ruhigen Ortsteil der politischen Gemeinde Rupperswil.
Fotos © Jörg Niederer
"Es kann der Tag kommen, da all unser Gold nicht reicht, uns ein Bild von der entschwundenen Zeit zu formen." Inschrift von Unbekannt beim Dorfmuseum Rupperswil

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Rupperswil. Hier besitzt die Evangelisch-methodistische Kirche eine Kapelle. Aktuell wird sie als Wohnhaus und auch noch als Kirche benutzt. Jedoch besuchen die Methodist:innen, die hier einst in den Gottesdienst gingen, wie schon jene aus Bremgarten (Siehe Beitrag vom  1. Februar 2026!) und Lenzburg (Siehe Beitrag vom 4. Februar 2026!) die Anlässe der "3x3 EMK Region Lenzburg". Das ist naheliegend, im buchstäblichen Sinn. Eine Pfingstgemeinde ist heute in den Räumen in Rupperswil eingemietet.

Ich bin wieder in einer Region, in der sich die Präsenz der Methodistenkirche in verschiedenen Liegenschaften niederschlägt. Alleine auf der gestrigen Etappe der Kapellentour von Lenzburg via Rupperswil, Hunzenschwil und Rohr nach Aarau bin ich an drei methodistischen Gotteshäusern und an einer ehemaligen Kapelle vorbeigekommen.

Aber es ist auch eine Wanderung, an der mich trübe Gedanken begleiten. So steht doch Rupperswil für einen der brutalsten Morde in der Geschichte der Schweiz. Gerade lief auf SRF eine Dokumentation über dieses schreckliche Geschehen. Unter den Opfern war auch eine junge Frau, die in der 3x3-EMK-Gemeinde ein- und ausgegangen ist. Und dann bin ich auch wieder vor dem Haus in Rohr gestanden, in dem mein jüngster Bruder nicht mehr weiter leben konnte und wollte. Das war vor noch nicht einmal zwei Jahren.

Aber Rupperswil war auch ein Ort, an dem ich als etwas erfahrenerer Nachbarspfarrer einen Kollegen begleiten durfte, der eben seine ersten Schritte in dieser Aufgabe zu gehen versuchte. Heute wirken zwei seiner Brüder an massgeblichen Stellen in der Kirche mit. Er jedoch hat sich im Verlauf dieser Zeit als Pfarrervikar in Rupperswil für einen anderen Weg entschieden.

Rupperswil. Das ist auch der Standort der Zuckermühle. Da fühlt man sich als Bewohner von Frauenfeld und dessen Zuckerfabrik doch gleich irgendwie mit dem aargauischen Ort verbunden.

Ganz nebenbei konnte ich auf dieser Wanderung auch einige Dinge erledigen, die mit meinem weiteren Engagement in der Methodistenkirche zu tun haben. So besichtigte ich Lokalitäten für die kommende Tagung der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika in Hunzenschwil. Dazu aber etwas mehr zu einem späteren Zeitpunkt.

Jörg Niederer

Donnerstag, 22. Januar 2026

Auf in den Nebel

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Der Fruchtstand einer Waldrebe wurde vom Raureif in ein vergängliches Glitzerwunder verwandelt.
Fotos © Jörg Niederer
"Jeglicher Zauber geht verloren, wenn du versuchst, ihn einzufangen." Helga Schäferling (*1957)

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Aus dem Zugfenster sehen wir eine sonnige Winterzauberlandschaft. An uns vorbei ziehen mit Raureif behangene weissgefärbte Bäume auf grünen Wiesen. Dann wendet sich die Fahrt dem Ausgangspunkt der Wanderung zu. In Affoltern am Albis ist von der Pracht noch eine Ahnung übriggeblieben. Die Sonne schafft es gerade noch so, einen kaum wahrnehmbaren Schatten zu werfen. Kurz steigen wir im Wald auf eine kleine Anhöhe nahe Ottenbach, dann geht es hinunter zur Reuss in eine Nebelsuppe, die wir nur zu gut von unserem Wohnort her kennen. Von nun an ist es eine Wanderung voller Überraschungen. Was wird wohl als Nächstes schemenhaft auftauchen und wieder verschwinden? Entlang des Flusses sind wir fast allein. Es ist still bei einem der 30 Naturschutzgebiete entlang der Reuss.

