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Freitag, 1. Mai 2026

Moderne Reisestrapazen

Ein Zitat

Von der Hauptstrasse aus in Thessaloniki sieht man einen kurzen Moment lang das Meer.
Foto © Jörg Niederer
"Ein Leben ohne Freuden ist wie eine weite Reise ohne Gasthaus." Demokrit (um 460-370 v. Chr.)

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Seit gestern bin ich in Mazedonien. Das heisst zwar schon seit einiger Zeit Nordmazedonien, aber daran hält sich hier niemand. Ausser vielleicht die Menschen im angrenzenden Griechenland. Dorthin bin ich hingeflogen. Keine zwei Stunden hat es gedauert, und ich war in Thessaloniki. Angereist bin ich als Referent für eine Schulungsveranstaltung der Evangelisch-methodistischen Kirche. Sonst ziehe ich es vor, nicht zu fliegen. Und wenn ich kann, vermeide ich auch das Autofahren. Letzteres habe ich an diesem Tag so richtig ausgiebig getan. Nicht dass ich wollte. Aber der mir gut vertraute Fahrer wollte unbedingt A5-Ordner einkaufen, was er dann mangels genügender Zahl auch ausgiebig in verschiedenen Geschäften getan hat. Mit der Folge, dass ich dreimal länger im Auto verbrachte wie im Flugzeug. Nun weiss ich wieder einmal, warum mir Autofahren so sinnlos vorkommt. Wenigstens ein Gutes hatte es: ich sah wieder einmal das Meer. Denn daran vorbei sind wir gefahren, beziehungsweise im Stau gestanden.

Nun freue ich mich auf die Gespräche der kommenden Tage.

Jörg Niederer

Freitag, 13. März 2026

Der Storch und die Kinder

Ein Zitat

Ein Storch sitzt während der grossen Pause beim Schulhaus Gerbematt in Rothenburg auf dem Kandelaber und schaut aus etwa 5 Metern auf die lärmenden und spielenden Kinder herunter.
Foto © Jörg Niederer
"Doch wer fasst in jungen Jahren / Die Gelegenheit bei Haaren? / Wann die Locken hingefahren, / Wird's der Kahlkopf erst gewahren." Friedrich Rückert (1788-1866)

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Bringt der Storch die Kinder? Natürlich nicht. Mag der Storch menschliche Kinder? Ich weiss es nicht. Jedenfalls setzte sich ein Storch just in der grossen Pause auf einen Scheinwerfermast direkt über dem Schulhausplatz Gerbematt in Rothenburg und beobachtete das quirlige, lärmende Treiben etwa fünf Metern weiter unten. Wohl gefühlt tausend Primarschüler:innen vergnügten sich bei diesem und dem benachbarten Schulhaus Lindau auf den für die Kinder vorgesehen Plätzen und auch da, wo sie nicht hätten sein sollen. Der Storch blieb davon unbeeindruckt. Interessiert schaute er auf diese Treiben hinunter. Was dachte er sich wohl dabei? Unten nahmen die meisten Kinder von Meister Adebar keine Notiz. Wer schaut auch schon zum Himmel, wenn es auf der Erde so viel zu entdecken und zu spielen gibt.

Auch meine neugierigen Blicke und die Kamera brachten den grossen Vogel nicht aus der Ruhe. Nett lächelte und posierte er einem Fashion Model gleich. Doch dann kam er (oder sie!): der zweiter Storch. Elegant flog er eine Runde über dem Pausenplatz. Als hätte er nur darauf gewartet erhob sich auch der andere in die Luft, und gemeinsam segelten sie von dannen. Zurück blieben die tobenden Kinder. Nur wenige von ihnen schauten wie ich den beiden Vögeln nach, bis sie hinter den nahen Wohnblocks verschwunden waren.

Bringt der Storch die Kinder? Ich würde sagen: Die eigenen schon.

