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Mittwoch, 28. Oktober 2026

743 Kilometer authentische Schweiz

Ein Zitat

Oben: Das Städtchen Erlach am Bielersee. Unten: Die zurückgelegt Strecke der Kapellentour eines ganzen Jahres.
Fotos: © Jörg Niederer
"Nichts bezeichnet den Menschen mehr als das, wofür er niemals Zeit findet." Isolde Kurz (1853-1944)

Entdeckt

Vor genau einem Jahr begann ich entlang der Kapellen und Liegenschaften der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) der Schweiz kreuz und quer durch das Mittelland zu wandern (Siehe Beitrag vom 29. Oktober 2025!). Dabei war ich bis heute 743 Kilometer weit zu Fuss unterwegs. Ich bin, ausgehend von der Regenbogenkirche in Wollishofen am Zürichsee an 97 Wirkorten der Methodisten vorbeigekommen. An 54 Orten ist die EMK und ihre Tochterorganisationen nach wie vor im Besitz der Örtlichkeiten. Nicht an all diesen Orten wird noch kirchlich oder diakonisch gehandelt. Mancherorts sind die Objekte vermietet oder Wohnraum geworden.

Mein Weg führte mich also vom Üetliberg an den Fuss des Chasseral, vom Zürichsee an die Gestaden des Bielersees, vom Grossraum Zürich via Glarus nach Aarau und mit einem Abstecher nach Luzern ins Bernbiet und ins Emmental. Weiter ging es nach Bern und nun ins Seeland bis ins lange Zeit savoyische und dann bernische Erlach. In manchen Wochen war ich an zwei Tagen unterwegs, in anderen nur an einem Tag. Unterwegs kam es immer wieder zu interessanten Begegnungen. Unter dem Stichwort "Kapellentour" können die vielen Beiträge zu einstigen und aktuellen Kapellen, Alterszentren, Kinderkrippen und Wohnliegenschaften nachgelesen werden. Natürlich gab es auf dem Weg auch Besonderes zu sehen, Steinkreise im Säuliamt, der Flachsee an der Reuss, die Stadtmauer und der einstige Richtplatz von Luzern, die Sandsteinfelsen und das Schloss von Burgdorf, der Rastplatz für die Fahrenden bei Jegenstorf, die Straffanstalten von Hindelbank und Thorberg, das Ladenimperium Jakob-Markt in Zollbrück, die Aareauen zwischen Belp und Bern, das Bundeshaus in Bern, der Chutzenturm bei Wahlendorf, das Grosse Moos, die Zuckerfabrik bei und das schöne Städtchen Aarberg, und nun der Bielersee.

In Erlach, oder wie es auf Französisch heisst, in Cerlier, wurde ich erstmals französisch gegrüsst. Ich steh an den Pforten zum Welschland. Die Anreisen zu den jeweiligen Etappen werden nun noch etwas länger. In Neuchâtel ist dann der Umkehrpunkt. Dann geht es via Jura langsam aber sicher wieder zurück. Wenn alles gut geht, werde ich in etwa einem Jahr erneut im Gottesdienst der Regenbogenkirche sitzen, diesmal nicht in Wollishofen sondern in der Methodistenkirche in Oerlikon. Denn am Standort Wollishofen wurde zwischenzeitlich die kirchliche Arbeit der EMK eingestellt. Veränderung liegt eben überall in der Luft.

Jörg Niederer

Samstag, 24. Oktober 2026

Ein besonderer Augenschein auf die Lukaskapelle

Ein Zitat

Oben: Die einstige Lukaskapelle am Balmweg 5 in Bern wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Unten: In der einstiegen Lukaskapelle kann man heute die eigenen Augen fotografieren lassen.
Fotos: © Jörg Niederer

"Kirchen strahlen ja eine grosse Ruhe aus, und wir geniessen diese Stimmung jetzt in unserem Wohnzimmer. Ich bin stolz, in einer Kirche zu wohnen – es ist schon etwas Besonderes."
Cornelius Morscher, Architekt

Entdeckt

Da ich mich zwischen Täuffelen (Siehe Beitrag vom 20. Oktober 2026!) und Neuchâtel in methodistischem Niemandsland bewege, und die Witterung und die Lebensumstände gerade wenig Wandertage möglich scheinen lassen, werde ich in den nächsten Tagen in unregelmässigen Abständen auf methodistische Standorte zurückschauen, von denen ich noch nicht geschrieben habe. Ich beginne heute mit der einstigen Lukaskapelle in Bern. Dort traf sich die Evangelisch-methodistische Gemeinde von 1925 bis 2006, wobei zuletzt noch ein Hauskreis auf diesem einstigen Bezirk zusammen kam. Das Gebäude steht nach wie vor am Balmweg 5 und hat seinen Charakter auch nach der Umnutzung in ein Wohnhaus weitgehend behalten.

Drei Dinge möchte ich im Zusammenhang mit dieser Liegenschaft erwähnen: Strategie, Umnutzung und eine spezielle heutige Mieterschaft.

Zur Strategie: Hauptsitz der Evangelischen Gemeinschaft, eine Vorgängerkirche der heutigen Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK), war die Zionskapelle an der Nägeligasse (Siehe Beitrag vom 29. September 2026!). Der nächste Ableger dieser Kirche befand sich ab 1919 lediglich 1,9 Kilometer entfernt in einem eher kleinen Haus an der Tscharnerstrasse 22. In jener Zeit schon suchte man eine bessere Lösung, entschied sich aber gegen eine Liegenschaft an der Mattenhofstrasse. Die Distanz vom 1,6 Kilometern zur Zionskapelle wurde aber als zu gering erachtet, um eine dritte Gemeinde nebst einer weiteren im Liebefeld (Siehe Beitrag vom 10. Oktober 2026!) zu etablieren. Als man dann 1924 Grundstück und Chalet eines Lehrers am Balmweg 5 erstehen konnte, schien den Verantwortlichen der Standort perfekt. Das, obwohl auch hier die Distanz zur Zionskapelle lediglich 2 Kilometer betrug. Strategisch erstaunen die geringen Distanzunterschiede, die den Ausschlag gaben. Sie zeigen auch etwas davon, wie es um die Mobilität jener Zeit bestellt war.

Zur Umnutzung: Die Liegenschaft Balmweg 5 erlebte im Kontext der methodistischen Arbeit und danach zwei wesentliche Umnutzungen. Zuerst wurde durch den Anbau an das Chale, (ein Ersatzneubau kam nicht in Frage, weil man sonst das Näherbaurecht verloren hätte,) aus dem Haus eine äusserlich gut erkennbares kirchliches Gebäude erstellt mit Kreuz auf dem Turmanbau und Inschrift. Ebenfalls wurde eine Pfarrerwohnung integriert. Teile des Chalets wurden in den Gottesdienstraum integriert. Es waren wohl vor allem Familien aus der Nachbarschaft, welche in der Folge die Lukaskapelle besuchten. 1979 wurde die Kapelle erneut umgebaut, um für die Jugend mehr Raum zu schaffen.

Als dann die Gemeindearbeit an diesem Standort wohl um 2006 definitiv eingestellt wurde, stand die Liegenschaft lange zum Verkauf ausgeschrieben. Erworben hat sie dann der Berner Architekt Cornelius Morscher. Wieder kam eine Abriss der Liegenschaft nicht in Frage. Die aktuelle Bausubstanz überschritt die aktuelle Ausnützungziffer bei weitem. Morscher bezeichnete den Umbau von 1979 als "Verschandelung". Er wollte erst eine Loftwohnung aus dem Kirchenraum erstellen. Das wäre finanziell nicht aufgegangen. So erstellte er ein zusätzliches Zwischengeschoss, das als "Betonkiste" in den Kirchenraum gehängt wurde. Damit konnte der ursprüngliche Raum in seiner Höhe weiter erfahrbar bleiben. Der kirchliche Charakter ist heute immer noch von Aussen erkennbar. Da sind die hohen Kirchenfenster, das Kreuz auf dem Dach und die Inschrift "Jesus Christus gestern, heute und in Ewigkeit."

Die heutige Mieterschaft: Es ist immer wieder interessant, wie einstige Kapellen genutzt werden. in der Lukaskapelle findet sich aktuell auch ein Geschäft für Fotografie. Dies ist insofern aussergewöhnlich, weil es sich dabei um "Iris-Fotografie" handelt. Wer möchte kann sich seine Iris abfotografieren lassen und daraus ein digitales Kunstwerke erstellen lassen. Da werde ich schon auch an biblische Zitate erinnert. Etwa an das Wort Jesus: "Aber selig sind eure Augen, dass sie sehen, und eure Ohren, dass sie hören" (Matthäus 13,16). Oder das sehr bekannte "Auge um Auge, Zahn um Zahn" (2. Mose 21,24). In diesem Fotogeschäft verliert man nicht das Augenlicht, sondern bekommt eine neue Sichtweise auf das Wunder des Augenblicks.