Für einmal ist das Weiterwandern auf der Kapellentour kein Aufstieg ins Licht, sondern ein Abstieg in den Nebel. Wer nur hat diese Strecke für diesen Tag ausgesucht?

Ein Vorteil gibt es aber: Wir sind umgeben von Raureif. Die Eiskristalle verzaubern uns und alles, lassen die kleiderdurchdringende Kälte immer einmal wieder vergessen. Ein Storch fliegt in vielleicht 20 Meter Höhe direkt über uns hinweg. Ein Trupp Schwanzmeisen zwitschert mit den Wintergoldhähnchen um die Wette. Enten fliegen, überrascht von den Schritten der einsam Wandernden, auf die gegenüberliegende Flussseite.

Es ist eine Reise vom Kanton Zürich in den Kanton Aargau. Es ist eine Reise nach innen.

Jörg Niederer

Samstag, 10. Januar 2026

Hotel und Hospiz, Familiengrab und Elektro-Maserati

Ein Zitat

Die Diakonie Bethanien hat sich einen eindrücklichen neuen Hauptsitz gebaut an der Buckhauserstrasse in Zürich-Altstetten.
Foto © Jörg Niederer
"Trachte darnach, dass das Tier / dich nicht verleugne am Jüngsten Tag. / ... / trachte darnach, dass der Mensch / dich nicht verleugne am Jüngsten Tag. / ... / Trachte darnach, dass der Stern / dich nicht verleugne am Jüngsten Tag." Aus dem Gedicht "Tier, Mensch, Stern" von Erika Burkhart (1922-2010) 

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Seit ich auf meiner Kapellentour das Jahr 2025 beschloss (Siehe Beitrag vom 1. Januar 2026!), ging es an zwei weiteren Tagen weiter kreuz und quer durch die Stadt Zürich, vorbei an vier Kindertagesstätten von Bethanien und Bethesda, auch zwei Methodistenkirchen waren mit Zürich Nord in Oerlikon und Zürich 4 beim Stauffacher unter den "Sehenswürdigkeiten". In dem historischen Haus von Zürich 4 befindet sich auch das Netz 4 mit seinen vielen sozialen Angeboten. Dann stolperten wir über ein weiteres Altersheim der Bethesda Alterszentren AG und kamen am Hauptsitz des Bischofs und der Zentralverwaltung der Evangelisch-methodistischen Kirche vorbei. In dieser Liegenschaft an der Badenerstrasse 67+69 war einst das Verlagshaus CVB Buch + Druck zu finden. Sie gehört immer noch der Genossenschaft CVB Immobilien. Eingemietet in die unteren Räume findet sich mit der Streetchurch eine diakonisch-kirchliche Arbeit der Evangelisch-reformierten Kirche. Weiter kamen wir zu zwei Restaurants. Eines beim Bethesda-Alterszentrum Schmiedhof, das andere an unserem Endpunkt, dem Hauptsitz der Diakonie Bethanien. Dort assen wir denn auch eine Lauch-Flammenkuchen und tranken eine heisse Ovomaltine.

Die Diakonie Bethanien hat sich einen eindrücklichen neuen Hauptsitz gebaut an der Buckhauserstrasse in Zürich-Altstetten.
Foto © Jörg Niederer
Was gab es auf diesem verwirrlichen Weg sonst noch alles zu sehen und zu erleben? Da war um 14 Uhr die Schweigeminute zum Gedenken an die Toten und Verletzten der Brandkatastrophe in Crans-Montana. Während am Bahnhof in Zürich viele gemeinsam schweigend still standen, ging das Leben an der Badenerstrasse trotz Glockengeläut ungebremst weiter, als hätte es diesen seltenen nationalen Trauertag nicht gegeben. Da hielten sich selbst die Spatzen in der Mentona-Moser-Anlage geradezu still an diesem kalten Tag. Auch mit genauer Adressangabe verirrten wir uns kurz auf der Suche nach einer Bethanien-Kita, die im selben Haus untergebracht ist wie das Geburtshaus Delphys. An diesem Ort, so lasen wir, haben schon 4453 Babys das Licht der Welt erblickt. Den Friedhof Sihlfeld erreichten wir über die Goldbrunnen-Strasse. Im Friedhof dann wenig Gold, aber Brunnen gab es, sowie viele alte und einige neue Gräber. Selbst eine Heinze fand sich an diesem stillen Ort. Vorbei am Oval des Stadions Letzigrund, bietet an der Badenerstrasse in Altstätten eine Maserati-Vertretung exklusive Occasionen an und einen Elektroboliden für schlappe 415'000 Franken. Das ideale Vehikel für einen Pfarrer im Ruhestand.

