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Samstag, 17. Oktober 2026

Weitsicht und Veränderung

Ein Zitat

Oben: Die Evangelisch-methodistische Kirche Aarberg. Unten: In Walperswil fand einst die Sonntagschule der Methodist:innen im Gemeindehaus statt.
Fotos: © Jörg Niederer
"Dies ist der Herbst: der – / bricht dir noch das Herz! / Fliege fort! Fliege fort!" Friedrich Nietzsche (1844-1900)

Entdeckt

Wer die Methodistenkirche von Aarberg sucht, muss zum Friedhof. Dort, direkt gegenüber an der Walperswilerstrasse steht ein Haus mit gotisch gestalteter Eingangspartie. Die Kapelle mit angedeutetem Turm wirkt auf mich wie eine kleine Burg. Jemand hat in der Apsis in Säcken verpackte Gegenstände für die bevorstehende Päckli-Aktion abgelegt. Über der Kirchenräumen hat es zwei Wohnungen. Die Menschen, die hier in der Kapelle zum Gottesdienst und zu anderen Angeboten zusammenkommen, gehören, wie schon die Methodistenkirche Lyss (Siehe Beitrag vom 13. Oktober 2026!) Zur Netzwerkkirche Seeland. Es scheint, dass an diesem Ort in Aarberg aber noch mehr kirchliches Leben stattfindet, als etwa in Lyss. Jedenfalls gehören beide Gemeinden seit 2025 zur gms Seeland. Die Hauptgemeinde ist in Studen. Ebenfalls zur Netzwerkkirche Seeland gehört Biel.

Biel und Studen werde ich nach meinem Abstecher nach Neuchâtel und St-Imier besuchen. Dazwischen liegt aber noch der Chasseral und damit ein Höhepunkt dieser Kapellentour. Ob die Traversierung des Juragipfels noch möglich sein wird in diesem Jahr, wird sich zeichnen.

Vorerst bin ich im Grossen Moos unterwegs und dabei auch in Walperswil durchgekommen. Welche Bedeutung dieser Ort für die Vermessung der Schweiz hatte, davon werden ich an einem anderen Tag schreiben. In Walperswil fanden bis ins Jahr 1982 methodistische Bibelstunden statt bei einem Ehepaar Mathys-Mathys. Wo genau, konnte ich nicht herausfinden, wohnen an diesem Ort doch auch heute noch viele Einheimische mit diesem Namen. Die Sonntagschule der Methodist:innen fand dagegen bis 1996 im Gemeindehaus statt, danach zwei weitere Jahre im Kirchgemeindehaus. Dann war in Walperswil Schluss mit methodistischer Präsenz. Bedient wurden die Angebote von Biel aus.

Da meine Kapellentour an diesem Tag noch weiterführte nach Täuffelen, bin ich nun für die Rückreise und Anfahrt auf einer anderen Bahnlinie unterwegs. Nicht mehr via Bern, sondern via Biel. Gut so, ist der Umsteigeweg in Bern wegen des Bahnhofumbaus doch ziemlich lang geworden.

Jörg Niederer

Dienstag, 7. April 2026

Auf der Kapellentour – eine Zwischenbilanz

Ein Zitat

Hin und her führten mich die 35 Etappen auf der Kapellentour durch das Schweizer Mittelland.
"Ich glaube, die Welt ist wunderbar, und des Menschen Herz noch wunderbarer." Bettine von Arnim (1785-1859)

Hingesehen

Seit dem 28. Oktober bin ich immer einmal wieder tageweise unterwegs von Kapelle zu Kinderkrippe zu Altersheim zu Spital der Evangelisch-methodistischen Kirche. In 35 Etappen sind bisher 420 Kilometer schweizerisches Mittelland mit zwei Abstechern in die Alpen zusammengekommen. Im Grossraum Zürich gestartet ging es erst mal nach Glarus, dann wieder zurück in die Stadt Zürich und weiter mit einem Abstecher über Affoltern am Albis nach Aarau. Von dort führte mich der Weg nach Luzern und zurück an den Jurarand in die Stadt meiner Kindheit nach Olten. Durchschnittlich 12 Kilometer war ich dabei unterwegs. Es waren also durchaus Genusstouren. Ich bin selbst da, wo ich mich gut auskenne, mir unbekannte Wege gegangen und habe viel Neues und Faszinierendes entdeckt. Jahreszeitlich stapfte ich durch den Herbst, Winter und Frühling. Gebäude sah ich viele, die nach wie vor der Kirche und ihren "Tochtergesellschaften" gehören. Aber ich kam ebenfalls an vielen einstigen methodistischen Wirkorten vorbei, die heute nicht mehr kirchlich genutzt werden. Wenn ich mich nur schon an die Orte zurückerinnere, auf denen ich als Pfarrer die letzten 40 Jahre wirkte, dann gibt es von 19 Predigtstationen 12 nicht mehr. Umso erfreulicher waren die Begegnungen an den Orten, an denen ich auf Gemeindeglieder und Berufskolleg:innen traf. Sei es in Gottesdiensten oder zum Kaffee in einer Pfarramtsstube.

Es geht weiter. Die nächsten 100 Kilometer führen mich durch den Oberaargau und das Unteremmental nach Burgdorf. Dann geht es ins Seeland nach Biel und anschliessend über den Jura nach Basel und wieder zurück nach Zürich. Ich bin gespannt, was mich auf diesen Wegen erwartet.

Jörg Niederer

Dienstag, 20. Januar 2026

Kanton Zürich zum Letzten

Ein Zitat

Die Evangelisch-methodistische Kirche in Affoltern am Albis ist die Letzte, die ich auf meiner Kapellentour im Kanton Zürich erwandert habe.
Fotos © Jörg Niederer

"Ich solle noch sagen was meine Leidenschaft ist, neben Jesus. Das ist das Wandern. Ich wandere gerne und wenn ich Zeit habe, male ich auch gerne Aquarelle."
Urs Baumann, Pfarrer in der EMK Affoltern am Albis anlässlich einer Predigt in der dortigen Viva Kirche. 

Hingesehen

Auf meiner Kapellentour war ich bisher in den Kantonen Schwyz, Glarus und vor allem Zürich unterwegs. Nun endet bald die Zeit im Wirtschaftskanton und es geht in den weiss besockten Kanton Aargau, da, wo ich bisher in meinem Leben am meisten Zeit verbracht habe. Doch vorher durfte ich noch einmal vor einer Methodistenkirche stehe: derjenigen in Affoltern am Albis. Die Kapelle an der Zürichstrasse duckt sich etwas verschämt zwischen die mehrstöckigen Wohnhäuser. Architektonisch ist das Gemeindezentrum einmalig. Eine zweite derartige Konstruktion gibt es in der methodistischen Schweiz nicht mehr. 

An diesem "Ort der Begegnung", wie auf zwei Seiten aussen am Mauerwerk zu lesen ist, sind meine Frau und ich erst ganz allein. Doch dann fährt ein Auto vor, aus dem ein Ehepaar entsteigt. Es ist der aktuelle Liegenschaftsverwalter, der mich nicht kennt, mir dann aber doch abnimmt, dass ich irgendwie auch zu dieser Kirche gehören muss. Die beiden scheinen in Eile zu sein, und so frage ich gar nicht erst, ob er mich durch das Anwesen führen könnte. Nach kurzem Austausch von Höflichkeiten trennen sich unsere Wege wieder.

