Montag, 6. April 2026

Skulpturen und Mode in methodistischen Kapellen

Ein Zitat

Oben: die ehemalige methodistische Kapelle in Staffelbach. Unten: die ehemalige methodistische Kapelle in Uerkheim.
Foto © Jörg Niederer
"Ich plane jeden Tag in die Kirche zu gehen!" Thomas Lüscher, der heutige Besitzer der früheren Evangelisch-methodistischen Kapelle in Staffelbach.

Hingesehen

Gestern an Ostern ging ich in die Kirche. Für einen pensionierten Pfarrer ist das nicht aussergewöhnlich. Allerdings war es ein spezieller Kirchenbesuch. Und das kam so.

Auf meiner Wanderung von methodistischer Liegenschaft zu methodistischer Liegenschaft entdecke ich auch einige für die Evangelisch-methodistische Kirche "verflossene" Kapellen. Heute gehören sie nichtkirchlich motivierten Besitzer:innen. So ist es auch bei den Kapellen von Staffelbach und Uerkheim. Mit dem Entscheid, nur noch in Bottenwil Gemeindearbeit zu tun, wurden die beiden Kapellen verkauft. Beim Verkauf von Kapellen ist es nicht gleichgültig, an wen die einstigen gottesdienstlich genutzten Häuser weitergegeben werden. Diese Gebäude, sie stehen oft unter Denkmalschutz, wurden viele Jahre liebevoll und mit hohem finanziellem Aufwand und freiwilliger Arbeit unterhalten. Sie wegzugeben, fällt den Christ:innen, die dort ihre Kinder getauft und geheiratet haben, nicht leicht. Auch  hat es durchaus schon Beispiele gegeben, bei denen sakrale Häuser als Bordell oder als esoterischer Brennpunkte genutzt wurden. 

Nun sind solche kirchlichen Liegenschaften nicht gerade gesucht. Die Käufer:innen-Auswahl ist klein. Gerade in nicht zentral gelegenen – um nicht zu sagen abgelegenen – Regionen auf dem Land sind es Glücksfälle, wenn sich geeignete Nachbesitzer:innen finden lassen. In Staffelbach und Uerkheim ist das aus meiner Sicht ausgezeichnet gelungen.

2014 zog in Staffelbach der Holz- und Bronzebildhauer Thomas Lüscher mit seiner Familie in die Kapelle ein. Nun ist der Gottesdienstraum sein Atelier. Dort werden allerlei Kurse angeboten, Werke erstellt und im Haus wird auch gewohnt. Die Kapelle hat einen Anbau bekommen, der ein wenig aussieht wie die Berg- oder Talstation einer Gondelbahn.

Schon früher, 2010, erstanden André und Martha Wieland die Kapelle in Uerkheim. Eigenhändig bauten sie die Liegenschaft so um, dass auf vier Etagen Räume genutzt werden können. Heute ist die Kapelle ein privates Mode-Museum. Kleider der letzten 150 Jahre sind dort ausgestellt. Die Mode-Sammlung kann jeweils am 1. und 3. Sonntag des Monats von 13-17 Uhr besichtigt werden. Gestern an Ostern war der 1. Sonntag im Monat. Und so wanderten wir von Muhen nach Bottenwil, und besuchten unterwegs die Kapelle Uerkheim und ihr neues Innenleben. Dieser Besuch war so aussergewöhnlich anregend, dass es dazu eines eigenen Blogbeitrags bedarf. Das kann ich schon einmal verraten: Es lohnt sich, dorthin zu reisen und sich von Martha Wieland in die Modegeheimnisse einweihen zu lassen. Das Ambiente ist aussergewöhnlich, der Erkenntnisgewinn ebenso.

Das also war mein spezieller Oster-Kirchenbesuch.

Jörg Niederer

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