Jörg Niederer

Dienstag, 20. Oktober 2026

Weitsicht im Wohnguet

Ein Zitat

Oben: Drei der Gebäude vom Wohnguet Alterszentrum Bethesda in Täuffelen, gesehen von der Hauptstrasse aus. Unten: Der wohnliche Eingangsbereich im Hauptgebäude des Wohnguets.
Fotos: © Jörg Niederer
"Im Mittelpunkt unseres Handelns steht der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Interessen." Von der Webseite vom Wohnguet Täuffelen

Entdeckt

Vier Gebäude gehören zum Wohnguet Bethesda Alterszentrum in Täuffelen. Das Hauptgebäude mit 26 Alterswohnungen, ein damit verbundenes Nebengebäude mit 12 Alterswohnungen, Ein freistehendes Wohngebäude mit 22 Wohnungen direkt an der Hauptstrasse, sowie dem ebenfalls freistehenden Ziegelhaus daneben, einem 2024 fertig erstellten Mehrzweckgebäude. Im Hauptgebäude befindet sich zudem das Restaurant Ambience. Weiter finden sich auf diesem Areal auch die Gemeindebibliothek und die Musikschule, ein MediZentrum, die Pflegeabteilung, die Physiotherapie, die Kinesiologie, die Fusspflege und der Coiffeur Haarguet.

Alles sieht neu und modern aus. Auf dem Nebenhaus sind Profile ausgesteckt. Das Gebäude soll wohl um ein Stockwerk erhöht werden. Während ich draussen fotografiere, werde ich von einer Mitarbeiterin, die sich gerade auf dem Weg zur Arbeit befinde, angesprochen. Ich erkläre, dass ich methodistischer Pfarrer bin, und Bethesda ein ebenfalls methodistisches Diakoniewerk sei. Sie bestätigt und lobt den Betrieb und die wunderbaren Alterswohnungen. Architektonisch sind vor allem die beiden Gebäude an der Hauptstrasse zu erwähnen. Sie strahlen einen modernen Scharm aus.

Dann begebe ich mich ins Restaurant. Da es gerade mal halb Eins am Mittag ist, herrscht Hochbetrieb. Viele der älteren Bewohner:innen sind beim Mittagessen oder eben gerade fertig geworden damit. Doch ich darf gerne an einem noch leeren Tisch Platz nehmen. Ich bestelle mir Vermicelles und ein Bier. Am Nachbartisch sitzt eine Männerrunde, wohl Gemeindeangestellte aus der Nachbarschaft. Das Servicepersonal wirkt etwas gestresst, aber ich werde schnell und kompetent bedient. Immer wieder blicke ich aus dem Fenster. Von der etwas erhöhten Lage des Hauses hat man einen ausgezeichneten Blick über das Grosse Moos. Am Nachbartisch erzählt eine ältere Person, sie habe einen ganzen Tag lang vergebens eine Person anzurufen versucht, es sei aber niemand ans Telefon gegangen. "Das ist doch seltsam!" ist ihr Kommentar. Doch dann meint sie, vielleicht sei es ja die falsche Nummer gewesen. Wie sie es sagt, wirkt sie etwas zerknirscht, wird aber gleich von ihren Tischnachbarinnen getröstet.

Da der Bahnhof Täuffelen nicht weit vom Wohnguet entfernt ist, muss ich mich nicht sonderlich beeilen. Die Wege sind kurz, die Stadt Biel und der See sind nicht weit. Dieses Haus ist eine Entdeckung. Würde ich in diesem Teil der Schweiz wohnen, vielleicht würde ich mich um einen Altersplatz an diesem Ort bemühen. Faszinierend, wie bisher alle Bethesda Alterszentren, die ich mir auf meinem Kapellenweg anschauen konnte, einen vorzüglichen ersten Eindruck machten. Gerade auch das Wohnguet in Täuffelen scheint mir ein weiteres Aushängeschild der Stiftung Diakonat Bethesda zu sein.

Jörg Niederer

Samstag, 17. Oktober 2026

Weitsicht und Veränderung

Ein Zitat

Oben: Die Evangelisch-methodistische Kirche Aarberg. Unten: In Walperswil fand einst die Sonntagschule der Methodist:innen im Gemeindehaus statt.
Fotos: © Jörg Niederer
"Dies ist der Herbst: der – / bricht dir noch das Herz! / Fliege fort! Fliege fort!" Friedrich Nietzsche (1844-1900)

Entdeckt

Wer die Methodistenkirche von Aarberg sucht, muss zum Friedhof. Dort, direkt gegenüber an der Walperswilerstrasse steht ein Haus mit gotisch gestalteter Eingangspartie. Die Kapelle mit angedeutetem Turm wirkt auf mich wie eine kleine Burg. Jemand hat in der Apsis in Säcken verpackte Gegenstände für die bevorstehende Päckli-Aktion abgelegt. Über der Kirchenräumen hat es zwei Wohnungen. Die Menschen, die hier in der Kapelle zum Gottesdienst und zu anderen Angeboten zusammenkommen, gehören, wie schon die Methodistenkirche Lyss (Siehe Beitrag vom 13. Oktober 2026!) Zur Netzwerkkirche Seeland. Es scheint, dass an diesem Ort in Aarberg aber noch mehr kirchliches Leben stattfindet, als etwa in Lyss. Jedenfalls gehören beide Gemeinden seit 2025 zur gms Seeland. Die Hauptgemeinde ist in Studen. Ebenfalls zur Netzwerkkirche Seeland gehört Biel.

Biel und Studen werde ich nach meinem Abstecher nach Neuchâtel und St-Imier besuchen. Dazwischen liegt aber noch der Chasseral und damit ein Höhepunkt dieser Kapellentour. Ob die Traversierung des Juragipfels noch möglich sein wird in diesem Jahr, wird sich zeichnen.

Vorerst bin ich im Grossen Moos unterwegs und dabei auch in Walperswil durchgekommen. Welche Bedeutung dieser Ort für die Vermessung der Schweiz hatte, davon werden ich an einem anderen Tag schreiben. In Walperswil fanden bis ins Jahr 1982 methodistische Bibelstunden statt bei einem Ehepaar Mathys-Mathys. Wo genau, konnte ich nicht herausfinden, wohnen an diesem Ort doch auch heute noch viele Einheimische mit diesem Namen. Die Sonntagschule der Methodist:innen fand dagegen bis 1996 im Gemeindehaus statt, danach zwei weitere Jahre im Kirchgemeindehaus. Dann war in Walperswil Schluss mit methodistischer Präsenz. Bedient wurden die Angebote von Biel aus.

Da meine Kapellentour an diesem Tag noch weiterführte nach Täuffelen, bin ich nun für die Rückreise und Anfahrt auf einer anderen Bahnlinie unterwegs. Nicht mehr via Bern, sondern via Biel. Gut so, ist der Umsteigeweg in Bern wegen des Bahnhofumbaus doch ziemlich lang geworden.

Jörg Niederer

Dienstag, 13. Oktober 2026

Friedliche Umnutzung

Ein Zitat

Oben: Die Kapelle der Evangelisch-methodistischen Kirche in Lyss. Das Wohnhaus im Hintergrund gehört auch dazu. Unten: Bis 1986 fand im alten Pulverhaus von Lyss eine methodistische Sonntagschule statt.
Fotos: © Jörg Niederer
"Im Gegensatz zum ökologischen Fussabdruck, der den eigenen Schaden an der Natur misst, zeigt der Handabdruck, was wir positiv für eine nachhaltige Zukunft bewirken können." Aus einem Blog von Netzwerk-Pfarrer Stef Gerber

Entdeckt

Wer sagt denn, dass es so etwas nur in Deutschland gibt. Gestern hatten die Morgenzüge nach und von Bern deutliche Verspätung, so dass ich beinahe eine Stunden in Lyss auf den Anschlussbus Richtung Wiler bei Seedorf hätte warten müssen. So kehrte ich die Wanderrichtung um, fuhr nach ca. 20 Minuten mit dem Postauto nach Aarberg, um dann via Lyss nach Wiler zu wandern.

Im Seeland gibt es seit kurzem eine methodistische Netzwerkkirche, bestehend aus den Standorten Biel, Lyss, Studen und Aarberg. Verschiedene Angebote werden teils an mehreren Orten, teils nur an einem Ort durchgeführt. In Lyss bin ich an der Kapelle vorbeigewandert. Das markante Gebäude steht nicht weit vom Bahnhof an der Rosengasse 7. Auf der Südwestseite fällt ein moderner Liftschacht auf. Im Erdgeschoss befindet sich der Kirchenraum, in den Obergeschossen sind es Wohnungen. Das Wohnhaus, das sich entlang der Strasse nordöstlich anschliesst gehört auch der Evangelisch-methodistischen Kirche. Aus meiner Zeit Als Distriktsvorsteher kann ich mich an die Sanierung dieser Wohnhäuser erinnern, und dass die Gemeinde wollte, dass zur gleichen Zeit auch ein Lift an die Kapelle angebaut wird.

