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Dienstag, 15. September 2026

Atemberaubend

Links: Aussicht vom Chuderhüsi-Turm: V.l.n.r. Wetterhorn, Schreckhorn, Finsteraarhorn Gross Fiescherhorn, Eiger, Mönch, Jungfrau. Davor sieben Hengste und Guggisgrat. Recht: der Chuderhüsi-Turm.
Foto: © Jörg Niederer

Ein Zitat

"Da liegt a junger Schrofndottl, / Er hat a Bergtour gmacht im Mai: / Gar langsam ist er aufikommen, / Aber untn g'wosn glei." Tiroler Marterl für einen abgestürzten Bergsteiger

Entdeckt

186 besteigbare Türme gibt es in der Schweiz. Erstaunlich, bedenkt man, dass viele von ihnen für nichts anderes gut sind, als um die Aussicht zu betrachten. Einer davon ist der Chuderhüsiturm. 195 Treppenstufen führen auf eine Höhe von 37 Metern. Diese Höhe braucht es auch, um über die mächtigen Tannen hinweg die Aussicht zu geniessen. Die ist dann auch bemerkenswert. Besonders der Blick zu den Berner Alpen ist atemberaubend. So sagt man zumindest, denn der Aussicht wegen hat noch niemand aufgehört zu atmen.

Auf dem Foto sind von links nach rechst die folgenden Alpengipfel zu sehen: Wetterhorn (3692 m ü. M.), Schreckhorn (4078 m ü. M.), Finsteraarhorn (4274 m ü. M.), Gross Fiescherhorn (4049 m ü. M. Der etwas niedrigere, schneebedeckte Gipfel rechts hinter dem Finsteraarhorn.), Eiger (3.967 m ü. M.), Mönch (4.110 m ü. M.) und Jungfrau (4.158 m ü. M.). Auf keinem bin ich je gestanden und werde es wohl auch nie. Dafür sieht man bei der Bergkette direkt vor den Alpenriesen die Sieben Hengste und den Guggisgrat. Die Sieben Hengste bestieg ich eins in jugendlichen Jahren von Beatenberg aus. Damals verbrachte ich Zeit in einem Sonntagschullager und durfte einige der Leitenden begleiten in diese atemberaubende (schon wieder!) Karstlandschaft. Es war meine erste grosse Bergtour. Da möchte ich unbedingt noch einmal hin. Vorerst aber bleibt das Schauen aus Distanz.

Jörg Niederer

Montag, 10. August 2026

Street Parade

Ein Zitat

Die Scheibe im Abteil eines Zugs von Bern nach Zürich war wohl von Besuchenden der Street Parade in arge Mitleidenschaft gezogen worden.
Foto © Jörg Niederer
"Together We Move" Motto der diesjährigen Street Parade

Entdeckt

Wer seine Ruhe haben möchte, fährt besser nicht während der Street Parade von Bern nach Zürich. Nicht nur, dass manche Fahrgäste allen andern im Zug ihre Songs vorführen wollten, dabei lauthals mitsangen und alkoholbedingt ihre sprachlichen Lautäusserungen nicht mehr ganz auf Zimmerlautstäre einpegeln konnten. Nein, auch der Abfall häufte sich an den unmöglichsten Orten. Von unserem Abteil aus war auch die Aussicht, wohl aufgrund von Zusammenstössen irgendwelcher harter Körperteile mit der Scheibe, doch sehr fragmentiert. Vielleicht hatte aber auch jemand nun endlich diese Hämmerchen ausprobiert, das in den Zügen die Möglichkeit des Notausstiegs sicher soll. Falls ja, so hat alles wunderbar funktioniert. 

Die zerbrochene Scheibe ergab eine ganz neue Sicht der Dinge. Oder müsste man sagen: Zum ersten Mal sah man, wie zersplittert die Welt wirklich ist. Zusammengehalten wurde die Bruchscheibe von einer dünne aufgeklebten Plastikfolie. Diese sorgte dafür, dass auch bei Druckaufbau durch entgegenkommende Züge die Scheibe nicht kollabierte. Wie ist das mit unserer Gesellschaft? Was hält diese noch zusammen?

Jörg Niederer

Freitag, 6. März 2026

Die Aussicht der Galater

Ein Zitat

Der Weiler Galattere liegt auf halber Höhe zwischen Golfplatz und Schlachtkapelle Sempach.
Foto © Jörg Niederer
"Dies Epistel an die Galater ist mein Epistel, der ich mich vertraut habe, meine [Ehefrau] Käthe von Bora." Martin Luther (1483-1546)

Hingesehen

Auf meinem Wanderweg entdecke ich einen neuen, bisher noch nie gelesenen Ortsnamen. Theologisch verbildet denke ich erst an die "Galater". Doch mit dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Galatien hat dieser Ort nichts zu tun. Der zweite Blick auf die Karte offenbart den Unterschied. Der Weiler heisst "Galattere". Er liegt bei Hildisrieden, auf halbem Weg hinunter zur Schlachtkapelle Sempach.

