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Dienstag, 30. September 2025

Was frisst denn der Vogel da?

Ein Zitat

Ein jugendlicher Kampfläufer im Neeracherried hat ein grösseres Insekt erbeutet.
Foto © Jörg Niederer
"Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden." Oliver Hassencamp (1921-1988)

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Es ist kein seltener Vogel der hier auf dem Bild zu sehen ist. Ein Kampfläufer im Jugendkleid. Ihren Namen haben die Wattvögel von ihren Kämpfen, die sie auf Arenen in den Brutgebieten um die Weibchen ausfechten. Dann tragen sie sehr individuelle Prachtkleider, bei dem der voluminöse und aufrichtbare Kragen eine wichtige Rolle spielt. Aktuell ist diese Schnepfenart auf dem Durchzug in südlichere Regionen.

Was ich aber nicht sicher erkennen kann: Welches Insekt hat der Vogel hier erbeutet bei seinem ruhelosen Herumstochern im sumpfigen Boden? Die KI irrt wohl deutlich mit ihren Spinnenvorschlägen, hat doch das Tier auf dem Bild nicht acht, sondern nur sechs Beine. Andere Vorschläge sind: Zikade, Köcherfliege, Heuschrecke und Libellenlarve. Ich tendiere zu Libellenlarve. Was denkst du, was da in Kürze im Verdauungstrakt des Kampfläufers landen wird?

Jörg Niederer

Mittwoch, 17. September 2025

Sukzessive Bigamistinnen

Ein Zitat

Ein Zwergstrandläufer sucht beim Neeracherried eine Schlickfläche nach Futter ab.
Foto © Jörg Niederer
"Wer natürlich wirken will, hat die Natürlichkeit damit schon verscherzt." Erhard Blanck (1942 - 2024)

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Zwergstrandläufer gehören zu den weltweit kleinsten Wattvögeln. Sie sind etwa so gross wie Spatzen und sehr leistungsfähige Zugvögel. Bei uns sind sie denn auch nur während des Vogelzugs zu sehen, der im Herbst vom hohen Norden nach Afrika oder Asien führt und im Frühjahr wieder zurück. Aktuell schwankt die Sichtungszahl in der Schweiz zwischen 100 und 300 Tieren.

Der Zwergstandläufer ist ein weiteres Beispiel, dass es mit der Sexualität nicht so einfach ist, wie sich das manche Menschen vorstellen, wenn sie das Adjektiv "unnatürlich" verwenden. Die Zwergstrandläufer sind sogenannte sukzessive Bigamisten. Die Weibchen paaren sich oft mit zwei Männchen und legen parallel zwei Nester an. Das eine Nest wird vom ersten Männchen bebrütet, das zweite vom Weibchen. Die Aufzucht von den schnell das Nest verlassenden Küken erfolgt dann wieder gemeinsam.

Es gibt eben fast nichts, das nicht natürlich ist. Darum ist das Wort "natürlich" wenig hilfreich in Diskussionen über moralische Themen.

Jörg Niederer

Mittwoch, 10. September 2025

Freiflugjäger

Ein Zitat

Ein Baumfalke setzt zum Sturzflug an.
Foto © Jörg Niederer
"Man erkennt den Falken am Flug." Sprichwort aus Russland

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Libellen fliegen und jagen virtuos. Aber noch geschickter sind die Baumfalken. Sie pflücken Libellen und kleine Vögel aus der Luft. Davon habe ich schon gestern im Blog über Libellen geschrieben (Siehe aber auch den Beitrag vom 13. Juni 2023!). Pfeilschnell jagen die Zugvögel hinter ihrer Beute her.

Hier bei uns brüten die Baumfalken und ziehen ihre Jungen gross. Unlängst beobachtete und fotografierte ich gleich sechs dieser eleganten Raubvögel über dem Neeracherried. Später im Jahr dann werden sie ihrer Hauptbeute, den Schwalben, ins Winterquartier folgen. Doch jetzt sind sie noch in der Schweiz anzutreffen. 

Ein Baumfalke verspeist im Flug sein Beutetier, während eine Libelle in seiner Nähe gefährlich lebt.
Foto © Jörg Niederer
Baumfalken sind die einzigen, welche ihre Beute gleich auch in der Luft zerlegen und verzerren. Das sieht man schön auf dem zweiten Bild. Leider sind die Fotos nicht wirklich gut. Die Luftakrobaten waren viel zu weit weg. Aber als Beleg mögen sie gehen. Auf diesem zweiten Bild verspeist der Baumfalke ein leider undefinierbares Beutetier. Auch mit auf dem Foto ist eine Libelle. Sie lebt gefährlich in diesem Raubvogel-Ballungsgebiet.

Wer den geschickten Freiflugjägern zuschaut, wird fasziniert sein von deren Flugmanöver. Alles geschieht in hoher Geschwindigkeit und mit unglaublicher Präzision. So geht fliegen.

Jörg Niederer

Montag, 8. September 2025

Flugshow

Ein Zitat

Ein Kiebitz in elegantem Vorbeiflug.
Foto © Jörg Niederer
"Mit dem Fliegen warte, bis dir Flügel wachsen!" Sorbisches Sprichwort

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Es gab so einiges an Vögeln zu beobachten im Neeracherried. Nebst den obligaten Störchen, Stockenten, Löffelenten, Gänsesägern, Silberreiher, Graureiher, Kormoranen, Turmfalken, Milanen, Mäusebussarden, Kiebitzen (im Bild) und Bekassinen sah ich Dunkelwasserläufer, Grünschenkel, Kampfläufer, Bruchwasserläufer, einen Neuntöter, einen seltenen Flussregenpfeifer sowie einen noch selteneren Zwergstrandläufer. Ein ganzer Trupp Baumfalken jagte nach Libellen und kleinen Vögeln. Immer wieder gab es Interaktionen zwischen den Tieren. Da ein kurzer Kampf zwischen Storch und Graureiher, dort verjagte ein Kiebitz den anderen. Der Kampfläufer wollte den Bruchwasserläufer nicht neben sich und die Baumfalken frassen ihre Beute gleich fliegend. Ein, zweimal rauschte es und an die 60-80 Kiebitze, wohl aufgeschreckt von einem Raubvogel, flogen auf, um sich nach und nach wieder zu beruhigen und in elegantem Flug auf einer Sandbank zu landen.

Es ist erstaunlich, was in einem intakten Ried alles geschieht und zu sehen ist. Davon bräuchten wir noch mehr, und nicht nur dort, wo Flugzeug- und Autolärm das Leben für Menschen nicht besonders attraktiv machen. Solche Ried- und Moorflächen helfen auch bei der Reduktion und Speicherung von CO2, mehr noch als Waldflächen. Aktuell wird im Kanton Zürich beim Katzensee ein solches Flachmoor wieder hergestellt. Dieses Gebiet wurde einst für die Abfallentsorgung genutzt. Nun wird der Müll auf einer weiteren Fläche abgetragen und das Gebiet naturnah modelliert. Der Katzensee, ein Naherholungsgebiet der Stadt Zürich, ist bekannt für die grosse Zahl an Zwergdommeln, die dort brüten. Noch häufiger sind die Spaziergänger:innen. Es ist eben attraktiv, Natur von der Haustür zu erleben.

Jörg Niederer

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