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Montag, 3. August 2026

Glockengeschichten

Ein Zitat

Oben: Die einstige, methodistische Kapelle ist heute ein Wohnhaus. Unten: Methodist:innen feierten einst auch im Kirchlein von Rüti bei Lyssach.
Fotos © Jörg Niederer

"Im taussd sib hundert eilfften Jahr / ich ganz von new gegossen war, / weil d'Kilchen-Gmeind ersetzen wollte / das von den Dieben Weggeholte. / Das[s] zu dem Wort ich ruffte fein, / wolt ich größer gegossen sein."
Inschrift aufgrund der durch Diebstahl ersetzten Glocke im Kirchlein Rüti.

Entdeckt

Die Kapelle der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Jegenstorf wurde bis 1993 gottesdienstlich genutzt. Sie gehörte zum EMK-Bezirk Burgdorf. Heute wohnen im Haus, dem man nicht auf den ersten Blick die Kapelle ansieht, drei Mietparteien. Nach wie vor gehört das Gebäude mit Umschwung der EMK.

Ganz anders sieht es mit dem Kirchlein in Rüti bei Wyssachen aus, das auf halbem Weg zwischen Burgdorf und Jegenstorf liegt. Auch dort versammelten sich die Methodist:innen bis zum Jahr 1994. Das reformierte Gotteshaus sieht auf eine lange Geschichte zurück, die Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts begann. In der Reformation ging das Gotteshaus in die Hände der Neugläubigen über und wurde von Pfarrhelfern aus Burgdorf bis ins Jahr 1938 betreut. Heute gehört das Kirchlein zur Seelsorgeeinheit Kirchberg.

Auch das gibt es also, dass Methodist:innen sich in Gotteshäusern anderer Konfessionen versammelten.

Beim Kirchlein gibt es Geschichten zu den beiden Glocken, die bis heute von Hand geläutet werden. So stürzten 1666 die beiden Glocken in Folge eines Blitzeinschlags ab, nahmen dabei aber keinen Schaden. Dann, im Jahr 1711, wurde gar eine Glocke aus dem Kirchturm gestohlen. Vielleicht hat sich jemand am lauten Glockenschlag gestört. Das soll es ja auch heute geben. Genutzt hätte es ihm oder ihr wenig, wurde doch das entwendete Geläut durch eine grösseres Glocke ersetzt.

Im Jahr 1711 war dann auch noch eine in heutiger heissen Zeit hilfreiche Erfindung zu verzeichnen. Johann Justus Partels, ein in Deutschland lebender Ingenieursoffizier baute den ersten Wetterkasten, auch Luftpumpe genannt. Wir nennen diese heute nicht wegzudenkende Erfindung Ventilator.

Jörg Niederer

Donnerstag, 30. Juli 2026

Der Weg geht nie aus

Ein Zitat

Das Schloss Burgdorf
Foto © Jörg Niederer
"Man muss nur hübsch alt werden: dann gibt sich alles." Arthur Schopenhauer (1788-1860)

Entdeckt

In den letzten viereinhalb Monaten ist meine Weg auf der Kapellentour bis Burgdorf weitergegangen. Seit Projektstart am 28. Oktober sind 541 Kilometer und 13'000 Höhenmeter zusammengekommen. Ich bin dabei an 39 von der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) aktiv genutzten Liegenschaften vorbeigekommen. Weitere 27 aufgegebene Standort habe ich so nebenher auch noch besucht.

Die weitere Planung führt mich nun auf 238 Kilometern via Jegenstorf, Hindelbank, Langnau i. E., Signau, Worb, Belp, Wabern, Bern, Lyss, Aarberg, Täuffelen, Neuchâtel und Saint-Imier nach Biel.

Mit Neuchâtel werde ich mein westlichstes Tourenziel erreichen. Danach geht es wieder mehrheitlich ostwärts, und irgendeinmal werde ich dann erneut in Zürich landen.

Solche Reisen über lange Distanzen und mit gesteckten Zielen führen immer zu einem Problem: Irgendeinmal sind sie abgeschlossen. Was wird dann kommen? Nun, da wären noch einige Kapellen und Standorte der EMK im Berner Oberland. Und danach könnte der süddeutsche Raum folgen, oder auch Österreich, Ungarn, usw.

Der Weg wird mir nie ausgehen. Solange die Beine tragen, geht es in meinem Leben immer auch wieder zu Fuss weiter.

Jörg Niederer

Montag, 27. Juli 2026

Die Kapelle und der Glungge-Hof

Ein Zitat

Die Kapelle der Evangelisch-methodistische Kirche in Breitenegg gibt es seit 1924.
Fotos © Jörg Niederer

"Auf unseren gemeinsamen Weg als Bezirk Breitenegg freue ich mich und danke Euch herzlich für jegliche Unterstützung."
Thomas Lerch, neuer Gemeindemitarbeiter auf dem Bezirk Breitenegg

Entdeckt

Es gibt Orte, da wundert man sich, dass hier eine Freikirche zu finden ist, während andernorts diese ihre Tore schliessen musste. So geschehen auf dem evangelisch-methodistischen Kirchenbezirk Burgdorf-Breitenegg. In Burgdorf beendeten kürzlich die Methodist:innen ihre kirchliche Präsenz, während sie im kleinen Emmentaler Weiler Breitenegg auch nach 102 Jahren weiter wirken. Gestern war ich zum ersten Mal an diesem abgelegenen Ort im Emmental. Bis zur nächsten Busstation geht es 1,9 Kilometer weit und 125 Höhenmeter hinunter ins Önztal. Wer hier lebt, ist motorisiert. Vor der Kapelle stehen mehrere Autos, einige ohne Nummernschilder. Hinter der Kapelle, direkt in der Verlängerung am Haupteingang vorbei, ist ein Schwimmbassin für Kinder aufgestellt. Sitzgelegenheiten stehen etwas unordentlich beim Eingang herum. Es gibt ein Untergeschoss mit Gemeinderäumen. Die Kapelle war bei meinem Besuch verschlossen. Im ersten Stock standen die Fenster offen. Einen Moment lang sah ich dort eine Frau und grüsste. Das musste sie vertrieben haben. Wunderte sie sich über diesen neugierigen unbekannten Mann, der da Fotos von der Kapelle und sich machte?

Die Kapelle ist, so lese ich in einer Broschüre über das Dorf, auch das Übungslokal des Posaunenchors Rüedisbach, ein Allianzmusikverein. Weiter steht in der Broschüre, dass sich die Gläubigen der Evangelischen Gemeinschaft, einer Vorläuferkirche der heutigen Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK), schon vor dem Kapellenbau in den Bauernhöfen Mutzgraben, auf der Heidenstatt und im Äusseren Grütt getroffen haben.

Zur Methodistenkirche Breitenegg zählen heute 38 Mitglieder. Hinzu kommt ein noch einmal so zahlreicher Freundeskreis, und etwa 25 Kinder.

Die Jungschar dort nennt sich Glungge und zählt aktuell 32 Personen. Mit dem Namen knüpft diese Jugendarbeit an verfilmte Werke von Jeremias Gotthelf an. Die Filme "Ueli der Knecht" und "Ueli der Pächter" wurden denn auch in einem imposante Bauernhaus aus dem Jahr 1681 im nahe gelegenen Weiler Brechershäusern gedreht. Seither wird besagtes Bauernhaus auch namentlich mit der Glungge aus den Büchern Gotthelfs gleichgesetzt.