Die Gemeinde in Lyss war einst sehr dynamisch und methodistisch etwas untypisch. Heute scheint der Standort Aarberg deutlich mehr kirchliche Angebote und mehr Gemeindeleben zu bieten.

In Lyss gibt es noch einen weiteren Wirkort der Methodist:innen. Bis ins Jahr 1986 wurde im "Alten Pulverhaus", ein einfaches Gebäude am Dammweg 42, Sonntagschule abgehalten. Über dieses historische Gebäude in Lyss habe ich auf die Schnelle keine weiteren Hinweise gefunden. Pulverhäuser dienten in der Regel dem Militär als Lagerstätte für Munition und Sprengstoff. Da sich das Gebäude über die Jahre Bautätigkeit heute nicht mehr am Rand der Stadt befindet, sondern mitten in einem Wohnquartier, musste der ursprüngliche Zweck des Hauses friedlicheren Nutzungsmöglichkeiten weichen. Heute steht das trutzig wirkende Häuschen mit kleinem angrenzenden Park idyllisch zwischen Einfamilienhäusern unweit der Alten Aare.

Die friedliche Nutzung eines einstigen Militärobjekts als Sonntagschule ist ja fast schon eine "Schwerter-zu-Pflugscharen"-Geschichte.

Samstag, 10. Oktober 2026

Es war doch keine Kapelle

Ein Zitat

Neben dieser Liegenschaft befand sich einst die methodistische Markuskapelle in Bern-Liebefeld.
Foto: © Jörg Niederer
"Bei solchen Anlässen [wie der Landesausstellung von 1914] kamen sogenannte Evangelisationswagen (oft auch als Bibelwagen oder Kapellenwagen bezeichnet) zum Einsatz." Google KI

Entdeckt

In einem Blog-Beitrag habe ich gewerweisst, ob es sich bei der Liegenschaft an der Könizbergstrasse 5 in Bern-Liebefeld um die einstige methodistische Markuskapelle handelt. Zwischenzeitlich weiss ich, dass das nicht der Fall ist. Die Kapelle gibt es heute nicht mehr. Sie stand südlich angrenzend an das auf dem Foto abgebildeten Haus. Darüber informierte mich die einstige Sigristin Marianne T.

Historische Aufnahmen vom Evangeliumswagen, der vor Errichtung der Markuskapelle im Einsatze war.
Foto: © Marianne T.
Ein Foto der Kapelle konnte sie nicht auffinden. Jedoch erhielt ich von ihr historische Aufnahmen von einem Evangeliumswagen, der 1914 an der Landesausstellung als Kapelle für Gottesdienste eingesetzt wurde. Danach sollte er in Südwestfrankreich als fahrende Kirche genutzt werden. Kriegsbedingt begrub man diesen Plan. So kaufte die Evangelische Gemeinschaft, eine Vorgängerkirche der heutigen Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) den Wagen und verwendete ihn als stehende Kirche in Bern Liebefeld. Gerade auch für die Sonntagschule wurde, wie man auf den historischen Fotos sieht, der Wagen intensiv genutzt.

Später dann konnte ein Grundstück erworben werden am Dianaweg, einer Seitenstrasse zur Könizbergstrasse. 1936 wurde darauf eine Kapelle errichtet und 1938 eingeweiht. Etliche Jahr entwickelte sich die Arbeit in der Kapelle an der Könizbergstrasse 5a gut. Doch mit neuer kirchlicher Konkurrenz und veränderten Umständen stellte sich die Frage, ob diese Arbeit noch einmal wiederbelebt werden könne. Umbaupläne für eine Erweiterung des Hauses scheiterten am Besitzer der Liegenschaft mit den Garagen, selbst ein Mitglied der EMK. Er und noch eine weitere methodistische Familie wohnten damals in dem Haus an der Könizbergstrasse 5.

So entschied man sich, die Kapelle und das Grundstück zu verkaufen, was 1991 auch geschah. Marianne T. schrieb dazu: "Im Nachhinein sind wir alle froh, wurde nichts aus dem Umbau."

Die Kapelle beschrieb Marianne T. wie folgt: "… die Kapelle war an einen Hang gebaut, und hinter dem Haus lag ein ansteigender Garten mit Pflanzplätz, der von verschiedenen Parteien genutzt wurde. Im Parterre befand sich ein Jugendraum mit WC und winzig kleinem Küchenteil. Eine Aussentreppe führte zum oberen Stock, dem Predigtsaal, welcher vielseitig genutzt wurde. Da war ein Parkettboden, den Freiwillige später versiegelten, was eine grosse Erleichterung war. Und wie gesagt: dort wo die Kapelle stand, ist jetzt ein modernes Mehrfamilienhaus."

Der Verkaufserlös kam zwei anderen methodistischen Kapellen zugute: einmal der Methodistenkirche in Belp, und dann der Lukaskapelle im Weissenbühl-Quartier. Erstere gibt es nach wie vor, die Lukaskapelle ist mittlerweile verkauft und zu einem Wohnhaus umgebaut.

Jörg Niederer

Donnerstag, 8. Oktober 2026

Und es gab sie doch

Ein Zitat

Oben: Einstige methodistische Kapelle in Wahlendorf. Unten. Standort der einstigen Kapelle (roter Pfeil) in Wahlendorf.
Foto oben: © Fritz Z. / Foto unten: © Jörg Niederer
"Dobe, gäge Houzegge, uf dr Schnäggehöchi, isch es Tätschhüttli gsi, d’Bhusig vo dr Familie Schnägg Fritz. Wie mängs Ching, dass dert gsi isch ha ni nie gwüsst, sicher so es haubs Dotze…" (Oben, gegen die Holzegg, auf der Schneckenhöhe, stand ein kleines Häuschen, die Behausung der Familie Fritz Schnägg. Wie viele Kindern es dort hatte, wusste ich nie genau, sicher ein halbes Dutzend mussten es gewesen sein...) Geschichten aus Wahlendorf, niedergeschrieben von Ernst Hegg

Entdeckt

Und es gab sie doch, die methodistische Kapelle in Wahlendorf (Siehe Blog vom 6. Oktober 2026). Eine Blog-Leserin gab mir den richtigen Tipp. Eine zu einer gemütlichen Kapelle umgestaltete Holzbaracke in einem privaten Garten (hinter dem Haus, auf das der Pfeil im unteren Bild zeigt) diente ab dem 7. September 1975 bis zum letzten Gottesdienst 2005 als Ort der Verkündigung und Sonntagschule. Von Fritz Z. erhielt ich umfangreiche Informationen. Die Familie Z. war denn auch gemeinsam mit dem damaligen Pfarrer Heinz Stirnemann Initiant der Kapelle. Im Beitrag anlässlich des letzten Gottesdienstes steht: "Dieser Standort ist in Wahlendorf vor allem bekannt, weil hier die Sonntagschule, mit zum Teil grosser Teilnehmerzahl stattfinden konnte. Das jährliche Erntedankfest sowie das Weihnachtfest zog jeweils eine grosse Anzahl von Gästen an, das Lokal konnte diese grosse Schar kaum aufnehmen." Die Sonntagschule musste dann aber 2003 geschlossen werden, weil die Anzahl Kinder stark zurückgegangen sei.

Fritz Z. zeigt sich in einem Kommentar denn auch etwas endtäuscht darüber, dass man sich nicht mehr an die Kapelle erinnere, welche 2008 wieder zurückgebaut wurde. Doch vielleicht habe ich einfach falsch gefragt. Es wäre wohl klüger gewesen, nach einem früheren Sonntagschul-Standort zu fragen, statt nach einer Kapelle. Diese, so Fritz Z., sei von Teilen der Wahlendorfer Bevölkerung auch etwas spöttisch als "Bätt-Schopf" bezeichnet worden. Ein Schopf ist halt in den Augen vieler keine Kapelle, auch wenn sie genau so genutzt wurde.

Mich freut, dass ich dank einer Leserin und Fritz Z. nun doch etwas erfahren konnte über die Präsenz der Methodist:innen in Wahlendorf. Diese geht aufs Jahr 1920 zurück. Bis 1940 traf man sich in einem Lokal der Evangelischen Gemeinschaft (eine Vorläuferkirche der Evangelisch-methodistischen Kirche) zu Gottesdienst und Sonntagschule. Danach diente der Vereinstreffpunkt des Blauen Kreuzes den kirchlichen Anliegen bis eben 1975 die nun wieder "aufgetauchte" Kapelle eingeweiht werden konnte.

Jörg Niederer

Dienstag, 6. Oktober 2026

Namenlos in Wahlendorf

Ein Zitat

Wahlendorf liegt am Frienisberg im Kanton Bern, zwischen Wohlen bei Bern und Lyss.
Foto: © Jörg Niederer
"Die Kirche im Haus, die Verkündigenden ohne ein Haus."
Grundsatz der "Namenlosen", eine christliche Sondergruppe

Entdeckt

Wahlendorf liegt am Frienisberg zwischen Wohlen bei Bern und Lyss. Gemäss methodistischen Konferenzunterlagen von 1981 soll es hier eine Kapelle gegeben haben. Bedient wurde der Predigtplatz durch die Pfarrpersonen, die in Bern-Bümpliz stationiert waren.

