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Montag, 9. März 2026

Veränderung

Ein Zitat

Jörg Niederer einmal neben der ehemaligen Evangelisch-methodistischen Kirche. Oben: Stirnseite des Gebäudes. Unten: Südseite des Gebäudes.
Foto © Jörg Niederer
"Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt." Mahatma Gandhi (1869-1948)

Hingesehen

Vom Ende der Evangelisch-methodistischen Kirche im Wynental habe ich an anderem Ort schon geschrieben (Siehe Beitrag vom 28. Februar 2026). Zwischenzeitlich ist dir Reise weitergegangen. Auf der Kapellentour bin ich auch bei der ehemaligen Kapelle in Reinach vorbeigekommen. Ein hübsches dreistöckiges Gebäude mit einem Türmchen an der Seite. An diesem Ort haben wir sieben Jahre lang gewohnt. Das war eine gute Zeit. Die Kinder waren klein. Die Gemeinde lebendig. Der Freundschaften gab es viele. In den 26 Jahren seit unserem Wegzug hat sich viel verändert. Manches zum Guten. So etwas das Trottoir entlang der Alten Strasse, oder die Migros in Sichtdistanz. Anderes ist verschwunden. Gerade wird da, wo einst ein Nachbar sein Anwesen sorgfältig pflegte und der Schäferhund seine Zeit im Garten in einem Zwinger verbrachte, in einer grossen Baugrube gearbeitet. Entlang der Strasse sind viele alte Liegenschaften neuen Mehrfamilienhäusern gewichen. Kleine Länden sind verschwunden. In den meisten wird heute frisierst und Haare geschnitten. Auch der Dorfmetzger neben der Kirche ist nicht mehr. Eines der alten Häuser, die noch stehen, ist sein Wohnhaus.

Überraschend, dass es die einstige Kapelle noch gibt. Sie ist schon viele Jahr eine Kita. Im Haus wohnen immer noch Menschen. Der grosse Balkon über dem ehemaligen Gemeinderaum wurde aufgestockt, so dass nun auch die Mieter im 2. Stockwerk etwas davon haben. Auch noch da ist der Bauernhof, der zu unserer Zeit noch in Betrieb war, auch wenn er mitten im Dorf stand. Dort besuchten unsere Söhne gerne die Kühe, was sich dann auch geruchsweise in unserer Wohnung bemerkbar machte. Hier neben der Kapelle schoss ein Nachbar eines Nachts mit der Kalaschnikow, bestückt mit Nachtsicht-Zielgerät, in die Luft. Und direkt daneben in unserem Gemüsegarten labten sich eines Tages die Schafe des Nachbarn an unserem Salat. Da gab es Wasserschlachten mit der ganzen Familie und ich schaufelte im Schweisse meines Angesichts den Kompost um. Bei mehreren Überschwemmungen der Wyna, sie fliesst bei der Kapelle direkt entlang der Alten Strasse, drang auch Wasser in die unteren Kirchenräume. Im Gemeindesaal gab es spezielle Gottesdienste. So hatten wir einmal lebende Echsen und Schlangen im Gottesdienst, und regelmässig gab es Klassik-Konzerte und Kinderwochen.

Wie wir nun am Samstag also dort vorbeiwanderten, wurde uns bewusst, dass nichts bleibt, wie es ist. Alles verändert sich.

Wie ertrage ich den Wandel der Zeit? Darüber denke ich heute nach. Wie geht es dir, wenn du nach vielen Jahren wieder einmal einen früheren Wohnort besuchst?

Jörg Niederer 

Montag, 15. Dezember 2025

Ein Loblied auf das Holz

Ein Zitat

Detailansicht eines Heuschobers, der wohl auch als Stall für Ziegen oder Schafe genutzt wurde.
Foto © Jörg Niederer
"Je näher du der realen Materie kommst, Stein, Luft und Holz, Junge, desto spiritueller ist die Welt." Jack Kerouac (1922–1969)

Hingesehen

Gestern unterhielt ich mich kurz mit einem pensionierten Schreiner. Aktuell katalogisiert er historische Gegenstände, die zur handwerklichen oder bäuerlichen Welt von einst gehören und in einem Museum lagern. Dass er als Schreiner solche Arbeit tut, hat damit zu tun, dass früher sehr viele Gegenstände aus Holz hergestellt wurden, vom ganzen Wohnhaus über den Hobel bis zur Holzschraube, vom Schneidbrett über das Furnier bis zum Gartenmöbel, von den Intarsien über das Ehebett bis zum Cellophan.

Holz war das Plastik von einst. Holz hat aber gegenüber Kunststoffen den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass es sich natürlich zersetzt. Es verwittert. Holz bleibt nicht ewig, wird nicht zu Mikroplastik, das zunehmend unser Leben belasten. Holz altert je nach Konservierung schneller oder langsamer. An Burgruinen lassen sich die Aussparungen für die Holzbalken im Gemäuer oft noch gut erkennen, während es die Balken schon lägst nicht mehr gibt. Wenn man uraltes Holz findet, dann meist in Moorböden oder an ganz trockenen Orten in Wüsten. Unter Luftabschluss geht die Zersetzung sehr langsam voran. In Trockenheit kann Holz versteinern.

Auf dem Foto sieht man eine typische Detailansicht eines Heuschobers im Alpenraum. Vielleicht wurde er auch als Stall für Ziegen oder Schafe genutzt. Ein landwirtschaftlicher Multifunktionsraum, dessen Struktur und Hülle zu einem grossen Teil aus Holz besteht. Luftig gebaut dient ein solcher Schuppen der Zwischenlagerung und weiteren Trocknung des eingebrachten Heus. Er dient aber auch verschiedensten Wildtieren als Unterschupf, allen voran Vögeln Fledermäusen und Insekten. Oft ist leicht zu erkennen, welche Balken im Laufe der Jahrhunderte ersetzt werden mussten. Andere Bretter zeigen deutliche Spuren des Gebrauchs. Letzteres wird oft als malerisch, charaktervoll und idyllisch wahrgenommen. Balken, einst verborgen hinter Wand- und Deckenverkleidungen werden bei Renovationen oft wieder hervorgeholt, sichtbar gemacht, um einen Raum heimelig zu gestalten. Wirtshaustische zeigen stolz Spuren der Gäste vieler Jahrzehnte und Jahrhunderte.

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, sagt man. Aber Holz ist soviel mehr. Darum gehe ich heute ein bisschen Waldbaden. Oder auch ganz prosaisch gesagt: Ich gehe wandern. Einen grossen Teil davon im Wald.

Jörg Niederer

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