Auf dieser Etappe der Kapellentour kamen wir nicht nur an der Methodistenkirche Breitenegg, sondern auch am Glungge-Bauernhof vorbei. Noch weitere Sehenswürdigkeiten gibt es in dieser Gegend. Dazu später mehr.

Was mir auffällt. Die mir bekannten und eher abgelegenen Versammlungsorte der Methodist:innen haben gut in der Gesellschaft integrierte Jungscharen. Oft wird von der offiziellen, politischen Gemeinde auf dieses Angebot hingewiesen. Weiter sind eine grössere Zahl der Kirchgemeindeglieder in der Landwirtschaft tätig und stark familiär verbunden. Vermutlich ist das auch so in der EMK Breitenegg.

Von Breitenegg wird mich die geplante Wanderroute nach Burgdorf führen. Dazu später mehr.

Jörg Niederer

Mittwoch, 22. Juli 2026

Die Predigten im Heimet Zimmerhus

Ein Zitat

Oben. Das Zimmerhus ist ein schönes Emmentaler Heimet ob Griesbach. Unten. Das Harmonium steht immer noch im einstigen Gottesdienstraum des Zimmerhus'.
Fotos © Jörg Niederer
"sapere aude / incipe. / Wage es, weise zu sein, fange an!" Horaz (65 - 8 v. Chr.)

Entdeckt

Ernst und Heidi wahren ihr Leben lang Kleinbäuerin und Kleinbauer im Heimet Zimmerhus. Das Land reichte nicht, um von der Milchwirtschaft zu leben. So stellten die beiden den Betrieb in den Emmentaler Hügeln ob Griesbach bald schon auf die weniger aufwändige Muttertierhaltung um. Ernst arbeitete nebenher als Fahrer für verschiedene Unternehmen. Heidi, eine gebürtige Berner Oberländerin, schaute tagsüber zu Hof und Kindern. An den Abenden und Wochenenden versorgte Ernst die Tiere mit und bestellte das Feld.

Ich lernte die Familie kennen, als ich 1985 meine Pfarrstelle auf dem Bezirk Huttwil antrat. Es war der Vater von Ernst, der in einem Zimmer dieses Bauernhauses mit christlichen Versammlungen begann. Das Harmonium steht noch heute im Andachtsraum, den man über eine steile Treppe erreich. Dort fanden die methodistischen Gottesdienste statt. Die Menschen kamen aus der direkten Umgebung, aus den benachbarten Höfen. Es ging familiär zu und her.

Am letzten Montag besuchten meine Frau und ich die beiden betagten Leute auf unserer Kapellentour-Etappe von Wasen i. E. nach Affoltern i. E. Wir kamen zur ungünstigen Mittagszeit an. Das Essen war fertig, es wurde Besuch erwartet, und da sich dieser Besuch um eine Stunde verspäten würde, mussten wir uns mit Händen und Füssen dagegen wehren, dass uns nicht deren Essen vorgesetzt wurde. Die Stunde mit Heidi und Ernst verging im Flug. Viele Erinnerungen an Menschen und Situationen mussten besprochen werden. Damals kam ich meist mit der Bahn von Huttwil nach Griesbach, um dann mit dem Fahrrad die rund hundert Höhenmeter durch ein Wäldchen hinauf zum Zimmerhus zu bewältigen. Das reichte, um oben schweisstriefend anzukommen. So wechselte ich jeweils vor dem Gottesdienst oder der Bibelstunde die Kleider. Letztere fand jeweils in der Stube der Familie statt. Es kam vor, dass ich nachts im Wäldchen die Hand nicht vor den Augen sah. Da half das Dynamolicht am Fahrrad auch nicht viel weiter. Im Winter war ich mit Spicks an den Fahrradreifen unterwegs auf den eisigen Strassen. Auch schon musste ich mich durch hohe Schneeverwehungen hinauf zum Zimmerhus kämpfen. Dass ich zwei der drei Jahre den Dienst auf dem Bezirk Huttwil ohne Auto versah, führte immer wieder dazu, dass Heidi und Ernst sich für ihr Autofahren entschuldigten. Dass sie an diesem Ort nicht ohne Auto auskommen, konnte ich absolut verstehen, doch es gelang mir nicht, sie davon abzuhalten, ihr motorisiertes Unterwegssein immer wieder zum Thema zu machen. Heidi fährt auch heute noch Auto, Ernst musste es wegen einer Augenerkrankung aufgeben.

Ich weiss nicht mehr genau, ob die Gottesdienste im Zimmerhus während meiner Zeit aufgegeben wurden, oder ob es erst kurz nach meinem Weggang geschehen ist. So nebenbei bemerkte Heidi, dass ihren Kindern die Gottesdienste vor Ort nicht gut getan hätten, ohne dies näher zu erklären. Es war wohl der Erwartungsdruck, Dabeisein zu müssen; aber was weiss ich schon. Längst wird der einstige Gottesdienstraum anderweitig genutzt. Ein Hometrainer steht dort. An der Wand hängen Bilder des einen Sohns, der Kunst studierte und heute Lehrer ist. Auf der Treppe zum ehemaligen Andachtsraum hängen die Fotos der zehn Grosskinder.

Bald schon könnte das Heimet in die Hände von entfernten Verwandten übergehen. Was das dann mit Ernst machen wird, wenn er wegziehen muss, er, der ein Leben lang an diesem Ort wohnte, davon 56 Jahre mit Heidi zusammen? Ich denke daran, wie er gleich kurz nach der Begrüssung lachend meinte, er werde wohl bald sterben. Die Nieren könnten den Dienst versagen. An die Dialyse wolle er nicht, er habe ein langes, gutes Leben gehabt.

Dann kommt, nach unserem unerwarteten, auch der erwarte Besuch und wir verabschieden uns von den beiden mit einem "auf Wiedersehn". Ob es dazu noch einmal auf dieser Erde kommen wird?

Die Weiteren Beiträge zum methodistischen Bezirk Huttwil: Zu Huttwil und Neuligen; zu Rohrbach: zu Wasen i. E.!

Jörg Niederer

Mittwoch, 24. Juni 2026

Kein Glück gehabt

Ein Zitat

Am Connexio-Abend konnte man Lose ziehen. Nicht alle hatten Glück.
Foto © Jörg Niederer
"Was mich betrifft, so bin ich bescheiden und bewahre mir wenigstens eine heitere Gelassenheit, die jeden andern gewähren lässt in seiner Art." Wilhelm Busch (1832-1908)

Entdeckt

Am Connexio-Abend anlässlich der Tagung der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika konnte man Lose ziehen und je nach dem Dinge gewinnen, die in den Ländern hergestellt wurden, in denen Connexio als Hilfswerk die einheimische Kirche oder Bevölkerung unterstützt. Ich hatte mit allen drei Losen kein Glück. Wobei, hätte ich gewonnen, hätte ich das dann Gewonnene auch wirklich brauchen können oder gar nötig gehabt? Wohl eher nicht. Es wären Dinge gewesen, die statt auf der Connexio-Fachstelle bei mir rumgelegen oder rumgestanden hätten.