Zuhause entdecke ich einen weiteren ähnlich geschriebenen Flurnamen im Kanton Zürich: "Galatere".

Die Aussicht von diesem Ort bei Sempach ist an schönen Tagen atemberaubend. Die Innerschweizer Alpenkette zeigt sich zwischen der Rigi und dem Pilatus in Hunderten von Gipfeln. Weiter westlich entdecke ich die Berner Alpen, fern hinter dem Sempachersee. Das ist kein Ort um wegzurennen. Doch genau das soll das Dialektwort "galattere" bedeuten: "Schnell springen". (Nebenbei: Springen steht im Schweizer Dialekt für rennen und nicht für hochhüpfen.) So jedenfalls erklärt "The Journal of English and Germanic philology" das Wort Galattere. Andere online abrufbare Standardwerke wie das Schweizerische Idiotikon oder Ortsnamen.ch wissen nichts davon. Da zeigt sich also eine Wissenslücke, die es noch zu füllen gilt. Bis es soweit ist, bleibt der Weiler Galattere für mich der Aussichtspunkt der Galater. Ein Ort zum Verweilen oder zum Springen vor Glück.

Jörg Niederer

Dienstag, 24. Februar 2026

Über den Dächern

Ein Zitat

Fotos © Jörg Niederer
"Auch ein hunderttausend Fuss hoher Turm ruht auf der Erde." Sprichwort


Hingesehen

Der Turm der Friedenskirche dominiert die rechte Stadtseite von Olten. Er ist nicht gerade die Sagrada Familia Gaudi in Barcelona, weder vom Ästhetischen noch von der Turmhöhe. Doch da die Friedenskirche im Verhältnis zur Altstadt leicht erhöht steht, und der Turm doch 60 Meter in den Himmel ragt, ist es eine der höchsten Aussichtskanzeln der Stadt Olten. Das Stadthaus, immerhin 52 Meter hoch, überragt der Kirchturm locker. Vermutlich sind die zwei Türme der Römisch-katholischen Kirche St. Martin noch etwas höher. Doch ob man dort als gewöhnlicher Sterblicher auf etwa 55 Meter hinaufklettern kann wie beim Turm der Friedenskirche, entzieht sich meinen Kenntnissen.

Gestern traf ich zufällig einen alten Bekannten. Beat Bachmann arbeitete lange bei der Evangelisch-methodistischen Kirche auf dem Jugendsekretariat in Olten. Dann wechselte er als Diakonischer Mitarbeiter in die Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Region Olten. Sein Arbeitsplatz befindet sich in den Räumen der Friedenskirche. So hat er auch Zugang zum Turm, und gewährte mir eine Spezialführung hinauf in windige Höhen. Von dort hat man eine atemberaubende Rundumsicht. Da ich in Olten aufgewachsen bin, etwa 300 Meter von den tief klingenden fünf Glocken der Friedenskirche entfernt, wollte ich schon immer einmal hinauf an diesen luftigen Ort. Dank Beat hat es nun geklappt und ich konnte hinunter sehen, auf die Schauplätze meines früheren Lebens. Ich hatte, so könnte man sagen, für eine kurze Viertelstunde den totalen Überblick.

Jörg Niederer

Freitag, 14. November 2025

Berggipfel

Ein Zitat

Die Berge Säntis und Speer erheben sich am Horizon über den Zürichsee.
Foto © Jörg Niederer
"Die Spitze des Berges ist nur ein Umkehrpunkt." Reinhold Messner (*1944)

Hingesehen

Zwei alpine Gipfel erheben sich am Horizont über dem Zürichsee. Links der Säntis und rechts der Speer. Letzterer seines Zeichens mit 1950,5 Metern der höchste Nagelfluh-Berg Europas. Der Säntis ist mit 2501,9 Meter noch einmal deutlich höher. Auf ihm hat man eine grandiose Rundumsicht. Auf beide Berge bin ich schon selbst hinaufgestiegen.

Nicht so auf den Hügel, der sich auf dem Foto entlang des Sees zwischen den beiden Schneebergen hinzieht. Dabei erhebt sich der Chlosterwald gerade einmal 113 Meter über die Wasser. Vielleicht werde ich auf meiner Kapellentour zurück nach Zürich statt dem nördlichen Zürichseeufer entlang – eine Strecke, die ich schon früher einmal erwandert habe – über diesen Hügel hinwegziehen. Wir werden sehen.

Jörg Niederer

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