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Samstag, 31. Oktober 2026

Gewachsenes Halloween

Ein Zitat

Ein Apfel hat sich für Halloween fein gemacht.
Foto: © Jörg Niederer

"Und wenn die Welt voll Teuffel wer / Und wollt uns gar verschlingen, / So fürchten wir uns nicht so sehr, / Es sol uns doch gelingen." Martin Luther (1483-1546)

Entdeckt

Gerade habe ich wieder einmal gelesen, Halloween bedeute "Hell will win" (Die Hölle wird gewinnen). Das ist etwas so richtig oder so falsch, als wenn man sagen würde: Halloween sei ein Begriff aus der Alkoholwerbung und bedeute: "Hallo Wein". Einige christliche Kreise bekommen bei diesem, wie sie sagen, nach Europa importierten teuflischen Brauch Schnappatmung. Doch Halloween kommt ursprünglich aus dem europäischen Schottland, ist abgeleitet vom Altenglischen und bedeutet "All Hallows' Eve" also "Der Tag vor Allerheiligen" (1. November). Vermutlich ist der Brauch, wie so viele christliche Feste, eine Verschmelzung von vorchristlichen und christlichen Elementen.

Da Halloween in Bezug steht zu Allerheiligen, ist es aus christlicher Sicht auch daher zu erklären. Einerseits geht es um die Angst vor dem Tod und der Unterwelt, andererseits um die Überwindung von all dem, was von einem frommen, heiligen Leben abhalten könnte. Indem man sich maskiert lustig macht über Tod und Teufel, zeigt man, wie sehr man im Glauben gefestigt ist. Wenn nichts, auch nicht Tod oder Leben(!) einen Menschen trennen kann von der Liebe Gottes (Bibel: Römer 8,38-39), wenn alle, die auf Christus vertrauen, als Heilige zu verstehen sind, dann kann keine Fratze, keine Mutprobe, kein flackerndes Licht in einem Kürbis oder einer Rübe daran irgendetwas ändern. Mit anderen Worten: Indem an Halloween die dantischen Angstbilder vom Fegefeuer und Inferno komödiantisch aufgenommen werden, wird Teufel und Tod eine lange Nase gezeigt.

Dass aber nicht nur christliche Kreise Halloween verteufeln, sondern der Brauch auch im islamisch dominierten Iran verboten ist als Verachtung des wahren Glaubens, zeigt einmal mehr einen ungewollten aber offensichtlichen Schulterschluss von fundamentalistischen Kreisen.

Noch einen Zusammenhang gibt es von Halloween und Allerheiligen: Das Klopfen an Türen. In der volkstümlichen Vorstellung wird man einst nach dem Tod an der Himmelspforte willkommen geheissen oder (in die Hölle) abgewiesen. Das wird an Halloween beim Läuten an fremden Türen spielerisch aufgenommen. Mit einem kleinen Unterschied. "Süsses oder Saures" sieht bei einer Ablehnung vor, dass man sich mit einfachen Streichen rächt und den Verursacher:innen der Rückweisung "Saures gibt". Man wehrt sich in übertragenem Sinn gegen eine verschlossene "Himmelstür". Zugleich weisst der Brauch darauf hin, dass wir alle Bettler:innen und auf offene Türen Angewiesene sind.

Zuletzt: Die gerade geschilderten Bezüge sind natürlich so wenig wissenschaftlich fundiert, wie die Behauptung, Halloween würde "Hell win win" bedeuten. Aber anders als diese unhaltbare Behauptung verbreite ich damit keine Angst, was nun wiederum gar nicht zu Halloween passt, oder?

Jörg Niederer

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