Ich hatte also doch irgendwie Glück, dass ich nicht gewonnen habe.

Connexio übrigens hilft in vielen Ländern, dass Menschen ihre Rechte bekommen. Wer mehr erfahren und mit einer Spende zum Glück Anderer beitragen möchte, kann sich auf der Webseite informieren.

Jörg Niederer

Montag, 22. Juni 2026

Sitzungstrychler

Ein Zitat

Die Mitglieder wurden an der Tagung der Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika mit einer "Trychel" aus der Pause zu Situngszeit gerufen.
Foto © zur Verfügung
"Das sucht Gott bei uns, dass wir umsichtig und entschlossen seinen Spuren der Liebe und des Guten folgen." Bischof Stefan Zürcher in der Konferenzpredigt zu Micha 6,1-8

Entdeckt

Es hat ausgeläutet an der jährlich stattfindenden Tagung der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika. Gestern Sonntag ging sie mit einem für diesen Anlass recht kurzen und kurzweiligen Ordinationsgottesdienst zu Ende. Da der Anlass in eigenen methodistischen Räumen stattfand, musste man sich für den Besuch ein kostenloses Ticket besorgen, was rund 350 Personen dann auch taten. Anschliessend nutzten die Besuchenden das sonnig-heisse Wetter für Gespräche und das gemeinsame Essen. Einige kühlten sich ab, in dem sie ihre Füsse in einem eigens aufgestellten Kinderplanschbecken badeten.

In den vergangenen drei Tagen lösten sich Sitzungszeiten, Feiern und Pausen immer wieder ab. Es war gar nicht so einfach, die rund 240 Delegierten aus den Pausen an die Konferenztischen in der wohltemperierten 3x3-Halle zurückzurufen. So bin ich dann selbst unter der Trychler gegangen. Das hat schon etwas, so eine grosse Kuhglocke rhythmisch zu läuten. Den Freiheitstrychlern werde ich mich dennoch nicht anschliessen, weder inhaltlich noch brauchtumsmässig.

Jedenfalls konnte die Sitzungszeit ohne nennenswerten Umfall abgeschlossen werden. Zu guter Letzt ist dann noch eine Gefriertruhe ausgestiegen. In diesen heissen Tagen ist das kein zu unterschätzendes Ereignis. Das Eis schmilzt, das Leben taut. Aber wie hiess doch das Konferenzmotto: "No Risk  no love".

Weitere Fotos von dieser internationalen Tagung kann man sich auf der Seite der Jährlichen Konferenz anschauen.

Jörg Niederer

Sonntag, 21. Juni 2026

Der Fächer und die Feier

Ein Zitat

An heissen Tagen sind sie wieder zu sehen: Fächer, um sich etwas Kühlung zu verschaffen.
Foto © Jörg Niederer
"Alles, was wir mit Wärme und Enthusiasmus ergreifen, ist eine Art der Liebe." Wilhelm Von Humboldt (1767–1835)

Entdeckt

Der Fächer. Es gibt ihn schon mindestens seit dem 16. Jahrhundert. In diesen heissen Tagen ist er wieder vermehrt zu sehen. So auch an der gerade stattfindenden internationalen Tagung der Evangelisch-methodistischen Kirche in Hunzenschwil. Es ist gerade eine richtig heisse Sache. Da dient der Fächer nicht nur als modisches Accessoire. Mit ihm lässt sich die Luft in Bewegung versetzten, die dann etwas kühlt.

Heute Sonntag wäre es keine schlechte Idee, einen Fächer mit in den Ordinationsgottesdienst mitzubringen. Es könnte wieder ordentlich warm werden. Dieser Gottesdienst mit Predigt von Bischof Stefan Zürcher findet ab 09.30 Uhr am Stationsweg 6 in den Räumen der 3x3 EMK Region Lenzburg statt. Es hat noch reichlich freie Plätze. Man kann sich also immer noch ein kostenloses Ticket besorgen, oder auch einfach auf gut Glück vorbeikommen. Das Ticket kann über die Webseite der Jährlichen Konferenz abgerufen werden oder auch direkt bei Eventfrog.

Jörg Niederer

Samstag, 20. Juni 2026

Das Konferenzbüsi

Ein Zitat

An der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche in Hunzenschwil ist auch ein junges Büsi als einzige Katze unter 240 Menschen mit dabei.
Foto © Jörg Niederer
"Katzen erreichen mühelos, was uns Menschen versagt bleibt: durchs Leben zu gehen, ohne Lärm zu machen." Ernest Hemingway (1899-1961)

Entdeckt

Katzenbilder sind ja nicht so der Brüller. Es gibt sie wie Sand am Meer, und ernst genommen werden sie kaum. Doch bei dieser Katze handelt es sich um eine Premiere. Zum ersten Mal ist meines Wissen eine Katze mit dabei and der Tagung der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika. Das Büsi begleitet seine Besitzerin an diesen Ort mit 240 menschlichen Delegierten. Schnurrli lässt sich vor dem Betrieb nicht aus der Ruhe bringen. 

Übrigens: Man muss keine Katze sein, um an diesem Anlass in Hunzenschwil reinzuschauen. Besucherinnen sind herzlich willkommen in der 3x3-Halle. Ganz besonders sind alle zum Konferenzsonntag mit dem Ordinationsgottesdienst eingeladen. Hier ist es wichtig, sich ein kostenloses Ticket zu besorgen. Das gilt für wirklich alle, die dabei sein wollen, also für Pfarrpersonen und Laienmitglieder der JK, genauso wie für alle Mitwirkenden sowie weiteren Besuchenden, vom Baby bis zur Hundertjährigen. Das Ticket kann über die Webseite der Jährlichen Konferenz abgerufen werden oder auch direkt bei Eventfrog.

Jörg Niederer

Freitag, 19. Juni 2026

Konferenz-Anzeichen

Ein Zitat

Wegweiser zu den verschiedene Bereichen finden sich bei grossen Konferenzen mehr als üblich.
Fotos © Jörg Niederer
"Das einzige, was aus einer Konferenz herauskommt, sind die Leute, die hinein gegangen sind." Herkunft unbekannt

Entdeckt

Konferenzen haben ihre Eigenarten und Erkennungsmerkmale. So wird alles exzessiv angeschrieben, damit sich auch ja alle zurecht finden. Es gibt jeweils einen Empfang, und dann gibt es diese Namensaufkleber oder Namensschilder oder der Name findet sich an einer Kordel um den Hals. Meist hat man wenig Platz und muss zum Essen und auf den Toiletten anstehen. Toiletten sind eher unten, da ist auch der Gepäckraum. Oben dagegen ist der Ruheraum, und bei christlichen Anlässen oft auch ein Gebetsraum. Oben, den da ist man näher bei Gott.

Die Sanität ist auch organisiert, man kann sich mit Getränken eindecken und irgendwas Kleines essen. Diskutiert wird auch, mehr oder weniger, je nach Raumtemperatur. Manchmal riecht es nach Schweiss. Manch einer nickt ein während eines längeren Monologs.

Genau so wird es auch heute morgen sein, wenn die Evangelisch-methodistische Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika auf dem Gelände der 3x3 EMK Region Lenzburg in Hunzenschwil tagt. Ich liebe es dabei zu sein. 

