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Dienstag, 9. Dezember 2025

Fridlis Friedhof

Ein Zitat

Der Friedhof von Niederurnen mit seinen kahlen schneeweissen Birken. Im Hintergrund erhebt sich der Fridlispitz über dem Totenacker.
Foto © Jörg Niederer
"In dir selbst ist eine Ruhe und eine Heiligtum, in welches du dich jederzeit zurückziehen und ganz du selbst sein kannst." Hermann Hesse (1877-1962)

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Heute ist mein einhundertster Tag nach der Pensionierung. Es war bisher eine bewegte Zeit. Manche Stunde haben ich beim Herumstreifen verbracht. So bin ich auch am Friedhof Niederurnen vorbeigekommen. Jetzt im Winter leuchten die schneeweissen Birken am Rand der Gräberfelder im Sonnenlicht. Über dieser Szenerie erhebt sich der Fridlispitz. Erst als ich den Namen dieses Grenzbergs zur Linthebene buchstabierte, wurde mir bewusst, dass der Gipfel seinen Namen wohl auch vom Glarner Heiligen, von Fridolin geerbt hat.

Besagter Fridolin habe laut Legende (Siehe Beitrag vom 4. Dezember) einen adligen Toten zeitlich begrenzt auferweckt. Oft wird er daher gemeinsam mit dem Skelett des wiederbelebten Ursus dargestellt. Mir scheint, diese Totenerweckung ist eher rudimentär ausgefallen und enthält etwas viel Halloween-Grusel.

Friedhöfe sind Orte der Ruhe. So wird in der neusten Ausgabe der Kultur- und Wanderzeitschrift "Transhelvetica" zum Thema "Stille" dazu geraten, die Ruhe auch auf Friedhöfen zu suchen.

Was mich betrifft, schätze ich den Gang zwischen den Gräbern durchaus. Solange ich dort noch nicht die letzte Ruhe suche, geht der Ruhestand noch recht dynamisch weiter.

Jörg Niederer

Donnerstag, 4. Dezember 2025

Bei Fridolin

Ein Zitat

Der Heilige Fridolin, Kantonspatron von Glarus, steht bei Näfels auf einem Kreisel, geschmückt mit vielen Luftballons.
Foto © Jörg Niederer
"Mit ihren Herden wieder hin, / ziehen die Schäfer an Fridolin." Bauernregel zum Namenstag von Fridolin am 6. März.

Hingesehen

Beim Namen Fridolin kam mir lange Jahre vor allem ein Dackel in den Sinn. Die Geschichte, geschrieben von Franz Caspar, dem Autor des noch bekannteren Buchs "Rösslein Hü", war in den meisten Kinderzimmern zuhause. So auch in meinem. Erst viel später wunderte ich mich, dass ein Dackel ausgerechnet den Namen eines Kantonsheiligen trägt, notabene des einzigen Menschen auf einem schweizerischen Kantonswappen.

Fridolin ist mir denn auch mehrfach im Kanton Glarus begegnet. Noch bin ich auf meiner Kapellentour nicht ganz fertig mit diesem Stand. Es fehlen noch etwa zehn Kilometer Glarus.

Wer ist nun dieser Heilige Friedolin, der stets mit Wanderstab und Bibel dargestellt wird? Selbst bei der stilisierten Figur auf dem Kreisel bei Näfels dürfen diese beiden Attribute nicht fehlen, auch wenn abgesehen vom Kopf und den Händen wenig an eine menschliche Gestalt erinnern.

Fridolin soll in Bad Säckingen DE das sogenannte Fridolinskloster gegründet haben. Das war im 6. Jahrhundert. Der adlige Fridolin wurde in der irischen Klosterschule des Erzbistums Armagh ausgebildet, war aber nie ein Mönch. Die Legende erzählt, wie dieser Fridolin sich um den Wiederaufbau des Klosters Poitiers in Gallien bemühte, um sich nach vollendetem Werk als Wanderprediger auf Missionsreise zu begeben. Diese habe ihn dann über Metz und Strassburg nach Chur geführt. Seine Kirchen- und Klostergründungen, auch die spätere in Säckingen, waren alle dem Heiligen Hilarius von Poitiers geweiht.

In den Besitz von Glarus kam Fridolin durch eine Schenkung der Brüder Ursus und Landolphus, wobei letzterer versucht haben soll, ihn nach Ursus' Tod um seinen Anteil zu betrügen. Darauf habe Fridolin Ursus vorübergehend vom Tod auferweckt, um diese Sache klipp und klar durch Ursus klären zu lassen.

Das ist denn auch der Grund, warum Friedolin Schutzheiliger gegen Erbschleicherei ist.

Endgültig zum Kantonspatron wurde Fridolin in der Schlacht zu Näfels am 9. April 1388, in der die Glarner unter dem Banner des Fridolin die habsburgische Übermacht aus der Eidgenossenschaft vertreiben konnten.

Kriegerisches habe ich in Glarus nicht vor. Das Erbe des Fridolin muss ich ihm auch nicht streitig machen. Aber wandernd fühle ich mich dem Mann aus Irland schon ein wenig verbunden. Fridolin, wir sehen uns!

Jörg Niederer

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