Ein Zitat
"Verlange nicht, dass das, was geschieht, so geschieht, wie du es wünschst, sondern wünsche, dass es so geschieht, wie es geschieht, und den Leben wird heiter dahinströmen." Epiktet (gest. 135 n.Chr.)
Fotos © Jörg Niederer
Hingesehen
Es war im August 1984, als sich meine Frau und ich in der Hölzlikapelle (Foto unten!) das Eheversprechen gaben und wir von Pfarrer Markus Schöni kirchlich getraut wurden. damals war ich noch Student am Theologischen Seminar in Reutlingen. Die Hölzlikapelle gehörte zu meinem kirchlichen Heimatbezirk, der aus den Gemeinden in Olten, Aarburg und Rothrist bestand. In den dazwischenliegenden 42 Jahren ist viel geschehen. Als wir 1999 nach Rothrist ins Zehntenhaus (Foto oben!) zogen, war noch das Heimatmuseum der Gemeinde Rothrist im Stockwerk über unserer Wohnung untergebracht. Die Evangelisch-methodistische Kirche hatte wenige Jahre zuvor das denkmalgeschützte Zehntenhaus erstanden und an Stelle des nicht geschützten Scheunenteils den kirchlichen Anbau neu errichtet. Nötig wurde der Gemeindeumzug, weil ein starkes Gemeindewachstum das Fassungsvermögen der Hölzlikapelle an seine Grenze brachte. Die Hölzlikapelle wurde von einem Architekten erstanden, der darin anfänglich ein Forum für allerlei esoterische Anlässe unterhielt, nicht zur Freude vieler Gemeindeglieder. Speziell war auch, dass dieser Architekt Teil der Zehntenhausgemeinde war.
Nach einigen Jahren baute der Architekt die Hölzlikapelle in ein loftähnlich gestaltetes Wohnhaus um. In den zentralen Kirchenraum wurden in einem rechteckigen, freistehenden Einbau die Nassbereiche untergebracht und die Empore wurde zum Schlafzimmer. Auch heute wohnen Menschen in diesem markanten Gebäude. Es steht nicht mehr allein auf weiter Flur. Rundherum ist eifrig gebaut worden, wobei das benachbarte Bauernhaus, in dem zeitwiese der Gemeindepfarrer wohnte, immer noch wie ein Relikt aus alten Zeiten dasteht.
Wie ist es, wenn man nach 42 Jahren wieder an dem Ort steht, an dem man sich das Jawort gegeben hat? Wie ist es, wenn dieser Ort nicht mehr Kirche ist, auch nicht mehr öffentlich zugänglich? Was mich betrifft betrübt es mich nicht. Klar, gerne würde man alte Zeiten wieder aufleben lassen. Aber im Leben verändert sich so vieles. Ich finde es schön, wenn ein sakraler Bau in anderer wohnlicher Weise weiterlebt. An der Liebe zu und der Vertrautheit mit meiner Frau hat diese Veränderung nichts geändert.
Jörg Niederer
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