Übrigens: Alle können reinschauen. Ganz besonders herzlich sind alle zum Konferenzsonntag mit dem Ordinationsgottesdienst eingeladen. Hier ist es wichtig, sich ein kostenloses Ticket zu besorgen. Das gilt für wirklich alle, die dabei sein wollen, also für Pfarrpersonen und Laienmitglieder der JK, genauso wie für alle Mitwirkenden sowie weiteren Besuchenden, vom Baby bis zur Hundertjährigen. Das Ticket kann über die Webseite der Jährlichen Konferenz abgerufen werden oder auch direkt bei Eventfrog.

Jörg Niederer

Donnerstag, 18. Juni 2026

Starke Männer und die Konferenz

Ein Zitat

Impressionen vom Infrastruktur-Aufbau am Tagungsort der Jährlichen Konferenz in Hunzenschwil. Starke Männer helfen dabei und geniessen dann auch verdient den Zvieri.
Fotos © Jörg Niederer
"Die Evangelisch-methodistische Kirche leitet Menschen dazu an, Jesus Christus nachzufolgen. Der Heilige Geist befähigt sie dazu, kühn zu lieben, bereitwillig zu dienen und entschlossen voranzugehen." Vision Statement der Evangelisch-methodistischen Kirche

Entdeckt

In den nächsten Tagen werde ich hier Beiträge zur Tagung der Jährlichen Konferenz posten. Die Evangelisch-methodistische Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika tagt auf dem Gelände der 3x3 EMK Region Lenzburg in Hunzenschwil. In einem Moment der überaus hohen Selbsteinschätzung habe ich die Projektleitung für diesen grösseren Anlass übernommen. Dank der Mithilfe erfahrener Mitarbeitenden ist bis jetzt alles gut gegangen. Gestern war der erste Tag, an dem wir gröbere Infrastruktur-Bauten erstellten. Da wäre das Zelt vor der 3x3-Halle, aber auch die Inneneinrichtung ist in vollem Gang. Heute folgt die Technik. Morgen Freitag um 9.00 Uhr beginnt die Kirchenversammlung. Die Nervosität ist bei den Verantwortlichen schon leicht gestiegen.

Die meisten Sitzungen sind öffentlich. Ganz besonders herzlich sind alle zum Konferenzsonntag mit dem Ordinationsgottesdienst eingeladen. Hier ist es wichtig, sich ein kostenloses Ticket zu besorgen. Das gilt für wirklich alle, die dabei sein wollen, also für Pfarrpersonen und Laienmitglieder der JK, genauso wie für alle Mitwirkenden sowie weitere Besuchende, vom Baby bis zur Hundertjährigen. Das Ticket kann über die Webseite der Jährlichen Konferenz abgerufen werden oder auch direkt bei Eventfrog.

Jörg Niederer

Mittwoch, 17. Juni 2026

Zelten und beraten

Ein Zitat

2007 half ich mit beim Aufstellen der Zelte anlässlich der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche. Damals waren es 10 einzelne Zelte für das Fest "begägne" mit Jahrmarkt und mehr.
Foto © Jörg Niederer
"Die Jährliche Konferenz (Kirchenparlament) ist verantwortlich für die Arbeit der Kirchgemeinden in der Schweiz, Frankreich, Belgien und Nordafrika." Webseite der EMK Schweiz

Entdeckt

Es sind fast schon 20 Jahre her, seit ich das letzte Mal beim Aufstellen grosser Zelte geholfen habe. Damals war es das Fest "begägne" anlässlich der Tagung der Jährlichen Konferenz 2007 der Evangelisch-methodistischen Kirche in Zofingen. Ich war verantwortlich für die Logistik bei der Errichtung von gut 10 Grosszelten.

Heute Abend wird es wieder einmal soweit sein. Ich werde beim Aufbau des Essenszelts helfen anlässlich der Tagung der Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika (JK) auf der Liegenschaft der 3x3 EMK Region Lenzburg in Hunzenschwil. In diesem Jahr werden kleinere Brötchen gebacken. Die Tagung wird verkürzt durchgeführt. Sie beginnt erst am Freitag, 19. Juni und dauert bis nach dem Ordinationsgottesdienst am Sonntagmorgen, 21. Juni.  

Erwartet zu den Beratungen werden rund 240 Personen, je zur Hälfte Pfarrpersonen und Laienmitglieder aus den verschiedenen Kirchgemeinden.

Am Sonntag findet ab 9.30 Uhr der Ordinationsgottesdienst vor Ort statt. Parallel dazu gibt es Angebote für Kinder von 0-6 und 7-12 Jahren. Danach kann man sich an Ständen mit einem Mittagessen (auf eigene Kosten) eindecken.

Noch etwas ganz Wichtiges: Aus Platzgründen ist es nötig, sich für den Konferenzsonntag anzumelden. Das gilt für wirklich alle, also für Pfarrpersonen und Laienmitglieder der JK, genauso wie für alle Mitwirkenden sowie weitere Besuchende, vom Baby bis zur Hundertjährigen. Das Anmeldeformular ist über die Webseite der Jährlichen Konferenz abrufbar oder auch direkt bei Eventfrog.

Das Ticket ist kostenlos erhältlich. Die Besucherobergrenze liegt bei 600 Personen. (Für alle anderen: Am Ordinationsgottesdienst und allen anderen Feiern kann man auch per Livestream teilnehmen.)

Die Tagung der Jährliche Konferenz wird auch darum verkürzt geführt, weil in diesem Jahr nach längerer Pause wieder einmal das Jungschar-Schweizertreffen STR26 stattfindet. Statt eines zusätzlichen JK-Nachmittagsprogramms am Sonntag sind alle eingeladen zum STR26-Besuchstag vom Samstag, 1. August. Besuchende, die dort am Gottesdienst teilnehmen, reisen um 11:00 Uhr an. Dieser findet im Festzelt statt. Alle anderen reisen um 12:30 Uhr an. Ab dann ist der Lagerplatz für alle zur Besichtigung geöffnet. Mehr Informationen dazu gibt es hier.

Jörg Niederer

Dienstag, 5. Mai 2026

Liebe zum Wesentlichen

Ein Zitat

Die Toiletten in der methodistischen Gemeinde von Murtino (Nord-Mazedonien) sind in spezieller Weise kindsgerecht eingerichtet.
Foto © Jörg Niederer
"Halt mich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht, und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt." Khalil Gibran (1883–1931)

Hingesehen

Am Sonntag predigte ich in Murtino, einem Dorf etwas ausserhalb der Stadt Strumica. Es ist die grösste Kirchgemeinde der Evangelisch-methodistischen Kirche in Mazedonien. Während bei den meisten Methodistenkirchen aus wirtschaftlichen Gründen bis zur Hälfte der Gemeindeglieder ins Ausland emigriert sind, trifft dies auf Murtino nicht zu. Das fällt schon auf, wenn man durchs Dorf fährt. Deutlich weniger Häuser als andernorts sind hier in marodem Zustand. Die Kirche selbst, schon etwa 30 Jahre alt, ist in und auswendig in ausgezeichnetem Zustand. Da fehlt es auch nicht an der sprichwörtlichen Liebe zum Detail. Wobei, es ist wohl eher die Liebe zu den Kindern. Das fällt gerade auch bei den beiden Toiletten auf. Da gibt es für die Kinder einen ihrer Grösse angepassten Extrathron und auch ein extra Lavabo. Selbst lustige Aufkleber auf der Keramik fehlen nicht. Da ich aus einer Sanitärinstallateuren-Dynastie entstamme, fällt mir so etwas natürlich auf. Wie viel Liebe steckt in der Nachwuchsbetreuung einer Kirchgemeinde, wenn sogar am verborgenen und stillen Örtchen an die Jüngsten gedacht wird, und das in einem Land, in dem viele Menschen gerade so ihren Lebensunterhalt erwirtschaften können?