Nun wird es sehr lange Zeit dauern, bis ich wieder eine methodistische Liegenschaft im Kanton Zürich erwandern werde. Im Aargau warten die Rüeblitorten auf uns, und viele Erinnerungen aus vergangenen Zeiten.

Jörg Niederer


Mittwoch, 28. Oktober 2026

743 Kilometer authentische Schweiz

Ein Zitat

Oben: Das Städtchen Erlach am Bielersee. Unten: Die zurückgelegt Strecke der Kapellentour eines ganzen Jahres.
Fotos: © Jörg Niederer
"Nichts bezeichnet den Menschen mehr als das, wofür er niemals Zeit findet." Isolde Kurz (1853-1944)

Entdeckt

Vor genau einem Jahr begann ich entlang der Kapellen und Liegenschaften der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) der Schweiz kreuz und quer durch das Mittelland zu wandern (Siehe Beitrag vom 29. Oktober 2025!). Dabei war ich bis heute 743 Kilometer weit zu Fuss unterwegs. Ich bin, ausgehend von der Regenbogenkirche in Wollishofen am Zürichsee an 97 Wirkorten der Methodisten vorbeigekommen. An 54 Orten ist die EMK und ihre Tochterorganisationen nach wie vor im Besitz der Örtlichkeiten. Nicht an all diesen Orten wird noch kirchlich oder diakonisch gehandelt. Mancherorts sind die Objekte vermietet oder Wohnraum geworden.

Mein Weg führte mich also vom Üetliberg an den Fuss des Chasseral, vom Zürichsee an die Gestaden des Bielersees, vom Grossraum Zürich via Glarus nach Aarau und mit einem Abstecher nach Luzern ins Bernbiet und ins Emmental. Weiter ging es nach Bern und nun ins Seeland bis ins lange Zeit savoyische und dann bernische Erlach. In manchen Wochen war ich an zwei Tagen unterwegs, in anderen nur an einem Tag. Unterwegs kam es immer wieder zu interessanten Begegnungen. Unter dem Stichwort "Kapellentour" können die vielen Beiträge zu einstigen und aktuellen Kapellen, Alterszentren, Kinderkrippen und Wohnliegenschaften nachgelesen werden. Natürlich gab es auf dem Weg auch Besonderes zu sehen, Steinkreise im Säuliamt, der Flachsee an der Reuss, die Stadtmauer und der einstige Richtplatz von Luzern, die Sandsteinfelsen und das Schloss von Burgdorf, der Rastplatz für die Fahrenden bei Jegenstorf, die Straffanstalten von Hindelbank und Thorberg, das Ladenimperium Jakob-Markt in Zollbrück, die Aareauen zwischen Belp und Bern, das Bundeshaus in Bern, der Chutzenturm bei Wahlendorf, das Grosse Moos, die Zuckerfabrik bei und das schöne Städtchen Aarberg, und nun der Bielersee.

In Erlach, oder wie es auf Französisch heisst, in Cerlier, wurde ich erstmals französisch gegrüsst. Ich steh an den Pforten zum Welschland. Die Anreisen zu den jeweiligen Etappen werden nun noch etwas länger. In Neuchâtel ist dann der Umkehrpunkt. Dann geht es via Jura langsam aber sicher wieder zurück. Wenn alles gut geht, werde ich in etwa einem Jahr erneut im Gottesdienst der Regenbogenkirche sitzen, diesmal nicht in Wollishofen sondern in der Methodistenkirche in Oerlikon. Denn am Standort Wollishofen wurde zwischenzeitlich die kirchliche Arbeit der EMK eingestellt. Veränderung liegt eben überall in der Luft.

Jörg Niederer

Freitag, 6. Februar 2026

Schmerzensweg - Erinnerungsweg

Ein Zitat

Eine der Kapellen der Evangelisch-methodistischen Kirche liegt in einem ruhigen Ortsteil der politischen Gemeinde Rupperswil.
Fotos © Jörg Niederer
"Es kann der Tag kommen, da all unser Gold nicht reicht, uns ein Bild von der entschwundenen Zeit zu formen." Inschrift von Unbekannt beim Dorfmuseum Rupperswil

Hingesehen

Rupperswil. Hier besitzt die Evangelisch-methodistische Kirche eine Kapelle. Aktuell wird sie als Wohnhaus und auch noch als Kirche benutzt. Jedoch besuchen die Methodist:innen, die hier einst in den Gottesdienst gingen, wie schon jene aus Bremgarten (Siehe Beitrag vom  1. Februar 2026!) und Lenzburg (Siehe Beitrag vom 4. Februar 2026!) die Anlässe der "3x3 EMK Region Lenzburg". Das ist naheliegend, im buchstäblichen Sinn. Eine Pfingstgemeinde ist heute in den Räumen in Rupperswil eingemietet.

Ich bin wieder in einer Region, in der sich die Präsenz der Methodistenkirche in verschiedenen Liegenschaften niederschlägt. Alleine auf der gestrigen Etappe der Kapellentour von Lenzburg via Rupperswil, Hunzenschwil und Rohr nach Aarau bin ich an drei methodistischen Gotteshäusern und an einer ehemaligen Kapelle vorbeigekommen.

Aber es ist auch eine Wanderung, an der mich trübe Gedanken begleiten. So steht doch Rupperswil für einen der brutalsten Morde in der Geschichte der Schweiz. Gerade lief auf SRF eine Dokumentation über dieses schreckliche Geschehen. Unter den Opfern war auch eine junge Frau, die in der 3x3-EMK-Gemeinde ein- und ausgegangen ist. Und dann bin ich auch wieder vor dem Haus in Rohr gestanden, in dem mein jüngster Bruder nicht mehr weiter leben konnte und wollte. Das war vor noch nicht einmal zwei Jahren.

Aber Rupperswil war auch ein Ort, an dem ich als etwas erfahrenerer Nachbarspfarrer einen Kollegen begleiten durfte, der eben seine ersten Schritte in dieser Aufgabe zu gehen versuchte. Heute wirken zwei seiner Brüder an massgeblichen Stellen in der Kirche mit. Er jedoch hat sich im Verlauf dieser Zeit als Pfarrervikar in Rupperswil für einen anderen Weg entschieden.

Rupperswil. Das ist auch der Standort der Zuckermühle. Da fühlt man sich als Bewohner von Frauenfeld und dessen Zuckerfabrik doch gleich irgendwie mit dem aargauischen Ort verbunden.

Ganz nebenbei konnte ich auf dieser Wanderung auch einige Dinge erledigen, die mit meinem weiteren Engagement in der Methodistenkirche zu tun haben. So besichtigte ich Lokalitäten für die kommende Tagung der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika in Hunzenschwil. Dazu aber etwas mehr zu einem späteren Zeitpunkt.

Jörg Niederer

Mittwoch, 4. Februar 2026

Es war einmal...