Nur kann sich in Wahlendorf niemand von den älteren Menschen an eine Kapelle erinnern oder an methodistische Versammlungen: "Eine Kapelle habe es hier nie gegeben." Was es dagegen hat: Einen originellen Dorfladen in der einstigen Käserei. Das Restaurant Rössli, das genau an zwei Tagen im Monat geöffnet hat. Sonst habe es nichts, auch keine Kapelle, wie mir ein Alteingesessener versichert. Vielleicht weiss ja jemand von den Leser:innen mehr über die methodistische Kapelle in Wahlendorf. Dann wäre ich froh um entsprechende Nachricht.

Nachtrag: Zwischenzeitlich weiss ich, dass es eine Kapelle in Wahlendorf gab. Hier kann man mehr erfahren!

Dafür habe ich von einer anderen christlich-frommen Gruppe erfahren, die sich genau einmal im Jahr aus der ganzen Schweiz in Wahlendorf (und übrigens auch in Stilli bei Brugg) zusammenkommt: Sie werden die "Namenlosen" genannt, oder auch "Two-by-Twos". Eine offizielle Eigenbezeichnung haben sie nicht. Gegründent wurde diese Gemeinschaft 1897 vom Schotten William Irvine in Irland. Ihm ging es darum, das ganze kirchliche Leben an den Aussendungsreden in Matthäus 10 auszurichten. Prediger, Boten genannt, hatten keinen Besitz, und lebten bei Angehörigen der Gemeinschaft. Gemeindeglieder waren stets zu Zweit unterwegs. Man versammelte sich in Privathäusern. Fernsehen und Radio hören war verboten. Äusserlich musste man konservativ und sittlich gekleidet sein. Nur Erwachsene werden (wieder-)getauft. Auch versteht man sich als einzige Gemeinschaft, die zum Heil führt. Missioniert wird auch in anderen Kirchen, aber wenn jemand Teil der Namenlosen wird, muss er aus seiner angestammten Kirche austreten. Konsequent nur, dass man nicht mit anderen christlichen Gemeinschaften und Kirchen zusammenarbeitet. Lange war man bei den Namenlosen überzeugt, dass man direkt in der Tradition der von Jesus ausgesandten Jüngern steht. Viele wussten nichts von einer Gründerperson.

Bei den Treffen in Wahlendorf und Stilli handelt es sich wohl um die Hauptversammlungen dieser sonst recht losen Glaubensgemeinschaft. 

Aktuell laufen in den USA gegen Prediger der Two-by-Twos Untersuchungen des FBI wegen sexuellen Missbrauchs an mehreren Personen. Da die Taten weiter zurückliegen, geht man aktuell nicht davon aus, dass sie zu einer Verurteilung führen werden.

Relinfo zählt die Namenlosen zu den fundamentalistischen Sondergruppen, zu denen auch die Amischen oder der Evangelische Brüderverein gezählt werden. In der Schweiz gebe es wohl etwa 500-750 Mitglieder, weltweit sind es gegen eine Million.

So bin ich, auf der Suche nach einer methodistischen Kapelle zwar nicht fündig geworden, jedoch zum ersten Mal in meinem Leben, und ausgerechnet in diesem kleinen Dorf, auf die Namenlosen gestossen.

Jörg Niederer

Sonntag, 4. Oktober 2026

Noch einmal: Abschied vom Schlagerpfarrer

Ein Zitat

Der Jodelklub Hirzel singt in Wädenswil im Erntedank-Gottesdienst, in dem der Schlagerpfarrer Stefan Moll verabschiedet und der Schlagerpfarrer Simon Züricher begrüsst wird.
Foto: © Jörg Niederer
"Ein frohes Stündlein, / ist's nicht ein Fündlein? / jetzt haben wir's, jetzt sind wir froh." Johann Peter Hebel (1760-1826)

Entdeckt

Am vergangenen Sonntag wurden der Schlagerpfarrer Stefan Moll in einem Erntedankgottesdienst in der Evangelisch-methodistischen Kirche Wädenswil feierlich in den Ruhestand verabschiedet und zugleich der neue Schlagerpfarrer Simon Zürcher in diese Aufgabe eingesetzt (Siehe Beitrag vom 28.09.2026!). Wer bei diesem volkstümlichen Gottesdienst nicht vor Ort dabei sein konnte, hat heute eine zweite Chance. Dieser Gottesdienst wurde vom Sender musig24.tv aufgezeichnet. Der Festgottesdienst wird heute um 10.00 Uhr auf musig24.tv erstausgestrahlt. Es folgen Wiederholungen am Montag, 5. Oktober 2026 um 14.10 Uhr sowie in der Dienstagsnacht (6. Oktober 2026) um 00.15 Uhr. Der Sender kann auch über das Festnetz blue TV von Swisscom empfangen werden.

Jörg Niederer

Samstag, 3. Oktober 2026

Ein Lob auf 22 Millimeter

Der Belpberg von Belp aus gesehen.
Foto: © Jörg Niederer

Ein Zitat

"Das Haupt in Sonnenstrahlen, der Fuss in 'schlechtem Wetter.'" Wilhelm Raabe (1831-1910)

Entdeckt

Oben: Aussicht von Hof Simmlern (Belpberg) auf die Berner Alpen. Unten: Der Hof der Familie Schär auf Simmlern. Hier fanden einst methodistische Bibelstunden statt.
Fotos: © Jörg Niederer
"22 Millimeter". Die Altbäuerin hebt die Hände freudenstrahlend. Soviel hat es in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober auf dem Belpberg geregnet. Während ich auf den letzten Wanderungen kaum eine Wasserlache und viele ausgetrocknete Bäche gesehen habe, ist diesmal alles anders. Wassertropfen hängen an Blüten und Samenständen. Bäche begleiten mich gurgelnd entlang der Wanderwege.

Auf meinem Weg von Münsingen nach Belp über den Belpberg, ein markanter, 11 Kilometer langer und 3-4 Kilometer breiter isoliert stehender, glazial gebildeter, knapp 400 Meter hoher Bergrücken, besuche ich wieder einmal eine methodistische Wirkstätte. Knapp unterhalb des Chutzen, mit 893 Metern höchsten Punkt des Belpbergs, liegt der Bauernbetrieb der Familie Schär. "Simmlern" nennt sich die Örtlichkeit südlich von der Ortschaft Belpberg. In den Konferenzverhandlungen der Methodistenkirche steht "Semmlern" und als Tätigkeit an diesem Ort "Predigt". Der Ortsname sei falsch, hat im Vorfeld der Wanderung die mir gut bekannte Cousine der eingangs erwähnten Bäuerin erklärt und mir auf der Karte genau gezeigt, zu welchem Hof ich gehen müsse. Für einmal bin ich mir beim Standort also sicher.

Vor dem Hof lärmt eine grosse Pumpe. Verschiedene Autos stehen herum. Erst suche ich vergeblich. Doch dann, auf mein Klopfen an der Wohnungstür, öffnet eine älter Frau und begutachtet mich fragend und leicht misstrauisch. Ich erkläre, wer ich bin und was ich tue, bringe Frau Schär die Grüsse ihrer Cousine, und nach und nach kommen wir zwischen Tür und Angel ins Gespräch. Es sei schon lange her, als noch Prediger der Methodistenkirche von Münsingen und Worb hier oben Bibelstunden (nicht Predigten!) gehalten hätten. Nun, Bibelstunden waren wohl oft nichts anderes als verkappte Predigten, die an Tischen und nicht von der Kanzel gehalten wurden. Gekommen zu diesen Stubenversammlungen seien aber fast ausschliesslich Menschen aus der Umgebung, und eigentlich alle seien sonst ins EGW (Evangelisches Gemeinschaftswerk) gegangen. Dass es Pfarrer der Methodistenkirche waren, die hier diesen Dienst getan hätten, liege wohl an verwandtschaftlichen Beziehungen.

Und dann bricht die Bäuerin beim Abschied in dieses spontane Dankgebet für den Regen aus. Und wieder einmal wird mir bewusst, wie wetterabhängig der Beruf von Landwirt:innen ist.

Jörg Niederer

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Kirchenliquidation

Ein Zitat

Da, wo sich heute das Hotel Ador in Bern befindet, wirkte viele Jahre die methodistische Gemeinde Bern-Villette in den selben Räumen wie das Hotel Alfa.
Foto: © Jörg Niederer
"'Wirf weg, damit du nicht verlierst!' ist die beste Lebensregel." Christian Friedrich Hebbel (1813-1863)

Entdeckt

Es waren schwierige und düstere Jahre für die Evangelisch-methodistische Kirche in der Schweiz. Innert weniger Jahre mussten aufeinander der Betrieb der kircheneigenen Druckerei CVB Buch und Druck eingestellt werden; das Hotel Viktoria Hasliberg, ein anderes Werk der Kirche, musste wegen des drohendem Konkurses verkauft werden, und auch die EMK Bern-Villette und das Hotel- und Konferenzzentrum "alfa" musste aufgegeben und liquidiert werden.