Jörg Niederer

Dienstag, 28. April 2026

Am Rand oder mittendrin

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Oben: Die Evangelisch-methodistische Kirche Langenthal steht direkt neben einer katholischen und einer neuapostolischen Kirche. Unten: Die heute als Wohnung genutzte methodistische Kapelle von Rohrbach steht am Rand des Dorfs auf dem Weg zum Friedhof.
Fotos © Jörg Niederer
"Sonderbar, dass man sich erinnert, man habe sich einer Sache erinnern wollen, aber diese doch nicht mehr sicher erinnert." Jean Paul (1763-1825)

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Auf meiner Kapellentour befinde ich mich nun im Oberaargau, einem Teil des weitgehend protestantischen Kantons Bern. Behäbige Bauernhäuser säumen den Weg. Die bestimmenden Kirchen in den Dörfern sind reformiert.

In Langenthal hat wohl die Bevölkerungsentwicklung dafür gesorgt, dass die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) heute relativ nahe am Stadtzentrum steht. Sie ist an diesem Ort nicht das einzige Gotteshaus. Direkt daneben befindet sich das moderne Kirchengebäude der Neuapostolische Kirche, die seit einigen Jahren Teil der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen der Schweiz (AGCK) ist, genauso wie schon länger die EMK und die Römisch-katholische Kirche. Deren Kirche Maria König befindet etwa 60 Meter von der EMK entfernt quer über eine Kreuzung hinweg. So ist die recht agile Gemeinde der EMK an einem Standort, den man als religiöses Bermudadreieck beschreiben könnte.

Ganz anders, wenn man der Langete etwa 11 Kilometer flussaufwärts folgt, in Rohrbach. Dort steht die Kapelle am äussersten Rand des Dorfs an einer Nebenstrasse, die zum Friedhof führt. Wobei, eine Kapelle ist es nicht mehr. Auch hier wurde das Gebäude verkauft und wird heute als Wohnhaus genutzt. Als ich meine Laufbahn als Methodistenpfarrer begann, war das einer der ersten Orte, an denen ich predigte. Das war vor über 40 Jahren. Wir wohnten jung verheiratet in Huttwil in der dortigen EMK-Kapelle. In Rohrbach predigte ich regelmässig, wenn ich mich recht entsinne so alle zwei Wochen. Und doch war ich mir beim Anblick der einstigen EMK-Kapelle unsicher, ob das wirklich der Ort war, an dem ich erste Predigterfahrungen sammelte. So fragte ich eine Frau, die gerade den nahen Bauernhof verliess, ob das Gebäude einst eine Kapelle gewesen sei, und sie bestätigte.

Die Kapelle, einmal recht zentral, das andere Mal am Rand. Wo eine Kapelle oder Kirche zu stehen kommt, hat oft auch damit zu tun, dass jemand ein Grundstück spendet für diesen Zweck. So war es im 8. Jahrhundert mit der ersten Kirche in Rohrbach. Diese wurde von einem gewissen Adelgoz gestiftet, einem Alemannen aus der Ostschweiz. Und so wird es wohl auch mit der EMK in Rohrbach gewesen sein. Auch sie könnte auf gestiftetem Grund zu stehen gekommen sein. Heute befindet sich das einstige kirchlich genutzte Gebäude immer noch am Rand der bebaubaren Fläche. Eine unverstellte Aussicht über die weiten Felder südwestlich von Rohrbach ist den Bewohner:innen sicher.

Jörg Niederer

Montag, 27. April 2026

Methodistische Hotels und die Barrierefreiheit

Ein Zitat

Oben: Das Zentrum Artos in Interlaken gehört zu den Top 3 der besten barrierefreien Hotels der Schweiz. Unten: Unter den Top 10 ist auch das Placid Hotel Design & Lifestyle in Zürich-Altstetten.
Fotos © Jörg Niederer
"Wir bejahen die volle Humanität von Menschen mit Behinderungen und erkennen ihre Gaben an. Wir rufen dazu auf, Barrieren abzubauen, die Menschen mit Behinderungen davon abhalten, ganz am Leben von Gemeinden und der Gesellschaft im Allgemeinen teilzuhaben." Soziale Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche, Die politische Gemeinschaft, H. Menschen mit Behinderungen

Hingesehen

Ein bisschen stolz bin ich ja schon. Da findet sich in der gestrigen Beilage "Reisen" der Sonntagszeitung wieder die Auflistung der 101 besten Hotels der Schweiz. Darin hagelt es Häuser mit 5 oder 4 Sternen, luxuriös und teuer. Aber in diesem Jahr gibt es auch einen Artikel über die besten barrierefreien Hotels der Schweiz. Procap, Mitgliederverband für Menschen mit Behinderungen in der Schweiz traf die Vorauswahl. Sonja Häsler, erfahrene Reisende und Hoteltesterin mit Rollstuhl klapperte die Hotels dann auf die Anforderungen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ab. Und siehe da: Gleich zwei Gasthäuser mit kirchlich-methodistischem Hintergrund landeten in den Top 10. Da wäre das Zentrum Artos***S in Interlaken BE, das nach dem Centro Magliaso in Magliaso und dem Seebüel*** in Davos auf dem 3. Rang landete. Zum Artos schreiben die Autor:innen: "Im grossen Komplex mit Pflegeheim erfüllen die Häuser Oase und Siesta, wo 155 Hotelbetten untergebracht sind, alle Anforderungen der Barrierefreiheit, vermitteln aber gleichwohl Ferienfeeling."

Unter den 10 besten barrierefreien Häusern befindet sich auch das Placid Hotel Design & Lifestyle**** in Zürich Altstetten. Untergebracht ist es im modernen Hauptsitz der Diakonie Bethanien (Siehe dazu Beitrag vom 10. Januar 2026) und Teil des Engagements des Werks, das aus dem Wirken der methodistischen Diakonissen in Zürich und der Schweiz entstanden ist.

Als Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche hat es mich auch gefreut, im Bericht zu lesen: "Und die Top Three haben einen mal mehr, mal weniger sichtbaren christlichen Hintergrund." Ergänzen könnte man, dass dies auf mindestens 5 der 10 Besten zutrifft. Christlicher Glaube zeigt sich eben ganz konkret in praktischer Umsetzung der Überzeugung, dass alle Menschen wertvoll sind und teil der Gesellschaft, wie sehr oder auch nicht sie eingeschränkt sind in ihrem Leben.

