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Montag, 23. März 2026

Schlechtes für Gutes

Ein Zitat

Der unverlangt zugesandte, 85 Gramm schwere, aus Kunststoff bestehende Multifunktionsöffner, der mich zum Spenden motivieren soll.
Foto © Jörg Niederer
"Wenigstens unser Plastikmüll reist auch dieses Jahr wieder ans Meer!" Aurel Mertz (*1989)

Hingesehen

Ich habe mir eine Woche Bedenkzeit genommen um abzuklären, ob ich diesen Blogbeitrag schreiben will. Denn ich finde es wichtig, was ZEWO-zertifizierte Vereine und Verbände wie der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband (SBV) für Menschen tun, die Hilfe benötigen. Das gilt erst recht, da ich selbst eine fast blinde Mutter habe.

Doch was ich auf den Tod nicht ausstehen kann, ist, wenn mir mit der Spendenaufforderung irgendwelches Zeugs zugesandt wird, das ich gar nicht brauche. Und da hat der SBV mit der letzten Aussendung den Vogel abgeschossen.

Im Couvert befand sich der auf dem Foto zu sehende "praktische Multifunktionsöffner". 85 Gramm nicht genauer deklarierten Kunststoffs.

Da versuche ich im Alltag möglichst auf Kunststoffverpackungen zu verzichten, habe immer eine Tasche dabei, damit ich nicht jedes Mal im Laden einen neuen Plastikbeutel nehmen muss, verzichte weitgehend auf Autofahrten wegen des dadurch anfallenden Mikroplastiks von den Autoreifen (und auch wegen des CO2-Ausstosses), und dann dies! Vielleicht ist dieses Ding praktisch, aber ich brauche es einfach nicht und ich möchte es auch nicht zugesandt erhalten.

Wenn ich mir vorstelle, dass dieser Multifunktionsöffner vielleicht an 100'000 Adressen versandt wurde (vermutlich sind es aber noch weit mehr), dann sind das 8,5 Tonnen Kunststoff, produziert wohl irgendwo in China. Wenn ich annehme, dass mehr als die Hälfte der Haushalte, die das Ding zugesandt bekommen haben, damit nichts anfangen können, dann wurden wohl 5 Tonnen Kunststoff für die Müllhalde produziert. Weiter gehe ich nicht davon aus, dass dieses Teil, wenn es von mir auf eigene Kosten zum SVB zurückgesandt wird, dort in anderem Zusammenhang verwendet werden kann. Solche Restbestände wandern früher oder später auch in den Abfall.

Weiter mag ich es gar nicht, dass man mich mit solchen Geschenken zu ködern versucht. "Die haben mir etwas geschenkt, dann muss ich doch auch etwas spenden." Wie gesagt, diese Praxis verfolgt nicht nur der BVB, sondern unzählige Verbände und Organisationen. Aber das Zugesandte mag noch so nützlich sein, ich möchte es nicht und brauche es meist auch nicht. Was nützen mir 300 Kugelschreiber, die austrocknen, während ich den einen zum Schreiben verwende? Auch Schlüsselanhänger habe ich schon genug, und seien sie noch so schillernd. Post-It-Blöckchen reichen mir für den Rest meines Lebens, genauso wie die Glückwunsch- und Trauerkarten mit Couverts.

Ab sofort werde ich keiner Spendenaufforderung mehr nachkommen, die begleitet wird von irgend einem unverlangt zugesandten materiellen Geschenk. Ich mache bei diesem üblen, Ressourcen verschwendenden Spiel nicht mehr mit.

Und nun die Frage an euch: Wie habt ihr es so mit den Bettelbriefen und diesen "Geschenken"?

Jörg Niederer

Sonntag, 14. Dezember 2025

Geschenke

Ein Zitat

Die Kirche St. Johann in Schaffhausen in einer Adventsnacht im Jahr 2025.
Foto © Jörg Niederer
"Ja, vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang wird mein Name bei den Völkern verehrt... Ja, bei den Völkern wird mein Name verehrt, sagt der Herr Zebaot. Ihr aber entehrt ihn, indem ihr sagt: 'Man darf den Tisch des Herrn unrein machen, und das Speiseopfer für ihn darf man vernachlässigen.'" Bibel: Maleachi 1,11+12

Hingesehen

Der Prophet Maleachi übt heftige Kritik an den Priestern seiner Zeit. Scheinbar nahmen die Männer im Tempel ihren Dienst für Gott nicht mehr so genau. Kranke Tiere kamen auf den Altar. Das Opfer wurde als lästige Arbeit angesehen.

Dieses skandalöse Verhalten offenbart eine Haltung. Gott ist den Menschen nicht mehr so wichtig. Gott hat an Bedeutung verloren. Aber es ist nicht Gott, der an Bedeutung verliert, sondern Menschen verlieren die Bedeutung Gottes aus den Augen. Darum wird Gottesdienst oberflächlich und geschieht ohne wirkliche Freuden.

Dazu eine Geschichte:  

An Weihnachten beschenken sich die Menschen. Einmal mehr überlegte sich John, was er wem schenken wollte. Es galt klug abzuwägen. Den Schenken war mehr als Wohltätigkeit. er wollte seine Frau, die er liebte, mit etwas Besonderem überraschen. Bei seinem Chef, den er verachtete, dachte er an einen billigen Wein. Bei den Eltern wusste er wie so oft nicht, was sie noch brauchen könnten. Doch nichts zu geben, wäre ein falsches Signal gewesen. So entschloss er sich für eine Weihnachtstorte mit persönlicher Widmung. Die selbe Sorte, die er übrigens auch den Schwiegereltern zustellen lassen wollte.

Während er so überlegte, wurde ihm bewusst, wie berechnend er schenkte. Sympathie und Antipathie spielten eine grosse Rolle. Ebenso, wieviel er an Geschenken erwarten konnte von denen, die er seinerseits beschenken wollte.

Da dämmerte ihm die Frage. Sie liess sich nicht mehr wegdenken: Was ist mir Gott wert? Was will ich für Gott investieren?

Jörg Niederer

Samstag, 6. September 2025

Regenbogen-Spaziergang

Ein Zitat

Regenbogen über der Schaffhauserstrasse in Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Das Lachen ist der Regenbogen, / Der dunklem Grund des Sturms entsteigt..."
Anastasius Grün (1806–1876)

Hingesehen

Es sah nicht nach Regen aus. Dann kam er doch.

Auf dem Nachhauseweg der Regenbogen. Erst war nur wenig zu sehen, ein kurzes Segment, eine Vorahnung. Doch dann zeigte er sich ganz, und blieb, bis ich Zuhause war.

Ein Spaziergang mit Regenbogen. Einmal mehr ein Geschenk des Himmels. 

Übrigens: Wer auf dem Laufenden bleiben will über die Beiträge in diesem Blog, kann sich in die WhatsApp-Gruppe NichtNurNatur eintragen.

Jörg Niederer

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