Der Gebäudekomplex an bester Lage in Nähe zum Hauptbahnhof Bern sieht heute nicht viel anders aus als im Jahr 2004, als hier die kirchliche Arbeit beendet werden musste. Nur ist da eben nicht mehr das alfa-Zentrum, sondern das "Ador" von der Hotelgruppe Sorell zu finden ist. 

Dabei begann alles 1973 mit einem innovativen Konzept: Hotel und Kirchgemeinde in den selben Räumen. Die Säle und Sitzungszimmer wurden so gestaltet, dass sie sowohl als kirchliche Räume wie auch für Konferenzen genutzt werden konnten. Übersetzungskabinen waren in den unterirdischen Kirchensaal integriert. Auch eine Orgel wurde eingebaut. Übrigens waren alle kirchlichen Räume ohne natürliches Licht im 1.bis 4. Untergeschoss zu finden, während Restaurant und Hotelzimmer darüber angelegt waren.

Meine ersten Erinnerungen an das alfa-Zentrum gehen auf das Jahr 1978 zurück, als ich an einer grossen Jugendveranstaltung dort teilgenommen habe. Während des Theologiestudiums absolvierte ich das sechswöchige Gemeindepraktikum in der Villetten-Gemeinde und lernte dabei so einiges vom damaligen Pfarrer Ernst Gisler. Er wohnte mit der Familie im obersten Stock in einer Wohnung, die heute wohl Teil des Hotels ist. Später dann besuchte ich als Pfarrer mit Jugendlichen im alfa-Zentrum eine Lesung der Theologin Dorothee Sölle. Auch Kurt Marti, Dichterpfarrer von Bern, war unter den Zuhörenden. Sehr oft fanden später kirchliche Sitzungen in diesem Haus statt, an denen ich aus beruflichen Gründen teilgenommen habe. Gegessen wurde dann jeweils gleich im Hotelrestaurant.

Als 1999 die Methodistenkirche das alfa-Zentrum aus finanziellen Gründen in eine Genossenschaft überführte, zeichnete sich ab, dass die damals 212 Methodist:innen ihre geistliche Heimat verlieren würden. Bis 2003 blieb der Gemeindebetrieb als Mietverhältnis gewährleistet. Ab 2004 ist der Bezirk Bern-Villette nicht mehr separat in der Statistik der Kirche aufgeführt. Das bedeutet wohl, dass ab dann die Gemeindeglieder sich entweder auf die anderen Gemeinden verteilten oder die Kirche verliessen. 2009 jedenfalls befand sich die Genossenschaft Alfa-Zentrum Bern in Liquidation. Die Evangelisch-methodistische Kirche musste dabei 6 Millionen Franken abschreiben. Auch die Berner Kantonalbank verlor bei dieser ordentlichen Liquidation einen Teil der geschuldeten 7,5 Millionen Franken. 

Bleibt noch zu sagen: Im Alter von 4 bis 6 Jahren lebte ich in Bern. Damals besuchten wir die Villette-Gemeinde, beziehungsweise die Kapelle der Methodist:innen, die damals an dieser Stelle stand. Irgendwo gibt es ein Foto, wie unsere Familie vor dem Eingang jener alten Kapelle steht. Vielleicht finde ich das Foto ja wieder einmal. Wer weiss.

Jörg Niederer

Dienstag, 29. September 2026

Ein Tag in der Bundeshauptstadt

Ein Zitat

Oben: Rolf Wyder und Jörg Niederer in den Strassen von Bern-Bümpliz. Unten. Die methodistische Zionskapelle an der Nägeligasse 4 in der Innenstadt von Bern.
Fotos: © Jörg Niederer
"Menschen ohne ein Dach über dem Kopf finden bei uns eine Herberge für eine Nacht. Die Gemeinschaft beim Znacht und Zmorge ist ein wichtiger Teil dieses Angebotes." Information der Berner Methodistenkirche zum Projekt "Eine Nacht schenken".

Entdeckt

Auf meiner Kapellentour bin ich schon länger auch im Raum Bern unterwegs. Zwar fehlt noch ein kleines Teilstück über den Belpberg. Das werde ich, wenn das Wetter mitspielt, noch diese Woche begehen.

Kommen wir aber zur Stadt Bern. Hier gibt es zwei aktive methodistische Gemeinden. Da wäre einmal die durch jüngere Menschen assistierte Altersheimgemeinde im Altersheims Weyergut in Wabern (Siehe dazu der Beitrag vom 24. August 2026!). Interessanter Weise ist hier auch die methodistische Jungschar Terra Nova von Bern beheimatet.

In der Innenstadt findet man die Zionskapelle an der Nägeligasse 4. Aktuell ist Rolf Wyder leitender Pfarrer. Ihn habe ich, nachdem ich auch die letzten bisher noch nicht besuchten vier einstigen methodistischen Standorte in der Stadt erwandert habe, zum Mittagessen im Sternen Bümpliz getroffen. Dabei erzählte er mir auch von der bemerkenswerten sozialdiakonischen Arbeit, welche diese Gemeinde stemmt. Zu nennen wären das "Caffè Berna", das "Gasse-Kafi" und "Eine Nacht schenken". Auch eine Wandergruppe der Gemeinde gibt es.

Auch anderes erfuhr ich von Rolf. Aufgewachsen in Bern-Bethlehem in einem dieser markanten Hochhäusern im zweitobersten Stock zeigte er mir so en passant die Orte seiner Jugend. Mit Plätzen der Kindheit verbinden sich jeweils viele Erinnerungen und bekommen dadurch einen höheren biografischen Wert als so manche anderen Episoden aus dem weiteren Leben. Mir geht es jedenfalls so, dass es mir jeweils besonders Freude bereitet, diese Kindheitsplätze anderen Menschen zu zeigen. Auf diesem Weg zurück in die Zeit der Jugend von Rolf kamen wir auch unweit des Hauses von Kuno Lauener, Leadsänger von Züriwest vorbei.

Zurück zur Methodistenkirche in Bern. Von einst sieben aktiven Gemeinden gibt es also heute noch zwei, wobei sich ein Grossteil der Arbeit auf die Gemeinde der Zionskapelle konzentriert. Was aus den anderen sechs Standorten geworden ist, davon werde ich dann in einem weiteren Beitrag hier berichten.

Jörg Niederer

Montag, 14. September 2026

Suchbewegung

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Oben: Auf der Martinsegg versammelten sich die Methodist:innen einst in diesem Bauernhaus. Unten: Coupe Prune, gegessen auf der Aussichtsterrasse vom Chuderhüsi.
Foto: © Jörg Niederer
"Wer das erste Knopfloch verfehlt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zu Rande." Johann Wolfgang Goethe (1749-1832)

Entdeckt

Kennst du den Blog von Thomas Widmer, auch Wanderpapst genannt? Er verbindet Wanderungen mit dem Kulinarischen. Dabei fotografiert er gerne auch das, was er oder auch seine Begleitung sich einverleiben. Eigentlich ein No-Go, Fotos von Essen zu posten. Bei Widmer hat es aber eine wanderergänzende Bedeutung. So weiss man, wo man unterwegs gut (oder auch nicht) speisen kann. Heute mache ich es auch einmal so. Den Coupe Prune und das alkoholfreie Bier genoss ich im Chuderhüsi. Das ist ein Gasthaus auf 1100 Metern Höhe nördlich von Röthenbach im Emmental. Ein Wanderbus bedient den Ort an Wochenenden jeweils einmal am früheren Morgen und einmal am späteren Nachmittag. Geführt wird das Haus von der christlichen Organisation El Rafa, im Speziellen von Menschen mit Suchtproblemen. Von der Terrasse des Hauses aus hat man einen fantastischen Ausblick auf Schrattenfluh, Hohgant, Brienzer Rothorn, Sieben Hengste und natürlich die Giganten der Berner Alpen mit Eiger, Mönch und Jungfrau im Zentrum. Am vergangenen Samstag wurden wir zusätzlich mit Technoklängen des dreitägigen KuMuKu Festivals auf der Chapfwacht beschallt. Das Bum-Bum war weitherum zu hören.

Nun aber zum eigentlichen Thema. Wie findet man den Ort, an dem Methodist:innen einst in Privathäusern zusammengekommen sind. Auf dieser Wanderung von Bowil hinauf zum Chuderhüsi liegt etwa auf 1000 Höhenmetern der Weiler Martinsegg. In den Konferenzverhandlungen von 1981 steht, dass dort bei Familie Moser Predigten stattgefunden haben. Nun hat es auf der Martinsegg mehr als ein Bauernheimet. Welches es ist, versuche ich jeweils herauszufinden, indem ich im Telefonbuch nachschaue, ob dort immer noch (in diesem Fall) die Familie Moser lebt. Dumm, wenn es dann die falschen Mosers sind, die unweit davon wohnen.