Dann zeigt ein Wegweiser den richtigen Weg zur Diakonie Bethanien und zum Placid-Hotel, und wieder einmal stehe ich vor dem beeindruckenden Hochhaus, in dem sich nebst Büroräumen auch besagtes Vierstern-Hotel, eine Kita und das Restaurant Buckhuser befindet. Anfänglich fand sich hier auf einem Stockwerk auch ein Sterbehospiz. Geplant war auch, dass die Bethanien-Diakonissen in diese Gebäude umziehen. Da sich das nur 10 Meter breite Hochhaus jedoch in einer Gewerbezone befindet, und dauerhaftes Wohnen an dieser Stelle nicht gestattet ist, sind die Schwestern an ihrem alten Standort beim Spital Bethanien geblieben.

Nun gibt es in Zürich nur noch zwei methodistische Orte, die ich nicht besucht habe. Einmal das von Diakonie Bethanien geführte Eltern-Kind-Haus, dessen Standort aus den selben Gründen wie bei Frauenhäusern geheim ist. Und dann die Methodistenkirche in Altstätten.

So gibt es im direkten städtische Umfeld von Zürich mindestens 24 Liegenschaften und Angebote, die noch heute im näheren oder weiteren Sinn irgend etwas zu tun haben mit der Evangelisch-methodistischen Kirche. Zürich ist damit ein methodistischer Ballungsort.

Jörg Niederer

Samstag, 20. Dezember 2025

Magere Ausbeute

Ein Zitat

Zwei Tiere, die sich im Kaltbrunner Riet fotografieren liessen. Misteldrossel und Reh.
Foto © Jörg Niederer
"Zwölf gute Fotos in einem Jahr sind eine gute Ausbeute." Anselm Adams (1902-1984), US-amerikanischer Landschaftsfotograf

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Gestern schloss ich das fehlende Teilstück meiner Wanderung von methodistischer Liegenschaft zu methodistischer Liegenschaft zwischen Bilten und Schmerikon. Am Weg; das Kaltbrunner Riet mit seinen zwei Beobachtungstürmen. Beim höheren führt eine grenzwertig schmale Wendeltreppe hinauf und wieder herunter.

Auf den Abstecher zu dem artenreichen Riet beim Storchenhotspot Uznach habe ich mich besonders gefreut, und folglich auch diese langen, eher langweiligen Geraden entlang des Linthkanals in Kauf genommen. Dafür habe ich auch das schwere Teleobjektiv mitgenommen und damit gut 1,5 Kilogramm mehr über 14 Kilometern auf dem Buckel getragen.

Die Ausbeute an guten Tieraufnahmen im Kaltbrunner Riet war dann jedoch sehr bescheiden. Fünf Rehe zeigten sich auf der gemähten Schilfwiese und die Misteldrossel, eine Verwandte der Amsel. Letztere wird auch Schwarzdrossel genannt. Zumindest platzierte sich die Misteldrossel in dankenswerter Weise direkt neben einer Mistel. Gesungen hat der Vogel auch, wunderschön und aus Leibeskräften.

Störche dagegen habe ich nicht einen gesehen, Grau- und Silberreiher gab es andern Orts auf der Wanderung mehr. Pfeif-, Stock-, Reiher- und Löffelenten, Blässhühner, Teichhühner und Lachmöwen tummelten sich fernab an der Linth und im Zürichsee bei Schmerikon. Die obligaten Rabenkrähen waren natürlich auch immer irgendwo zu sehen. Einzelne von Ihnen attackierten in gewohnter Weise die Rotmilane und Bussarde. Das alles unter einem bewölkten Himmel.

Doch klagen will ich nicht. Die Bewegung in der kalten Dezemberluft hat gut getan und die Gespräche am Wegrand ebenso.

