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Donnerstag, 30. Juli 2026

Der Weg geht nie aus

Ein Zitat

Das Schloss Burgdorf
Foto © Jörg Niederer
"Man muss nur hübsch alt werden: dann gibt sich alles." Arthur Schopenhauer (1788-1860)

Entdeckt

In den letzten viereinhalb Monaten ist meine Weg auf der Kapellentour bis Burgdorf weitergegangen. Seit Projektstart am 28. Oktober sind 541 Kilometer und 13'000 Höhenmeter zusammengekommen. Ich bin dabei an 39 von der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) aktiv genutzten Liegenschaften vorbeigekommen. Weitere 27 aufgegebene Standort habe ich so nebenher auch noch besucht.

Die weitere Planung führt mich nun auf 238 Kilometern via Jegenstorf, Hindelbank, Langnau i. E., Signau, Worb, Belp, Wabern, Bern, Lyss, Aarberg, Täuffelen, Neuchâtel und Saint-Imier nach Biel.

Mit Neuchâtel werde ich mein westlichstes Tourenziel erreichen. Danach geht es wieder mehrheitlich ostwärts, und irgendeinmal werde ich dann erneut in Zürich landen.

Solche Reisen über lange Distanzen und mit gesteckten Zielen führen immer zu einem Problem: Irgendeinmal sind sie abgeschlossen. Was wird dann kommen? Nun, da wären noch einige Kapellen und Standorte der EMK im Berner Oberland. Und danach könnte der süddeutsche Raum folgen, oder auch Österreich, Ungarn, usw.

Der Weg wird mir nie ausgehen. Solange die Beine tragen, geht es in meinem Leben immer auch wieder zu Fuss weiter.

Jörg Niederer

Mittwoch, 15. Juli 2026

Rast und Reise

Ein Zitat

Das Wanderwegzeichen steht für Bewegung, die Hauswurz für Verharren.
Foto © Jörg Niederer
"Nichts bringt uns auf unserem Weg besser voran als eine Pause." Elisabeth Barrett-Browning (1806-1861)

Entdeckt

Die Schweiz ist gepflastert mit Wanderwegzeichen. Dieser Rhombus gehört zum Wegnetz im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Angebracht an einem Gartenzaunpfahl ob der Sitter beim Gehöft Würzen erzählt er von Bewegung, von Fussreisen, von vorübergehenden Momenten. Auf dem selben Holzpfahl wächst die Hauswurz. Eine Dickblattpflanze, welche ein beachtliches Verharrungsvermögen aufweist. Zugleich ist sie weit verbreitet, von Marokko bis Iran, von der Meereshöhe bis in die alpinen Lagen. Bewegung und Verharren. Dazu passt auch das Zitat von Elisabeth Barrett-Browning: "Nichts bringt uns auf unserem Weg besser voran als eine Pause". Gelesen haben wir diesen Spruch einige hundert Meter weiter auf unserer Wanderung, auf einer Gartenbank.

Vorankommen hat wenig zu tun mit Geschwindigkeit, mit Rastlosigkeit. Voran kommt man, wenn man sich Zeit nimmt, einen Schritt vor den andern setzt, aber auch die Zeit an Ort und Stelle erträgt. Wie um das zu lernen, warten wir dann 90 Minuten lang auf das Postauto, das zu dieser Zeit in Haslen nur gerade alle zwei Stunden die Aufwartung macht. Das einzige Restaurant ist zu. Zerstreuung ist Mangelware. War es verlorene Zeit? Nein, das war es nicht.

Jörg Niederer 

Donnerstag, 22. Januar 2026

Auf in den Nebel

Ein Zitat

Der Fruchtstand einer Waldrebe wurde vom Raureif in ein vergängliches Glitzerwunder verwandelt.
Fotos © Jörg Niederer
"Jeglicher Zauber geht verloren, wenn du versuchst, ihn einzufangen." Helga Schäferling (*1957)

Hingesehen

Aus dem Zugfenster sehen wir eine sonnige Winterzauberlandschaft. An uns vorbei ziehen mit Raureif behangene weissgefärbte Bäume auf grünen Wiesen. Dann wendet sich die Fahrt dem Ausgangspunkt der Wanderung zu. In Affoltern am Albis ist von der Pracht noch eine Ahnung übriggeblieben. Die Sonne schafft es gerade noch so, einen kaum wahrnehmbaren Schatten zu werfen. Kurz steigen wir im Wald auf eine kleine Anhöhe nahe Ottenbach, dann geht es hinunter zur Reuss in eine Nebelsuppe, die wir nur zu gut von unserem Wohnort her kennen. Von nun an ist es eine Wanderung voller Überraschungen. Was wird wohl als Nächstes schemenhaft auftauchen und wieder verschwinden? Entlang des Flusses sind wir fast allein. Es ist still bei einem der 30 Naturschutzgebiete entlang der Reuss.

Für einmal ist das Weiterwandern auf der Kapellentour kein Aufstieg ins Licht, sondern ein Abstieg in den Nebel. Wer nur hat diese Strecke für diesen Tag ausgesucht?

Ein Vorteil gibt es aber: Wir sind umgeben von Raureif. Die Eiskristalle verzaubern uns und alles, lassen die kleiderdurchdringende Kälte immer einmal wieder vergessen. Ein Storch fliegt in vielleicht 20 Meter Höhe direkt über uns hinweg. Ein Trupp Schwanzmeisen zwitschert mit den Wintergoldhähnchen um die Wette. Enten fliegen, überrascht von den Schritten der einsam Wandernden, auf die gegenüberliegende Flussseite.

Es ist eine Reise vom Kanton Zürich in den Kanton Aargau. Es ist eine Reise nach innen.

Jörg Niederer

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