Also frage ich in relativer Nähe zum gesuchten Haus auch ortsansässige Personen. Ein junger Mann, der mit einer Motorsense das Strassenbord schnitt, und zufällig selbst im Nachbarhaus des gesuchten Objekts wohnte, zeigte mir den Platz, an dem sich früher abends Menschen einfanden zur Predigt. Er wusste aber noch von weiteren Orten in näherer Umgebung. Es war halt bei den zahlreichen Freikirchen im Emmental üblich, sich bei Privaten zu versammeln. Unglücklicher Weise entschied ich mich, auf einem etwas anderen Weg hinauf zur Martinsegg zu wandern. Angekommen fragte ich wieder eine ältere Frau, die aber erst zwölf Jahre hier wohnte und keine Ahnung von lokalen christlichen Aktivitäten hatte. Mutig läutete ich im grössten der Bauernhäuser. Dort wusste man auch nichts von Gottesdiensten, aber im Haus weiter unten, man sehe es von hier oben, da habe eine Frau Moser Sonntagschule gegeben. Das sei aber schon 30 oder 40 Jahre her.

Hätte ich den zuhause geplanten Weg genommen, wäre ich an besagten Haus vorbeigekommen. Noch einmal hinuntersteigen um mein obligatorisches Selfie vor dem Anwesen zu machen (Solche Selfies sind ja fast so verpönt wie Bildern von Essen!) wollte ich nicht mehr. Also fotografierte ich das Bauernhaus so gut wie es eben ging von meinem erhöhten Standort aus.

Was folgte war der restliche Aufstieg zum Chuderhüsi, das Besteigen des nahen  Aussichtsturms und den Abstieg zum Wanderausgangspunkt beim Bahnhof Bowil. 540 Höhenmeter bei 13 Wanderkilometern. Eine Etappe mehr auf meiner Kapellentour, vielleicht die Königsetappe im Emmental.

Jörg Niederer

Mittwoch, 9. September 2026

Standortwahl

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Oben: Die Markuskapelle in Worb wird seit 2025 nicht mehr von den Methodist:innen genutzt. Unten: Die ehemalige Kapelle der Methodist:innen in Münsingen steht nahe dem Bahnhof.
Fotos: © Jörg Niederer
"Wir haben traurige Leute. Wir haben enttäuschte Leute. Aber wir haben keine wütenden Leute mehr getroffen. Diejenigen, die mit auf den Weg gingen, können es verstehen und schweren Herzens akzeptieren. Das ist viel, dafür bin ich dankbar." Esther Bayer zur Beendigung der kirchlichen Arbeit in Worb.

Entdeckt

Fahren wir gleich fort mit der Vorstellung ehemaliger evangelisch-methodistischer Kapellen. Erwandert habe ich sie schon 29. August, und damit zeitlich der Etappe vorgezogen, die am vergangenen Montag von Bowil nach Schlosswil führte (siehe Beitrag vom 8. September 2026!).

Sowohl in Worb wie auch in Münsingen sind mir die ausgezeichneten Standorte der Kapellen und Liegenschaften wieder einmal aufgefallen. In Münsingen ist das Migros-Einkaufszentrum in direkter Nachbarschaft und zur Badi geht es nur unwesentlich weiter. In Münsingen, übrigens auch in Belp und Grosshöchstetten, befinden sich die Kapellen direkt beim Bahnhof. Die Kapelle Langnau ihrerseits befindet sich neben einem grossen Autoparkplatz. All das sind Standortvorteile. Man sollte meinen, dass dies einer Kirchgemeinde deutlich dabei hilft, Menschen auf die hilfreiche und motivierende Botschaft der Bibel aufmerksam zu machen und Gemeinschaft zu leben.

Doch Standortvorteil ist nicht alles. Das sieht man, wenn man Gemeinden anschaut wie die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) Breitenegg (Siehe Beitrag vom 27. Juli 2026). Man kann sich kaum einen remoteren Ort für eine lebendige Kirchgemeinde vorstellen.

Wie gut gelegen die beiden Kapellen in Worb und Münsingen sind, zeigt sich auch daran, dass wieder christliche Gemeinden dort wirken. In Worb ist es die Bewegungplus, in Münsingen die Freie Bibelgemeinde.

In Münsingen finden seit 2008 keine methodistischen Gottesdienste mehr statt. Das hat aber nichts daran geändert, dass gleich dreimal die methodistischen Tagungen der Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika an diesem Ort durchgeführt wurden, nämlich in den Jahren 2010, 2012 und 2016.

In Worb wurde die Gemeindearbeit in der Markuskapelle erst gerade 2025 eingestellt. Einen einfühlsamen Bericht dazu findet man auf der Webseite der EMK Schweiz.

Jörg Niederer

 


Dienstag, 8. September 2026

Kapellenverwandlung

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Oben: Die vermutlich ehemalige Kapelle der Methodisten in der Längenei bei Bowil ist heute ein Einstellraum. Unten: Die einstige methodistische Kapelle in Grosshöchstetten ist immer noch mit einem beschrifteten Schaukasten versehen.
Fotos: © Jörg Niederer
"Werden also nicht zu Recht die glücklich genannt, die nichts brauchen?" Platon (428-348 v. Chr.)

Entdeckt

In den Konferenzverhandlungen 2003 der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) ist der Eintrag zur Kapelle in der Längenei verschwunden, was darauf schliessen lässt, dass im Übergang von 2002 auf 2003 dort die Gottesdienste eingestellt wurden.

Anders sieht es mit der einstigen Kapelle in Grosshöchstetten aus. Die Konferenzverhandlungen listen ab 2008 nicht mehr die Predigt- und Sonntagschulplätze auf, sondern nur noch die Liegenschaften im Eigentum der EMK. Damit kann ich mit meinen aktuell zur Verfügung stehenden Mitteln nicht sagen, wann nach 2008 die Aktivitäten der EMK in Grosshöchstetten endeten. Im Verlauf der Konferenzaufzeichnungen wechselten schon früher die Bezeichnungen dieses Versammlungsorts von "Kapelle" zu "Säli". Warum? Vielleicht empfand man das Versammlungshaus nicht mehr als Kapelle. Das unterhalb des Bahnhofs gelegene Gebäude ist ja auch eher ein Wohnhaus denn ein Sakralbau. Vielleich wechselte aber auch das Haus den Besitzer, wobei die Gottesdienste am Ort noch einige Jahre weitergingen. Dass es sich um den einstigen Versammlungsort handelt, steht ausser Zweifel. Noch immer steht der mit dem Kirchennamen versehene Anschlagkasten vor dem Haus.

Weniger sicher bin ich bei der Kapelle in der Längenei. In diesem Weiler am Dürrbach gelegen, südlich von Bowil, hat nur das auf dem Foto oben abgebildete Gebäude entfernt den Charakter einer einfachen Holzkapelle ohne Türmchen. Heute ist es ein Einstellraum oder eine Werkstätte. Das Schiebetor an der Seite scheint nachträglich angebracht worden zu sein. Beim überdachten Eingang weisst ein Schild auf die sich aussen angebaute Toilette hin.

Falls es wirklich die methodistische Kapelle war, was ich annehme, so zeigt sich ein weiteres Merkmal. Solche Kapellen waren oft einfach errichtete Holzgebäude im Stil eines länglichen Schopfs. Das Gebäude musste ja auch nur seinen Zweck erfüllen. Dafür reichte ein Dach über dem Kopf, eine Toilette und vielleicht noch eine einfache Heizmöglichkeit.

Sowohl die EMK-Standorte Grosshöchstetten wie auch Längenei wurden von Signau aus bedient. Von den neun Wirkorten des Arbeitsfeldes waren Grosshöchstetten und Längenei nebst Signau die beiden mit einem kircheneigenen Gebäude. An den sechs anderen Orten versammelte man sich in angemieteten öffentlichen Gebäuden, z.B. Schulhäusern, oder dann bei Privatpersonen zuhause, z.B. auf Bauernhöfen (siehe Beiträge vom 25. August und 26. August 2026!).