Jörg Niederer

Freitag, 19. Dezember 2025

In und vor der Residenz

Ein Zitat

Die Residenz Bethesda Itschnach ist eines der grössten Alterszentren, das mir bekannt ist. Zum ersten Mal stand ich auf einer Wanderung am 15. Dezember 2025 davor.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn du die Hand geschlossen hältst, kann nichts Gutes hineinkommen. Die offene Hand ist gesegnet, denn sie gibt reichlich, so wie sie empfängt." Biddy Mason (1818-1891), ehemalige Sklavin und Mitgründerin der First African Methodist Episcopal Church in Los Angeles, California.

Hingesehen

Ausgangspunkt unserer Wanderung vom Montag war Egg. Dort gibt es eine Kapelle der Evangelisch-methodistischen Kirche, die jedoch als Kinderkrippe genutzt wird. Sie gehört zum Distrikt Nordostschweiz, und so besuchte ich sie bereits einmal zu Fuss im Jahr 2010. Zielort der aktuellen Wanderung war die Residenz Bethesda Itschnach. Von weitem hatte ich die Gebäude auch schon gesehen, doch noch nie stand ich direkt vor diesem aus methodistischem Handeln entstandenen Werk. In meinem Geburtsjahr 1959 wurde dort mit Bauen begonnen. Es entstand ein Heim für Chronischkranke, welches 1962 zusammen mit einer Krankenpflegerinnenschule eröffnet wurde. Getragen wurde die Arbeit von Diakonissen des Diakonats Bethesda Basel.

Man könnte dieses Werk auch als Mutterhaus der Bethesda Alterszentren AG bezeichnen. Heute sind es mehrere Häuser, die sich aufteilen in die Pflegeeinrichtung Residenz Küsnacht und Panorama Park Küsnacht mit seinen Alterswohnungen. 230 Mitarbeiter:innen kümmern sich dort um die Bewohner:innen. Auch die Seelsorge ist nebst der Pflege fester Bestandteil dieses christliche Werks.

Natürlich sind wir dann auch in die Residenz eingetreten, und haben uns kurz umgesehen. Die Cafeteria war gut besucht, in der Auslage sahen wir feine Tortenstücke, doch geblieben sind wir dann doch nicht. Abschliessend habe ich dann noch das obligate Selfie vor dem Schriftzug der Residenz beziehungsweise der Liegenschaft aufgenommen. Als ich auch noch den Glockenturm fotografierte, fragte mich eine vorbeieilende Frau, wohl eine leitende Angestellte, ob ich auch im Haus fotografiert habe. Es war ihr wichtig, dass ich die Privatsphäre der Bewohnenden und ihrer Gäste respektiere. Ich konnte sie beruhigen. Das ist ja eine Selbstverständlichkeit. In der Konsequenz gibt es daher halt immer nur Fotos, auf denen methodistische Häuser ohne Menschen zu sehen sind. Oder dann müsst ihr mit meinen Gesichtszügen Vorliebe nehmen, über deren Erscheinen in der Öffentlichkeit ich nach wie vor frei verfügen kann :-).

Jörg Niederer

Mittwoch, 17. Dezember 2025

Sonne gefunden

Ein Zitat

Eine Hecke bei Vorder-Guldenen im Zwielicht von Nebel und Sonne.
Foto © Jörg Niederer
"Wegen Nebel muss kein Vorhaben ausfallen." Redensart, bei der "Nebel" für einen "undurchsichtigen Grund" steht. 

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Der Spannungsbereich von Neben und Sonne ist immer wieder gut für herzerwärmende Augenblicke. Meine Tour von Kapelle zu Alterszentrum zu Kinderkrippe zu Spital zu Freizeithaus zu Kapelle, alle mit methodistischem Hintergrund, führt mich immer wieder an Orte und in Wetterumstände, die ich sonst wohl nicht entdecken würde. So auch am vergangenen Montag, als unser Weg – meine Frau begleitete mich auf diesem Abschnitt – von Egg über Vorder-und Hinter-Guldenen mit seinen wunderbaren Rietflächen und Waldlichtungen via Mülitobel hinunter ins Küsnachter Tobel und zur Bethesda Altersresidenz in Itschnach führte. Da oben auf Vorder-Guldenen stellte sich das ein, was wir nebelgeplagten Mittelländer:innen uns erhofften. Auf knapp 800 Höhenmeter erlebten wir, wie der Nebel, geblendet vom Sonnenlicht, erst einmal noch undurchdringlicher wurde. Doch dann – über uns blauer Himmel. Am Boden huschte der Schatten im Wandertempo. Warm wurde es uns für diese Viertelstunde, in der wir immer wieder ins Zwielicht von Nebel und Sonne gerieten. Nur kurz war dieses Gipfelerlebnis. Im Wald dann regneten die Bäume ihren Raureif und einige kleine Eiszapfen ab. So wurden wir nass in heiterem, nebeldiffusem Licht. Neben uns plätscherte und rauschte der Mülibach, ein Wasseramselpaar putzte sein Gefieder und weitere Vögel zwitscherten einander ihre Geschichten zu.

