Ein Zitat
"Ich bin ein rechtes Rabenaas, / Ein wahrer Sündenkrüppel, / Der seine Sünden in sich frass, / Als wie der Russ' den Zwippel [gemeint ist der Rost]. / Herr Jesu, nimm mich Hund beim Ohr, / Wirf mir den Gnadenknochen vor, / Und schmeiss mich Sündenlümmel, / In deinen Gnadenhimmel." Kernlied aus einem alten schlesischen Kirchengesangbuch
Foto © Jörg Niederer
Hingesehen
Nein, das Kernlied aus dem alten schlesischen Kirchengesangbuch haben wir nicht gesungen. Doch andere Lieder wurden angestimmt, im Zoar, dem Jugend- und Gemeindehaus der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Muhen. Dort startete ich gestern mit dem Besuch des Gottesdienstes meine karfreitägliche Etappe der Kapellentour.
Wie auch in der Methodistenkirche in Niederzuwil sitzt man im Zoar an kleinen Vierertischchen. Der gemeinsam mit der Reformierten Kirche gestaltete Gottesdienst war gut besucht; keine der Sitzgruppen blieb leer. Geleitet wurde die Feier gleich von zwei Pfarrpersonen mit methodistischen Wurzeln. Einmal von der methodistischen Pfarrerin Christine Moll, dann vom der EMK "abtrünnig" gewordenen reformierte Pfarrer Stephan Gassler. Der Gottesdienst war bewusst einfach gehalten. Eine Predigt gab es nicht. Stattdessen wurde von verschiedenen Beteiligten die ganze Passionsgeschichte aus der Bibel gelesen. Dazwischen sang die Gemeinde elektronisch begleitet passende Lieder. Das Abendmahl folgte unmittelbar auf den Leseteil, in dem das letzte Passamahl von Jesus mit den Jüngern beschrieben wird. Mit der Schilderung des Todes Jesu am Kreuz wurde die Altarkerze ausgelöscht. Der Gottesdienst endete im Schweigen.
Draussen vor der Tür konnte ich mich mit drei meiner früheren Gemeindegliedern unterhalten. Mit dem Aus der Gemeindearbeit in Schmiedrued (siehe Beitrag vom 25. März 2026!) wechselten sie in die nahe gelegene EMK Muhen. Es war schön, in die bekannten Gesichter zu blicken und einige Worte zu wechseln.
Dann ging es für mich los, direkt auf der als Wanderweg ausgeschilderten und am Zoar vorbeiführenden Strasse. Mein nächstes Ziel galt der ehemaligen Kapelle in Kölliken. Wie so viele sakrale Gebäude in der Region wird sie heute alternativ genutzt, in diesem Fall als Wohnraum. Dann warf ich einen Blick auf das Gelände der unglaublich aufwendig sanierten ehemalige Sondermülldeponie. Hier soll nun eine landwirtschaftliche Nutzfläche entstehen, die beispielhaft biodivers bewirtschaftet wird. Ich bin sehr gespannt. Der weitere Weg führte mich dann hinauf auf den Engelberg und wieder hinunter in meine Geburts- und Heimatstadt Olten. Ein kurzer Besuch bei meiner Mutter im Altersheim rundete die mit 400 Höhenmetern und 16 Kilometern Länge etwas anspruchsvollere Wanderung ab. Doch, so kann man den Karfreitag durchaus verbringen.
Jörg Niederer
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