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Dienstag, 4. August 2026

Alterssitz unweit der Frauenstrafanstalt

Ein Zitat

In und vor dem Alters- und Pflegeheim Jurablick in der Berner Gemeinde Hindelbank.
Fotos © Jörg Niederer
"In der Jugend sollte man Weisheit lernen; im Alter sollte man weise handeln." Jean-Jacques Rousseau (1712-1778)

Entdeckt

Auf meiner Kapellentour zu methodistischen Liegenschaften kommen wir nicht nur an Kapellen vorbei, sondern auch an diversen sozialen Einrichtungen. Das letzte Mal, als wir vor einem der Alters- und Pflegeheimen der Bethesda Alterszentren AG standen, war es Winter und wir waren in der Stadt Zürich unterwegs (Siehe Beitrag von 10. Januar 2026!). Nun, fast sieben Monate später besuchten wir auch das Alters- und Pflegeheim Jurablick in Hindelbank. Bekannt ist der Ort schon eher wegen der Frauen-Justizvollzugsanstalt. Sie findet sich direkt neben dem Schloss Hindelbank auf einer Anhöhe etwas ausserhalb des Dorfes. Auch daran sind wir vorbeigekommen. Doch nach Hindelbank führte mich genau dieses Alters- und Pflegeheim. Aufgewachsen in Wanderdistanz zu Jurahöhen gefällt mir natürlich dessen Namen "Jurablick". Im Beschrieb auf der Webseite heisst es: "Das Alters- und Pflegeheim Jurablick liegt mitten im Dorfzentrum von Hindelbank. Es verfügt über 60 moderne Alterswohnungen und 31 Pflegeplätze, die als individuell möblierte Einzelzimmer bewohnt werden. In einer geschützten Wohngruppe bieten wir zehn Menschen mit Demenzerkrankung ein Zuhause." Weiter gibt es ein Restaurant, einen kleinen Tierpark und noch vieles mehr. Da zur Philosophie der Bethesda Alterszentren AG eine gute seelsorgliche Begleitung gehört, suchte ich auch nach der hier angestellten Pfarrperson, wurde aber auf der Webseite nicht fündig. Dagegen gibt es natürlich auch in dieser Einrichtung regelmässige Andachten.

Meine Begleiterin meinte nach unserer kurzen Besichtigung, sie könnte sich vorstellen, im Alter hier zu wohnen. Was mir aufgefallen ist: Das dazugehörige Restaurant Vista war an diesem Morgen um 10.00 Uhr gut besucht. Das ist in solchen Häusern keine Selbstverständlichkeit und durchaus ein Qualitätsmerkmal.

Jörg Niederer

Montag, 20. Juli 2026

Fütterung der Vögel

Ein Zitat

Infoboard und Notiz zum Vogelfüttern in einer Seitengasse von Huttwil.
Foto © Jörg Niederer
"Narren wachsen unbegossen." Deutsches Sprichwort

Entdeckt

Huttwil. Durchgang zwischen Coop-Einkaufszentrum und Restaurant Bahnhof. Das Infoboard ist zugestellt mit parkierten Autos. Ich frage mich, wer es beachtet an diesem düster wirkenden Ort. Mir fällt es auch nur auf wegen des Zettels darüber. "Das Vogelfüttern auf dem Areal des Restaurant Bahnhof ist untersagt", steht da in grammatikalisch nicht ganz korrekter Schreibweise. Genitiv ist schwer. Der Ort des Anschlags am Fensterladen des Hotels in dieser Seitengasse ist so seltsam wie der Inhalt. Gibt es hier eine Vogelplage? Haben sich Autofahrer hier getroffen, um Vögel zu füttern? Ich sehe nichts Geflügeltes an diesem unwirtlichen Ort, nicht einmal die obligaten Spatzen. Gab es sie einst zahlreich an dieser Lokalität? Sind sie nicht mehr da, weil das Füttern verboten und folglich nichts mehr zu holen ist?

Auf dem Touchscreen darunter wir just in dem Moment die Werbung für die Vogel Trockenbaumontage GmbH eingeblendet. Damit hat das Fütterungsverbot wohl nichts zu tun. Lustig ist es trotzdem, die beiden Botschaften zu verbinden. Wie sieht es aus mit den Mitarbeitenden der Vogel Trockenbaumontage GmbH? Dürfen die im Hotel Bahnhof gefüttert werden? Oder müssen sie sich andernorts verpflegen lassen?

Übrigens: nur 50 Meter weiter steht die einstige Kapelle der Methodisten. Dort haben die Vögel gesungen. Dort ist das Füttern auch nicht verboten. Dort ist es auch nicht so abseitig düster. Dort liegt Musik in der Luft.