Jörg Niederer

Freitag, 12. Dezember 2025

Die reichste Gemeinde der Schweiz

Ein Zitat

Die Reihenarbeiterhäuser am Kirchweg in Ennenda sind teilweise mit geschweiften Quergiebeln versehen.
Foto © Jörg Niederer
"Eine wissenschaftliche Volkskunde hat nicht die Aufgabe, die Vergangenheit zu verklären, sondern sie zu verstehen..." Hans Trümpy (1917–1989) Volkskundler aus Ennenda

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Ennenda definiert sich von Ausserhalb. Denn der Ortsnamen bezeichnete ursprünglich ein Gebiet auf der anderen Seite des Flusses. Das meinte die ursprüngliche Bezeichnung "Ennet-A", also im Dialekt "ennet em Fluss".

Dort in Ennenda mussten die Bewohnerinnen einst keine Einkommenssteuern zahlen. Ende des 19. Jahrhunderts war der Ort vielleicht die reichste Gemeinde der Schweiz, was sich anhand des prunkvollen Gemeindehauses und der Villen gut erkennen lässt. Eine blühende und erfahrene Industrie war die Grundlage dazu. So heisst es im Wikipedia-Artikel: "Die Rechnungen wurden von den Fabriken und deren Herren übernommen – selbst für das Armenwesen."

Es begann im Jahr 1616. Da waren Schiefertische das grosse Geschäft. Später wurde der Stoffdruck und die Glarner Tücher zum Exportschlager. Fast alle Industrieunternehmen im Kanton waren irgendeinmal in den Händen von Investoren aus Ennenda. Auch besassen die Industriellen grosse Teile des Klöntals.

Das war einmal. Heute hat der Schweizer Chocolatier Läderach hier seinen Sitz. Wollen die Touristen jedoch mehr Schokoladiges erleben, gehen sie ins "House of Läderach" nach Bilten.

Was es in Ennenda auch gibt: Gut erhaltene Reihen-Arbeiterhäuser am Kirchweg. Im Wikipedia-Artikel gibt es davon ein sehenswertes Luftbild von 1925, aufgenommen vom Luftfahrtspionier Walter Mittelholzer.

Auch faszinierend: Vom tiefsten Punkt der Gemeinde auf 462 m ü. M. bis zum höchsten Punkt am Schwarzstöckli auf 2348 m ü. M. geht es 1886 Meter aufwärts. Wandernd errechnet SchweizMobil zwischen den beiden Punkten eine Wanderzeit von etwas mehr als 7 Stunden bei einer Distanz von nur gerade 10,2 Kilometern. Das wäre doch einmal eine Bergtour für ambitionierte Wandernde, die dann ja auch noch den Rückweg antreten müssten.

Jörg Niederer

Mittwoch, 10. Dezember 2025

Erstes Hospiz im Kanton Glarus

Ein Zitat

Das zu den Bethesda Alterszentren AG gehörende Salem in Ennenda wird aktuell umgebaut.
Foto © Jörg Niederer
"Mitgefühl bedeutet, ich kümmere mich um den Anderen - ich sorge für ihn. Wenn wir einen Menschen in unserer Institution glücklicher und freudiger machen können, so sollten wir es auf jeden Fall tun, mag er uns darum bitten oder nicht." Martin Ammann, Zentrumsleitung Alters- und Pflegezentrum Salem

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Gestern holte ich einen weiteren Abschnitt auf meinem Kapellenweg zu Häusern aus methodistischer Tradition nach. Es ging von Glarus via Ennenda nach Netstal. Diesmal war ich gemeinsam mit meiner Frau unterwegs.

