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Dienstag, 20. Oktober 2026

Weitsicht im Wohnguet

Ein Zitat

Oben: Drei der Gebäude vom Wohnguet Alterszentrum Bethesda in Täuffelen, gesehen von der Hauptstrasse aus. Unten: Der wohnliche Eingangsbereich im Hauptgebäude des Wohnguets.
Fotos: © Jörg Niederer
"Im Mittelpunkt unseres Handelns steht der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Interessen." Von der Webseite vom Wohnguet Täuffelen

Entdeckt

Vier Gebäude gehören zum Wohnguet Bethesda Alterszentrum in Täuffelen. Das Hauptgebäude mit 26 Alterswohnungen, ein damit verbundenes Nebengebäude mit 12 Alterswohnungen, Ein freistehendes Wohngebäude mit 22 Wohnungen direkt an der Hauptstrasse, sowie dem ebenfalls freistehenden Ziegelhaus daneben, einem 2024 fertig erstellten Mehrzweckgebäude. Im Hauptgebäude befindet sich zudem das Restaurant Ambience. Weiter finden sich auf diesem Areal auch die Gemeindebibliothek und die Musikschule, ein MediZentrum, die Pflegeabteilung, die Physiotherapie, die Kinesiologie, die Fusspflege und der Coiffeur Haarguet.

Alles sieht neu und modern aus. Auf dem Nebenhaus sind Profile ausgesteckt. Das Gebäude soll wohl um ein Stockwerk erhöht werden. Während ich draussen fotografiere, werde ich von einer Mitarbeiterin, die sich gerade auf dem Weg zur Arbeit befinde, angesprochen. Ich erkläre, dass ich methodistischer Pfarrer bin, und Bethesda ein ebenfalls methodistisches Diakoniewerk sei. Sie bestätigt und lobt den Betrieb und die wunderbaren Alterswohnungen. Architektonisch sind vor allem die beiden Gebäude an der Hauptstrasse zu erwähnen. Sie strahlen einen modernen Scharm aus.

Dann begebe ich mich ins Restaurant. Da es gerade mal halb Eins am Mittag ist, herrscht Hochbetrieb. Viele der älteren Bewohner:innen sind beim Mittagessen oder eben gerade fertig geworden damit. Doch ich darf gerne an einem noch leeren Tisch Platz nehmen. Ich bestelle mir Vermicelles und ein Bier. Am Nachbartisch sitzt eine Männerrunde, wohl Gemeindeangestellte aus der Nachbarschaft. Das Servicepersonal wirkt etwas gestresst, aber ich werde schnell und kompetent bedient. Immer wieder blicke ich aus dem Fenster. Von der etwas erhöhten Lage des Hauses hat man einen ausgezeichneten Blick über das Grosse Moos. Am Nachbartisch erzählt eine ältere Person, sie habe einen ganzen Tag lang vergebens eine Person anzurufen versucht, es sei aber niemand ans Telefon gegangen. "Das ist doch seltsam!" ist ihr Kommentar. Doch dann meint sie, vielleicht sei es ja die falsche Nummer gewesen. Wie sie es sagt, wirkt sie etwas zerknirscht, wird aber gleich von ihren Tischnachbarinnen getröstet.

Da der Bahnhof Täuffelen nicht weit vom Wohnguet entfernt ist, muss ich mich nicht sonderlich beeilen. Die Wege sind kurz, die Stadt Biel und der See sind nicht weit. Dieses Haus ist eine Entdeckung. Würde ich in diesem Teil der Schweiz wohnen, vielleicht würde ich mich um einen Altersplatz an diesem Ort bemühen. Faszinierend, wie bisher alle Bethesda Alterszentren, die ich mir auf meinem Kapellenweg anschauen konnte, einen vorzüglichen ersten Eindruck machten. Gerade auch das Wohnguet in Täuffelen scheint mir ein weiteres Aushängeschild der Stiftung Diakonat Bethesda zu sein.

Jörg Niederer

Donnerstag, 1. Januar 2026

Jahresschlusswanderung durch Zürich

Ein Zitat

Die Kapelle im Spital Bethanien Zürich wird nach wie vor von den Diakonissen der Diakoniegemeinschaft Bethanien genutzt.
Foto © Jörg Niederer
"Als Seelsorger habe ich Zeit für spontane, warmherzige und mitfühlende Begegnungen. Meine Ohren und Sinne sind offen für Gespräche über 'Gott und die Welt'. So erlebe ich im Convita Bethanien, bei den Diakonissen, in den Gottesdiensten und bei anderen Gelegenheiten was der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber treffend so beschrieb: 'Alles wirkliche Leben ist Begegnung'." Pfarrer Hanspeter Minder, Seelsorger Diakonie Bethanien

Hingesehen

Meine Jahresschlusswanderung bei schönstem Sonnenschein erfolgte am 31. Dezember 2025 von Küsnacht nach Zürich. Dabei besuchte ich Häuser und Kapellen aus mindestens vier verschiedenen, in methodistischer Tradition stehenden Gebäuden.

Während am Zürichsee über weite Strecken kaum ein Evangelisch-methodistisches Werk zu finden ist, ändert sich die Situation in Zürich grundlegen. Auf kürzeste Distanzen trifft man auf historische und neuere Objekte dieser Freikirche, in der ich 40 Jahre als Pfarrer gewirkt habe.

Die Evangelisch-methodistische Kirche ist mit der Kapelle Zelthof in Zürich auf meiner Reiseroute vertreten, und mit einer weiteren Kapelle, in der seit 25 Jahren das Restaurant Blinde Kuh in absoluter Dunkelheit feine Gerichte serviert.

