Ein Zitat
"Die Freiheit aller macht den Einzelnen frei." Bettine von Arnim (1785-1859)
Entdeckt
Ab 1891 wurde das Wasser der Aare via Hagneckkanal und Bielersee umgeleitet. Zwischen Aarberg und Büren blieb ein Restwasserfluss, die Alte Aare, übrig. Heute ist dieser Flusslauf ein ökologisch wertvolles, 15 Kilometer langes Altwassersystem.
Fotos: © Jörg Niederer
1985 war das noch nicht der Fall. Damals beteiligte ich mich an der Leitung eines Kanulagers, das den Aarelauf vom Thunersee bis zur Mündung in den Rhein und dann weiter bis Basel befuhr. Anders als heute konnte man in jener Zeit noch die Alten Aare per Boot befahren. Das taten wir denn auch und wurden dabei massiv von Mücken gepiesackt. Beim Anblick der Fotos vom Kanulager wundere ich mich, dass niemand einen Helm trug. Passiert ist nichts. Zum Glück. Ganz anders im Jahr des Herrn 1687. Da war die Aare im Seeland noch ein wilder, unberechenbarer Fluss. Damals fuhren 137 hugenottische Flüchtlinge in zwei aneinandergebundene Schiffen von Aarberg Richtung Büren an der Aare. Der Zusammenstoss mit einem treibenden Baumstamm liess das eine der beiden Boot sinken. Nun drängten alle in das noch heile Schiff, so dass dieses dem Gewicht der Menschen nicht mehr standhielt und ebenfalls sank. 111 Hugenotten kamen bei diesem Unglück ums Leben. Bei ihnen handelte es sich um protestantische Flüchtlinge, die aus dem ihnen feindlichen, katholischen Frankreich auf dem Weg ins Asyl in ein ihnen wohlgesonnenes Land waren. Man könnte daher auch von Boatpeople sprechen. Menschen, die auf dem Weg in die Freiheit dieses Ansinnen oft mit dem Leben bezahlten. Wie heute auf Flüchtlingsbooten im Mittelmeer oder auch im Kanal zwischen Frankreich und England waren dort in der Aare die Weidlinge hoffnungslos überladen. Der Tod von Menschen wurde fahrlässig in Kauf genommen. Flüchtende zählten wenig, und die Schuld an den Toten wurde den Schiffsleuten gegeben, wovon der eine, der überlebte, nun selbst zum Flüchtling wurde.
Heute führt der Hugenottenweg durch das Gebiet, in dem damals das Schiffsunglück geschah. Der genaue Standort der Katastrophe ist nicht mehr bekannt, da die Aare damals immer einmal wieder in einem anderen Flussbett dahinfloss. Mit dem Schiff ist zwischen Aarberg und Büren heute niemand mehr unterwegs, es sei denn, es werde per Anhänger zu einem der drei Seen transportiert.
Jörg Niederer
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