Ein Zitat
Heute ist die einstige Kapelle der Methodist:innen in Lenzburg ein Wohn- und Bürohaus. Viel hat sich äusserlich am Gebäude nicht verändert.
Fotos © Jörg Niederer
"Was ist Bürokratie? Eine Regelung der einzelnen Inkompetenzen im Sinne der allgemeinen Verantwortung."
Anton Kuh (1890-1941)

Hingesehen
Bei diesem Gebäude, einer ehemaligen Methodistenkapelle, kann ich das gleiche leicht angepasst schreiben wie schon im Blog vom 1. Februar 2026. Das werde ich nun auch so tun.
Einige langjährige Methodist:innen werden wissen, was auf diesem Foto zu sehen ist. Heute ist es ein Wohnhaus mit einer Wohngemeinschaft, einer weiteren Wohnung und einem Advokaturbüro. Doch zuvor war es der Versammlungsort der Methodist:innen in Lenzburg. Das Gebäude ist schon etwas betagt. Verkauft wurde es, nachdem sich mehrere Kirchgemeinden, darunter auch die Methodist:innen von Lenzburg, gemeinsam in Hunzenschwil eine Gewerbehaus kauften und seither dort gemeinsam feiern. So entstand die 3x3-Gemeinde, heute "3x3 EMK Region Lenzburg" genannt.
Gestern fand die Etappe meiner Kapellentour von Niederwil nach Lenzburg an diesem Ort sein Ende. Während ich so an der Strafanstalt, dem Schlossberg, dem Staufberg und dem Gofi vorbeizog, fielen mir Episoden und Gegebenheiten ein aus der Zeit, als wir uns in diesem Gebäude an der Ammerswilerstrasse trafen. Da sind die Alleebäume entlang der Strasse und auch die alte historische Dampfwalze direkt gegenüber besagter Liegenschaft. Auch die Diskussion kam mir in den Sinn, von der ich von meinem dort wohnhaft gewesenen Kollegen hörte. Es ging darum, ob eine Pfarrfamilie eine Geschirrspülmaschine brauche oder nicht. Nun, das ist Schnee von gestern.
Heute wird wohl weniger über Kücheneinrichtungen diskutiert als über die Frage, wie eine Kirche mit einer 300-jährigen Geschichte aktuell und relevant für die Menschen der heutigen Zeit bleiben kann. Das wird dann auch wieder Thema sein in etwa 5 Monaten am Gemeindestandort der "3x3 EKM Region Lenzburg", an der Tagung der Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika (Synode der Methodist:innen). Darauf bin ich gespannt.
Jörg Niederer

Dienstag, 25. August 2026

Methodistisches Alleinstellungsmerkmal

Ein Zitat

Jörg Niederer vor dem einstigen Schulhaus Höchi auf dem Gemeindegebiet von Signau. Hier fanden einst methodistische Gottesdienste statt und es wurde Sonntagschule angeboten.
Fotos: © Jörg Niederer
"Immer mehr kleine Dorfkäsereien müssen schliessen. Der Grund: Die Produktionskosten sind zu hoch - der Ertrag zu klein." SRF vom 25.10.2000

Entdeckt

Gestern beim Weiterwandern auf der Kapellentour von Aeschau nach Bowil kam ich gleich dreimal an methodistischen Wirkplätzen vorbei. Doch zuvor wurde ich von einem mir bis anhin unbekannten Altbauern und seiner Frau zum Kaffee eingeladen. Das kam so. Bei Aufstieg auf den gut 250 Metern über dem Tal der Emme gelegenen Weiler Höchi gelangte ich auf die Fahrstrasse zu Ober Fuhren. Ein kleines Auto näherte sich von hinten. Darin sass der über 80-jährige Samuel Mosimann. Mosimann, so heissen auf Fuhren fast alle. Er habe eben nach seinen fünf Bienenvölkern geschaut, sie gegen die Varroamilbe behandelt und gefüttert, erzählte er. Das Gespräch durch das geöffnete Autofenster war nur kurz. Dann fuhr er weiter. Wenige Minuten später kam ich zu den Bauernhäusern auf Ober Fuhren, wo Samuel Mosimann gerade eben sein Auto geparkt hatte. "So, jetzt können sie gleich mitkommen und mit mir einen Kaffee trinken." sagte er zu mir. Er beabsichtige das sowieso gleich zu tun. Wir stiegen etwas verwinkelt zwischen den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden hoch in eine überdachte Gartenlaube. Dort wurde uns von Frau Mosimann Kaffee serviert. Später setzte sie sich auch noch dazu, nachdem sie die Wäsche aufgehängt hatte. Ich erzählte Samuel Mosimann von meinem Projekt der Weitwanderung von einer methodistischen Liegenschaft zur nächsten, und dass ich bald auf der Höchi das Schulhaus besuchen wolle. Dort habe es wohl einst eine methodistische Sonntagschule und vermutlich aus Predigten gegeben. Samuel Mosimann bestätigte. Er sei selbst dort zur Sonntagschule gegangen. Auch seine Frau, aufgewachsen in Signau, war einst in die dortige methodistische Kapelle zur Sonntagschule gegangen. Zwar hätte sie zur reformierten Kirche gehört, doch Sonntagschule gab es nur von den Leuten aus der Kapelle.

Als ich später dann noch den letzten Anstieg hinauf zum Schulhaus Höchi nahm, wurde mir wieder einmal bewusst, wie wichtig die Sonntagschule in den Anfängen des Methodismus in der Schweiz war. Mann müsste wohl dabei von einem Alleinstellungsmerkmal sprechen. Es war die Innovation in der Kirchenlandschaft. Familien mit vielen Kindern schienen nur darauf gewartet zu haben, dass die Kinder am Sonntag etwas erleben konnten. Sonntagschulen mit 50 oder gar 100 Kindern waren keine Seltenheit. Mit den Jahren begannen dann auch die Landeskirchen mit eigenen Sonntagschulen. Zugleich veränderte sich die Demografie. Die Familien wurden kleiner. Dann zollte der christliche Glaube der Säkularisierung ihren Tribut. Eine dieser abgelegenen Landsonntagschulen nach der andern schloss ihre Pforten. Das war insofern auch für die methodistischen Gemeinden verhängnisvoll, fiel doch mit den Sonntagschulen ein wichtiger Anknüpfungspunk in die Gesellschaft hinein weg. Vermutlich ist die Tatsache, dass es zum Beispiel im Emmental und den angrenzenden Hügellandschaften heute genau noch zwei von früher zahlreichen methodistischen Gemeinden gibt, auf diese Veränderung bei den Sonntagschulen zurückzuführen.

Ein neues Alleinstellungsmerkmal mit Breitenwirkung wie einst die Sonntagschulen hat die Evangelisch-methodistische Kirche noch nicht gefunden. Doch auch die anderen Kirchen und Gemeinschaften verlieren Einfluss und suchen schon seit Jahren nach neuer Relevanz. Wie die Geschichte weitergehen wird? Ich weiss es nicht, aber es bleibt spannend.

Übrigens: Nicht nur Kirchen und Predigtplätze verschwinden. Auch Landschulhäuser werden stillgelegt, die Kinder in den Zentren zusammengezogen. Das Schulhaus Höchi ist heute ein Wohnhaus, in dem man sich eine Auszeit abseits des Trubels gönnen kann, direkt neben einer der wenigen noch aktiven und ausgezeichneten Emmentaler-Käsereien. Auch dort hatte der junge Samuel Mosimann einst Ferienvertretungen gemacht und für die 120 Kilogramm schweren Käseleibern geschaut.

