Freitag, 17. April 2026

Die Waldgrille

Ein Zitat

Die etwa 4 mm lange Larve einer Waldgrille in ihrem Biotop im abgestorbenen Laub bei Langnau bei Reiden (LU) auf etwa 500 m.ü.M. am Nordabhang des Heuberibergs.
Foto © Jörg Niederer
"er hat vil hummeln, mucken, tauben, meusz oder grillen im kopff" Zitat aus Sebastian Frank (1654-1731), "Sprichwörter"

Hingesehen

Da bin ich nun schon beinahe 67 Jahre auf dieser Welt, doch dieses bei uns in der Schweiz häufige Insekt habe ich gestern zum ersten Mal bewusst wahrgenommen. Und das kam so: Beim Austreten im Wald, in den dabei vergehenden Sekunden hat man die Zeit und Musse, dem Detail mehr Beachtung zu schenken. Und so fielen mir am Boden im Laub nebst Ameisen auch Tierchen auf, die kurz still dasassen, um dann blitzschnell zu verschwinden. Erst dachte ich an Mücken – ich sehe je nach Distanz auch mit Gleitschichtbrille nicht immer klar, – doch dann, hinuntergebeugt, merkte ich, dass es sich um winzig kleine Grillen handeln musste. Immer, wenn ich versuchte, mit der Kamera und dem Makroobjektiv sie abzulichten, geschah das Gleiche. Ich fotografierte wunderbar zerfallendes Laub aus dem Vorjahr, aber von den Grillen war darauf nichts zu sehen. So hüpften sie mir bestimmt zwanzigmal aus dem Foto, und ich kann von Glück sagen, dass ich wenigstens eine dieser 4 mm kleinen Larven hier zeigen kann. In welchem Larvenstadium sich die Waldgrillen befinden, weiss ich nicht. Da es an dieser Stelle unzählige dieser Tierchen hatte, könnten es erst kürzlich geschlüpfte Nemobius Sylvestris, so der wissenschaftliche Namen, sein. Sie kommen im Laubwäldern an warmen Stellen vor und verstecken sich im abgestorbenen Laub. Dort überwintern auch die Eier, genauso wie im darauffolgenden Winter die Larven im 6. Entwicklungsstadium. Sie brauchen konstante Temperaturen nicht unter -1 °C und nicht über 25 °C. Feucht sollte es sein, und gute Versteckmöglichkeiten aufweisen.

Ausgewachsene Waldgrille werden max. 1,3 cm lang und sind daran zu erkennen, dass sie ein Längslinie über den Hinterleib aufweisen und am Kopf eine w-förmige weisse Zeichnung, die durch zwei weitere Linien ergänzt nach einem Fünfeck aussieht. Die Flügel bleiben unvollständig. Die Waldgrille kann nicht fliegen aber nutzt die Flügel um zu zirpen.

Wer noch mehr wissen möchte über dieses heimliche Insekt kann hier weiterlesen.

Ich jedenfalls hatte gestern, schon allein dieser Entdeckung wegen einen ausgesprochen interessanten, guten Tag.

Jörg Niederer

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Empfohlen

Die Waldgrille

Ein Zitat Foto © Jörg Niederer "er hat vil hummeln, mucken, tauben, meusz oder grillen im kopff" Zitat aus Sebastian Frank (1654-...