Deben den bisherigen Wohnbereichen mit 70 Zimmern wurden im Neubau Salem Park 19 Alterswohnungen erstellt.
Schon nach nicht einmal zwei Kilometern Wegs kehrten wir im Salem zu einem feinen Mittagessen ein. Das Salem Ennenda gehört wie die Seerose (Siehe Beitrag vom 2. Dezember!) zu den Bethesda Alterszentren AG. Auf Einladung des dortigen Seelsorgers und Pfarrkollegen verbrachten wir eine anregende Stunde in der Cafeteria. Zum Mittagessen gab es ausgezeichnete Kürbisstrudel.

Das Salem Ennenda entstand aus einer diakonischen Pflegeeinrichtung im Jahr 1917, gegründet vom Prediger der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG). Nach verschiedenen Ausbauten übernahm 2013 die zum Diakonat Bethesda Basel gehörend Bethesda Alterszentren das Werk. 2015 wurden bei einem Anbau weitere Zimmer erstellt. Damit gibt es im Salem Ennenda nun 70 Betten in fast ausschliesslich Einzelzimmern. Ebenfalls in den Häusern zu finden ist die Demenzabteilung mit dem passenden Namen "Vergissmeinnicht".

Eine Besonderheit ist das erste Hospiz im Kanton Glarus, das im Salem Ennenda untergebracht ist. Dort werden Menschen palliativ und seelsorglich auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleitet. Nach einem Testbetrieb von vier Jahren hat die Glarner Regierung den dauerhaften Betrieb von drei Hospizbetten beschlossen.

Ganz neu sind seit 2025 in einem schönen Neubau, dem Salem Park, 19 Alterswohnungen entstanden. Sie runden das Angebot des Alterszentrums ab.

Ein Standortvorteil an diesem Ort ist auch die atemberaubende Berglandschaft, in der wir uns nach dem Besuch im Salem dann noch wandern weiterbewegten. Sehr empfehlenswert ist dabei der "Glarus Rundweg" auf dem Abschnitt zwischen Ennenda Oberdorf und Ännetrösligen, wobei im Winter auf die Lawinengefahr zu achten ist. Der Weg führt leicht erhöht zwischen wunderschön erstellten Trockensteinmauern östlich von Ennenda dem Hang entlang. Dabei gibt es immer wieder für die Region charakteristische Architektur zu bestaunen, und natürlich auch die Berge Glärnisch, Rautispitz, Gumenstock, Schijen und noch viele mehr.

Jörg Niederer

Mittwoch, 29. Oktober 2025

Das neue Wanderprojekt

Ein Zitat

Selfie vor der Wesley Kapelle in Wollishofen. Dort trifft sich aktuell die Regenbogenkirche.
Foto © Jörg Niederer
"Wir wollen Kirche sein mit allen und für alle – auch und speziell für Menschen, die in anderen Kirchen zum Beispiel infolge ihrer sexuellen Orientierung ausgegrenzt werden. Bei uns sind alle Anlässe offen für alle." Webseite der Regenbogenkirche

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Statt sich immer wieder mühsam für ein neues Wanderziel zu entscheiden habe ich mir ein neues Projekt vorgenommen. Es knüpft an eine frühere Erfahrung an. In der Zeit, als ich für die Methodistenkirche als Distriktsvorsteher wirkte, bin ich der Reihe nach zu allen kirchlichen Liegenschaften "meines" Distrikts Nordostschweiz hingewandert. Dies führte mich auf interessante Wege, die ich anders wohl nie begangen hätte. Gestern startete ich in eine Fortsetzung. Nun werde ich die kirchlichen Liegenschaften in Distrikt Nordwestschweiz erwandern. Das wird mich vom Raum Zürich bis in die Region Biel führen und von Glarus (Gehört eigentlich zum Distrikt Nordostschweiz, war aber zu meiner Zeit noch beim Distrikt Nordwestschweiz) bis Basel.

Gestern startete ich eine erste Etappe bei der Regenbogenkirche in Wollishofen. Die Regenbogenkirche ist die wohl schweizweit erste Kirche für wirklich alle Menschen, ganz besonders für Personen, die sich zur LGBTQI+-Community zählen. Diese methodistische Gemeinde feiert ihre Gottesdienste aktuell in der denkmalgeschützten Wesley Kapelle an der Mutschellenstrasse 188 in Zürich-Wollishofen. Am Sonntag zuvor habe ich dort an einem berührenden Salbungs- und Segnungsgottesdienst teilgenommen und lernte einige neue Menschen kennen, aber auch mir bekannte Personen waren dabei. 