Dann ist da die Genossenschaft CVB Immobilien, die aus dem ehemaligen methodistischen Verlagshaus CVB Buch + Druck hervorgegangen ist. An der Schifflände Zürich führte sie lange Zeit eine Buchhandlung. Das Haus gehört noch immer der Genossenschaft CVB Immobilien.

Dann sind da zwei verschiedene selbständige methodistische Werke mit Liegenschaften in Zürich vertreten. Hervorgegangen sind sie aus der Arbeit von zwei Diakonissenmutterhäusern.

Die Bethesda Alterszentren AG ist eine Tochter der Stiftung Diakonat Bethesda, zu der auch die Residenz Küsnacht in Itschnach gehört (Siehe Beitrag vom 19.12.2025). Auf dem von mir zurückgelegten Abschnitt ist da der Hauptsitz der Bethesda Alterszentren AG in Küsnacht zu nennen.

Das andere methodistische selbständige Werk ist die Diakonie Bethanien. Ihr bin ich in Zürich gleich mehrfach begegnet. Da wären zwei Kitas, dann das Altersheim Convita Bethanien und die Diakoniegemeinschaft Bethanien zu nennen.

Als Namen lebt auch das vor Jahren verkaufte Spital Bethanien weiter. Es gehört heute zu den Genolier-Spitälern und Kliniken und befindet sich an der Toblerstrasse, direkt neben dem Diakonissen-Schwesternhaus der Diakoniegemeinschaft Bethanien. Meines Wissen leben noch neun Bethanien-Schwestern im Schwesternhaus oder im Convita Bethanien.

Dort habe ich auch kurz die Kapelle besucht. Sie wird heute von der Privatklinik Bethanien als Auditorium bezeichnet. Unerwartet platzte ich dabei in die Vorbereitungen zur Jahresschlussfeier der Bethanien-Diakonissen hinein und konnte einige Worte mit zwei netten älteren Damen sprechen. Das war schön.

Heute soll es weiter gehen. Nach der Jahresschlusswanderung gibt es eine Neujahrswanderung. Ich bin gespannt. was dieses neue Jahr bringen wird.

Jörg Niederer

Dienstag, 2. Dezember 2025

Seerose und Kiwi

Ein Zitat

Das über 400-jährige Haus Seerose in Männedorf gehört zur Bethesda Alterszentren AG.
Foto © Jörg Niederer
"Herr segne dieses alte Haus / und die da gehen ein und aus / bewahre sie vor Neid und Stolz / so lang es heisst im / Hinterholz" Hausanschrift im Hinterholz, Gemeinde Hombrechtikon

Hingesehen

Ich gebe es zu: Zwischen der Evangelisch-methodistischen Kirche Glarus (siehe Beitrag vom 29. November und 30. November 2025) und der Seerose in Männedorf fehlen mir noch 22 Kilometer, die ich noch nicht zu Fuss hinter mich gebracht habe. Aber das ist auch nur noch eine Frage der Zeit. Bis heute sind es nun schon 122 Kilometer geworden, seit ich am 28. Oktober in Wollishofen zu dieser Kapellentour aufgebrochen bin.

Nun gibt es nebst den methodistischen Kapellen noch andere Liegenschaften, die man dem näheren und weiteren Umfeld der methodistischen Arbeit in der Schweiz zuordnen kann. Dazu gehören Häuser, die aus der Arbeit der Diakonissenhäuser von Bethesda Basel und Bethanien Zürich sowie deren Nachlässen hervorgegangen sind. In Männedorf steht zum Beispiel direkt am Zürichsee die Seerose. Das Haus wurde im Jahr 1599 erbaut, und wechselte mehrfach die Besitzer. 

Darin wohnten wohl einst ein Hauptmann, mehrere Geschworene und ein Sekelmeister. Zum Altersasyl von Männedorf wurde die Seerose im Jahr 1897. Damals gab es auch schon das Bibelheim in Männedorf. Das heutige ACASA Männedorf nahm seinen Anfang mit dem Wirken von Dorothea Trudel. Dies hatte jedoch einen anderen Charakter, eher den eines Privatspitals und Sanatoriums. Erst 1908 entstand im Rahmen des Bibelheims ein Altersheim im Haus Tiefenau.

Somit ist die Seerose wohl das älteste Altersheim im schönen Ort am Zürichsee. Zu Beginn lag die Leitung des Altersasyls in den Händen der Evangelisch-reformierten Kirche. Später gelangte das Haus in den Besitz eines dafür gegründeten Vereins. Noch 2012 fanden umfangreiche Umbau- und Rennovationsarbeiten statt.

Heute gehört die Seerose zur Bethesda Alterszentren AG, einer gemeinnützig ausgerichteten, überregional tätigen Verbundorganisation im Bereich Wohnen, Betreuung und Pflege im Alter. Dazu gehören in der ganzen Schweiz 27 Einrichtungen. Die Seerose wird als Aussenstation der Residenz Küsnacht geführt. Vierzehn Bewohnerinnen wird dort von 20 Mitarbeitenden ein persönlicher Wohn- und Lebensraum im Alter ermöglicht.

Was mir am Ziel meiner Wanderung mit Start in Feldbach aufgefallen ist: Im Garten der Seerose wachsen Kiwis und es hat eine alte Räucherkammer. Auch Zugang zum See gibt es durch eine Stichstrasse. Und auch das gehört zur Philosophie der Bethesda Alterszentren AG: Das oberstes Ziel sei, dass sich alle Menschen ungeachtet ihrer Herkunft, Religion und ihres Lebenskonzeptes wohl fühlen. Die seelsorgliche Begleitung der Bewohnenden wird daher in den grösseren Häusern durch angestellte Seelsorger:innen gewährleistet. In kleineren Altersheimen wie der Seerose arbeitet man mit den lokalen Pfarrpersonen zusammen.

Jörg Niederer

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