Jörg Niederer

Donnerstag, 3. September 2026

Methodistische Gastfreundschaft im Emmental

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Oben: Die über hundertjährige Kapelle der Evangelisch-methodistischen Kirche in Langnau i. Emmental. Unten: Einblick ins Kafi Evergreen in der benachbarten Erweiterung aus dem Jahr 2005.
Fotos: © Jörg Niederer
"Rundum guet für ds Läbä." Der Slogan vom Kafi Evergreen findet sich auch auf dessen Bierdeckeln

Entdeckt

Ich habe diese Etappe der Kapellentour aufgespart, bis mit Ende der Schulferienzeit das Kafi Evergreen, ein Projekt der Evangelisch-methodistischen Kirche Oberemmental im Langnau wieder seine Tore öffnet. Gestern war es soweit. Wir spazierten kurze sieben Kilometer von Neumühle der Emme und dann der Ilfis entlang nach Langnau um rechtzeitig um 12.15 Uhr dort bei der alten, über hundertjährigen Kirche in einem modernen Erweiterungsbau herzlich begrüsst zu werden. In diesem Mehrzweckgebäude, entstanden 2005, spielt sich heute das gesamte Leben und Wirken der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Oberemmental ab. Langnau ist die noch einzige verbliebene EMK-Gemeinde im Emmental. Beim Zusammenschluss der Bezirke Signau und Langnau im Jahr 2012 zählte man in Langnau rund 60 Gottesdienstbesuchende. Heute besuchen noch so 20 Personen die Feiern. Es ist daher einleuchtend, dass etwas geschehen musste mit der Gemeinde, wenn sie weiter bestehen bleiben sollte. So entstand vor einem Jahr das Kafi Evergreeen. Wie liess sich Pfarrerin Claudia Haslebacher in einem Medienbericht doch zitieren: "Das 'Kafi Evergreen' ist ein mutiges Experiment einer kleinen, sich ihrer Endlichkeit bewussten Kirchgemeinde."

Seit 2025 gibt es das Kafi Evergreen. Finanziert durch ein Legat ist für deren Betrieb Seline Schaller zu 40% angestellt. Sie kocht, und weitere Mitarbeiterinnen helfen im Stundenlohn bei der Bewirtung und Betreuung der Gäste. Das Essen ist vorzüglich, das wir an diesem Mittwoch geniessen. Es gibt natürlich auch eine vegetarische Variante, die dem Fleischgericht in nichts nachsteht. Alles ist liebevoll angerichtet und mundet hervorragend. Selten, vielleicht noch gar nie, habe ich zu so einem günstigen Preis so ausgezeichnet gegessen. An diesem Mittwoch ist nicht besonders viel los. Etwa 10 Gäste sind zum Essen da, später kommen noch weitere dazu, die hier ihren Kaffee trinken. Ich komme mit Seline Schaller ins Gespräch: Sie erzählt davon, dass vor allem die Angebote für Eltern mit kleinen Kindern grossen Zulauf gehabt hätten. Anderes werde noch ausprobiert, müsse sich noch weiter entwickeln.

Gerne hätte ich mir auch wieder einmal die alte Kirche angeschaut, deren Türmchen weitherum sichtbar ist. Doch diese ist an die Heilpädagogischen Schule vermietet. So begnüge ich mich damit, um dieses alte Gemäuer herumzugehen, es von allen Seiten zu betrachten.

Wer das Kafi Evergreen besuchen will, beachte am besten die Öffnungszeiten und das Angebot auf der übersichtlichen Webseite. Wie es entstand, darüber gibt auch ein Medienbeitrag der EMK Schweiz Auskunft. Und dann wäre da noch die Webseite der EMK Oberemmental, auf der noch weitere Angebote der Oberemmentaler Kirche zu finden sind.

Jörg Niederer

Mittwoch, 26. August 2026

Von Frauen auf der Kanzel und der Glaubensdekonstruktion

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Oben: Die einstige Kapelle in Signau ist heute ein Wohnhaus. Unten: Der Bauernhof Schlossmatt. Hier fanden sich einst eine methodistische Sonntagschule.
Fotos: © Jörg Niederer
"Heute ist es ganz normal, dass eine Frau Pfarrerin werden kann. […] Und das finde ich sehr schön, und gut." Elsi Altorfer, methodistische Pfarrerin im Ruhestand

Entdeckt

Den methodistischen Kirchenbezirk Signau gibt es nicht mehr. Verschwunden ist die einst blühende Arbeit – es gab 9 Standorte, davon drei Kapellen. 2012 wurden die Bezirke Langnau i. E. und Signau zu einem neuen Bezirk Oberemmental zusammengefasst. Das war auch das Jahr, als in der Kapelle Signau die kirchliche Arbeit beendet wurde.

Auf meiner Kapellentour werde ich nicht alle einstigen Standort besuchen. Doch am vergangenen Montag waren es wenigstens drei des ehemaligen Bezirks Signau. Zum Schulhaus Höchi schrieb ich im gestrigen Beitrag. Danach kam ich auch noch auf Mutten bei Signau am damaligen Sonntagschulstandort im Heimet Schossmatt vorbei. Das richtige Haus gefunden hätte ich nicht, wenn es mir nicht von einer älteren Frau gezeigt worden wäre. Die Predigten fanden wohl in einem Nachbarshaus bei einer Familie Lehmann statt, vermutlich parallel zur Sonntagschule.

Drei Kilometer zu Fuss weiter, am Rand von Signau und direkt am Schüpbachkanal, steht nach wie vor die Kapelle von Signau. Noch erzählen die hohen Bogenfenster im Erdgeschoss vom einstigen Versammlungsort. Meine früheste Erinnerung an die Kapelle Signau geht in eine Zeit zurück, als ich mich gerade erst als Christ zu verstehen begann. Damals gab es für Jugendliche Einsätze bei sogenannten Evangelisationen. Meist eine Woche lang versuchte man mit speziellen Verkündiger:innen und einer einladenden Botschaft Menschen für Christus zu gewinnen. An einer dieser Wochen nahm ich also in Signau teil. Gertrud Wehner war damals die Pfarrerin auf dem Bezirk. Eine Frau mit einem Dutt. Sie gehörte zu den ersten Frauen, die in der Evangelisch-methodistischen Kirche Gemeinden leiteten und auf den Kanzel predigten. Vor 70 Jahren öffneten die Methodisten den Frauen den Zugang zum Predigtamt. In der Schweiz begann die erste ordinierte Frau vor 57 Jahren als Pfarrerin zu wirken. Dazu gibt es aktuell auch einige hörenswerte Interviews. 

Zurück zu Signau. Mit dabei an diesem Missionseinsatz war auch ein Student des Theologischen Seminars, heute die Theologische Hochschule Reutlingen. Er ermutigte mich damals, selbst das Studium der Theologie aufzunehmen.

Viel ist mir von diesem Einsatz in Signau nicht mehr geblieben an Erinnerungen. Zwischen damals und heute liegen – wie man so sagt – eine oder auch mehrere Phasen von Glaubensdekonstruktionen, gefolgt von jeweiligen Glaubensrekonstruktionen. Mit anderen Worten: Der Inhalt und die Umsetzung des persönlichen Glaubens ist in einem Wandel begriffen. Manches, was mir früher einleuchtete, ist mit meinem heutigen christlichen Verständnis nur noch schräg. Im Rückblick frage ich mich jeweils: Wie konntest du nur?

Es gibt in jeder christlichen Biografie Brüche und Aufbrüche. So wie auch in jeder kirchlichen Entwicklung. Diese Veränderungen, so glaube ich, haben bei mir zu einer reiferen Art des Glaubens geführt. Vielleicht sind die massiven Veränderungen in der Kirchenlandschaft ja auch so etwas wie eine Glaubensdekonstruktion, bei der Altes vergehen muss, damit Neues entstehen kann. Auf die "Rekonstruktion" des christlichen Glaubens heute bin ich sehr gespannt.

Jörg Niederer

Dienstag, 25. August 2026

Methodistisches Alleinstellungsmerkmal

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Jörg Niederer vor dem einstigen Schulhaus Höchi auf dem Gemeindegebiet von Signau. Hier fanden einst methodistische Gottesdienste statt und es wurde Sonntagschule angeboten.
Fotos: © Jörg Niederer
"Immer mehr kleine Dorfkäsereien müssen schliessen. Der Grund: Die Produktionskosten sind zu hoch - der Ertrag zu klein." SRF vom 25.10.2000

Entdeckt

Gestern beim Weiterwandern auf der Kapellentour von Aeschau nach Bowil kam ich gleich dreimal an methodistischen Wirkplätzen vorbei. Doch zuvor wurde ich von einem mir bis anhin unbekannten Altbauern und seiner Frau zum Kaffee eingeladen. Das kam so. Bei Aufstieg auf den gut 250 Metern über dem Tal der Emme gelegenen Weiler Höchi gelangte ich auf die Fahrstrasse zu Ober Fuhren. Ein kleines Auto näherte sich von hinten. Darin sass der über 80-jährige Samuel Mosimann. Mosimann, so heissen auf Fuhren fast alle. Er habe eben nach seinen fünf Bienenvölkern geschaut, sie gegen die Varroamilbe behandelt und gefüttert, erzählte er. Das Gespräch durch das geöffnete Autofenster war nur kurz. Dann fuhr er weiter. Wenige Minuten später kam ich zu den Bauernhäusern auf Ober Fuhren, wo Samuel Mosimann gerade eben sein Auto geparkt hatte. "So, jetzt können sie gleich mitkommen und mit mir einen Kaffee trinken." sagte er zu mir. Er beabsichtige das sowieso gleich zu tun. Wir stiegen etwas verwinkelt zwischen den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden hoch in eine überdachte Gartenlaube. Dort wurde uns von Frau Mosimann Kaffee serviert. Später setzte sie sich auch noch dazu, nachdem sie die Wäsche aufgehängt hatte. Ich erzählte Samuel Mosimann von meinem Projekt der Weitwanderung von einer methodistischen Liegenschaft zur nächsten, und dass ich bald auf der Höchi das Schulhaus besuchen wolle. Dort habe es wohl einst eine methodistische Sonntagschule und vermutlich aus Predigten gegeben. Samuel Mosimann bestätigte. Er sei selbst dort zur Sonntagschule gegangen. Auch seine Frau, aufgewachsen in Signau, war einst in die dortige methodistische Kapelle zur Sonntagschule gegangen. Zwar hätte sie zur reformierten Kirche gehört, doch Sonntagschule gab es nur von den Leuten aus der Kapelle.