Jörg Niederer

Montag, 22. Juni 2026

Sitzungstrychler

Ein Zitat

Die Mitglieder wurden an der Tagung der Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika mit einer "Trychel" aus der Pause zu Situngszeit gerufen.
Foto © zur Verfügung
"Das sucht Gott bei uns, dass wir umsichtig und entschlossen seinen Spuren der Liebe und des Guten folgen." Bischof Stefan Zürcher in der Konferenzpredigt zu Micha 6,1-8

Entdeckt

Es hat ausgeläutet an der jährlich stattfindenden Tagung der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika. Gestern Sonntag ging sie mit einem für diesen Anlass recht kurzen und kurzweiligen Ordinationsgottesdienst zu Ende. Da der Anlass in eigenen methodistischen Räumen stattfand, musste man sich für den Besuch ein kostenloses Ticket besorgen, was rund 350 Personen dann auch taten. Anschliessend nutzten die Besuchenden das sonnig-heisse Wetter für Gespräche und das gemeinsame Essen. Einige kühlten sich ab, in dem sie ihre Füsse in einem eigens aufgestellten Kinderplanschbecken badeten.

In den vergangenen drei Tagen lösten sich Sitzungszeiten, Feiern und Pausen immer wieder ab. Es war gar nicht so einfach, die rund 240 Delegierten aus den Pausen an die Konferenztischen in der wohltemperierten 3x3-Halle zurückzurufen. So bin ich dann selbst unter der Trychler gegangen. Das hat schon etwas, so eine grosse Kuhglocke rhythmisch zu läuten. Den Freiheitstrychlern werde ich mich dennoch nicht anschliessen, weder inhaltlich noch brauchtumsmässig.

Jedenfalls konnte die Sitzungszeit ohne nennenswerten Umfall abgeschlossen werden. Zu guter Letzt ist dann noch eine Gefriertruhe ausgestiegen. In diesen heissen Tagen ist das kein zu unterschätzendes Ereignis. Das Eis schmilzt, das Leben taut. Aber wie hiess doch das Konferenzmotto: "No Risk  no love".

Weitere Fotos von dieser internationalen Tagung kann man sich auf der Seite der Jährlichen Konferenz anschauen.

Jörg Niederer

Mittwoch, 18. März 2026

Predigtplatz im Nirgendwo

Ein Zitat

In einem unscheinbaren Wohnhaus in der Agglomeration von Luzern befand sich einst ein methodistischer Predigtplatz.
Foto © Jörg Niederer
"Mir ist es nur selten gelungen eine Gelegenheit wahrzunehmen, bevor es keine mehr war." Mark Twain (1835-1910)

Hingesehen

Ein Wohnhaus, wie es viele gibt. Auf zwei Stockwerken vier Wohnungen. Der Ort, irgendwo im weiteren Umfeld der Stadt Luzern. Hier stehen nur noch wenige ältere Häuser, wie dieses. Rundherum sind markante Wohnüberbauungen entstanden. Der Dorfkern ist nicht fern. Ein Coop, einige kleinere Läden, ein Bistro, eine Baustelle, nichts besonderes.

In diesem Wohnhaus in einer der Wohnungen befand sich einst ein Predigtplatz der Evangelisch-methodistischen Kirche. Den Raum zur Verfügung gestellt hatten Privatpersonen. Das ist, wie auch die Arbeit in Luzern (Siehe Beitrag vom 12. März 2026), längst Geschichte.

Dass es wirklich auch so war, davon kann man in Verzeichnissen älterer Konferenzverhandlungen lesen. Die so genannten "Jährlichen Konferenzen" findet bis heute jährlich einmal während 3-4 Tagen statt. Dann wird auch Buch geführt, eine Statistik der Mitglieder erhoben und die Wirkorte festgehalten. Auf dem Arbeitsfeld Luzern gab es im Jahr 1981 nebst der Kapelle in Luzern noch vier weitere Orte des Wirkens. Weitherum in der Schweiz traf man sich in Schulhäusern, auch Gemeindehäusern, in Hotels und Restaurants, in Altersheimen, in Fabriken und Verwaltungszentren und eben auch in Privathäusern. Nach und nach sind diese "Aussenstationen" verschwunden. Die Zeiten haben sich geändert. Es geht nicht mehr darum, in jedem grösseren Dorf eine kleine Glaubensgemeinschaft zu unterhalten. Kräfte werden gebündelt, die Kirche konzentriert sich auf wenige zentrale Standorte. Die Mobilität macht es möglich. Nicht mehr der Prediger, die Predigerin reisen zu den Gläubigen. Es sind die Gläubigen, die zu den Kapellen reisen, auch einmal 50 Kilometer, mit dem Privatauto oder dem öffentlichen Verkehr.

Geblieben sind mancherorts die Hauskreise. Diese finden immer noch in Privaträumen statt. Da treffen sich 5-10 Menschen zu Gesprächen über Texte der Bibel, über Kirche und Gesellschaft. Dazu braucht es selten eine Pfarrperson. Selbst ist heute die Christin, der Christ. Gut so.

Wie es weitergehen wird mit den Kirchen, mit der Evangelisch-methodistischen Kirche in der Schweiz, wir werden es sehen. Leicht haben sie es nicht mehr.

Jörg Niederer

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