Jörg Niederer

Mittwoch, 22. April 2026

Kirchenfusion und Neuausrichtung

Ein Zitat

Oben: Die Kapelle an der Sälistrasse 2/Weiherstrasse 7 in Zofingen mit dem ebenfalls zur Kirche gehörenden Haus an der Sälistrasse 4. Unten: Die einstige Kapelle der Bischöflichen Methodistenkirche an der Weststrasse 2 in Zofingen.
Fotos © Jörg Niederer

"Die EMK Zofingen ist ein Ort für Menschen in Bewegung – für Pilger, die merken, dass das Leben mehr sein könnte."
Selbstbeschreibung der Gemeinde

Hingesehen

Wenn zwei Kirchen sich zusammenschliessen, folgt an manchen Orten, an denen beide Traditionen vertreten sind, die Klärung des zukünftigen Standorts. Diese Frage stellte sich 1972 auch in Zofingen, als im Rahmen der Kirchenvereinigung der Bischöflichen Methodistenkirche und der Evangelischen Gemeinschaft die Evangelisch-methodistische Kirche entstand. In Zofingen gab es damals die Methodistenkapelle an der Weststrasse 2 und die Kapelle der Evangelischen Gemeinschaft an der Sälistrasse 2. An beiden Orten wirkten Pfarrpersonen.

In Zofingen entschied man sich für die grössere Kapelle an der Sälistrasse 2. Die Luftlinie gerade einmal 800 Meter entfernte Kapelle an der Weststrasse wurde anfänglich noch für Anlässe der vereinigten Kirche genutzt und später dann an die Pfingstgemeinde Zofingen verkauft.

Damals wurden auch die Zuständigkeitsbereiche neu definiert. Meist dauerte das einige Zeit. Die Gemeinde in Olten gehörte noch einige Jahre über die Zusammenlegung hinaus zu Zofingen, um dann mit den Gemeinden in Rothrist und Aarburg einen neuen Bezirks zu bilden. So kam es, dass ich auch Erinnerungen habe an die Kapelle an der Weststrasse. Dort erlebte ich als Kind einer dieser legendären Kinder-Grossanlässe. Etwa 200 Kinder trafen sich zur Sonntagschule im Gottesdienstraum. Wenn ich mich recht erinnere, herrschten chaotische Zustände. Gleichzeitig wurden uns Kinder von verschiedenen Sonntagschullehrer:innen Geschichten erzählt. Gewohnt an deutlich übersichtlichere Sonntagschullektionen fühlte ich mich an diesem Ort absolut unwohl und besuchte ihn danach auch nicht mehr.

In der Kapelle an der Sälistrasse wurde ich einige Jahre später konfirmiert, inklusive dem obligaten anschliessenden Familienausflug auf den Heiteren. Das war die Zeit der Samtanzüge. Jahre später, durfte ich hier in Zofingen als zweiter Pfarrer auf dem Bezirk wirken. Die Pfingstgemeinde hatte ihren Sitz noch in der Kapelle an der Weststrasse. In jener Zeit brodelte es zwischen den charismatisch ausgerichteten Methodist:innen und den anderen. Das führte dazu, dass eine grössere Zahl von Gläubigen die Evangelisch-methodistische Kirche Zofingen verliessen und mehrheitlich bei den Pfingstlern eine neue Heimat fanden. Kein Wunder, war das Verhältnis der beiden Denominationen damals angespannt. Schon in jener Zeit wurde die Kapelle an der Weststrasse zu klein für die Pfingstgemeinde. Eine Veränderung für das Haus war absehbar. Heute befindet sich im einstigen Gebäude der Bischöflichen Methodistenkirche das Kulturhaus West. Auf der Webseite gibt es verschiedene Fotos, wie die Räume jetzt aussehen. Das selbe gilt auch für die Räume der Evangelisch-methodistischen Kirche an der Sälistrasse 2, die man auch auf der Webseite unter Vermietung betrachten kann.

Jörg Niederer

Dienstag, 14. April 2026

Verewigt

Ein Zitat

Foto oben: Kritzeleien in den Kirchenbänken der Christkatholischen Stadtkirche Olten. Foto unten: Im Amtshaus Olten trafen sich einst die Methodisten zum Gottesdienst.
Fotos © Jörg Niederer
"Glaube ist kein Leistungssport." Zitat von Hans Gerni (Christkatholischer Bischof von 1986-2001) in der Stadtkirche Olten

Hingesehen

Vorne rechts, die ersten vier Bankreihen: Da sassen wohl die Kinder und Jugendlichen, wenn in der Kirche der Gottesdienst über die Bühne ging. Vorne rechts, die ersten vier Bankreihen: Schnitzwerk der Langeweile. Diese Form von Kreativität findet sich nicht selten in Kirchen und zeugt von einem gewissen Desinteresse an dem, was da so zelebriert wurde. Das vorliegende Beispiel-Foto (oben) wurde in der christkatholischen Stadtkirche von Olten aufgenommen, nahe dem Martin-Disteli-Altarbild zum Jüngsten Gericht. Vielleicht finden sich irgendwo eingeschnitzt auf den Bankrücken auch die Initialen F.H., sass doch hier in jugendlichen Jahren einst ein gewisser Franz Hohler. Was, wenn man erwischt wurde beim Beschädigen der Kirchenmöbel? Gab es zur Strafe Nachsitzen? Nachsitzen in einem Gottesdienst?

Standortwechsel: Amtshaus Olten (Foto unten), irgendwo in der 1. oder 2. Etage ganz hinten links. Ein relativ kleiner Raum. Hier trafen sich längere Zeit die Gemeindeglieder der Evangelisch-methodistischen Kirche zum Gottesdienst. Dort besuchte ich als Kind nach dem Gottesdienst die Sonntagschule, zusammen mit Geschwistern, Cousins und Cousinen und noch weiterem Kirchennachwuchs. Dort sassen wir also in den vorderen vier (!) Bankreihen und hörten den Geschichten von Tante Gerda und Co. zu. Auch wir kritzelten. Mangels Taschenmesser mit den Fingernägeln, mit denen wir die weichen Schichten der Jahrringe weiter einkerbten. Auch wir versuchten uns an Initialen (verräterisch) und wurden ab und zu dabei erwischt. Gab es Strafen? Ich kann mich nicht daran erinnern. Standpauken ja, aber mehr passierte nicht.

Der Kirchengutsverwalter, mein Onkel, war zwar alles andere als erfreut, man beklagte die Schäden an den Holzbänken, überlegte, was man dagegen tun könnte, und liess es dann doch auf sich bewenden. Nach dem Umzug der Kirche in eigene Räume an die Jurastrasse verschwanden die Bänke und wurden durch Stühle ersetzt. Damit waren unsere jugendlichen Meisterwerke kirchlicher Kunst verloren. Aber die Erinnerung daran wird noch einige Zeit wach bleiben bei denen, die damals dabei waren.