Jörg Niederer

Samstag, 28. Februar 2026

Das peinliche Malheur

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Jörg Niederer vor dem ehemaligen Gemeindehaus der Evangelisch-methodistischen Kirche in Oberkulm.
Foto © Jörg Niederer
"Kirchenschlaf gilt als gesund. Denn wer friedlich schlummert, steht unter Gottes Schutz, das sagen auch die Psalmen. In Evessen bei Braunschweig stehen sogar zwei Betten in der Kirche für eine beschützte Bettruhe." Oliver Vorwald, Radiopastor

Hingesehen

Nach zwanzig Tagen bin ich wieder einmal auf der Kapellentour unterwegs. Oberkulm im Wynental. Hier befand sich in einem unauffälligen Doppelstockhaus, etwas zurückversetzt gelegen hinter einer direkt an der Hauptstrasse befindlichen Pizzeria, im Parterre der Gottesdienstsaal der Evangelisch-methodistischen Kirche. Die Toilette war in einem kleinen Kämmerchen des Eingangsbereichs bei der Haustür untergebracht. Es gab nur kaltes Wasser, und im Winter bestand die Gefahr, dass die Leitungen und der Allerwerteste einfroren.

Vor rund 30 Jahren besuchte nur noch eine Handvoll Frauen die Gottesdienste. Die Bibelstunde fand an einem Wochentag um 14 Uhr statt. Normaler Weise referierte die Pfarrperson so einige Minuten über den ausgesuchten Text und dann tauschte man sich darüber aus. Nun sind die ersten Stunden am Nachmittag ja durchaus fordernd, was den Aufmerksamkeitspegel der Teilnehmenden betrifft. Und so machte sich der ausgefallene Mittagsschlaf bei mir gerade dann besonders bemerkbar, wenn ich in dieser trauten Runde sass. Mit anderen Worten: Ich bin eingeschlafen. Das wäre nun nicht weiter schlimm gewesen, ist das doch auch andern immer wieder einmal passiert. Besonders Bauern hatten jeweils am Sonntagmorgen nach dem Stall in der warmen Kirche mit dem Wachbleiben zu kämpfen. Doch in besagten Fall war ich nicht einfach einer der Teilnehmenden an der Bibelstunde, sondern derjenige, der dieselbe hielt. Der Schlaf hatte mich mitten in meinen Ausführungen übermannt.

Natürlich bemerkten die Frauen das Malheur, doch taten sie so, als sei ihnen dieser Sekundenschlaf des Pfarrer nicht weiter aufgefallen. Jedoch brachte von diesem Tag an die eine Frau, die nahe dem Gemeindesaal wohnte, eine Thermosflasche voll starken Kaffees mit, um einer Wiederholung meines Missgeschicks durch eine vorgelagerte kulinarische Weckrunde vorzubeugen.

Heute gehört diese Liegenschaft nicht mehr der EMK. Der Bezirk Reinach, zu der die Kapellen in Oberkulm, Gontenschwil, Schmiedrued und Reinach gehörten, wurde auf Ende 2003 geschlossen. Damals zählte der ganze Bezirk noch 50 Mitglieder, war aber längst nicht mehr finanziell selbsttragend. Auch kam der Entschluss zur Liquidierung dieser Arbeit im Wynen- und Ruedertal nicht zuerst von den Gemeindegliedern, sondern vom damaligen gesamtkirchlichen Leitungsteam, dem sogenannten Kabinett. Es war meines Wissens die einzige so verfügte Schliessung eines ganzen Bezirks. Spätere Schliessungen von Kirchgemeinden und Bezirken erfolgten dann stärker mitbestimmt durch die Menschen vor Ort, und sie wurden auch nicht mehr in dieser Radikalität umgesetzt.

Jörg Niederer

Dienstag, 3. Februar 2026

Der Schicksalsort von Rothrist

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Im aargauischen Niederwil wummert die Fasnacht unüberhörbar weit herum.
Fotos © Jörg Niederer
"Ich weiss nicht was ich bin / Jch bin nicht, was ich weiss: / Ein ding und nit ein ding: / ein stüpffchin und ein kreiss." Angelus Silesius (1624-1677)

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Schon im Dickhölzli beim Eidgenössischen Waffenplatz Hinterweid waren die dumpfen Rhythmen deutlich zu hören. Doch erst als der Fasnachtswagen wummernd durch den Dorfkern von Niederwil fuhr, also etwa 4 Kilometer Distanz davon entfernt, wurde mir klar, woher diese Partyklänge gekommen waren.

Es ist Fasnacht, die närrische Zeit.

Auf meiner Kapellentour befand ich mich am vergangenen Samstag auf einer Überführungsetappe. Die nächste Liegenschaft in methodistischen Besitz erwartet mich erst etwa nach 29 Kilometern in Rupperswil. Vorerst ging es von Rottenschwil via Bremgarten (Siehe Beitrag vom 1. Februar 2026!) nach Niederwil. Auch dort, so las ich in alten Konferenzverhandlungen, gab es einst methodistische Stubenversammlungen. Wo genau, das konnte ich nicht herausfinden.

Diesem Niederwil im Bezirk Bremgarten verdank Rothrist seinen heutigen Namen. Denn bis 1890 wurde Rothrist ebenfalls nach einem dortigen Ortsteil "Niederwil" genannt. Zwei Niederwil im selben Kanton, das erschien den Verantwortlichen zu verwirrlich. Also wurde aus Niederwil bei Zofingen die Gemeinde Rothrist.

Niederwil ist in der Schweiz eine sehr geläufige Ortsbezeichnung. SchweizMobil führt gleich 22 Flur- und Ortsbezeichnungen auf mit diesem Namen. Man könnte also eine weitere Tour de Suisse kreieren, vom einen Niederwil zum nächsten.

Wer weiss, vielleicht ist das mein nächste Projekt.

Jörg Niederer

Freitag, 14. November 2025

Berggipfel

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Die Berge Säntis und Speer erheben sich am Horizon über den Zürichsee.
Foto © Jörg Niederer
"Die Spitze des Berges ist nur ein Umkehrpunkt." Reinhold Messner (*1944)

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Zwei alpine Gipfel erheben sich am Horizont über dem Zürichsee. Links der Säntis und rechts der Speer. Letzterer seines Zeichens mit 1950,5 Metern der höchste Nagelfluh-Berg Europas. Der Säntis ist mit 2501,9 Meter noch einmal deutlich höher. Auf ihm hat man eine grandiose Rundumsicht. Auf beide Berge bin ich schon selbst hinaufgestiegen.

Nicht so auf den Hügel, der sich auf dem Foto entlang des Sees zwischen den beiden Schneebergen hinzieht. Dabei erhebt sich der Chlosterwald gerade einmal 113 Meter über die Wasser. Vielleicht werde ich auf meiner Kapellentour zurück nach Zürich statt dem nördlichen Zürichseeufer entlang – eine Strecke, die ich schon früher einmal erwandert habe – über diesen Hügel hinwegziehen. Wir werden sehen.

Jörg Niederer

Dienstag, 24. März 2026

Schlammbach im Luzernischen

Ein Zitat

Altes Gemäuer im Zentrum der Gemeinde Schlierbach, Kanton Luzern.
Foto © Jörg Niederer
"Cool, der nächste Bus kommt in 2 Stunden!"