Der Ort, an dem sich die Regenbogenkirche trifft, wird im Verlauf der Zeit, in dem ich wandernd im Distrikt Nordwestschweiz unterwegs sein werde, ändern. In etwa einem Jahr muss die Gemeinde umziehen. Wohin steht aktuell noch nicht endgültig fest. Ich werde meine Tour so legen, dass ich an diesem neuen Ort dann als Abschluss meiner Wanderrunde wieder einen Gottesdienst feiern kann.

Gestern erwanderte ich mir gleich noch drei weitere "methodistische" Liegenschaften. Da wäre einmal die wunderschöne Sichtbackstein-Kapelle in Adliswil. Auf sie werde ich morgen zu sprechen kommen. Den Abschluss dieser ersten Etappe feierte ich in der Kapelle Horgen, die heute eingebettet ist in das ebenfalls auf methodistische Wurzeln zurückgehende Alterszentrum Haus Tabea. Ideal, dass dort die Tür zur Kapelle offen stand und ich in der Stille Zeit verbringen konnte.

Rückblickend war es ein prächtiger Wandertag mit Fernsicht zu den frisch eingeschneiten Bergen. Auch gäbe es noch viel mehr zu sagen, vom geretteten Tigerschneggel in Wollishofen bis zur schneeweisen Katze in Horgen. Vielleicht komme ich später darauf zurück.

Jörg Niederer

Dienstag, 21. Oktober 2025

Kultur und Natur

Ein Zitat

Selfie der Schrumpf-Pfarrkleingruppe in der Ruine Burg Alt Ems.
Foto © Jörg Niederer
"Der Menschheit Herr, Herr der Völker, bewahr uns vor Krieg, vor seinen Schrecken und wunden. Herr lass uns im Frieden verbleiben mit allen, die Menschenantlitz tragen nach deinem Bild und Gleichnis, Herr des Alls." Aus einem Gebet, angeschlagen in der Kobel-Kapelle Götzis  

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Einmal im Jahr wandert die methodistische Pfarrkleingruppe Ostschweiz. Gestern ging es wetterbedingt nach Österreich, von Hohenems nach Götzis. Viele waren es nicht, die da hinaufkeuchten auf den Schlossberg von Hohenems zur längsten österreichischen Burganlage des Mittelalters, zur Ruine der Burg Alt Ems. Gerade einmal drei von möglichen sieben Pfarrpersonen erlebten den Herbst, die Architektur, Kultur und Natur, wanderten im Trockenen, im Regen, durch Friedhöfe, zu verschlossenen und geöffneten Gasthäusern, an Gärten aller Art vorbei, schweigend, lachend, diskutierend, essend. Da wurden so nebenbei aus der Ferne Windeln geordert, eine Jause eingelegt, über den rechten Weg diskutiert und noch vieles mehr. Einer hatte ein Heimspiel, während zwei sich (kaum) als Ausländer:innen fühlten, in der Region, in der die Bevölkerung sich einst vergeblich um den Anschluss an die Schweiz bemühten.

Zu den kulturellen Highlights nebst der Burganlage gehörten der Jüdische Friedhof und der architektonisch ausgesprochen eindrückliche Islamische Friedhof Altach. Am Pastoralen kommt man auf so einer Tour als Pfarrer:in halt auch nicht ganz vorbei, treibt sich unsereine:r doch immer einmal wieder auch beruflich auf Totenäckern herum. Skurriler Kontrast zur andächtigen Friedhofsstimmung boten zwei für Halloween ausgeschmückte und sich konkurrierende Vorgärten in Hohenems mit menschlichem Gerippen, inszenierten offenen Gräbern, Kettensägenmonster, und grinsenden Kürbissen.

Ach ja, Aussicht hatten wir auch, Kolkraben krächzten schauerlich, Spechte flogen vorbei, das Rheintal brummte hundertfach motorisiert und Passanten grüssten "Servus". Ich finde: Es hat gepasst. Gerne wieder einmal.

Jörg Niederer

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