Jörg Niederer

Mittwoch, 8. April 2026

Pailletten, Bustiers und Posamenten auf der Kapellen-Empore

Ein Zitat

Die ModeAusstellung.ch mit Kostümen und Kleidern aus den letzten 150 Jahren ist in der ehemaligen methodistischen Kapelle von Uerkheim zu besichtigen.
Foto © Jörg Niederer
"Schau aufmerksam in den Spiegel und trage nur, was wirklich zu dir passt. Kümmere dich nicht darum, ob du modisch bist." Vivienne Westwood (1941-2022)

Hingesehen

Eine über hundertjährige Stündeler-Kapelle mit abgedunkelten Fenstern! Was da wohl von der Öffentlichkeit verborgen werden soll? Es ist gerade 13.00 geworden an diesem wunderschönen Ostertag, als wir eintreten. Wir werden von einem älteren Herrn, der sich sogleich mit Handschlag als André Wieland vorstellt, herzlich im privaten Mode-Museum in der ehemaligen Methodisten-Kapelle von Uerkheim begrüsst. Wir werden die einzigen Besuchenden sein in den zwei Stunden, in denen wir zwischen Kleidern und Kostümen aus 150 Jahren verbringen. Bei der Frage, woher wir von dieser Modeausstellung vernommen haben, gebe ich mich als Pfarrer der Kirche zu erkennen, zu der diese Kapelle einst gehörte. Seine Frau Martha, die eigentliche Modespezialistin, wird herbeigerufen. Es entwickelt sich ein lebhaftes Gespräch. Dabei erfahre ich, dass kaum noch Kontakte zu den Kirchengliedern von früher bestehen. Einmal eine kleine Wanderausstellung bei den Methodist:innen in Hunzenschwil mit mässigem Erfolg, einmal eine Organistin, die wissen wollte, wohin das Altarbild verschwunden sei, einmal eine Nachbarin, die sich schwer tut mit der Umnutzung der Kapelle. Martha Wieland ist sichtlich endtäuscht über dieses Desinteresse. Bevor aber die Führung durch die Ausstellung beginnt, gehe ich aufs stille Örtchen. Auch dort Mode. Unterwäsche aus Wolle hängt an Bügeln an der Wand. Alles ist geschmack- und liebevoll gestaltet. Die beiden haben die Kapelle eigenhändig renoviert und umgebaut. Der Dachstock wurde ausgebaut, Treppenaufgänge umplatziert, der Saal im Untergeschoss erweitert. Kaum sei dieser fertig gewesen, habe die Uerke Hochwasser geführt. Das Wasser stand 40 cm im schönen Saal.

Auf der Führung erfahren wir viel über die Mode der letzten 150 Jahre. Da gibt es die Schuh- und Kostümsammlung von Caterina Valente. Im ehemaligen Pfarrerbüro befindet sich nun die Literatursammlung und die alten Modezeitschriften. Einige sehen aus wie Kirchenbücher von früher. Wir erfahren, weshalb in den Weltkriegszeiten die Mode leichter und die Röcke kürzer wurden – der Stoff war Mangelware – auch wurde im 2. Weltkrieg Viskose mangels anderer Stoffe salonfähig. Wir bewunderten St.Galler Stickereien, bestaunten kunstvolle Posamenten, entdeckten Hüte aus Rosshaar, wunderten uns über die Vorläufer der ersten Büstenhalter, realisierten das provozierende der Mode aus der Zeit, als der Charleston als Tanz und Modestil aufkam.

Die Zeit verging wie im Flug in diesem einzigartigen Ambiente aus Mode und Kapelle. Zwei Stunden später waren wir mehr als überzeugt: es hat sich gelohnt, nach Uerkheim zur einstigen Methodistenkapelle zu reisen. Die herzliche Art der Wielands und die faszinierenden Modekleider in der liebevoll ausgebauten Kapelle; da ist die Umnutzung eines Sakralbaums mehr als gelungen. Ganz besonders den einstigen Gottesdienstbesuchenden dieses Orts sei empfohlen, einen Augenschein zu nehmen. Wielands sind begierig, mehr von den Vorbesitzenden zu erfahren. Für Modeliebhabende ist es sowieso ein Muss, in die Museums-Kapelle an der Uerke zu reisen.

Jörg Niederer

Dienstag, 7. April 2026

Auf der Kapellentour – eine Zwischenbilanz

Ein Zitat

Hin und her führten mich die 35 Etappen auf der Kapellentour durch das Schweizer Mittelland.
"Ich glaube, die Welt ist wunderbar, und des Menschen Herz noch wunderbarer." Bettine von Arnim (1785-1859)

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Seit dem 28. Oktober bin ich immer einmal wieder tageweise unterwegs von Kapelle zu Kinderkrippe zu Altersheim zu Spital der Evangelisch-methodistischen Kirche. In 35 Etappen sind bisher 420 Kilometer schweizerisches Mittelland mit zwei Abstechern in die Alpen zusammengekommen. Im Grossraum Zürich gestartet ging es erst mal nach Glarus, dann wieder zurück in die Stadt Zürich und weiter mit einem Abstecher über Affoltern am Albis nach Aarau. Von dort führte mich der Weg nach Luzern und zurück an den Jurarand in die Stadt meiner Kindheit nach Olten. Durchschnittlich 12 Kilometer war ich dabei unterwegs. Es waren also durchaus Genusstouren. Ich bin selbst da, wo ich mich gut auskenne, mir unbekannte Wege gegangen und habe viel Neues und Faszinierendes entdeckt. Jahreszeitlich stapfte ich durch den Herbst, Winter und Frühling. Gebäude sah ich viele, die nach wie vor der Kirche und ihren "Tochtergesellschaften" gehören. Aber ich kam ebenfalls an vielen einstigen methodistischen Wirkorten vorbei, die heute nicht mehr kirchlich genutzt werden. Wenn ich mich nur schon an die Orte zurückerinnere, auf denen ich als Pfarrer die letzten 40 Jahre wirkte, dann gibt es von 19 Predigtstationen 12 nicht mehr. Umso erfreulicher waren die Begegnungen an den Orten, an denen ich auf Gemeindeglieder und Berufskolleg:innen traf. Sei es in Gottesdiensten oder zum Kaffee in einer Pfarramtsstube.

Es geht weiter. Die nächsten 100 Kilometer führen mich durch den Oberaargau und das Unteremmental nach Burgdorf. Dann geht es ins Seeland nach Biel und anschliessend über den Jura nach Basel und wieder zurück nach Zürich. Ich bin gespannt, was mich auf diesen Wegen erwartet.

Jörg Niederer

Samstag, 4. April 2026

Karfreitagswanderung

Ein Zitat

Im Zoar, der Evangelisch-methodistischen Kirche in Muhen feierten Menschen aus den reformierten und methodistischen Kirchen gemeinsam den Karfreitagsgottesdienst.
Foto © Jörg Niederer
"Ich bin ein rechtes Rabenaas, / Ein wahrer Sündenkrüppel, / Der seine Sünden in sich frass, / Als wie der Russ' den Zwippel [gemeint ist der Rost]. / Herr Jesu, nimm mich Hund beim Ohr, / Wirf mir den Gnadenknochen vor, / Und schmeiss mich Sündenlümmel, / In deinen Gnadenhimmel." Kernlied aus einem alten schlesischen Kirchengesangbuch

Hingesehen

Nein, das Kernlied aus dem alten schlesischen Kirchengesangbuch haben wir nicht gesungen. Doch andere Lieder wurden angestimmt, im Zoar, dem Jugend- und Gemeindehaus der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Muhen. Dort startete ich gestern mit dem Besuch des Gottesdienstes meine karfreitägliche Etappe der Kapellentour.