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Schlierbach, Kanton Luzern grenzt an Schmiedrued, Kanton Aargau. In Schmiedrued war ich einst als Pfarrer tätig. Schlierbach war mir dennoch bis vor drei Tagen absolut unbekannt. Heute werde ich von hier aus auf meiner Kapellentour weiterwandern. Das geht, weil das Postauto den kleinen Ort auf dem Hügelzug östlich des Surentals (erst!) seit dem Jahr 1979 erschliesst. Sehenswürdigkeiten gibt es da nicht gerade viele. Da wäre die Sägerei und eine in römische Zeit datierende Fundstelle. Das wäre es dann auch schon gewesen. Was es mit dem alten Gemäuer auf dem Foto auf sich hat, es steht im Zentrum des Dorfs, habe ich nicht herausgefunden. Ein Schulhaus gibt es seit 1809. Die Gemeinde selbst besteht erst seit 1844. Damals wurden die Orte Schlierbach, Etzelwil und Wetzwil zur Gemeinde Schlierbach zusammengefasst. Telefonieren kann man in Schlierbach seit 1907, mit Elektrizität erschlossen ist der Ort seit 1912. Es gibt auch ein Restaurant mit prächtiger Aussicht.

Solche Orte wie Schlierbach finden sich einige in der Schweiz. Orte, die für die Menschen, die dort leben, von Bedeutung sind. Alle anderen fragen sich, wie man an so einem Ort überhaupt lange bleiben kann. Wenigstens hat es einen Volg-Einkaufsladen. Neben seiner auffälligen Front muss man den Zugang zur Gemeindeverwaltung, sie befindet sich im selben Gebäude, richtiggehend suchen.

Für Wandernde wichtig: Sind das Gemeindehaus und das Restaurant zu, sieht es schlecht aus mit öffentlichen Toiletten. Warum ich das weiss? Dreimal darfst du raten.

Der frühere Schlierbach heisst heute Weierbach und fliesst im Risitobel ums Dorf herum. Schlierbach bedeutet: "Schlammbach". Das Dorf erbte später diesen etwas unvorteilhaften Namen. Auch das ist irgendwie überraschend.

Jörg Niederer


Montag, 9. Februar 2026

Schmucke Kapelle in Suhr

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In der Kapelle der Methodistenkirche in Suhr treffen sich Menschen unter der Woche.
Fotos © Jörg Niederer
"Bei uns geht es nicht nur um ein paar Tipps fürs Leben, sondern um die Begegnung mit Gott." Von der Webseite der EMK Aarau

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Am Samstag wanderten wir von Aarau via Suhr das Wynental hinauf bis kurz vor Teufenthal. Zwei Kapellen der Methodistenkirche finden sich auf dieser Strecke. Einmal die Evangelisch-methodistische Kirche Aarau und die dazu gehörende Kapelle in Suhr. In Aarau gehört auch ein Wohnhaus der Kirche.

Mir hat die schmucke Kapelle in Suhr ausgezeichnet gefallen. Sie ist modern beschriftet und sehr gepflegt. Vielleicht ist sie auch deshalb so im Schuss, weil dort Anlässe unter der Woche stattfinden, und weil ein Architekturbüro dort zu finden ist. Da braucht es eine ansprechende Visitenkarte. Wer traut schon einem Architekten, würde er in einer Bruchbude wohnen.

Ab Suhr klaft wieder eine "methodistische Lücke", die erst in Luzern endet. 50 Kilometer sind es, und doch nicht ganz methodistisches Niemandsland. Im Wynental gab es einst in Gränichen, Oberkulm, Gontenschwil und Reinach weitere Kapellen. Vor Jahren lebten wir als Pfarrfamilie selbst in Reinach. Es war eine gute Zeit mit lieben Menschen. Einige Jahre, nachdem wir weggezogen waren, wurde der Bezirk, bestehend aus Reinach, Gontenschwil, Oberkulm und Schmiedrued durch die Kirchenleitung geschlossen. Es war meines Wissens das erste Mal, das gleich ein ganzer seelsorglicher Arbeitszweig der Kirche beendet wurde. Alle Gemeinden waren finanziell und auch von der Zusammensetzung nicht mehr selbst tragend und lebensfähig. So jedenfalls die damalige Einschätzung der Verantwortlichen.

Der nächste Abschnitt meiner Kapellentour wird folglich zu einer sentimentalen Reise an frühere Wirkorte. Dann werde ich auf den Wegen den Passant:innen ganz besonders bewusst ins Gesicht schauen, und mich immer Fragen: Sollte ich diesen Menschen von früher her kennen?

Jörg Niederer

Mittwoch, 12. November 2025

Kirchliche Gartenzwerge

Ein Zitat

Gartenzwerge auf einem Altartisch in der Kirche Schübelbach.
Foto © Jörg Niederer
"Je kleiner der Garten, desto größer der Gartenzwerg." Brigitte Fuchs (*1951)

Hingesehen

Natur gab es gestern auf meiner methodistischen Kapellentour zwischen Pfäffikon SZ und Altenburg viel. Angefangen bei einem Trupp Grosser Brachvögel über viele Störche, Grau- und Silberreiher zu Möwen und Eichelhäher; auch Mäuse gab es und Toggenburger Ziegen, natürlich Kühe und noch mehr. Aber wirklich aussergewöhnlich waren die Gartenzwerge, diese Inbegriffe der Biederkeit, in der Kirche von Schübelbach (das einzige Gotteshaus übrigens, das am Weg lag und geöffnet war). Sie standen zuvorderst ganz Rechts im Kirchenschiff. Verteilt über die ganze Breite waren Bilder aufgestellt von Familienangehörigen, manche schon recht alt. Auf einem Foto war eine Vierfachhochzeit zu sehen. Auf anderen Männer in alten Uniformen. Und dann eben die beiden Gartenzwerge. Dem herzförmigen Ballon am Handgelenk des einen war schon länger das Gas entwichen. Fröhlich lachend eine Schnecke in der Hand standen sie da zwischen all dem Gold, Marmor und den vielen Heiligen. Da passten sie so gar nicht hin. Es sei denn, wie ich auf der Webseite der Kirchgemeinde entdecken konnte, als Beitrag zu einem Familiengottesdienst. Ob sie wohl die Lieblings-Gartenzwerge eines lieben verstorbenen Angehörigen waren? Ob sie nach dem Kirchenbesuch wieder irgendwo in einem "gepützelten" Garten ihren bürgerlichen Dienst verrichten werden? Oder landen sie gar im Pfarrgarten?

So aussergewöhnlich die Gartenzwerge in der Kirche waren, so besonders war auch das Wetter. Die Sonne beschien mich den ganzen Tag von der Seite. Das Gehen ging im Herbstlicht wie von allein.

Wie schön, dass ich mich selbständig bewegen kann, nicht so wie Gartenzwerge. Auch muss ich nicht ständig an einem Platz stehen, bis mich jemand entführt oder auch nur umstellt.

Aktuell sind es nur noch 20 Kilometer bis zur nächsten methodistischen Kapelle in Glarus. Der Zürichsee und die Pfnüselküste liegen hinter mir. Es geht also voran.

