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Donnerstag, 12. März 2026

Freikirche in der Innerschweiz

Ein Zitat

Jörg Niederer steht vor der Kapelle der einstigen Evangelisch-methodistischen Kirche Luzern.
Foto © Jörg Niederer
"Der Sinn – und dieser Satz steht fest – ist stets der Unsinn, den man lässt." Odo Marquard (1928-2015)

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Sie ist wohl eine der markantesten methodistischen Kapellen in der Schweiz mit ihrem Turm und den auffälligen Eingängen. In der Ecke eines im Quadrat um einen Innenhof angeordneten Gebäudekomplexes fällt das über 100-jährige Gebäude gegenüber dem neuen Glashochhaus der Luzerner Polizei auf. Im mit "Evangelisch-methodistische Kirche" (EMK) beschriften Gebäude befinden sich nebst den Kirchenräumen acht Wohnungen und das Büro der Pfarrperson. Doch die Gemeinde, die dort seit 2008 ihre Gottesdienste feiert, gehört nicht zur Methodistenkirche. Die "International Church of Luzern" hat ihre Ursprünge bei den Batisten. Die Methodistenkirche stellte die Arbeit in Luzern 2008 offiziell ein. Das Gebäude ist immer noch im Besitz der schweizerischen Methodistenkirche und steht in einer attraktiven, leicht zu vermietenden, ruhigen Wohnlage, in Gehdistanz zur prächtigen Altstadt.

Zur Zeit, als ich meine ersten Pfarrstelle in Huttwil angetreten hatte, traf man sich als Gemeinde so ein-, zweimal pro Jahr mit den Luzerner Methodist:innen. Der Pfarrer, der damals dort wirkte, war einst mein allererster Religionslehrer. Das war zu einer Zeit, als er so etwas wie Testpfarrer in Zofingen war. "Praktikum" wurde diese Zeit genannt. Ich war als Viertklässler fasziniert von dem, was er erzählte. Auch später wieder, als wir uns ab und zu in Luzern trafen, habe ich ihn in seiner direkten, freundlichen und bestimmten Art geschätzt. Vor wenigen Tagen ist er nun verstorben.

Luzern ist eine weitere Station auf meiner Wanderung von methodistischer Liegenschaft zu methodistischer Liegenschaft. Meine Kapellentour macht hier eine 180° Wende. Methodist:innen in der Innerschweiz sind nicht erst rar, seit es die Gemeinde in Luzern nicht mehr gibt. Auch zuvor konnte die EMK in diesem streng katholischen Kerngebiet nicht leicht Fuss fassen. Das hat wohl auch etwas damit zu tun, dass man, anders als andere Freikirchen, sich nicht scharf vom Katholizismus abgrenzte und distanzierte. Vielmehr versuchte man einen partnerschaftlichen Umgang mit anderen Konfessionen zu pflegen, und hat eine gewisse Hemmung, in scharfe Konkurrenz zu diesen zu treten.

In Luzern übrigens fällt man nicht auf, wenn man mit umgehängter Kamera durch die Innenstadt zieht. Hier knippst die ganze Welt all die Sehenswürdigkeiten in der quirligen innerschweizer Metropole am Vierwaldstättersee weg. Hier läuft man eher in Gefahr, den "Einheimischen" als Tourist auf den Geist zu gehen. Es droht Overtourismus.

Jörg Niederer

Mittwoch, 3. September 2025

Flechte, Mammutbaum und Hibiskus

Ein Zitat

Die Flechtenspezialistin Monika Orler referiert im Botanischen Garten über Flechten.
Foto © Jörg Niederer
"Himmel und Erde sollen ihn [Gott] loben, dazu die Meere und alles, was in ihnen lebt." Psalm 69,35 (Bibel)

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Der Anlass zum Auftakt in die Schöpfungszeit im Botanischen Garten St.Gallen unter dem Thema: "Mitenand und Gegenand - Symbiose und Konkurrenz im Pflanzenreich" war ausgesprochen anregend und vielseitig (Siehe Beitrag vom 2. September 2025). Da reicht ein Foto nicht, um davon einen Eindruck zu vermitteln. Organisiert von der Ökumenischen Kommission GFS (Gerechtigkeit, Frieden und Schöfungsbewahrung) der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen beider Appenzell und St.Gallen fanden sich rund vierzig Interessierte ein.

Es begann mit der ausgewiesenen Flechten-Fachfrau Monika Orler. Bei ihr erfuhren wir, dass es sich bei Flechten weder um Moose noch um Pflanzen handelt, sondern um eine Symbiose von Pilzen und Algen; dass diese den Wechsel von Feuchtigkeit und Trockenheit brauchen; dass sie uralt werden können und fast überall vorkommen (ausser im Wasser); dass es in der Schweiz rund 2000 Arten gibt; dass die Lungenflechte geschützt ist und in ihrem Heimatkanton Glarus an so vielen Laubbäumen vorkommen, dass die Förster Probleme bei der Waldbewirtschaftung haben; dass Flechten keinen Schaden anrichten; dass sie nichts zu tun haben mit Hautflechten beim Menschen; und noch viel mehr erfuhren wir von Monika Orler.

Manche Sukkulenten weisen einen lebendigen Lichtschacht auf.
Foto © Jörg Niederer
Bei der anschliessenden Führung durch den Botanischen Garten entdeckten wir, wie sich die Rinde des Mammutbaums anfühlt; dass die sogenannt "Lebenden Steine" zu den Sukkulenten gehören; dass es solche in den Blätter Wassern speichernde Pflanzen gibt, welche nach dem Prinzip des Lichtschachts funktionieren; dass manche Pflanzen mit Ameisen eine Zusammenarbeit eingehen; dass der Efeu und der Zitronenfalter sich in der Blatt- bzw. Flügelform gleichen; dass die Lotospflanze selbst Honig von den Blättern abperlen lässt und in allen Teilen essbar ist; dass die tropische Stachelseerose auf der Unterseite faszinierende Adern aufweist und dass die Schwimmblätter der Amazonasseerose bis 40 Kilogramm Gewicht zu tragen vermögen.

Im der anschliessenden Abendfeier wurde das Miteinander und Gegeneinander aus christlicher Sicht thematisiert. Einer der Höhepunkte war, dass die Teilnehmenden sich in Reagenzgläsern Samen, Suppenbuchstaben und Pfefferkörner in verschiedenen Farben bei den andern Personen abholen und so ein vielfältiges Farbmuster zusammenstellen konnte. Musikalisch wurde dem Anlass von der jungen Gitarristin Naja Meier Stimmung und Harmonie verliehen.  

Übrigens: Wer auf dem Laufenden bleiben will über die Beiträge in diesem Blog, kann sich in der WhatsApp-Gruppe NichtNurNatur eintragen.

Jörg Niederer

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