Wie auch in der Methodistenkirche in Niederzuwil sitzt man im Zoar an kleinen Vierertischchen. Der gemeinsam mit der Reformierten Kirche gestaltete Gottesdienst war gut besucht; keine der Sitzgruppen blieb leer. Geleitet wurde die Feier gleich von zwei Pfarrpersonen mit methodistischen Wurzeln. Einmal von der methodistischen Pfarrerin Christine Moll, dann vom der EMK "abtrünnig" gewordenen reformierte Pfarrer Stephan Gassler. Der Gottesdienst war bewusst einfach gehalten. Eine Predigt gab es nicht. Stattdessen wurde von verschiedenen Beteiligten die ganze Passionsgeschichte aus der Bibel gelesen. Dazwischen sang die Gemeinde elektronisch begleitet passende Lieder. Das Abendmahl folgte unmittelbar auf den Leseteil, in dem das letzte Passamahl von Jesus mit den Jüngern beschrieben wird. Mit der Schilderung des Todes Jesu am Kreuz wurde die Altarkerze ausgelöscht. Der Gottesdienst endete im Schweigen.

Draussen vor der Tür konnte ich mich mit drei meiner früheren Gemeindegliedern unterhalten. Mit dem Aus der Gemeindearbeit in Schmiedrued (siehe Beitrag vom 25. März 2026!) wechselten sie in die nahe gelegene EMK Muhen. Es war schön, in die bekannten Gesichter zu blicken und einige Worte zu wechseln.

Dann ging es für mich los, direkt auf der als Wanderweg ausgeschilderten und am Zoar vorbeiführenden Strasse. Mein nächstes Ziel galt der ehemaligen Kapelle in Kölliken. Wie so viele sakrale Gebäude in der Region wird sie heute alternativ genutzt, in diesem Fall als Wohnraum. Dann warf ich einen Blick auf das Gelände der unglaublich aufwendig sanierten ehemalige Sondermülldeponie. Hier soll nun eine landwirtschaftliche Nutzfläche entstehen, die beispielhaft biodivers bewirtschaftet wird. Ich bin sehr gespannt. Der weitere Weg führte mich dann hinauf auf den Engelberg und wieder hinunter in meine Geburts- und Heimatstadt Olten. Ein kurzer Besuch bei meiner Mutter im Altersheim rundete die mit 400 Höhenmetern und 16 Kilometern Länge etwas anspruchsvollere Wanderung ab. Doch, so kann man den Karfreitag durchaus verbringen.

Jörg Niederer

Mittwoch, 25. März 2026

Der Flugsaurier im Ruedertal

Ein Zitat

Die ehemalige Evangelisch-methodistische Kirche in der Heggelen Schmiedrued. Einmal von oben, einmal mit Jörg Niederer von unten.
Foto © Jörg Niederer
"Der Pfarrer, der aus städtischen Landen kommt und zuständig ist für seine freie Kirche im Bezirk Kulm, lacht viel. Die Gemeinde weniger." Zitat aus einer Reportage im Tagi-Magazin 40/1995 über die Evangelisch-methodistische Kirche Schmiedrued

Hingesehen

Gestern ging es auf der Kapellentour weiter, von Schlierbach via Schmiedrued nach Moosleerau. In Schmiedrued steht in der Heggelen die ehemalige Kapelle der Evangelisch-methodistischen Kirche. Das ist in jenem Tal, in dem der Schriftsteller Hermann Burger wirkte. Es ist eine sehr ländlich geprägte Region. Hier geschah es, dass ein Journalistenduo vom "Das Magazin", der Beilage des Tagesanzeigers, sich ein Bild machen wollte von der ländlich-konservativen Talschaft. Peer Teuwsen (Text) und Reto Klink (Fotos) erkundeten "Das Hinterland des Mittellands" – so der Titel der Reportage – eine gute Woche lang. Nebst vielen Ortsansässigen wollten die beiden auch einen Gottesdienst einer Freikirche miterleben. Wir Methodisten wurden ausgewählt. Es war im Sommer. Die Gemeinde war informiert über den Besuch. Ich hatte das Vergnügen, die Predigt zu halten, und natürlich wollte ich die Erwartungen und klischeehaften Vorstellungen der beiden Journalisten nicht erfüllen. Also predigte ich so, wie ich glaubte, dass sie es nicht erwarten würden. Später stand dann über diesen Gottesdienst folgendes in der Reportage (Das Magazin 40/1995): "Das gute Dutzend Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes zieht, die Drohungen des Alters im Rücken, mit scheuem Seitenblick an der Tafel [der Kranken und Betagten] vorbei. Pfarrer Niederer, gewandet in einem roten Veston, sagt, diese seine Gemeinde im Ruedertal sei am Aussterben. Aber schon füllt das Harmonium die Kapelle der evangelisch-methodistischen Kirche zu Schmiedrued mit Schwerem: 'Und in ew'gen Lichtgewanden der Verklärung wandelt er.' Der Chor ist schwach, aber der junge Pfarrer singt für zehn. So gestärkt hebt er an für die Predigt. Der Pfarrer erzählt die Geschichte vom Flugsaurier, der kürzlich in seinem Garten stand und sich das Grün des Rasens einverleibte. Wie vom Himmel geworfen, aus einer anderen Zeit. Ungläubige Gesichter. Und dann spricht er in die Mitte seiner Gemeinde: 'Aber wenn ihr mir diese Geschichte nicht glaubt, warum glaubt ihr denn an die Auferstehung Jesu Christi?'"

Im weiteren Verlauf habe ich dann meine Antwort auf diese Frage zu geben versucht.

Ich kann mich gut daran erinnern, wie nach dem Gottesdienst der Fotojournalist unglaublich nervös war, als er mit zitternden Händen die Grossformatkamera aufstellte, und dann das Schwarzweissfoto aufnahm, das im besagten Artikel abgedruckt ist. Die meisten Menschen, die darauf zu sehen sind, leben nicht mehr. In fast jedem ihrer Häuser im Ruedertal war ich. Eine dieser Frauen hat mir vor diesem Gottesdienst gesagt: "Die Journalisten wollen uns Frommen doch nur in die Pfanne hauen".

Die Gemeindearbeit wurde später wirklich beendet. Doch die Kapelle steht immer noch. Sie ist auch noch mit "Evangelisch-methodistische Kirche" angeschrieben. Gekauft hat sie ein Harmonium-Liebhaber. Er wollte zuerst nur die drei Harmonien erstehen, die dort herumstanden. Doch dann entschloss er sich, hier ein Harmonium-Museum einzurichten, und kaufte das Haus gleich mit. Ob es das Museum wirklich auch gegeben hat, weiss ich nicht. Viel mit dem Haus anfangen konnte er nicht. Es steht ausserhalb der Bauzone. Abreissen kommt nicht in Frage. Seit meinem letzten Besuch vor einigen Jahren wurde die Eingangspartie neu gestrichen. Sonst sieht es noch so aus wie damals, vor 30 Jahren. An manchen Orten bleibt die Zeit halt stehen. Fast könnte man hier auf den Flugsaurier warten. Oder auf die Auferstehung.

Jörg Niederer

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