Jörg Niederer

Mittwoch, 26. August 2026

Von Frauen auf der Kanzel und der Glaubensdekonstruktion

Ein Zitat

Oben: Die einstige Kapelle in Signau ist heute ein Wohnhaus. Unten: Der Bauernhof Schlossmatt. Hier fanden sich einst eine methodistische Sonntagschule.
Fotos: © Jörg Niederer
"Heute ist es ganz normal, dass eine Frau Pfarrerin werden kann. […] Und das finde ich sehr schön, und gut." Elsi Altorfer, methodistische Pfarrerin im Ruhestand

Entdeckt

Den methodistischen Kirchenbezirk Signau gibt es nicht mehr. Verschwunden ist die einst blühende Arbeit – es gab 9 Standorte, davon drei Kapellen. 2012 wurden die Bezirke Langnau i. E. und Signau zu einem neuen Bezirk Oberemmental zusammengefasst. Das war auch das Jahr, als in der Kapelle Signau die kirchliche Arbeit beendet wurde.

Auf meiner Kapellentour werde ich nicht alle einstigen Standort besuchen. Doch am vergangenen Montag waren es wenigstens drei des ehemaligen Bezirks Signau. Zum Schulhaus Höchi schrieb ich im gestrigen Beitrag. Danach kam ich auch noch auf Mutten bei Signau am damaligen Sonntagschulstandort im Heimet Schossmatt vorbei. Das richtige Haus gefunden hätte ich nicht, wenn es mir nicht von einer älteren Frau gezeigt worden wäre. Die Predigten fanden wohl in einem Nachbarshaus bei einer Familie Lehmann statt, vermutlich parallel zur Sonntagschule.

Drei Kilometer zu Fuss weiter, am Rand von Signau und direkt am Schüpbachkanal, steht nach wie vor die Kapelle von Signau. Noch erzählen die hohen Bogenfenster im Erdgeschoss vom einstigen Versammlungsort. Meine früheste Erinnerung an die Kapelle Signau geht in eine Zeit zurück, als ich mich gerade erst als Christ zu verstehen begann. Damals gab es für Jugendliche Einsätze bei sogenannten Evangelisationen. Meist eine Woche lang versuchte man mit speziellen Verkündiger:innen und einer einladenden Botschaft Menschen für Christus zu gewinnen. An einer dieser Wochen nahm ich also in Signau teil. Gertrud Wehner war damals die Pfarrerin auf dem Bezirk. Eine Frau mit einem Dutt. Sie gehörte zu den ersten Frauen, die in der Evangelisch-methodistischen Kirche Gemeinden leiteten und auf den Kanzel predigten. Vor 70 Jahren öffneten die Methodisten den Frauen den Zugang zum Predigtamt. In der Schweiz begann die erste ordinierte Frau vor 57 Jahren als Pfarrerin zu wirken. Dazu gibt es aktuell auch einige hörenswerte Interviews. 

Zurück zu Signau. Mit dabei an diesem Missionseinsatz war auch ein Student des Theologischen Seminars, heute die Theologische Hochschule Reutlingen. Er ermutigte mich damals, selbst das Studium der Theologie aufzunehmen.

Viel ist mir von diesem Einsatz in Signau nicht mehr geblieben an Erinnerungen. Zwischen damals und heute liegen – wie man so sagt – eine oder auch mehrere Phasen von Glaubensdekonstruktionen, gefolgt von jeweiligen Glaubensrekonstruktionen. Mit anderen Worten: Der Inhalt und die Umsetzung des persönlichen Glaubens ist in einem Wandel begriffen. Manches, was mir früher einleuchtete, ist mit meinem heutigen christlichen Verständnis nur noch schräg. Im Rückblick frage ich mich jeweils: Wie konntest du nur?

Es gibt in jeder christlichen Biografie Brüche und Aufbrüche. So wie auch in jeder kirchlichen Entwicklung. Diese Veränderungen, so glaube ich, haben bei mir zu einer reiferen Art des Glaubens geführt. Vielleicht sind die massiven Veränderungen in der Kirchenlandschaft ja auch so etwas wie eine Glaubensdekonstruktion, bei der Altes vergehen muss, damit Neues entstehen kann. Auf die "Rekonstruktion" des christlichen Glaubens heute bin ich sehr gespannt.

Jörg Niederer

Donnerstag, 4. Dezember 2025

Bei Fridolin

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Der Heilige Fridolin, Kantonspatron von Glarus, steht bei Näfels auf einem Kreisel, geschmückt mit vielen Luftballons.
Foto © Jörg Niederer
"Mit ihren Herden wieder hin, / ziehen die Schäfer an Fridolin." Bauernregel zum Namenstag von Fridolin am 6. März.

Hingesehen

Beim Namen Fridolin kam mir lange Jahre vor allem ein Dackel in den Sinn. Die Geschichte, geschrieben von Franz Caspar, dem Autor des noch bekannteren Buchs "Rösslein Hü", war in den meisten Kinderzimmern zuhause. So auch in meinem. Erst viel später wunderte ich mich, dass ein Dackel ausgerechnet den Namen eines Kantonsheiligen trägt, notabene des einzigen Menschen auf einem schweizerischen Kantonswappen.

Fridolin ist mir denn auch mehrfach im Kanton Glarus begegnet. Noch bin ich auf meiner Kapellentour nicht ganz fertig mit diesem Stand. Es fehlen noch etwa zehn Kilometer Glarus.

Wer ist nun dieser Heilige Friedolin, der stets mit Wanderstab und Bibel dargestellt wird? Selbst bei der stilisierten Figur auf dem Kreisel bei Näfels dürfen diese beiden Attribute nicht fehlen, auch wenn abgesehen vom Kopf und den Händen wenig an eine menschliche Gestalt erinnern.

Fridolin soll in Bad Säckingen DE das sogenannte Fridolinskloster gegründet haben. Das war im 6. Jahrhundert. Der adlige Fridolin wurde in der irischen Klosterschule des Erzbistums Armagh ausgebildet, war aber nie ein Mönch. Die Legende erzählt, wie dieser Fridolin sich um den Wiederaufbau des Klosters Poitiers in Gallien bemühte, um sich nach vollendetem Werk als Wanderprediger auf Missionsreise zu begeben. Diese habe ihn dann über Metz und Strassburg nach Chur geführt. Seine Kirchen- und Klostergründungen, auch die spätere in Säckingen, waren alle dem Heiligen Hilarius von Poitiers geweiht.

In den Besitz von Glarus kam Fridolin durch eine Schenkung der Brüder Ursus und Landolphus, wobei letzterer versucht haben soll, ihn nach Ursus' Tod um seinen Anteil zu betrügen. Darauf habe Fridolin Ursus vorübergehend vom Tod auferweckt, um diese Sache klipp und klar durch Ursus klären zu lassen.

Das ist denn auch der Grund, warum Friedolin Schutzheiliger gegen Erbschleicherei ist.

Endgültig zum Kantonspatron wurde Fridolin in der Schlacht zu Näfels am 9. April 1388, in der die Glarner unter dem Banner des Fridolin die habsburgische Übermacht aus der Eidgenossenschaft vertreiben konnten.

Kriegerisches habe ich in Glarus nicht vor. Das Erbe des Fridolin muss ich ihm auch nicht streitig machen. Aber wandernd fühle ich mich dem Mann aus Irland schon ein wenig verbunden. Fridolin, wir sehen uns!

