Samstag, 25. April 2026

An der Bisse de Langenthal

Ein Zitat

Wässermatte an der Langete, kurz von Lotzwil.
Foto © Jörg Niederer
"Das Beste aber ist das Wasser." Pindar (um 517–437 v.Chr.)

Hingesehen

Wer sagt denn, dass nur die Walliser etwas verstehen von Bewässerung. Suonen gibt es auch im Mittelland, nur heissen sie da anders. Man nennt sie hier "Gräben". Der Bisse bzw. Suone entspricht der Hauptgraben, der das Wasser sammelt. Mittels Holzschieber, den Brütschen, wird das Wasser je nach Bedarf durch das weitverzweigte Gräbensystem auf die Wiesen geleitet.

Zwischen Langenthal und Lotzwil durchstreiften wir entlang solcher Gräben die Wässermatten. Dabei handelt es sich um Wiesen, die jährlich dreimal gewässert werden. Jede Wässerung dauert je nach Wassermenge zwei bis drei Tage. Indem die Wiese so buchstäblich unter Wasser gesetzt wird, wird sie durch die im Wasser befindlichen Schwebeteile natürlich gedüngt. Es entsteht eine feuchte Wiese, die besonders Artenreich und fruchtbar ist. Dieses Verfahren wurde im Oberaargau durch die Zisterziensermönche vom Kloster St. Urban im 9. Jahrhundert eingeführt. Auch heute noch ist Langenthal ein Hotspot der Wässermatten. Um die 110 Hektaren umfasst das so bewässerte Grasland entlang der Fliessgewässer Langete, Önz und Rot. Eine Wässermattenstiftung kümmert sich um die Bewirtschaftung und den Erhalt dieses Naturdenkmals von nationaler Bedeutung. Zugleich wurde diese traditionelle Bewässerung in Europa 2023 von der UNESCO auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit gesetzt. Wen wundert es, dass auch die Suonen im Wallis dazugehören.

Aktuell blüht es in den Wässermatten. Es lohnt sich also, die "Bisser de Langenthal" zu besuchen.

Jörg Niederer

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