Jörg Niederer

Montag, 29. Dezember 2025

Langer Schwanz und viel zu sagen

Ein Zitat

Eine Schwanzmeise turnt auf der Suche nach Nahrung in den Ästen eines Baums herum.
Foto © Jörg Niederer
"Takt ist eine schreckliche Sache. Wenn man ihn nicht hat, regt sich jeder auf. Wenn man ihn hat, merkt es kein Mensch." Shirley MacLaine (*1934)

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Gestern waren wir wieder einmal in der Allmend Frauenfeld. Gegen Ende des Spaziergangs begegnete uns ein Trupp Schwanzmeisen. In den kahlen Ästen der Bäume suchten sie nach Insekten, Larven, kleinen Beeren und Knospen. Sehr gerne fressen sie Blatt- und Schildläuse. Dabei sprechen sie unablässig miteinander, was sie beim Einflug auch verrät. Die Winzlinge, deren Schwanzfedern länger sind als der Körper, wiegen gerade einmal 7-9 Gramm.

Nicht nur beim Futtersuchen, sondern auch bei der Aufzucht der Jungen sind Schwanzmeisen sozial. Bis zu acht mit dem brütenden Männchen verwandte Vögel helfen beim Füttern der Jungen und bei der Verteidigung der Nester. So können pro Kugelnest bis zu zwölf Junge versorgt und aufgezogen werden.

Anders als der Name suggeriert, ist die Schwanzmeise nicht mit den Meisen verwandt, sondern gehört mit den Grasmücken und Seidensängern zu einer eigenen Unterfamilie.

Jörg Niederer

Montag, 8. Dezember 2025

Von Flugshows und Bärenstichen

Ein Zitat

Der Flughafen Mollis an einem ruhigen Morgen. Im Hintergrund der von Wolken teil verborgene Rautispitz-Ostgrat.
Foto © Jörg Niederer
"Als Nation können wir stolz darauf sein, dass wir weichherzig sind; aber wir können es uns nicht leisten, weich im Kopf zu sein." Franklin Delano Roosevelt (1882–1945)

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Der Flugplatz Mollis war lange Jahre ein Militärstandort. An einem ersten Flugtag im Jahr 1923 landete Walter Mittelholzer auf der damaligen Rasenpiste. Ab 1972 ist dort die Heli Linth angesiedelt, ab 1974 die Schweizerische Rettungsflugwache Rega. Bei Airshows landete hier auch schon einmal eine Lockheed Super Constellation. 2016 kamen einmal 25'000 Besucher:innen zu einer Zigermeet, wie man diese Flugvorführungen nannte. Als ich am Flugfeld vorbeiwanderte, startete ein einsamer Privatjet, und danach übten Flugschüler Landeanfüge und Starts, dieweil ein Mitarbeiter von der Rega sich an einem Heli zu schaffen machte. Sonst blieb es ruhig auf dem Rollfeld und bei den Hangars. Das gefällt mir. Da gibt es keine Reisenden mit grossen Koffern und Strohhüten. Es geht an diesem Morgen beschaulich und geruhsam zu und her.

Per Fahrrad und zu Fuss bewegt man sich über mehrere hundert Meter auf dem Gelände des Flugplatzes parallel zur Piste und passiert dabei getarnte und militärisch ausrangierte Flugzeughallen, um dann an Baustellen vorbei die ersten Häuser des Orts Mollis zu erreichen.

Mich hat fasziniert, wie sich die Wolken am Rautispitz-Ostgrat stauten und einem Schleier gleich den steilen östlichen Felsabbruch verbargen. Direkt da oben im Nebel wäre der für versierte Wandernde mit Klettererfahrung ersteigbare Bärenstichkopf. Woher er seinen Namen hat, konnte ich nicht herausfinden. Was ein Bienenstich ist, weiss ich. Einen dieser süssen Mehlspeisen gleichen Bärenstich ist mir nicht bekannt. Aber man muss ja nicht wissen, warum etwas heisst wie es heisst, um daran seine Freude zu haben.

Den Namen Mollis dagegen kann man erklären. Er kommt nicht etwa davon, dass dort mollige Menschen wohnten. Im Ortsnamen-Verzeichnis wird es so erklärt: "Mollis ist ein sekundärer Ortsname, der auf einen ursprünglichen Flurnamen vom Typus *mollĭānu(s) 'weicher, sumpfiger Boden' zurückgeht." Ob das Adjektiv "mollig" ebenfalls auf die latinische Bezeichnung von etwas Weichem zurückzuführen ist?