Jörg Niederer

Dienstag, 29. September 2026

Ein Tag in der Bundeshauptstadt

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Oben: Rolf Wyder und Jörg Niederer in den Strassen von Bern-Bümpliz. Unten. Die methodistische Zionskapelle an der Nägeligasse 4 in der Innenstadt von Bern.
Fotos: © Jörg Niederer
"Menschen ohne ein Dach über dem Kopf finden bei uns eine Herberge für eine Nacht. Die Gemeinschaft beim Znacht und Zmorge ist ein wichtiger Teil dieses Angebotes." Information der Berner Methodistenkirche zum Projekt "Eine Nacht schenken".

Entdeckt

Auf meiner Kapellentour bin ich schon länger auch im Raum Bern unterwegs. Zwar fehlt noch ein kleines Teilstück über den Belpberg. Das werde ich, wenn das Wetter mitspielt, noch diese Woche begehen.

Kommen wir aber zur Stadt Bern. Hier gibt es zwei aktive methodistische Gemeinden. Da wäre einmal die durch jüngere Menschen assistierte Altersheimgemeinde im Altersheims Weyergut in Wabern (Siehe dazu der Beitrag vom 24. August 2026!). Interessanter Weise ist hier auch die methodistische Jungschar Terra Nova von Bern beheimatet.

In der Innenstadt findet man die Zionskapelle an der Nägeligasse 4. Aktuell ist Rolf Wyder leitender Pfarrer. Ihn habe ich, nachdem ich auch die letzten bisher noch nicht besuchten vier einstigen methodistischen Standorte in der Stadt erwandert habe, zum Mittagessen im Sternen Bümpliz getroffen. Dabei erzählte er mir auch von der bemerkenswerten sozialdiakonischen Arbeit, welche diese Gemeinde stemmt. Zu nennen wären das "Caffè Berna", das "Gasse-Kafi" und "Eine Nacht schenken". Auch eine Wandergruppe der Gemeinde gibt es.

Auch anderes erfuhr ich von Rolf. Aufgewachsen in Bern-Bethlehem in einem dieser markanten Hochhäusern im zweitobersten Stock zeigte er mir so en passant die Orte seiner Jugend. Mit Plätzen der Kindheit verbinden sich jeweils viele Erinnerungen und bekommen dadurch einen höheren biografischen Wert als so manche anderen Episoden aus dem weiteren Leben. Mir geht es jedenfalls so, dass es mir jeweils besonders Freude bereitet, diese Kindheitsplätze anderen Menschen zu zeigen. Auf diesem Weg zurück in die Zeit der Jugend von Rolf kamen wir auch unweit des Hauses von Kuno Lauener, Leadsänger von Züriwest vorbei.

Zurück zur Methodistenkirche in Bern. Von einst sieben aktiven Gemeinden gibt es also heute noch zwei, wobei sich ein Grossteil der Arbeit auf die Gemeinde der Zionskapelle konzentriert. Was aus den anderen sechs Standorten geworden ist, davon werde ich dann in einem weiteren Beitrag hier berichten.

Jörg Niederer

Donnerstag, 3. September 2026

Methodistische Gastfreundschaft im Emmental

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Oben: Die über hundertjährige Kapelle der Evangelisch-methodistischen Kirche in Langnau i. Emmental. Unten: Einblick ins Kafi Evergreen in der benachbarten Erweiterung aus dem Jahr 2005.
Fotos: © Jörg Niederer
"Rundum guet für ds Läbä." Der Slogan vom Kafi Evergreen findet sich auch auf dessen Bierdeckeln

Entdeckt

Ich habe diese Etappe der Kapellentour aufgespart, bis mit Ende der Schulferienzeit das Kafi Evergreen, ein Projekt der Evangelisch-methodistischen Kirche Oberemmental im Langnau wieder seine Tore öffnet. Gestern war es soweit. Wir spazierten kurze sieben Kilometer von Neumühle der Emme und dann der Ilfis entlang nach Langnau um rechtzeitig um 12.15 Uhr dort bei der alten, über hundertjährigen Kirche in einem modernen Erweiterungsbau herzlich begrüsst zu werden. In diesem Mehrzweckgebäude, entstanden 2005, spielt sich heute das gesamte Leben und Wirken der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Oberemmental ab. Langnau ist die noch einzige verbliebene EMK-Gemeinde im Emmental. Beim Zusammenschluss der Bezirke Signau und Langnau im Jahr 2012 zählte man in Langnau rund 60 Gottesdienstbesuchende. Heute besuchen noch so 20 Personen die Feiern. Es ist daher einleuchtend, dass etwas geschehen musste mit der Gemeinde, wenn sie weiter bestehen bleiben sollte. So entstand vor einem Jahr das Kafi Evergreeen. Wie liess sich Pfarrerin Claudia Haslebacher in einem Medienbericht doch zitieren: "Das 'Kafi Evergreen' ist ein mutiges Experiment einer kleinen, sich ihrer Endlichkeit bewussten Kirchgemeinde."

Seit 2025 gibt es das Kafi Evergreen. Finanziert durch ein Legat ist für deren Betrieb Seline Schaller zu 40% angestellt. Sie kocht, und weitere Mitarbeiterinnen helfen im Stundenlohn bei der Bewirtung und Betreuung der Gäste. Das Essen ist vorzüglich, das wir an diesem Mittwoch geniessen. Es gibt natürlich auch eine vegetarische Variante, die dem Fleischgericht in nichts nachsteht. Alles ist liebevoll angerichtet und mundet hervorragend. Selten, vielleicht noch gar nie, habe ich zu so einem günstigen Preis so ausgezeichnet gegessen. An diesem Mittwoch ist nicht besonders viel los. Etwa 10 Gäste sind zum Essen da, später kommen noch weitere dazu, die hier ihren Kaffee trinken. Ich komme mit Seline Schaller ins Gespräch: Sie erzählt davon, dass vor allem die Angebote für Eltern mit kleinen Kindern grossen Zulauf gehabt hätten. Anderes werde noch ausprobiert, müsse sich noch weiter entwickeln.

Gerne hätte ich mir auch wieder einmal die alte Kirche angeschaut, deren Türmchen weitherum sichtbar ist. Doch diese ist an die Heilpädagogischen Schule vermietet. So begnüge ich mich damit, um dieses alte Gemäuer herumzugehen, es von allen Seiten zu betrachten.

Wer das Kafi Evergreen besuchen will, beachte am besten die Öffnungszeiten und das Angebot auf der übersichtlichen Webseite. Wie es entstand, darüber gibt auch ein Medienbeitrag der EMK Schweiz Auskunft. Und dann wäre da noch die Webseite der EMK Oberemmental, auf der noch weitere Angebote der Oberemmentaler Kirche zu finden sind.

Jörg Niederer

Donnerstag, 30. Juli 2026

Der Weg geht nie aus

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Das Schloss Burgdorf
Foto © Jörg Niederer
"Man muss nur hübsch alt werden: dann gibt sich alles." Arthur Schopenhauer (1788-1860)

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In den letzten viereinhalb Monaten ist meine Weg auf der Kapellentour bis Burgdorf weitergegangen. Seit Projektstart am 28. Oktober sind 541 Kilometer und 13'000 Höhenmeter zusammengekommen. Ich bin dabei an 39 von der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) aktiv genutzten Liegenschaften vorbeigekommen. Weitere 27 aufgegebene Standort habe ich so nebenher auch noch besucht.

