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Montag, 5. Januar 2026

Idyll

Ein Zitat

Die riesigen, ausladenden Bäume am Platzspitz spiegeln sich in der Limmat.
Foto © Jörg Niederer
"Die größten Ereignisse, das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden." Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844–1900)

Hingesehen

Ein ruhig fliessender Fluss. Darin spiegeln sich riesige Parkbäume. Menschen flanieren durch dieses Idyll. Wir befinden uns mitten in der Stadt Zürich. Der Platzspitz war einige Jahre lang bis 1992 international bekannt für die dort befindliche offene Drogenszene. Damals kam es auf der Platzpromenade nördlich vom Landesmuseum immer wieder zu dramatischen Szenen. Ein Hilfsprojekt musste in dieser Zeit rund 3600 mal Menschen wegen Heroinüberdosen wiederbeleben.

Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Seit 2021 wird der Park nachts auch nicht mehr abgeschlossen.

Noch früher, ab dem 15. Jahrhundert, befand sich auf diesem Landstück zwischen Sihl und Limmat ein Schützenhaus und ein Schiessplatz. Im 17. Jahrhundert wurden dort monatelange Schützenfeste gefeiert. Das traditionelle Knabenschiessen hat seinen Ursprung ebenfalls an diesem Ort.

Das für mich Eindrücklichste an diesem Park sind die gewaltigen Bäume. Allein dafür besuche ich diesen Platz beim Hauptbahnhof Zürich gerne.

Heute bin ich an einem anderen Ort. Man kann mich von 10-13 Uhr und 14-18 Uhr in der Wiborada-Zelle bei der Kirche St. Mangen an der Kirchgasse 17 [Wegbeschreibung] in der Stadt St. Gallen besuchen [mehr dazu im Blogbeitrag von 3. Januar 2026!]. Über Besuche freue ich mich sehr.

Jörg Niederer

Montag, 6. Oktober 2025

Wertvoll?

Ein Zitat

In Zürichs Fluss Limmat sitzt auf einem Poller ein Froschkönig mit Krone und schaut hinaus auf sein Reich.
Foto © Jörg Niederer
"So legt, ihr Niedern, nieder euch, beglückt; Schwer ruht das Haupt, das eine Krone drückt." William Shakespeare (1564-1616)

Hingesehen

Zürich liegt am Zürichsee. Also hat es dort auch allerlei Gerät für eine Schifffahrt, welche sich auf der Limmat landeinwärts bis zum Landesmuseum hinzieht. Dort auf der Limmat, einige Meter vom befestigten Ufer entfernt, sitzt auf einer Dalbe ein Froschkönig und überblickt sein wässeriges Reich.

Warum diese Figur dort steht, weiss ich nicht. Vielleicht ist sie Bestandteil eines Trails, auf dem es allerlei zu entdecken gibt. Vielleicht gibt es eine Tradition von Froschkönigen in der Zwinglistadt. Vielleicht ist es eine Kunstinstallation. Jedenfalls scheint es kein Zufall zu sein, dass der Froschkönig dort sitzt, ist er doch mit einer Leine am Poller gesichert, so dass er nicht einfach so von schwimmenden Dieben mitgenommen oder von einer Flut weggetragen werden kann. Der Froschkönig scheint also irgendwie wichtig zu sein.

Dass er nicht nur ein Frosch ist, sondern ein Froschkönig, ist leicht an der Krone zu erkennen. Ihrer Form nach und in Zeiten des Gendern könnte es sich aber auch um eine Froschkönigin handeln. Mit Krone wird aus einem Frosch, dem die Franzosen ihrer Froschschenkel wegen nachstellen, ein Wesen, das man besser küsst, statt zu verspeisen.

Wenn das bei den Menschen nur auch so einfach wäre. Wenn alle Wertvollen und Guten der Menschheit Kronen tragen würden. Die ohne Krone verspeist man natürlich trotzdem nicht; wir leben ja nicht unter Barbaren. Die macht man zu Arbeiterinnen und Arbeitern.

Aber so ist es nicht. Bei der Menschheit tragen nur Kinder und Models Krönchen, oder dann noch die Blaublütigen, die es zwar gibt, aber deren Kronen nichts über ihren Anstand und ihre Ethik auszusagen vermögen. Folglich kann gesagt werden: Kronen sollten nicht überbewertet werden. Geboren jedenfalls wurde noch keiner und keine mit einer solchen Macht- und Schönheitsinsignie.

Vermutlich bedeutet dies, dass jeder Mensch in sich seinen Wert trägt, Krone hin oder her. Diese "inneren Kronen" zu entdecken mache ich mich heute wieder auf den Weg.

Jörg Niederer

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