Als ich später dann noch den letzten Anstieg hinauf zum Schulhaus Höchi nahm, wurde mir wieder einmal bewusst, wie wichtig die Sonntagschule in den Anfängen des Methodismus in der Schweiz war. Mann müsste wohl dabei von einem Alleinstellungsmerkmal sprechen. Es war die Innovation in der Kirchenlandschaft. Familien mit vielen Kindern schienen nur darauf gewartet zu haben, dass die Kinder am Sonntag etwas erleben konnten. Sonntagschulen mit 50 oder gar 100 Kindern waren keine Seltenheit. Mit den Jahren begannen dann auch die Landeskirchen mit eigenen Sonntagschulen. Zugleich veränderte sich die Demografie. Die Familien wurden kleiner. Dann zollte der christliche Glaube der Säkularisierung ihren Tribut. Eine dieser abgelegenen Landsonntagschulen nach der andern schloss ihre Pforten. Das war insofern auch für die methodistischen Gemeinden verhängnisvoll, fiel doch mit den Sonntagschulen ein wichtiger Anknüpfungspunk in die Gesellschaft hinein weg. Vermutlich ist die Tatsache, dass es zum Beispiel im Emmental und den angrenzenden Hügellandschaften heute genau noch zwei von früher zahlreichen methodistischen Gemeinden gibt, auf diese Veränderung bei den Sonntagschulen zurückzuführen.

Ein neues Alleinstellungsmerkmal mit Breitenwirkung wie einst die Sonntagschulen hat die Evangelisch-methodistische Kirche noch nicht gefunden. Doch auch die anderen Kirchen und Gemeinschaften verlieren Einfluss und suchen schon seit Jahren nach neuer Relevanz. Wie die Geschichte weitergehen wird? Ich weiss es nicht, aber es bleibt spannend.

Übrigens: Nicht nur Kirchen und Predigtplätze verschwinden. Auch Landschulhäuser werden stillgelegt, die Kinder in den Zentren zusammengezogen. Das Schulhaus Höchi ist heute ein Wohnhaus, in dem man sich eine Auszeit abseits des Trubels gönnen kann, direkt neben einer der wenigen noch aktiven und ausgezeichneten Emmentaler-Käsereien. Auch dort hatte der junge Samuel Mosimann einst Ferienvertretungen gemacht und für die 120 Kilogramm schweren Käseleibern geschaut.

Jörg Niederer

Freitag, 14. August 2026

Das Vertriebsnetz

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Einstige Predigtorte der Methodist:innen: Oben: Gehöft Ober Altenei. Unten: Bauernbetrieb Aspi.
Fotos © Jörg Niederer
"Wir vergehen wie Rauch von starken Winden." Andreas Gryphius (1616-1664)

Entdeckt

Der bequeme Weg von Langnau nach Signau folgt den Flussläufen von Ilfis und Emme. Der unbequeme Weg dagegen führt auf direkterem Weg über die Emmentaler Hügel. Dabei kommt man an vielen Gehöften und Heimetli vorbei. Noch in Sichtweite von Langnau, 150 bis 200 Höhenmeter über der Talsohle, trafen sich einst Methodist:innen zu ihren Gottesdiensten in Bauernhöfen. Luftlinie sind diese Orte nur zwei, drei Kilometer von der "Mutterkirche" in Langnau entfernt. Von Langnau aus betreute die Pfarrperson auch die "Aussenstationen".

Man kann sich fragen, ob ein so dichtes Netzt an Predigtplätzen Sinn macht. Es scheint zumindest ein Bedürfnis gewesen zu sein, sonst hätte es diese abgelegenen Predigtplätze nicht gegeben. Vermutlich hätte man ohne sie viele Bauernfamilien an ihren schwer zugänglichen Orten nicht erreicht. Auch ist zu vermuten, dass solche Predigtplätze in Privathäusern auch von anderen Freikirchen im Emmental unterhalten wurden. Zumindest die Täufer trafen sich oft in abgelegenen Weilern.

1987 wurden die beiden methodistischen Predigtstandorte Altenei und Aspi aufgegeben. Das hat wohl vielfältige Ursachen gehabt. Zu vermuten ist, dass es auch im Emmental zu einer verstärkten Entfremdung der Bevölkerung von freikirchlicher Zugehörigkeit gekommen ist. Weiter wurden an vielen Orten die Wege wintersicher ausgebaut und damit die Mobilität erhöht. Auch die Grossfamilien auf den Bauernhöfen verschwanden, was das Transportproblem deutlich verringerte. Vielleicht wollte man die Pfarrpersonen entlasten. Weiter vermutet werden kann, dass das Gemeinschaftserlebnis vermehrt in Gottesdiensten mit höherer Beteiligung gesucht wurde.

Die negativen Folgen dieser Strukturbereinigung: Nähe zu und Einfluss auf die Menschen schwanden dahin. An manchen Orten sosehr, dass innerhalb von 30, 40 Jahren von der einst blühenden und vielfältigen Arbeit nur noch wenige Baudenkmäler übriggeblieben ist. So etwa auf dem kirchlichen Arbeitsfeld um Signau herum. Dazu später mehr in diesem Blog.

Der Niedergang erfolgte schleichend und unaufhaltsam. Das Alte ist vergangen, das Neue zeigt sich aktuell noch nicht.

Jörg Niederer

Montag, 3. August 2026

Glockengeschichten

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Oben: Die einstige, methodistische Kapelle ist heute ein Wohnhaus. Unten: Methodist:innen feierten einst auch im Kirchlein von Rüti bei Lyssach.
Fotos © Jörg Niederer

"Im taussd sib hundert eilfften Jahr / ich ganz von new gegossen war, / weil d'Kilchen-Gmeind ersetzen wollte / das von den Dieben Weggeholte. / Das[s] zu dem Wort ich ruffte fein, / wolt ich größer gegossen sein."
Inschrift aufgrund der durch Diebstahl ersetzten Glocke im Kirchlein Rüti.

Entdeckt

Die Kapelle der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Jegenstorf wurde bis 1993 gottesdienstlich genutzt. Sie gehörte zum EMK-Bezirk Burgdorf. Heute wohnen im Haus, dem man nicht auf den ersten Blick die Kapelle ansieht, drei Mietparteien. Nach wie vor gehört das Gebäude mit Umschwung der EMK.

Ganz anders sieht es mit dem Kirchlein in Rüti bei Wyssachen aus, das auf halbem Weg zwischen Burgdorf und Jegenstorf liegt. Auch dort versammelten sich die Methodist:innen bis zum Jahr 1994. Das reformierte Gotteshaus sieht auf eine lange Geschichte zurück, die Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts begann. In der Reformation ging das Gotteshaus in die Hände der Neugläubigen über und wurde von Pfarrhelfern aus Burgdorf bis ins Jahr 1938 betreut. Heute gehört das Kirchlein zur Seelsorgeeinheit Kirchberg.

Auch das gibt es also, dass Methodist:innen sich in Gotteshäusern anderer Konfessionen versammelten.

Beim Kirchlein gibt es Geschichten zu den beiden Glocken, die bis heute von Hand geläutet werden. So stürzten 1666 die beiden Glocken in Folge eines Blitzeinschlags ab, nahmen dabei aber keinen Schaden. Dann, im Jahr 1711, wurde gar eine Glocke aus dem Kirchturm gestohlen. Vielleicht hat sich jemand am lauten Glockenschlag gestört. Das soll es ja auch heute geben. Genutzt hätte es ihm oder ihr wenig, wurde doch das entwendete Geläut durch eine grösseres Glocke ersetzt.

Im Jahr 1711 war dann auch noch eine in heutiger heissen Zeit hilfreiche Erfindung zu verzeichnen. Johann Justus Partels, ein in Deutschland lebender Ingenieursoffizier baute den ersten Wetterkasten, auch Luftpumpe genannt. Wir nennen diese heute nicht wegzudenkende Erfindung Ventilator.

Jörg Niederer

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