Die weitere Planung führt mich nun auf 238 Kilometern via Jegenstorf, Hindelbank, Langnau i. E., Signau, Worb, Belp, Wabern, Bern, Lyss, Aarberg, Täuffelen, Neuchâtel und Saint-Imier nach Biel.

Mit Neuchâtel werde ich mein westlichstes Tourenziel erreichen. Danach geht es wieder mehrheitlich ostwärts, und irgendeinmal werde ich dann erneut in Zürich landen.

Solche Reisen über lange Distanzen und mit gesteckten Zielen führen immer zu einem Problem: Irgendeinmal sind sie abgeschlossen. Was wird dann kommen? Nun, da wären noch einige Kapellen und Standorte der EMK im Berner Oberland. Und danach könnte der süddeutsche Raum folgen, oder auch Österreich, Ungarn, usw.

Der Weg wird mir nie ausgehen. Solange die Beine tragen, geht es in meinem Leben immer auch wieder zu Fuss weiter.

Jörg Niederer

Dienstag, 4. August 2026

Alterssitz unweit der Frauenstrafanstalt

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In und vor dem Alters- und Pflegeheim Jurablick in der Berner Gemeinde Hindelbank.
Fotos © Jörg Niederer
"In der Jugend sollte man Weisheit lernen; im Alter sollte man weise handeln." Jean-Jacques Rousseau (1712-1778)

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Auf meiner Kapellentour zu methodistischen Liegenschaften kommen wir nicht nur an Kapellen vorbei, sondern auch an diversen sozialen Einrichtungen. Das letzte Mal, als wir vor einem der Alters- und Pflegeheimen der Bethesda Alterszentren AG standen, war es Winter und wir waren in der Stadt Zürich unterwegs (Siehe Beitrag von 10. Januar 2026!). Nun, fast sieben Monate später besuchten wir auch das Alters- und Pflegeheim Jurablick in Hindelbank. Bekannt ist der Ort schon eher wegen der Frauen-Justizvollzugsanstalt. Sie findet sich direkt neben dem Schloss Hindelbank auf einer Anhöhe etwas ausserhalb des Dorfes. Auch daran sind wir vorbeigekommen. Doch nach Hindelbank führte mich genau dieses Alters- und Pflegeheim. Aufgewachsen in Wanderdistanz zu Jurahöhen gefällt mir natürlich dessen Namen "Jurablick". Im Beschrieb auf der Webseite heisst es: "Das Alters- und Pflegeheim Jurablick liegt mitten im Dorfzentrum von Hindelbank. Es verfügt über 60 moderne Alterswohnungen und 31 Pflegeplätze, die als individuell möblierte Einzelzimmer bewohnt werden. In einer geschützten Wohngruppe bieten wir zehn Menschen mit Demenzerkrankung ein Zuhause." Weiter gibt es ein Restaurant, einen kleinen Tierpark und noch vieles mehr. Da zur Philosophie der Bethesda Alterszentren AG eine gute seelsorgliche Begleitung gehört, suchte ich auch nach der hier angestellten Pfarrperson, wurde aber auf der Webseite nicht fündig. Dagegen gibt es natürlich auch in dieser Einrichtung regelmässige Andachten.

Meine Begleiterin meinte nach unserer kurzen Besichtigung, sie könnte sich vorstellen, im Alter hier zu wohnen. Was mir aufgefallen ist: Das dazugehörige Restaurant Vista war an diesem Morgen um 10.00 Uhr gut besucht. Das ist in solchen Häusern keine Selbstverständlichkeit und durchaus ein Qualitätsmerkmal.

Jörg Niederer

Montag, 27. Juli 2026

Die Kapelle und der Glungge-Hof

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Die Kapelle der Evangelisch-methodistische Kirche in Breitenegg gibt es seit 1924.
Fotos © Jörg Niederer

"Auf unseren gemeinsamen Weg als Bezirk Breitenegg freue ich mich und danke Euch herzlich für jegliche Unterstützung."
Thomas Lerch, neuer Gemeindemitarbeiter auf dem Bezirk Breitenegg

Entdeckt

Es gibt Orte, da wundert man sich, dass hier eine Freikirche zu finden ist, während andernorts diese ihre Tore schliessen musste. So geschehen auf dem evangelisch-methodistischen Kirchenbezirk Burgdorf-Breitenegg. In Burgdorf beendeten kürzlich die Methodist:innen ihre kirchliche Präsenz, während sie im kleinen Emmentaler Weiler Breitenegg auch nach 102 Jahren weiter wirken. Gestern war ich zum ersten Mal an diesem abgelegenen Ort im Emmental. Bis zur nächsten Busstation geht es 1,9 Kilometer weit und 125 Höhenmeter hinunter ins Önztal. Wer hier lebt, ist motorisiert. Vor der Kapelle stehen mehrere Autos, einige ohne Nummernschilder. Hinter der Kapelle, direkt in der Verlängerung am Haupteingang vorbei, ist ein Schwimmbassin für Kinder aufgestellt. Sitzgelegenheiten stehen etwas unordentlich beim Eingang herum. Es gibt ein Untergeschoss mit Gemeinderäumen. Die Kapelle war bei meinem Besuch verschlossen. Im ersten Stock standen die Fenster offen. Einen Moment lang sah ich dort eine Frau und grüsste. Das musste sie vertrieben haben. Wunderte sie sich über diesen neugierigen unbekannten Mann, der da Fotos von der Kapelle und sich machte?

Die Kapelle ist, so lese ich in einer Broschüre über das Dorf, auch das Übungslokal des Posaunenchors Rüedisbach, ein Allianzmusikverein. Weiter steht in der Broschüre, dass sich die Gläubigen der Evangelischen Gemeinschaft, einer Vorläuferkirche der heutigen Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK), schon vor dem Kapellenbau in den Bauernhöfen Mutzgraben, auf der Heidenstatt und im Äusseren Grütt getroffen haben.

Zur Methodistenkirche Breitenegg zählen heute 38 Mitglieder. Hinzu kommt ein noch einmal so zahlreicher Freundeskreis, und etwa 25 Kinder.

Die Jungschar dort nennt sich Glungge und zählt aktuell 32 Personen. Mit dem Namen knüpft diese Jugendarbeit an verfilmte Werke von Jeremias Gotthelf an. Die Filme "Ueli der Knecht" und "Ueli der Pächter" wurden denn auch in einem imposante Bauernhaus aus dem Jahr 1681 im nahe gelegenen Weiler Brechershäusern gedreht. Seither wird besagtes Bauernhaus auch namentlich mit der Glungge aus den Büchern Gotthelfs gleichgesetzt.

Auf dieser Etappe der Kapellentour kamen wir nicht nur an der Methodistenkirche Breitenegg, sondern auch am Glungge-Bauernhof vorbei. Noch weitere Sehenswürdigkeiten gibt es in dieser Gegend. Dazu später mehr.

Was mir auffällt. Die mir bekannten und eher abgelegenen Versammlungsorte der Methodist:innen haben gut in der Gesellschaft integrierte Jungscharen. Oft wird von der offiziellen, politischen Gemeinde auf dieses Angebot hingewiesen. Weiter sind eine grössere Zahl der Kirchgemeindeglieder in der Landwirtschaft tätig und stark familiär verbunden. Vermutlich ist das auch so in der EMK Breitenegg.

Von Breitenegg wird mich die geplante Wanderroute nach Burgdorf führen. Dazu später mehr.

Jörg Niederer

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