Jörg Niederer

Dienstag, 16. September 2025

Flugkunst

Ein Zitat

Drei Rostgänse fliegen nahe beieinander einige Runden über dem Klingnauer Stausee.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn einer, der mit Mühe kaum / Gekrochen ist auf einen Baum, / Schon meint, dass er ein Vogel wär, / So irrt sich der." Wilhelm Busch (1832–1908)

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Sind Vögel im Schwarm oder Formationsflug jemals zusammengestossen und abgestürzt? Ich wüsste nicht, dass ich solches schon einmal gehört hätte. Und wenn, dann hätten sich diese sich in der Luft wohl problemlos wieder formieren können. Auch nicht gehört habe ich, dass sie wegen Verwirbelungen vorausfliegender Tiere erst nach 2 Minuten starten können, wie das bei Passagierflugzeugen der Fall ist. Beim Fliegen gilt es für Menschen so viel zu beachten. Als Gleitschirmpilot:in muss man die Abwinde und walzenförmigen Luftströmungen erahnen. Mindestgeschwindigkeiten gilt es mit allen Fluggeräten einzuhalten. Die Vögel wissen und können das instinktiv. Auch die Rostgänse, die am Klingnauer Stausee einige Runden drehten, um dann in Formation wieder im Wasser zu landen. Das ist einfach nur bewundernswert.

Zu den Rostgänsen. Am Klingnauer Stausee hat es von ihnen geschätzt sicher an die 600 Tiere. Dabei waren sie vor 1950 hier gar nicht heimisch. Ihr eigentliches Zuhause sind die Steppen und Halbwüsten Asiens und Nordafrikas. Bei uns wurden die schönen Tiere als Ziervögel eingeführt. Davon sind dann wohl irgendwann einmal einige ausgebüxt, und haben sich in der freien Wildbahn bestens eingelebt. Laut Vogelwarte Sempach sei das für einheimische Vögel ein Problem, weil sich Rostgänse während der Brutzeit äusserst aggressiv verhalten würden. Nun, sie sind da, und am Klingnauer Stausee nicht mehr wegzudenken.

Jörg Niederer

Dienstag, 9. September 2025

Erwischt

Ein Zitat

Die Herbst-Mosaikjungfer, eine Libellenart, im Flug.
Foto © Jörg Niederer
"Magie bedeutet, das Wunder in jeder Kleinigkeit der Natur zu sehen, zu sehen, wie wunderbar die Glühwürmchen und wie magisch die Libellen sind."
– Ama H. Vanniarachchy, Journalistin aus Sri Lanka

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Endlich habe ich eine Libelle im Flug so fotografieren können, dass das Insekt auf dem Foto scharf abgebildet ist. Das ist gar nicht so einfach. Wobei man heutzutage vielfältig technisch von der Kamera unterstützt wird. So sucht sich die Kamera den Fokus selbst und verfolgt erst noch das Hauptmotiv, in diesem Fall eine Herbst-Mosaikjungfer. Wenn ich halb den Auslöser durchdrücke, nimmt die Kamera schon bis 15 Bilder auf. Falls ich beim Abdrücken eine halbe Sekunde zu spät war, ist das nicht weiter schlimm, sind doch nun 15 Bilder vor dem Abdrücken ebenfalls gespeichert. Das auch die Flügel der Libelle im Flug wie eingefroren erscheinen, liegt daran, dass die Verschlusszeit der Kamera bei 1/3200 Sekunde lag. Zuhause kann ich mir dann in aller Seelenruhe das beste Foto aussuchen, und wenn ich will, die anderen wieder löschen.

Auch bei der Nachbearbeitung des Bildes kann ich auf hervorragende Software zurückgreifen, die etwas die Schärfe erhöht oder das Foto fast verlustfrei Vergrössert.

Und doch, auch mit all dieser technischen Unterstützung war es nicht einfach, die Libelle im Flug zu erwischen. Oft war sie schon an einem anderen Ort, wenn ich sie noch da suchte, wo sie eben noch war. Dann wieder schwebte sie mehrere Sekunden am selben Ort, nur dass der Fokus der Kamera sich mehr für deren Hintergrund interessierte als für die Libelle selbst.

Nun ist es aber getan. Ist die Herbst-Mosaikjungfer nicht wunderschön anzusehen.

Morgen zeige ich euch, wer diese Tierchen als Leibspeise aus der Luft sammelt, und dabei, anders als ich, so gar keine Probleme hat, sie zu erwischen.

Jörg Niederer

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