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Samstag, 15. November 2025

Erde am Boden

Ein Zitat

Eine künstliche Erde wird für dem Zauberpark beim Flughafen Zürich aufgeblasen. Noch liegt der Erdballon zur Hälfte am Boden.
Foto © Jörg Niederer
"Der heutige Mensch ist der Natur gefährlicher geworden, als sie ihm jemals war." Hans Jonas (1903-1993)

Hingesehen

Hinter dem Circle beim Flughafen Zürich entsteht gerade der Zauberpark. Ab dem 19. November bis zum 7. Dezember können dort Lichtinstallationen bewundert werden und man kann Konzerten beiwohnen. Gestern spazierten wir über das Gelände. An einer Stelle werden Sonne, Mond und Erde aufleuchten. Dafür wurde gerade Luft in die Erde hineingepumpt. Langsam füllte sich der Planet.

Dieser Anblick einer darniederliegenden Erde erinnert daran, dass es ihr schlecht geht. Das Gasgemisch der Atmosphäre verändert sich zu Ungunsten von Luft atmenden Lebensformen. Die CO2-Konzentration steigt an, über ein Mass an Sicherheit, das wir Menschen fürs Leben auf der Erde brauchen. Diese gefährliche Situation führt immer wieder zu Verhandlungen auf beinahe höchster Ebene. Gerade tagt die 30. Weltklimakonferenz in der brasilianischen Amazonas-Stadt Belém. Es sollen neue Klimaschutzpläne verabschiedet werden, so dass die Erderwärmung bis 2035 auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden kann.

Es ist zu erwarten, dass dieses Ziel zu ambitioniert ist, angesichts einer in sich gespaltenen Weltgemeinschaft. Immer mehr Wissenschaftler:innen warnen immer deutlicher. Aber in einer je auf den eigenen Vorteil bedachten Ländergemeinschaft, und einer Wirtschaft, die auf Wachstum ausgerichtet ist, neutralisiert man sich gegenseitig. Dazu haben viele Länder mit autoritären oder totalitären Regierungen sich von den Klimazielen abgewendet und setzen wieder unverfroren (welch ein Wort in diesem Zusammenhang!) auf fossile Energieträger.

Im Zauberpark am Flughafen Zürich sieht es heute wohl besser aus für die Erde. Zwischenzeitlich wird sie rund und schön zu sehen sein. Doch für die wirkliche Erde und vor allem für ihre Bewohner:innen sieht es nicht gut aus.

Jörg Niederer

Mittwoch, 24. September 2025

Die Kunst der Würmer

Ein Zitat

Wurmausscheidungen, aufgetürmt zu einem kleinen Kunstwerk.
Foto © Jörg Niederer
"Wer der Welt ein Heiland zu sein glaubt, thut gut, mit dreiunddreißig Jahren zu sterben." Ludwig Anzengruber (1839-1889)

Hingesehen

Wir Menschen geben ja viel auf unsere Kunstfertigkeit. Doch dann kommt so ein Wurm, und mit nichts als seinem Verdauungsapparat erschafft er aus dem Arsch heraus ein kleines, vergängliches Wunderwerk. Dies erst noch ohne hinzusehen. Ich könnte es nicht besser. Was schreibe ich da: Ich könnte es nur annähernd so gut, sicher nicht mit links und nur unter Einsatz von viel Zeit.

Dieser kleine wurmproduzierte Wolkenkratzer aus gefilterter Erde kommt locker an die Ingenieurskunst von Stararchitekten heran.

Wenn nun aber selbst Würmer so Bemerkenswertes schaffen, was ist dann schon der Mensch, der sehenden Auges ins Verderben zu rennen bereit ist? Türme bauen ist etwas für Würmer, bei den Menschen führt es stets zu Überheblichkeit.

Jörg Niederer

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